Mittwoch, 30. September 2009

Tag 215: Man kann nicht mehr einfach nur Frisör sein.

Das hat sich wahrscheinlich auch derjenige gedacht, der gegenüber vom neuen Campus seinen Salon eröffnet hat, in einer Straße, in der er auf 300 Metern schon vier andere Mitbewerber hat. Billig kann jeder, also hat er sich gedacht, er macht seine 10 Yuan teurer, als die Konkurrenz, dafür verspricht er aber absolute Zufriedenheit und Komfort sowie andere Dienstleistungen. Denn dieser Salon ist gleichzeitig Bar und Internet-Café, chic eingerichtet mit riesigen alten Spiegeln und Ledersofas im Renaissance-Stil.
Und da ich schon all seine Mitstreiter ausprobiert habe, möchte ich heute seine Dienstleistung in Anspruch nehmen, auch weil Philipp schon eine Kundenkarte besitzt, welche die teureren Preise wieder um 10 Yuan senkt.
Internet-Café und Bar kann ich nicht in Anspruch nehmen, weil der Laden leer ist und ich sofort dran komme. Kopfmassagen habe ich schon bessere erlebt, dennoch entspannt sie mich so sehr, dass ich fast einschlafe. Beim Schnitt frage ich mich, warum zuerst an der Seite die Spitzen ausgedünnt werden, anschließend aber radikal mit dem Langhaarschneider rübergemäht wird. Wahrscheinlich Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Letztendlich bin ich aber mit dem Schnitt zufrieden und kann zur Nachmittagsvorlesung.
Da dieser Salon seriös wirkt, wollen sich auch Nadine und Cathrin heute trauen, sich einen Schnitt und etwas Farbe verpassen zu lassen. Bei Nadine gelingt das, sie lässt auch nur schneiden. Wenngleich es auch nicht nach ihren Vorstellungen passiert, lässt sich das Ergebnis sehen. Cathrin, gönnt sich, einen Tag vor ihrem 25. Geburtstag, ein paar hellere Strehnen in ihrem sowieso schon recht blonden Haar. Zumindest hat sie das vor. Es gibt zwar erst Verständigungsprobleme, da sie weder Gold noch Gelb als Farbe akzeptiert, bis sie von Nadine aufgeklärt wird, dass es für Blond keine andere Bezeichnung gibt im Chinesischen. Die Färbung der Strehnen sieht nach dem ersten Durchgang auch gut aus. Dann aber will die Frisörin die restlichen Haare färben, warum auch immer. Leider geht das nach hinten los, denn, auf welche chemische Reaktion auch immer es zurückzuführen ist, ist ihr schönes Naturblond einem Grau mit blauen Strehnen gewichen.
Keine Panik, man kann ja nochmal rüberfärben. Und nochmal. Jeweils für über eine Stunde. Das Blau geht zum Glück wieder raus, aber die Haare bleiben farblos, trist, alt und grau. "Aber das sieht doch gut aus," beschwichtigen sie alle Damen im Salon. Cathrin weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll, entscheidet sich für ein Zwischending und wird anschließend böse. Sie will auf keinen Fall bezahlen, aber ihr wird der Ausgang versperrt, sodass sie immer noch 200 Yuan hinblättern muss.
Armes Mädel. Aber zumindest wissen wir jetzt, welchen Geburtstagstitel wir ihr morgen vorspielen. Nämlich den von Pur. "Ein graues Haar, wieder weicht ein Jahr...!"
Zum Frisör bleibt zu sagen: Man muss sich einfach mal was einfallen lassen, um aus der Konkurrenzmasse hervorzustechen. Das haben sie geschafft.

Dienstag, 29. September 2009

Tag 214: Filmabend.

Beiläufig möchte ich zunächst erwähnen, dass ich, zum fünften Mal in Folge meine 100 Punkte im Vokabeltest erreicht habe, auch wenn es heute leicht glücklich ist und wahrscheinlich ein kleines Auge zugedrückt wird. Nach der Vorlesung schmuggeln wir den Beamer aus dem Deutschclub mit ins Wohnheim.
Zunächst aber verbringen wir den Nachmittag auf dem alten Campus. In "Chinesische Kultur" werden wir über Laozi und den Taoismus aufgeklärt. Also Frau Ai versucht uns beizubringen, was es mit diesem gewissen 道 (Dao) auf sich hat, auch wenn Laozi im ersten Zitat sagt, dass, sobald man erklärt hat, was es ist, es sich nicht mehr um das richtige 道 handeln kann, da dieses viel zu komplex sei, um verstanden zu werden. So kann man natürlich auch seine Philosophie haltbar machen, indem man dadurch, dass man ausschließt, dass man es erklären und beweisen kann, sogleich auch ausschließt, dass man beweisen kann, dass es das nicht gibt. Und so hält sich die Theorie des alten Mannes, der laut Überlieferungen 160 Jahre alt wurde, schon seit dem 6. Jahrhundert vor Christus.
Dann aber haben wir uns einen Filmabend verdient, auf dem Beamer in Philipps Wohnung (bei uns geht es nicht, es sei denn, wir könnten mit einem satten Grünstich (wegen der Wandfarbe) leben. Aber erstmal wird daraus nichts, da komischerweise heute der Deutschclub von irgendwem belegt ist und der Beamer dort gebraucht wird. Fu, der Streber (Klassensprecher, der immer die Hausaufgaben einsammeln muss und die Anwesenheit kontrolliert und später dem Prof berichtet, aber eigentlich ein ganz feiner Kerl ist), weiß natürlich sofort, wo dieser sich befinden muss. Ich bekomm nen Anruf, Arne darf das Ding zurückbringen und erst um neun wieder abholen.
Aber dann gibt es den neuen Star Trek-Film auf 1,50 x 2,00 Meter. Natürlich handelt es sich um die Original-Kopie der DVD, die es noch nicht im Handel zu kaufen gibt.

Tag 213: Was nicht kopiert wird, ist es nicht Wert.

"Laut Konfuzius ist es das höchste Maß der Ehre und eine große Auszeichnungfür den Meister, von seinen Schülern so getailgetreu wie möglich nachgemacht zu werden. "

Ich denke, dieses Zitat wird das Vorwort meines Praktikums bilden um mein Handeln in Form von Kopieren einiger Textabschnitte zu erklären. Denn es ist doch etwas müßig, selber etwas zu schreiben, was schon in sämtlichen Büchern und auf sämtlichen Seiten im Internet zu finden ist. Es gibt keinen Grund, das Rad neu zu erfinden. Und gerade hier, im von der Morallehre des Konfuzius geprägten China, sollte man das jawohl verstehen.
Ansonsten gehe ich steil auf das Ende zu. Das beruhigt mich.
Dass ich es nicht aber heute nicht mehr zu Ende bringe, liegt nur an der Wahl in Deutschland, die wir im Radio bis in die Nacht mitverfolgen.

Tag 212: Wehrdienst.

Heute läuft den ganzen Tag das Campus-Radio, aber bei einem Blick aus dem Fenster scheint das Uni-Gelände wie leergefegt. Aber nur scheinbar. Denn bei genauerer Betrachtung sieht man sie doch, die ganzen Erstsemestler, alle in einen Tarnanzug gestopft.
Heute beginnt ihr 14-tägiger Wehrdienst. Dieser ist Pflicht, wenn man studieren will. Auch ist es wohl von Vorteil, in der Partei zu sein. So sichert man die politische Zukunft. Also kreucht und fleucht es heute auf dem Campus nur so umher, bisher noch recht ungeordnet, aber das kann man entschuldigen am ersten Tag.
Nachdem wir mittags über zwei Stunden auf das bestellte Essen vom Inder warten und dann nach anstrengendem Verzehr nochmal das Bett aufsuchen, gehen wir abends mal raus und schauen uns das ganze an. Auf sämtlichen Sportplätzen haben sich die kleinen Trupps, angeführt von einem Zweitsemestler, versammelt, um stramm zu stehen, den Gleichschritt zu üben oder auch mal die ein oder andere Militärparole zu gröhlen. Bei unserer Ehrenrunde über den Sportplatz können sich die noch jungen Soldaten nicht beherrschen und brechen zum Teil in frenetischen Jubel aus. Ist klar, die Erstsemestler kennen uns ja auch noch nicht.
Dann finden wir Spätzle, der auch einen Trupp leitet. Mit dem Handy in der Hand steht er da und lauscht der darauf gespeicherten Musik, stoppt sie kurz und singt sie nach, bzw. vor, da seine Gruppe anschließend auch nachsingt. So geht es am Abend in jedem Bataillon zu. Ich weiß nicht, ob man mit Gesang Kriege gewinnen kann, aber es wäre sicherlich interessant, es rauszufinden.
So ernst nimmt das heute also noch keiner, deshalb wird auch schnell mit dem Gesang aufgehört und wir bringen etwas Deutsch bei, da uns gerade kein schönes Lied einfällt, das wir beibringen könnten. Wir versprechen aber, für morgen eins vorzubereiten und geben Spätzle frei.
Abschließend versammeln sich nochmal alle Trupps und bekommen von irgendeinem hohen Tier etwas mitgeteilt. Wir stehen unter ihnen, fallen mit farbenfrohem T-Shirt und weißem Hut, sowie einer recht hohen Statur zwar auf, werden aber geduldet.
Wir gehen heute Abend nicht aus. Das liegt nicht daran, dass wir schwächeln, weil wir die letzten drei Abende schon steil gegangen sind, sondern einzig und allein an unserer Vernunft und unserer Reife.

Tag 211: Beneluxisch unterwegs.

