Wie schon berichtet, sahen mein Bruder und ich uns Anfang der Woche dazu gezwungen, der vollkommenen Abhängigkeit der Natur, die uns hier zuhause im Bezug auf fließend Wasser und warme Nahrung erreicht hätte, zu entfliehen. Und wie schon erwähnt, dauerten die Pläne dafür sehr lange und endeten darin, dass wir die einst so gut ausgeklügelten über den Haufen warfen und statt nach Italien, Frankreich oder Griechenland doch nach Rijeka in Kroatien flogen.
Dienstag am frühen Nachmittag flog unsere Maschine von Hannover los, wir kamen knapp eine halbe Stunde vor eigentlichem Abflug an und hatten Glück, noch einchecken zu können, da der Flug eine halbe Stunde Verspätung hatte. Aufgrund dieses Zeitmangels mussten wir übrigens auch wieder in die viel zu teure Hochgarage fahren. Wie Torben sehe auch ich mich dazu gezwungen, sie irgendwann abzureißen. Oder einen Anschlag drauf verüben. Aber gut, erstmal wollten wir jetzt wegfliegen.
Unsere Sitznachbarn im Flugzeug erwiesen sich als Hardcore-(Alkoholiker-)Schwuchteln, die ihr Liebesnest in einer einsamen Pension auf Istrien, irgendeiner Halbinsel nahe Rijeka, beziehen wollten. Hach, begeistert waren die beiden Schnapsdrosseln, die im Flieger mit Weißwein und Gin-Tonic auf ein paar Wochen Happyness anstießen, von ihrem Kroatien, das sie jetzt das vierte Mal infolge besuchten. Während des gesamten Fluges durfte ich mir dann alles über Istrien anhören, was er erlebt hat und so weiter. Das ganze natürlich mit dieser möchtegern-verstopften Nase und ein paar albernen Lachanfällen. Romantische Hotels konnte er mir empfehlen, die Abgeschiedenheit und so weiter, natürlich all das, was unseren Budget-Rahmen deutlich sprengen würde. Totgelacht hätte er sich bei vielen Details, die ihm aufgefallen sind, zum Beispiel, dass die Stadtbusse seine alten Schulbusse seien und so.
Danach konnte er mir noch zu jeder Stadt, die TUIfly anfliegt etwas sagen. Es sei sein Job, er war nämlich Landschafts- und Stadtplaner.
Gelandet sind wir dann endlich irgendwann auf dem schönen beschaulichen ehemaligen Militärflughafen der vokallosen Insel Krk, von dort sollte es mit Bus weitergehen. Unsere Flugnachbarn sollten sich auch dort wieder neben uns setzen und weiter von Istrien schwärmen, als wollten sie uns auch dafür begeistern und indirekt einladen. Dankend haben wir durchdringen lassen, dass wir nur nach Rijeka und auch schon wieder zurück wollten.
In Rijeka ging es erstmal was essen, das fiel bei uns schließlich morgens aus besagten Gründen aus. McDonald's war wieder das Ziel, das Torben ansteuerte und als Krüppel konnte ich mich schlecht dagegen wehren.
Wer nun allerdings glaubt, in Kroatien in einem Land zu sein, das vor kurzem noch Kriegsschauplatz (also gut, ist schon etwas her) war und zudem noch im Osten liegt und daher billig sein sollte, der täuscht sich. Diese Stadt ist unwesentlich günstiger als Deutschland und somit passten die Hotels auch nicht wirklich in unseren Budget-Rahmen. Trotzdem suchten wir am Informationscomputer nach einer Lösung, irgendwo sollte nämlich eine Jugendherberge geöffnet haben, hatte ich vorher im Internet gelesen. Kaum hatten wir aber zu klicken begonnen, kam eine nette, junge Dame, hübsch dazu, allerdings mit der Peter Maffay-Gedächtniswarze (gut, dagegen gibt's ja heute auch Mittel..) zu uns und fragte, ob wir eine Sleeping Location suchten, sie hätte da was anzubieten für deutlich weniger Geld, als die Hotels. Nach kurzer Beratung entschieden wir uns, das mal anzuschaun. Durch die schöne Innenstadt wurden wir geführt in zwei Nebenstraßen, landeten in einem schäbigen Hinterhof eines allten, von außen dreckigen Hauses und verschwanden in einem seiner Eingänge. Einen Stock höher durften wir in ihre Privatwohnung und dessen Gästezimmer beziehen. Sah letztendlich doch recht nett aus, mit Fenster und Ventilator und Tisch und Schrank und drei Betten. Wir löhnten im Voraus, bekamen Schlüssel und noch das Bad gezeigt. War auch akzeptabel. Die Rucksäcke konnten wir dort lassen, was nett war, denn darunter schwitzte man schon ordentlich, selbst am Abend. Wertsachen nahmen wir aber lieber mit. Sicher ist sicher. Die Mutter versicherte uns, dass wir in der Nacht kommen konnten, wann wir wollten. Sie wusste, dass wir es auf den Alkohol abgesehen haben.
Und tatsächlich, das Bier dort konnte man sich schon günstiger reden/trinken, als es womöglich am Ende war. Wir besuchten also am Abend ein paar Bars und verköstigten ein, zwei Bierchen, dazu einen günstigen Cocktail und gingen bereits um halb eins zurück um zu schlafen.
Die Nacht war allerdings eher eine Qual, denn der Ventilator brachte nichts und durch das geöffnete Fenster drang auch nichts ein. Während meiner Träume verfestigte sich in meinem Kopf die Theorie, der Ventilator würde die warme Luft immer wieder von der kalten trennen und somit einen Austausch unmöglich machen und überhaupt träge er zu einer Verkühlung bei. Also schaltete ich ihn ab, trotz Protestes von Torben. Aber gut, auch diesmal siegte er wieder gegen seinen Krüppelbruder.
Der darauffolgende (ganze) Tag war eher unspektakulär. Rijeka hat nicht viel zu bieten, außer Hitze. Aber einen Strand suchte man vergebens, trotzdem Rijeka am Meer liegt. Stattdessen gibt's einen hässlichen Hafen, viele dichtbefahrene und laute Straßen und Gulli-Gerüche. Also verbrachten wir den Tag mal hier, mal da, mussten zwischendurch ins Internet-Kaffee und noch einen Flug buchen, nämlich von Stuttgart nach Hannover zurück. Da das Internet aber nicht so fortschrittlich war, konnte es die letzte entscheidene Seite nicht öffnen und wir waren umsonst da.
Zwischendurch aßen wir noch etwas beim Subway (wirklich typisch kroatisch!) und setzten uns am Ende in nen Park, leerten ein paar Büchsenbierchen und warteten darauf, bald in einer Kneipe Werder zu gucken. Auch das war recht nett, wir gewannen, die glatzköpfigen kroatischen Fans vor uns erwiesen sich als weniger fanatisch, als befürchtet und nach ein paar weiteren Bierchen ging es durch die Stadt in einen nahegelegenen Park mit Bäumen, den wir vorher auf ner Karte ausfindig gemacht hatten. Dort wollten wir uns schlafen legen. Ein kleines Museum in diesem Park bot einen netten Eingangsbereich, den wir sofort nutzten. Ich breitete eine Decke aus und lag mich auf sie. Torben wollte sich lieber drunter legen. Sicher, die vorherige Nacht hatte ja auch gezeigt, dass man in Kroatien des Nachts öfter mal erfriert. Letztendlich sahen wir am morgen, dass er eigentlich gar keine Decke mehr hatte, sondern nur aufm Beton lag, aber es schien ja nicht gestört zu haben. Um kurz vor sechs klingelte der Wecker, mittlerweile liefen auch der ein oder andere Mensch an uns vorbei. Auf dem Weg zum Bus begrüßten wir noch unsere unmittelbaren "Nachbarn" vom Polizeirevier und um halb sieben ging der Bus Richtung Krk zurück.
Dort in der Schlange beim Check-In waren wir die fünften. Und mussten trotzdem über zwanzig Minuten warten. Ich frage mich bis heute, ob wirklich alle rechtzeitig im Flieger saßen, oder ihn wegen des Check-Ins verpasst hatten. Unsere letzten Kunas investierten wir schnell noch in das ein oder andere nichtalkoholische Getränk und freuten uns, irgendwann im Flieger zu sitzen.
In Stuttgart angekommen freuten wir uns über nette 12°C, allerdings mit Sonnenschein, bestiegen die S-Bahn und fuhren gen Uni. Dort in die HdM, schnell den Rückflug für den Nachmittag gebucht und in meine Butze, Briefkasten leeren. Erfreulich war das, neben den ganzen Spiegeln fanden sich ein paar Postkarten an und nur eine Rechnung, da war ich erleichtert. Danach schickte ich Torben mit Rad zum Einkaufen, ich bevorzugte die Dusche. Wir stanken erbärmlich.
Frisch geduscht verputzten wir schnell unsere Pizza und legten uns schlafen. Um fünf ging der Flug, für halb vier stellten wir uns den Wecker. Widerwillig standen wir gegen vier auf, mussten noch abwaschen und dann zur S-Bahn. Dort kamen wir um zehn nach vier an, verpassten natürlich die Bahn und weil das Streckennetz Stuttgart so toll ist, mussten wir ne Viertelstunde auf die nächste Bahn warten, die auch irgendwie noch langsamer zu fahren schien, als sonst.
Aber gut, um zwanzig vor fünf kamen wir im Flughafenschacht an, genau wie geschätzte tausend andere, die sich alle mit großen Koffern auf vor der einzigen Rolltreppe einreihten. Sie übersahen zum Glück den Aufzug dahinter, wir nicht und so kamen wir relativ schnell nach oben.
Eine nette Dame von TUIfly schickte uns zu einen ganz leeren Schalter, damit wir schnell durchkamen. Doch dort wurde mir aber mitgeteilt, dass man mindestens ne halbe Stunde vor Flug einchecken müsste, das wär jetzt zu spät. Nach etwas Überzeugungsarbeit akzeptierte die Pfeife hinterm Schalter dann doch, meinen Ausweis zu nehmen und kurz Kontakt mit den Leuten vom Flieger aufzunehmen. Kein Problem sei das, wir müssten nur schnell machen. Alles klar, der Herr gab meine Daten in den Computer ein und sah dann, dass wir gar nicht gelistet waren. Prima. Eine Buchungsbestätigung konnte ich an der HdM auch nicht ausdrucken, hatte somit nichts in der Hand. Ein leichtes Grinsen konnte ich im Gesicht des blöden Schaltermenschen erkennen, als er mir mitteilte, der nächste Flug würde frühestens am nächsten Morgen gehen aber für diese komischen Studententickets sowieso nicht. Cool bleiben, oeRque.
