Sonntag, 29. November 2009
Podcast.
Unter www.chiina.info kann übrigens unser Podcast begutachtet werden. Nur für die, die es noch nicht mitbekommen haben.
Tag 275: Rosen-Mafia.
Selten rege ich mich so auf, selten bin ich mehr in Rage als heute. Gestern noch in der Disco wollte ich die Frauen beeindrucken. Mit einer Rose. Auf der Straße laufen nämlich genug kleine Kinder mit Rosen rum, die nur auf Leute wie mich warten. Sie sagen mir, eine Rose kostet 15 Yuan, ich bekomme aber zwei für zehn und bin besonders stolz auf mein Verhandlungsgeschick, auch wenn ich im Hinterkopf natürlich weiß, dass ich mich total habe abziehen lassen, habe ich für den Preis doch schon vier oder fünf Blumen bekommen. Nun, ich sage noch extra, ich hätte gerne die schönsten und mir werden die scheinbar schönsten rausgesucht. Da es dunkel ist, kann ich dem ganzen keine Qualitätskontrolle unterziehen, ich vertraue also dem Mädel mit dem unschuldigen Blick.
Heute erwache ich und sehe eine Rose, die ich nicht verteilen konnte, auf meinem Schreibtisch. Ich packe sie behutsam aus, entferne mit größter Sorgfalt die Klarsichtfolie. Und was passiert dann? Nicht nur die Folie fällt zu Boden, nein, auch jeglichen Blätter, gar ein paar Blüten liegen zu meinen Füßen.
Und das treibt mich in Rage. So etwas gibt es doch nicht. Die Frau will doch in Zukunft auch noch an mir verdienen, da kann sie mir nicht so etwas andrehen. Ich bin drauf und dran, am Abend noch einmal zum Ort des Betrugs zu fahren um den Balg, an den Ohren ziehend, die Deviten zu lesen. Aber ich kann mich besinnen, sind die kleinen Kinder doch eher der verlängerte Arm einer höchst organisierten Rosen-Mafia. Und wenn ich das Balg jetzt vermöbel, so macht es denen, die eigentlich die kriminellen Strippen ziehen, doch überhaupt nichts aus. Viel mehr noch: Wahrscheinlich kann nichts, was ich den Verkäufern antu, so schlimm sein, wie das, was ihre Chefs machen. Und so werde ich wahrscheinlich auch in Zukunft schäbige Rosen kaufen, die den Kindern etwas Geld zum Vorweisen einbringen, damit sie die Vorgesetzten milde stimmen können.
Die Welt ist doch ungerecht.
Heute erwache ich und sehe eine Rose, die ich nicht verteilen konnte, auf meinem Schreibtisch. Ich packe sie behutsam aus, entferne mit größter Sorgfalt die Klarsichtfolie. Und was passiert dann? Nicht nur die Folie fällt zu Boden, nein, auch jeglichen Blätter, gar ein paar Blüten liegen zu meinen Füßen.
Und das treibt mich in Rage. So etwas gibt es doch nicht. Die Frau will doch in Zukunft auch noch an mir verdienen, da kann sie mir nicht so etwas andrehen. Ich bin drauf und dran, am Abend noch einmal zum Ort des Betrugs zu fahren um den Balg, an den Ohren ziehend, die Deviten zu lesen. Aber ich kann mich besinnen, sind die kleinen Kinder doch eher der verlängerte Arm einer höchst organisierten Rosen-Mafia. Und wenn ich das Balg jetzt vermöbel, so macht es denen, die eigentlich die kriminellen Strippen ziehen, doch überhaupt nichts aus. Viel mehr noch: Wahrscheinlich kann nichts, was ich den Verkäufern antu, so schlimm sein, wie das, was ihre Chefs machen. Und so werde ich wahrscheinlich auch in Zukunft schäbige Rosen kaufen, die den Kindern etwas Geld zum Vorweisen einbringen, damit sie die Vorgesetzten milde stimmen können.
Die Welt ist doch ungerecht.
Tag 274: Fliegen. Und Hunde. Und Schnaps.
Im Hause ist es seit einigen Tagen kaum auszuhalten, haben sich doch ein paar penetrante Fliegen gedacht, uns desöfteren auf die Nerven zu gehen. Sie fliegen lautstark summend durch die Gegend, lassen sich auf sämtlichen Körperteilen nieder, krabbeln rum, kitzeln einen dabei, sind aber bei der kleinsten Bewegung wieder verschwunden. Philipp hat bereits 30 um die sogenannte Ecke gebracht. Und das ist auch der einzige Spaß, den uns die Parasiten bereiten, denn mit der elektrischen Fliegenklatsche und den dicken Brummern lässt sich ein wunderbares Feuerwerk mit Funkenschlag und lauten Knalleffekten veranstalten.
Warum wir momentan eine solche Fliegenplage haben, ist rätselhaft. Am Müll kann es nicht liegen, den haben wir runtergebracht. Und die Temperaturen sind seit Wochen gleich, also ist es kaum vorstellbar, dass das Wetter sie reintreibt. Und überhaupt: Wie kommen sie rein, sind doch die Fenster immer geschlossen oder mindestens mit einem Fliegengitter versehen.
Vielleicht liegt es daran, dass wir stinken. Das ist gut möglich, denn wir vegetieren mehr oder weniger vor uns hin, die Luft ist momentan raus.
So kommen Denis und ich auch heute erst verhältnismäßig spät, um halb zehn abends, vor die Tür zum Abendessen. Aber im kleinen Zechuan-Restaurant neben dem Campus haben wir einen guten Status, da wird der Herd auch um diese Zeit noch einmal für uns angeworfen. Wir bestellen das Übliche, da uns die Plakate an den Wänden zu spät auffallen. Denn heute gibt es ein besonderes Special: Hundefleisch in drei Variationen. Aber nur heute. Da der Hund, wahrscheinlich einer dieser drei Streuner, die immer vor der Tür rumschleichen, ab und an den Geschlechtsakt vollführen und doch sehr hässlich aussehen, schon tot ist und nicht umsonst einem Bolzenschuss zum Opfer gefallen worden sein soll, hätte ich kein Problem damit, ihn zu probieren. Aber unter uns bin ich scheinbar der einzige, der so denkt, haben alle anderen doch irgendwie eine Beziehung zu diesen Tieren. Ich nicht. Aber gut, für heute wird es nichts mit dieser Delikatesse, vielleicht überzeuge ich noch jemanden bis morgen.
Der Chef gibt uns heute einen Schnaps aus. Einen ekeligen, chinesischen Schnaps. In diesen hat er komische, rote Früchte eingelegt, was das ganze noch süßer und den Abgang etwas angenehmer macht, dennoch bleibt der Grundgeschmack erhalten. Und er verschwindet auch nicht. Ein Glas alleine reicht, und für die nächste halbe Stunde sind die Geschmacksnerven der Zunge belagert.
Zudem scheint dieses Getränk den Magen abzuschließen, denn ich esse noch ein paar Gurken und Fleisch, bis uns gesagt wird, man wolle Feierabend machen und wir könnten doch so schnell Bier trinken, das sollten wir nochmal unter Beweis stellen. Nach Runterstülpen der Gerstenkaltschale ist es um mich dann geschehen. Einem Gemisch von Bier, Fleisch und Gurken wird vom Schnaps kein Durchlass gewehrt und das ganze lagert sich bedenklich in der Solarplexus-Region. Jede falsche Bewegung könnte jetzt übel enden, also überlass ich Denis das Bezahlen und geh schon einmal vor die Türe, wo mir auffällt, dass mein Schnürsenkel offen ist. Und da es regnet und der Boden nass ist, sollte ich ihn lieber binden. Und das ist diese falsche Bewegung, vor der ich mich kurz vorher gewarnt habe. Denn ich bekomme gerade noch so den Schuh gebunden, da macht der Schnaps Krawall und jagt Bier, Fleisch und Gurken zurück auf die Straße. Einfach so. Nach einer Flasche Bier.
Aber zumindest geht es mir anschließend besser. Und ich fühle mich noch nicht einmal schlecht dabei, ist Erbrechen doch Nationalsport, zumindest vergeht kaum ein Tag, an dem ich keinen Bogen um einen Kotzflecken machen muss.
Das ganze beflügelt mich und ich bin der einzige, der heute Abend noch steil gehen möchte. Und das tu ich. Ich fahre zum SongSong, wo Mini mit ihren Freunden bereits feiert. Die Freunde machen mich zwar schnell als Opfer aus, das abgefüllt werden soll, reichen mir abwechselnd Gläser mit Mischgetränken, später werden aus den Gläsern Karaffen, aber das macht mir nichts, am Ende liegen sie in der Ecke und ich geh zwar steil, aber ich falle nicht.
Zum Glück probieren sie es auch nur mit konventionellen Getränken, dass ich keinen chinesischen Schnaps vertrage, bleibt vorerst mein Geheimnis.
Warum wir momentan eine solche Fliegenplage haben, ist rätselhaft. Am Müll kann es nicht liegen, den haben wir runtergebracht. Und die Temperaturen sind seit Wochen gleich, also ist es kaum vorstellbar, dass das Wetter sie reintreibt. Und überhaupt: Wie kommen sie rein, sind doch die Fenster immer geschlossen oder mindestens mit einem Fliegengitter versehen.
Vielleicht liegt es daran, dass wir stinken. Das ist gut möglich, denn wir vegetieren mehr oder weniger vor uns hin, die Luft ist momentan raus.
So kommen Denis und ich auch heute erst verhältnismäßig spät, um halb zehn abends, vor die Tür zum Abendessen. Aber im kleinen Zechuan-Restaurant neben dem Campus haben wir einen guten Status, da wird der Herd auch um diese Zeit noch einmal für uns angeworfen. Wir bestellen das Übliche, da uns die Plakate an den Wänden zu spät auffallen. Denn heute gibt es ein besonderes Special: Hundefleisch in drei Variationen. Aber nur heute. Da der Hund, wahrscheinlich einer dieser drei Streuner, die immer vor der Tür rumschleichen, ab und an den Geschlechtsakt vollführen und doch sehr hässlich aussehen, schon tot ist und nicht umsonst einem Bolzenschuss zum Opfer gefallen worden sein soll, hätte ich kein Problem damit, ihn zu probieren. Aber unter uns bin ich scheinbar der einzige, der so denkt, haben alle anderen doch irgendwie eine Beziehung zu diesen Tieren. Ich nicht. Aber gut, für heute wird es nichts mit dieser Delikatesse, vielleicht überzeuge ich noch jemanden bis morgen.
Der Chef gibt uns heute einen Schnaps aus. Einen ekeligen, chinesischen Schnaps. In diesen hat er komische, rote Früchte eingelegt, was das ganze noch süßer und den Abgang etwas angenehmer macht, dennoch bleibt der Grundgeschmack erhalten. Und er verschwindet auch nicht. Ein Glas alleine reicht, und für die nächste halbe Stunde sind die Geschmacksnerven der Zunge belagert.
Zudem scheint dieses Getränk den Magen abzuschließen, denn ich esse noch ein paar Gurken und Fleisch, bis uns gesagt wird, man wolle Feierabend machen und wir könnten doch so schnell Bier trinken, das sollten wir nochmal unter Beweis stellen. Nach Runterstülpen der Gerstenkaltschale ist es um mich dann geschehen. Einem Gemisch von Bier, Fleisch und Gurken wird vom Schnaps kein Durchlass gewehrt und das ganze lagert sich bedenklich in der Solarplexus-Region. Jede falsche Bewegung könnte jetzt übel enden, also überlass ich Denis das Bezahlen und geh schon einmal vor die Türe, wo mir auffällt, dass mein Schnürsenkel offen ist. Und da es regnet und der Boden nass ist, sollte ich ihn lieber binden. Und das ist diese falsche Bewegung, vor der ich mich kurz vorher gewarnt habe. Denn ich bekomme gerade noch so den Schuh gebunden, da macht der Schnaps Krawall und jagt Bier, Fleisch und Gurken zurück auf die Straße. Einfach so. Nach einer Flasche Bier.
Aber zumindest geht es mir anschließend besser. Und ich fühle mich noch nicht einmal schlecht dabei, ist Erbrechen doch Nationalsport, zumindest vergeht kaum ein Tag, an dem ich keinen Bogen um einen Kotzflecken machen muss.
Das ganze beflügelt mich und ich bin der einzige, der heute Abend noch steil gehen möchte. Und das tu ich. Ich fahre zum SongSong, wo Mini mit ihren Freunden bereits feiert. Die Freunde machen mich zwar schnell als Opfer aus, das abgefüllt werden soll, reichen mir abwechselnd Gläser mit Mischgetränken, später werden aus den Gläsern Karaffen, aber das macht mir nichts, am Ende liegen sie in der Ecke und ich geh zwar steil, aber ich falle nicht.
Zum Glück probieren sie es auch nur mit konventionellen Getränken, dass ich keinen chinesischen Schnaps vertrage, bleibt vorerst mein Geheimnis.
Freitag, 27. November 2009
Tag 273: Kino.
Es wurde gestern etwas länger, erst bei Bambi, dann noch mit Telefonaten mit der Heimat, aber mein Gespür für Zeit weckt mich um halb eins. Es ist kein schöner Tag. Draußen ist es nasskalt, die Wohnung ist auch nicht so wirklich warm und wird es wohl auch nicht, denn wir haben Stromausfall. Da ich so lange schlafe, weiß ich nicht, warum. Die Vorlesung plätschert auch so vor sich hin und nach der Rückkehr ist der Strom immer noch weg, was soll man also machen? Und was hat Nadine die ganze Zeit gemacht? Sie ist unsere Vorzeige-Studentin (neben mir, versteht sich), wenn es um die Anwesenheit in den Vorlesungen geht. Und immer dann, wenn sie sich entscheidet, nicht hinzugehen, ist es blöd. Beim letzten Mal hatten wir Labor, also Anwesenheitspflicht, heute keinen Strom und da es draußen nicht wirklich hell wird, ist auch das Licht zum Lesen sehr bescheiden.
Es trifft sich für mich also gut, dass ich mich nicht mehr lange im Wohnheim aufhalte, sondern zum Kino verabredet bin. Hinter der großen Wildganspagode ist ein neues errichtet worden und donnerstags sollen Filme auf Englisch laufen. So um sechs Uhr rum, laut Andys Aussage ohne Gewehr. Aber da läuft nicht wirklich was, also müssen Mini und ich uns noch etwas gedulden, zum Glück gibt es aber noch eine Art Bücherladen im Foyer, sodass sie sich einen dicken Wälzer über irgendeine Dynastie reinzieht, während ich vorsichtig frage, wo denn die Kinderbücher sind. Ich lese drei Stück. Und eins zum Teil, aber das ist doof.
Da die Filmauswahl nicht die größte ist, kaufen wir Tickets für Twilight. Und das zu Preisen, die eher mit Deutschland vergleichbar sind. 55 Yuan kostet ein Ticket. Eigentlich. Aber da wir Studenten sind, nur die Hälfte. Der Kino-Saal ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl ziemlich klein. Aber wenn man sämtliche Kino-Filme schon kurz nach Erscheinen an jeder Straßenecke legal, wenn auch in schlechter Qualität, zu einem Siebtel des Preises kaufen kann, dann ist das wohl kein Wunder. Und ich wundere mich, dass ich bei einem englischen Film der einzige Ausländer bin. Des Rätsels Lösung ist, dass der Film letztendlich doch auf Chinesisch ist. Aber das macht nichts. Ich verstehe das meiste und außerdem ist Edward soooo schnuckelig!
Während des Films ist es nicht unüblich, dass die Zuschauer eines ihrer Hobbys nachgehen, nämlich dem Telefonieren. Zum Glück erklärt jeder nur, wo er gerade ist, mit wem und was er hier tut, sodass die Gespräche nicht sonderlich lang werden.
Es bleibt aber festzuhalten, dass das Kino ton- (selbst bei der Synchronisierung hat man sich mal Mühe gegeben) und bildtechnisch qualitativ sehr gut ist und auch die Möblierung sehr bequem, man kann hier also öfters hingehen.
Es trifft sich für mich also gut, dass ich mich nicht mehr lange im Wohnheim aufhalte, sondern zum Kino verabredet bin. Hinter der großen Wildganspagode ist ein neues errichtet worden und donnerstags sollen Filme auf Englisch laufen. So um sechs Uhr rum, laut Andys Aussage ohne Gewehr. Aber da läuft nicht wirklich was, also müssen Mini und ich uns noch etwas gedulden, zum Glück gibt es aber noch eine Art Bücherladen im Foyer, sodass sie sich einen dicken Wälzer über irgendeine Dynastie reinzieht, während ich vorsichtig frage, wo denn die Kinderbücher sind. Ich lese drei Stück. Und eins zum Teil, aber das ist doof.
Da die Filmauswahl nicht die größte ist, kaufen wir Tickets für Twilight. Und das zu Preisen, die eher mit Deutschland vergleichbar sind. 55 Yuan kostet ein Ticket. Eigentlich. Aber da wir Studenten sind, nur die Hälfte. Der Kino-Saal ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl ziemlich klein. Aber wenn man sämtliche Kino-Filme schon kurz nach Erscheinen an jeder Straßenecke legal, wenn auch in schlechter Qualität, zu einem Siebtel des Preises kaufen kann, dann ist das wohl kein Wunder. Und ich wundere mich, dass ich bei einem englischen Film der einzige Ausländer bin. Des Rätsels Lösung ist, dass der Film letztendlich doch auf Chinesisch ist. Aber das macht nichts. Ich verstehe das meiste und außerdem ist Edward soooo schnuckelig!
Während des Films ist es nicht unüblich, dass die Zuschauer eines ihrer Hobbys nachgehen, nämlich dem Telefonieren. Zum Glück erklärt jeder nur, wo er gerade ist, mit wem und was er hier tut, sodass die Gespräche nicht sonderlich lang werden.
Es bleibt aber festzuhalten, dass das Kino ton- (selbst bei der Synchronisierung hat man sich mal Mühe gegeben) und bildtechnisch qualitativ sehr gut ist und auch die Möblierung sehr bequem, man kann hier also öfters hingehen.
Tag 272: Die Chinesischprüfung nimmt ein schnelles Ende.
Ich erwache um halb neun, pfeif mir noch ein paar Grammatik-Übungen rein und gehe mit den anderen zum Deutschclub. Um 9:31 Uhr sind die Prüfungsblätter ausgeteilt und der Name eingetragen, es kann losgehen mit der bedeutsamsten Prüfung dieses Jahr. Es ist 9:52 Uhr, als ich mein letztes Zeichen geschrieben habe. 21 Minuten für drei Blätter. Da hat es sich gelohnt, dass ich sämtliche Übungen aus dem Buch angeschaut habe, denn der Großteil der Aufgaben ist identisch. Aber jetzt gehen kann ich nicht einfach so. Schließlich besitze ich die Schlüssel für den Raum. Und da wir schön nebeneinander sitzen, kann ich mein Wissen ja noch mit dem der anderen vergleichen und es weitergeben. Da hilft es auch nichts, dass es zwei Versionen der Prüfung gibt, die verschiedene Reihenfolgen der Aufgaben vorweisen.
Ich bleibe also weitere 40 Minuten und als ich mich erhebe, stehen dann zufällig alle anderen mit auf und wir geben zeitgleich unsere Blätter ab. Recht unauffällig, das ganze. Jetzt kann man nur gespannt sein auf das Prüfungsergebnis.
Den Nachmittag verbringen wir alle sehr kreativ und abends haben wir uns einen Ausflug zu Bambi redlich verdient. Morgen ist schließlich erst nachmittags Vorlesung.
Ich bleibe also weitere 40 Minuten und als ich mich erhebe, stehen dann zufällig alle anderen mit auf und wir geben zeitgleich unsere Blätter ab. Recht unauffällig, das ganze. Jetzt kann man nur gespannt sein auf das Prüfungsergebnis.
Den Nachmittag verbringen wir alle sehr kreativ und abends haben wir uns einen Ausflug zu Bambi redlich verdient. Morgen ist schließlich erst nachmittags Vorlesung.
Tag 271: Fehlender Alltagsrhytmus.
Konnte ich gestern noch lange ausschlafen und war deshalb erst sehr spät müde, also erst lange nach Mitternacht, so heißt es heute schon wieder früh aufstehen, vor sieben, da es zu kalt zum Radfahren ist und der Bus vor acht zum Bersten voll, wie auch die Straße, sodass man eine halbe Ewigkeit zum alten Campus braucht.