Es ist Freitag. Der Vormittag ist frei. Es wird ausgeschlafen. Die Vorlesung am Nachmittag ist auch keine große Herausforderung, ich gewinne alle Spiele auf der PlayStation Portable. Und auch wenn wir gestern und vorgestern Abend schon unterwegs waren, so ist das gewiss kein Grund, heute nicht auch steil zu gehen.
Und so geht es, nach der guten Erfahrung bei der Bus-Tour letzte Woche, in die Hostel-Bar und ich gelange zur freudigen Entdeckung, dass es hier gutes, belgisches Bier gibt. Zu humanen Preisen, wenn man bedenkt, dass diese Köstlichkeit schon in Europa ein halbes Vermögen kostet. Und wär ich nicht in China, würde ich diese Tage sowieso zwecks Messe in Brüssel verweilen, also liegt es auf der Hand, dass ich ein Stück Brüssel-Feeling nach Xi'an hole. Schmusebusen.
Belgisches Bier ist deshalb so köstlich, weil es anders ist. Süffiger. Würziger. Alkoholhaltiger. Man stülpt es deshalb auch nicht einfach wie ein Pils weg, sondern genießt es, Schluck für Schluck, wie einen guten Wein, nur dass es ein gutes Bier ist. Schmusebusen.
Um vom Gefühl her im Benelux zu bleiben, gibt es zur Abwechslung zwischendurch einen Absinth. Hiermit hat sich schon der ein oder andere Holländer in die Versuchung gebracht, das Hörorgan wegzufetzen.
Unsere Ohren bleiben heute aber dran. Dass Luxemburg heute nicht erwähnt wird, wobei jetzt ja doch, bitte ich zu entschuldigen, aber was hat der Kleinstaat schon zu bieten? Schmusebusen.

Sonntag, 27. September 2009

Tag 210: Racism in Xi'an?

As several foreign friends of mine are wondering what I am writing every day, I decided to writ this article in English. I will use some bad words, I hope you don’t mind. I also hope you don’t mind if my English is a little bit poor but this year my brain is full of Chinese which makes it complicated to switch to this language.

In the next week, on October 1st, China is going to celebrate its 60th birthday and to prepare for this event, everybody buys flags to decorate the houses and one can really feel the rise of national pride. But today, I think, national pride turns to kind of racism.

It all begins at lunch time. We don’t have any lessons today and so we are arriving relatively late at 12:45 pm in the canteen. Lukas and I have to charge our canteen-cards. The charging-station closes at 1:00 pm, but as they are a bit lazy, they already prepare to close earlier. I am lucky and they take my 200 Yuan and charge my card. Lukas is waiting right behind me but when my card is charged, they just close the fucking window, pointing at the fucking clock at the wall that does not show the correct time. “Open the fucking window, lady! It’s not yet 1 pm.” But no chance.

Suddenly, five Chinese people appear behind us, having the same intention as we do. And suddenly the window is open again and three of their cards are being charged but as soon as Lukas is appearing in front of the window, it’s closed again. We have to come back another day. Fuck that.

Luckily my card is charged and we don’t have to starve today.

In the afternoon we call the Chinese office of the Lufthansa in Shanghai to change the date of our flight-tickets back to Germany, that we issued last year in October. That day we were told we can change the date once without having to pay anything. However, the fucking Lufthansa-Office in Shanghai does not seem to know anything about that, they are demanding a payment of 100 Euro. Fuck that, we will call the office in Germany another day.

In the evening we are going back to the canteen, again relatively late (all the other students having lunch at 6:00 pm, we are arriving at 6:45 pm. They should be happy that we are not complaining, that our food is already cold but still pay the full price. But they are not happy. They still want to make some money by saving some energy by switching the light off in the area we are sitting and still eating. “Lady, would you please switch on the fucking light again?” No. All the lady, a pretty beautiful one, does is smiling spitefully in our direction.

There is nothing like doing things yourself and I myself go over to switch the fucking lights on again. The canteen working-staff is looking at me but is too afraid to challenge me again. Of course I am a good man and switch off the light when we are leaving but to show my anger I am not willing to clean my table for them.

To calm down, we are following the invitation of an ex-Prof of our institute that I met at the Bierfest in the Sofitel to come to his bar that he just opened a few months ago. On the map it appears not being too difficult to reach it but in fact we have a long ride in the taxi as our map is old and the area of the bar has just been constructed. We get a beer and a cocktail. Denis’ cocktail contains orange juice. The orange juice bottle nearly explodes as it’s opened but nobody believes us that this might be an indication for the orange juice being bad. But Denis survives his drink.

Than we are moving to the Salsa with the intention to be the last ones on the dancefloor. But we are not allowed to enter the club as we don’t have any passports. Fuck that! Why are ‘minors’ supposed to carry passports all the time? They are too valuable and too big, they just do not fit in any Jeans pockets. Again we feel like victims of racism.

But why should we be annoyed about the Salsa, we just cross the road and go to the 爱上-Club. The name means something like ‘in love’ so we hope to be welcome in here. And we are. More than just welcome. The man who introduces himself as being the manager uses the few minutes of time that Denis and Philipp are on the toilet to tell me how handsome I am. Three times. I am thankful that not everybody turned to be kind of a racist, however I quickly order some beers, hoping he disappears as I am embarrassed by this situation.

Donnerstag, 24. September 2009

Ich und meine Brüder.

Tag 209: Bad KTV.

Meine Lieblingsprofessorin, Fräulein Ai, muss und heute leider vertrösten, ihre Vorlesung fällt wegen Besuchs aus. Und dann kommt auch noch der Anruf, dass wir morgen keine Vorlesung haben, stattdessen haben wir Freitag einen Laborversuch. Wir haben also sehr viel Zeit, sogar noch mehr, da wir abends nicht früh schlafen gehen müssen.
Ich schließe mich also heute mal Lukas und Cathrin an und gehe zum Taekwondo. Zwar laufe ich am Anfang beim Sprint zum Warmmachen allen davon, da meine Beine die längsten sind, bei den Dehnübungen versag ich aber total, selbst die Damen mit einer Körpergröße von etwas mehr als 1,50 Metern können ihr Bein höher heben, als ich. Es gilt in Zukunft, meine Bänder auszuleiern.
Nach zwei Stunden Training könnte ich dann auch eigentlich ins Bett, aber was wäre ich für ein Student, der, trotz eines freien Donnerstags daheim bliebe? Also treffen Thomas, Philipp und ich uns mit Wels und zwei seiner Freunde in der Stadt bei einem sogenannten Bad KTV. Wir wollen schließlich am Ende nicht sagen, wir hätten in China nichts ausprobiert. Dies ist eine Karaoke-Bar mit gewissen Extra-Leistungen. Da wir nämlich nur Herren der Schöpfung sind, werden uns, gegen kleinen Aufpreis, ein paar Damen zur Seite gesetzt. Diese haben dann die Aufgabe, die gekauften Getränke selber wegzutrinken und etwas mit ihren Reizen zu spielen. Da ich aber sehr müde bin, fallen mir diese Reize nicht wirklich auf und die beiden Damen tun mir fast ein wenig leid, dass wir alle recht wenig Interesse an ihnen zeigen, so sehr sie sich auch bemühen. Eigentlich warten wir nämlich auch nur auf die Frau, die für uns tanzt, ein wenig unbekleideter. Wels sagt, das müsste man mal mitgemacht haben. Sie ist aber nicht im Hause. Und auch per Telefon kann sie nicht erreicht werden. Wir werden also ein wenig hingehalten, bis wir erfahren, dass das ganze ja eigentlich auch illegal ist und momentan die Kontrollen etwas schärfer seien.
Das Bier ist also weggetrunken, die Dame kommt nicht und die Klimaanlage funktioniert auch nicht, das sind genug Gründe, um die Lokation zu wechseln. Im 1+1 waren wir schon länger nicht mehr. Und hier tanzen dann auch tatsächlich Frauen. Aber sehr lange bleiben wir nicht, da uns einfällt, da der Donnerstag ja für den Praktikumsbericht reserviert ist.

Tag 208: Campus-Radio.

Im letzten Semester konnte man sich drauf verlassen, dass man bei geöffnetem Fenster nicht unbedingt verschläft, da pünktlich um sieben liebliche Klänge aus den Lautsprechern, die überall auf dem Campus verteilt sind, ertönen und einen sanft aus den Träumen reißen.
Dieses Semester stottert die Sound-Produktion noch ein wenig, wirklich regelmäßig geht die Sendung des Campus-Radios nicht auf Tour, was aber auch daran liegt, dass dringend Nachwuchs gesucht wird. Momentan werben also sämtliche Clubs und Vereine tagsüber auf dem Campus an improvisierten Ständen.
Thomas, Arne, Philipp und Jae haben sich spaßeshalber mal beworben und dürfen heute Abend vorsprechen. Sie werden, des Ausländerbonus' wegen, an der Schlange vorbeigeführt und müssen nicht einmal die Vorbereitungsphase mitmachen, dürfen gleich den englischen Text vorlesen und ein paar Vorschläge zur Sendung machen.
Ich bin mir sicher, dass sie gut sprechen, dennoch gibt es scheinbar einige Kritikpunkte. Man darf sich selber die Frage stellen, ob man sich Kritik über die eigenen Englisch-Kenntnisse gefallen lassen darf, wenn der Kritiker selber nicht in der Lage ist, diese Kritikpunkte auf Englisch zu verfassen.
Zumindest wird keiner genommen, zumal man im ersten Semester nur geschult wird, im zweiten darf man dann erst selber ran. Und da sind wir, bekanntlich, weg. Aber uns es wird versprochen, dass wir irgendwann einen Auftritt haben. Und auf diesen Tag freue ich mich bereits jetzt.

Tag 207: 100 Punkte-Show.