Am Informationsstand von TUI fragten wir also artig nach dem nächsten Flug und ob wir dort buchen könnten. Nein, das ginge nur online oder telefonisch, was aber schweineteuer war. Aber unten gäbe es Internet. Also gut, runter. Toll, dass der Flughafen über Wireless-Lan verfügt. Nur blöde, wenn man keinen Computer dafür dabei hat. Und das dann auch noch als "Internet" zu bezeichnen.. Naja, wir sind schleunigst wieder hochgelaufen um an den tollen Internet-Computern für den Online-Check-In mal zu gucken, was man da noch machen kann. Und siehe da, wir konnten uns einloggen. Der nächste Flug für uns wäre aber erst Sonntag gewesen. Viel zu spät, heute haben wir nämlich Mannschaftsessen und im Hinterkopf war ja immer noch das viel zu teure Parkhaus von Hannover. Aber dann sah ich es: Unter Buchungsübersicht war deutlich einzusehen, dass der Flug für heute nach Hannover wohl gebucht war für uns und die Bestätigung konnte ich widererwartens sogar hier ausdrucken (normalerweise können die TUI-Computer nämlich nichts, haben kein Papier, stürzen ab oder die Tastatur ist so kaputt, dass man oft mit nur einer Taste gleich drei weitere mittippt). Währenddessen kam die nette Dame wieder zu uns und frage, ob alles in Ordnung sei. Mit Schweiß auf der Stirn, unter den Achseln und in den Augen, was aber eher einer Träne glich und verweinter Stimme (weil noch außer Puste vom Treppenlaufen) brachte ich ein "Nein, nichts ist in Ordnung" hervor und erzählte die Story, dass wir nicht gelistet seien, obwohl ich jetzt einen Beweis hätte. Und die nette Dame wurde immer noch netter, ließ einen extra Schalter für uns eröffnet, bestätigte, dass sie uns shcon vor ner Stunde hier gesehen hätte, was ich schleunigst etwas runterkorrigierte (wegen des Gewissens.. ich kann so schlecht lügen) und auf ne Dreiviertelstunde brachte. Mittlerweile war es 16:53 und wir hatten noch sieben Minuten Zeit und auch der neue Mann am Schalter tippte uns schnell noch rein und die nette Frau funkte mit den Leuten vom Flieger und der Kontrolle, durch die wir ja auch noch durchmussten. Der blöde Mann vom Schalter gegenüber hatte zum Glück gerade Pause, konnte mit all dem nicht konfrontiert werden. Um 16:58 oder so wurde uns mitgeteilt, dass wir so schnell wie möglich zum Tor 333 sollten, dort würde schon auf uns gewartet und so. Alles klar, der Krüppel rannte also, so schnell er konnte, schmiss seinen Rucksack auf das Band zum Scannen, seine Krücken hinterher und vergaß natürlich das Portmonnaie. Das war aber nicht der Grund für's Piepen nachher, sondern vielmehr meine Schiene am Knie. Aber ich dachte mir nichts dabei, schließlich hatte ich den Krüppelbonus und wurde noch nie weiter kontrolliert, sondern wohl als einziger Passagier einfach so weitergewunken.
Nur diesmal war da so ein neunmalkluger Aufpasser. So einer, der bestimmt früher in der Schule immer gemobbt wurde. Klein und etwas pummelig. Und jetzt hatte er endlich mal etwas Macht und konnte sie ausspielen. Er ging mit seinem Handscanner meinen ganzen Körper ab, fand natürlich das Portmonnaie, ließ es nochmal durchlaufen und meinte, ich solle bitte mitkommen in die "Kabine". Schlimmstes befürchtete ich, er sah nämlich etwas gereizt aus und dann sind solche Leute bestimmt zu allem bereit. Und auch von meiner Aussage, dass geplante Abflugszeit gerade JETZT sei, brachte ihn nicht von der Maßnahme ab. In der Kabine wurde die Tür säuberlich verschlossen und ich sollte mich hinsetzen. Gründlich wurde ich nochmal abgescannt und dann betouchte er erst die Schiene und später das Bein. Sie machten nur ihren Job, sagten sie.
Gefunden hat die Nase natürlich nichts, was seine Maßnahmen gerechtfertigt hätten und somit wurde ich noch ziemlich schnell entlassen. Torben hatte derweil all meine Sachen bei sich aufgeladen und es konnte weitergehen. Auf halben Wege fiel ihm aber auf, dass er meine Jacke verloren hätte und ich hatte es nicht gesehen, trotzdem ich hinter ihm war. Er ist also schnell zurück und fand sie zum Glück. Und dann trafen wir endlich am richtigen Schalter ein, wurden als Familie Segelken begrüßt und konnten im Tunnel verschwinden. Ich freute mich bereits auf das erleichterte ironische Klatschen der anderen Passagiere, die nur auf uns gewartet hatten. Aber Pustekuchen. Natürlich waren noch längst nicht alle im Flieger und somit konnten wir auch noch etwas warten.
Verschwitzt war ich schon wieder. Und ich stank erbärmlich. Da passte es ja perfekt, dass wir nur noch B-Plätze bekamen, also in der Mitte zwischen fremden Leuten saßen. Sie tate mir leid. Zum Glück konnte ich mir eine Jacke überziehen und der Flug war nicht zu lang und Klagen kamen mir auch nicht. Auch nicht von der rothaarigen alten Hexe neben mir, die sich beschwerte, dass sie kein Getränk bekäme, obwohl das irgendwo im Internet dabei stand. Prima, für eine Dreiviertelstunde Flug braucht man auch garantiert was zu trinken. Gut, Leute wie ich, die ihre ganze Flüssigkeit durch irgendwelche Poren verloren haben, die können das gebrauchen, aber doch nicht sie. Aber gut, wir haben's überlebt und am Ende kamen wir heil in Hannover an und auch das überteuerte Parkhaus konnten wir bezahlen, wenngleich wir auch erst wieder durch den halben Flughafen laufen mussten, bis wir einen Geldautomaten fanden.
Zuhause angekommen, konnten wir sofort einen ersten Schritt in Richtung gepflegte Zivilisation feiern; Wir hatten endlich wieder einen Wasserhahn, wenngleich er auch aus dem Bidet kam. Und wir haben jetzt auch einen Duschkopf - der war bitter nötig.
Nun, jetzt habe ich wieder zu weit ausgeholt und keine Lust mehr weiter zu schreiben, aber mehr gibt es auch nicht.
Nächste Woche ist wohl Palermo dran. Das hatten die Schwuchteln ausm Hinflug nämlich empfohlen.
Ich möchte hiermit auch nochmal deutlich darauf hinweisen, dass ich nichts gegen Homosexuelle habe, lediglich gegen diese ganz warmen Brüder. Ist das politisch korrekt?
Freitag, 31. August 2007
Montag, 27. August 2007
Schwere Geburt
Es war eine schwere Geburt, aber ich hab's jetzt endlich geschafft; Wir haben uns entschieden, morgen zu keinem der vier Zielen zu reisen, trotzdem ich Palermo eigentlich schon gebucht hatte (war eigentlich von allen das lohnendste). Stattdessen werden wir nun nach Rijeka reisen, dort zwei Nächte bleiben, Donnerstagmorgen nach Stuttgart reisen und am selben Tage abends wieder nach Hannover zu fliegen.
Diese blöde Planung hat mir einen ganzen Abend geraubt und ich konnte nicht lernen -> Die Reise muss sich also lohnen.
Diese blöde Planung hat mir einen ganzen Abend geraubt und ich konnte nicht lernen -> Die Reise muss sich also lohnen.
Sonntag, 26. August 2007
Stuttgart + Ziel X
Torben und ich werden am Dienstag vor unserem Erdgeschoss fliehen. Es ist ja nicht auszuhalten. Trotz angeblichen Fortschritts fehlen uns mehr lebensnotwendige Einrichtungen, als je zuvor. Das Klo haben wir noch. Und ja, es ist auch schön gefliest, das alles. Und bei Kälteeinbruch hätten wir da sogar ne Fußbodenheizung. Ja, ist prima. Dafür hätten wir bei Kälteeinbruch aber auch nur noch fließend Wasser aus der Klospülung, da der Wasserhahn draußen, unsere sonst einzige Wasserquelle, garantiert auch mit einfrieren würde.
Herd und Backofen sind jetzt auch genauso wie der Rest der Küche herausgerissen, Teller würden nur noch für ein paar Tage reichen, danach wären sie dreckig und wegen o.g. Wassermangels unsäuberbar. Einen Kühlschrank haben wir noch. im Wintergarten. Den erreichen wir aber nur, noch von außen, also indem wir erst das Haus durch die Haustüre verlassen und irgendwie durch eine Wintergartentür wieder hineintreten. Das alles ist so, weil wir in einer Woche (!) Parkett gelegt bekommen. Und das braucht auch mindestens drei Tage, bis es begehbar ist.
Das sind doch tolle Aussichten. Wer freut sich nicht über Parkett, auch wenn man keine Küche und kein Waschbecken hat?!
Eben.
Deshalb fliehen wir jetzt. Also besser gesagt am Dienstag. Ich hol den Prachtbuben zu mir nach Stuttgart. Da bleiben wir aber wohl nur einen halben oder einen ganzen Tag, gehen kurz bei Ikea shoppen und fliegen dann weiter.
Aber wohin, das wissen wir noch nicht genau. Entweder geht es nach Paris, Neapel, Palermo oder Thessaloniki. Wir können uns noch nicht ganz entscheiden, weil alles so seine Nach- und Vorteile hat;
Paris ist schön, aber wir waren schon je zweimal dort und außerdem ist es verdammt groß und teuer.
Neapel ist, ich zitiere meine Chinesin: "complicated, schoen aber dreckig", also kriminell, unübersichtlich, aber es hat auch seine schönen Seiten.
Palerm ist bestimmt schön, noch südlicher und auf Sizilien. Und das ist vielleicht auch nicht gerade so toll. Die Mafia macht uns nämlich schon ein wenig Angst!
