Liebes Vodafone,
Ich muss mich doch stark wundern. Für mich sind Sie wie Eichhörnchen. Wie ein Eichhörnchen im Herbst die Nüsse und Zapfen für den Winter verbuddeln, diese dann im Erdreich vergessen und mit dem daraus resultierenden Baum für die Papierherstellung sorgen, mit Papier aber selber nichts anfangen können, so sorgen Sie mit ihren im All vergessenen Satelliten für den Aufbau von Kommunikation hier auf Erden, können mit Kommunikation aber scheinbar selber nichts anfangen. Zumindest nicht mit der unternehmensinternen. Im Gegensatz zum Eichhörnchen, dass leider zunächst seine Nuss nicht wiederfindet und später vielleicht gar den eigenen Wald nicht mehr und so seines Lebensraums beraubt wird, profitieren Sie jedoch von der erzeugten Kommunikation.
Aber fangen wir von vorne an. Nicht von ganz vorne, denn ich bin es leid, Ihnen Romane mit meinen Klagen zu schreiben, die Sie dann doch nicht beantworten.
Ich habe Sie, bzw. eine Ihrer reizenden Damen im Verbindungs- und Servicezimmer letzte Woche Mittwoch gefragt, welche Unterlagen bei Ihnen eingereicht werden müssen, um eine umzugsbedingte frühzeitige Kündigung genehmigt zu bekommen. Das habe ich nicht aus Jux und Dollerei gemacht, sondern aus dem triftigen Grund, dass ich im Rahmen meines Studiums für mindestens ein Jahr nach China verschwinde und dementsprechend nichts mehr mit Ihrem Service anfangen kann. Laut der Dame reicht selbstverständlich die Kündigung und ich zitiere, „irgendein Beweis“, der bestätigt, dass ich tatsächlich ab nächstem Monat im Ausland verweile. Und „nein, per Email geht das nicht, das müssen Sie per Post schicken oder faxen“. Das wundert mich, nehmen Sie sich doch selber das Recht heraus, Verträge auch per Telefon abzuschließen.
Nun, ich setzte ein Schreiben auf mit der Kündigung und dessen Gründe, sowie der Bestätigung meiner Einschreibung an der Universität in China. Scheinbar können Sie aber – wie ein Eichhörnchen – mit Papier nicht viel anfangen, zumindest nicht mit beschriftetem Papier, und schon lange nicht, wenn diese Beschriftung teilweise auf Chinesisch ist. Mit meiner Bitte um eine schriftliche Bestätigung der Kündung faxte ich alles zu Ihnen und wartete nun also auf Reaktion.
Und ich weiß ja, wie das bei Ihnen läuft. Irgendeine Ihrer reizenden Damen oder Herren aus dem Servicezimmer wird mich anrufen und mir mit einem fantastischen Angebot die Überlegung schmackhaft machen, den Vertrag weiterlaufen zu lassen, die Vorteile lägen ja auf der Hand; Ich würde meine Rufnummer behalten. Der Anruf kam. Nicht, wie er wartet, kurz nach Eingang des Faxes oder am Folgetag, sondern am gestrigen Mittwoch. Der Herr am Telefon platzte fast vor Stolz, als er mir überschwänglich von seinem fantastischen Angebot, mir mit 10 Euro entgegenzukommen bei einer Restlaufzeit von einem Jahr, erzählte. Leider musste ich seine Freude über die Großzügigkeit seines glorreichen Unternehmens im Keim ersticken, als ich nicht einwilligte, sondern auf mein Kündigungsrecht bei Umzug ins Ausland bestehen würde. Ob ich das auf der Kündigung denn erwähnt hätte, war die Frage. Natürlich, liebes Vodafone, denn ich mache meine Hausaufgaben. Im Gegensatz zu Ihnen, wo es scheinbar nicht möglich ist, ein eingegangenes Fax dem zuständigen Sachbearbeiter zu übermitteln. Stichwort: Kommunikation. Ich möchte hiermit auch gerne auf den Nachteil Ihrer Kündigungsbedingungen hinweisen, denn mit einer Email wäre Ihr Sachbearbeiter im Handumdrehen informiert.
Man bat mich also um Entschuldigung und verwies mich darauf, dass sich dann bestimmt bald wieder jemand bei mir melden wird. Amüsiert nahm ich es zur Kenntnis und legte auf.
Am heutigen Donnerstag bekam ich dann einer SMS mit dem Hinweis, dass meine Kündigung zum 19. Februar wirksam werden würde. Ich will gar nicht soweit gehen, Ihnen da jetzt Bösartigkeit oder den Versuch der Trickserei unterstellen, denn man könnte ja auch davon ausgehen, dass ich die Jahreszahl nur schnell überfliege und davon ausgehe, dass Sie dieses Jahr meinen. Und ich will mich auch nicht darüber beschweren, dass ich mit der Bitte um eine schriftliche Bestätigung der Kündigung gewiss keine lapidare SMS meinte.