Gestern habe ich erst gegen Mitternacht angefangen, Zeichen zu lernen. Ich kann mir nicht helfen, ich bin scheinbar so schlau, denn die 100 Punkte-Show geht in die nächste Runde. Zwar sind Lukas, Denis und Jae genauso gut, wie ich, aber da sie unmittelbar neben mir sitzen, ist doch sofort klar, woher das ganze rührt.
In "Einführung in die Drucktechnik" erfahren wir heute, dass ein Druckbild aus ganz vielen kleinen Punkten besteht und man meistens nur vier verschiedene Farben benötigt, um das ganze farbig hinzubekommen. Wahnsinn, wie einfach das ist.
Auf meinem Rückweg vom alten Campus fahr ich mit dem Fahrrad einen Umweg (anders rum um den Häuserblock) und stehe schwupps im Stau, da der Verkehr umgeleitet wird. Und zwar über den Parkplatz vom Baumarkt. Dreispurig. Rund um irgendwelche Schlaglöcher und parkende Autos.

Mittwoch, 23. September 2009

Tag 206: Weitere Panikmache.

Als sei es nicht schon genug, dass anscheinend das H1N1-Virus in Xi'an gastiert, jetzt sind anscheinend auch noch Terroristen vor Ort. Zumindest wird das via stille Post verbreitet, die Medien sagen anscheinend nichts. Die Terroristen kommen demnach aus einer Region, die in jüngster Vergangenheit sowieso schon für etwas Unruhen gesorgt hat, und jene Einzelgänger laufen über belebte Plätze und verteilen verschiedene Viren mittels Spritzen wahllos an die Bevölkerung.
Was daran dran ist, kann ich nicht sagen, da ich es noch von keiner offiziellen Quelle gehört habe, Kommilitonen wissen alle nur Bruchstücke und warnen, dass wir nicht zu viel rausgehen sollten, Busse gar meiden. Sei es nun wegen der Schweinegrippe oder wegen der Terroristen.
Tatsächlich laufen heute Abend mehrere Polizei-Truppen, stark bewaffnet, über das Gelände der gut besuchten Wildganspagode. Aus der Ruhe bringen lasse ich mich davon aber noch lange nicht. Schließlich meide ich stets die wirklich am stärksten besiedelten Flecken in Xi'an, nämlich die Busse.
Fahrrad fahren ist also auch in dieser Beziehung sehr gesund.

Tag 205: Schäbiger Samstag.

Mit der gesunden Stimme eines Rockers, versoffen, verraucht und kratzig erwache ich. Und solange die Stimme noch im Arsch ist, sehe ich keinen Grund, jegliche Körperhygiene zu betreiben, ein Frühstück ist aber gerne drin.
Ich schlüpfe also in die Kleidung unserer gestrigen Bustour und gehe auf den Flur in der Hoffnung, jemanden mit etwas Essbarem zu finden. Cathrin und Nadine geht es ähnlich, wie mir, Cathrin und ich werden also zum Laden geschickt, während Nadine Eier kocht. Zum vierten Mal in Folge regnet es auch diesen Samstag, unser Weg zum Supermarkt ist also gespickt mit Pfützen. Und wenn man dann schon Klamotten trägt, die auf die Waschmaschine warten und dazu Flipflops aus Schaumgummi - dann ist es jawohl legitim, dass man nicht jedem kleinen See auf dem Weg ausweicht, sondern mit viel Freude und Schwung in sie hineinspringt.
Auf dem Grund der letzten Pfütze vor unserem Haus befindet sich viel Dreck, wie mir kurz nach dem Aufkommen bewusst wird. Da ist es aber schon zu spät, denn sämtlicher Schlamm wurde mit hochgewirbelt und hat sich, dank meiner O-Beine, an der Innenseite der Oberschenkel, an den Unterschenkeln und sogar im Gesicht verteilt. Volltreffer. Aber immer noch kein Grund zum Duschen, erstmal Frühstück. Und dazu ein Konterbier.
Vom Frühstückstisch erheben wir uns erst einmal nicht. Draußen ist es grau, die Wohnung ist dunkel, Kerzen spenden uns Licht, während wir irgendwelche Quiz' aus Frauenzeitschriften durchgehen.
Bei der Kombination von Kerzen und Langeweile entstehen manchmal komische Dinge. Zumeist verschafft zunächst das Wachs Abwechslung, sei es zu Figuren geknetet, oder masochistisch in heißer Form über Finger und Hände gekippt. Finger und Hände sind aber auch schnell langweilig, wie wär's also, wenn man mal einen Bauchnabel damit füllt?
Das ist nichts besonderes. Besonders wird es erst, wenn es dann getrocknet ist. Und wenn einem dann auffällt, dass dieser Bauchnabel ja behaart ist. Nun gut, ein beherzter Ruck von Cathrin sorgt dafür, dass er es jetzt nicht mehr ist.
Wir schauen noch die Video-Aufnahmen des gestrigen Abends und einen Film an, dann ist es auch schon wieder Zeit für das Bett. Der Konterkoffer ist schließlich auch leer und nach einem Aufbäumen des Körpers gegen die Trägheit sieht es heute nicht mehr aus.
Wer sich nun fragt, wo das heutige Fußballspiel geblieben ist: Aus weiser Voraussicht haben wir es abgesagt.

Tag 204: Philipps Partybus.


Philipp hatte Montag Geburtstag, was wir Sonntag schon im kleinen Kreise gefeiert hatten, aber um unseren chinesischen Kommilitonen auch etwas Abwechslung im grauen Uni-Alltag zu bieten, sollte das ganze noch einmal etwas größer nachgeholt werden, zum Beispiel heute.

Allerdings haben unsere Nachbarn sich mal wieder hintenrum über unsere Betreuerin beschwert, dass wir zumindest in der Woche nach 22 Uhr zu laut seien. Kann ich nicht nachvollziehen, aber wir müssen uns es ja nicht weiter mit ihnen verscherzen, also fällt eine Feierlichkeit im Wohnheim aus.

Auch in Clubs wollen wir nicht ziehen, da gingen schließlich nur unartige Menschen hin und hier hält man sich für artige, fleißige Studenten.

Draußen wird es immer kälter, also wär ein Park auch die falsche Location, warum feiern wir also nicht einfach in einem Bus!? Einfach reinsetzen, losfahren und, sofern möglich, im Kreis fahren, bis wir müde sind.

Letzteres galt als Schnapsidee, allerdings als eine ziemlich gute und realisierbare und schon war Philipp gleich am Dienstag bei der Busgesellschaft (ein Endbahnhof ist gleich neben dem Campus) und hat mal gefragt, was es wohl kostete, einen Bus zu mieten. Für 100 Yuan pro Stunde könnten wir einen fahrbaren Untersatz bekommen, darin ist dann alles enthalten: Fahrer, Sprit. Es kostet ihm viel Überzeugungskraft, aber letztendlich kann er das Unternehmen davon abbringen, einen guten Reisebus zu Verfügung zu stellen, sondern den schäbigsten, den sie besitzen: Alter Linienbus, eine während der Fahrt aufspringende Hintertür und ein Getriebe, dass sich dem Beat unserer Musik anpasst. Das ganze dann bitte für heute von 21 Uhr bis morgen früh um 3 Uhr.

Mit einem Bus alleine ist es aber natürlich noch nicht getan und da wir mit einer Gruppe von 40 Leuten rechnen plus eventuel welche, die wir während der Fahrt aufgabeln, mussten wir in der Woche täglich den Supermarkt aufsuchen und den Biervorrat wegkaufen. Zudem werden profihaft Mischgetränke zubereitet und in große Flaschen abgefüllt. Und Deko besorgen Philipp und Hanna: blinkende Leuchtstäbe und Kunststoff-Blumen kaufen sie, dazu die Musikanlage plus einen großen Haufen Batterien. Die halbtägige Odyssee, die sie dafür hinlegen, ist es wert. Und heute lassen wir noch zwischen den Vorlesungen ein 1,50 x 0,50 Meter großes Banner drucken mit der Aufschrift: "Philipps Partybus - 陪我们吧!" (macht mit!). Unsere BWL-Nachhilfe-Stunde fällt mangels Schlüssel für den Raum aus und so haben wir schon um vier Uhr Feierabend, genug Zeit für alle Vorbereitungen.

Dass es nochmal knapp wird, liegt natürlich daran, dass die meisten von uns noch einmal schlafen wollen, aber wir kommen pünktlich am Tor an, schmücken den Bus und machen uns auf zur ersten Station, dem alten Campus, um einige Leute aufzugabeln.

Der Busfahrer ist einer der besseren, macht, trotz Ausschlagen unseres Bestechungsversuchs, alles mit und hält auch mal auf der rechten Spur einer gut befahrenen Straße, blockiert sie für eine Viertel Stunde, bis sämtliche Passagiere ihre Notdurft in einem Fast-Food-Restaurant erledigt haben. Er wartet auch gerne im Bus, während wir die, heute spärlich besetzte, Moonkey-Bar stürmen. Hier wittert man das Geschäft des Lebens, als dreißig Leute den Laden betreten und auf die Bar zustürmen. Kurz vor der Bar biegen sämtliche Personen allerdings ab, um auch hier einem gewissen Druck nachzukommen, es gehen lediglich 10 Bier über die Theke, und zwar die günstigsten. Lediglich die dort spielende Band kann sich freuen, dass die Tanzfläche vor ihnen flashmäßig für zwei Lieder gerockt wird, bevor alle wieder in den Bus gehen.

Wir drehen eine 8:Von der Oststraße geht es, vorbei am Glockenturm, gerade weiter in die Weststraße, aus dem Mauertorr raus, nach links gen Süden, an der Mauer entlang, wieder nach links gen Osten, dann wieder links durch das Tor, die Südstraße hoch, am Glockenturm vorbei in die Nordstraße, dann nach rechts gen Osten, nochmal rechts gen Süden und nochmal rechts durch's Tor in die Oststraße. Vielleicht drehen wir diese Runde auch zwei Mal, ich weiß es nicht, guck ja nicht nur durch's Fenster.