Kein Wunder also, dass wir zwar alle in der Vorlesung hocken, aber keiner wirklich fit ist. Zudem spricht der Prof sehr langsam, zugleich aber leise und undeutlich und drei Viertel der Zeit bespricht er die Hausaufgaben der Chinesen, sodass sich das Aufstehen heute eigentlich nicht gelohnt hat, da es alles nicht viel bringt.
Es hätte wahrscheinlich mehr gebracht, wären wir bis neun oder zehn im Bett geblieben, dann aufgestanden, fit geworden und hätten uns dann an den Schreibtisch gesetzt. Denn morgen steht die Chinesisch-Prüfung an, die genauso viele ECTS-Punkte bringt, wie unsere spätere Bachelor-Arbeit. Man sollte also hier Prioriäten setzen und auf eine gute Note hinarbeiten, schon verschönert man seine Abschlussnote. Aber das geht heute nicht so schnell. Nach der Vorlesung besteht erst einmal Schlafnachholbedarf, eine Stunde, vielleicht zwei will ich noch abschnorcheln, der Rest tut es mir gleich. Das Mittagessen wird somit verpennt, in der Mensa gibt es ab halb zwei nichts mehr, also wird notdürftig ein Chicken-Burger und eine Nudelsuppe vom Laden zwischen die Kiemen geschoben und dann, endlich, sitze ich am Schreibtisch und gehe zu wiederholten Male diese Tage sämtliche Übungen im Buch durch. Selbst alle Vokabeln habe ich mir mehr oder weniger freiwillig die letzte Woche schon reingezogen. Wir haben hier einfach zu viel Zeit, so viel Zeit, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie noch weiter sinnfrei vergeuden könnte, drum saß ich in letzter Zeit tatsächlich freiwillig da und habe gebüffelt. Oder chinesische Bücher gelesen.
Und trotz all dieser freien Zeit habe ich immer etwas wichtiges vor mir hergeschoben, nämlich meine Personenbeschreibung. Diese soll auf Chinesisch verfasst sein, so 300 Zeichen umfassen und morgen mit zur Prüfung gebracht werden, ist nämlich ein Teil davon. Aber wen beschreibt man da? Ich habe keine Lust, irgendeinen bekannten Heini zu recherchieren, also nehme ich das naheliegendste und beschreibe einfach mal mich. Zunächst befürchte ich, alle mich positiv beschreibenden Adjektive würden den Rahmen von 300 Zeichen schon sprengen, bzw. die zwei Zeichen, die 'perfekt' bedeuten, wären zu wenig, aber letztendlich schreibe ich den Wisch binnen zehn Minuten runter, die Überschrift lautet 'Mystery-Man'.
Abends schicke ich das Ding zu Spätzle, der ihn mittels stilistischer Mittel zur Perfektion treibt, Mini korrigiert ihn mir aber wieder zurück, mein Flair soll schließlich noch zwischen den Zeilen hervorkommen und meine Version hätte auch so bis auf ein paar Zeichen so bleiben können.
Das Abendessen in der Mensa verpassen wir heute übrigens auch, nach dem Mittagessen gegen vier Uhr ist um sechs noch nicht wieder so viel Appetit, aber wir haben Glück, dass die Lehrer-Mensa auch später noch Nahrung für uns liefert.
Heute geht es dann etwas früher ins Bett, schließlich steht morgen diese sehr wichtige Prüfung an, um halb zehn bereits.
Kein Wunder also, dass wir zwar alle in der Vorlesung hocken, aber keiner wirklich fit ist. Zudem spricht der Prof sehr langsam, zugleich aber leise und undeutlich und drei Viertel der Zeit bespricht er die Hausaufgaben der Chinesen, sodass sich das Aufstehen heute eigentlich nicht gelohnt hat, da es alles nicht viel bringt.
Es hätte wahrscheinlich mehr gebracht, wären wir bis neun oder zehn im Bett geblieben, dann aufgestanden, fit geworden und hätten uns dann an den Schreibtisch gesetzt. Denn morgen steht die Chinesisch-Prüfung an, die genauso viele ECTS-Punkte bringt, wie unsere spätere Bachelor-Arbeit. Man sollte also hier Prioriäten setzen und auf eine gute Note hinarbeiten, schon verschönert man seine Abschlussnote. Aber das geht heute nicht so schnell. Nach der Vorlesung besteht erst einmal Schlafnachholbedarf, eine Stunde, vielleicht zwei will ich noch abschnorcheln, der Rest tut es mir gleich. Das Mittagessen wird somit verpennt, in der Mensa gibt es ab halb zwei nichts mehr, also wird notdürftig ein Chicken-Burger und eine Nudelsuppe vom Laden zwischen die Kiemen geschoben und dann, endlich, sitze ich am Schreibtisch und gehe zu wiederholten Male diese Tage sämtliche Übungen im Buch durch. Selbst alle Vokabeln habe ich mir mehr oder weniger freiwillig die letzte Woche schon reingezogen. Wir haben hier einfach zu viel Zeit, so viel Zeit, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie noch weiter sinnfrei vergeuden könnte, drum saß ich in letzter Zeit tatsächlich freiwillig da und habe gebüffelt. Oder chinesische Bücher gelesen.
Und trotz all dieser freien Zeit habe ich immer etwas wichtiges vor mir hergeschoben, nämlich meine Personenbeschreibung. Diese soll auf Chinesisch verfasst sein, so 300 Zeichen umfassen und morgen mit zur Prüfung gebracht werden, ist nämlich ein Teil davon. Aber wen beschreibt man da? Ich habe keine Lust, irgendeinen bekannten Heini zu recherchieren, also nehme ich das naheliegendste und beschreibe einfach mal mich. Zunächst befürchte ich, alle mich positiv beschreibenden Adjektive würden den Rahmen von 300 Zeichen schon sprengen, bzw. die zwei Zeichen, die 'perfekt' bedeuten, wären zu wenig, aber letztendlich schreibe ich den Wisch binnen zehn Minuten runter, die Überschrift lautet 'Mystery-Man'.
Abends schicke ich das Ding zu Spätzle, der ihn mittels stilistischer Mittel zur Perfektion treibt, Mini korrigiert ihn mir aber wieder zurück, mein Flair soll schließlich noch zwischen den Zeilen hervorkommen und meine Version hätte auch so bis auf ein paar Zeichen so bleiben können.
Das Abendessen in der Mensa verpassen wir heute übrigens auch, nach dem Mittagessen gegen vier Uhr ist um sechs noch nicht wieder so viel Appetit, aber wir haben Glück, dass die Lehrer-Mensa auch später noch Nahrung für uns liefert.
Heute geht es dann etwas früher ins Bett, schließlich steht morgen diese sehr wichtige Prüfung an, um halb zehn bereits.
Dienstag, 24. November 2009
Tag 270: Toten-Feiertag.
Habe ich mich letzte Woche doch über die ganzen Lagerfeuer an den Straßen gewundert, zur Aufklärung meiner Fragen Frau Ai eine Nachricht geschickt und versprochen, danach auch die hiesigen Leser aufzuklären, bin ich heute recht erschrocken, ja ganz und gar selbst von mir enttäuscht, dass ich dieses Versprechen nicht eingehalten habe. Ich habe also den Bedarf, dies nachzuholen.
Letzte Woche war also Feiertag zur Ehrung der Toten, die einem nahestanden. Die erdlichen Menschen verbrennen also für jene im Jenseits, die noch als Geister hier herumschwirren, Geld in Form von Spielgeld (oder in Form von auf Papier geschriebene Summen) und Kleidung (oder auf Papier geschriebene Kleidungsstücke) und auf Papier geschriebene Wünsche und Sorgen. Dadurch haben diese dann ein herrliches, sorgenfreies Leben im Jenseits.
Da aber auch die Geister Schelme und Kriminelle sind, sollte man um jedes Feuer einen Kreidekreis ziehen, sonst kann es passieren, dass all das, was man dort verbrennt, von jedem Hans und Franz gestohlen wird.
Zurück bleiben also ein eingekreideter Aschehaufen, ein gewissensberuhigter Angehöriger und ein reicher Toter.
Letzte Woche war also Feiertag zur Ehrung der Toten, die einem nahestanden. Die erdlichen Menschen verbrennen also für jene im Jenseits, die noch als Geister hier herumschwirren, Geld in Form von Spielgeld (oder in Form von auf Papier geschriebene Summen) und Kleidung (oder auf Papier geschriebene Kleidungsstücke) und auf Papier geschriebene Wünsche und Sorgen. Dadurch haben diese dann ein herrliches, sorgenfreies Leben im Jenseits.
Da aber auch die Geister Schelme und Kriminelle sind, sollte man um jedes Feuer einen Kreidekreis ziehen, sonst kann es passieren, dass all das, was man dort verbrennt, von jedem Hans und Franz gestohlen wird.
Zurück bleiben also ein eingekreideter Aschehaufen, ein gewissensberuhigter Angehöriger und ein reicher Toter.
Tag 269: Frierende Chinesen.
Gestern waren wir nicht unterwegs. Also ist es auch nicht so schlimm, dass gegen acht Uhr der Wecker klingelt und wir zum Fußball fahren. Natürlich ist es auch heute nicht unbedingt warm und der Platz noch ein wenig gefroren, dennoch habe ich als Kicker einer Dorfmannschaft gelernt, dass man auch unter diesen Umständen mit kurzen Hosen spielen kann. Ja sogar ein T-Shirt ist nicht unbedingt schlimm, solange man sich bewegt wird einem schließlich warm und anschließend kann man sich ja warm anziehen.
Nun, das habe ich scheinbar als einziger so gelernt, denn ich bin der einzige, der so auf dem Platz steht. Gut, im Gegensatz zu hiesigen Männern habe ich auch ein eigenes kleines Winterfell um meine Schenkel angelegt, dennoch werde ich als verrückt abgestempelt, stehen doch alle zitternd um mich herum.
Unter diesen Umständen kann das Spiel natürlich nichts werden und es wird auch nichts. Aber zumindest das Essen anschließend ist ziemlich gut.
Auf dem Rückweg, es ist halb eins, rechne ich aus, wie der Nachmittag wohl verlaufen wird: Duschen, kurzen Mittagsschlaf und kurz gucken, was sich im weltweiten Netzwerk so getan hat, dann dürfte es halb fünf sein, wenn ich anfange zu lernen.
Und so ist es. Da bin ich Realist. Ich habe auch gestern nicht behauptet, dass wir dann nach dem Fußball den ganzen Tag dazu zur Verfügung hätten. Aber zumindest kann der Abend genutzt werden, morgen können wir schließlich wieder ausschlafen.
Nun, das habe ich scheinbar als einziger so gelernt, denn ich bin der einzige, der so auf dem Platz steht. Gut, im Gegensatz zu hiesigen Männern habe ich auch ein eigenes kleines Winterfell um meine Schenkel angelegt, dennoch werde ich als verrückt abgestempelt, stehen doch alle zitternd um mich herum.
Unter diesen Umständen kann das Spiel natürlich nichts werden und es wird auch nichts. Aber zumindest das Essen anschließend ist ziemlich gut.
Auf dem Rückweg, es ist halb eins, rechne ich aus, wie der Nachmittag wohl verlaufen wird: Duschen, kurzen Mittagsschlaf und kurz gucken, was sich im weltweiten Netzwerk so getan hat, dann dürfte es halb fünf sein, wenn ich anfange zu lernen.
Und so ist es. Da bin ich Realist. Ich habe auch gestern nicht behauptet, dass wir dann nach dem Fußball den ganzen Tag dazu zur Verfügung hätten. Aber zumindest kann der Abend genutzt werden, morgen können wir schließlich wieder ausschlafen.
Tag 268: Lagerkoller?
So langsam schleicht er sich ein. Langeweile, bedingt durch schlechtes Wetter, das nicht zum Rausgehen einlädt und dauernd ausfallende Vorlesungen, Heimweh, ein ständiges Aufeinanderhocken (teils vergnügliches, teils nicht vergnügliches), das Wörtchen 'Dreck', kalte Wohnungen, etc. sorgen dafür, dass sich so langsam ein Lagerkoller breit macht. Es geht jetzt oft darum, wer mit wem, aber vor allem wer gegen wen wie handelt, bewusst oder unbewusst, und viele kleine Fehler werden groß angekreidet.
Der Autor ist selbstverfreilich freizusprechen von diesem Verhalten, er betrachtet diese Entwicklung bislang noch vergnügt, wenngleich auch mit etwas Sorge behaftet und rät jedem, der sich angesprochen fühlen mag, einfach mal locker durch die Hose zu atmen, vor die Türe zu gehen, sich bewusst zu machen, dass es hier doch eigentlich gar nicht alles so schlimm ist und sich mit der Tatsache, dass es bald nach Hause geht, beruhigen.
Es gibt auch positives zu heute zu berichten, beispielsweise, dass der Gasmann mittags anruft und mich bittet, im Hause zu bleiben. Abends um sieben hocke ich immer noch in der Wohnung, aber es tut sich nichts, also wähle ich selber noch einmal seine Nummer. Mir wird gesagt, mein Anliegen würde weitergeleitet werden und kaum ist das Telefonat beendet, klopft es auch schon an der Türe. Nach einer Minute ist das Problem behoben, es soll anscheinend an einem kleinen roten Schalter gelegen haben. Daran glaube ich aber nicht, haben wir doch selber alle möglichen Varianten ausprobiert, ohne Ergebnis.
Zumindest haben wir jetzt eine warme Wohnung, die hoffentlich ein wenig die Entwicklung zum befürchteten Lagerkoller eindämmen kann.
An die beunruhigten Leser in der Ferne sei gesagt: Keine Panik, der Papa wird das Schiff schon schaukeln.
Der Autor ist selbstverfreilich freizusprechen von diesem Verhalten, er betrachtet diese Entwicklung bislang noch vergnügt, wenngleich auch mit etwas Sorge behaftet und rät jedem, der sich angesprochen fühlen mag, einfach mal locker durch die Hose zu atmen, vor die Türe zu gehen, sich bewusst zu machen, dass es hier doch eigentlich gar nicht alles so schlimm ist und sich mit der Tatsache, dass es bald nach Hause geht, beruhigen.
Es gibt auch positives zu heute zu berichten, beispielsweise, dass der Gasmann mittags anruft und mich bittet, im Hause zu bleiben. Abends um sieben hocke ich immer noch in der Wohnung, aber es tut sich nichts, also wähle ich selber noch einmal seine Nummer. Mir wird gesagt, mein Anliegen würde weitergeleitet werden und kaum ist das Telefonat beendet, klopft es auch schon an der Türe. Nach einer Minute ist das Problem behoben, es soll anscheinend an einem kleinen roten Schalter gelegen haben. Daran glaube ich aber nicht, haben wir doch selber alle möglichen Varianten ausprobiert, ohne Ergebnis.
Zumindest haben wir jetzt eine warme Wohnung, die hoffentlich ein wenig die Entwicklung zum befürchteten Lagerkoller eindämmen kann.
An die beunruhigten Leser in der Ferne sei gesagt: Keine Panik, der Papa wird das Schiff schon schaukeln.
Samstag, 21. November 2009
Tag 267: Putztag?

Eigentlich steht mal wieder ein Putztag an, denn nein, schön ist das nicht, was unsere Wohnung vorzuweisen hat. Neben der Tür stapeln sich improvisierte Müllbeutel, aus denen es zum Teil süfft, Cola-Flecken sind auf dem Boden festgetrocknet und kleben schon lange nicht mehr, da sich genug Staub darauf gefangen hat, Staub generell ist ein großes Problem und gespült werden könnte auch mal wieder.
Könnte. Aber warum das alles noch nicht geregelt wurde, hat einen einfachen Grund: Seit einer Woche haben wir schon kein Gas mehr, dadurch kein warmes Wasser und keine Heizung. Mit lausig kaltem Wasser spült es sich bekanntlich schlecht und auch einen Boden möchte man damit nicht wischen. Und da die Heizung nicht funktioniert, die Wände aber schlecht isoliert sind und es draußen verdammt kalt ist, heizen wir mit der Klimaanlage. Diese pumpt aber neben viel in warme umgewandelte kalte Außenluft auch viel Staub in die Bude, sodass man gar nicht dagegen anfegen kann. Klar, natürlich hatten wir diese Woche eigentlich viel Zeit, das zu regeln. Aber der Fachmann lässt ja dauernd auf sich warten und schiebt dann das Problem auf unsere Gaskarte. Und damit hat er nichts am Hut, er macht nur die Heizungen.
Mit dieser gehen wir also heute erstmal zur Gasfirma. Nö, an der Karte liegt es nicht, ich solle doch bitte diese und jene Nummer anrufen, da würde dann jemand kommen.
Anrufen kann ich, auch wenn die Dame am anderen Ende nur schwer verständlich ist und ich ihr somit nur fünfmal hintereinander unsere (ziemlich lange) Adresse einhämmer und öfter wiederhole, dass Gas kaputt ist und kein warmes Wasser vorhanden und dass das alles andere als angenehm sei. Sie schickt jemanden vorbei, sagt sie.
Jetzt könnte ich warten und Däumchen drehen, aber irgendwie will ich keinen fremden in unser Drecksloch lassen. Ich sortiere also schonmal den Müll. Und fege. Und kippe Wasser auf die eingetrockneten Flecken, damit diese einweichen könnten. Denn Einweichen ist schon die halbe Arbeit, obwohl man aktiv gar nichts macht. Und so muddel ich vor mich hin, bis Lukas kommt und Denis und die haben Mitleid und helfen mir und auf einmal ist die Bude doch wieder in einem tadellosen Zustand, der Boden glänzt, selbst das Bad ist geschrubbt und das alles mit kaltem Wasser und wir sind fertig, bevor der Heizungsmann kommt. Das ist aber auch nicht schwer, denn der Heizungsmann kommt nicht mehr. Es bleibt also kalt. Und da alles sauber ist, hallt es jetzt in unseren vier Wänden, was das ganze noch kälter erscheinen lässt. Aber die Klimaanlage lass ich erstmal aus, ist schließlich gerade so schön sauber. Und außerdem ist Freitag, wir könnten ausgehen.
Das machen wir auch, aber heute ist es blöd. Bei Bambi ist es zu voll, im Sunny 88, dem wir gerne mal eine Chance geben wollen, ist es viel zu warm, aber nicht gerade gut bevölkert, außerdem wird bereits um Mitternacht Rauswerf-Musik gesungen, schöne Schnulzen, auf die Chinesen eigentlich stehen, aber nicht heute. Zudem möchte ein Gast dem Thomas grundlos eins auf die Nase hauen. Auf die schöne, große Nase. Wollen wir nicht zulassen, also fahren wir weiter zum Salsa. Wir kommen ausnahmsweise rein, weil wir drei Asiatinnen dabei haben, die mit der ersten Gruppe reingehen und anschließend die zweite beim Eingang abholen. Das Salsa hat sich aber scheinbar keinen großen Gefallen damit getan, Ausländer zu schikanieren, denn voll ist der Laden nicht und es wird schon etwas an Beleuchtung gespart.
Und so ist es nicht schwer, dass ich der letzte auf der Tanzfläche bin. Mal wieder. Wird aber nach der heutigen schlechten Erfahrung nicht mehr so häufig vorkommen. Scheinbar kann man nur noch ins 1+1 gehen. Oder einfach mal zuhause bleiben.
Tag 266: Frisör-Sterben?
Heute finden mit Vorlesung Nummer 2 und 3 gleichzeitig unsere letzten Pflichtveranstaltungen diese Woche statt, da wir den Prof von morgen treffen und dieser meint, wir könnten auch mal ausruhen und würden das alles auf Montag verschieben.
Und Vorlesung Nummer 3 ist auch nur halb so lang, wie angedacht, also ist anschließend Zeit, mal wieder meinem Hobby nachzukommen, nämlich dem Frisör-Besuch. Eigentlich gestaltet sich dies als einfach, da in der Straße vorm Campus vor kurzem Frisör Nummer 6 eröffnet hat (auf 400 Metern, also müsste sich alle 66,66 Meter ein Frisör befinden). Allerdings laufe ich an Frisör Nummer 1 vorbei, dieser hat geschlossen. Genau wie Nummer 2 und Nummer 3 auch. Komplett. Licht aus, Gitter vor der Tür, leblos. Ich frage mich, ob der plötzliche Winter daran Schuld ist, der bekanntlich viele Menschen dazu zwingt, Mützen zu tragen, und somit es niemand für nötig hält, sich die Haare schön machen zu lassen. Oder vielleicht belebt hier die Konkurrenz doch nicht mehr das Geschäft, sondern zerstört es.
