Ich bin mir durchaus meiner Sünde bewusst, mich lange nicht mehr bei euch, meiner Familie, meinen Fans, gemeldet zu haben. Nun, dies mag daran gelegen haben, dass die Zeit doch ziemlich schnell vergeht. Kaum hat mein Studium angefangen, steh ich auch schon fast wieder vor den Prüfungen. Nein, falsch. Die kommen erst im Juli, aber dennoch bin ich psychisch im Prüfungsstress, da ich merke, wie der Stapel an Papier in meinem Zimmerchen stetig wächst und die permanenten Ankündigungen "Heute kümmer ich mich mal um Physik" oder "Dieses Wochenende wird alles besser" doch dem in letzter Sekunde Begehren nach einem Bier, einem Fußballspiel, dem Schlaf oder sonstwas zum Opfer fallen.
Ein schlechtes Gewissen bereitet mir das, ja. Aber ein schlechteres Leben unter diesem Druck? Nein, den hab ich allerhöchstens abends, wenn ich in meinem Bett liege, die Decke anschau und mir ab und zu die Tränen kommen ob der Gedanken an die abermals verlorene Zeit.
Einzig für Chinesisch häng ich mich ordentlich rein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es erstens mehr Spaß macht, da neu, und zweitens das Tempo dort doch noch höher ist, als in den anderen Fächern. Ich habe sogar schon Connexiones zu einer Chinesin geknüpft, um bei ihr leckeren Tee zu trinken und die Sprache zu lernen. Dieser Einsatz zahlte sich - wie ihr wisst - aus. 88/100 Punkte, Note 1,7 im Sprachtest, dessen Bewertung zum Teil mit in die Prüfung fließt. Die Grammatik in diesem Fach ist leicht verständlich, somit bleibt einzig und allein das Problem mit diesen schönen Zeichen, mittlerweile siebzig oder achtzig, die in meinem Zimmer überall rumhängen. Aber gut, Freitag fahr ich nach Hause, was zweimal sechs Stunden lernen mit fast ohne Ablenkung bedeutet.
À propos nach Hause kommen: Da war ich ja letztmalig Ostern, also schon zwei Wochen her oder so. Ja, es war nett, glaube ich. Ich habe die Zeit dort genauso genutzt wie hier, und zwar mit dem Konsum einer alkoholischer Köstlichkeiten norddeutschen Ursprungs. Einen Kasten Haake Beck musste ich dementsprechend gleich mit hierherführen, um noch etwas mehr Heimatgefühl in mein schönes Wohnheim zu bringen. Allerdings kann ich mich hier nicht beklagen, Biergetränk N° 1 ist auch in Stuttgart das gute, alte
Beck's, gefolgt vom Tannenzäpfle, was mir aber auch mundet. Jetzt muss nur noch das Bier in meiner Fußballkneipe N° 1 besser werden und dann hamma's doch. Die beiden Wochen plätscherten danach dann so vor sich hin, relativ schnell allerdings, also sie flossen mehr, kann man sagen. Den einen Freitag besuchte mich der Herr Gevatter, gemeinsam waren wir bei der weiteren Verwandtschaft aus der Umgebung, Fußballspielen mit Vaddi und die kleinen. In der Hitze. Nun gut, der edle Herr Gevatter verschwand am Abend wieder, der oeRque suchte sich andere Aktivitäten. Erst das obligatorische Vorglühen mitm Mitbewohner und seinen Kumpels aus Wiesbadens Umgebung, dann in die Stadt, in eine Rockdiscothek. Auch dort mundete das Bier, leider bewirkte es aber auch, dass der Weg zum Busbahnhof kürzer eingeschätzt wurde. Somit begab es sich, dass oeRque zu einer Zeit von 3.30 auf halbem Wege wieder umbog und besagte Rockdiscothek abermals aufsuchte. Mitbewohner und Kumpanen hatten es geschickter gemacht und waren bereits eine Dreiviertelstunde früher gegangen. Das fiel oeRque dann auch auf, als er ganz alleine dort stand, noch ein Bierchen trank. Aber was macht man denn da, so ganz alleine, wenn man fast keinen richtig kennt.
Und da geschah etwas, was sonst nur sehr selten passiert: oeRque... tanzte! Und zwar viel und ausgiebig. Es muss sich ein gar fabelhafter Anblick für die umherstehenden Besucher geboten haben. Nehm ich an.