Die Oststraße, die belebteste von allen, scheint während wir sie passieren, für einen Moment still zu stehen, denn sämtliche Leute wenden nur die Köpfe und schauen dem blinkenden, jubelnden, mit Ausländern gespickten Bus hinterher. So ist es gewollt.

Wir halten noch am Youth-Hostel, um die Bar auf einen Absinth zu stürmen. Es ist gegen zwölf und irgendjemand hat Geburtstag, also gleich. Wir zünden also seine aufgefahrene Torte an und sind die ersten, die gratulieren dürfen. Ein Stück Torte gibt es noch und dann sind wir auch schon wieder weg.

Am Bahnhof gibt es später noch was zu Essen und ein wenig Getränke-Nachschub, das letzte Bier dann in gediegener Atmosphäre an der großen Wildganspagode, hier stößt auch unser treuer Fahrer mit uns an.
Wir überziehen eine halbe Stunde, aber das ist wohl egal. Aus Dankbarkeit räumen wir noch, gegen des Fahrers willen, unseren schäbigen Party-Express auf und dann geht es ausnahmsweise in keinen Club mehr, sondern ins Bett, oder auf die Sofas, sofern man Chinese ist und es bis zum Ende mit uns ausgehalten hat.

Tag 203: Praktikumsbericht.

Unser Praktikum ist seit mehr als zwei Monaten zu Ende, dennoch haben wir immer noch Zeit, unseren Bericht zu schreiben, allerdings wird es langsam knapp, Abgabezeitpunkt ist der 30.09.

Da heute Donnerstag ist und wir traditionell nachmittags frei haben, machen Lukas und, jeweils im eigenen Zimmer, mal an die Arbeit, sämtliche Aufschriften zu entziffern und zu digitalisieren. Die Bedingungen sind gut: das Internet läuft flüssig, das Wetter bietet keinen Grund, sich nach einem Ausgang zu sehnen, Nahrung und Getränke sind vorhanden, im Wohnzimmer ist die Musik von Rammstein zum Ausgleich aufgelegt.

Es könnte konzentriert gearbeitet werden, wäre da nicht ein Faktor: Unsere Tür. An dieser klopft es heute mal wieder besonders häufig. Und da Lukas so etwas nicht hört, werde ich immer aus dem Schreibfluss gerissen, um zu öffnen. In 80 % der Klopf-Fälle handelt es sich um Cathrin, die wegen irgendetwas belanglosem vorbeischaut, zum Beispiel, um Lukas zu besuchen. Leider denkt sie nicht daran, dass sie mal seinen Schlüssel mitnehmen könnte.

Cathrin bleibt nie länger als ein paar Minuten, aber die Zeit reicht ihr schon, um von unserer Musik genervt zu sein. Von einem Reflex getrieben läuft sie also jedes Mal zur Anlage, um die Lautstärke auf einen Bruchteil herunterzudrehen. Sie ist nur noch wahrnehmbar, wenn man unmittelbar vor den Boxen sitzt. Aber da sitz ich nicht. Auch ich werde vom Reflex getrieben und drehe die Lautstärke wieder hoch.

Cathrin geht dann wieder, allerdings nicht, ohne wieder gedankenlos am Lautstärkeregler nach links zu drehen. Jetzt muss ich noch einmal aufstehen, um alles in seine gewohnte Ordnung zu bringen. Dann habe ich wieder eine Viertel Stunde Zeit. Mehr aber auch nicht, denn spätestens dann klopft es abermals.

Meine Ausbeute am heutigen Tage nach recht wenig, aber ich schaffe tatsächlich eine Seite Fließtext, was mindestens zwei Seiten auf Deutsch entspräche. Und es macht sogar einigermaßen Spaß, das Wochenende sollte ich wieder dafür nutzen.

Donnerstag, 17. September 2009

Tag 202: Unsere Vorlesungen.


Diese Woche nimmt mit "Chinesische Geschichte" auch endlich die letzte Vorlesung für die erste Hälfte des Semesters (nach der Hälfte wird "Drucktechnische Betriebswirtschaftslehre" durch irgendwas abgelöst) Fahrt auf, da wird es mal Zeit, dass ich ein kleines Resumée ziehe:
- Druckverfahren B: Ein, thematisch, recht einfaches Fach, Stoff des zweiten Semesters (in Deutschland), Zeichen dafür sind hauptsächlich bekannt oder zusammenreimbar. Kein Grund, sonderlich an den Lippen des Profs zu kleben, zumal es nicht wirklich schnell vorangeht und ein Blick auf die PowerPoint reicht, um zu wissen, wo wir sind. Der Prof scheint ein Spaßvogel zu sein, zumindest lacht der ganze Kurs desöfteren mal. Wir schließen uns an, widmen uns zeitweise dann aber doch wieder den Büchern, Playstations, Billiardtischen und dergleichen. Jede zweite Woche treffen wir uns mit dem Prof zum Klären von Fragen. Bisher haben wir keine. Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Drucktechnische BWL: BWL hatten wir auch schon. Dennoch schreib ich hier immer die Folien mit, da sie lange an die Leinwand projektiert werden. Einfach nur, um schnelles Schreiben zu lernen. Ist wichtig für die Prüfungen. Es gibt noch ein paar Probleme mit dem Zeichenverständnis, aber in der ebenfalls zweiwöchig stattfindenen Nachhilfe erübrigt sich das, denn uns wird gesagt, was wichtig ist. Die Fall-Aufgaben, deren Fragestellung über fünf Seiten gehen, sind gewiss nicht wichtig für uns, nur zum Verständnis der Chinesen. Für die ist das immer Hausaufgabe, macht aber keiner. Weil es keiner versteht, glaube ich. Oder alle so faul sind. Das beruhigt einen. Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Lichtempfindliche Materialien: Fach mit viel Chemie. Nicht mein Lieblingsfach. Wurde mir in der Schule auch nicht gerade toll beigebracht. Der Prof unterrichtet uns zweimal die Woche privat im Deutschclub. Also eigentlich wirft er meistens nur PowerPoint-Folien an die Wand, die er noch etwas ändert, bzw. mit englischen Wörtern des Verständnisses wegen ergänzt. Wir schreiben immer brav mit und haben am Ende von drei Stunden meistens einen Krampf in den Händen. Ich schreibe schon schnell, meiner Meinung nach, und vor allem nicht gerade schön, aber Nadine und Arne sind noch viel schneller. Ich weiß nicht, wie die das machen. Streber. Am Ende der Vorlesung gibt es um die acht Fragen zum Abschreiben. Die Antworten kopieren wir dann zuhause aus dem selbst mitgeschriebenem Skript und geben sie die nächste Stunde ab. Obwohl manchmal haargenau das gleiche auf den Zetteln der jeweiligen Studenten steht, bekommen die einen lediglich ein "good" plus Unterschrift und Datum auf das Blatt, andere aber ein "very good" plus Unterschrift und Datum. Nadine hat immer ein "very good". Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Chinesische Kultur: Die Professorin ist keine geringere, als Professorin Ai. Sie war schon unsere Professorin im Intensivsprachkurs für's mündliche Anfang unserer Zeit hier in China. Sie weiß also, wie es um uns und unsere Sprachkenntnisse bestellt ist, spricht (allerdings von Natur aus) recht langsam und deutlich (chinesische Kommilitonen finden sie deshalb etwas langweilig) und ist recht süß. Der Vorlesungsinhalt ist, sofern man das nach einer Woche behaupten kann, recht interessant und Balsam für die Seele, da man bei ihr alles versteht. Das ganze ist eine Privatvorstellung für uns. Vier Zeitstunden wöchentlich.
- Chinesisch: Haben wir noch zweimal wöchentlich, wir hangeln uns im Buch entlang und das ganze läuft etwas schwerfällig, da das Niveau, verglichen mit den Fachbüchern, ziemlich gering ist. In einer Woche schaffen wir eine Lektion mit ca. 40 neuen Vokabeln, die Woche darauf steht dann der Vokabeltest an. Ich bin Spitzenreiter. Jedes Mal 100 Punkte. Bam! In your Face! Ich werde bald dafür plädieren, dass wir etwas mehr ins Eingemachte gehen. Sechs Zeitstunden wöchentlich.
Das macht dann insgesamt 25 Zeitstunden pro Woche, plus Fahrten auf den neuen Campus, plus Vor- und Nachbereitungen, plus Hausaufgaben. Wo bleibt da bitte Zeit zum Leben?
Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen.

Tag 201: Gutes Wetter.

Heute ist endlich mal ein Wetterumschwung, es ist wahrlich heiß, ein laues Lüftchen weht, die Luft ist klar, man sieht die Berge. Zudem haben wir nicht zu lange Vorlesung und da wir jetzt wissen, das Xi'an auch kalt sein kann und es vielleicht das letzte Mal ist, dass wir ohne Angst vor Schnupfen rausgehen können, nutzen wir das ganze doch mal aus und gehen wieder bolzen.
Das hat sich auch ein großer Teil des Campus gedacht, sodass wir keinesfalls alleine auf dem Platz sind. Bolzen heißt dann für uns eigentlich nur, volle Kanne auf's Tor zu knülzen, also eine dicke Berta abzulassen. Dazu brauchen wir ein Tor und natürlich auch den Strafraum, den wir uns aber gleich am Anfang sichern können. Wer wagt es schon, den großen, den kräftigen und den schönen Deutschen (Denis, Lukas und mich) von ihrem Territorium zu verdrängen?
Zwei Stunden bolzen wir also, während immer mehr Kommilitonen den Sportplatz besiedeln. Am Ende gibt es vier kleine Felder, auf denen sich je dreißig Chinesen tummeln und irgendwie versuchen, ein Spiel durchzuführen. Und dann gibt es noch uns in unserem Strafraum.
Ein kleines, schlechtes Gewissen ist dabei. Aber jene Kommilitonen sind auch nächstes Jahr noch hier und können das Wetter ausnutzen, wir nicht. Das werden sie auch verstehen, hoffe ich.

