Wie schon berichtet, sahen mein Bruder und ich uns Anfang der Woche dazu gezwungen, der vollkommenen Abhängigkeit der Natur, die uns hier zuhause im Bezug auf fließend Wasser und warme Nahrung erreicht hätte, zu entfliehen. Und wie schon erwähnt, dauerten die Pläne dafür sehr lange und endeten darin, dass wir die einst so gut ausgeklügelten über den Haufen warfen und statt nach Italien, Frankreich oder Griechenland doch nach Rijeka in Kroatien flogen.
Dienstag am frühen Nachmittag flog unsere Maschine von Hannover los, wir kamen knapp eine halbe Stunde vor eigentlichem Abflug an und hatten Glück, noch einchecken zu können, da der Flug eine halbe Stunde Verspätung hatte. Aufgrund dieses Zeitmangels mussten wir übrigens auch wieder in die viel zu teure Hochgarage fahren. Wie Torben sehe auch ich mich dazu gezwungen, sie irgendwann abzureißen. Oder einen Anschlag drauf verüben. Aber gut, erstmal wollten wir jetzt wegfliegen.
Unsere Sitznachbarn im Flugzeug erwiesen sich als Hardcore-(Alkoholiker-)Schwuchteln, die ihr Liebesnest in einer einsamen Pension auf Istrien, irgendeiner Halbinsel nahe Rijeka, beziehen wollten. Hach, begeistert waren die beiden Schnapsdrosseln, die im Flieger mit Weißwein und Gin-Tonic auf ein paar Wochen Happyness anstießen, von ihrem Kroatien, das sie jetzt das vierte Mal infolge besuchten. Während des gesamten Fluges durfte ich mir dann alles über Istrien anhören, was er erlebt hat und so weiter. Das ganze natürlich mit dieser möchtegern-verstopften Nase und ein paar albernen Lachanfällen. Romantische Hotels konnte er mir empfehlen, die Abgeschiedenheit und so weiter, natürlich all das, was unseren Budget-Rahmen deutlich sprengen würde. Totgelacht hätte er sich bei vielen Details, die ihm aufgefallen sind, zum Beispiel, dass die Stadtbusse seine alten Schulbusse seien und so.
Danach konnte er mir noch zu jeder Stadt, die TUIfly anfliegt etwas sagen. Es sei sein Job, er war nämlich Landschafts- und Stadtplaner.
Gelandet sind wir dann endlich irgendwann auf dem schönen beschaulichen ehemaligen Militärflughafen der vokallosen Insel Krk, von dort sollte es mit Bus weitergehen. Unsere Flugnachbarn sollten sich auch dort wieder neben uns setzen und weiter von Istrien schwärmen, als wollten sie uns auch dafür begeistern und indirekt einladen. Dankend haben wir durchdringen lassen, dass wir nur nach Rijeka und auch schon wieder zurück wollten.
In Rijeka ging es erstmal was essen, das fiel bei uns schließlich morgens aus besagten Gründen aus. McDonald's war wieder das Ziel, das Torben ansteuerte und als Krüppel konnte ich mich schlecht dagegen wehren.
Wer nun allerdings glaubt, in Kroatien in einem Land zu sein, das vor kurzem noch Kriegsschauplatz (also gut, ist schon etwas her) war und zudem noch im Osten liegt und daher billig sein sollte, der täuscht sich. Diese Stadt ist unwesentlich günstiger als Deutschland und somit passten die Hotels auch nicht wirklich in unseren Budget-Rahmen. Trotzdem suchten wir am Informationscomputer nach einer Lösung, irgendwo sollte nämlich eine Jugendherberge geöffnet haben, hatte ich vorher im Internet gelesen. Kaum hatten wir aber zu klicken begonnen, kam eine nette, junge Dame, hübsch dazu, allerdings mit der Peter Maffay-Gedächtniswarze (gut, dagegen gibt's ja heute auch Mittel..) zu uns und fragte, ob wir eine Sleeping Location suchten, sie hätte da was anzubieten für deutlich weniger Geld, als die Hotels. Nach kurzer Beratung entschieden wir uns, das mal anzuschaun. Durch die schöne Innenstadt wurden wir geführt in zwei Nebenstraßen, landeten in einem schäbigen Hinterhof eines allten, von außen dreckigen Hauses und verschwanden in einem seiner Eingänge. Einen Stock höher durften wir in ihre Privatwohnung und dessen Gästezimmer beziehen. Sah letztendlich doch recht nett aus, mit Fenster und Ventilator und Tisch und Schrank und drei Betten. Wir löhnten im Voraus, bekamen Schlüssel und noch das Bad gezeigt. War auch akzeptabel. Die Rucksäcke konnten wir dort lassen, was nett war, denn darunter schwitzte man schon ordentlich, selbst am Abend. Wertsachen nahmen wir aber lieber mit. Sicher ist sicher. Die Mutter versicherte uns, dass wir in der Nacht kommen konnten, wann wir wollten. Sie wusste, dass wir es auf den Alkohol abgesehen haben.