Thessaloniki hat schöne alte Gebäude und ist heiß. Aber wahrscheinlich gerade zu heiß und das wohl von allen Seiten..
Nun werde ich mal wieder eine Abstimmung machen lassen und mich dann nach euch richten, wo ich hin soll. Vielleicht entscheide ich es aber auch über euren Kopf hinweg.
So long - oeRque
Herd und Backofen sind jetzt auch genauso wie der Rest der Küche herausgerissen, Teller würden nur noch für ein paar Tage reichen, danach wären sie dreckig und wegen o.g. Wassermangels unsäuberbar. Einen Kühlschrank haben wir noch. im Wintergarten. Den erreichen wir aber nur, noch von außen, also indem wir erst das Haus durch die Haustüre verlassen und irgendwie durch eine Wintergartentür wieder hineintreten. Das alles ist so, weil wir in einer Woche (!) Parkett gelegt bekommen. Und das braucht auch mindestens drei Tage, bis es begehbar ist.
Das sind doch tolle Aussichten. Wer freut sich nicht über Parkett, auch wenn man keine Küche und kein Waschbecken hat?!
Eben.
Deshalb fliehen wir jetzt. Also besser gesagt am Dienstag. Ich hol den Prachtbuben zu mir nach Stuttgart. Da bleiben wir aber wohl nur einen halben oder einen ganzen Tag, gehen kurz bei Ikea shoppen und fliegen dann weiter.
Aber wohin, das wissen wir noch nicht genau. Entweder geht es nach Paris, Neapel, Palermo oder Thessaloniki. Wir können uns noch nicht ganz entscheiden, weil alles so seine Nach- und Vorteile hat;
Paris ist schön, aber wir waren schon je zweimal dort und außerdem ist es verdammt groß und teuer.
Neapel ist, ich zitiere meine Chinesin: "complicated, schoen aber dreckig", also kriminell, unübersichtlich, aber es hat auch seine schönen Seiten.
Palerm ist bestimmt schön, noch südlicher und auf Sizilien. Und das ist vielleicht auch nicht gerade so toll. Die Mafia macht uns nämlich schon ein wenig Angst!
Thessaloniki hat schöne alte Gebäude und ist heiß. Aber wahrscheinlich gerade zu heiß und das wohl von allen Seiten..
Nun werde ich mal wieder eine Abstimmung machen lassen und mich dann nach euch richten, wo ich hin soll. Vielleicht entscheide ich es aber auch über euren Kopf hinweg.
So long - oeRque
Dienstag, 21. August 2007
Stockholm
Wir sind aus Stockholm zurück und haben's überlebt!
Am Sonntag sind der Torben, der Paul und ich verdammt früh um acht Uhr aufgestanden und haben uns auf den Weg nach Hannover gemacht, um von dort den schönen Norden Europas mit dem Flugzeug zu erreichen. Gleich am Flughafenkamen mir aber Zweifel, ob ich mitfliegen sollte, denn ich hatte mich in die schöne Grit vom Eiswagen verliebt. Und sie sich, glaube ich, auch in mich. Beruhigt durch das Argument, dass ich in nächster Zeit öfters auf diesem Flughafen verkehren würde, stieg ich dann aber doch ins Flugzeug und beschloss, ihr noch einen Brief zu schreiben. Dieser wurde auf dem Rückflug auf eine Kotztüte geschrieben und später dort, wo einst der Eiswagen stand (gestern Abend nicht mehr, weil es zu spät war) niedergelegt. Jetzt warte ich heute auf eine Antwort, aber solange kann ich ja über den Ausflug berichten.
Also am Sonntag sind wir am frühen Nachmittag in Stockholm gelandet, haben dort einen viel zu teueren Bus genommen und mussten ne dreiviertel Stunde fahren, bis wir die City von Stockholm erreicht hatten. Dort angekommen schlenderten wir erstmal durch die Stadt, besuchten auf dem Büchermarkt den Stand von Scientology und einen McDonald's. Schon dort ist uns aufgefallen, dass es verdammt viele hübsche Schwedinnen gibt. Ich weiß nicht, was die auf ihrer Halbinsel so tun, Rassentrennung oder so, aber so viele Hobby-Models auf einen Haufen findet man selten. Selbst die Bedienerinnen beim Mäcces sahen bezaubernd aus und waren selbstredend alle blond. Und dick behupt. Und diese Beobachtung zog sich wie ein roter Faden durch unseren gesamten Ausflug. Großartig.
Nach einem ausreichenden Essen machten wir uns weiter auf den Weg durch die Stadt, um mal zu schaun, was es hier überhaupt gab. Die Vorbereitungen waren nämlich eher ungenügend. Bei Wikipedia hat man sich mal schnell einen Überblick auf die Sehenswürdigkeiten verschafft, ohne einen Plan zu haben, wo sie denn stünden. Und Hotels.. ja, da haben wir gelesen, dass es irgendwo eine sehr günstige, aber gute Absteige in City-Nähe geben sollte. Es sollte aber auch beim "irgendwo" bleiben.
Irgendwie sind wir eher durch Zufall beim holländischen Reichstag angekommen und öffneten uns im anliegenden schönen, wenn auch kleinen Park eine leckere Dose Duty-Free-Holsten. Naja, lass es zwei Dosen gewesen sein. In diesem Park bei schönem Wetter gefiel es uns auf der Parkbank, umgeben von windschützenden Buchenhecken so gut, dass wir uns vornahmen, auch hier die Nacht zu verbringen. Das Wort "Parkhotel" bekommt glatt eine ganz neue Bedeutung!
Nach diesem Entschluss gingen wir zurück durch die Stadt, beguckten so dies und das (nichts weltbewegendes), aßen irgendwann zu Abend im Pizzahut und gingen danach wieder in die Stadt. Diese leerte sich rasch und die Suche nach einem Tanzlokal oder einer belebten Bar, in der wir zumindest die Hälfte der Nacht mit Spaß schnell vertreiben wollten, wurde aussichtslos. Schöne Schwedinnen liefen nicht mehr rum, es wurde sehr ruhig und so begab es sich, dass wir uns einfach an die Kreuzung der Hauptstraße, die die Fußgängerzone kreuzte und zweispurig war, auf eine Bank setzten, ein paar weitere Dosenbiere, diesmal die mit wenig Alkohol behafteten Carlsbergs, tranken und zur Ablenkung darum wetteten, welches Auto schneller nach der Ampel davon kommt.
Prima war das.
Um eins machten wir uns dann zurück nach"Hause", doch da kamen wir erstmal nicht an. Ein paar Seitenstraßen vorher war doch noch was los. In einer Bar war so eine tolle Feier, zwölf Stunden Rave-Musik oder so waren angesagt. So ne komische Musik, dessen liebe Hörer auch gerne mal Pillen einschmeißen oder so. Zumindest sind die Klischees so.
War aber besser als nichts. Leider standen wir nicht auf der Gästeliste, aber weil das ganze ja auf ner Terrasse stattfand, konnte man auch auf der anderen Straßenseite auf einer weiteren Parkbank seinen Spaß haben. Wir lauschten dieser komischen Musik, Torben besorgte im SevenEleven-Laden, der 24 Stunden aufzuhaben scheint, noch ein paar Bierchen und wir beobachteten die Gäste. Die waren auch irgendwie recht stark angeheitert, redeten etwas mit uns oder gaben einfach ihren Mageninhalt in unserer Nähe preis. War auch schön. Bald darauf sollte es aber ins Hotel gehen.
Dort angekommen mussten wir feststellen, dass der makellos grüne Rasen nur so makellos grün war, weil er desnachts gesprengt wird. Unsere eigentlich auserkorene Bank wurde auch vom kühlen Nass erwischt, so dass wir eine andere in einer anderen Nische nehmen mussten. Aber die war auch verdammt bequem. Paul hatte glücklicherweise von seiner ehrenwerten Mutter eine Decke mitbekommen und somit bekamen wir auch die nötige Wärme gespendet. Herrlich, wie gut man unter solchen Umständen doch schlafen konnte. Und wir schliefen ein. Und wir träumten.
Für zehn Minuten. Dann raschelte es auf einmal bedenklich und eher wir uns versahen, rissen wir schnell unsere Decke über den Kopf. Der für unsere Bank zugeteilte Gartensprenger beschloss sich nämlich dann auch mal, anzuspringen, während die anderen ausgingen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere trockene Bank in die andere, ursprüngliche Nische zu tragen. Aber seitdem war nichts mehr so bequem, wie zuvor. Dauernd tropfte von der Hecke noch etwas auf unseren Kopf, dieselbige war nicht dicht genug, um unsere Rucksäcke, die als Kopfkissen fungierten, zu halten und die Bank, auf die wir unsere Füße legen wollten, war auch zu nass.
Nach ner viertel Stunde entschied ich, dass es so nicht weitergehen konnte und machte einen kleinen Spaziergang, um eine neue Schlafstätte zu finden. Negativ.
Somit wanderte ich durch nachts einsam und verkrüppelt durch die Straßen, während Torben und Paul sich weiterhin in den Schlaf quälten und es anscheinend auch schafften. Stockholm bei Nacht ist aber auch toll. Man sieht die Ratten vögeln, die partylustigen Damen kreischen und in den Fluss (oder sind das in Stockholm jetzt alles Seen?!) reiern, die tolle Gendarmerie um drei Uhr erscheinen und losjoggen, ohne dass sie mich Penner beachteten.. Prima.
Ehe ich mich versah, war es auch schon fünf oder so und die Sonne ging auf. Eine wahre Wohltat, da meine Füße schon recht kalt waren.
Die Sonnenstrahlen einfangend lehnte ich mich gegen eine Statue und fand noch zwanzig Minuten Schlaf, dann fanden auch Torben und Paul mich. Wir tranken ein Frühstücksbierchen (Das klingt jetzt insgesamt nach sehr viel Bier, aber das war es gewiss nicht. In echt!), aber die beiden Buben konnten auch hier auf irgendwelchen Baumaterialien toll in den Schlaf finden. Prima, ich war wieder alleine und durfte den Blicken der Leute, die auf dem Weg zur Arbeit an uns vorbeiliefen, aus Scharm ausweichen.
Gegen sieben konnte ich die beiden aber endlich wach bekommen und dazu bringen, frühstücken zu gehen.