Dienstag, 15. September 2009

Tag 200: H1N1.

Und ich dachte schon, sowas gäbe es hier nicht. Aber jetzt ist sie da: Die gute Schweinegrippe. Jojo steckt bereits bis mindestens Donnerstag in Quarantäne, darf sein zuhause nicht verlassen, da er mit einem jetzt infizierten essen war. Und grundsätzlich munkelt man, dass der Campus bald vorübergehend geschlossen wird, da Jojos Freund nicht der einzig betroffene ist, etwas offizielles erfahren wir hier aber wahrscheinlich als letzte, da wir beispielsweise in keinem Email-Verteiler vorhanden sind oder uns etwa die Mühe machen, jedes neue Plakat auf dem Campus zu übersetzen.
Uns bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten, Tee zu trinken, die Abwehrkräfte zu stärken und große Menschenmassen zu meiden, wobei wir für letzteres wahrscheinlich im falschen Land sind.
Und dennoch bleibt es mir unbegreiflich, wie man diesem Virus Einlass in das Land gewehren konnte, sind die Kontrollen am Flughafen und am Campus-Tor mit Wärme-Bild-Kameras und dergleichen doch so hoch. Außerdem füllt man im Flugzeug doch schon genügend Formulare aus, da kann doch eigentlich nichts passieren.
Ich bin übrigens erkältet, wie Freitag vorhergesagt. Kann man dazu noch Schweinegrippe bekommen, oder bin ich jetzt theoretisch immun? Ich bitte um Aufklärung.

Tag 199: Genussartikel höchster Güteklasse.

Der Praktikumsbericht steht heute eigentlich auf dem Plan, aber wenn sowas schon auf dem Plan steht, kann man davon ausgehen, dass es garantiert verschoben oder gestrichen wird, erst recht, wenn sich ein paar Leute denken, dass es doch mal wieder schön wäre, zur Metro zu fahren.
Da ich weiß, wie teuer so etwas werden kann, wenn man keinen Einkaufszettel dabei hat, dafür aber ein volles Portemonnaie oder eine Kreditkarte, stecke ich mir heute nur 200 Yuan in die Tasche und lasse die Karte zurück und bitte die anderen, mir maximal 10 % meines Budgets zu leihen.
Mein Geld reicht genau für vier Artikel:
- 150 g schwarze Oliven
- 500 g grüne Oliven mit Füllung
- 500 g italienische würzige Salami
- 1000 g holländischen Gouda
Ich danke Philipp, dass er mir dafür sieben Yuan leiht.

Philipp dagegen hat ein wenig mehr im Wagen, da er morgen Geburtstag hat. Und da heute Sonntag ist, kann man ja einfach reinfeiern, bei Cocktail, Whisky und Zigarre.

Man gönnt sich heute ja sonst nichts.

Tag 198: SatoBacher München ist einer der Region berühmteste Bier ist das Bier in München.



Deutschland hat eine lange Tradition des Weines, seinen
hervorragenden Wein die Technologie weltweit
renommierten deutschen Bier Welt-namhafte deutsche
Bier, das ist ein Synonym für qualitativ hochwertig
e Bier, über die Arten von bis zu mehr als 5000 Arten
von München, Deutschland, ist die Heimatstadtdes Bieres
BatoBacher München ist einer der Region berühmteste
Bier ist das Bier in München, Deutschland, einer der
berühmtesten Bier, Color seichten, reichen Geschmack
von Weizen, Nongchun nicht bitteren Geschmack. Bubble
reiche, zarte weiße

Dieser poethische Erguss ziert das Rückseiten-Etikett einer Flasche des weltberühmten Satobacher Biers (1 Eintrag bei google!) aus Deutschland, das es, als Exportprodukt, heute für 15 Yuan (Qingdao kostet 10 Yuan) in der "Before Sunset"-Bar während des Punkrock-Konzerts zu kaufen und trinken gibt.
Und dabei möchte ich es auch belassen.

Montag, 14. September 2009

Tag 197: Regenmassen.

"Lukas, wie fahren wir heute zur Uni?". "Ja mit Fahrrad, oder?!". "Weiß ich jetzt nicht. Guck mal raus, Alta!". "Ja, regnet doch nicht."
Damit hat Lukas recht. Aber hat er jemals gelernt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen? Gut, streng genommen tut er das gerne mal zu oft, aber heute anscheinend nicht. Und ich bin auch zu schwach, jetzt Widerworte zu finden, will auch nicht als faules Stück darstehen, also sitzen wir wenig später auf dem Drahtesel und kommen trockenend Fußes am alten Campus an. Und sogar mit Luft im Reifen, denn bei den letzten drei Fahrten habe ich zweimal das letzte Stück schieben müssen um dann den kaputten Vorderreifen dort für zwei Yuan flicken zu lassen. Zwei Yuan sind vier Busfahrten.
Natürlich fängt es schon während der ersten Vorlesung an zu regnen. Das ist klar. Denn seit wir aus dem Urlaub zurück sind, fängt es jeden Freitag irgendwann an zu regnen. Und es hört dann sonntags oder montags wieder auf. Aber auf diese Erfahrungswerte legte Lukas heute morgen ja keinen Wert. Und er hat noch immer die Hoffnung, dass sich das bis vier Uhr, also Feierabend, gelegt hat.
Hat es nicht. Stattdessen gleichen die Straßen mal wieder Flüssen (die Bodenversiegelung, hier noch schlimmer, als in Deutschland, wo pro Tag eine Fläche von 100 Fußballfeldern versiegelt wird) und wenn man dann ein Fahrrad ohne Schutzblech besitzt, ist die Fahrt eine Wonne. Man ist also nach wenigen Metern komplett durchnässt, wobei sich in das normale Regenwasser noch viel Staub und kleine Steinchen gemischt haben, was die Kleidung aussehen lässt, wie Sau und in den Haaren ein Gefühl hinterlässt, als hätte man gerade nach einem Peeling-Duschgel anstelle des Shampoos gegriffen.
Zum Shampoo greifen darf dann auch, trotz seiner fatalen Fehleinschätzung des Tages am heutigen morgen, zunächst Lukas. Und das macht er wahrscheinlich einmal öfter, denn solange, wie er das Bad blockiert, kann ich mir sicher sein, eine Erkältung davonzutragen.
Und dabei war es vor drei Wochen noch so heiß.

Freitag, 11. September 2009

Tag 196: Die Küken sind da.

Es ist eigentlich eine Frechheit. Unser einer studiert schon seit über drei Wochen, kam dazu wegen des Praktikums zwei Wochen später in die Ferien und die ganzen neuen Erstsemestler haben bis diese Tage einen faulen Lenz geschoben. Denn sie beginnen erst in dieser Woche. Das aber auch nicht richtig, denn scheinbar gibt es so viel zu klären; zunächst muss sich jeder einer Gesundheitskontrolle via Wärmebild-Kamera unterziehen, dann sich irgendwo melden, den Pavillon seines Instituts suchen, dann wird dort der Studentenausweis rausgesucht (was, sofern sie nach Passbildern suchen, sich als sehr schwierig darstellen dürfte, da Passbilder von Menschen eben diesen Menschen in lebender Form gar nicht mehr gleichen, so blass sind die Antlitze) und ganz wichtig ist natürlich auch der Einzug ins Wohnheim. Es herrscht also ein reges Treiben auf dem Campus und um das alles "angenehmer" zu gestalten, läuft den ganzen Tag durch die Lautsprecher alte Militär-Musik und immer wieder irgendwelche motivierenden Ansagen.
Da die Studenten aber alle gerade mal 18 oder 19 sind, also noch viel zu klein für die große, weite Welt, hängt an jedem Studenten noch ein Elternpaar dran, was die Masse an Menschen, vor allem zu den Stoßzeiten in der Mensa, noch größer macht. Wenn ich da zurückdenke; Meine Begleitung ins neue Heim reichte gerade Mal bis zum Bremer Bahnhof. Da wurde die Türe geöffnet, man sagte mir: "Nun geh!". Ich ging. Den ersten Zug verpasste ich. Den zweiten bestieg ich mit zwei sperrigen, schweren Koffern. Niemand half mir. In Stuttgart kam ich am Bahnhof an. Die S-Bahn. Die Verbindung hatte ich mir zuvor selber rausgesucht. Auf dem Campus irrte ich ein wenig umher, bis ich den Hausmeister fand. Den Weg vom Hausmeister zur Wohnung lief ich alleine. Ich schloss alleine auf. Ich entleerte alleine meinen Koffer. Meine erste Mahlzeit bereitete ich mir selber zu. Ich aß alleine.
Ein paar Tage später wurden mir meine restlichen Sachen gebracht. Vom Bruder. Und der erklärte sich auch nur bereit, weil ich Bier und einen abgefahrenen Road-Trip versprach.
Die chinesischen Studenten hier haben es hingegen gewiss gut.
Was gut an dem Massenaufkommen ist, ist das steigende Sortiment im Supermarkt. Die verkaufen jetzt sämtlichen Schnickschnack für den Einzug, sodass auch unsere Wohnung weiter veredelt wird. Wir haben jetzt endlich wieder ein Licht im Badezimmer, nachdem wir die Ursache für den Ausfall der normalen Lampe noch immer nicht erforscht haben. Und einen Spiegel, einen richtigen. Und Pärchen-Tassen. Eine pinke und eine blaue mit Bärchen drauf für den Kaffee am Morgen. Wir werden uns bei den Farben abwechseln.
Außerdem gehe ich davon aus, dass meine SMS-Box (Stand: 3900 Nachrichten) in den nächsten Wochen und Monaten weiter stark gefüllt wird, sobald die ersten neuen, die uns schließlich noch nicht kennen, ihre Schüchternheit überwunden haben und uns zum Englisch-Lernen nutzen wollen.