Bei Frisör Nummer 2 kann es einen fast freuen, schließlich war es dieser, der Cathrins Haare statt blond grau-blau gemacht hat.
Frisör Nummer 4 hat aber noch geöffnet, am anderen Ende der Straße. Aber viel los ist auch dort nicht. Und gesprächig ist auch niemand, also bekomm ich nicht raus, was in der Straße passiert ist. Aber eine Frisur bekomme ich. Mein Blond ist jetzt vollständig rausgewachsen und weggeschnitten.
Es wären also perfekte Bedingungen, heute mal wieder rauszugehen (war ich ja erst Freitag, Samstag, Sonntag und Dienstag), auch, weil Spätzle Geburtstag hat und bei uns hockt, als ich zurückkomme, da die anderen ihm diesmal keine Spätzle, sondern Schupfnudeln mit Sauerkraut zubereitet haben (und komischerweise schmeckt auch das ihm). Wir gehen aber nicht raus. Muss ja auch nicht. Man kann ja auch mal früher ins Bett und morgen früh lernen. Aber auch das machen wir irgendwie nicht. Schließlich besteht kein Zwang dazu.
Und Vorlesung Nummer 3 ist auch nur halb so lang, wie angedacht, also ist anschließend Zeit, mal wieder meinem Hobby nachzukommen, nämlich dem Frisör-Besuch. Eigentlich gestaltet sich dies als einfach, da in der Straße vorm Campus vor kurzem Frisör Nummer 6 eröffnet hat (auf 400 Metern, also müsste sich alle 66,66 Meter ein Frisör befinden). Allerdings laufe ich an Frisör Nummer 1 vorbei, dieser hat geschlossen. Genau wie Nummer 2 und Nummer 3 auch. Komplett. Licht aus, Gitter vor der Tür, leblos. Ich frage mich, ob der plötzliche Winter daran Schuld ist, der bekanntlich viele Menschen dazu zwingt, Mützen zu tragen, und somit es niemand für nötig hält, sich die Haare schön machen zu lassen. Oder vielleicht belebt hier die Konkurrenz doch nicht mehr das Geschäft, sondern zerstört es.
Bei Frisör Nummer 2 kann es einen fast freuen, schließlich war es dieser, der Cathrins Haare statt blond grau-blau gemacht hat.
Frisör Nummer 4 hat aber noch geöffnet, am anderen Ende der Straße. Aber viel los ist auch dort nicht. Und gesprächig ist auch niemand, also bekomm ich nicht raus, was in der Straße passiert ist. Aber eine Frisur bekomme ich. Mein Blond ist jetzt vollständig rausgewachsen und weggeschnitten.
Es wären also perfekte Bedingungen, heute mal wieder rauszugehen (war ich ja erst Freitag, Samstag, Sonntag und Dienstag), auch, weil Spätzle Geburtstag hat und bei uns hockt, als ich zurückkomme, da die anderen ihm diesmal keine Spätzle, sondern Schupfnudeln mit Sauerkraut zubereitet haben (und komischerweise schmeckt auch das ihm). Wir gehen aber nicht raus. Muss ja auch nicht. Man kann ja auch mal früher ins Bett und morgen früh lernen. Aber auch das machen wir irgendwie nicht. Schließlich besteht kein Zwang dazu.
Tag 265: Öfter mal was essen.
Diese Woche ist ganz schlimm. Ich vegetiere nur so vor mich hin, schleppe mich von Essen zu Essen. Denn Vorlesungen sind Mangelware, Montag hatten wir schon frei, gestern eine einzige und heute ist auch frei. Und heute wollen wir Pizza machen.
Zunächst aber sind wir noch gefordert, sollen beim Tauzieh-Wettbewerb unser Institut unterstützen. Dies ist eigentlich nach zehn Minuten abgetan. Wir vier werden aufgeteilt, Lukas und Denis gehen zu den Druckern, Thomas und ich zu den Verpackern. Bei den Druckern wirkt aber einer mit, der zwei Köpfe größer ist, als Lukas und doppelt so breit. Der zieht uns auch alleine weg und somit verliert mein Team ohne große Anstrengung. Aber was heißt verlieren, schließlich bin ich ja Drucker.
Wie gesagt, eigentlich können wir dann zurück und Pizza machen. Aber auf dem Weg liegt noch so viel Schnee und die Gruppe derer, die sich zum Anfeuern um das Seil versammelt haben, ist groß, ein perfekter Landepunkt für Schneebälle also. Und bald sehen wir uns einer Schlacht ausgesetzt, vier Deutsche gegen hundert Chinesen. Am Ende gehen wir nach einer Stunde deutlich als Sieger nach Treffern vom Platz. Allerdings sind wir gespannt, ob nicht doch ein spießiger Kommilitone etwas dagegen hatte und petzen geht. Dann bekomm ich garantiert wieder einen Anruf, der da sagt, kann man da nicht machen.
Dann aber Pizza, es ist schon zwei. Und der Magen hat noch nichts gesehen. Aber so ein Teig will geknetet werden. Und aufgehen. Und ausgerollt. Und belegt. Und in den Ofen geschoben.
Als wir essen, ist es fünf. Also schon fast Abendbrot-Zeit. Dennoch zählt es weiter als Mittagessen, denn das Abendessen findet später beim Japaner statt. Um kurz vor zehn betreten wir den Laden und wissen die Gastfreundschaft zu schätzen, denn eigentlich ist kurz später Feierabend, dennoch gewehrt man uns Einlass und stellt uns die schnellste Köchin zur Verfügung, die Sushi, gebratenen Fisch, Steak, Omelett und Gemüse zubereitet.
An vielfältiger Ernährung hapert es diese Tage zumindest nicht.
Zunächst aber sind wir noch gefordert, sollen beim Tauzieh-Wettbewerb unser Institut unterstützen. Dies ist eigentlich nach zehn Minuten abgetan. Wir vier werden aufgeteilt, Lukas und Denis gehen zu den Druckern, Thomas und ich zu den Verpackern. Bei den Druckern wirkt aber einer mit, der zwei Köpfe größer ist, als Lukas und doppelt so breit. Der zieht uns auch alleine weg und somit verliert mein Team ohne große Anstrengung. Aber was heißt verlieren, schließlich bin ich ja Drucker.
Wie gesagt, eigentlich können wir dann zurück und Pizza machen. Aber auf dem Weg liegt noch so viel Schnee und die Gruppe derer, die sich zum Anfeuern um das Seil versammelt haben, ist groß, ein perfekter Landepunkt für Schneebälle also. Und bald sehen wir uns einer Schlacht ausgesetzt, vier Deutsche gegen hundert Chinesen. Am Ende gehen wir nach einer Stunde deutlich als Sieger nach Treffern vom Platz. Allerdings sind wir gespannt, ob nicht doch ein spießiger Kommilitone etwas dagegen hatte und petzen geht. Dann bekomm ich garantiert wieder einen Anruf, der da sagt, kann man da nicht machen.
Dann aber Pizza, es ist schon zwei. Und der Magen hat noch nichts gesehen. Aber so ein Teig will geknetet werden. Und aufgehen. Und ausgerollt. Und belegt. Und in den Ofen geschoben.
Als wir essen, ist es fünf. Also schon fast Abendbrot-Zeit. Dennoch zählt es weiter als Mittagessen, denn das Abendessen findet später beim Japaner statt. Um kurz vor zehn betreten wir den Laden und wissen die Gastfreundschaft zu schätzen, denn eigentlich ist kurz später Feierabend, dennoch gewehrt man uns Einlass und stellt uns die schnellste Köchin zur Verfügung, die Sushi, gebratenen Fisch, Steak, Omelett und Gemüse zubereitet.
An vielfältiger Ernährung hapert es diese Tage zumindest nicht.
Tag 264: Koreanischer Schönheitswahn.
Da es Js letzte Woche ist, gehen wir heute mit ihr essen. Koreanisch. Dort erzählt sie uns, dass Schönheitschirurgie in Südkorea Gang und Gebe ist, ca. 90 % aller jungen Frauen im paarungswilligen Alter hätten schon hier oder da einen Eingriff unternommen, auch viele ihrer Freundinnen, sie aber nicht, sagt sie. Aber sie hätte bald eine OP am Auge. Sie kann uns aber beruhigen, dass sie nicht vorhat, ihre Augenlider zu verkürzen, damit die Augen größer erscheinen, sondern lediglich ihre Sehfähigkeit mittels Laser aufbessern möchte.
Später lese ich, dass neben größeren und dünneren Nasen, größeren Augen und Brüsten auch Schamhaar-Transplantationen wohl vollkommen am Boomen sind. Und zwar besonders unter Saunagängerinnen, weil schütteres Schamhaar scheinbar auf mangelnde Fruchtbarkeit hindeutet. Dann wird ein Fetzen Kopfhaut samt Haare rausgeschnitten, in kleine Mikro-Haarinseln mit je zwei bis drei Haaren zerschnibbelt und anschließend weiter unten wieder eingepflanzt. Bei örtlicher Betäubung. Das find ich abgefahren.
Sollte ich J also im Januar vielleicht besuchen, werde ich mir das mal anschauen. Vielleicht lass ich auch einen Eingriff über mich ergehen. Allerdings wüsste ich jetzt spontan nicht, wo noch etwas zu verbessern sein.
Später lese ich, dass neben größeren und dünneren Nasen, größeren Augen und Brüsten auch Schamhaar-Transplantationen wohl vollkommen am Boomen sind. Und zwar besonders unter Saunagängerinnen, weil schütteres Schamhaar scheinbar auf mangelnde Fruchtbarkeit hindeutet. Dann wird ein Fetzen Kopfhaut samt Haare rausgeschnitten, in kleine Mikro-Haarinseln mit je zwei bis drei Haaren zerschnibbelt und anschließend weiter unten wieder eingepflanzt. Bei örtlicher Betäubung. Das find ich abgefahren.
Sollte ich J also im Januar vielleicht besuchen, werde ich mir das mal anschauen. Vielleicht lass ich auch einen Eingriff über mich ergehen. Allerdings wüsste ich jetzt spontan nicht, wo noch etwas zu verbessern sein.
Montag, 16. November 2009
Tag 263: Versnobt?
Klingt es eigentlich versnobt, wenn ich in meinem Tagesablauf beschreibe, dass ich bis mittags schlafe, dann ein Taxi besteige, meinen maßgeschneiderten Anzug abhole, um vom Schneidermeister in den nächsten Massage-Salon zu fahren, in dem ich zwei Stunden lang durchgeknetet werde? Und das ganze nicht aus einem speziellen Grund, sondern einzig und allein aus Spaß an der Freude und weil heute Montag ist?
Ja, das mag versnobt klingen, aber es ist einfach möglich in diesem Land. Und da bin ich Egoist genug, alsdass ich mich dagegen wehren würde.
Was passiert sonst noch? J trifft sich mit ihrem DJ und stellt nach einer Stunde Gespräch fest, dass er doch nicht der ultimative Typ ist, sie kann also beruhigt am Samstag zurück in ihr Heimatland fliegen. Draußen ist es noch immer schweinekalt und es fängt langsam an zu frieren. Die Leute scheinen dagegen etwas tun zu wollen und zünden überall auf den Gehwegen Papiere an. Diese Tatsache hat aber ihren Grund in einem morgigen Feiertag, den uns der Taxi-Fahrer leider nicht verständlich erklären kann. Also frage ich die Meisterin in Sachen chinesischer Kultur, nämlich Frau Ai. Frau Ai schläft aber scheinbar schon um kurz nach elf, weshalb ich und wir alle bis morgen auf die Aufklärung warten müssen.
Ja, das mag versnobt klingen, aber es ist einfach möglich in diesem Land. Und da bin ich Egoist genug, alsdass ich mich dagegen wehren würde.
Was passiert sonst noch? J trifft sich mit ihrem DJ und stellt nach einer Stunde Gespräch fest, dass er doch nicht der ultimative Typ ist, sie kann also beruhigt am Samstag zurück in ihr Heimatland fliegen. Draußen ist es noch immer schweinekalt und es fängt langsam an zu frieren. Die Leute scheinen dagegen etwas tun zu wollen und zünden überall auf den Gehwegen Papiere an. Diese Tatsache hat aber ihren Grund in einem morgigen Feiertag, den uns der Taxi-Fahrer leider nicht verständlich erklären kann. Also frage ich die Meisterin in Sachen chinesischer Kultur, nämlich Frau Ai. Frau Ai schläft aber scheinbar schon um kurz nach elf, weshalb ich und wir alle bis morgen auf die Aufklärung warten müssen.
Tag 262: Js Herzschmerzen.
J, unsere Koreanerin, verlässt uns nächste Woche bereits wieder. Da trifft es sich ganz und gar nicht gut, dass sie sich ein wenig in den DJ aus dem 1+1 verguckt hat. Dennoch, oder gerade deshalb, möchte sie die letzte noch einmal nutzen, um ihm näher zu kommen.
Ich habe ihr gestern bereits geholfen, etwas Kontakt aufzunehmen, aber da war sie noch sehr verschüchtert, hat es gerade einmal zur Handy-Nummer geschafft.
Heute bittet er sie dann, doch bitte wieder herzukommen. Aber J traut sich noch nicht so wirklich. Also muss der Papa wieder herhalten und die gute begleiten. Am Sonntag! Aber da wir ab dieser Woche nur noch pro Tag maximal eine Vorlesung haben und die morgige erst nachmittags stattfindet, kann man das mal machen.
In der Disco wartet bereits Mini, die auch meinen Gutschein über ein paar Flaschen Bier, die gestern nicht vertrunken wurden, schon eingelöst hat, sodass für mich ein Tisch bereitsteht, während die beiden Damen ab und zu zum DJ-Pult rübermarschieren.
Während meine Begleitungen aber abwesend sind, wittern andere Gäste ihre Chance. Und so kommt es nicht nur einmal vor, dass ich von Damen heimgesucht werde. Die erste nennt sich DJ Anna, hat mit Musik aber nichts am Hut, das DJ steht nur für die Initialien des chinesischen Namens. In unserem zehnminütigen Gespräch, währenddessen sie mir wahrscheinlich 15 Mal die Hand schüttelt, lässt sie mich wissen, dass sie heute Geburtstag hat. Ich gratuliere und frage denn, der wievielte es wohl sein möge. Der 15.. Ich denke kurz nach. Ich bin acht Jahre älter. Also mehr als 1,5 Mal älter. DJ Anna sagt, sie müsse nicht zur Schule. Sie sei dort sowieso die beste und werde deshalb gemobbt. Außerdem erbt sie wohl noch ein Hotel am Glockenturm. Also wär sie doch eigentlich eine gute Partie... Aber nein, heute nicht. J und Mini kommen zum Glück zurück und DJ Anna muss dann doch schon kurz nach Mitternacht nach Hause. Wird auch Zeit. Die Gute ist rotzevoll.
Die zweite Dame stellt sich mir gar nicht vor. Sie lallt nur irgendwas auf Englisch, während ich auf Chinesisch antworte. Von ihren Reaktionen her weiß ich, dass sie mich versteht. Dennoch fragt sie mich etwas später, ob ich Chinesisch sprechen könnte. Aber das ist eigentlich auch nur nebensächlich, eigentlich ginge es um ihre Freundin, die mich schon die ganze Zeit anschaut. Die Dame will sie holen gehen, fliegt aber aus der Kurve und ist erst einmal ausgeknockt. Ich bin nicht sonderlich böse drum, ja ganz und gar froh, dass J irgendwann sagt, dass wir nicht mehr bis drei Uhr warten müssen, weil der DJ dann erst Feierabend hat.
Für die Zukunft weiß ich, dass ich an einem Sonntag nicht mehr unbedingt diesen Amüsierschuppen aufsuchen muss. Denn es kommt alles noch viel schlimmer: Auf der Rückfahrt vergesse ich im Taxi meinen Hut! Und warum? Weil Mini sagt, ich solle ihn mit in die Tüte zu ihren Sachen stecken. Und J vergisst beim Bezahlen nach der Rechnung zu fragen, obwohl jeder Taxomat einen darauf hinweist.
Ich trauere um meinen Hut, da er mich schon sehr oft und sehr weit begleitet hat. Nun ist er in den Händen eines schmierigen Taxifahrers, der das edle Schmuckstück bestimmt nicht zu schätzen weiß.
Ich habe ihr gestern bereits geholfen, etwas Kontakt aufzunehmen, aber da war sie noch sehr verschüchtert, hat es gerade einmal zur Handy-Nummer geschafft.
Heute bittet er sie dann, doch bitte wieder herzukommen. Aber J traut sich noch nicht so wirklich. Also muss der Papa wieder herhalten und die gute begleiten. Am Sonntag! Aber da wir ab dieser Woche nur noch pro Tag maximal eine Vorlesung haben und die morgige erst nachmittags stattfindet, kann man das mal machen.
In der Disco wartet bereits Mini, die auch meinen Gutschein über ein paar Flaschen Bier, die gestern nicht vertrunken wurden, schon eingelöst hat, sodass für mich ein Tisch bereitsteht, während die beiden Damen ab und zu zum DJ-Pult rübermarschieren.
Während meine Begleitungen aber abwesend sind, wittern andere Gäste ihre Chance. Und so kommt es nicht nur einmal vor, dass ich von Damen heimgesucht werde. Die erste nennt sich DJ Anna, hat mit Musik aber nichts am Hut, das DJ steht nur für die Initialien des chinesischen Namens. In unserem zehnminütigen Gespräch, währenddessen sie mir wahrscheinlich 15 Mal die Hand schüttelt, lässt sie mich wissen, dass sie heute Geburtstag hat. Ich gratuliere und frage denn, der wievielte es wohl sein möge. Der 15.. Ich denke kurz nach. Ich bin acht Jahre älter. Also mehr als 1,5 Mal älter. DJ Anna sagt, sie müsse nicht zur Schule. Sie sei dort sowieso die beste und werde deshalb gemobbt. Außerdem erbt sie wohl noch ein Hotel am Glockenturm. Also wär sie doch eigentlich eine gute Partie... Aber nein, heute nicht. J und Mini kommen zum Glück zurück und DJ Anna muss dann doch schon kurz nach Mitternacht nach Hause. Wird auch Zeit. Die Gute ist rotzevoll.
Die zweite Dame stellt sich mir gar nicht vor. Sie lallt nur irgendwas auf Englisch, während ich auf Chinesisch antworte. Von ihren Reaktionen her weiß ich, dass sie mich versteht. Dennoch fragt sie mich etwas später, ob ich Chinesisch sprechen könnte. Aber das ist eigentlich auch nur nebensächlich, eigentlich ginge es um ihre Freundin, die mich schon die ganze Zeit anschaut. Die Dame will sie holen gehen, fliegt aber aus der Kurve und ist erst einmal ausgeknockt. Ich bin nicht sonderlich böse drum, ja ganz und gar froh, dass J irgendwann sagt, dass wir nicht mehr bis drei Uhr warten müssen, weil der DJ dann erst Feierabend hat.
Für die Zukunft weiß ich, dass ich an einem Sonntag nicht mehr unbedingt diesen Amüsierschuppen aufsuchen muss. Denn es kommt alles noch viel schlimmer: Auf der Rückfahrt vergesse ich im Taxi meinen Hut! Und warum? Weil Mini sagt, ich solle ihn mit in die Tüte zu ihren Sachen stecken. Und J vergisst beim Bezahlen nach der Rechnung zu fragen, obwohl jeder Taxomat einen darauf hinweist.
Ich trauere um meinen Hut, da er mich schon sehr oft und sehr weit begleitet hat. Nun ist er in den Händen eines schmierigen Taxifahrers, der das edle Schmuckstück bestimmt nicht zu schätzen weiß.
Sonntag, 15. November 2009
Tag 261: Touristenführer in Xi'an.
Thomas, ein deutscher Freund von Shushen, den ich in Tianjin auf der Hochzeit kennengelernt habe, hat sich letzte Woche für dieses Wochenende angekündigt. Er macht mit seiner Frau etwas das Touristenprogramm (ich werde auch eingeladen, lehne aber ab, mit zur Terrakotta-Armee zu kommen, war schließlich schonmal da und irgendwann sind die Soldaten auch ausgelutscht) und so bin ich heute Nachmittag um vier mit den beiden verabredet.