Und tatsächlich, das Bier dort konnte man sich schon günstiger reden/trinken, als es womöglich am Ende war. Wir besuchten also am Abend ein paar Bars und verköstigten ein, zwei Bierchen, dazu einen günstigen Cocktail und gingen bereits um halb eins zurück um zu schlafen.
Die Nacht war allerdings eher eine Qual, denn der Ventilator brachte nichts und durch das geöffnete Fenster drang auch nichts ein. Während meiner Träume verfestigte sich in meinem Kopf die Theorie, der Ventilator würde die warme Luft immer wieder von der kalten trennen und somit einen Austausch unmöglich machen und überhaupt träge er zu einer Verkühlung bei. Also schaltete ich ihn ab, trotz Protestes von Torben. Aber gut, auch diesmal siegte er wieder gegen seinen Krüppelbruder.
Der darauffolgende (ganze) Tag war eher unspektakulär. Rijeka hat nicht viel zu bieten, außer Hitze. Aber einen Strand suchte man vergebens, trotzdem Rijeka am Meer liegt. Stattdessen gibt's einen hässlichen Hafen, viele dichtbefahrene und laute Straßen und Gulli-Gerüche. Also verbrachten wir den Tag mal hier, mal da, mussten zwischendurch ins Internet-Kaffee und noch einen Flug buchen, nämlich von Stuttgart nach Hannover zurück. Da das Internet aber nicht so fortschrittlich war, konnte es die letzte entscheidene Seite nicht öffnen und wir waren umsonst da.
Zwischendurch aßen wir noch etwas beim Subway (wirklich typisch kroatisch!) und setzten uns am Ende in nen Park, leerten ein paar Büchsenbierchen und warteten darauf, bald in einer Kneipe Werder zu gucken. Auch das war recht nett, wir gewannen, die glatzköpfigen kroatischen Fans vor uns erwiesen sich als weniger fanatisch, als befürchtet und nach ein paar weiteren Bierchen ging es durch die Stadt in einen nahegelegenen Park mit Bäumen, den wir vorher auf ner Karte ausfindig gemacht hatten. Dort wollten wir uns schlafen legen. Ein kleines Museum in diesem Park bot einen netten Eingangsbereich, den wir sofort nutzten. Ich breitete eine Decke aus und lag mich auf sie. Torben wollte sich lieber drunter legen. Sicher, die vorherige Nacht hatte ja auch gezeigt, dass man in Kroatien des Nachts öfter mal erfriert. Letztendlich sahen wir am morgen, dass er eigentlich gar keine Decke mehr hatte, sondern nur aufm Beton lag, aber es schien ja nicht gestört zu haben. Um kurz vor sechs klingelte der Wecker, mittlerweile liefen auch der ein oder andere Mensch an uns vorbei. Auf dem Weg zum Bus begrüßten wir noch unsere unmittelbaren "Nachbarn" vom Polizeirevier und um halb sieben ging der Bus Richtung Krk zurück.
Dort in der Schlange beim Check-In waren wir die fünften. Und mussten trotzdem über zwanzig Minuten warten. Ich frage mich bis heute, ob wirklich alle rechtzeitig im Flieger saßen, oder ihn wegen des Check-Ins verpasst hatten. Unsere letzten Kunas investierten wir schnell noch in das ein oder andere nichtalkoholische Getränk und freuten uns, irgendwann im Flieger zu sitzen.
In Stuttgart angekommen freuten wir uns über nette 12°C, allerdings mit Sonnenschein, bestiegen die S-Bahn und fuhren gen Uni. Dort in die HdM, schnell den Rückflug für den Nachmittag gebucht und in meine Butze, Briefkasten leeren. Erfreulich war das, neben den ganzen Spiegeln fanden sich ein paar Postkarten an und nur eine Rechnung, da war ich erleichtert. Danach schickte ich Torben mit Rad zum Einkaufen, ich bevorzugte die Dusche. Wir stanken erbärmlich.