Tag 195: Garagenverkauf.

Heute geht es nach langer Zeit mal wieder (zumindest für mich) an die verlängerte Südstraße zum guten Garagenverkauf. Auf zwei Etagen à drei Gängen reihen sich dicht an dicht Klamotten-, Schuh-, DVD und Musik- und Schnickschnack-Läden, alle in der Größe einer Garage und oftmals mit den gleichen Artikeln. Diese Artikel sind dann, ich sage mal, halboriginal. Qualitativ und preislich sind sie besser als reine Plagiate, kommen aber nur seltenst an Markenprodukte ran. Aber das ist ja egal.
Zur Perfektionierung meines Disco-Outfits mit gelbem Bierhemd und pinker Hose ist mein einziges Objekt der Begierde eigentlich ein paar Chucks (moderne Stoffschuhe, Cathrin besitzt derer, allein in China, bestimmt schon zehn Paare) in greller, pinker oder grüner Farbe.
Aber natürlich gibt es die nur in Frauengrößen. Und da diese hier alle noch ein paar Nummern kleiner ausfallen, als sie es normal schon tun, pass ich leider überhaupt nicht hinein. Der Frust ist groß. Es gibt also nur noch drei Hüte und ein paar, rein aus trotz, da unsere Damen sie überhaupt nicht gut finden, Retroshorts mit bunten Mustern. Und noch ein paar Schuhe. Bei der Schuhsuche tu ich mir mittlerweile nicht mehr wirklich schwer. Ich schicke nämlich immer Lukas vor, der ein gutes Gespür für gutes Schuhwerk hat und da er mit seinen Klumpfüßen letztendlich doch in kein Paar reinpasst, da bei Größe 44 Schluss ist, nehm ich sie mir einfach mit. Ich empfinde auch nur noch ein kleines schlechtes Gewissen, das recht schnell weicht. Lukas könnte ja auch einfach mal die Füße rasieren und bei der Fußmassage den Service mit der Hornhaut-Raspel nutzen, dann passt ihm bestimmt auch ein Paar.

Tag 194: Deutsche Musik.

Unser "Lichtempfindliche Materialien"-Prof ist heute sehr verzweifelt, als wir, alle, wohl aus Rücksichtsnahme auf gewisse andere, langsamere Kommilitonen unter uns, zwei Minuten nach Beginn der Vorlesung noch nicht im Raum sind. Bzw. er ist schon vorher sehr verzweifelt, denn zwei Minuten nach Beginn werde ich schon von unserer Betreuerin angerufen, wo wir denn bleiben. Letztendlich ist aber alle Aufregung umsonst, denn er entlässt uns am Ende 20 Minuten früher.
Laut Internet und Szene-Magazin legt heute ein deutscher DJ in einer Bar auf. Und da muss man ja hin, als Landsmann. Dort erscheinen wir sogar pünktlich, trotzdem wir den Bus nehmen. Leider wird uns nur dort gesagt, dass das Konzert wegen einer Privatfeierlichkeit (sehr privat, es ist kein Gast da) ausfallen muss. Armer DJ, ist nur wegen des Konzerts gestern hier hergekommen und fliegt morgen schon wieder weg. Er steht dann auch so verloren vor der Türe. Und da können wir ihn ja nicht einfach stehen lassen, sondern wir nehmen ihn einfach mit in die Moonkey-Bar und mit etwas Glück darf er ja dort seinen Computer anschließen.
Darf er. Aber nur für zwanzig Minuten, weil danach vier andere Bands spielen wollen. Bis er kommt, laufen hauptsächlich langsame Schnulzen. Mir tun die Chinesen etwas leid, die vielleicht gerade wegen dieser Musik gekommen sind, denn nun schallt ihnen gutes Dark-Urban-Electro-Gedöhns um die Ohren, laut und mit gutem Bass. Und dann kommen wieder Schnulzen.
Wir werden hier also nicht alt, auch der DJ entpuppt sich, trotz guter Musik, als abgedrehter Veganer-Freak mit sehr speziellen Weltansichten. Draußen treffe ich noch unseren ehemaligen Chef, aber dann geht es artig und zu normaler Uhrzeit ins Bett.

Mittwoch, 9. September 2009

Tag 193: Fisch.



Über unangebrachte Tierhaltung, erst recht Fischen gegenüber, habe ich mich schon öfters geäußert. Heute fällt es einmal mehr auf, als wir auf dem alten Campus in den Supermarkt gehen. Dieser hält sich nämlich einen Wach-Fisch. An der Wand zwischen den beiden Eingangstüren befindet sich nämlich ein Aquarium mit, auf dem ersten Blick, einer dickflüssigen, grünen Brühe, die sich Wasser schimpft. Und bei genauem Hinsehen kann man ab und zu etwas gülden schimmerndes Erkennen. Das ist Fisch. Laut den Supermarktangestellten hat auch er keinen Namen, aber es gehe ihm auch ohne Namen gut.
Ob es ihm wirklich so gut ist, wagen wir zu bezweifeln. Das Wasser steht, es gibt keine Pumpe und ich weiß nicht, ob er sich gerne von Algen ernährt. Und Freunde hat er auch keine. Brauchen Fische vielleicht auch nicht, aber wenn er sähe, wie sich andere Fische verhalten, so wäre er bestimmt nicht so gestört.
Fisch nämlich, und da muss man ihm sehr gute Augen attestieren, rastet nämlich voll aus, wenn er, von welchem Fleck des Aquariums aus auch immer, an der Oberfläche etwas erspäht. Bei Futter ist es verständlich, aber sobald nur ein Finger sich einen halben Dezimeter der grünen Brühe nähert, schießt er herbei und springt, den Mund geöffnet, entgegen. Uns macht er damit Angst und garantiert kann er auch jeden Einbrecher so vertreiben.
Bald soll Fisch, so wird uns versprochen, Freunde bekommen. Und dann sei auch das Aquarium sauber. Ich bin gespannt. Sollte das nicht eintreffen, so haben wir uns überlegt, dass Fisch auch sehr gut bei Thomas im Pool wohnen könnte.

Tag 192: Unerwähnenswerter Sonntag.

An diesem Sonntag ist nicht wirklich viel erwähnenswert. Das Wetter lässt zu wünschen übrig, die Agilität der Hausbewohner ebenso, im Hinterkopf klopfen immer wieder der morgen stattfindene Vokabeltest und sein guter Freund, die Lichtempfindliche Materialien-Hausaufgabe, an, aber beide werden gut ignoriert und zwar solange, bis dann doch was passiert, nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jae, die Koreanerin sagt, sie habe koreanisch gekocht.
Und das hat sie heute gut gemacht. Sushi und andere kleine Snacks gibt es. Es ist meine erste richtige Mahlzeit heute, was sogar bei mir persönlich die Frage aufwirft, was ich anstatt zu essen denn sonst den ganzen Tag getrieben habe.
Ein Highlight von heute ist noch, dass unsere Betreuerin uns anruft, da die Campus-Polizei sich gemeldet hätte. Und zwar nicht wegen des Lochs in der Hecke, in das Denis und Nadine gestern in der Früh gefallen sind, sondern wegen des fliegenden Teppichs aus Cathrins Wohnung. Besser gesagt wegen der beiden fliegenden Teppiche. Denn Cathrin schafft heute Sperrmüll nach unten. Nach offiziell zwei Wochen gibt es also den ersten Mahn-Anruf für die Dame. Ein guter Einstand. Wir haben dafür länger gebraucht.
Und letztendlich wird zumindest dem Vokabeltest doch noch Zutritt gewehrt. Bis spät am Abend. Als Student hat man manchmal ein sehr hartes Leben.

Tag 191: Indisch.

Aus Erfahrung und Rücksicht wurde dieses Wochenende extra uns überlassen, wann wir denn unser Fußballspiel haben wollen. Tag ist egal, aber Hauptsache am Nachmittag, sagten wir.
Vor allem war dies Denis' Wunsch.
Und dieser Wunsch soll erfüllt werden. Heute. Um 16 Uhr. Was, mit etwas Lebenserfahrung und Nachdenken weiß man das, bedingt, dass wir so gegen drei Uhr los sollten. Um halb drei schläft der gute Herr mit den langen Haaren aber noch seelenruhig und jetzt binnen einer halben Stunde fertig werden?! "Vergesst es!", lautet die knappe Antwort. Nachkommen, das will er.
Tut er aber nicht. Hätte aber locker geklappt, da, mit etwas Chinaerfahrung und Nachdenken weiß man das, eine abgemachte Zeit nicht unbedingt wirklich abgemacht sein muss. Um vier Uhr ist der Platz noch belegt. Und es fehlen Gegner und Schiri. Über eine Stunde später ist Denis immer noch nicht da, aber das Spiel wird zumindest angepfiffen. Sieg.
Abends zieht es uns ins indische Restaurant. Es ist meine erste richtige Mahlzeit des Tages. Wir erfahren hier, dass wir noch gerade im Radius der kostenfreien Lieferungsservice-Region liegen und da wir als Ausländer auch noch Rabatt erhalten, kann es passieren, dass wir uns in Zukunft gar nicht mehr die Mühe machen, hier her zu fahren, sondern uns einfach mal was liefern lassen.
Und irgendwie ist es das dann auch schon mit dem heutigen Tag. Motivation, um irgendwas zu machen, ist bei keinem erkenntlich. Ich fürchte, wir werden langsam alle alt und zweimal am Wochenende loszuziehen ist nicht mehr drin.