Natürlich hatte nichts auf und somit fanden wir wieder nur im McDonald's unsere Nahrung. War aber auch nicht schlecht, weil dort wenigstens wieder hübsche Schwedinnen auftauchten. Nach anderthalb Stunden dort rumgammeln konnten wir uns aufrichten und sind wieder zu unserer Wettbank gelaufen. Torben schnappte sich gleich eine ganze und ist eingenickt, Paul und ich haben lieber im sitzen so getan, als wenn wir uns nur kurz ausruhen würden (in Wirklichkeit sind wir aber auch eingeschlafen, während die Massen an uns vorbeiliefen. Es war jetzt aber nicht so schlimm, weil es da wirklich viele Bänke gab und um uns herum viele so taten, als würden sie sich nur kurz ausruhen).
Die Sonne verbrannte uns in dieser Zeit leicht das Gesicht, was aber nicht schlimm war. Torben haben Paul und ich einfach mal da liegengelassen und wir sind haben die weitere Umgebung erkundet. In einem Schaufenster fanden wir ein Bild von Stockholm von oben und schmiedeten Pläne, was wir mit mir Krüppel denn so erreichen könnten und noch machen wollten.
Insgesamt haben wir uns dann noch dies und das angeguckt, das Stadthaus, ein paar Kirchen, nette Gassen, wieder den Pizza Hut zum all you can eat und Frauen angucken. Das ganze übrigens mit Torben, dem das Leben als Penner aber wohl am meisten gefallen zu haben schien.
Am Ende waren wir erstmal froh, wieder im Bus zu sitzen. Auch wenn dieser keine Klima hatte, konnte man ganz gut schlafen. Und laufen konnte ich auch nicht mehr wirklich, was aber weniger am Knie oder den Füßen, als vielmehr an meinen Händen lag, die langsam verkrampften vom Festhalten der Krücken und bis heute leicht wehtun.
Am Flughafen in Hannover angekommen, legte ich die besagte Kotztüte ab, denn auch die große Anzahl an Schönheiten in Stockholm konnten mich nicht von den Gedanken an Grit abbringen.
Bei den ehrenwerten Großeltern, die irgendwie noch wach waren, bekamen wir noch widerwillen ein Brot geschmiert, oder zwei, oder drei und ein Bierchen sowie eine Toilette. Das war nämlich wichtig, weil der Papa uns per Telefon mitteilte, dass wir unseres wegen neuen Fußbodenbelags nicht benutzen dürften. Und nächste Woche dürfen wir nicht die Küche benutzen. Und das, wo die Großeltern nicht da sind..
Ich glaube, da verreisen wir wieder. Besser ist das.
Fotos und Videos folgen noch irgendwann, ich muss jetzt weiterschlafen.
Am Sonntag sind der Torben, der Paul und ich verdammt früh um acht Uhr aufgestanden und haben uns auf den Weg nach Hannover gemacht, um von dort den schönen Norden Europas mit dem Flugzeug zu erreichen. Gleich am Flughafenkamen mir aber Zweifel, ob ich mitfliegen sollte, denn ich hatte mich in die schöne Grit vom Eiswagen verliebt. Und sie sich, glaube ich, auch in mich. Beruhigt durch das Argument, dass ich in nächster Zeit öfters auf diesem Flughafen verkehren würde, stieg ich dann aber doch ins Flugzeug und beschloss, ihr noch einen Brief zu schreiben. Dieser wurde auf dem Rückflug auf eine Kotztüte geschrieben und später dort, wo einst der Eiswagen stand (gestern Abend nicht mehr, weil es zu spät war) niedergelegt. Jetzt warte ich heute auf eine Antwort, aber solange kann ich ja über den Ausflug berichten.
Also am Sonntag sind wir am frühen Nachmittag in Stockholm gelandet, haben dort einen viel zu teueren Bus genommen und mussten ne dreiviertel Stunde fahren, bis wir die City von Stockholm erreicht hatten. Dort angekommen schlenderten wir erstmal durch die Stadt, besuchten auf dem Büchermarkt den Stand von Scientology und einen McDonald's. Schon dort ist uns aufgefallen, dass es verdammt viele hübsche Schwedinnen gibt. Ich weiß nicht, was die auf ihrer Halbinsel so tun, Rassentrennung oder so, aber so viele Hobby-Models auf einen Haufen findet man selten. Selbst die Bedienerinnen beim Mäcces sahen bezaubernd aus und waren selbstredend alle blond. Und dick behupt. Und diese Beobachtung zog sich wie ein roter Faden durch unseren gesamten Ausflug. Großartig.
Nach einem ausreichenden Essen machten wir uns weiter auf den Weg durch die Stadt, um mal zu schaun, was es hier überhaupt gab. Die Vorbereitungen waren nämlich eher ungenügend. Bei Wikipedia hat man sich mal schnell einen Überblick auf die Sehenswürdigkeiten verschafft, ohne einen Plan zu haben, wo sie denn stünden. Und Hotels.. ja, da haben wir gelesen, dass es irgendwo eine sehr günstige, aber gute Absteige in City-Nähe geben sollte. Es sollte aber auch beim "irgendwo" bleiben.
Irgendwie sind wir eher durch Zufall beim holländischen Reichstag angekommen und öffneten uns im anliegenden schönen, wenn auch kleinen Park eine leckere Dose Duty-Free-Holsten. Naja, lass es zwei Dosen gewesen sein. In diesem Park bei schönem Wetter gefiel es uns auf der Parkbank, umgeben von windschützenden Buchenhecken so gut, dass wir uns vornahmen, auch hier die Nacht zu verbringen. Das Wort "Parkhotel" bekommt glatt eine ganz neue Bedeutung!
Nach diesem Entschluss gingen wir zurück durch die Stadt, beguckten so dies und das (nichts weltbewegendes), aßen irgendwann zu Abend im Pizzahut und gingen danach wieder in die Stadt. Diese leerte sich rasch und die Suche nach einem Tanzlokal oder einer belebten Bar, in der wir zumindest die Hälfte der Nacht mit Spaß schnell vertreiben wollten, wurde aussichtslos. Schöne Schwedinnen liefen nicht mehr rum, es wurde sehr ruhig und so begab es sich, dass wir uns einfach an die Kreuzung der Hauptstraße, die die Fußgängerzone kreuzte und zweispurig war, auf eine Bank setzten, ein paar weitere Dosenbiere, diesmal die mit wenig Alkohol behafteten Carlsbergs, tranken und zur Ablenkung darum wetteten, welches Auto schneller nach der Ampel davon kommt.
Prima war das.
Um eins machten wir uns dann zurück nach"Hause", doch da kamen wir erstmal nicht an. Ein paar Seitenstraßen vorher war doch noch was los. In einer Bar war so eine tolle Feier, zwölf Stunden Rave-Musik oder so waren angesagt. So ne komische Musik, dessen liebe Hörer auch gerne mal Pillen einschmeißen oder so. Zumindest sind die Klischees so.
War aber besser als nichts. Leider standen wir nicht auf der Gästeliste, aber weil das ganze ja auf ner Terrasse stattfand, konnte man auch auf der anderen Straßenseite auf einer weiteren Parkbank seinen Spaß haben. Wir lauschten dieser komischen Musik, Torben besorgte im SevenEleven-Laden, der 24 Stunden aufzuhaben scheint, noch ein paar Bierchen und wir beobachteten die Gäste. Die waren auch irgendwie recht stark angeheitert, redeten etwas mit uns oder gaben einfach ihren Mageninhalt in unserer Nähe preis. War auch schön. Bald darauf sollte es aber ins Hotel gehen.
Dort angekommen mussten wir feststellen, dass der makellos grüne Rasen nur so makellos grün war, weil er desnachts gesprengt wird. Unsere eigentlich auserkorene Bank wurde auch vom kühlen Nass erwischt, so dass wir eine andere in einer anderen Nische nehmen mussten. Aber die war auch verdammt bequem. Paul hatte glücklicherweise von seiner ehrenwerten Mutter eine Decke mitbekommen und somit bekamen wir auch die nötige Wärme gespendet. Herrlich, wie gut man unter solchen Umständen doch schlafen konnte. Und wir schliefen ein. Und wir träumten.
Für zehn Minuten. Dann raschelte es auf einmal bedenklich und eher wir uns versahen, rissen wir schnell unsere Decke über den Kopf. Der für unsere Bank zugeteilte Gartensprenger beschloss sich nämlich dann auch mal, anzuspringen, während die anderen ausgingen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere trockene Bank in die andere, ursprüngliche Nische zu tragen. Aber seitdem war nichts mehr so bequem, wie zuvor. Dauernd tropfte von der Hecke noch etwas auf unseren Kopf, dieselbige war nicht dicht genug, um unsere Rucksäcke, die als Kopfkissen fungierten, zu halten und die Bank, auf die wir unsere Füße legen wollten, war auch zu nass.
Nach ner viertel Stunde entschied ich, dass es so nicht weitergehen konnte und machte einen kleinen Spaziergang, um eine neue Schlafstätte zu finden. Negativ.
Somit wanderte ich durch nachts einsam und verkrüppelt durch die Straßen, während Torben und Paul sich weiterhin in den Schlaf quälten und es anscheinend auch schafften. Stockholm bei Nacht ist aber auch toll. Man sieht die Ratten vögeln, die partylustigen Damen kreischen und in den Fluss (oder sind das in Stockholm jetzt alles Seen?!) reiern, die tolle Gendarmerie um drei Uhr erscheinen und losjoggen, ohne dass sie mich Penner beachteten.. Prima.
Ehe ich mich versah, war es auch schon fünf oder so und die Sonne ging auf. Eine wahre Wohltat, da meine Füße schon recht kalt waren.
Die Sonnenstrahlen einfangend lehnte ich mich gegen eine Statue und fand noch zwanzig Minuten Schlaf, dann fanden auch Torben und Paul mich. Wir tranken ein Frühstücksbierchen (Das klingt jetzt insgesamt nach sehr viel Bier, aber das war es gewiss nicht. In echt!), aber die beiden Buben konnten auch hier auf irgendwelchen Baumaterialien toll in den Schlaf finden. Prima, ich war wieder alleine und durfte den Blicken der Leute, die auf dem Weg zur Arbeit an uns vorbeiliefen, aus Scharm ausweichen.
