Mein Engagement als Deutschlehrer ist beendet, Hausarbeiten und Projektbericht abgegeben, der Sommerurlaub steht also vor der Tür. Drum gilt es, noch einmal kräftig in Xi'an zu feiern, weshalb ich die ganze Baggage am Tag vor meinem Abflug noch einmal im Park Qin treffe. Da mir sowas schon schwante, hatte ich den Flug nach Shanghai extra auf nachmittags 16 Uhr gelegt, damit ich auf jeden Fall noch genügend Zeit hätte zum Packen und frisch werden.
Die gewähnte Sicherheit ist jedoch nur allzu trügerisch, wenn man den Weg ins Bett erst nach mehreren Tequila um sieben Uhr in der Früh findet. Dann kann es halt passieren, dass man erst um 13 Uhr durch Zufall erwacht. Das ist jener Zeitpunkt, an dem ich den Flughafenbus erwischen wollte. Schnell packen lautet nun die Devise. Leider ist die ganze Wäsche aber noch nicht so trocken, wie ich das gerne hätte, weshalb das Bügeleisen ausgepackt werden muss. So dauert dann auch das Packen eine gefühlte Ewigkeit und als mir beim Verlassen der Haustür dann noch am Hemd ein Knopf abfliegt und ich es wechseln muss, ist mir klar, dass ich auch den zweiten Flughafen-Bus um 14 Uhr verpassen würde. Ich gehe trotzdem zum Abfahrtsplatz, da dort immer noch andere Menschen warten und sich einige Taxis auf die schwarzen Touren zum Flughafen konzentriert haben. Leider stehen heute nur Taxis da und keine weiteren Passagiere, und die Fahrer dieser Taxis sind auch eher skeptisch, ob ich das noch pünktlich schaffen würde, da es nur noch 1,5 Stunden bis zum Abflug seien und es regnet, und wenn es regnet drehen die Leute hier hohl und brauchen alle einen fahrbaren Untersatz. Ich klopf meinem Fahrer auf die Schulter und sage, dass ich ihm voll und ganz vertraue und siehe da, als wir ankommen habe ich noch 25 Minuten zum Check-In. Das ist ja eigentlich auch kein Problem, wenn das nicht der Xi'an'er Flughafen sei. Nach 15 Minuten stehe ich immer noch in der Schlange und habe gezählt, dass in der Zeit vielleicht drei Passagiere einchecken konnten. Trotz Rest-Tequila in der Birne habe ich den Dreisatz schnell ausgerechnet und stelle fest, dass die wahrscheinlich keine 15 Leute in 10 Minuten hinbekommen. Am Notfall-Schalter ist die Schlange genauso lang, also beschwere ich mich am 1. Klasse-Schalter über die Lahmarschigkeit ihrer Kollegen und komm tatsächlich noch pünktlich dran. Nach dem Security-Check höre ich auch schon den Last-Call für meinen Flug und renne nach links, da ich zum Gate 17 muss und in der Ferne die 18 deutlich erkennbar ist. Aber nur, weil links ne 18 ist, heißt das noch lange nicht, dass daneben auch noch ne 17 ist. Es gibt nur noch 19, 20, 21… Gate 17 sei hingegen ganz rechts. Ich freue mich, einen weiteren Sprint durch den gesamten Flughafen zu unternehmen und dass ich letztendlich auch noch den Bus zum Flugzeug erwische. Das ganze jedoch stark schwitzend und außer Puste, ich frage mich auch wieder, warum ich überhaupt geduscht habe. Die Dankbarkeit für meinen Sprint folgt auch sogleich, da der Bus noch weitere 10 Minuten steht, bevor es zum Flieger geht.
In Shanghai bleibe ich dann spontan 4 Wochen, da die Mutter kommt, ich mehrere freie Zimmer zur Verfügung habe und dort mittlerweile einen recht großen Kreis an Freunden habe. Ich wüsste auch gar nicht, wo ich alleine hin sollte.

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