Sonntag, 6. September 2009

Tag 190: Dancing-King.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe es wieder geschafft. Das dritte Wochenende am Stück. Bam! Ich bin wieder der letzte auf der Tanzfläche, wieder im Salsa. Dabei sieht es zunächst nicht danach aus: Nach einer kleinen Einweihungsfeierlichkeit bei Cathrin und Jay in der Wohnung ziehen Andy, Thomas und ich erst alleine los, da das in der großen Gruppe, erst recht mit Denis ("jaaa, ich muss mir eben noch ein T-Shirt anziehen. Und noch duschen und Zähne-Putzen. Altaschalta, was macht ihr auch jetzt schon wieder so viel Stress? Das hättet ihr mir auch mal vor zwei Stunden sagen können, dass wir jetzt los wollen!") und Lukas ("Ich habe noch zwei gleiche Socken an, brauche aber zwei unterschiedliche.") immer etwas lange dauert. Das SongSong ist im China-Grooves-Magazine (englischsprachiges Magazin für Leute wie uns in Xi'an mit Veranstaltungs-Tipps und dergleichen) angepriesen, letztendlich ist es aber auch nur der Loco-Club unter neuem Namen und als wir ankommen, verlassen viele Leute den Schuppen. Im Salsa ist dann auch noch nicht so viel los, weshalb wir nur mal kurz ins 1+1 marschieren, allerdings ist das hiesige Publikum abermals so penetrant auf der Balz, dass wir uns das hier auch schenken und zurück ins Salsa fahren.
Nach diesem Tripp sind wir allerdings schon recht müde. Verständlich. Außerdem liegt eine harte Woche Studium hinter uns. Heute sogar bis sechs Uhr abends. Das hätte ich mir in Stuttgart nie gegeben, da war der Freitag doch schon der erste Tag vom Wochenende, aber hier ist man ja artig. Wir wollen also eigentlich zurück, aber ich habe noch einen Auftrag zu erfüllen und kann bei den anderen noch einen Zeitaufschub von zwei Songs erkämpfen.
Die Tanzfläche ist allerdings noch recht gut gefüllt; die letzten Gäste, hauptsächlich Ausländer, treiben sich hier noch rum und ich sehe mein Ziel in Gefahr. Aber dann gebe ich dem DJ ein Zeichen. Ich zwinker ihm zu, mach mit der Hand ein paar Bewegungen. Er guckt nicht hin. Dennoch tut er das, was ich will und legt eine gute, alte Schnulze auf. Das Rausschmeißer-Lied. Und es wirkt. Nach den ersten paar Takten ist die Fläche leer. Thomas und ich stehen die zwei Minuten durch und sind glücklich und zufrieden, denn wir haben es wieder geschafft.
Thomas, du bist ein Teufelskerl. Und Mirko, du erst recht.
Die anderen treffe ich heute Abend übrigens nicht mehr wieder, da sie ihren ganz eigenen Irrweg durch die Club-Szene Xi'ans gelaufen sind.

Tag 189: Chinesische TV-Werbesendungen.

Das chinesische Schönheitsideal ist, wie schon oft erwähnt, weiß und mager. Je dünner und farbloser eine holde Maid daherkommt, als desto schöner gilt sie. Nicht gerade bei uns Austauschstudenten, aber wir stellen ja auch nur einen Bruchteil der Bevölkerung da, unsere Meinung dazu wird zwar zur Kenntnis genommen, das war es dann aber auch schon.
Außerdem hat unsere Meinung einen noch viel größeren und mächtigen Gegenpart, als eine Person jemals darstellen könnte, nämlich das Fernsehen.
Im TV laufen gerne Werbesendungen über Produkte, die entweder sehr schlank machen oder sehr weiß oder beides. Normale Filme werden mittendrin unterbrochen und in einer 15minütigen Sendung wird diese und jene Wunderwirkung einer Pille, einer bestimmten Kleidung oder irgendwelcher elektronischer Mittel angepriesen.
So kann man beispielsweise einen BH kaufen, der sämtliches Fett aus Bauch und hüften wie ein Magnet anzieht und hoch in die Brust hievt. Ich habe ihn jetzt noch nicht gekauft oder ausprobiert, aber ich stelle jetzt mal die Hypothese auf, dass das nicht funktionieren kann.
Dann wiederum gibt es weißheitsgradsteigernde Pillen und Crèmes, die super angesagt sind. Laut der Werbung scheinen sie auch zu wirken, wenn man den via Photoshop schlecht retuschierten Vorher- / Nachher-Bildern Glauben schenken darf. Und tatsächlich; europäische Frauen werden hier gerne mal gefragt, welchen Whitening-Faktor ihre Sonnencrème denn besitzt. Und mein weißes Bäuchlein ist auch sehr angesagt und wird oft für Vergleiche herbeigezogen, wenn uns eine Dame ihre hässliche Bräune demonstrieren möchte.
Sehr schlecht ist auch die Werbesendung, in der ein Elektronischer Schmetterling verkauft werden soll, den man sich an den Bauch klebt und der dann automatisch jegliches Fett in Muskeln verwandelt oder es einfach verschwinden lässt. Hier macht man sich gar nicht die Arbeit, bei den Vergleichsbildern etwas zu retuschieren, sondern man tauscht die Personen einfach aus; Aus der korpulenten Schwarzafrikanerin wird eine grazile Araberin, aus dem bierbäuchigen Mitt-Vierzigjährigen ein junger Sprössling mit Waschbrettbauch und der Italiener ist auch schnell ein Schwede. Aber das ist egal, da für Chinesen die Westler einfach gleich aussehen (wie umgekehrt für ungeschulte europäische Augen auch alle Asiaten gleich zu sein scheinen).
Interessant ist auch, dass laut TV Volley-Ball mit einem Ei gespielt wird, denn das Fernsehbild vom Spiel ist stark verzerrt, sodass alle, sowieso schon schlanken Spielerinnen noch viel schlanker wirken, später die Werbung oder die Kommentatoren jedoch sind wieder proportional richtig eingeblendet.
Trotzdem dieser gigantische Gegner, das TV, so offensichtlich manipuliert und schummelt, fallen die jungen Damen reihenweise darauf rein und verfallen diesem Beauty-Wahn. Ich sehe persönlich keine Chance, das zu ändern, dennoch kämpfen wir weiter, wie Don Quichotte gegen die Windmühlen, gegen diesen Trend an und verbreiten die Kunde, dass zu schlank und zu weiß eher kränklich als schön rüberkommt.

Tag 188: Vortrag.

Heute muss ich in Chinesisch einen Vortrag halten. Auf Chinesisch. Über meinen Urlaub. Gutes Thema, da gibt es viel zu berichten. Und alles aus dem Stehgreif. Lediglich ein paar Folien habe ich gestern noch vorbereitet, aber dann musste ich ja zu den anderen zum KTV stoßen. Das Karaoke-Singen ist auch daran Schuld, dass meine Schlafenszeit nur 3 Stunden beträgt. Aber letztendlich ist das gut, denn das beruhigt mich morgens. Bekannterweise bin ich nämlich nicht der Vortrags-Mensch; egal, wie klein oder groß die Gruppe ist, ich bekomme immer schwitzige Hände, eine wackelnde, meist hohe Stimme (wie damals im Stimmbruch) und komme aus dem Konzept, klammer mich an meinen Zettel mit Stichworten, die Stichsätze sind, zitternd. Heute nicht. Heute bin ich zu müde. Aber der Vortrag läuft wie geschmiert, keine Probleme.
Ich sollte öfter so eine Vorbereitung machen, nehme ich an.
Im Vokabeltest habe ich auch 100 Punkte. Genauso wie Lukas. Wir sollten uns "Superbrain-WG" nennen. Das wär abgefahren, Menschenskind.
Im Vortrag habe ich übrigens auch mal meine Reiseroute aufgemalt, welche ich euch hier nicht vorenthalten möchte.

Mittwoch, 2. September 2009

Tag 187: RMB aka Yuan aka Kuai aka Spielgeld

Vielleicht kommt dieser Eintrag etwas spät, aber besser als nie. Heute geht es hier um das gute, alte Geld.
Chinas Währung heißt Renminbi, die Einheiten heißen (offiziell) 1 Yuan = 10 Jiao = 100 Fen oder (umgangssprachlich) 1 Kuai = 10 Mao = 100 Fen.
1 Yuan, bzw. 1 Kuai ist ungefähr 0,10 Euro wert, dementsprechend ist 1 Jiao, bzw. 1 Mao 0,01 Euro wert und 1 Fen 0,001 Euro, also ein Zehntel Cent, ein Tausendstel Euro.
Banknoten sehen wie folgt aus: Es gibt gerade Mal Münzen für 1 Fen, 1 Jiao und, eher selten, 1 Yuan. Letzter ist wohl am häufigsten in der Shanghaier U-Bahn im Umlauf, denn über die Hälfte der dortigen Ticketautomaten nimmt nur Münzen. Und wenn man doch mal mit einem Schein bezahlt und als Wechselgeld viele Münzen bekommt, kommt gleich einer zu dir und tauscht sämtliche Münzen wieder in Scheine um.
Scheine gibt es dafür umso mehr: 1 Jiao, 2 Jiao, 5 Jiao, 1 Yuan, 5 Yuan, 10 Yuan, 20 Yuan, 50 Yuan und 100 Yuan. Ab einer Wertigkeit von 10 Euro gibt es dann aber auch keine höheren Beträge mehr und ein Bankautomat gibt ausschließlich 100 Yuan-Noten raus. Wenn man jetzt in ein Elektronikgeschäft geht und zu europäischen Preisen eine Elektronik-Gerät erwirbt und dieses bar zahlen möchte, läuft man mit einem Batzen Geld rum, der seinesgleichen sucht.
Da es aber lästig ist, so viele Scheine, erst recht von kleiner Wertigkeit, mit sich rumzutragen, habe ich von Anfang an eine kleine Prolltasche angelegt, die zuhause, im Schreibtisch sämtliche Scheine unter 5 Yuan beinhält. Zusammengepresst war dieses Bündel zuletzt über 5 cm dick und ich habe schon den Reisverschluss der Prolltasche deshalb zerstört, sodass ich mich zum Handeln gezwungen sah und jetzt nach und nach alle Scheine im Campus-Supermarkt gegen Ware eintausche. Zuletzt habe ich zwei Eis' in einer Wertigkeit von 0,30 Euro bezahlt. Mit 30 Banknoten. Die Supermarkt-Fachkräfte, bei denen wir einschlägig bekannt sind, waren entzückt. Meine Tasche war dennoch nicht halb geleert, sodass ich am Abend noch einmal über 50 Scheinchen in Getränke investierte.
Nun ist die Tasche wieder gut geleert, aber ich bin schon wieder ordentlich am Nachfüllen.