Ich komme deutlich verspätet, was aber nicht an mir liegt. Die Eiseskälte da draußen jagt alle Menschen in ihre Autos, auch die, die es nicht können. Und so brauche ich zwanzig Minuten für den Weg vom Campus-Tor bis zur nächsten Kreuzung, den ich mit dem Rad in weniger als zwei Minuten hinter mich bringe, weil sich ein paar Fahrer denken, man könnte die zwei Spuren auf vier ausweiten. Dass unten an der Kreuzung dann aber welche eigentlich wiederum andere diese Spur auch nutzen wollen, steht dann da alles, bis sich endlich ein Brummifahrer entschließt, doch mal wieder etwas nach rechts zu fahren, dabei aber ein anderes Auto übersieht und beide Fahrer dann erstmal lautstark klären müssen, wer denn jetzt der dümmere sei. Dass beide auf der falschen Spur sind, ist nebensächlich.
Aber mir soll's egal sein, die wärmsten Plätze in der ganzen Stadt sind die Taxis. Und das Hotel der beiden geht auch noch. Dieses befindet sich eigentlich in bester Lage zwischen den ganzen Touristenattraktionen, da aber auch den beiden sehr kalt ist, führe ich sie nur zu einer, die uns allen entgegen kommt, nämlich der Barstraße.
Danach wollen wir typisches Essen aus Xi'an zu uns nehmen, nämlich gute, heiße Brotsuppe. Im Moslemviertel soll sie gut sein, denn da ist sie teuer und alles was teuer ist, muss gut sein. Ist es aber nicht. Da kann die aus der Mensa viel mehr und das ganze zu einem Viertel des Preises. Und dann ist es in dem Laden auch noch verdammt ausgekühlt, nicht gerade schön. Also essen wir nur das nötigste, gehen dann gegenüber in ein anderes, besser eingerichtetes Restaurant. Warm ist es sogar, aber wir verscherzen es uns gleich, als wir zu dritt am Zwölfertisch Platz nehmen (weit weg von den einfachverglasten Fenstern), obwohl das Restaurant leer ist und die Hauptstoßzeit schon längst vergangen. Und wie zeigt man uns, dass man nicht damit zufrieden ist? Man öffnet auf der einen Seite ein Fenster und auf der anderen und schwupps gibt es auch hier einen feinen Durchzug und die Wärme ist verflogen.
Der Geheimtipp mit den warmen Taxis hat sich schnell rumgesprochen, denn es dauert, bis wir eins bekommen, um zum Green Molly zu fahren. Dieses ist eine neue Bar, schön eingerichtet, reich an Qualitätsgetränken, warm, aber leider in einer beschissenen Lage, nämlich im neu angelegten Business-District, der erst langsam ins Rollen kommt. Wir landen auch nur hier, weil wir die Gutscheine von Bambi einlösen müssen.
Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man den Durst von fünf Menschen mehr als nur löschen kann und anschließend nur noch 15 Yuan zur Begleichung der Rechnung zücken muss. Ich sollte öfter Kostümwettbewerbe gewinnen.
Ich komme deutlich verspätet, was aber nicht an mir liegt. Die Eiseskälte da draußen jagt alle Menschen in ihre Autos, auch die, die es nicht können. Und so brauche ich zwanzig Minuten für den Weg vom Campus-Tor bis zur nächsten Kreuzung, den ich mit dem Rad in weniger als zwei Minuten hinter mich bringe, weil sich ein paar Fahrer denken, man könnte die zwei Spuren auf vier ausweiten. Dass unten an der Kreuzung dann aber welche eigentlich wiederum andere diese Spur auch nutzen wollen, steht dann da alles, bis sich endlich ein Brummifahrer entschließt, doch mal wieder etwas nach rechts zu fahren, dabei aber ein anderes Auto übersieht und beide Fahrer dann erstmal lautstark klären müssen, wer denn jetzt der dümmere sei. Dass beide auf der falschen Spur sind, ist nebensächlich.
Aber mir soll's egal sein, die wärmsten Plätze in der ganzen Stadt sind die Taxis. Und das Hotel der beiden geht auch noch. Dieses befindet sich eigentlich in bester Lage zwischen den ganzen Touristenattraktionen, da aber auch den beiden sehr kalt ist, führe ich sie nur zu einer, die uns allen entgegen kommt, nämlich der Barstraße.
Danach wollen wir typisches Essen aus Xi'an zu uns nehmen, nämlich gute, heiße Brotsuppe. Im Moslemviertel soll sie gut sein, denn da ist sie teuer und alles was teuer ist, muss gut sein. Ist es aber nicht. Da kann die aus der Mensa viel mehr und das ganze zu einem Viertel des Preises. Und dann ist es in dem Laden auch noch verdammt ausgekühlt, nicht gerade schön. Also essen wir nur das nötigste, gehen dann gegenüber in ein anderes, besser eingerichtetes Restaurant. Warm ist es sogar, aber wir verscherzen es uns gleich, als wir zu dritt am Zwölfertisch Platz nehmen (weit weg von den einfachverglasten Fenstern), obwohl das Restaurant leer ist und die Hauptstoßzeit schon längst vergangen. Und wie zeigt man uns, dass man nicht damit zufrieden ist? Man öffnet auf der einen Seite ein Fenster und auf der anderen und schwupps gibt es auch hier einen feinen Durchzug und die Wärme ist verflogen.
Der Geheimtipp mit den warmen Taxis hat sich schnell rumgesprochen, denn es dauert, bis wir eins bekommen, um zum Green Molly zu fahren. Dieses ist eine neue Bar, schön eingerichtet, reich an Qualitätsgetränken, warm, aber leider in einer beschissenen Lage, nämlich im neu angelegten Business-District, der erst langsam ins Rollen kommt. Wir landen auch nur hier, weil wir die Gutscheine von Bambi einlösen müssen.
Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man den Durst von fünf Menschen mehr als nur löschen kann und anschließend nur noch 15 Yuan zur Begleichung der Rechnung zücken muss. Ich sollte öfter Kostümwettbewerbe gewinnen.
Tag 260: Das Nono ist auch nicht mehr das, was es einmal war.
Dämliche Scheiße. Zwar können wir heute unsere Gaskarte wieder aufladen (gestern waren die Ladegeräte in den Läden zufällig alle kaputt), aber jetzt spinnt unsere Anlage, akzeptiert das ganze nicht so wirklich, wir sitzen weiterhin im kalten, können lediglich die Klimaanlage nutzen um zu heizen, aber die frisst Strom noch und nöcher.
Kein Grund also, heute Abend hier zu bleiben. Die erste Anlaufstation ist seit langem mal wieder das Nono. Aber seit Theresa hier nicht mehr die Fäden in der Hand hat, kann man den Laden vergessen. Die Musik ist nicht sonderlich die beste und irgendjemand hat sich gedacht, es sei besonders cool, das DJ-Pult auf das kleine Tanzpodest mit Tanzstange zu platzieren. Zudem hängen große Bilder vom Mao rum, nicht unbedingt stimmungsfördernd, rief er doch mit "Good, good study, day, day up!" zum braven Büffeln auf, nicht zum Fortgehen.
Und der Laden hat immer noch keinen Ersatz für Theresa, die Ausländer-Abgeordnete, aufgetrieben. Hier hält uns nicht viel. Wir gehen zum neuen Lieblingsclub, das AiShang, wo eine kurze SMS genügt, um uns einen Tisch in bester Lage mit einigen Getränken für lau zu ergattern. Zudem werden die besten Ballermann-Hits gespielt, die Deutschland zu bieten hat.
Dennoch treibt uns der Hunger schnell wieder nach draußen zum Straßenessen und anschließend nach Hause.
Kein Grund also, heute Abend hier zu bleiben. Die erste Anlaufstation ist seit langem mal wieder das Nono. Aber seit Theresa hier nicht mehr die Fäden in der Hand hat, kann man den Laden vergessen. Die Musik ist nicht sonderlich die beste und irgendjemand hat sich gedacht, es sei besonders cool, das DJ-Pult auf das kleine Tanzpodest mit Tanzstange zu platzieren. Zudem hängen große Bilder vom Mao rum, nicht unbedingt stimmungsfördernd, rief er doch mit "Good, good study, day, day up!" zum braven Büffeln auf, nicht zum Fortgehen.
Und der Laden hat immer noch keinen Ersatz für Theresa, die Ausländer-Abgeordnete, aufgetrieben. Hier hält uns nicht viel. Wir gehen zum neuen Lieblingsclub, das AiShang, wo eine kurze SMS genügt, um uns einen Tisch in bester Lage mit einigen Getränken für lau zu ergattern. Zudem werden die besten Ballermann-Hits gespielt, die Deutschland zu bieten hat.
Dennoch treibt uns der Hunger schnell wieder nach draußen zum Straßenessen und anschließend nach Hause.
Tag 259: Böse Deutsche.
Heute zeigen wir uns mal wieder von unserer besten Seite. Zunächst dürfen wir dem Prof erklären, warum wir es nicht für nötig hielten, am Dienstag zu seiner Vorlesung zu erscheinen. Jetzt müssen wir uns wieder privat mit ihm treffen, am besten am Wochenende. Das wär nicht unbedingt schlimm, aber die Privatvorlesung zieht sich immer noch länger hin, als die normale Vorlesung. Er ist auch noch etwas verbittert, will deshalb nicht dieses Wochenende nutzen.
Auf dem Campus liegt noch Schnee und nichts liegt uns ferner, als diesen liegen zu lassen. Also wird er geworfen. Auf alles und jeden. Wir sind ja auch nicht die einzigen und eigentlich können alle damit gut umgehen. Nur ein Autofahrer nicht wirklich, der um seinen Wagen (der übrigens in alles andere als einem tadellosen Zustand ist) bangt. Er sollte jetzt lieber nicht anhalten. Und er sollte auch lieber nicht das Fenster runterlassen. Denn Denis hat sich bereits meinen Kopf als Ziel ausgemalt. Und ich bilde ein gutes Ziel und verlängere den Wurf gekonnt mit der Schädeldecke. Und trotzdem ich mit dem Rücken zum Autowagen stehe, treffe ich perfekt durch das Fenster in die Lüftungsschlitze. Jetzt gibt's Ärger. Aber nicht für mich. Ich bin offiziell ja auch nur Opfer. Ärger gibt es für Denis. Jetzt aber auch zurecht.
Nachmittags, wir sind unlängst zurück in unserer Wohnung (deren Gaskarte jetzt aufgebraucht ist, was bedeutet, dass zumindest für heute kein warmes Wasser und keine Heizung zur Verfügung steht), meldet sich erst Jojo bei uns und fragt, ob wir zufällig letzte Nacht noch Ruhestörung betrieben hätten. Jo. Kurz danach kommt ein Anruf von einer aufgebrachten Studentin, deren Fenster wir wohl gestern getroffen hätten. In Deutschland möge sowas gehen, in China aber nicht, sagt sie. Wir bieten ihr an, gemeinsam nach dem Stock in ihrem Hinterteil zu suchen. Sie lehnt ab. Bei nächsten Mal ist das nicht einfach mit einer Entschuldigung abgetan, sagt sie.
Dann wird bestimmt wieder gepetzt.
Ist mir egal, wir sind ja eh bald fertig hier.
Auf dem Campus liegt noch Schnee und nichts liegt uns ferner, als diesen liegen zu lassen. Also wird er geworfen. Auf alles und jeden. Wir sind ja auch nicht die einzigen und eigentlich können alle damit gut umgehen. Nur ein Autofahrer nicht wirklich, der um seinen Wagen (der übrigens in alles andere als einem tadellosen Zustand ist) bangt. Er sollte jetzt lieber nicht anhalten. Und er sollte auch lieber nicht das Fenster runterlassen. Denn Denis hat sich bereits meinen Kopf als Ziel ausgemalt. Und ich bilde ein gutes Ziel und verlängere den Wurf gekonnt mit der Schädeldecke. Und trotzdem ich mit dem Rücken zum Autowagen stehe, treffe ich perfekt durch das Fenster in die Lüftungsschlitze. Jetzt gibt's Ärger. Aber nicht für mich. Ich bin offiziell ja auch nur Opfer. Ärger gibt es für Denis. Jetzt aber auch zurecht.
Nachmittags, wir sind unlängst zurück in unserer Wohnung (deren Gaskarte jetzt aufgebraucht ist, was bedeutet, dass zumindest für heute kein warmes Wasser und keine Heizung zur Verfügung steht), meldet sich erst Jojo bei uns und fragt, ob wir zufällig letzte Nacht noch Ruhestörung betrieben hätten. Jo. Kurz danach kommt ein Anruf von einer aufgebrachten Studentin, deren Fenster wir wohl gestern getroffen hätten. In Deutschland möge sowas gehen, in China aber nicht, sagt sie. Wir bieten ihr an, gemeinsam nach dem Stock in ihrem Hinterteil zu suchen. Sie lehnt ab. Bei nächsten Mal ist das nicht einfach mit einer Entschuldigung abgetan, sagt sie.
Dann wird bestimmt wieder gepetzt.
Ist mir egal, wir sind ja eh bald fertig hier.
Samstag, 14. November 2009
Tag 258: Schnee!
Letzte Chinesisch-Vorlesung überhaupt in unserem Leben. Wahrscheinlicherweise zumindest. Ein schwerer Gang ist es, den wir da antreten. Und ein gefährlicher. Da es nämlich heute schweinekalt ist, der fallende Regen sich zu Hagel wandelt und man beim Bau des Campus gedacht hat, mittels glatter Folie auf normalen Steinen Marmor zu imitieren sei cool, ist es verdammt rutschig. Diese Erkenntnis kommt Hanna zu spät und zack liegt sie auf dem Boden, alle Viere von sich gestreckt.
Sie hat aber alle Zeit, sich umzuziehen, denn heute bleibt leider ein Vokabeltest aus. Dabei war ich verdammt gut vorbereitet!
Am Nachmittag steht die Prüfung in Sachen lichtbempfindlicher Materialien an. Kein schönes Fach. Und keine schönen Bedingungen, eine Prüfung zu schreiben. Denn sie findet im Deutschclub auf dem alten Campus statt. Und dieser rühmt sich damit, total verstaubt zu sein (wie eigentlich auch viele Professoren-Büros... da scheint jeder für seinen eigenen Raum zuständig zu sein) und eine schöne Front einfach verglaster Fenster zu besitzen. Zudem funktioniert die Heizung nicht.
Zunächst ist das kein Problem, die Temperaturen gehen noch und zur Not kann man sich ja eine Jacke anziehen. Zudem lass ich meine Mütze gleich auf dem Kopf und denke, dass sich meine mitgebrachten schweren Wanderstiefel zum ersten Mal bewehrt machen.
Aber während wir da so versuchen, in unseren Skripten die Antworten auf die Fragen zu finden, was zu 50 % auch gelingt (zum Bestehen braucht man aber 60 %), ergreift so langsam eine Eiseskälte unsere sich nicht bewegenden Körper. Und da soll man sich konzentrieren? Mit voller Absicht trinke ich mehr als gewöhnlich, da ich dann auf's Klo gehen kann. Die Bewegung hilft ein wenig und vor allem die Tatsache, dass aufm Klo alle Fenster voll offen stehen, sodass es dort noch viel kälter ist und einem anschließend das Gefühl vermittelt, dass der Deutschclub eine Sauna ist.
Es hilft alles bedingt. Die normalen Fragen habe ich ausgefüllt, bei den Lückentexten und Multiple-Choice-Aufgaben habe ich aber keinen Bock mehr. Hier gibt jede kleine Lücke nämlich nur minimale Punktzahl, sodass sich das Übersetzen nicht zu lohnen scheint. Zudem sind meine Zeichen wegen des Zitterns der Hand unleserlich. Und ich seh es nicht ein, unter diesen Bedingungen auch noch die letzte Energie aus meinem schwachen Körper zu holen und in diese Lücken zu stecken. Außerdem will Jojo das eigentlich machen und per SMS rüberschicken. Es kommt aber nichts.
Also fülle ich sie zwar aus, aber nur mit den Zeichen für Bier oder Kälte. Und ich schreibe meine Klagen auf. Vielleicht erhalte ich Mitleidspunkte.
Und dann sind drei Stunden Martyrium auch schon vorbei. Eigentlich sollten wir uns freuen, aus dem kalten Raum zu kommen, aber draußen ist es noch kälter, es regnet und der Deutschclub ist in der hintersten Ecke des Campus, wir müssen ihn erst ganz überqueren. Und dann in den Bus? Nö, es geht ins S.i.T.-Café zu Pasta und heißen Tee. Hier hellt sich nicht nur unsere Laune auf, sondern wir beobachten, dass auch das Wetter schöner wird. Der Regen besteht jetzt aus dicken Schneeflocken und als wir zwei Stunden später rausgehen, ist alles in ein schönes Weiß getaucht. Und der Schnee bappt. Herrlich.
Und trotzdem auf den Straßen jetzt das Chaos tobt, da viele Autos nicht mal Sommerreifen besitzen, sondern einfach nur einen profilarmen Gummiüberzug an den Reifen haben und eigentlich schon ein Regenfall reicht, um für viele Unfälle zu sorgen, setzen wir uns in ein Taxi und fahren zu Bambi, auf die bestandene Prüfung anstoßen.
Wir bringen Bambi ein Geschenk mit, einen selbstgebauten Schneemann. Dieser erhält einen Ehrenplatz auf den Theke. Bambi ist auch sehr erfreut und überreicht uns Gutscheine im Wert von 200 Yuan für eine andere Bar. Drei Stück an der Zahl. Und wofür das ganze? Für unsere Halloween-Kostüme. Thomas, Cathrin und ich haben (scheinbar in Abwesenheit) die vordersten Plätze belegt. Die 50 Yuan Ausleihgebühr für das Kostüm machen sich immer mehr bewehrt, haben wir doch schon 96 Flaschen Freibier erhalten und jetzt noch einmal welches (ich nehme an, dass wir darein investieren) im Wert von 600 Yuan.
Der Heimweg dauert länger als sonst. Das liegt zum einen daran, dass der Taxi-Fahrer Slalom fallen muss, da neben viel Schnee auch viele Äste und Bäume runtergekommen sind und hier und da ein Autowrack liegt, dass den kleinsten Hügel nicht mehr hochrutschen konnte und zum anderen daran, dass Männer gerne mit Schnee spielen. Männer formen ihn gerne zu Bällen und bewerfen damit andere Menschen. Und wenn um drei Uhr desnachts keine anderen Menschen auf dem Campus sind, dann wirft man auf das nächstliegende, nämlich die Fenster der Frauenwohnheime. Mit Erfolg. Eines öffnet sich und wir werden angemeckert. Die Kommilitonin macht aber leider den Fehler und öffnet auch das Fliegengitter, während sich noch Bälle im Anflug befinden. Ihr Gemecker verstummt durch den Schnee in ihrem Gesicht nicht wirklich.
Schnee ist schon was schönes!
Sie hat aber alle Zeit, sich umzuziehen, denn heute bleibt leider ein Vokabeltest aus. Dabei war ich verdammt gut vorbereitet!
Am Nachmittag steht die Prüfung in Sachen lichtbempfindlicher Materialien an. Kein schönes Fach. Und keine schönen Bedingungen, eine Prüfung zu schreiben. Denn sie findet im Deutschclub auf dem alten Campus statt. Und dieser rühmt sich damit, total verstaubt zu sein (wie eigentlich auch viele Professoren-Büros... da scheint jeder für seinen eigenen Raum zuständig zu sein) und eine schöne Front einfach verglaster Fenster zu besitzen. Zudem funktioniert die Heizung nicht.
Zunächst ist das kein Problem, die Temperaturen gehen noch und zur Not kann man sich ja eine Jacke anziehen. Zudem lass ich meine Mütze gleich auf dem Kopf und denke, dass sich meine mitgebrachten schweren Wanderstiefel zum ersten Mal bewehrt machen.