Frisch geduscht verputzten wir schnell unsere Pizza und legten uns schlafen. Um fünf ging der Flug, für halb vier stellten wir uns den Wecker. Widerwillig standen wir gegen vier auf, mussten noch abwaschen und dann zur S-Bahn. Dort kamen wir um zehn nach vier an, verpassten natürlich die Bahn und weil das Streckennetz Stuttgart so toll ist, mussten wir ne Viertelstunde auf die nächste Bahn warten, die auch irgendwie noch langsamer zu fahren schien, als sonst.
Aber gut, um zwanzig vor fünf kamen wir im Flughafenschacht an, genau wie geschätzte tausend andere, die sich alle mit großen Koffern auf vor der einzigen Rolltreppe einreihten. Sie übersahen zum Glück den Aufzug dahinter, wir nicht und so kamen wir relativ schnell nach oben.
Eine nette Dame von TUIfly schickte uns zu einen ganz leeren Schalter, damit wir schnell durchkamen. Doch dort wurde mir aber mitgeteilt, dass man mindestens ne halbe Stunde vor Flug einchecken müsste, das wär jetzt zu spät. Nach etwas Überzeugungsarbeit akzeptierte die Pfeife hinterm Schalter dann doch, meinen Ausweis zu nehmen und kurz Kontakt mit den Leuten vom Flieger aufzunehmen. Kein Problem sei das, wir müssten nur schnell machen. Alles klar, der Herr gab meine Daten in den Computer ein und sah dann, dass wir gar nicht gelistet waren. Prima. Eine Buchungsbestätigung konnte ich an der HdM auch nicht ausdrucken, hatte somit nichts in der Hand. Ein leichtes Grinsen konnte ich im Gesicht des blöden Schaltermenschen erkennen, als er mir mitteilte, der nächste Flug würde frühestens am nächsten Morgen gehen aber für diese komischen Studententickets sowieso nicht. Cool bleiben, oeRque.
Am Informationsstand von TUI fragten wir also artig nach dem nächsten Flug und ob wir dort buchen könnten. Nein, das ginge nur online oder telefonisch, was aber schweineteuer war. Aber unten gäbe es Internet. Also gut, runter. Toll, dass der Flughafen über Wireless-Lan verfügt. Nur blöde, wenn man keinen Computer dafür dabei hat. Und das dann auch noch als "Internet" zu bezeichnen.. Naja, wir sind schleunigst wieder hochgelaufen um an den tollen Internet-Computern für den Online-Check-In mal zu gucken, was man da noch machen kann. Und siehe da, wir konnten uns einloggen. Der nächste Flug für uns wäre aber erst Sonntag gewesen. Viel zu spät, heute haben wir nämlich Mannschaftsessen und im Hinterkopf war ja immer noch das viel zu teure Parkhaus von Hannover. Aber dann sah ich es: Unter Buchungsübersicht war deutlich einzusehen, dass der Flug für heute nach Hannover wohl gebucht war für uns und die Bestätigung konnte ich widererwartens sogar hier ausdrucken (normalerweise können die TUI-Computer nämlich nichts, haben kein Papier, stürzen ab oder die Tastatur ist so kaputt, dass man oft mit nur einer Taste gleich drei weitere mittippt). Währenddessen kam die nette Dame wieder zu uns und frage, ob alles in Ordnung sei. Mit Schweiß auf der Stirn, unter den Achseln und in den Augen, was aber eher einer Träne glich und verweinter Stimme (weil noch außer Puste vom Treppenlaufen) brachte ich ein "Nein, nichts ist in Ordnung" hervor und erzählte die Story, dass wir nicht gelistet seien, obwohl ich jetzt einen Beweis hätte. Und die nette Dame wurde immer noch netter, ließ einen extra Schalter für uns eröffnet, bestätigte, dass sie uns shcon vor ner Stunde hier gesehen hätte, was ich schleunigst etwas runterkorrigierte (wegen des Gewissens.. ich kann so schlecht lügen) und auf ne Dreiviertelstunde brachte. Mittlerweile war es 16:53 und wir hatten noch sieben Minuten Zeit und auch der neue Mann am Schalter tippte uns schnell noch rein und die nette Frau funkte mit den Leuten vom Flieger und der Kontrolle, durch die wir ja auch noch durchmussten. Der blöde Mann vom Schalter gegenüber hatte zum Glück gerade Pause, konnte mit all dem nicht konfrontiert werden. Um 16:58 oder so wurde uns mitgeteilt, dass wir so schnell wie möglich zum Tor 333 sollten, dort würde schon auf uns gewartet und so. Alles klar, der Krüppel rannte also, so schnell er konnte, schmiss seinen Rucksack auf das Band zum Scannen, seine Krücken hinterher und vergaß natürlich das Portmonnaie. Das war aber nicht der Grund für's Piepen nachher, sondern vielmehr meine Schiene am Knie. Aber ich dachte mir nichts dabei, schließlich hatte ich den Krüppelbonus und wurde noch nie weiter kontrolliert, sondern wohl als einziger Passagier einfach so weitergewunken.