Aber gut, so vergingen die Stunden schnell und oeRque konnte um halb sechs die erste S-Bahn nehmen und nach Hause fahren. Jedoch dürstete es ihn bereits auf halber Strecke und er fragte sich, was er tun könnte. Er hielt vorerst Stand, verspürte dann allerdings das Kribbeln in den Fingern und zückte sein Handy. Torben ging zwar ran, oeRque bemerkte allerdings schnell, dass auch dieser nichts gegen seinen Durst nichts tun konnte. Also war die nächste Nummer die eines campusansässigen Komilitonen. Leidergottes war dieser auch nicht da, stattdessen weckte oeRque zwei weitere Komilitoninnen mit diesem Anruf.
Gut, so wurde alleine getrunken, um halb sieben schlief man dann ein. Vogelgezwitscher und brühende Tropenhitze sorgten dann aber für ein frühes Erwachen um Elfe.
Gut, der Tag verging dann recht schnell. Gegammelt, Fußball geschaut, dabei zwei Studi-Maß für 4,40 Euronen getrunken und um sieben schlafen gegangen.
Nun, diese Hitze erwähnte ich bereits. Hier ist es seit Wochen quasi Sommer, tagsüber. Um dieser standzuhalten musste mein angezüchteter Bart, in Fachkreisen auch Pelz genannt, weichen. Keine Panik - er kommt wieder, keine Frage!
Beim Chinesisch-Zeichen-Lernen am Sonntag auf der Wiese verbrannte ich mir den Rücken. Trotzdem finde ich weiterhin, dass Sonnenmilch vollkommen überbewertet ist, quasi eine Abzocke vom Staat, genauso wie duschen. Also lag ich am Montag gleich wieder draußen, diesmal war das Bäuchlein, zärtlich auch die Plautze genannt, dran.
Die Woche dann verging auch wieder recht schnell und aus irgendwelchen Gründen ergab es sich, dass ich schon am Donnerstag Mittag Wochenende hatte. Dieses gehört, mit diesen Erlebnissen, verboten und nicht erwähnt.
Aber gut, ich berichte trotzdem. Am Freitag war der brave oeRque Babysitten beim Onkel mit die Kleinen, meinem Patenkind und gleichzeitig Cousin und seiner Schwester, somit meine Cousine. Am Samstag kehrte oeRque zurück und der Mitbewohner, im folgenden Dirk, der wo keine Manieren hat, kurz einfach "Dirk" (Foto) genannt, vielleicht auch gar nicht mehr benannt, weiß ich noch nicht,
lud zum gemeinsamen Grillen über den Nachmittag mit Freunden aus der Woche davor. Der Abend gehörte vorerst dem Frühlingsfest auf den Cannstadter Wasen, sowas wie der Bremer Osterwiese. Allerdings War es dort eher suboptimal, da, wohin man auch schaute, alles voll mit diesen neuartigen Vokuhilas aus Südosteuropa war. Ein Beitrag zu "Stuttgart, befreie dich von der Vokuhila-Seuche" wird baldigst folgen.Der restliche Abend wurde dem Bier gewidmet, erst in Kneipen, dann im Wohnheim, bis in die Nacht. Am nächsten Morgen wurde ich mit einem Weizen geweckt, danach folgte weiteres Bier und Cola-Korn, wahlweise auch mit Sprite (also der Korn, nä), und dazu dann gen Nachmittag wiederum gegrilltes plus 3 Tüten Pommes aus meiner Fritteuse für uns fünf Leutchen.
Der Nachmittag wurde mit einer netten kleinen Wanderung gefüllgt. Zum Biergarten. Versteht sich. Danach wieder zurück ins Heim, eine Pizza bestellt, weitergetrunken und so weiter. Der Abend verging so peu à peu, die Flasche Korn war auch alle, also musste der Bierautomat aus dem Waschraum dran glauben, bis zwölfe, als sich alle beteiligten gen Bett verabschiedeten.
Leider dürstete es mich bereits eine halbe Stunde später abermals, sodass ich die anderen aufsuchte und noch einen dazu begeistern konnte, mit mir ein Schlückchen Bier zu trinken. Oder zwei. Als wir gegen dreie noch einmal den Automaten aufsuchten, wurden wir sehr enttäuscht: Dieser ist, wegen ich zitiere "permanenter Ruhestörung", nachts ausgeschaltet.
Na toll, dann musste ich schlafen.
Nun, somit vergingen die beiden Mathevorlesungen am Tag drauf wie in Trance. Erst abends, im Bett, kamen mir wieder die Tränen ob dieser verpassten Lernzeit.
Habt viel Spass an diesem schönen Abend. Freitag komm ich wieder in die Heimat.
oeRque - muss jetzt essen.
Ps.: Es kommen zwar noch Anrufe für Eren, aber es wird doch immer weniger.