Gegen sieben konnte ich die beiden aber endlich wach bekommen und dazu bringen, frühstücken zu gehen.
Natürlich hatte nichts auf und somit fanden wir wieder nur im McDonald's unsere Nahrung. War aber auch nicht schlecht, weil dort wenigstens wieder hübsche Schwedinnen auftauchten. Nach anderthalb Stunden dort rumgammeln konnten wir uns aufrichten und sind wieder zu unserer Wettbank gelaufen. Torben schnappte sich gleich eine ganze und ist eingenickt, Paul und ich haben lieber im sitzen so getan, als wenn wir uns nur kurz ausruhen würden (in Wirklichkeit sind wir aber auch eingeschlafen, während die Massen an uns vorbeiliefen. Es war jetzt aber nicht so schlimm, weil es da wirklich viele Bänke gab und um uns herum viele so taten, als würden sie sich nur kurz ausruhen).
Die Sonne verbrannte uns in dieser Zeit leicht das Gesicht, was aber nicht schlimm war. Torben haben Paul und ich einfach mal da liegengelassen und wir sind haben die weitere Umgebung erkundet. In einem Schaufenster fanden wir ein Bild von Stockholm von oben und schmiedeten Pläne, was wir mit mir Krüppel denn so erreichen könnten und noch machen wollten.
Insgesamt haben wir uns dann noch dies und das angeguckt, das Stadthaus, ein paar Kirchen, nette Gassen, wieder den Pizza Hut zum all you can eat und Frauen angucken. Das ganze übrigens mit Torben, dem das Leben als Penner aber wohl am meisten gefallen zu haben schien.
Am Ende waren wir erstmal froh, wieder im Bus zu sitzen. Auch wenn dieser keine Klima hatte, konnte man ganz gut schlafen. Und laufen konnte ich auch nicht mehr wirklich, was aber weniger am Knie oder den Füßen, als vielmehr an meinen Händen lag, die langsam verkrampften vom Festhalten der Krücken und bis heute leicht wehtun.
Am Flughafen in Hannover angekommen, legte ich die besagte Kotztüte ab, denn auch die große Anzahl an Schönheiten in Stockholm konnten mich nicht von den Gedanken an Grit abbringen.
Bei den ehrenwerten Großeltern, die irgendwie noch wach waren, bekamen wir noch widerwillen ein Brot geschmiert, oder zwei, oder drei und ein Bierchen sowie eine Toilette. Das war nämlich wichtig, weil der Papa uns per Telefon mitteilte, dass wir unseres wegen neuen Fußbodenbelags nicht benutzen dürften. Und nächste Woche dürfen wir nicht die Küche benutzen. Und das, wo die Großeltern nicht da sind..
Ich glaube, da verreisen wir wieder. Besser ist das.
Fotos und Videos folgen noch irgendwann, ich muss jetzt weiterschlafen.
Mittwoch, 15. August 2007
oeRque goes Europa
Ich werde meinen Ferien jetzt doch noch einen Inhalt geben in Form eines kleinen Europa-Trips. TuiFly macht's möglich (klick drauf und so)! Somit werde ich mit Torben und voraussichtlich Paul und wer sonst noch will und kann jeweils ein All you can fly-Ticket für 2oo Euronen mal ein paar Städte unseres schönen Kontinents besuchen. Stockholm, Newcastle, Porto, Venedig, Rom, Thessaloniki, zwischendurch immer wieder Stuttgart zum Briefkasten leeren und vielleicht noch ein paar andere Städte (wahlweise auch als Ersatz für die genannten, siehe auch Karte, was sonst so möglich ist) sind vorgesehen, jeweils so zwei Tage.
Den Schlaf holen wir uns im Flugzeug oder im McDonald's oder so. Spontanität wird wichtig sein.
Ich für meinen Teil bin aufgeregt.
Und wie!
oeRque
Ps.: Vorgenommen haben wir uns, in jeder Stadt einen Tanz, einen Gegenstand oder sonstwas immer wiederholt auf Foto oder Video festzuhalten (so wie der hier). Ich werde morgen eine Umfrage starten, um herauszufinden, was ihr sehen wollt. Ich liebe mich.
Den Schlaf holen wir uns im Flugzeug oder im McDonald's oder so. Spontanität wird wichtig sein.
Ich für meinen Teil bin aufgeregt.
Und wie!
oeRque
Ps.: Vorgenommen haben wir uns, in jeder Stadt einen Tanz, einen Gegenstand oder sonstwas immer wiederholt auf Foto oder Video festzuhalten (so wie der hier). Ich werde morgen eine Umfrage starten, um herauszufinden, was ihr sehen wollt. Ich liebe mich.
Dienstag, 14. August 2007
Mein Leben...
Ich würde euch gerne mehr aus meinem Leben schreiben, aber es bringt nichts. Ich habe einfach kaum einen Inhalt. Gut, drei Mal die Woche darf ich zur Krankengymnastik. Für jeweils ne halbe Stunde was für's Beinchen tun, das sind meistens die Highlights des Tages. Ansonsten telefonier ich ab und zu nochmal mit den Großeltern, um ihnen zu erklären, warum ich am nächsten Tage mal darauf verzichten möchte, ihr (wirklich leckeres) Essen ausfallen zu lassen. Der eigentliche Grund ist, dass uns (Torben und mir) sonst nicht zugetraut wird, selbstständig zu leben und so.
Okay, so wirklich klappt das auch nicht, weil Torben immer bis drei Uhr im Bett liegt und Unterschichtenfernsehen schaut. Wie ich die Zeit so lange überbrücke, kann ich gar nicht so genau sagen. Und ich hab alleine auch keinen Bock, bzw bin auch nicht so fähig, in diesem Rohbau einer Küche mir alleine etwas zu Essen zu machen. Zum Glück gibt's ab und zu noch McDonald's. Oder die Reste von Oma, die wir immer mitbekommen. Heute haben wir es allerdings tatsächlich mal geschafft, Spachtelmasse zuzubereiten. Die Handwerker waren ganz schön neidisch, glaub ich.
Meine Bewegung schränke ich ebenfalls auf ein Minimum ein, damit die Schweißdrüse außer Betrieb bleibt und ich nicht jeden Tag das Bedürnis hab, mich zu duschen. Der Weg zu den Großeltern ist nämlich doch lästig. Leider habe ich meistens aber doch das Bedürfnis und das ist wohl auch besser so.
Sonst sind die Highlights noch, wenn die ehemaligen Erziehungsberechtigten zum Eisverzehr laden. Oder wenn.. nee, sonst gibt es nicht viel.
oeRque
Okay, so wirklich klappt das auch nicht, weil Torben immer bis drei Uhr im Bett liegt und Unterschichtenfernsehen schaut. Wie ich die Zeit so lange überbrücke, kann ich gar nicht so genau sagen. Und ich hab alleine auch keinen Bock, bzw bin auch nicht so fähig, in diesem Rohbau einer Küche mir alleine etwas zu Essen zu machen. Zum Glück gibt's ab und zu noch McDonald's. Oder die Reste von Oma, die wir immer mitbekommen. Heute haben wir es allerdings tatsächlich mal geschafft, Spachtelmasse zuzubereiten. Die Handwerker waren ganz schön neidisch, glaub ich.
Meine Bewegung schränke ich ebenfalls auf ein Minimum ein, damit die Schweißdrüse außer Betrieb bleibt und ich nicht jeden Tag das Bedürnis hab, mich zu duschen. Der Weg zu den Großeltern ist nämlich doch lästig. Leider habe ich meistens aber doch das Bedürfnis und das ist wohl auch besser so.
Sonst sind die Highlights noch, wenn die ehemaligen Erziehungsberechtigten zum Eisverzehr laden. Oder wenn.. nee, sonst gibt es nicht viel.
oeRque
Mittwoch, 8. August 2007
Duuschen
Hach, heute ist ein guter Tag. Das erste Mal seit zwei Wochen konnte ich eine Dusche genießen. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich vor der einzigen Spüle im Haus, nämlich in der Küche am großen Küchenfenster stand und mit einem oder zwei Waschlappen versuchte, den Dreck von meinem Körper zu kriegen.
Gestern dann kamen die erlösenden Worte des Arztes. Nachdem die Fäden gezogen wurden, sollte ich noch ca 24 Stunen warten, bis ich Wasser an die Wunde lasse.
Gut, insgesamt habe ich nur 20 Stunden gewartet, aber da ich gerade bei meinen Großeltern zum Essen war, bot es sich zwangsläufig an, auch gleich unter die Dusche zu hüpfen.
Es war ein Gedicht, das warme Nass auf meine Haut prasseln zu spüren. Und weiß Gott, es glich schon an Magie, wie die einst durchsichtigen Tropfen in denen sich das Licht brach auf ihrem Weg über meinen Körper nach unten immer dunkler und opaker, am Ende fast schwarz im Ausguss verschwanden.
Göttlich.
Jetzt bin ich wieder rein und trau mich unter Menschen. Ein tolles Gefühl.
Gestern dann kamen die erlösenden Worte des Arztes. Nachdem die Fäden gezogen wurden, sollte ich noch ca 24 Stunen warten, bis ich Wasser an die Wunde lasse.
Gut, insgesamt habe ich nur 20 Stunden gewartet, aber da ich gerade bei meinen Großeltern zum Essen war, bot es sich zwangsläufig an, auch gleich unter die Dusche zu hüpfen.
Es war ein Gedicht, das warme Nass auf meine Haut prasseln zu spüren. Und weiß Gott, es glich schon an Magie, wie die einst durchsichtigen Tropfen in denen sich das Licht brach auf ihrem Weg über meinen Körper nach unten immer dunkler und opaker, am Ende fast schwarz im Ausguss verschwanden.
Göttlich.
Jetzt bin ich wieder rein und trau mich unter Menschen. Ein tolles Gefühl.
Freitag, 3. August 2007
KATZE
Nun bin ich wieder zuhause und habe gleich eine Sorge weniger. Unsere Katze. Die bettelt bei mir garantiert nicht mehr nach Futter und das ist herrlich. Stattdessen tyrannisiert er Torben, sofern ich nicht in der Nähe bin.
