Freitag, 14. September 2007

Palermo - pfui deibel

Mit viel Vorfreude traten Torben, Paul und ich am Dienstagmorgen um vier Uhr früh unsere Reise nach Palermo auf Sizilien an. Schon alleine diese Uhrzeit sollte verdeutlichen, dass es uns wichtig war, diese Stadt zu besuchen.
Um 6:20 Uhr hob unser Flieger ab, knappe zwei Stunden später landeten wir und der erste Eindruck war recht positiv. Schöne 23° C, eine hübsche Landschaft und der Bus in die Stadt ließ auch nicht lange warten. Fünfzig Minuten dafür waren angesetzt, obwohl die Stadt ziemlich nah lag und wir die ersten Häuser bereits nach 20 Minuten erreicht hatten. Die nächste halbe Stunde deutete aber darauf hin, wo Palermos Problem lag: In der Infrastruktur. Im langsamen Tempo ging's durch überfüllte Straßen mit viel Huperei und hastigem Bremsen an heruntergekommenen Häusern Richtung Zentrum, oder das, was wir dafür hielten, also den Bahnhof.
Dort angekommen holten wir uns eine Karte zur Übersicht, liefen eine Straße, die unserer Ansicht nach zum Meer führte, frühstückten eine günstige Pizza auf dem Weg und suchten lieber den Schatten. Irgendwann fiel uns auf, dass wir zwar von der Richtung her richtig liefen, uns aber auf der Karte versehen hatten mit unserem derzeitigem Standpunkt. Aber das war egal.
Das Meer erreichten wir trotzdem, einen vernünftigen Strand fanden wir aber nicht. Stattdessen marschierten wir an einer stark befahrenen Straße entlang des Meeres gen Osten, wo laut Karte eine Badegelegenheit sein sollte. Allerdings glich die Gegend immer mehr einem Ghetto, es stank, überall war Müll, die dafür vorgesehenen Eimer im Park waren umgeschmissen und es sah auch keiner ein, mal etwas gegen den Dreck zu tun. Zudem war es heiß, es stank nach (älteren) Fischen und Meeresfrüchten, die man direkt an der Straße kaufen konnte, und sehr nach Abgasen. Entweder können die Italiener perfekt oder gar nicht Auto fahren, aber die Hupe befindet sich anscheinend auf dem Gaspedal, zumindest wird sie sehr häufig benutzt. Selbst, als wir etwas abseits der Straße an einem Brunnen etwas Wasser verköstigten, wurden wir per Hupe darauf hingewiesen, doch bitte Platz auf dem Bürgersteig für einen kleinen Fiat Punto zu machen, der genau vorm Brunnen parken wollte. Der Grund dafür war der, dass die Insassen den ganzen Kofferraum plus Rückbank mit Kanistern bepackt hatten, die sie jetzt mithilfe eines mitgebrachten Schlauches befüllen wollten, um für die nächsten Monate keinen Wassermangel mehr zu haben.
Nun, kurz danach kamen wir schon etwas näher an das Meer über eine schotterige Einfahrt. Über kleine Dünen ging es ans Wasser, allerdings war auch hier alles vermüllt. Autoreifen en masse, Pfandflaschen, Kleidungsstücke und Geschirr zierte die grüne Landschaft. Etwas versteckt hatte sich sogar einer aus Schilf und Bambus eine kleine "Hütte" gebastelt und wohl nie eine Müllabfuhr bestellt, zumindest befand sich um diese Hütte das Epizentrum des Drecks. Im Wasser waren wir also so gut wie gar nicht.
All diese Tatsachen brachten uns irgendwie langsam aber sicher von der Idee ab, noch zwei Nächte zu bleiben, zumal wir noch keinen richtig geschützten Park gefunden hatte. Also suchten wir schleunigst ein Hotel auf, um deren Internet zu benutzen zur Buchung eines Rückflugs. Der Flug am selbigen Tage nach Hannover war aber anscheinend schon voll, somit blieb uns erstmal nur die Möglichkeit, nach Stuttgart zu reisen. Das taten wir und da ich keinen Schlüssel für meine Bude dabei hatten, rief ich danach meinen tollen Onkel Holger an, ob er bereit sei, uns Asyl zu gewehren. Er war es.
Mit der Gewissheit im Gepäck, dass es bald zurückgehen sollte, ließ sich der Tag noch gut verleben und all der Dreck, der Gestank, der sich mit dem Schweiß zu verbinden schien, wurden nur noch ironisch betrachtet. Wir gingen nur noch etwas weiter gen Stadt-Zentrum durch schmale Gassen, die in Deutschland dem gemeinem unmotorisierten Volke zustehen. Aber auch hier mussten wir eng an der Wand laufen, da ein ständiges Gehupe doch recht nervig sein konnte.
In einem kleinen Restaurant speisten wir auf der Terrasse (natürlich direkt an eine Straße grenzend) etwas. Nudeln und Fleisch, worauf wir aber ne Stunde warten mussten, weil uns der unfähige Kellner einfach vergessen hatte (ist ja auch schwer, wenn draußen gleich alle vier Tische besetzt sind..). Hier beschrifteten wir auch unsere Postkarten und danach wollten wir nur noch Briefmarken kaufen. Im Tobacco-Shop sollte es die geben, sagte man uns. Alles klar. Die ersten fünf hatten aber keine, also trödelten wir weiter.
Aufmal baute sich links neben uns die riesige Fassade eines monströsen Gebäudes auf, an deren Wand in großen Lettern die Worte "Posti Nacionale" (oder so). Die müssen doch Briefmarken haben. Aber Pustekuchen. Schon das elendig lange Warten in der Schlange ließ uns eine gewisse Inkompetenz vermuten und so verließen wir auch nach einer halben Stunde die Post mit leeren Händen.
Fünf Tobacco-Shops später bekamen wir aber doch noch, was wir suchten. Und kurz darauf ging's schon wieder mit dem Bus zum Flughafen und dann nach Stuttgart.
Dort gefiel uns die gebotene Gastfreundschaft so sehr, dass wir gleich noch eine Nacht dranhängten (unser Automobil war nämlich auch bis Donnerstag bezahlt).
Somit haben wir nicht wirklich viel erlebt auf unserem Tripp, oder vielleicht auch zu viel. Und da ich leider meine Kamera vergessen habe, konnten wir lediglich mit dem Handy ein paar Bilder machen, die ich schleunigst rüberlade.
Es bleibt mir die Gewissheit, dass ich, sollte ich noch einmal nach Sizilien reisen, allerhöchstens den unbelebten Rest der Insel besuche.

In Liebe,
oeRque

2 Kommentare:

  1. also an eurer stelle wäre ich dort geblieben..

    und wieso hast du keinen (wenigstens einen zweitschlüssel) schlüssel dabei gehabt? amateur.
    gruesse
    dirk

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  2. Man bekommt zwei Schlüssel vom Hausmeister!? Dann muss ich dem wohl irgendwie gestehen, dass mein zweiter weg ist.
    Nach Palermo kann ich im Oktober noch jedes Wochenende. Samstags hin, sonntags zurück, dazwischen nur am Strand irgendwo anders auf Sizilien liegen und schlafen und den Sonnenbrand meines Lebens holen. Das wird prima!

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