Nur diesmal war da so ein neunmalkluger Aufpasser. So einer, der bestimmt früher in der Schule immer gemobbt wurde. Klein und etwas pummelig. Und jetzt hatte er endlich mal etwas Macht und konnte sie ausspielen. Er ging mit seinem Handscanner meinen ganzen Körper ab, fand natürlich das Portmonnaie, ließ es nochmal durchlaufen und meinte, ich solle bitte mitkommen in die "Kabine". Schlimmstes befürchtete ich, er sah nämlich etwas gereizt aus und dann sind solche Leute bestimmt zu allem bereit. Und auch von meiner Aussage, dass geplante Abflugszeit gerade JETZT sei, brachte ihn nicht von der Maßnahme ab. In der Kabine wurde die Tür säuberlich verschlossen und ich sollte mich hinsetzen. Gründlich wurde ich nochmal abgescannt und dann betouchte er erst die Schiene und später das Bein. Sie machten nur ihren Job, sagten sie.
Gefunden hat die Nase natürlich nichts, was seine Maßnahmen gerechtfertigt hätten und somit wurde ich noch ziemlich schnell entlassen. Torben hatte derweil all meine Sachen bei sich aufgeladen und es konnte weitergehen. Auf halben Wege fiel ihm aber auf, dass er meine Jacke verloren hätte und ich hatte es nicht gesehen, trotzdem ich hinter ihm war. Er ist also schnell zurück und fand sie zum Glück. Und dann trafen wir endlich am richtigen Schalter ein, wurden als Familie Segelken begrüßt und konnten im Tunnel verschwinden. Ich freute mich bereits auf das erleichterte ironische Klatschen der anderen Passagiere, die nur auf uns gewartet hatten. Aber Pustekuchen. Natürlich waren noch längst nicht alle im Flieger und somit konnten wir auch noch etwas warten.
Verschwitzt war ich schon wieder. Und ich stank erbärmlich. Da passte es ja perfekt, dass wir nur noch B-Plätze bekamen, also in der Mitte zwischen fremden Leuten saßen. Sie tate mir leid. Zum Glück konnte ich mir eine Jacke überziehen und der Flug war nicht zu lang und Klagen kamen mir auch nicht. Auch nicht von der rothaarigen alten Hexe neben mir, die sich beschwerte, dass sie kein Getränk bekäme, obwohl das irgendwo im Internet dabei stand. Prima, für eine Dreiviertelstunde Flug braucht man auch garantiert was zu trinken. Gut, Leute wie ich, die ihre ganze Flüssigkeit durch irgendwelche Poren verloren haben, die können das gebrauchen, aber doch nicht sie. Aber gut, wir haben's überlebt und am Ende kamen wir heil in Hannover an und auch das überteuerte Parkhaus konnten wir bezahlen, wenngleich wir auch erst wieder durch den halben Flughafen laufen mussten, bis wir einen Geldautomaten fanden.
Zuhause angekommen, konnten wir sofort einen ersten Schritt in Richtung gepflegte Zivilisation feiern; Wir hatten endlich wieder einen Wasserhahn, wenngleich er auch aus dem Bidet kam. Und wir haben jetzt auch einen Duschkopf - der war bitter nötig.
Nun, jetzt habe ich wieder zu weit ausgeholt und keine Lust mehr weiter zu schreiben, aber mehr gibt es auch nicht.
Nächste Woche ist wohl Palermo dran. Das hatten die Schwuchteln ausm Hinflug nämlich empfohlen.
Ich möchte hiermit auch nochmal deutlich darauf hinweisen, dass ich nichts gegen Homosexuelle habe, lediglich gegen diese ganz warmen Brüder. Ist das politisch korrekt?
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

du erwäntetest gar nicht, dass ich am letzten abend in rijeka einen großzügigen betrag von meinem konto abhub, den wir gründliche versoffen haben: woraus jedoch resultierte, dass ich rattenpleite war und der letzte tage komplett auf dich ging ;)
AntwortenLöschendein brüderle
Bübchen, ich wollte dich doch nicht schon wieder denunzieren.
AntwortenLöschendenunziant
AntwortenLöschenich hab endlich zeit gefunden diesen eintrag zu lesen.
AntwortenLöschenkoestlich!
palermo, cool cool.
naechstes jahr mache ihc mit bei diesem scheiss und dann wird das ticket richtig ausgenutzt!
liebe gruesse