Das alles begab sich vorgestern. An meine Gehhilfen hat sich das Tier fast gewöhnt, da stand es vor der Katzenklappe zum "Badezimmer" (ist dessen Namen immer noch nicht würdig). Ich musste auch auf Klo und wollte somit die Klinke der Tür herunterdrücken. Da diese aber nicht wirklich fest sitzt und immer weiter von der Halterung rutscht, je öfters man sie betätigt, entglitt sie meiner Hand und fiel direkt auf des Katers Kopf. Jaulend ist dieser dann in den Wintergarten geflüchtet, wo ich hinterher bin.
Mich erspähend geriet das Tier in Panik und sprang an die Scheiben, um zu flüchten. Vergebens. Ich bin dann zur Haustüre gegangen um hier eine Fluchtchance anzubieten. Allerdings schlich sich Ginger schnell an mir vorbei und raste die Treppe hoch, wo er den Rest des Tages unter Torbens Bett schmollen sollte.
Seitdem jault er nur, wenn er mich wieder rumtrampeln hört. Wie Torben es treffend formulierte: "Hinter jeder Ecke und hinter jedem Geräusch vermutet Ginger den fiesen Cyborg mit dem dicken Arsch, einem manuellen und einem pneumatischen Fuß und 2 Handfeuerwaffen".
Prima.
Das alles begab sich vorgestern. An meine Gehhilfen hat sich das Tier fast gewöhnt, da stand es vor der Katzenklappe zum "Badezimmer" (ist dessen Namen immer noch nicht würdig). Ich musste auch auf Klo und wollte somit die Klinke der Tür herunterdrücken. Da diese aber nicht wirklich fest sitzt und immer weiter von der Halterung rutscht, je öfters man sie betätigt, entglitt sie meiner Hand und fiel direkt auf des Katers Kopf. Jaulend ist dieser dann in den Wintergarten geflüchtet, wo ich hinterher bin.
Mich erspähend geriet das Tier in Panik und sprang an die Scheiben, um zu flüchten. Vergebens. Ich bin dann zur Haustüre gegangen um hier eine Fluchtchance anzubieten. Allerdings schlich sich Ginger schnell an mir vorbei und raste die Treppe hoch, wo er den Rest des Tages unter Torbens Bett schmollen sollte.
Seitdem jault er nur, wenn er mich wieder rumtrampeln hört. Wie Torben es treffend formulierte: "Hinter jeder Ecke und hinter jedem Geräusch vermutet Ginger den fiesen Cyborg mit dem dicken Arsch, einem manuellen und einem pneumatischen Fuß und 2 Handfeuerwaffen".
Prima.
Mittwoch, 1. August 2007
Kreuzbandstory
Nach einer Woche Krankenhaus mit allen Höhen und Tiefen bin ich jetzt endlich wieder entlassen und kann zuhause rumgammeln, mich von einer viel zu sorgenvollen Großmutter bekochen lassen und die Ladys mit viel gespieltem Leid in meinen Bann ziehen.
Großartig.
Alles fing letzte Woche Montag an, als ich zur Voruntersuchung durfte. Unwissend, wie ich war, parkte ich auf dem eingezäunten Parkplatz direkt vor der Klinik, der gleich mal doppelt so teuer war, wie der andere Besucherparkplatz daneben. Somit durfte ich nicht nur drei Stunden im Krankenhaus verweilen, bis alles durchgecheckt war, sondern auch noch einen Wucherpreis von fünf Euronen dafür hinblättert.
Zwischendurch wurde mir Blut abgenommen, nochmal das Knie durchgecheckt und mir die beiden Narkose-Möglichkeiten erklärt. Vollnarkose wollte ich ja, aber nachdem ich gehört habe, dass ich davon Halsschmerzen bekommen könnte, weil sie mir zwischenzeitlich ein Schlauch in den Rachen schieben würden, hab ich mir nochmal die Sache mit der Spinal-Dingens, also der Wirbelsäulen-Narkose angehört.
Der Arzt blühte da vollkommen auf, war sehr begeistert von dieser Variante, er würde die auch immer nehmen (da frag ich mich, ob er so verletzungsanfällig ist oder sich gerne mal betäuben lässt) und man dann auch erstmal nach der OP direkt keine Schmerzen verspüren und so weiter. Man bekommt nur eine kleine Spritze in den Wirbelsäulen-Wasserkanal. Nur wenn sie das Rückenmark treffen würden, wär ne Lehmung sehr wahrscheinlich... egal, die nehm ich doch. Seit meiner Zahnarztstory bin ich eh davon begeistert, bei OPs live dabei zu sein.
Als ich Mittwoch ankam, dachte ich, ich würde maximal zwei Tage bleiben, weil mir die Ärzte Hoffnung machten, dass das Kreuzband noch zu gebrauchen war und nur etwas zusammengeflickt werden müsste, weil ich mich ja ansonsten sehr gut bewegen könnte und so. Später sollte sich herausstellen, dass es nur anderen Innen- und Außenbänder zu verdanken gewesen sei, weil diese so schön straff waren. Und natürlich, weil ich so muskuliert bin, nahm ich an.
Es ging dann auch recht schnell. Als ich meinen Schrank gepackt hatte, kam eine der reizenden Schwestern und meinte: Ausziehen. "Lady!?" erwiderte ich, aber mir wurde zugesichert, dass ich die Unterbüchse anbehalten dürfte. Sie tat mir leid.
Die Beruhigungstablette nahm mir sämtliche Aufgeregtheit und mit geiler Kopfbedeckung und diesen tollen OP-Hemden, die hinten offen waren und bei jedem Aufstehen einen Blick auf meinen Rücken und meinen geilen Arsch freigaben bedeckt ging es dann mit meinem Bett zum Narkose-Machen.
Meine chronische leichte Angst vor Spritzen hatte ich eigentlich schon überwunden, seit ich mir am Tag zuvor die Thrombose-Spritze selber setzen durfte. Aber im Narkose-Raum hieß es einfach mal "Jugend forscht" und ein Arzt-Gehilfe kam zu seinem großen Tag. Ich attestierte ihm eine hervorrangende Leistung, auch wenn er erst nach einigen Kontakten der Nadel mit meiner Wirbelsäule und anderen Knochen beim sechsten Versuch den richtigen Kanal fand. Aufbauen muss man die Leute ja, sonst haben sie ein Leben lang Angst davor.
Im OP-Saal bekam ich an meine Linke einen Monitor gestellt. Fernsehen. Geil. Ab Bauchnabel abwärts war alles betäubt und über selbigen wurde mit einem Gestell und einem Handtuch eine kleine Wand gebildet, damit ich nicht ganz auf den Doktor gucken konnte. "Endlich mal wieder richtige Männer-Beine," war der passende Kommentar zu meinen voluminösen, muskulierten Schenkeln. Und dann ging es auch schon irgendwie los, ohne dass ich was bemerkte. Der Monitor erleuchtete, allerdings war noch alles recht rot verschwommen. Nach und nach wurde klare Flüssigkeit ins Knie gepumpt und das Blut, das seit dem Unfall die Schwellung bildete, abgepumpt. Schnell erkannte man alle möglichen Knochen im Knie, die Sehnen, Bänder und so weiter. Mit einer Art Stemmeisen wurden die Gelenkteile auseinandergedrückt, sodass wir weiter mit dem Lichtleiter zu den Kreuzbändern kamen. Es war eine richtig schöne, kleine Erlebnistour durch den eigenen Körper. Großartig. Wie in einer Unterwasserwelt. Das hintere Kreuzband sah fabelhaft aus, aber beim vorderen stockte mir der Atem. Das war alles andere als ein Kreuzband. Das war zerfleddert wie sonstwas, glich einer Seeanemone und von einer klaren Struktur war nichts mehr zu erkennen. Mein Traum von einer kurzen OP mit leichtem Eingriff war vorbei, jetzt musste der Doktor ganze Arbeit leisten.
Der Raum, in dem ich lag, füllte sich immer mehr mit Menschen. Der Narkose-Lehrling, ein paar Arzthelfer, die über's Wochenende redeten, ein paar Schwestern, die aber älter wirkten, trotzdem ich sie unter Mundschutz und Kopfhaube kaum erkennen konnte. Zudem sprachen sie von ihren Partern, was mein Vorhaben, eine von ihnen anzubaggern, auf Eis legte.
Nun gut, der Onkel Doktor erklärte mir die weitere Vorgehensweise. Altes Kreuzband raus - Löcher bohren - Knie aufschneiden - Patellasehne (mittleres Drittel) rausnehmen (mit Knochen) - reinsetzen - zunähen - fertig.
Alles klar.
Mit einer kleinen Zange, die der Doktor durch den bleistiftdicken Tubus behutsam ins Knie einführte, begann er, das Kreuzband herauszureißen. Schien schwierig zu sein, zumindest bewegte sich mein Körper mit jedem Rupfen mit. Aber ich merkte ja nichts. Als er irgendwann nur noch abrutschte, war schwereres Gerät vonnöten. Also griff er zu einer Art Häckselmaschine, die diese Anemonen-Arme abknabberte und gleichzeitig absaugte. Putzig sah das aus.
Dann war Ruhe, der Doktor zog die Sonde wieder raus und der Monitor wurde für einige Zeit dunkler. Zwischendurch pampte man die Helfer an, die es nicht fertigbrachten, den Monitor, bzw die Sonde, ganz auszuschalten. Ich konnte nämlich bei genauem hinsehen auf dem Monitor noch den Doktor arbeiten sehen. Warum er so ein Geheimnis daraus machen wollte, wusste ich nicht.
Irgendwann wurde es laut und einige Vibrationen gingen durch meinen Körper. Man hatte mein Knie aufgeschnitten, die Patella-Sehne freigelegt und gerecht aufgeteilt und begann nun, diese mit jeweils etwas Knochen vom Schienbein und von der Kniescheibe herauszulösen. Mit Säge und Meißel.
Anschließend musste man Löcher bohren, mittem im Knie. Das allerdings blind, der Doktor sah auf dem Monitor lediglich, wo er hineintreffen sollte, aber nicht wo. Dazu bediente er sich eines Metallrings, durch den er treffen sollte. Die ersten zwei Versuche gingen knapp vorbei, der dritte saß aber perfekt. Sah ganz schön groß aus, der Bohrer. Ich sollte aber erfahren, dass das gar nicht der richtige war. Wenig später war es wieder laut und ein doppelt so großer Bohrer folgte, dieser machte auch ganz schön viel Knochenmark-Spähne. Dieses Kostbare gut wurde sogleich eingesammelt, es sollte die Löcher in Schienbein und Kniescheibe stopfen.
