

Ich habe mich entschieden, euch heute noch, vor meiner Exkursionswoche, über meine Aktivitäten der letzten Woche aufzuklären.
Alles begann mit dem Freitag vorm Tanz in den Mai. Genauergesagt begann es schon am Donnerstag. Da nämlich hat ja Werder gespielt. Nicht so toll, verloren auch noch, nämlich sehr hoch. Grundsätzlich hätte ich mich in den Schlaf weinen können, um schnell zu vergessen. Tat ich aber nicht. Ich habe lieber noch ein paar Mitbewohner, den Stefan, den Simon und den Dirk in einer Kneipe in der Stuttgarter City besucht und noch ein Bierchen verköstigt. Mit der letzten Bahn ging es nach zwölfe wieder Richtung Uni, in mein geliebtes Bettchen. Pustekuchen. In der Bahn trafen wir noch den Umut, ebenfalls ein Mitbewohner, der vom Frühlingsfest auf den Cannstadter Wasen kam und noch gar nicht so ins Bett wollte. Ihm zuliebe, ja, wirklich nur für ihn, sind wir also noch in die Wunderbar, einer Campus-Kneipe gegangen und vor lauter Tischfußballspielen vergaßen wir die Uhrzeit. Um vier war ich zuhause. Wär ja auch nicht schlimm gewesen, wenn ich nicht schon um acht wieder am anderen Ende der Stadt hätte sein müssen, um meine Mitfahrgelegenheit zu erwischen. Also gut, intensive zwei Stunden Powerschlaf waren also abgesagt. Ich musste ja schließlich auch noch meinen Abwasch von der ganzen vorherigen Woche erledigen, und somit schon um sechs wach sein.
Aber man schläft ja auch gerne mal noch ein halbes Stündchen länger. Vollkommen müde und erschöpft, sowie schon wieder verschwitzt, erreichte ich allerdings pünktlich noch meine S-Bahn. Zum Glück hatte ich noch die Zeit, sowie die Unlust (oder den Geiz?) überwunden, um mir ein Ticket zu kaufen, denn ich wurde das erste mal so richtig kontrolliert. Nun, soll vorkommen.
Der Rest ist reine Formsache; zu fünft saßen wir in einem schön geräumigen Wagen, meine Fahrerin heizte, hinten schliefen wir und so begab es sich, dass ich meinen Rucksack mit sämtlichen Skripten gar nicht mehr angepackt habe. Mag auch daran liegen, dass wir nur 5,5 Stunden bis nach Bremen gebraucht haben. Nun, das Wochenende verbrachte ich Freitag mit Bolzen und danach erholen, Samstag mit ner Fahrradreparatur (naja, ich habe reparieren lassen und mit klugen Ratschlägen und kühlem Bier zur Seite gestanden) und einem abendlichen Geburtstag (warum waren Torben und ich da eigentlich schon wieder die letzten?); Sonntag hatte ich ein Fußballspiel (naja, ich hab spielen lassen und mit klugen Ratschlägen und kühlem Wasser zur Seite gestanden), abends Fußball geguckt (gut, wieder Frust, aber war zu früh, um ins Bett zu gehen), danach lud ich noch Sebi samt Freundin zum Grillen (naja, diesmal hab ich auch wirklich etwas mitgegrillt, nachdem die Kohle mal wieder 2 Stunden brauchte, bis sie denn glühte), Montag war Gammeltag, bis Abends, da stand Tanz in den Mai in Brinkum auf dem Programm, vorher grillen beim David aus meiner Mannschaft (komisch, dass Torben und ich auch da fast wieder die letzten waren, wobei ich schneller zuhause war, als Torben, weil ich den klugen Fehler machte, mein Fahrrad anzuschließen, ohne