Aber während wir da so versuchen, in unseren Skripten die Antworten auf die Fragen zu finden, was zu 50 % auch gelingt (zum Bestehen braucht man aber 60 %), ergreift so langsam eine Eiseskälte unsere sich nicht bewegenden Körper. Und da soll man sich konzentrieren? Mit voller Absicht trinke ich mehr als gewöhnlich, da ich dann auf's Klo gehen kann. Die Bewegung hilft ein wenig und vor allem die Tatsache, dass aufm Klo alle Fenster voll offen stehen, sodass es dort noch viel kälter ist und einem anschließend das Gefühl vermittelt, dass der Deutschclub eine Sauna ist.
Es hilft alles bedingt. Die normalen Fragen habe ich ausgefüllt, bei den Lückentexten und Multiple-Choice-Aufgaben habe ich aber keinen Bock mehr. Hier gibt jede kleine Lücke nämlich nur minimale Punktzahl, sodass sich das Übersetzen nicht zu lohnen scheint. Zudem sind meine Zeichen wegen des Zitterns der Hand unleserlich. Und ich seh es nicht ein, unter diesen Bedingungen auch noch die letzte Energie aus meinem schwachen Körper zu holen und in diese Lücken zu stecken. Außerdem will Jojo das eigentlich machen und per SMS rüberschicken. Es kommt aber nichts.
Also fülle ich sie zwar aus, aber nur mit den Zeichen für Bier oder Kälte. Und ich schreibe meine Klagen auf. Vielleicht erhalte ich Mitleidspunkte.
Und dann sind drei Stunden Martyrium auch schon vorbei. Eigentlich sollten wir uns freuen, aus dem kalten Raum zu kommen, aber draußen ist es noch kälter, es regnet und der Deutschclub ist in der hintersten Ecke des Campus, wir müssen ihn erst ganz überqueren. Und dann in den Bus? Nö, es geht ins S.i.T.-Café zu Pasta und heißen Tee. Hier hellt sich nicht nur unsere Laune auf, sondern wir beobachten, dass auch das Wetter schöner wird. Der Regen besteht jetzt aus dicken Schneeflocken und als wir zwei Stunden später rausgehen, ist alles in ein schönes Weiß getaucht. Und der Schnee bappt. Herrlich.
Und trotzdem auf den Straßen jetzt das Chaos tobt, da viele Autos nicht mal Sommerreifen besitzen, sondern einfach nur einen profilarmen Gummiüberzug an den Reifen haben und eigentlich schon ein Regenfall reicht, um für viele Unfälle zu sorgen, setzen wir uns in ein Taxi und fahren zu Bambi, auf die bestandene Prüfung anstoßen.
Wir bringen Bambi ein Geschenk mit, einen selbstgebauten Schneemann. Dieser erhält einen Ehrenplatz auf den Theke. Bambi ist auch sehr erfreut und überreicht uns Gutscheine im Wert von 200 Yuan für eine andere Bar. Drei Stück an der Zahl. Und wofür das ganze? Für unsere Halloween-Kostüme. Thomas, Cathrin und ich haben (scheinbar in Abwesenheit) die vordersten Plätze belegt. Die 50 Yuan Ausleihgebühr für das Kostüm machen sich immer mehr bewehrt, haben wir doch schon 96 Flaschen Freibier erhalten und jetzt noch einmal welches (ich nehme an, dass wir darein investieren) im Wert von 600 Yuan.
Der Heimweg dauert länger als sonst. Das liegt zum einen daran, dass der Taxi-Fahrer Slalom fallen muss, da neben viel Schnee auch viele Äste und Bäume runtergekommen sind und hier und da ein Autowrack liegt, dass den kleinsten Hügel nicht mehr hochrutschen konnte und zum anderen daran, dass Männer gerne mit Schnee spielen. Männer formen ihn gerne zu Bällen und bewerfen damit andere Menschen. Und wenn um drei Uhr desnachts keine anderen Menschen auf dem Campus sind, dann wirft man auf das nächstliegende, nämlich die Fenster der Frauenwohnheime. Mit Erfolg. Eines öffnet sich und wir werden angemeckert. Die Kommilitonin macht aber leider den Fehler und öffnet auch das Fliegengitter, während sich noch Bälle im Anflug befinden. Ihr Gemecker verstummt durch den Schnee in ihrem Gesicht nicht wirklich.
Schnee ist schon was schönes!
Tag 257: Späte Entdeckungen.
Nadine sitzt als einzige in der einzigen Vorlesung, die wir heute haben. Tapfere kleine Nadine. Der Rest nimmt die Aussage "Ich muss lernen!" als Vorwand, etwas länger im Bett zu bleiben. Und ich bin natürlich immer noch krank.
Dadurch ist mir ein wenig die Motivation genommen, etwas in meinem Kopf zu bewegen, also bewege ich erstmal was in meinem Zimmer und zwar den Blätterhaufen unserer Vorgänger im Regal, bedeckt unter einer Staubschicht, da noch nie wirklich angerührt (und auf Papier kann man ja nicht mit einem feuchten Lappen Staub wischen). Und was finde ich da? Den Fragen-Katalog, der dem unseren gleicht. Beantwortet und übersetzt. Langsam machen die ganzen Zeichen, die wir sonst Vorlesung für Vorlesung abgepinselt haben (ja, der Professor ging davon aus, dass wir alles lernen, indem wir es kopieren), einen Sinn und der ganze Aufwand, den ich mir vorher im Kopfe ausgemalt habe, bleibt aus, das müsste theoretisch reichen, da wir auch morgen wieder alles mit in die Prüfung mitnehmen dürfen.
Und dieses Skript und mein neu erworbenes Wissen sollten da reichen.
Dadurch ist mir ein wenig die Motivation genommen, etwas in meinem Kopf zu bewegen, also bewege ich erstmal was in meinem Zimmer und zwar den Blätterhaufen unserer Vorgänger im Regal, bedeckt unter einer Staubschicht, da noch nie wirklich angerührt (und auf Papier kann man ja nicht mit einem feuchten Lappen Staub wischen). Und was finde ich da? Den Fragen-Katalog, der dem unseren gleicht. Beantwortet und übersetzt. Langsam machen die ganzen Zeichen, die wir sonst Vorlesung für Vorlesung abgepinselt haben (ja, der Professor ging davon aus, dass wir alles lernen, indem wir es kopieren), einen Sinn und der ganze Aufwand, den ich mir vorher im Kopfe ausgemalt habe, bleibt aus, das müsste theoretisch reichen, da wir auch morgen wieder alles mit in die Prüfung mitnehmen dürfen.
Und dieses Skript und mein neu erworbenes Wissen sollten da reichen.
Dienstag, 10. November 2009
Tag 256: Denis und sein Computer.
Eigentlich wollen wir wegen der übermorgigen Lichtempfindliche Materialien-Prüfung eine Lernsession einlegen. Jojo ist da, Jojo hat Ahnung vom Thema, Jojo weiß, was wichtig sein wird. Also fangen wir an.
Da wir aber ein Haufen undisziplinierter Jünglinge sind, kommen viele von uns schnell auf andere Gedanken: dem einen erscheint dieses oder jenes iPod-Spiel gerade interessant, der andere hat Hunger und Denis sucht seit Wochen Ersatz für seinen kaputtgegangenen Laptop.
Nur leider hat Denis ein Problem: Er sucht den ultimativen Computer mit ultimativer Leistung, ultimativem Design zu einem ultimativen Preis. Und den sucht er schon ewig. Und vorrangig im Internet. Selbstverständlich an meinem Laptop, da seiner ja kaputt ist.
Es keimt oft Hoffnung bei uns, bei ihm und vor allem bei mir auf, wenn er erwähnt: Dieser Computer ist perfekt, den kauf ich. Aber ich ich bin Realist genug um zu wissen, dass er das noch immer nicht ist. Oder dass er noch nicht auf dem Markt ist. Oder dass der Preis doch ein wenig zu hoch ist. Oder dass das Design doch ein wenig zu feminin scheint. Oder dass er 600 MHz zu wenig Speicher hat. Oder Denis hat doch wieder eine andere Idee. Aber dann müsste er warten, bis er wieder in Deutschland ist.
Und so weiß ich, dass heute nicht der letzte Abend sein wird, an dem er wieder bis halb eins meinen Laptop belagert und mich bittet, die tausend Tabs, die er geöffnet hat, nicht zu schließen. Des Vergleichens wegen.
Da wir aber ein Haufen undisziplinierter Jünglinge sind, kommen viele von uns schnell auf andere Gedanken: dem einen erscheint dieses oder jenes iPod-Spiel gerade interessant, der andere hat Hunger und Denis sucht seit Wochen Ersatz für seinen kaputtgegangenen Laptop.
Nur leider hat Denis ein Problem: Er sucht den ultimativen Computer mit ultimativer Leistung, ultimativem Design zu einem ultimativen Preis. Und den sucht er schon ewig. Und vorrangig im Internet. Selbstverständlich an meinem Laptop, da seiner ja kaputt ist.
Es keimt oft Hoffnung bei uns, bei ihm und vor allem bei mir auf, wenn er erwähnt: Dieser Computer ist perfekt, den kauf ich. Aber ich ich bin Realist genug um zu wissen, dass er das noch immer nicht ist. Oder dass er noch nicht auf dem Markt ist. Oder dass der Preis doch ein wenig zu hoch ist. Oder dass das Design doch ein wenig zu feminin scheint. Oder dass er 600 MHz zu wenig Speicher hat. Oder Denis hat doch wieder eine andere Idee. Aber dann müsste er warten, bis er wieder in Deutschland ist.
Und so weiß ich, dass heute nicht der letzte Abend sein wird, an dem er wieder bis halb eins meinen Laptop belagert und mich bittet, die tausend Tabs, die er geöffnet hat, nicht zu schließen. Des Vergleichens wegen.
Tag 255: Chinesisches Krankenhaus.
Heute Abend sind wir eigentlich mit sämtlichen Leitern des China-Projekts zum Essen verabredet, weil Frau Diao, für das China-Projekt an der HdM verantwortlich, uns besuchen kommt.
Ich weiß schon beim aufstehen, dass ich nicht teilnehmen werde. Denn das Fieber ist wieder da, stärker als gestern. Mein Thermometer zeigt 38,5 °C an, am Nachmittag beim Campus-Arzt sind es glatte 39 °C. Ja, ich gehe heute tatsächlich zum Arzt. Eigentlich finde ich, man kann ein wenig Fieber auch gerne mal so durchstehen, aber da auch hier so viel Panik mit der Schweinegrippe gemacht wird, man an jedem Tag Fieber messen soll und bei Temperaturen jenseits der 37,5 °C doch bitte umgehend einen Arzt aufsuchen soll.
Und das mach ich also. Dort werde ich nach Symptomen befragt, die ich aber schon alleine wegen der undeutlichen Worte, die die blöden Mundschutzmasken bedingen, nicht wirklich verstehe und nach dem Zufallsprinzip mit Ja und Nein beantworte. Dann heißt es: Jetzt gehen sie mal zum Krankenhaus. Drei Stationen mit dem Bus. Wie, Bus? Ich dachte, ich bin vielleicht schweinegrippe-verdächtig. Und da soll ich in einen möglicherweise überfüllten Bus steigen und meine Viren verbreiten? Wo ist denn bitte Tatütata der Rettungswagen? Denke ich.
Ich steige also brav in den Bus, fahre zum empfohlenen Krankenhaus, die auch schon mit einem großen rot-weißen Banner für H1N1 werben. An der Tür zeige ich den Zettel von der Frau Doktoren, der meine Symptome beschreibt. Nö, wir sind ein Militär-Krankenhaus, nicht für sie zuständig, fahren sie doch bitte weiter ins nächste Krankenhaus. Da ich den Namen jenes Hospitals aber nicht ganz verstehe (des Mundschutzes wegen) erfrage ich lieber die Bus-Nummer und suche mir auf dem Plan selber das Krankenhaus raus.
Dort angekommen habe ich schon keine Lust mehr, mich untersuchen zu lassen. Gleich nach der Eingangstür stehen viele Menschen in mehreren Schlangen. Viele nicht sehr glücklich und vor allem nicht sehr gesund aussehende Menschen.
Ich sage einem Herren in Uniform im Eingangsbereich, dass ich Fieber habe, leicht erhöhtes, und frage, ob ich mich auch anstellen muss. Nö, ohne diesen und jenen Zettel muss ich nicht anstehen. Bringt nämlich nichts. Aber er weiß auch nicht, wohin ich dann soll. Also frage ich eine Krankenschwester. Die weist mich in gen Westen in einen Gang. Und da stehen dann auch Ärzte und Schwestern und Rezeptionistinnen, lesen am Tresen meinen Zettel und fragen ungläubig, für wen das denn sein soll. Jo, für mich. Sie sind falsch, das hier ist die Kinderabteilung. Hätte mir auch auffallen können. Aber ich soll in den zweiten Stock gehen. Der zweite Stock hier liegt aber brach. Alles ist recht heruntergekommen, Gitterstäbe verweigern mir zumeist den Durchgang.
Also geh ich mal wieder raus und rufe Jiang Lei an. Ich sage ihr, ich sei im 西北 Xibei-Krankenhaus, hier hat keiner ne Ahnung, also sagt sie, ich solle bitte ins 西京 Xijing-Krankenhaus fahren. Ich habe das Taxi gerade herbeigewinkt, da drehe ich mich noch einmal um und sehe, dass ich das zweite Zeichen einfach nur falsch gelesen habe und eigentlich schon richtig bin. Also gebe ich dem Laden noch eine zweite Chance und gehe zum selben Sicherheitsbeamten, diesmal mit den Worten: H1N1-Zentrum. Wo? Und jetzt versteht er. Bitte gen Osten gehen in den zweiten Stock. Ich gehe ins Treppenhaus in den zweiten Stock. Da ist zunächst nichts, aber hinter einer verschlossenen Tür kann ich reges Treiben erkennen. Also geht's die Treppen wieder runter, unten entlang weiter gen Westen und dann finde ich auch endlich den Anmeldeschalter. Ich fülle ein Formular aus, erhalte dafür ein Heftchen, einige Zettel und eine Magnetkarte und darf von außen den zweiten Stock betreten. Dieser ist also Quarantänezone.
Und wer denkt, mein bisheriger Aufenthalt hier war chaotisch, der darf sich eines besseren belehren lassen. Zunächst darf ich Schlange stehen, um im Voraus meine Untersuchung zu bezahlen (86 Yuan). Da ich während des Wartens bemerke, dass viele Menschen wie wild von einem Raum in den nächsten wandern und das ganze ein wenig kompliziert scheint, merke ich mir einfach das Jacket des Herren vor mir, um ihm später einfach zu folgen.
Die erste Station ist die Probenentnahme. Dazu wird einem ein ziemlich langer Wattestab in die Nase gerammt um Proben vom Gehirn zu nehmen. So fühlt es sich zumindest an. Nein, so fühlt es sich nicht nur an, so sehr schmerzt es auch. Aber wenn ich als Arzt im Akkord kranken Menschen Schnotten aus der Nase ziehen müsste, würde ich wohl auch nicht mehr viel Wert auf Vorsicht nehmen. Die einzigen Worte, die ich hier vernehme, sind: Drei Stunden! Drei Stunden muss ich also auf diese blöden Laborergebnisse warten. Ich dachte eigentlich, das ginge hier schnell.
Das Jacket habe ich aus den Augen verloren, gehe aber auf gut Glück in den nächsten Raum, stehe brav in der Schlange, vor dem Schreibtisch eines Arztes, nur um zu bemerken, dass jeder Hans und Franz nich gerade der Schlangen-Steh-Typ ist. Also donner auch ich dem Herren im Kittel nach gefühlter Ewigkeit mein Heftchen nur noch auf den Tisch und komme dann auch bald dran. Er erwähnt die 39 °C und fragt im selben Atemzug irgendwas. Verstehe ich natürlich nicht, weil es verdammt laut ist bei so vielen Menschen, der Arzt ne Maske trägt und kurz vor seinem Feierabend sehr genervt ist. Nein, habe ich noch nicht, sage ich einfach mal auf gut Glück, da ich denke, dass es sich um irgendetwas fiebersenkendes handelt. Na dann gehen sie mal zurück.
Aber zurück wohin? Kann er mir nicht erklären. Nein, will er nicht. Er ist ziemlich gereizt. Also geh ich auch nicht zurück. Zumindest zunächst nicht, denn ich habe Zeit. Ich hocke mich also auf einen Stuhl und penn eine Stunde. In dieser Zeit ist Arztwechsel und die Menschenansammlung wird etwas kleiner. Die nächste Ärztin fragt mich das gleiche, ich verneine abermals, sie erklärt mir aber, dass es sich um die Probenentnahme handelt. Die habe ich natürlich hinter mir, sollten die Torfköpfe auch an dem Stempel sehen, der mir dort gegeben wurde. Aber der ist schwach und nicht auf der ersten Seite platziert, also übersieht man ihn schnell. Ich bekomme also ein Rezept aufgeschrieben und den Hinweis erster Stock, also Erdgeschoss. Dass dieses groß ist, schein aber auch nur ich zu wissen.
Hier stehe ich dann erstmal überall dort an, wo sich Menschen mit Mundschutz anstellen. Und ich stehe ziemlich lange, bis mich das zuständige Personal darauf hinweist: Hier nicht! Bitte weiter gen Westen gehen. Das ergeht mir an ein paar Schaltern so, bis ich endlich bei der Medizinausgabe lande. Die bringt mir aber nichts, solange ich das Rezept noch nicht bezahlt habe. Das macht man an der Stelle, wo die Schlange am längsten ist. Aber hier werde ich dann tatsächlich meine zwei Yuan los und weiß zumindest, wohin ich anschließend mit dem Beleg muss.
Zwei Röhrchen Medizin werden mir gereicht und da gerade sonst niemand da ist, frage ich nochmal in Ruhe nach, ob sie wüssten, wo ich jetzt hin müsste. Jo, da wo die roten Stühle sind. Ich schaue nach links. Ich schaue nach rechts. Ich schaue hinter mich. Rote Stühle. Aha. Die gibt es hier nicht. Zumindest sind mir noch keine aufgefallen. Also überlegen sie etwas weiter. Ach ja, dritter Stock.
Dort angekommen frage ich oberhalb der Quarantänezone mal nach. Nein, dritter Stock sei richtig, aber eher oberhalb der Medizinausgabestation. Und nachdem ich ganz am Anfang in der Kinderabteilung gelandet bin, kommt nun zum Yin auch noch das Yang und ich lande in der Altenstation. Und da kenn die Chinesen nichts, die konfrontieren einen gleich mit der ganzen Realität: Die ganze Flurwand ist tapeziert mit abschreckenden Beispielen von Dekubiti, also wundgelegenen Stellen. Bis auf die Knochen kann man da schauen.
Nein, auch hier bin ich nicht richtig. Natürlich muss ich wieder in den zweiten Stock, in die Quarantänezone. Fantastisch. Meine Atmung ist heut heute sowieso schon ziemlich kurz und mit dieser Maske noch eingeschrenkter, da laufe ich gerne die Treppen rauf und runter.
Nach ziemlich langem Warten dort drücke ich irgendwann einer Schwester mein Tütchen mit den Röhrchen in die Hand, deren Inhalt sie gekonnt in eine Spritze zieht und diese dann in das Prachtexemplar meines Allerwertesten rammt. Was auch immer es ist, was sie dort reinrammt.
Danach schau ich auf die Uhr, es ist achte. Genau drei Stunden ist es her, dass mir etwas aus der Nase gezogen wurde. Also gehe ich zum Labor und lege sämtliche Zettel vor, die ich besitze. Ich hoffe, dass sie nicht die Magnet-Karte brauchen, denn die habe ich unlängst verloren. Nö, hier nicht. Dritter Stock.
Pff, dritter Stock. Da war ich. Da haben die mit Schweinegrippe nicht viel am Hut. Dennoch warten im Treppenhaus ziemlich viele Menschen. Ich brauche ein wenig bei dem schummrigen Licht, um zu realisieren, dass diese unter sich immer Stapel Papier hin- und herreichen und diese nach etwas suchend durchblättern.
Das müssen also die Probeergebnisse sein, die vertraulich im Gespräch unter tausend Augen mitgeteilt werden. Ich gesell mich einfach mal dazu und blätter diesen und jenen Stapel durch, wahrscheinlich ein paar auch doppelt und dreifach, bis ich irgendwann meinen Namen erspähe.
Die Zeichen darauf sagen mir nicht sonderlich viel, also frage ich mal bei einem Patienten nach und mir scheint, als hätte das erste Mal jemand hier eine richtige Ahnung: Mein Ergebnis ist negativ.