Tag 186: Strom- und Wasserrechnung.

Schon letzte Woche sollten wir eigentlich, sofern Zeit da war, zum alten Campus und unsere Wasser- und Stromrechnung bezahlen. Heute wollen wir den Plan auch in die Tat umsetzen. So eine Rechnung ist ja schnell bezahlt. Die steht irgendwo im Computer, zusammengerechnet, man legt nur noch seine Moneten auf den Tresen und verabschiedet sich.
Aber hier muss natürlich alles anders laufen. Hier ist alles unübersichtlich auf ein Papier mit Durchschlag gekritzelt und die Zahlen müssen noch einmal mit irgendeinem Faktor multipliziert und dann per Taschenrechner aufsummiert, wobei es gerne mal zu Tippfehlern kommt.
Während die erste Wohnung, Arne und Philipp, einen sehr schönen Betrag von 230 Yuan für ein halbes Jahr aufweisen, liegt der von Denis' Wohnung bei weit über 1000 Yuan. Denn die gute Dame hat in diesem Fall die Rechnungen für ein ganzes Jahr zusammengezählt, da unsere Vorgänger wohl vergaßen, zu bezahlen. Und gerade die Wintermonate hauen hier rein, was die Preise angeht. Es sei nicht ihr Problem, sagt sie. Wir wohnen jetzt da und würden dementsprechend selbstverständlich für die Rechnungen aufkommen. Wir protestieren.
Also machen wir erstmal mit Thomas weiter. Bei ihm passt der Strom auch nicht ganz, aber er wird entschädigt, indem man ihm sagt, dass die Wasseruhr zu kompliziert abzulesen sei und man ihm dieses deshalb nicht in Rechnung stellen könnte. Er jubelt. Schließlich ist er es, der in seinem Wohnzimmer einen großen Pool stehen hat, den er gerne mal befüllt mit 200 Litern. Allerdings kostet der Kubikmeter kühlen, chlorversetzten Nass' auch nur 29 Yuan.
Thomas erhält seine Rechnung, da sind wir auch schon eine Stunde in dem kleinen Kabuff, das sich Büro nennt. Und eigentlich hätte die Frau schon Feierabend, aber heute will sie wohl nicht. Außerdem stehen mit Denis' Wohnung ja noch drei aus.
Und dann fällt ihr auf, dass Ende September ja sowieso wieder abgerechnet wird und ob es nicht schöner wär, wenn wir dann alles bezahlten.
Mit diesem Einfall kommt sie sehr früh.

Tag 185: Mustache-Power.

Heute fällt der Strom aus. Von zehn bis fünf. Was macht man in so einer Zeit? Man ist vollkommen aufgeschmissen.
Wir haben Glück, einen Gasherd zu besitzen, denn so kann uns Cathrin oben, in ihrern neuen, sauberen Wohnung, ein sehr gutes Frühstück zubereiten. Sogar mit Kaffee.
Aber irgendwann hat es sich ausgefrühstückt, und dann? Zudem kommt noch die Müdigkeit aufgrund der letzten Nacht. Und draußen ist es grau, was auch nicht zur Aufmunterung anregt. Und durch das Grau ist es auch im Raum viel zu dunkel, da kann man nicht mal lernen. Vokabeln wären nämlich angesagt, jetzt beginnt wieder die unsegliche Zeit, in der jeden Montag ein Vokabel-Test ansteht. Aber bei den Lichtverhältnissen macht man sich ja die Augen kaputt.
Während der Hauptteil es vorzieht, zu schlafen, haben Denis und ich einen genialen Einfall: Da Denis' Freundin Jule sich die Haare färben möchte, genau wie Hannas Schwester Verena, zwacken wir uns ein wenig von dieser Farbe ab und färben uns unseren Oberlippenbart. Braun. So wirkt er dichter. Unsere Gene meinen es nämlich noch nicht so gut mit uns und entgegen unserer richtigen Haarfarbe ist der Bart in dieser Region sehr hell.
Wir machen das weiß Gott nicht, weil es gut aussieht. Wir sehen unseren Aufenthalt hier drüben eher als Experiment, wie weit man mit schlechtem Geschmack und Aussehen dennoch gut ankommt. Und bisher laufen wir ganz gut.
Auf die Idee mit dem Mustache hat uns unser Idol Peter Griffin aus der Comedy-Serie Family Guy, die zum Zeitvertreib gerne über DVD läuft, gebracht. Und da Thomas sich immer ein wenig ziert, obwohl er locker einen solchen Bart in drei Stunden haben könnte, ergreifen wir heute die Initiative.

Tag 184: Oktoberfest in Xi'an.


Es hat die ganze Nacht geregnet und das Umschalten von einem trockenen, stumpfen Kunstrasenplatz auf einen nassen, zumindest für den Ball rutschigen scheint vielen meiner Mannschaftskameraden nicht wirklich zu gelingen. Und so erlebe ich das wohl schlechteste Fußballspiel hier in China und ich bin mitten drin, zusammen mit Lukas und erstmals wieder mit Denis.
Dass das alles andere als dolle ist, sieht auch unser neuer Trainer ein, der mitten in der zweiten Halbzeit kommentarlos das Weite sucht. Ich bin gespannt, ob er je wieder kommt.
Dennoch sind die Oberschenkel anschließend hart wie Stein, nicht zuletzt wegen des harten Trainings am Donnerstag noch. Dennoch gilt es, der Einladung des Paulaner-Vertriebschefs für China zu folgen und am Abend in den Hof des edlen Sofitel-Hotels zu fahren. Dort wird Oktoberfest gefeiert, vier Tage lang, mit Paulaner-Bier, bayerischem Essen à la carte, stilechten Bierzelt und extra eingeflogener bayerischer Kapelle mit Gaudi-Musik.
Mit 188 Yuan Eintritt und 90 Yuan pro Liter Bier sind selbst die Preise deutsch, aber die Rechnung, dass wir ja dieses Jahr sowieso den Cannstatter Wasen, das Münchener Oktoberfest und den Bremer Freimarkt verpassen, ist Grund genug, dennoch hinzugehen. Und das Essen ist wirklich sehr gut. Und natürlich die Musik. Außerdem haben wir zwei Freikarten, weshalb wir Spätzle und Wels mitnehmen, wobei ersterer sich extra aus dem Bett quält, seine Kopfschmerzen aber nicht runterspülen kann und somit keinen sehr schönen Abend verlebt.
Das Festzelt ist halb mit Chinesen, halb mit Europäern, hauptsächlich Deutschen von irgendwelchen Firmen gefüllt. Diese halten uns übrigens durchweg für Engländer. Ich weiß nicht, ob wir uns wirklich so verändert haben im letzten halben Jahr.
Für jeden Tisch ist ein Trainee abgestellt, eine kleine, verschüchterte Chinesin, die ihren Job möglichst gut machen möchte und viel zu aufmerksam ist: Hat man gerade den letzten Bissen Essen vom Teller auf die Gabel befördert, ist der Teller auch schon weggeräumt. Thomas und ich wissen die Unsicherheit der Service-Kräfte zu unserem Spaß auszunutzen und spießen gerne das letzte Stück Leberkäs' auf, führen es in Richtung Mund und dann blitzschnell, kurz bevor das zarte Pfötlein da ist, zurück auf den Teller. Und nicht nur einmal. Außerdem schauen wir ihnen lange in die Augen; ein Blick, den keine standhält. Und wir weiten unseren wirklich gekonnten Tanz auf den Gang aus, sodass keiner mehr an uns vorbeikommt und nach anfänglichen zarghaften Versuchen und längerem Warten einen großen Umweg in Kauf nimmt.
Aber ich wette, sie haben auch ein wenig Spaß.
Bier, Musik und Essen sind also original Deutsch, die Bierzelt-Garnitur kann das leider nicht behaupten, denn an diesem Abend gehen mehrere Bierbänke zu Bruch. Aber darauf ist man vorbereitet, es werden postwendend neue gebracht. Und man muss sie nicht einmal bezahlen.
Um elf ist leider schon alles vorbei, nachdem die Musik schon kurz nach zehn aufhört. Schade, aber jetzt kann es ja weiter in den Salsa-Club gehen. Komischerweise führe in auf dem Weg dorthin ein wirklich schönes Blumengesteck vom Hotel mit, weil Thomas zuvor mit dem Zeigefinger drauf zeigte und sagte: "Da!". Und ich verstand.
Es ist auch kein Problem, dieses Gesteck, ohne Fragen, in der Garderobe abzugeben und das kostet nicht mal was. Dabei ist es viel sperriger als eine Jacke, kann nicht mal an den Haken gehängt werden.
Die harten Oberschenkel habe ich schon längst vergessen oder wieder weich getanzt, denn ich gehe wieder ab. Um vier Uhr machen sich alle anderen auf den Weg, Thomas und ich haben aber noch einen Auftrag zu erfüllen. Und den erfüllen wir: Wir sind wieder die letzten auf der Tanzfläche. Das zweite Mal hintereinander und mindestens schon das fünfte Mal insgesamt.
Teufelskerle, so kann man uns nennen!