einen passenden Schlüssel dabeizuhaben); Dienstag hab ich nur noch mein Fahrrad abgeholt und war dann pünktlich um 16 Uhr am Cinemaxx, um meiner nächsten Mitfahrgelegenheit beizuwohnen. Diesmal habe ich mich auch wirklich intensiv mit Rechenwesen und Grundlagen Printmedien befasst, als ich allerdings gerade in so einem tollen Lernrausch war, waren wir auch schon in angekommen. Bremen Hbf - Stuttgart Hbf in 4,5 Stunden. Donnerwetter. Mittwoch und Donnerstag bin ich brav zu meinen Lehrveranstaltungen gegangen. Donnerstag Abend fand dann das Highlight eines jeden Erstsemest'lers statt: Das Kükenfest, und damit unsere "Entkükung", eine Taufe, sozusagen. Um 18 Uhr wurden wir zur HdM geladen, wo die Zweitsemest'ler uns
zusammenferchten und ersteinmal mit sämtlichen Wasserwurfgeschossen nass machten. War schön. Man blieb auch ganz ruhig, da jeder, der irgendwie aufmüpfig wurde, oder keine - wie befohlen - rote Rose mitgebracht hatte in einen der beiden eigens dafür angefertigten Pranger gestellt wurde, die Fingernägel lackiert bekam und auch sonst danach nicht wirklich gut aussah. Nach und nach, nachdem jeder eine kleine Prüfung bestanden hatte, wurden wir in die HdM gelassen, wo es auch schon gleich weiter ging.
Im Akkord hieß es dann: Schuhe aus, Wertsachen in diesen Beutel, dein Kürzel bitte und dieses T-Shirt anziehen.. Dann bekamen wir die Augen verbunden und wurden durch einen Parcours geführt. Erste Station Liegestütze (ich bin ja gut trainiert, mach ich doch locker.. bis gestern hatte ich aber doch noch Muskelkater), als Belohnung gab es einen Schnaps. Wodka mit Tabasco oder so. Grandios, der brennt gleich doppelt so stark. An der nächsten Station lautete die Devise, auf
die Knie zu gehen und durch ein Planschbecken mit Schleim (war es Wackelpudding?!) zu robben. Danach wurden einem die Haare geschoren. Ein Glück, dass man vorher die Scheren aus dem Rasierer genommen hat, somit habe ich noch immer die Haare schön. Dann wieder trinken, Wodka mit Haferflocken. Eine Konsistenz, die bestimmt nicht nur bei mir einen starken Brechreiz hervorrief. Danach wieder durch Schleim robben, noch einen Schnaps (Wodka mit Karotten oder so!?), dann wurde man nochmal ganz mit Schleim überzogen, auch die Haare schön, dazu ein bisschen Ketschup und letztendlich die Federn. Wir sollten ja Hühner und Hähne werden, nehm ich an. Anschließend bekam man die Augen wieder freigemacht und wurde sogleich darauf fotografiert.
Nach dem Austeilen der Wert-Karte für Getränke ging es in den oberen Stock. Viele wuschen sich da sofort wieder. Eine Sache, die ich, wie schon einst erwähnt, vollkommen überbewertet hielt. Auch meine Schuhe habe ich erstmal versteckt und lief noch zwei Stunden barfuß rum (als ich dann mal dringend auf's Örtchen musste, kamen sie wieder an die mittlerweile sehr dreckigen Füße). Oben gab es in den verschiedenen Vorlesungsräumen verschiedene Areas, die sich auch ziemlich schnell füllten. Am tollsten war für mich dann doch der Karaoke raum und ich sang mich mit einigen Mitbewohnern in einen Rausch. Voll in Rage ging man mit der Musik ab und missachtete (oder bekam ihn gar nicht mit?) den mahnenden Finger und die Rufe des DJ's. Und dann war es zu spät. Die Bühne ist unter den Füßen uns hüpfender, begeisterter Jungs zusammengebrochen. Was bin ich froh, dass die HdM anscheinend überall noch Reservebühnen hat. Ich hab mich da auch erstmal nicht wieder blicken lassen. Vorerst nicht. Etwas später trafen sich alle wieder unten ein, wo es zur Masterst