Ich darf endlich gehen. Glaube ich. Hoffe ich. Denn ich will nicht noch einmal einen Arzt aufsuchen. Also entferne ich mich, so schnell es geht, esse noch etwas und nehme dann ein Taxi, weil ich Menschenmengen heute nicht mehr sehen kann.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Spritze hilft, und dass mich der Stress und all diese Menschen, unter denen bestimmt jemand nicht ganz gesund war, letztendlich nicht doch noch krank gemacht haben.
Denn ich habe nicht vor, jemals wieder ein solches Krankenhaus betreten zu müssen.
Ich weiß schon beim aufstehen, dass ich nicht teilnehmen werde. Denn das Fieber ist wieder da, stärker als gestern. Mein Thermometer zeigt 38,5 °C an, am Nachmittag beim Campus-Arzt sind es glatte 39 °C. Ja, ich gehe heute tatsächlich zum Arzt. Eigentlich finde ich, man kann ein wenig Fieber auch gerne mal so durchstehen, aber da auch hier so viel Panik mit der Schweinegrippe gemacht wird, man an jedem Tag Fieber messen soll und bei Temperaturen jenseits der 37,5 °C doch bitte umgehend einen Arzt aufsuchen soll.
Und das mach ich also. Dort werde ich nach Symptomen befragt, die ich aber schon alleine wegen der undeutlichen Worte, die die blöden Mundschutzmasken bedingen, nicht wirklich verstehe und nach dem Zufallsprinzip mit Ja und Nein beantworte. Dann heißt es: Jetzt gehen sie mal zum Krankenhaus. Drei Stationen mit dem Bus. Wie, Bus? Ich dachte, ich bin vielleicht schweinegrippe-verdächtig. Und da soll ich in einen möglicherweise überfüllten Bus steigen und meine Viren verbreiten? Wo ist denn bitte Tatütata der Rettungswagen? Denke ich.
Ich steige also brav in den Bus, fahre zum empfohlenen Krankenhaus, die auch schon mit einem großen rot-weißen Banner für H1N1 werben. An der Tür zeige ich den Zettel von der Frau Doktoren, der meine Symptome beschreibt. Nö, wir sind ein Militär-Krankenhaus, nicht für sie zuständig, fahren sie doch bitte weiter ins nächste Krankenhaus. Da ich den Namen jenes Hospitals aber nicht ganz verstehe (des Mundschutzes wegen) erfrage ich lieber die Bus-Nummer und suche mir auf dem Plan selber das Krankenhaus raus.
Dort angekommen habe ich schon keine Lust mehr, mich untersuchen zu lassen. Gleich nach der Eingangstür stehen viele Menschen in mehreren Schlangen. Viele nicht sehr glücklich und vor allem nicht sehr gesund aussehende Menschen.
Ich sage einem Herren in Uniform im Eingangsbereich, dass ich Fieber habe, leicht erhöhtes, und frage, ob ich mich auch anstellen muss. Nö, ohne diesen und jenen Zettel muss ich nicht anstehen. Bringt nämlich nichts. Aber er weiß auch nicht, wohin ich dann soll. Also frage ich eine Krankenschwester. Die weist mich in gen Westen in einen Gang. Und da stehen dann auch Ärzte und Schwestern und Rezeptionistinnen, lesen am Tresen meinen Zettel und fragen ungläubig, für wen das denn sein soll. Jo, für mich. Sie sind falsch, das hier ist die Kinderabteilung. Hätte mir auch auffallen können. Aber ich soll in den zweiten Stock gehen. Der zweite Stock hier liegt aber brach. Alles ist recht heruntergekommen, Gitterstäbe verweigern mir zumeist den Durchgang.
Also geh ich mal wieder raus und rufe Jiang Lei an. Ich sage ihr, ich sei im 西北 Xibei-Krankenhaus, hier hat keiner ne Ahnung, also sagt sie, ich solle bitte ins 西京 Xijing-Krankenhaus fahren. Ich habe das Taxi gerade herbeigewinkt, da drehe ich mich noch einmal um und sehe, dass ich das zweite Zeichen einfach nur falsch gelesen habe und eigentlich schon richtig bin. Also gebe ich dem Laden noch eine zweite Chance und gehe zum selben Sicherheitsbeamten, diesmal mit den Worten: H1N1-Zentrum. Wo? Und jetzt versteht er. Bitte gen Osten gehen in den zweiten Stock. Ich gehe ins Treppenhaus in den zweiten Stock. Da ist zunächst nichts, aber hinter einer verschlossenen Tür kann ich reges Treiben erkennen. Also geht's die Treppen wieder runter, unten entlang weiter gen Westen und dann finde ich auch endlich den Anmeldeschalter. Ich fülle ein Formular aus, erhalte dafür ein Heftchen, einige Zettel und eine Magnetkarte und darf von außen den zweiten Stock betreten. Dieser ist also Quarantänezone.
Und wer denkt, mein bisheriger Aufenthalt hier war chaotisch, der darf sich eines besseren belehren lassen. Zunächst darf ich Schlange stehen, um im Voraus meine Untersuchung zu bezahlen (86 Yuan). Da ich während des Wartens bemerke, dass viele Menschen wie wild von einem Raum in den nächsten wandern und das ganze ein wenig kompliziert scheint, merke ich mir einfach das Jacket des Herren vor mir, um ihm später einfach zu folgen.
Die erste Station ist die Probenentnahme. Dazu wird einem ein ziemlich langer Wattestab in die Nase gerammt um Proben vom Gehirn zu nehmen. So fühlt es sich zumindest an. Nein, so fühlt es sich nicht nur an, so sehr schmerzt es auch. Aber wenn ich als Arzt im Akkord kranken Menschen Schnotten aus der Nase ziehen müsste, würde ich wohl auch nicht mehr viel Wert auf Vorsicht nehmen. Die einzigen Worte, die ich hier vernehme, sind: Drei Stunden! Drei Stunden muss ich also auf diese blöden Laborergebnisse warten. Ich dachte eigentlich, das ginge hier schnell.
Das Jacket habe ich aus den Augen verloren, gehe aber auf gut Glück in den nächsten Raum, stehe brav in der Schlange, vor dem Schreibtisch eines Arztes, nur um zu bemerken, dass jeder Hans und Franz nich gerade der Schlangen-Steh-Typ ist. Also donner auch ich dem Herren im Kittel nach gefühlter Ewigkeit mein Heftchen nur noch auf den Tisch und komme dann auch bald dran. Er erwähnt die 39 °C und fragt im selben Atemzug irgendwas. Verstehe ich natürlich nicht, weil es verdammt laut ist bei so vielen Menschen, der Arzt ne Maske trägt und kurz vor seinem Feierabend sehr genervt ist. Nein, habe ich noch nicht, sage ich einfach mal auf gut Glück, da ich denke, dass es sich um irgendetwas fiebersenkendes handelt. Na dann gehen sie mal zurück.
Aber zurück wohin? Kann er mir nicht erklären. Nein, will er nicht. Er ist ziemlich gereizt. Also geh ich auch nicht zurück. Zumindest zunächst nicht, denn ich habe Zeit. Ich hocke mich also auf einen Stuhl und penn eine Stunde. In dieser Zeit ist Arztwechsel und die Menschenansammlung wird etwas kleiner. Die nächste Ärztin fragt mich das gleiche, ich verneine abermals, sie erklärt mir aber, dass es sich um die Probenentnahme handelt. Die habe ich natürlich hinter mir, sollten die Torfköpfe auch an dem Stempel sehen, der mir dort gegeben wurde. Aber der ist schwach und nicht auf der ersten Seite platziert, also übersieht man ihn schnell. Ich bekomme also ein Rezept aufgeschrieben und den Hinweis erster Stock, also Erdgeschoss. Dass dieses groß ist, schein aber auch nur ich zu wissen.
Hier stehe ich dann erstmal überall dort an, wo sich Menschen mit Mundschutz anstellen. Und ich stehe ziemlich lange, bis mich das zuständige Personal darauf hinweist: Hier nicht! Bitte weiter gen Westen gehen. Das ergeht mir an ein paar Schaltern so, bis ich endlich bei der Medizinausgabe lande. Die bringt mir aber nichts, solange ich das Rezept noch nicht bezahlt habe. Das macht man an der Stelle, wo die Schlange am längsten ist. Aber hier werde ich dann tatsächlich meine zwei Yuan los und weiß zumindest, wohin ich anschließend mit dem Beleg muss.
Zwei Röhrchen Medizin werden mir gereicht und da gerade sonst niemand da ist, frage ich nochmal in Ruhe nach, ob sie wüssten, wo ich jetzt hin müsste. Jo, da wo die roten Stühle sind. Ich schaue nach links. Ich schaue nach rechts. Ich schaue hinter mich. Rote Stühle. Aha. Die gibt es hier nicht. Zumindest sind mir noch keine aufgefallen. Also überlegen sie etwas weiter. Ach ja, dritter Stock.
Dort angekommen frage ich oberhalb der Quarantänezone mal nach. Nein, dritter Stock sei richtig, aber eher oberhalb der Medizinausgabestation. Und nachdem ich ganz am Anfang in der Kinderabteilung gelandet bin, kommt nun zum Yin auch noch das Yang und ich lande in der Altenstation. Und da kenn die Chinesen nichts, die konfrontieren einen gleich mit der ganzen Realität: Die ganze Flurwand ist tapeziert mit abschreckenden Beispielen von Dekubiti, also wundgelegenen Stellen. Bis auf die Knochen kann man da schauen.
Nein, auch hier bin ich nicht richtig. Natürlich muss ich wieder in den zweiten Stock, in die Quarantänezone. Fantastisch. Meine Atmung ist heut heute sowieso schon ziemlich kurz und mit dieser Maske noch eingeschrenkter, da laufe ich gerne die Treppen rauf und runter.
Nach ziemlich langem Warten dort drücke ich irgendwann einer Schwester mein Tütchen mit den Röhrchen in die Hand, deren Inhalt sie gekonnt in eine Spritze zieht und diese dann in das Prachtexemplar meines Allerwertesten rammt. Was auch immer es ist, was sie dort reinrammt.
Danach schau ich auf die Uhr, es ist achte. Genau drei Stunden ist es her, dass mir etwas aus der Nase gezogen wurde. Also gehe ich zum Labor und lege sämtliche Zettel vor, die ich besitze. Ich hoffe, dass sie nicht die Magnet-Karte brauchen, denn die habe ich unlängst verloren. Nö, hier nicht. Dritter Stock.
Pff, dritter Stock. Da war ich. Da haben die mit Schweinegrippe nicht viel am Hut. Dennoch warten im Treppenhaus ziemlich viele Menschen. Ich brauche ein wenig bei dem schummrigen Licht, um zu realisieren, dass diese unter sich immer Stapel Papier hin- und herreichen und diese nach etwas suchend durchblättern.
Das müssen also die Probeergebnisse sein, die vertraulich im Gespräch unter tausend Augen mitgeteilt werden. Ich gesell mich einfach mal dazu und blätter diesen und jenen Stapel durch, wahrscheinlich ein paar auch doppelt und dreifach, bis ich irgendwann meinen Namen erspähe.
Die Zeichen darauf sagen mir nicht sonderlich viel, also frage ich mal bei einem Patienten nach und mir scheint, als hätte das erste Mal jemand hier eine richtige Ahnung: Mein Ergebnis ist negativ.
Ich darf endlich gehen. Glaube ich. Hoffe ich. Denn ich will nicht noch einmal einen Arzt aufsuchen. Also entferne ich mich, so schnell es geht, esse noch etwas und nehme dann ein Taxi, weil ich Menschenmengen heute nicht mehr sehen kann.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Spritze hilft, und dass mich der Stress und all diese Menschen, unter denen bestimmt jemand nicht ganz gesund war, letztendlich nicht doch noch krank gemacht haben.
Denn ich habe nicht vor, jemals wieder ein solches Krankenhaus betreten zu müssen.
Montag, 9. November 2009
Tag 254: Fieber.
Ich erwache. Aber nicht allein. Unter anderem erwache ich mit Fieber. Fieber hat mich schon lange nicht mehr heimgesucht, aber irgendwie muss ich es letzte Nacht aus der Disco mitgenommen haben. Fieber im nüchternen Zustand ist scheiße. Es ist penetrant und nervtötend und hält mich von jeglicher Arbeit ab. Es kommt mit zum Essen und zwingt mich dazu, nicht zu viel zu dir zu nehmen. Zudem verdirbt es mir den Geschmack. Es kommt mit auf das Klo und macht das ganze deutlich unangenehmer. Es belagert meinen ganzen Körper und macht sämtliche Bewegungen zur Qual.
Ich habe versucht, Fieber loszuwerden. Ich geselle mich zu den anderen und schaue mit 'Lost in Translation' einen der wohl langweiligsten Filme, die ich mir vorstellen kann. Fieber hingegen ist ganz fasziniert davon und will nun länger bleiben. Lege ich mich schlafen, ist Fieber schon vor mir im Bett.
Es scheint fast aussichtslos, Fieber heute loszuwerden. Doch dann komme ich auf eine glorreiche Idee: Ich biete ihm und mir ein in der Mikrowelle erhitztes Bier an. Dieses betäubt meine Zunge und es betäubt Fieber. Zunächst trete ich den Weg ins Bett alleine an. Ohne Fieber. Ich schlafe schnell ein, in der Hoffnung, viele Stunden zu verbringen, bis Fieber aus seiner Ohnamcht wieder erwacht.
Ich habe versucht, Fieber loszuwerden. Ich geselle mich zu den anderen und schaue mit 'Lost in Translation' einen der wohl langweiligsten Filme, die ich mir vorstellen kann. Fieber hingegen ist ganz fasziniert davon und will nun länger bleiben. Lege ich mich schlafen, ist Fieber schon vor mir im Bett.
Es scheint fast aussichtslos, Fieber heute loszuwerden. Doch dann komme ich auf eine glorreiche Idee: Ich biete ihm und mir ein in der Mikrowelle erhitztes Bier an. Dieses betäubt meine Zunge und es betäubt Fieber. Zunächst trete ich den Weg ins Bett alleine an. Ohne Fieber. Ich schlafe schnell ein, in der Hoffnung, viele Stunden zu verbringen, bis Fieber aus seiner Ohnamcht wieder erwacht.
Tag 253: Ais Prüfung.
Wie angekündigt findet heute die Prüfung von Frau Ai statt. Eigentlich hat sie angekündigt, dass diese recht leicht werden sollte, pro Hauptthema dürften wir uns ein Unterthema selber aussuchen und sollten darüber schreiben, unsere Niederschriften dürften wir mitnehmen, wenn auch gewünscht sei, dass wir nicht schon ganze Texte vorfertigten.
Hab ich auch nicht gemacht. Ich habe mich auf meinen Menschensachverstand und die Lehr-Fähigkeiten unserer Lieblingsprofessorin verlassen.
Frau Ai enttäuscht uns dann heute das erste Mal, da sie doch spezifischere Fragen stellt und man sich ganz und gar nicht ein Unterthema aussuchen darf. Ist mir egal. Ich habe einfach das richtige gelernt und sehe somit keine Probleme darin. Klingt ein wenig auffällig, aber ich habe zuvor wirklich keinen Kontakt zu ihr aufgenommen und mit Hinweise erspitzelt, um meine Mitstreiter auszustechen.
Kontakt nehme ich erst nach der Prüfung auf. Und zwar recht regen Kontakt. Per SMS. Womit sonst. Ich sage ihr, dass sie mir ruhig 100 Punkte geben darf. Und Rongo auch (in einem anderen Fach). Sie sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Prima. Zum Dank bekommt sie meine QQ-Nummer (chinesisches Chat-Programm) und sie verspricht, mich als guten Freund hinzuzufügen. Meine Einladung, uns heute ins 1+1 zu folgen, muss sie leider abschlagen, morgen hat sie Überstunden. Dennoch denke ich, bei ihr einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
Abends landen wir tatsächlich im 1+1, weil die HipHop-Open Aftershow-Party stattfindet mit dem DJ der Black Eyed Peas. Außerdem sind ein paar andere Freaks da. Die Musik ist okay. Der Laden leider zu voll, hauptsächlich von Ausländern, die scheinbar Vorrang bei der Ticket-Vergabe hatten (wie auch wir...). Ob das 1+1 sich einen großen Gefallen damit gemacht hat, die Tanzfläche aus Profitgründen mit Tischen vollzustopfen (man muss sich einen Tisch anmieten), bleibt zu bezweifeln.
Hab ich auch nicht gemacht. Ich habe mich auf meinen Menschensachverstand und die Lehr-Fähigkeiten unserer Lieblingsprofessorin verlassen.
Frau Ai enttäuscht uns dann heute das erste Mal, da sie doch spezifischere Fragen stellt und man sich ganz und gar nicht ein Unterthema aussuchen darf. Ist mir egal. Ich habe einfach das richtige gelernt und sehe somit keine Probleme darin. Klingt ein wenig auffällig, aber ich habe zuvor wirklich keinen Kontakt zu ihr aufgenommen und mit Hinweise erspitzelt, um meine Mitstreiter auszustechen.
Kontakt nehme ich erst nach der Prüfung auf. Und zwar recht regen Kontakt. Per SMS. Womit sonst. Ich sage ihr, dass sie mir ruhig 100 Punkte geben darf. Und Rongo auch (in einem anderen Fach). Sie sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Prima. Zum Dank bekommt sie meine QQ-Nummer (chinesisches Chat-Programm) und sie verspricht, mich als guten Freund hinzuzufügen. Meine Einladung, uns heute ins 1+1 zu folgen, muss sie leider abschlagen, morgen hat sie Überstunden. Dennoch denke ich, bei ihr einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
Abends landen wir tatsächlich im 1+1, weil die HipHop-Open Aftershow-Party stattfindet mit dem DJ der Black Eyed Peas. Außerdem sind ein paar andere Freaks da. Die Musik ist okay. Der Laden leider zu voll, hauptsächlich von Ausländern, die scheinbar Vorrang bei der Ticket-Vergabe hatten (wie auch wir...). Ob das 1+1 sich einen großen Gefallen damit gemacht hat, die Tanzfläche aus Profitgründen mit Tischen vollzustopfen (man muss sich einen Tisch anmieten), bleibt zu bezweifeln.
Freitag, 6. November 2009
Tag 252: Naturkatastrophen.
Helle Aufregung beim heutigen Gang zur Vorlesung. "Habt ihr das Erdbeben auch mitbekommen?" Nö, hab ich nicht. Aber scheinbar alle anderen. Und es soll wohl auch nicht ganz ohne gewesen sein. Und selbst Chinesen bestätigen mir später, dass da wohl eine architektonische Plattenverschiebung stattgefunden haben muss. Nun, so schlimm kann es nicht gewesen sein, sonst wär ich ja aufgewacht. Und die Risse in der Decke über mir, die sich durch das ganze Haus ziehen, dürften auch nur minimal größer geworden sein.
Jetzt bleibt zu hinterfragen, ob die Erde selber für das Beben verantwortlich ist, oder ob die Regierung, bzw. irgendein Wissenschaftler dahinter steckt. Denn in Peking haben sie ja schon zu Olympias Zeiten und auch zum Jahrestag der Volksrepublik die Wolken gemolken. Und heute denken sie sich wohl, wenn sie schon Regen machen können, dann schaffen die bestimmt auch Schnee. Jo. Schaffen sie. Und wie. 16.000.000 Tonnen Schnee kommt über Peking und seine Umgebung runter. Ein Meilenstein in der Wissenschaft. Und gleichzeitig doch eine abschreckendes Beispiel und unüberlegtes Handeln. Denn dass in Peking (wie überall in China üblich) am 15. November erst die Heizperiode beginnt (und am 15.3. endet, denn dann kommt der Sommer, bestimmt, das haben wir schon selber erfahren), hat niemand bedacht. So bibbern die armen Pekinger heute ganz schön. Und Staus gibt es wohl massig. Aber die gibt es in Peking sowieso zuhauft. Diesmal kommen aber noch Unfälle hinzu. Und Stromausfälle. Und wer für die 200 ausgefallenen Flüge aufkommt, bleibt auch noch zu klären.
Nun, liebe Wissenschaftler, weiter so. Ich frage mich, was ihr noch so hinbekommt: Künstliche, Tennisball große Hagelkörner? Gewitter über Spielplätzen? Tsunamis Richtung ungemochtes Land im Osten?
