Ich komme gerade vom Kükenfest (zehn Uhr morgens) und werde nach dem Schlaf mehr berichten.
Dann will ich mal (elf Stunden später).
Gestern stand mal wieder unser wunderbares, allsemestriges Kükenfest an und da wir keine Küken mehr sind, gebührte meinem Semester die Ehre, dieses auszurichten.
Vor fünf Wochen bekamen wir den Termin und die Drittsemestler "übergaben" uns die Aufgabe. Hauptorganisatoren wurden gebildet für die verschiedenen Bereiche. Ich stellte mich dem Druckteam als Helfer zur Verfügung, in der jehen Vorfreude, Plakate, Flyer und vor allem T-Shirts zu drucken. Hauptorganisatoren waren aber so komische Werber-Frauen, die ich nicht kannte und es dauerte lange, bis ich ihre Namen erfahren habe und sie kontaktieren konnte. Lirum larum, Plakate und Flyer wurden nach außerhalb gegeben, weil's günstiger wäre, als in der HdM zu drucken und wegen der T-Shirts melden sie sich nochmal.
Natürlich.
Wer's glaubt.
Wochenlang habe ich nichts mehr gehört, Sonntag frugte ich vorsichtig nochmal an, ob die T-Shirts auch woanders gedruckt würden. Nein, bekam ich als Antwort, sie würden hier fertig gemacht und man würde händeringend nach Helfern suchen (natürlich, über stille Post und so, weil Emails kamen ja nicht). Ich meldete mich für Dienstagmittag an mit ein paar Komilitonen, nahm sogar in Kauf, eine VOrlesung zu verpassen und ging zum Siebdruckraum, wartete ne halbe Stunde, ging dann betrübt doch in jene Vorlesung und ärgerte mich über diese blöden Organisatoren.
Jetzt hab ich endlich meinen Frust einmal niedergeschrieben und fühle mich gleich besser. Die Werberinnen und ich werden aber bestimmt keine Freunde mehr.
Nun, um nicht ganz ohne Arbeit darzustehen, meldete ich mich noch zum Aufbauen gestern und zum Parcours-Helfer [wie ihr vielleicht wisst (aus meinem letzten Bericht übers Kükenfest), werden die Küken am Anfang blind durch einen Parcours geführt und hier maltraitiert, mit allerlei Ekel und Erniedrigung]. Aufbauen ging ganz gut, viele Helfer waren da, es ging recht fix. So fix, dass wir zu dritt noch kurz zu mir gingen, um meinen Korn, den ich mir am Vortag von nem Kumpel hab mitbringen lassen (ich hatte keine Zeit), zu verköstigen, weil das Bier auf dem Fest ja auch teuer ist und so. Danach ging's zum Parcour, ich war erst dafür eingeteilt, die armen Kleinen mit Ketchup vollzuspritzen, wahlweise auch mit Mayonaise, aber ich dachte, es würden vielleicht zwei reichen und wurde kurzerhand umfunktioniert zum Spielehelfer/-vorbereiter (die draußen vor der Türe stattfanden, um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen), bereitete alles vor, klärte alle unklarheiten um dann - undankbar - doch wieder entzogen zu werden, weil Parcoursführer fehlten. Eigentlich wollte ich das nicht machen, weil der Boden vor lauter Schleim rutschig war und ich das mit meinem Gewissen des Kreuzbands wegen nicht vereinigen konnte, aber der Korn zuvor schien doch wie ein Katalysator für eine Vereinigung zu wirken. Und überhaupt konnte ich dann endlich mal Authorität aussprühen und ein kleiner Blick nach draußen verriet mir vorher, dass die Kükinnen eine gewisse Attraktivität versprühten.