Um die Löcher zu kontrollieren, wurde noch ein Röntgenfoto geschossen und eine der netten Helferinnen deckte meinen Schritt mit der schweren Bleischürze. Und da da jetzt ne ebene Fläche bestand, konnte man gleich noch mehr Sachen ablegen. Zwischendurch erschrak ich noch einmal kurz bei dem Gedanken, dass ja wegen der Betäubung meine Schließmuskeln gar nicht mehr funktionieren würden, aber ich war zum Glück nüchtern und es herrschte kein zu großer Durck. Ich wollte trotzdem mal kontrollieren gehen und fragte mich sofort, warum die Mulbinden oder so unter die Schürze gelegt haben, bis mir einfiel, dass das ja nicht umsonst "Weichteile" heißt. Ganz schön übel. Und dann lag auch noch mit dem vollen Gewicht die Schürze auf sämtlichen lebenswichtigen Männerorganen.
Nach der OP tat das ganz schön weh..
Nun gut, die Röntgen-Bilder waren anscheinend zufriedenstellend, es konnte weitergehen. Jetzt ging es daran, die Knochenstücke in die etwas kleiner geratenen Löcher zu schlagen und zu verkeilen. Wieder vibrierte mein Körper bei jedem Schlag aber das alles ging ziemlich reibungslos. Perfekt eingelocht. Jetzt noch ein paar Beugübungen und schwupps konnte zugenäht werden.
Das unbequeme Liegen auf dem Rücken machte mir mittlerweile im Steiß bereich ein paar Probleme und ich versuchte, mich irgendwie anders zu legen. Ganz schön scheiße, wenn die Beine nicht funktionieren, also versuchte ich es mit Ruck, wobei der Arzt in Panik geriet, da mein Bein wohl nicht gerade sicher auf dem Tisch lag. Aber solange ich nichts merkte, war mir das egal.
Nach anderthalb Stunden war der Spaß vorbei, ich kam ins "Aufwachzimmer", wo ich mit Abstand der munterste war. Zwischendurch kam der dort zuständige Arzt und bespritze mich am Oberkörper mit Desinfektionsmittel. "Ist nass und kalt, nä?". Ach was. Ich glaube, er wollte das tun, um zu testen, wie weit die Narkose jetzt raus wär, wurde aber bei jedem Versuch vom Telefon unterbrochen wurde.
Auf dem Weg später in mein Zimmer entstand eine hitzige Debatte mit einer Krankenschwester, die meinte, ich sei zu schwer. Meine Argumente waren aber viel überzeugender, glaub ich und sie sah es ein.
Nach drei Stunden aufm Zimmer kamen die Schmerzen, aber als echter Mann hält man die ja aus. Ich habe Tablette bekommen. Trotzdem ich so lange wie möglich dem Druck stantgehalten habe, musste ich irgendwann auf's Örtliche. Der Kreislauf war aber noch nicht so in Ordnung und so begab es sich, dass die Schwester, mich klitschnass und schneeweiß erblickend, sofot mit den Worten "Na jetzt aber schnell, ich kann sie nicht halten," ins Bett schickte. Was soll das denn heißen? Sie war jetzt auch nicht viel schlanker als ich. Das war ja rüde, wie sie mich behandelte. Aber die Wogen sollten sich glätten. Für die darauffolgende Nacht wurde mir so eine tolle Ente angeboten. Seit meiner Zeit als Zivi war ich fasziniert von diesen Taschentoiletten. Ich nahm sie dankend an und füllte sie desnachts so um drei Uhr fast ganz. Ein tolles Gefühl, das ich nie vergessen werde.
Die Tage im Zimmer waren nicht soo spannend. Ich habe ein ganzes Buch durchgelesen, das sagt wohl viel über meine Langeweile aus. Ansonsten hab ich gegessen oder geschlafen. Schlaf musste ich aus der Nacht nachholen, da ich zwei sehr starke Sägewerke neben mir hatte.
Ab und zu kam die Krankengymnastin. Sie war sehr schön und fachkundig. Ich verliebte mich spontan in sie. Die zwanzig Minuten pro Tag mit ihr vergingen viel zu schnell, wir konnten unsere Beziehung nicht sonderlich vertiefen. Mit viel Liebe bog sie mein Bein, ließ am Ende die Beinmaschine heimlich in meinem Bett, so dass ich schneller auf die 90° Beugung kommen konnte und warf mir auch sonst verführerische Blicke zu. Spätestens am letzten Tag, dem gestrigen Dienstag, als ich mich auf den Bauch legen sollte und sie aus dieser Position meine Beine beugte, sich dabei auf meinem hübschen hintern abstützte - da sie zu früh kam, lag ich nur in körper betonender Boxer-Shorts da - kam der Moment, in dem sie sich auch in mich verliebte. Aber es war zu spät. Wir mussten uns trennen.
Ich werde sie vermissen.
Der Arzt kontrollierte mich dann gestern ein letztes Mal, tastete alles ab. Es schien ihm zu gefallen, in dem entstandenen Loch der Kniescheibe rumzudrücken. Von den am Ende schnell erreichten 90° (tagszuvor waren es lediglich 65°) war er begeistert, sprach dann aber davon, dass die Weichteile noch zu sehr geschwollen seien, einen Tag sollte ich noch brauchen. "Der Arsch," dachte ich. Dann war wohl doch der das mit der Bleischürze.
Nun, heute kam ich raus. Zum Glück, konnte ich sagen, da ich meine Nachbewohner kennenlernte. Zwei Herren, alt, mit wenig Hirn aber viel Redebedarf. Binnen zwanzig Minuten kannte ich die ganze Krankengeschichte des einen.
Nach dem Sektfrühstück, in dem alle Schwestern sehr betrübt dreinschauten (es sind meinetwegen selbst die gekommen, die sonst nicht arbeiten mussten), verabschiedete ich mich und jetzt lieg ich zuhause. Auf meinem Zimmer. Und unten werden wieder Wände eingehauen.
Vielleicht sollte ich meinem Kreuzband wieder etwas antun, dann hab ich wenigstens wieder den ganzen Tag Ruhe, viel TV und Essen, dass meiner Figur mal wieder gut tun könnte.
so long. oeRque
Ps.: Insgesamt verging die Zeit allerdings verdammt schnell, unter anderem deshalb, weil mein Bruder, der Prachtbub, mich fast täglich besucht hat und mir Liebe, Trost und viel Essen gespendet hat. Dafür möchte ich ihm rechtherzlich danken!
Großartig.
Alles fing letzte Woche Montag an, als ich zur Voruntersuchung durfte. Unwissend, wie ich war, parkte ich auf dem eingezäunten Parkplatz direkt vor der Klinik, der gleich mal doppelt so teuer war, wie der andere Besucherparkplatz daneben. Somit durfte ich nicht nur drei Stunden im Krankenhaus verweilen, bis alles durchgecheckt war, sondern auch noch einen Wucherpreis von fünf Euronen dafür hinblättert.
Zwischendurch wurde mir Blut abgenommen, nochmal das Knie durchgecheckt und mir die beiden Narkose-Möglichkeiten erklärt. Vollnarkose wollte ich ja, aber nachdem ich gehört habe, dass ich davon Halsschmerzen bekommen könnte, weil sie mir zwischenzeitlich ein Schlauch in den Rachen schieben würden, hab ich mir nochmal die Sache mit der Spinal-Dingens, also der Wirbelsäulen-Narkose angehört.
Der Arzt blühte da vollkommen auf, war sehr begeistert von dieser Variante, er würde die auch immer nehmen (da frag ich mich, ob er so verletzungsanfällig ist oder sich gerne mal betäuben lässt) und man dann auch erstmal nach der OP direkt keine Schmerzen verspüren und so weiter. Man bekommt nur eine kleine Spritze in den Wirbelsäulen-Wasserkanal. Nur wenn sie das Rückenmark treffen würden, wär ne Lehmung sehr wahrscheinlich... egal, die nehm ich doch. Seit meiner Zahnarztstory bin ich eh davon begeistert, bei OPs live dabei zu sein.
Als ich Mittwoch ankam, dachte ich, ich würde maximal zwei Tage bleiben, weil mir die Ärzte Hoffnung machten, dass das Kreuzband noch zu gebrauchen war und nur etwas zusammengeflickt werden müsste, weil ich mich ja ansonsten sehr gut bewegen könnte und so. Später sollte sich herausstellen, dass es nur anderen Innen- und Außenbänder zu verdanken gewesen sei, weil diese so schön straff waren. Und natürlich, weil ich so muskuliert bin, nahm ich an.
Es ging dann auch recht schnell. Als ich meinen Schrank gepackt hatte, kam eine der reizenden Schwestern und meinte: Ausziehen. "Lady!?" erwiderte ich, aber mir wurde zugesichert, dass ich die Unterbüchse anbehalten dürfte. Sie tat mir leid.
Die Beruhigungstablette nahm mir sämtliche Aufgeregtheit und mit geiler Kopfbedeckung und diesen tollen OP-Hemden, die hinten offen waren und bei jedem Aufstehen einen Blick auf meinen Rücken und meinen geilen Arsch freigaben bedeckt ging es dann mit meinem Bett zum Narkose-Machen.
Meine chronische leichte Angst vor Spritzen hatte ich eigentlich schon überwunden, seit ich mir am Tag zuvor die Thrombose-Spritze selber setzen durfte. Aber im Narkose-Raum hieß es einfach mal "Jugend forscht" und ein Arzt-Gehilfe kam zu seinem großen Tag. Ich attestierte ihm eine hervorrangende Leistung, auch wenn er erst nach einigen Kontakten der Nadel mit meiner Wirbelsäule und anderen Knochen beim sechsten Versuch den richtigen Kanal fand. Aufbauen muss man die Leute ja, sonst haben sie ein Leben lang Angst davor.