Wir werden's erfahren.
Jetzt bleibt zu hinterfragen, ob die Erde selber für das Beben verantwortlich ist, oder ob die Regierung, bzw. irgendein Wissenschaftler dahinter steckt. Denn in Peking haben sie ja schon zu Olympias Zeiten und auch zum Jahrestag der Volksrepublik die Wolken gemolken. Und heute denken sie sich wohl, wenn sie schon Regen machen können, dann schaffen die bestimmt auch Schnee. Jo. Schaffen sie. Und wie. 16.000.000 Tonnen Schnee kommt über Peking und seine Umgebung runter. Ein Meilenstein in der Wissenschaft. Und gleichzeitig doch eine abschreckendes Beispiel und unüberlegtes Handeln. Denn dass in Peking (wie überall in China üblich) am 15. November erst die Heizperiode beginnt (und am 15.3. endet, denn dann kommt der Sommer, bestimmt, das haben wir schon selber erfahren), hat niemand bedacht. So bibbern die armen Pekinger heute ganz schön. Und Staus gibt es wohl massig. Aber die gibt es in Peking sowieso zuhauft. Diesmal kommen aber noch Unfälle hinzu. Und Stromausfälle. Und wer für die 200 ausgefallenen Flüge aufkommt, bleibt auch noch zu klären.
Nun, liebe Wissenschaftler, weiter so. Ich frage mich, was ihr noch so hinbekommt: Künstliche, Tennisball große Hagelkörner? Gewitter über Spielplätzen? Tsunamis Richtung ungemochtes Land im Osten?
Wir werden's erfahren.
Tag 251: Schneiderstraße.
Schon lange hatten wir es vor, heute setzen wir es in die Tat um und fahren direkt nach dem Mittagessen zum Schneidermeister. Also zu einem von vielen. Schneidern soll hier günstig sein und einen maßgeschneiderten Anzug oder Mantel besitzt nicht jeder. Der Schneidermeister sitzt, wie könnte es hier anders möglich sein, in der Schneidermeisterstraße, die gleichzeitig auch die Stoffstraße ist. In China ist es nämlich üblich, dass man nicht unbedingt Nischen sucht, sondern sich zusammenrottet, um ein Geschäft zu eröffnen. So gibt es schon eine Fahrrad-Straße, eine Klimaanlagen- und Ventilatorenstraße, eine Rohr- und Schläuchestraße... und eben diese Stoff- und Schneidermeisterstraße.
Für das Geschäft muss es nicht unbedingt so gut sein, für uns Kunden aber umso mehr, denn wie könnte man sonst leichter die Preise vergleichen und sich das beste Angebot rauspicken, ohne kreuz und quer durch die Stadt zu reisen?
Wir kommen also an und schauen uns erst einmal die Läden an. Ziemlich zurückhaltend, keiner möchte so richtig den ersten Schritt wagen. Irgendwann teilen wir uns dann auf, da Thomas, Philipp und Nadine gerne einen Mantel hätten, Denis ein chinesisches Hemd, ich einen Anzug und bei Andreas wissen wir es zunächst gar nicht so genau. Ich gehe also in einen Laden, schaue mir die Stoffe an, stelle fest, dass mir eigentlich nur der schwarze gefällt (oder ich mir die anderen Farben und Muster noch nicht so recht vorstellen kann), werde vermessen, jo, der Mantel soll nicht zu eng und nicht zu weit sein, vom Schnitt her wie vom Meister da drüben, alles klar, 700 Yuan, Bitte schön, Danke schön und Tschüss. Nach fünf Minuten bin ich fertig. Andreas macht es mir gleich. In 15 Tagen dürfen wir das Stück abholen.
Die anderen treffe ich dann in verschiedenen Läden wieder. Sie haben alle entweder das Problem, dass sie keine schönen Stoffe finden, oder dass der Schneider keinen Katalog mit Mustern besitzt. Es könnte eigentlich einfach sein, wenn man sich im Stoffmarkt etwas vom großen Sortiment aussucht und dann zum Meister bringt, aber das wollen die Meister nicht. Ich frage mich, wer dann die Stoffe kauft.
Letztendlich werden dann doch alle, zumindest in unserer jeweiligen Fantasie (wie der Schneider es umsetzt, bleibt abzuwarten), zufrieden gestellt. Wenn der Meister seine Sache gut macht, kann er davon ausgehen, dass ich ihn abermals besuche. Es ist ja bald Weihnachten.
Abends gehen Lukas und ich endlich mal wieder zum Taekwondo (ist vor zwei Wochen ausgefallen, letzte Woche war Prüfung und Labor). Und wozu das ganze? Dazu, dass ich mir zweieinhalb Stunden lang demonstrieren lassen kann, dass ich vollkommen ungelenkig bin und vielleicht genauso lange Bänder habe, wie die anderen Kursteilnehmer, dafür aber viel längere Knochen und Gliedmaßen. Und mir wird beigebracht, was es heißt, Schmerzen zu haben. Und das ganze dann auch noch draußen in der Kälte, schwitzend, was der Gesundheit nicht gerade gut tut, aber daran denkt man hier nicht, da Chinesen nicht schwitzen können, glaube ich.
Allerdings mag es auch gut angehen, dass es nur so scheint, dass ich meine Beine nicht soweit auseinander bekomme, wie andere, dabei ist der Winkel bei den Oberschenkeln wahrscheinlich gleich, aber die Spanne bei den Füßen wirkt kleiner, weil ich O-Beine besitze und Chinesen traditionell X-Beine. Also wird mein Winkel ab den Knien wieder kleiner, der der Chinesen aber größer. Ja, das dürfte des Rätsels Lösung sein. Jetzt habe ich also während des Schreibens all meine Selbstzweifel wegtherapiert. Ich bin auch schon wieder ganz glücklich und werde meine Theorie nächste Woche dem Trainer klarmachen.
Für das Geschäft muss es nicht unbedingt so gut sein, für uns Kunden aber umso mehr, denn wie könnte man sonst leichter die Preise vergleichen und sich das beste Angebot rauspicken, ohne kreuz und quer durch die Stadt zu reisen?
Wir kommen also an und schauen uns erst einmal die Läden an. Ziemlich zurückhaltend, keiner möchte so richtig den ersten Schritt wagen. Irgendwann teilen wir uns dann auf, da Thomas, Philipp und Nadine gerne einen Mantel hätten, Denis ein chinesisches Hemd, ich einen Anzug und bei Andreas wissen wir es zunächst gar nicht so genau. Ich gehe also in einen Laden, schaue mir die Stoffe an, stelle fest, dass mir eigentlich nur der schwarze gefällt (oder ich mir die anderen Farben und Muster noch nicht so recht vorstellen kann), werde vermessen, jo, der Mantel soll nicht zu eng und nicht zu weit sein, vom Schnitt her wie vom Meister da drüben, alles klar, 700 Yuan, Bitte schön, Danke schön und Tschüss. Nach fünf Minuten bin ich fertig. Andreas macht es mir gleich. In 15 Tagen dürfen wir das Stück abholen.
Die anderen treffe ich dann in verschiedenen Läden wieder. Sie haben alle entweder das Problem, dass sie keine schönen Stoffe finden, oder dass der Schneider keinen Katalog mit Mustern besitzt. Es könnte eigentlich einfach sein, wenn man sich im Stoffmarkt etwas vom großen Sortiment aussucht und dann zum Meister bringt, aber das wollen die Meister nicht. Ich frage mich, wer dann die Stoffe kauft.
Letztendlich werden dann doch alle, zumindest in unserer jeweiligen Fantasie (wie der Schneider es umsetzt, bleibt abzuwarten), zufrieden gestellt. Wenn der Meister seine Sache gut macht, kann er davon ausgehen, dass ich ihn abermals besuche. Es ist ja bald Weihnachten.
Abends gehen Lukas und ich endlich mal wieder zum Taekwondo (ist vor zwei Wochen ausgefallen, letzte Woche war Prüfung und Labor). Und wozu das ganze? Dazu, dass ich mir zweieinhalb Stunden lang demonstrieren lassen kann, dass ich vollkommen ungelenkig bin und vielleicht genauso lange Bänder habe, wie die anderen Kursteilnehmer, dafür aber viel längere Knochen und Gliedmaßen. Und mir wird beigebracht, was es heißt, Schmerzen zu haben. Und das ganze dann auch noch draußen in der Kälte, schwitzend, was der Gesundheit nicht gerade gut tut, aber daran denkt man hier nicht, da Chinesen nicht schwitzen können, glaube ich.
Allerdings mag es auch gut angehen, dass es nur so scheint, dass ich meine Beine nicht soweit auseinander bekomme, wie andere, dabei ist der Winkel bei den Oberschenkeln wahrscheinlich gleich, aber die Spanne bei den Füßen wirkt kleiner, weil ich O-Beine besitze und Chinesen traditionell X-Beine. Also wird mein Winkel ab den Knien wieder kleiner, der der Chinesen aber größer. Ja, das dürfte des Rätsels Lösung sein. Jetzt habe ich also während des Schreibens all meine Selbstzweifel wegtherapiert. Ich bin auch schon wieder ganz glücklich und werde meine Theorie nächste Woche dem Trainer klarmachen.
Tag 250: Bleiche.
Im Bad entdecken wir Bleiche, die wir irgendwann mal gekauft haben. Was macht man denn mal damit? Fieberhaft sind wir auf der Suche nach irgendetwas, was man dem Chlor zum Opfer fallen lassen könnte. Letztendlich finden wir unsere Couch, die eigentlich orange sein soll, aber schon seit wir hier sind eher unschön wirkt, da die Sitzfläche total dreckig und verschmoddert ist. Zu allem Überfluss hat sich Hanna letztens noch darauf gesetzt und erst kurz nach dem Hinsetzen gemerkt, dass sich zwei Kakis zwischen Hinterteil und Stoff befanden. Die konnte man dann natürlich nicht mehr essen.
Nun, die Couch werden unsere Nachfolger wahrscheinlich sowieso austauschen müssen, also ziehen wir den Stoff ab und hauen ihn mal in die Waschmaschine. Da wir nicht wissen, wie viel Bleiche dazu gehört, hauen wir einfach mal die ganze Flasche hinterher. Sicher ist sicher. Eine Stunde Einwirkzeit steht drauf. Wir haben aber keine Stunde, da Vorlesung stattfindet. Drei Stunden lang. Und anschließend lassen wir es noch einmal eine Stunde drin. Dann finden drei Waschvorgänge statt, damit der Schwimmbadgeruch verschwindet.
Spät abends ist der Bezug getrocknet, aber immer noch orange. Viel mehr noch: Selbst die Sitzfläche ist wieder ziemlich orange. Der Dreck und Schmodder ist verschwunden. Sieht super aus.
Einziges Manko an der ganzen Sache: Der Grip, den die Sitzfläche vorher durch alle Fremdkörper hatte, ist verschwunden, man rutscht jetzt ziemlich leicht runter. Aber ich gebe dem ganzen noch ein paar Wochen, dann ist auch der wieder vorhanden.
Nun, die Couch werden unsere Nachfolger wahrscheinlich sowieso austauschen müssen, also ziehen wir den Stoff ab und hauen ihn mal in die Waschmaschine. Da wir nicht wissen, wie viel Bleiche dazu gehört, hauen wir einfach mal die ganze Flasche hinterher. Sicher ist sicher. Eine Stunde Einwirkzeit steht drauf. Wir haben aber keine Stunde, da Vorlesung stattfindet. Drei Stunden lang. Und anschließend lassen wir es noch einmal eine Stunde drin. Dann finden drei Waschvorgänge statt, damit der Schwimmbadgeruch verschwindet.
Spät abends ist der Bezug getrocknet, aber immer noch orange. Viel mehr noch: Selbst die Sitzfläche ist wieder ziemlich orange. Der Dreck und Schmodder ist verschwunden. Sieht super aus.
Einziges Manko an der ganzen Sache: Der Grip, den die Sitzfläche vorher durch alle Fremdkörper hatte, ist verschwunden, man rutscht jetzt ziemlich leicht runter. Aber ich gebe dem ganzen noch ein paar Wochen, dann ist auch der wieder vorhanden.
Tag 249: Wintereinbruch.
Chinesisch fällt heute morgen aus. Das ist super. Da kann man sich noch mal voll und ganz vom Wochenende erholen und muss erst um halb zwei vor die Tür. Draußen strahlt die Sonne und die Luft ist kühl und frisch, zumindest vom Fenster her feststellbar.
Draußen auf dem Fahrrad dann allerdings wirkt das ganze doch kühler, als angedacht. Letzte Woche ging es noch mit kurzer Hose und T-Shirt raus, heute aber reicht meine Jacke kaum aus.
Auf dem alten Campus sitzen wir dann im zunächst wohlgeheizten Vorlesungsraum, der aber immer weiter auskühlt, was kein Wunder ist, wenn der Flur zu vier Treppenhäusern führt, die sich jeweils im Freien befinden und somit die Klassenräume von zwei Seiten (mindestens) Außentemperaturen zu spüren bekommen und nur aus Beton bestehen.
Bei Frau Ais Vorlesung wird es dann noch einmal viel kälter, da unser Raum, für über 100 Studenten ausgelegt, nur von zehn einsamen Menschen bevölkert wird. Aber die frostige Stimmung passt zur Vorlesung, denn wir alle sind etwas betrübt, es ist die letzte vor der Prüfung, also auch die letzte Vorlesung von Frau Ai in unserem Leben!
Ich werde sie vermissen, die Professorin, die immer gut gelaunt ist, die immer klar und deutlich spricht, die ihr Haar immer auf eine ganz besondere Art und Weise nach hinten wirbelt, wenn sie sich von der Tafel zurück zu uns dreht, die englische Begriffe immer so aushaucht, dass einem ganz anders wird, die es in jeder Stunde geschafft hat, mich so an ihre Lippen zu fesseln, dass ich alles andere um mich herum vergaß.
Jetzt ist es vorbei. Draußen ist es auch dunkel und frostig und ich sehe mich gezwungen, im Outdoor-Laden neben dem Campus Handschuhe und etwas für den Hals zu kaufen.
Traurig und frierend fahren wir zurück.
Draußen auf dem Fahrrad dann allerdings wirkt das ganze doch kühler, als angedacht. Letzte Woche ging es noch mit kurzer Hose und T-Shirt raus, heute aber reicht meine Jacke kaum aus.
Auf dem alten Campus sitzen wir dann im zunächst wohlgeheizten Vorlesungsraum, der aber immer weiter auskühlt, was kein Wunder ist, wenn der Flur zu vier Treppenhäusern führt, die sich jeweils im Freien befinden und somit die Klassenräume von zwei Seiten (mindestens) Außentemperaturen zu spüren bekommen und nur aus Beton bestehen.
Bei Frau Ais Vorlesung wird es dann noch einmal viel kälter, da unser Raum, für über 100 Studenten ausgelegt, nur von zehn einsamen Menschen bevölkert wird. Aber die frostige Stimmung passt zur Vorlesung, denn wir alle sind etwas betrübt, es ist die letzte vor der Prüfung, also auch die letzte Vorlesung von Frau Ai in unserem Leben!
Ich werde sie vermissen, die Professorin, die immer gut gelaunt ist, die immer klar und deutlich spricht, die ihr Haar immer auf eine ganz besondere Art und Weise nach hinten wirbelt, wenn sie sich von der Tafel zurück zu uns dreht, die englische Begriffe immer so aushaucht, dass einem ganz anders wird, die es in jeder Stunde geschafft hat, mich so an ihre Lippen zu fesseln, dass ich alles andere um mich herum vergaß.
Jetzt ist es vorbei. Draußen ist es auch dunkel und frostig und ich sehe mich gezwungen, im Outdoor-Laden neben dem Campus Handschuhe und etwas für den Hals zu kaufen.
Traurig und frierend fahren wir zurück.
Tag 248: Dein Chinesisch ist echt spitze!
Halloween ist anstrengend, mich bekommt heute nichts so schnell aus dem Bett, zumal es draußen alles andere als schön ist. Aber dann fällt mir mein Kostüm auf, das heute zurück muss. Bis um sieben. Da ist es um 18:05 Uhr also tatsächlich Zeit, mal aufzubrechen.
Es ist Sonntag, ich könnte mal den Bus nehmen. Des Gewissens wegen. Und des Umweltschutzes wegen. Auch wenn die Taxis natürlich auch dann fahren, wenn ich nicht ihr Passagier bin. Aber auch am Sonntag ist Feierabendverkehr. Eine halbe Stunde später habe ich gerade mal eine Station hinter mich gebracht. Zu wenig, denn wenn das in dem Tempo so weitergeht, brauche ich fünf Stunden bis zur Ankunft. Zudem plärrt neben mir die ganze Zeit ein Balg, das viele besondere Wünsche hat: Es will sitzen, etwas trinken, sein Spielzeug, etwas essen... und der Mutter ist es egal. Lass das Kind mal heulen und schreien, zumindest sie hat sich dran gewöhnt.
Nä, das mach ich nicht mit. Ich steig aus und nenne dem Taxifahrer den Straßennamen. Und diese Aussage reicht ihm schon, um zur Erkenntnis zu kommen, dass mein Chinesisch "echt spitze" (很棒) sei. Vielen Chinesen reichen schon wenige Worte aus meinem Munde, um mich in höchsten Tönen wegen meiner Sprachkenntnisse zu loben. Schleimer. Ich frage danach meistens, wie sie zu der Erkenntnis kommen, nachdem ich nichtmal einen ganzen Satz gesagt habe. Irgendwie weichen sie dann immer aus.
Nun, auch diese Taxifahrt hat dann ein Ende und ich komme pünktlich eine Minute vor Ladenschluss beim Kostümverleih an. Die Frau ist schon etwas verärgert und die Tatsache, dass die Spitze vom Helm abgebrochen ist und von mir nur halbherzig geklebt wurde, lässt ihre Stimmung nicht aufhellen. Ist mir egal, ich sacke mein Geld ein, laufe etwas die Weststraße gen Osten, ernähre mich vollkommen ungesund und besteige einen Bus, der jetzt flüssig fährt und keine schreienden Kinder befördert.
Es ist Sonntag, ich könnte mal den Bus nehmen. Des Gewissens wegen. Und des Umweltschutzes wegen. Auch wenn die Taxis natürlich auch dann fahren, wenn ich nicht ihr Passagier bin. Aber auch am Sonntag ist Feierabendverkehr. Eine halbe Stunde später habe ich gerade mal eine Station hinter mich gebracht. Zu wenig, denn wenn das in dem Tempo so weitergeht, brauche ich fünf Stunden bis zur Ankunft. Zudem plärrt neben mir die ganze Zeit ein Balg, das viele besondere Wünsche hat: Es will sitzen, etwas trinken, sein Spielzeug, etwas essen... und der Mutter ist es egal. Lass das Kind mal heulen und schreien, zumindest sie hat sich dran gewöhnt.
Nä, das mach ich nicht mit. Ich steig aus und nenne dem Taxifahrer den Straßennamen. Und diese Aussage reicht ihm schon, um zur Erkenntnis zu kommen, dass mein Chinesisch "echt spitze" (很棒) sei. Vielen Chinesen reichen schon wenige Worte aus meinem Munde, um mich in höchsten Tönen wegen meiner Sprachkenntnisse zu loben. Schleimer. Ich frage danach meistens, wie sie zu der Erkenntnis kommen, nachdem ich nichtmal einen ganzen Satz gesagt habe. Irgendwie weichen sie dann immer aus.
Nun, auch diese Taxifahrt hat dann ein Ende und ich komme pünktlich eine Minute vor Ladenschluss beim Kostümverleih an. Die Frau ist schon etwas verärgert und die Tatsache, dass die Spitze vom Helm abgebrochen ist und von mir nur halbherzig geklebt wurde, lässt ihre Stimmung nicht aufhellen. Ist mir egal, ich sacke mein Geld ein, laufe etwas die Weststraße gen Osten, ernähre mich vollkommen ungesund und besteige einen Bus, der jetzt flüssig fährt und keine schreienden Kinder befördert.