rafe, diesmal mit Publikum ging. Seit Monaten wurde ich von meinen Mitbewohnern genervt, dass ich garantiert eine bekommen würde, dafür würden sie sorgen. Ich sollte mir doch schonmal die Beine rasieren, bevor das Kaltwachs kommt, ordentlich Muckis anschaffen, bevor ich strippen und dann den Flitzer spielen müsste und so weiter. Aber nichts war, es gab keine Liste, wo mein Name drauf stand. Also gut, bevor ich mich schmollend in die Ecke setze ob der nicht eingehaltenen Versprechungen der Mitbewohner, bin ich kurzerhand selber auf die Bühne getreten und hab mich freiwillig gemeldet. Die Beinrasur wurde mir erspart (hierbei kam auch nur ein Rasierer zum Einsatz), ich musste lediglich mit einem Becher zwischen den Beinen aufm Stuhl sitzen und darauf hoffen, dass mein blinder Gegenüber mit der Gießkanne auch wirklich alles trifft. Na gut, am Ende war mein Schritt nass, aber das war dann auch egal. Als ich fertig war, ging's wieder nach oben. Dort diente ich erstmal ohne zu wissen als laufendes Werbeschild für einen Likör, den es für einen Euro zu kaufen gab. Nun, dieser Likör nannte sich aber "F*cken". War trotzdem schön, ich bin auf positive Resonanz gestoßen. Ungünstigerweise waren die Getränkewertkarten jeweils nur für 10 Euro zu kaufen. Somit hatte keine der reizenden Damen Kleingeld und ich konnte auch nicht wechseln. Um drei Uhr war dann leider schon Schluss und anstatt einer Dame nahm ich nur einen Komilitonen mit nach Hause, der seine Bahn verpasst hatte.
Mein Zimmer ist imm
er noch voller Federn, das T-Shirt und die Hose jetzt erst endlich in der Wäsche, aber insgesamt war es eine sehr coole Party. So, ich komm dann mal zum Freitag, auch wenn ich weiß, dass ich schon wieder viel zu viel schreibe und immer noch nichts gefrühstückt habe.
Freitag bin ich pünktlich um halb zwölf wachgeworden. Pünktlich zu Informatik-Ende. Schon wieder war ich nicht da. Wie kommt man auch bloß darauf, eine Lehrveranstaltung auf einen Freitag zu legen? Ich denke aber mal, dass ich nicht der Einzige war, der diese wunderbare Vorlesung verpasst hat.
Meine Mitbewohner hatten für den Freitag Abend eine Grillparty bei uns auf dem Dach geplant. Irgendein Idiot hatte aber die Tage vorher unser Grillrost, das Runde, zum Grill passende, geklaut. Aber was wären wir für Studenten, wenn der Dirk wo immer Rülpsen tut nicht einen idealen Einfall gehabt hätte. Mit einer gewagten Konstruktion aus einem Backofenrost und zwei Gabeln trug er zu einem wesentlichen Erfolg des Abends bei. Wir dachten allerdings schon an einen Reinfall, da der Grill wie angekündigt um sechs Uhr an war (und zwar volle Pulle) und bis um viertel nach sieben noch immer niemand da war. Dann füllte sich aber langsam der Balkon und wir waren bestimmt an die vierzig Leute. Der Grill war bis zwölf Uhr immer voll belegt. Allerdings müsst ihr euch mal vorstellen, was die Frauen gemacht haben: Die hatten wohl nichts besseres zu tun, als am Nachmittag Gemüse zu schnibbeln und einen sogenannten Salat zu erstellen. So ein Schmarrn. Das fliegt doch alles locker duch das Rost durch und ist somit ungrillbar. Aber gut.