Im OP-Saal bekam ich an meine Linke einen Monitor gestellt. Fernsehen. Geil. Ab Bauchnabel abwärts war alles betäubt und über selbigen wurde mit einem Gestell und einem Handtuch eine kleine Wand gebildet, damit ich nicht ganz auf den Doktor gucken konnte. "Endlich mal wieder richtige Männer-Beine," war der passende Kommentar zu meinen voluminösen, muskulierten Schenkeln. Und dann ging es auch schon irgendwie los, ohne dass ich was bemerkte. Der Monitor erleuchtete, allerdings war noch alles recht rot verschwommen. Nach und nach wurde klare Flüssigkeit ins Knie gepumpt und das Blut, das seit dem Unfall die Schwellung bildete, abgepumpt. Schnell erkannte man alle möglichen Knochen im Knie, die Sehnen, Bänder und so weiter. Mit einer Art Stemmeisen wurden die Gelenkteile auseinandergedrückt, sodass wir weiter mit dem Lichtleiter zu den Kreuzbändern kamen. Es war eine richtig schöne, kleine Erlebnistour durch den eigenen Körper. Großartig. Wie in einer Unterwasserwelt. Das hintere Kreuzband sah fabelhaft aus, aber beim vorderen stockte mir der Atem. Das war alles andere als ein Kreuzband. Das war zerfleddert wie sonstwas, glich einer Seeanemone und von einer klaren Struktur war nichts mehr zu erkennen. Mein Traum von einer kurzen OP mit leichtem Eingriff war vorbei, jetzt musste der Doktor ganze Arbeit leisten.
Der Raum, in dem ich lag, füllte sich immer mehr mit Menschen. Der Narkose-Lehrling, ein paar Arzthelfer, die über's Wochenende redeten, ein paar Schwestern, die aber älter wirkten, trotzdem ich sie unter Mundschutz und Kopfhaube kaum erkennen konnte. Zudem sprachen sie von ihren Partern, was mein Vorhaben, eine von ihnen anzubaggern, auf Eis legte.
Nun gut, der Onkel Doktor erklärte mir die weitere Vorgehensweise. Altes Kreuzband raus - Löcher bohren - Knie aufschneiden - Patellasehne (mittleres Drittel) rausnehmen (mit Knochen) - reinsetzen - zunähen - fertig.
Alles klar.
Mit einer kleinen Zange, die der Doktor durch den bleistiftdicken Tubus behutsam ins Knie einführte, begann er, das Kreuzband herauszureißen. Schien schwierig zu sein, zumindest bewegte sich mein Körper mit jedem Rupfen mit. Aber ich merkte ja nichts. Als er irgendwann nur noch abrutschte, war schwereres Gerät vonnöten. Also griff er zu einer Art Häckselmaschine, die diese Anemonen-Arme abknabberte und gleichzeitig absaugte. Putzig sah das aus.
Dann war Ruhe, der Doktor zog die Sonde wieder raus und der Monitor wurde für einige Zeit dunkler. Zwischendurch pampte man die Helfer an, die es nicht fertigbrachten, den Monitor, bzw die Sonde, ganz auszuschalten. Ich konnte nämlich bei genauem hinsehen auf dem Monitor noch den Doktor arbeiten sehen. Warum er so ein Geheimnis daraus machen wollte, wusste ich nicht.
Irgendwann wurde es laut und einige Vibrationen gingen durch meinen Körper. Man hatte mein Knie aufgeschnitten, die Patella-Sehne freigelegt und gerecht aufgeteilt und begann nun, diese mit jeweils etwas Knochen vom Schienbein und von der Kniescheibe herauszulösen. Mit Säge und Meißel.
Anschließend musste man Löcher bohren, mittem im Knie. Das allerdings blind, der Doktor sah auf dem Monitor lediglich, wo er hineintreffen sollte, aber nicht wo. Dazu bediente er sich eines Metallrings, durch den er treffen sollte. Die ersten zwei Versuche gingen knapp vorbei, der dritte saß aber perfekt. Sah ganz schön groß aus, der Bohrer. Ich sollte aber erfahren, dass das gar nicht der richtige war. Wenig später war es wieder laut und ein doppelt so großer Bohrer folgte, dieser machte auch ganz schön viel Knochenmark-Spähne. Dieses Kostbare gut wurde sogleich eingesammelt, es sollte die Löcher in Schienbein und Kniescheibe stopfen.
Um die Löcher zu kontrollieren, wurde noch ein Röntgenfoto geschossen und eine der netten Helferinnen deckte meinen Schritt mit der schweren Bleischürze. Und da da jetzt ne ebene Fläche bestand, konnte man gleich noch mehr Sachen ablegen. Zwischendurch erschrak ich noch einmal kurz bei dem Gedanken, dass ja wegen der Betäubung meine Schließmuskeln gar nicht mehr funktionieren würden, aber ich war zum Glück nüchtern und es herrschte kein zu großer Durck. Ich wollte trotzdem mal kontrollieren gehen und fragte mich sofort, warum die Mulbinden oder so unter die Schürze gelegt haben, bis mir einfiel, dass das ja nicht umsonst "Weichteile" heißt. Ganz schön übel. Und dann lag auch noch mit dem vollen Gewicht die Schürze auf sämtlichen lebenswichtigen Männerorganen.
Nach der OP tat das ganz schön weh..
Nun gut, die Röntgen-Bilder waren anscheinend zufriedenstellend, es konnte weitergehen. Jetzt ging es daran, die Knochenstücke in die etwas kleiner geratenen Löcher zu schlagen und zu verkeilen. Wieder vibrierte mein Körper bei jedem Schlag aber das alles ging ziemlich reibungslos. Perfekt eingelocht. Jetzt noch ein paar Beugübungen und schwupps konnte zugenäht werden.
Das unbequeme Liegen auf dem Rücken machte mir mittlerweile im Steiß bereich ein paar Probleme und ich versuchte, mich irgendwie anders zu legen. Ganz schön scheiße, wenn die Beine nicht funktionieren, also versuchte ich es mit Ruck, wobei der Arzt in Panik geriet, da mein Bein wohl nicht gerade sicher auf dem Tisch lag. Aber solange ich nichts merkte, war mir das egal.
Nach anderthalb Stunden war der Spaß vorbei, ich kam ins "Aufwachzimmer", wo ich mit Abstand der munterste war. Zwischendurch kam der dort zuständige Arzt und bespritze mich am Oberkörper mit Desinfektionsmittel. "Ist nass und kalt, nä?". Ach was. Ich glaube, er wollte das tun, um zu testen, wie weit die Narkose jetzt raus wär, wurde aber bei jedem Versuch vom Telefon unterbrochen wurde.
Auf dem Weg später in mein Zimmer entstand eine hitzige Debatte mit einer Krankenschwester, die meinte, ich sei zu schwer. Meine Argumente waren aber viel überzeugender, glaub ich und sie sah es ein.
Nach drei Stunden aufm Zimmer kamen die Schmerzen, aber als echter Mann hält man die ja aus. Ich habe Tablette bekommen. Trotzdem ich so lange wie möglich dem Druck stantgehalten habe, musste ich irgendwann auf's Örtliche. Der Kreislauf war aber noch nicht so in Ordnung und so begab es sich, dass die Schwester, mich klitschnass und schneeweiß erblickend, sofot mit den Worten "Na jetzt aber schnell, ich kann sie nicht halten," ins Bett schickte. Was soll das denn heißen? Sie war jetzt auch nicht viel schlanker als ich. Das war ja rüde, wie sie mich behandelte. Aber die Wogen sollten sich glätten. Für die darauffolgende Nacht wurde mir so eine tolle Ente angeboten. Seit meiner Zeit als Zivi war ich fasziniert von diesen Taschentoiletten. Ich nahm sie dankend an und füllte sie desnachts so um drei Uhr fast ganz. Ein tolles Gefühl, das ich nie vergessen werde.
Die Tage im Zimmer waren nicht soo spannend. Ich habe ein ganzes Buch durchgelesen, das sagt wohl viel über meine Langeweile aus. Ansonsten hab ich gegessen oder geschlafen. Schlaf musste ich aus der Nacht nachholen, da ich zwei sehr starke Sägewerke neben mir hatte.
Ab und zu kam die Krankengymnastin. Sie war sehr schön und fachkundig. Ich verliebte mich spontan in sie. Die zwanzig Minuten pro Tag mit ihr vergingen viel zu schnell, wir konnten unsere Beziehung nicht sonderlich vertiefen. Mit viel Liebe bog sie mein Bein, ließ am Ende die Beinmaschine heimlich in meinem Bett, so dass ich schneller auf die 90° Beugung kommen konnte und warf mir auch sonst verführerische Blicke zu. Spätestens am letzten Tag, dem gestrigen Dienstag, als ich mich auf den Bauch legen sollte und sie aus dieser Position meine Beine beugte, sich dabei auf meinem hübschen hintern abstützte - da sie zu früh kam, lag ich nur in körper betonender Boxer-Shorts da - kam der Moment, in dem sie sich auch in mich verliebte. Aber es war zu spät. Wir mussten uns trennen.
Ich werde sie vermissen.
Der Arzt kontrollierte mich dann gestern ein letztes Mal, tastete alles ab. Es schien ihm zu gefallen, in dem entstandenen Loch der Kniescheibe rumzudrücken. Von den am Ende schnell erreichten 90° (tagszuvor waren es lediglich 65°) war er begeistert, sprach dann aber davon, dass die Weichteile noch zu sehr geschwollen seien, einen Tag sollte ich noch brauchen. "Der Arsch," dachte ich. Dann war wohl doch der das mit der Bleischürze.
Nun, heute kam ich raus. Zum Glück, konnte ich sagen, da ich meine Nachbewohner kennenlernte. Zwei Herren, alt, mit wenig Hirn aber viel Redebedarf. Binnen zwanzig Minuten kannte ich die ganze Krankengeschichte des einen.
Nach dem Sektfrühstück, in dem alle Schwestern sehr betrübt dreinschauten (es sind meinetwegen selbst die gekommen, die sonst nicht arbeiten mussten), verabschiedete ich mich und jetzt lieg ich zuhause. Auf meinem Zimmer. Und unten werden wieder Wände eingehauen.
Vielleicht sollte ich meinem Kreuzband wieder etwas antun, dann hab ich wenigstens wieder den ganzen Tag Ruhe, viel TV und Essen, dass meiner Figur mal wieder gut tun könnte.
so long. oeRque
Ps.: Insgesamt verging die Zeit allerdings verdammt schnell, unter anderem deshalb, weil mein Bruder, der Prachtbub, mich fast täglich besucht hat und mir Liebe, Trost und viel Essen gespendet hat. Dafür möchte ich ihm rechtherzlich danken!
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