Montag, 2. November 2009
Tag 247: Es ist Halloween. -II-
Um halb zwei schlage ich die Augen auf und blicke auf die Uhr. Jetzt muss es schnell gehen, der Prof ist bestimmt nicht begeistert, wenn wir in einer halben Stunde nicht in seinem Büro sind. Uns ist das Wasser ausgegangen. Ich habe aber Durst. Der Brand. Im Kühlschrank ist noch Bier, das Cathrin aus dem Ai Shang mitgehen lassen hat. Hilft ja nichts. Die Dehydration muss verhindert werden. Ich kippe es in einem Zug. Hilft aber nichts, die Vorlesung bringt nicht gerade das mit, was man als spannend bezeichnen kann.
Und dann ist es schon wieder Abend. Und um sieben Uhr müssen wir eigentlich in einem leerstehendem Gebäude auf dem Campus sein, weil hier die Feier des Jahrhunderts stattfinden soll. Eigentlich sollen wir Musik mitbringen. Und einen kurzen Gruselfilm. Und Arne soll einen Vortrag halten. Über Halloween. Nö. Machen wir nicht. Und warum nicht? Weil wir keine Zeit haben. Wir müssen uns ja wieder schminken und heute soll es etwas ausgefallener sein.
Ich bilde um halb acht die Vorhut und gehe alleine los. Ein aufgeregter Deutschclub-Leiter erwartet mich schon sehnsüchtig. Wir sind Ehrengast, das Highlight des Abends. Und ehe ich mich verseh steh ich auch schon auf der Bühne, mit dem Mikro in der Hand und bekomme das Zeichen, jetzt Action zu machen. Manchmal kotzt mich die chinesische Spontanität und Nichtweitergabe von Informationen ein wenig an. Denn spontan und auf Druck geht gar nichts. Ich bringe gerade mal ein "你好" raus. Aber da kocht schon die Menge. Und dann bin ich auch schon erlöst. Es folgt eine halbe Stunde Fotoshooting. Ich hasse Mobilfunktelefone mit Kameras dafür. Anschließend geht es weiter im straff durchgeplanten Abendprogramm. Ich glaube, wenn den Leuten hier nicht gesagt wird, was sie machen müssen, gehen die ein. Man kann sie nicht einfach in einem Partyraum platzieren und sich selbst überlassen. Deshalb ist der Deutschclub-Leiter auch ein wenig verzweifelt, als wir ihm beibringen, dass Arne garantiert keine Präsentation halten wird. Ist schließlich eine Party. Und Filme haben wir auch nicht gefunden. Und nein, auch keine Musik. Aber immerhin ein Party-Spiel. Und uns. Geschminkt und verkleidet. Muss reichen.
Die Party ist dann um zehn Uhr beendet. Kurz zuvor verlieren wir unsere Bierstaffel. Eine Schande. Also verkriechen wir uns schnell in die Hostel-Bar. Hilft ja nichts.
Auf dem Weg dahin haben wir sehr viel Spaß, ahnungslose Passanten zu erschrecken, indem wir uns langsam anschleichen und hinter ihnen stehen bleiben, sehr dicht. Oder indem wir laut schreiend vor sie springen. Von Halloween haben hier die Leute, die Bars fernbleiben, nicht die geringste Ahnung. Erwähnenswert ist, dass die Männer der Schöpfung lauter schreien und schneller das Weite suchen, als die Damen. Treffen wir auf ein Paar, so ist es stets der Fall, dass die Dame nach drei Metern anhält und sich beruhigt, während der Mann schon dreißig Meter weiter gesprintet ist. Ohne seine bessere Hälfte.
In der Bar passiert hingegen nichts erwähnenswertes. Dafür ruft der DJ aus dem Ai Shang oft an. Er verspricht Freibier. Ich bin ja so käuflich.
Dort erkennt man uns natürlich sofort. Und ich darf heute auch direkt rein, trage wegen des kalten Wetters heute keine Flip Flops. Sobald wir den Laden betreten, stehen auch schon zwei Service-Kräfte hinter uns, bepackt mit zwei Koffern Bier. Zwei große. À 24 Flaschen. Das nenn ich mal Freibier. Bei der Ersparnis (48 Flaschen x 15 Yuan ergeben 720 Yuan) könnte ich mir glatt das Kostüm noch kaufen und öfters losziehen, da werde ich fast noch reich. Aber auch die Rechnung der Betreiber geht auf: Denn ich nutze kaum etwas von unserem Freibier (dafür aber die zehn anderen), denn ich werde von Tisch zu Tisch gezerrt und muss überall eine Runde mittrinken. Und diese Leute müssen investieren dann ja quasi anstatt meiner.
Zunächst kriegen wir einen Tisch etwas weiter Abseits, aber nach einem kurzen Klogang meinerseits finde ich unseren Bier-Vorrat in bester Lage wieder. Da hat der DJ wohl ein paar Einheimische verscheucht. Ist mir aber egal.
Wir bedanken uns wieder mit heißen Tänzen.
Der Abend könnte perfekt sein, aber ein Tropfen Wehmut bleibt: Meinen Hahn finde ich nicht wieder.







Und dann ist es schon wieder Abend. Und um sieben Uhr müssen wir eigentlich in einem leerstehendem Gebäude auf dem Campus sein, weil hier die Feier des Jahrhunderts stattfinden soll. Eigentlich sollen wir Musik mitbringen. Und einen kurzen Gruselfilm. Und Arne soll einen Vortrag halten. Über Halloween. Nö. Machen wir nicht. Und warum nicht? Weil wir keine Zeit haben. Wir müssen uns ja wieder schminken und heute soll es etwas ausgefallener sein.
Ich bilde um halb acht die Vorhut und gehe alleine los. Ein aufgeregter Deutschclub-Leiter erwartet mich schon sehnsüchtig. Wir sind Ehrengast, das Highlight des Abends. Und ehe ich mich verseh steh ich auch schon auf der Bühne, mit dem Mikro in der Hand und bekomme das Zeichen, jetzt Action zu machen. Manchmal kotzt mich die chinesische Spontanität und Nichtweitergabe von Informationen ein wenig an. Denn spontan und auf Druck geht gar nichts. Ich bringe gerade mal ein "你好" raus. Aber da kocht schon die Menge. Und dann bin ich auch schon erlöst. Es folgt eine halbe Stunde Fotoshooting. Ich hasse Mobilfunktelefone mit Kameras dafür. Anschließend geht es weiter im straff durchgeplanten Abendprogramm. Ich glaube, wenn den Leuten hier nicht gesagt wird, was sie machen müssen, gehen die ein. Man kann sie nicht einfach in einem Partyraum platzieren und sich selbst überlassen. Deshalb ist der Deutschclub-Leiter auch ein wenig verzweifelt, als wir ihm beibringen, dass Arne garantiert keine Präsentation halten wird. Ist schließlich eine Party. Und Filme haben wir auch nicht gefunden. Und nein, auch keine Musik. Aber immerhin ein Party-Spiel. Und uns. Geschminkt und verkleidet. Muss reichen.
Die Party ist dann um zehn Uhr beendet. Kurz zuvor verlieren wir unsere Bierstaffel. Eine Schande. Also verkriechen wir uns schnell in die Hostel-Bar. Hilft ja nichts.
Auf dem Weg dahin haben wir sehr viel Spaß, ahnungslose Passanten zu erschrecken, indem wir uns langsam anschleichen und hinter ihnen stehen bleiben, sehr dicht. Oder indem wir laut schreiend vor sie springen. Von Halloween haben hier die Leute, die Bars fernbleiben, nicht die geringste Ahnung. Erwähnenswert ist, dass die Männer der Schöpfung lauter schreien und schneller das Weite suchen, als die Damen. Treffen wir auf ein Paar, so ist es stets der Fall, dass die Dame nach drei Metern anhält und sich beruhigt, während der Mann schon dreißig Meter weiter gesprintet ist. Ohne seine bessere Hälfte.
In der Bar passiert hingegen nichts erwähnenswertes. Dafür ruft der DJ aus dem Ai Shang oft an. Er verspricht Freibier. Ich bin ja so käuflich.
Dort erkennt man uns natürlich sofort. Und ich darf heute auch direkt rein, trage wegen des kalten Wetters heute keine Flip Flops. Sobald wir den Laden betreten, stehen auch schon zwei Service-Kräfte hinter uns, bepackt mit zwei Koffern Bier. Zwei große. À 24 Flaschen. Das nenn ich mal Freibier. Bei der Ersparnis (48 Flaschen x 15 Yuan ergeben 720 Yuan) könnte ich mir glatt das Kostüm noch kaufen und öfters losziehen, da werde ich fast noch reich. Aber auch die Rechnung der Betreiber geht auf: Denn ich nutze kaum etwas von unserem Freibier (dafür aber die zehn anderen), denn ich werde von Tisch zu Tisch gezerrt und muss überall eine Runde mittrinken. Und diese Leute müssen investieren dann ja quasi anstatt meiner.
Zunächst kriegen wir einen Tisch etwas weiter Abseits, aber nach einem kurzen Klogang meinerseits finde ich unseren Bier-Vorrat in bester Lage wieder. Da hat der DJ wohl ein paar Einheimische verscheucht. Ist mir aber egal.
Wir bedanken uns wieder mit heißen Tänzen.
Der Abend könnte perfekt sein, aber ein Tropfen Wehmut bleibt: Meinen Hahn finde ich nicht wieder.







Sonntag, 1. November 2009
Tag 246: Es ist Halloween. -I-
Morgen ist Halloween und wir sind gleich auf fünf Partys eingeladen. Weil auch in China der Trend des amerikanischen Feiertags überschwappt ist und jede Bar unbedingt eine Party schmeißen muss. Und selbst auf dem Campus soll was stattfinden. Und gut, dann folgen wir auch mal dem Trend und machen uns heute auf die Suche nach Kostümen.
Viel haben sie nicht anzubieten in den Kostümläden, das meiste sind bunte Outfits, haben aber nichts mit Grusel oder so zu tun. Somit kaufe ich mir zunächst nur einen Hahn, dessen After ausgehölt ist, um Platz für einen Lautsprecher mit Batterien zu schaffen, sodass der Hahn bei jeder Erschütterung anfängt zu krähen. Das ist ein guter Anfang, damit lässt sich bestimmt was machen. Ich liebe diesen Hahn schon jetzt. Aber dann finde ich doch noch ein chinesisches Ritterkostüm, wie die Terrakotta-Soldaten es tragen. Und es passt. 450 Yuan soll es kosten. Puh, ganz schön viel. Aber man kann es auch mieten, 50 Yuan pro Tag, ich schwatze der Verkäuferin zwei Tage für den gleichen Preis ab. Dazu gibt es noch eine Grusel-Maske. Fertig. Andy und Thomas gönnen sich jeweils Frauen-Kleider, Philipp improvisiert mit Hut und Axt, Luke macht einen auf Bad Taste, Cathrin ist eine Geisha, Denis wird Schminke einsetzen.
Gerade sind wir zurück am Campus, da schellt Denis' Telefon. Bambi lädt uns schon zur heutigen Halloween-Party ein. In der Hostel-Bar feiert man das ganze also an zwei Tagen. Und da gerade Freitag ist...
Also verkleiden wir uns schon heute. Meinen Hahn spieße ich dank ausgespartem After auf den Helm auf, was mich auf dem Hinweg fast zur Weisglut bringt, da er bei jedem Schritt kräht.
Und die Verkleidung scheint sich schon heute bezahlt gemacht zu haben, da wir so natürlich die Könige sind und sich die Leute wieder drum reißen, uns etwas auszugeben. Und da darf man ja nicht nein sagen.
Nach der Hostelbar ist dann noch lange nicht Schluss, wir fahren noch ins Ai Shang, wo wir abermals die Helden sind, trotzdem mir zunächst der Einlass verwehrt wird. Und warum? Weil ich anscheinend keine passenden Schuhe trage. Aber was passt denn besser zu einem Terrakotta-Krieger, als Flip Flops? Ich habe noch nie einen in Turnschuhen gesehen. Ist schon das zweite Mal nach den anscheinend falschen Fußballschuhen, dass meine Fußbekleidung zu gefährlich sei oder so. Aber auch hier zeigen wie auch schon der Türsteher, dass sie kein Verbot durchziehen können und bitten mich nach ein wenig Überredungskunst (sofern sie mich unter meiner Maske verstehen) fröhlich herein. Der DJ bedankt sich für unsere Tanzeinlagen auf dem Podest auf seine Art und zeigt uns einen Tisch, der gefüllt mit Bier ist. Da dürfen wir uns bedienen. Einfach so. Ohne Skrupel. Und meine Nummer bräuchte er noch. Wir müssen morgen wiederkommen. Unbedingt. Und dann ist es auch schon fünf Uhr.
Zeit, ins Bett zu gehen, denn morgen haben wir ausnahmsweise kein Labor, dafür aber Nachhol-Unterricht.
Aber halt! Auf der Straße fällt mir auf, dass mir mein Helm fehlt. Und keiner meiner treuen Gefährten trägt ihn mit sich, also rase ich zurück ins Ai Shang. Und irgendein Geistesblitz leitet mich schnurstraks zur kleinen Lücke zwischen Tanzpodest und DJ-Pult. Und da liegt er auch tatsächlich. Ich weiß nicht, wie ich auf dieses Versteck gekommen bin. Wahrscheinlich hatte ich diese Ritze noch genau in Erinnerung, da Denis kurz zuvor darein verschwunden ist und etwas Hilfe brauchte, um wieder rauszukommen.
Der Helm ist also wieder da, aber was ist das für eine Stille? Richtig. Der Hahn hat sich gelöst. Ist weg. Mein Hahn, meine Liebe. Ich finde ihn nicht wieder, kann nur hoffen, dass der DJ es findet und sich meiner entsinnt. Und nur diese Hoffnung lässt mich heute einschlafen.
Viel haben sie nicht anzubieten in den Kostümläden, das meiste sind bunte Outfits, haben aber nichts mit Grusel oder so zu tun. Somit kaufe ich mir zunächst nur einen Hahn, dessen After ausgehölt ist, um Platz für einen Lautsprecher mit Batterien zu schaffen, sodass der Hahn bei jeder Erschütterung anfängt zu krähen. Das ist ein guter Anfang, damit lässt sich bestimmt was machen. Ich liebe diesen Hahn schon jetzt. Aber dann finde ich doch noch ein chinesisches Ritterkostüm, wie die Terrakotta-Soldaten es tragen. Und es passt. 450 Yuan soll es kosten. Puh, ganz schön viel. Aber man kann es auch mieten, 50 Yuan pro Tag, ich schwatze der Verkäuferin zwei Tage für den gleichen Preis ab. Dazu gibt es noch eine Grusel-Maske. Fertig. Andy und Thomas gönnen sich jeweils Frauen-Kleider, Philipp improvisiert mit Hut und Axt, Luke macht einen auf Bad Taste, Cathrin ist eine Geisha, Denis wird Schminke einsetzen.
Gerade sind wir zurück am Campus, da schellt Denis' Telefon. Bambi lädt uns schon zur heutigen Halloween-Party ein. In der Hostel-Bar feiert man das ganze also an zwei Tagen. Und da gerade Freitag ist...
Also verkleiden wir uns schon heute. Meinen Hahn spieße ich dank ausgespartem After auf den Helm auf, was mich auf dem Hinweg fast zur Weisglut bringt, da er bei jedem Schritt kräht.
Und die Verkleidung scheint sich schon heute bezahlt gemacht zu haben, da wir so natürlich die Könige sind und sich die Leute wieder drum reißen, uns etwas auszugeben. Und da darf man ja nicht nein sagen.
Nach der Hostelbar ist dann noch lange nicht Schluss, wir fahren noch ins Ai Shang, wo wir abermals die Helden sind, trotzdem mir zunächst der Einlass verwehrt wird. Und warum? Weil ich anscheinend keine passenden Schuhe trage. Aber was passt denn besser zu einem Terrakotta-Krieger, als Flip Flops? Ich habe noch nie einen in Turnschuhen gesehen. Ist schon das zweite Mal nach den anscheinend falschen Fußballschuhen, dass meine Fußbekleidung zu gefährlich sei oder so. Aber auch hier zeigen wie auch schon der Türsteher, dass sie kein Verbot durchziehen können und bitten mich nach ein wenig Überredungskunst (sofern sie mich unter meiner Maske verstehen) fröhlich herein. Der DJ bedankt sich für unsere Tanzeinlagen auf dem Podest auf seine Art und zeigt uns einen Tisch, der gefüllt mit Bier ist. Da dürfen wir uns bedienen. Einfach so. Ohne Skrupel. Und meine Nummer bräuchte er noch. Wir müssen morgen wiederkommen. Unbedingt. Und dann ist es auch schon fünf Uhr.
Zeit, ins Bett zu gehen, denn morgen haben wir ausnahmsweise kein Labor, dafür aber Nachhol-Unterricht.
Aber halt! Auf der Straße fällt mir auf, dass mir mein Helm fehlt. Und keiner meiner treuen Gefährten trägt ihn mit sich, also rase ich zurück ins Ai Shang. Und irgendein Geistesblitz leitet mich schnurstraks zur kleinen Lücke zwischen Tanzpodest und DJ-Pult. Und da liegt er auch tatsächlich. Ich weiß nicht, wie ich auf dieses Versteck gekommen bin. Wahrscheinlich hatte ich diese Ritze noch genau in Erinnerung, da Denis kurz zuvor darein verschwunden ist und etwas Hilfe brauchte, um wieder rauszukommen.
Der Helm ist also wieder da, aber was ist das für eine Stille? Richtig. Der Hahn hat sich gelöst. Ist weg. Mein Hahn, meine Liebe. Ich finde ihn nicht wieder, kann nur hoffen, dass der DJ es findet und sich meiner entsinnt. Und nur diese Hoffnung lässt mich heute einschlafen.
Tag 245: Deutschland Deutschland gut gut.
Auf unserer Fahrt zum Heavy Metal-Konzert in der Moonkey Bar spult der Taxifahrer auch heute wieder den einstudierten Dialog runter:
- Student?
- Jo.
- Wie lange schon hier?
- Acht Monate.
- Woher bist du?
- Deutschland.
- Deutschland in Europa, sehr gut.
- Jo, gutes Land.
- Deutschland sehr gut.
- Warum gut?
- Technik gut. Autos gut. Mein Taxi ist VW. Hat nie Probleme. Bier gut. Land entwickelt. Gut. Gut.
- Welches Land ist dann nicht gut?
- Frankreich (hat mal einen gewissen Dalai Lama eingeladen). Und Amerika (ist sowieso immer blöd). Und natürlich Japan (wegen Besatzung im zweiten Weltkrieg und Massaker und sowas).
Die Reihenfolge der Fragen kann variieren, aber die Themen sind eigentlich immer gleich. Und da das irgendwann nervig ist, ergreife ich jetzt immer öfter die Initiative und frage die Herren, wie es denn um die Familie steht und anderen Smalltalk. Aber dann sind wir auch meistens schon angekommen.
Nach dem Konzert landen wir irgendwie noch im Salsa. Und zwar wirklich drin. Trotz eigentlicher Reisepass-Kontrolle bei Langnasen, die wir ohne Pass nicht bestehen. Und warum das ganze?
- Wir müssen rein, die Freundin wartet.
- Welches Land?
- Deutschland.
- Gut. Rein mit euch.
- Student?
- Jo.
- Wie lange schon hier?
- Acht Monate.
- Woher bist du?
- Deutschland.
- Deutschland in Europa, sehr gut.
- Jo, gutes Land.
- Deutschland sehr gut.
- Warum gut?
- Technik gut. Autos gut. Mein Taxi ist VW. Hat nie Probleme. Bier gut. Land entwickelt. Gut. Gut.
- Welches Land ist dann nicht gut?
- Frankreich (hat mal einen gewissen Dalai Lama eingeladen). Und Amerika (ist sowieso immer blöd). Und natürlich Japan (wegen Besatzung im zweiten Weltkrieg und Massaker und sowas).
Die Reihenfolge der Fragen kann variieren, aber die Themen sind eigentlich immer gleich. Und da das irgendwann nervig ist, ergreife ich jetzt immer öfter die Initiative und frage die Herren, wie es denn um die Familie steht und anderen Smalltalk. Aber dann sind wir auch meistens schon angekommen.
Nach dem Konzert landen wir irgendwie noch im Salsa. Und zwar wirklich drin. Trotz eigentlicher Reisepass-Kontrolle bei Langnasen, die wir ohne Pass nicht bestehen. Und warum das ganze?
- Wir müssen rein, die Freundin wartet.
- Welches Land?
- Deutschland.
- Gut. Rein mit euch.
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