Ca. 20 Damen und Herren durfte ich durch Planschbecken mit Schleim und Haferflocken und Kondomen robben lassen, zur Liegestütze zwingen, anschreien, meinen ebenso attraktiven Parcourhelfern zum Schminken und Einflößen widerlicher Getränke übergeben und am Ende zum Foto schicken. Toll. So ein Machtgefühl! Die Augenbinden hängte ich mir anschließend als Trophäen um den Hals, die hässlichste diente später als cooles TuPac-Kopfband.
Die Reaktionen waren verschieden und reichten von einem angerregten Flirt über die Bildung von Vatergefühlen bishin zum Hass, ausgedrückt durch wüste Schläge und Tritte (ich gehe dennoch davon aus, dass sie lieb gemeint waren).
Leider mussten wir den Parcours nach drei Stunden und ca. 80% durchgeschleuster Küken abbrechen, da bei der Planung nicht berücksichtigt wurde, dass es sich um ein Wintersemester verbunden mit neu eingeführten Studiengängen handelte, woraus resultierte, dass nicht (wie bei uns) maximal 300 Küken am Start waren, sondern 500. Und ab der normale Pöbel war eigentlich schon für 8 Uhr "geladen" und es war mittlerweile 21:15 und wir mussten den Boden noch wieder herrichten. Mir tat es für den Rest leid, aber die kamen dann auch einfach zu spät, sagte ich mir und schon konnte das Mitleid mir gar nichts mehr anhaben.
Die Party war schon sehr cool, fand ich, etwas chaotisch mit Wertmarken, Garderobe, Pfandrückgabe und so weiter, aber egal. Bier war normal teuer, es gab fünf Areas, im HipHop-Bereich tanzte ich die Mädchenherzen weich und tat so dies und das.
Gegen Ende war ich auch noch so toll und habe mit dunen Kopf einfach noch in der Garderobe geholfen und alle Jacken sogar richtig rausgegeben. Und dann kam der Punkt, an dem mich der Alkohol das erste Mal nicht begünstigte; während alle gingen, blieb ich mit ein paar weiteren "dummen" alleine einen Moment zu lange zurück und war sofort dazu verdonnert, auch noch abzubauen. Klar kann ich noch zwei Stunden länger bleiben, es hilft ja nichts.
Dass wir aber nur noch so zehn Leute waren (von ich weiß nicht wie vielen, die sich vorher als Auf- und Abbauer anmeldeten), konnte ich ja nicht ahnen.
Tja und dann begann die Tortur. Festgetrocknete Federn mussten überall abgekratzt, die Waschbecken von eben solchen befreit, die Anlagen und Bühnen abgebaut und der Boden besenrein gefegt werden. Dazu Kleiderbügel aus der Garderobe sortieren (es gab drei Sorten), die Pfandflaschen einsammeln, die Reste wegkippen.
Und weil das alles nicht schon genug ist, durften wir auch noch sämtliche Tische (ca 100..) wieder in die erste Etage schleppen. Da merkt man erst, wie viele Kaugummis drunter kleben.
Lange Rede, kurzer Sinn, um halb neun waren wir fertig, durften uns noch von einer fluchenden Alten anhören, dass vor ihrem Büro noch ne Limette lag und dass es ekelig war und dass es somit wohl das letzte Kükenfest war. Wir zogen uns also noch kurz in den Kinoraum der HdM (ein Komilitone ist dort Hauptverantwortlicher, hat also die Schlüssel) und tranken ein Feierabendbier, ein leckeres Astra, und danach noch in die S-Bar um einen leckeren Muffin zu frühstücken.
Zuhause duschte ich mich erstmal (da ich eigentlich auch eher einem Küken glich nach dem Parcours) und konnte gegen halb elf endlich schlafen.
Den Rest des Tages gammelte ich, weihte eben meine neue Auflaufform ein und freue mich, dass es bald wieder Nacht ist und ich schlafen darf.
Wunderbar.
oeRque
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diese ganzen lehrernazis!
AntwortenLöschenwie bei uns mitm chaostag.
furchtbar.