Desnachts regnete es dann das erste mal seit Wochen. Hach, was für ein lieblicher Geruch in der Nase, den so ein frischer Regen erzeugt. Schnell war die Terrasse aufgeräumt und der harte Kern fand sich im Keller wieder. Ein armer Bursche aus dem Apartements gegenüber war auch da. Dieser Bursche hat aber den Fehler gemacht und seinen Schlüssel in der Bude gelassen. Wir, als nette Leute, wollten ihm natürlich helfen, aber nachdem seine HdM-Karte das zweite Mal im Rahmen abgebrochen ist, war klar, dass wir ihm wohl Asyl gewehren müssten. Letztendlich durfte mein schönes Feldbett wieder herhalten. In den Apartements gegenüber wohnt auch so eine schöne Wasserstoffblondine. Allerdings lieben wir nur ihre Rückansicht, die sehr perfekt zu sein scheint. Von vorne lag sie wohl schon zu lange im Solarium oder sie hat sich erst im hohen Alter dazu entschlossen, zu studieren. Nun, in ihrer Tür steckte noch ihr Schlüssel von außen. Drinnen schien es dunkel. Und bevor da jetzt ein Einbrecher kommt, klär ich die Dame doch mal auf. Also bin ich rein. Sie schlief. Es war dunkel. Dann habe ich sie aufgeklärt, aus dem Türrahmen heraus (nachher denkt sie noch böses von mir, wenn ich mich nähere). Es kam nur ein verschlafenes "jaaaaa, danke, tschüss". Meine nettgemeinte Frage, ob ich mich zu ihr setzen soll, um sie zu unterhalten, lehnte sie dankend ab. Ich habe ihr noch eine angenehme Nachtruhe mit süßen Träumen gewünscht und verließ ihr Zimmer mit einem zarten "Ich liebe dich". War schön. Kurz darauf sind wir noch ins internationale Zentrum gegangen, da war ne Party, die aber auch schon fast zu Ende war. Eigentlich wollte ich auch nur nochmal dahin, um auf die Wackelbrücke zu gehen. Manchmal nämlich, wenn es mich nachts überkommt, dann stehle ich mich ausm Wohnheim und laufe zur Wackelbrücke, wackle ein wenig und laufe wieder zurück ins Bettchen. Das ist immer prima und ich schlafe mit einem Lächeln im Gesicht ein. Das sind meistens die schönsten Nächte.
Am gestrigen Samstag habe ich nichts gemacht. Meine Mitbewohner, die guten, waren alle mit Samt weg. Ich hätte mich zum griechischen (der Nachname lässt darauf schließen) Mathematikstudenten gesellen können. Zusammen hätten wir uns fabelhaft gegenseitig anschweigen können. So eine Pfeife. Den mobben wir bestimmt noch raus. Am Freitag war ich zweimal in seinem Kahlem raum, um ihn zu überzeugen, doch auch noch grillen zu kommen. Aber er habe "ja gar nichts zum Grillen" dagehabt. Pfeife, man kann auch so kommen. Als ich zum dritten Male reinkommen wollte, hat er irgendwas unter die Türklinke gestapelt.. Vielleicht vertraute er seiner Konstruktion mehr, als einfach abzuschließen. Man weiß es nicht.
Also habe ich nichts gemacht, außer alle chinesischen Zeichen auf Karteikärtchen zu bringen. Zum Lernen heute. Nebenbei lief Fußball, sämtliche Filme und gegessen hab ich auch noch. Letztendlich saß ich zehn Stunden daran. Ein trostloser Samstag, zumal es auch nur trüb war und öfters mal regnete.
Morgen geht es also auf Exkursion. Stellt euch mal vor: Ich muss um halb sieben am Bahnhof sein! Wie früh ich da wohl aufstehen muss. Zum Glück viel mir heute morgen ein, dass ich noch waschen muss. Die Wäsche läuft, während ich euch schreibe. Dürfte fertig sein, und da dauernd Leute mit vollgepackten Ikea-Täschchen in den Waschraum laufen und auch ebenso vollgepackt wieder rauskommen, wär es wohl besser, wenn ich sie jetzt wieder raushole und wenigstens eine Waschtrommel freimache.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen aus dem Süden und melde mich demnächst wieder.
Mirko aka oeRque

Du weißt doch, dass Deine Tante unter Zwerchfell leidet. Nach Lesen Deines Berichtes geht es mir wieder arg schlimm. Hab' Dich trotzdem lieb.
AntwortenLöschenTante Ingeborg