Der 19.02.2012 ist aber nicht mein angestrebter Kündigungstermin, sondern möglichst der gleiche Tag in diesem Jahr. Also wollte ich Ihrem Angebot, mich an die mit aufgeführte Nummer zu wenden, Folge leisten. Moderne Mobilfunktelefone haben die Funktion, einfach diese Nummer anzutippen und dann anzurufen. Nur bekam ich zunächst niemanden an die Leitung, da die gewählte Nummer im Moment nicht erreichbar sei. Ich fand den Fehler in der vergessenen ‚0‘ in der Vorwahl und rief einfach den Sender zurück. Selbstredend war auch die abnehmende Dame sehr nett, konnte aber nichts weiter für mich tun, da sie mich nicht finden würde in der Datenbank. Was mich ja auch schon lange nicht mehr wundert, bei Ihrem Talent für Kommunikation. Nach einem kleinen Pläuschen mit ihr wurde mir mitgeteilt, dass selbstredend meine mitgeschickte Einladung der chinesischen Universität nicht ausreichen würde, ich müsste mich hier schon beim Amt abmelden.
Keine Panik, liebes Vodafone. Das mache ich. Gleich morgen. Und dann werde ich Ihnen diese Abmeldungsbestätigung abermals zusenden. Und Sie werden abermals einen armen Hund aus dem Kundenservice aufgrund mangelhafter Kommunikation nur den Hinweis geben, dass ich kündigen möchte. Den Grund werden Sie nicht mitliefern. Und dieser arme Hund wird mich wieder überfreundlich kontaktieren und sich von mir aufklären lassen, dass meine Kündigung triftige Gründe hätte, nicht nur den, dass ich seit Jahren mit Ihnen und Ihrer Kommunikation unzufrieden bin. Und auf eine schriftliche Bestätigung werde ich lange warten, da Sie ja schon lange nichts mehr mit Papier anfangen können.
Und dennoch werden Sie sich einem Eichhörnchen gegenüber weiterhin sehr überlegen fühlen. Aber ich möchte Sie gerne aufklären, dass ich ein Eichhörnchen im Rahmen seiner Möglichkeiten für durchaus cleverer halte, als Ihr Unternehmen. Denn ein Eichhörnchen verbuddelt seine Nüsse und Zapfen ja nicht zum Spaß, sondern es sorgt für die Zukunft vor und frisst diese nicht gleich, um im Hier und Jetzt gesättigt zu sein. Sie hingegen schließen Verträge ab und sind im Hier und Jetzt gesättigt, genauer genommen für die 24 Monate Vertragslaufzeit. Liebes Vodafone. Sie sehen vielleicht in meinen Daten, dass ich einen Tarif für junge Erwachsene abgeschlossen habe, da ich ein Student bin. Und als Student sollte es nicht ausgeschlossen sein, später und unter guten Umständen in einer führenden Position eines mittelgroßen Unternehmens irgendwo in Deutschland zu sitzen. Und in einer führenden Position habe ich gewiss ein Mitentscheidungsrecht bei der Auswahl des Telefonanbieters. Und bis dahin werde ich gewiss nicht all den Ärger und die Umstände, die ich mit Ihnen hatte, vergessen haben. Es tut mir leid, liebes Vodafone, aber diese Nuss haben Sie verloren. Und wenn Sie vielen Ihrer Kunden so viele Steine in den Weg legen, dann sollten Sie aufpassen, dass Sie neben ihren verbuddelten Nüssen und Zapfen in Zukunft nicht auch Ihren gesamten Wald verlieren.
Liebes Vodafone, ich kann Ihnen Ihre nächsten Schritte bereits voraussagen. Ich werde gleich diesen Text auf Ihrer Seite mit dem Kontaktformular absenden. Einer Ihrer Server wird mir eine Bestätigung über den Eingang meiner Anregung zukommen lassen, jedoch nicht sofort, sondern zeitversetzt. So soll ich den Eindruck haben, dass sich eine reale Person mit meinem Schreiben bereits befasst hat und nun die richtige Service-Kraft raussucht. Mittels Computertechnologie und der Absuche nach Wörtern in diesem Text werden Sie irgendwie herausfinden, dass es sich um eine Beschwerde handelt, denn ich gehe nicht davon aus, dass Sie über einen Eichhörnchen-Beauftragten verfügen. Beschwerden liegen Ihnen nicht so. Ein Mitarbeiter aus Ihrem Kundendienst bekommt dann den Hinweis, dass ich mich beschwert habe, aber er wird sich bestimmt nicht meinen Text durchlesen. Er wird in einem Ordner an seinem Computer eine Standardantwort für Beschwerden raussuchen und mir diese zukommen lassen, in der Hoffnung, dass ich mich damit zufrieden gebe. Denn so läuft das bei Ihnen mit der Kommunikation.
Und es wird mir egal sein.
In diesem Sinne, Gute Nacht!
oeRque
Ps.: Für mich sind Eichhörnchen im Übrigen Ratten – nur mit einem bauschigen Schwanz!
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