Liebes Deutschland,
Eine schöne Balancity habt ihr dahin gestellt auf der Expo in Shanghai. Ich durfte sie auch von außen bewundern. Mit einer Freunde besuchte ich letzte Woche eben diese Expo, kauften ein Abend-Ticket, das von 17 bis 24 Uhr Gültigkeit besitzt und klapperten erst einige kleine Pavillons ab, bevor es in die schöne Balancity gehen sollte. Mit meinem deutschen Reisepass sollten die Schlangen an Menschen davor ja kein Hindernis darstellen. Als wir am Abend gegen halb neun ankamen, wurden wir leider bitter enttäuscht, aus einem kleinen, schlechtbeleuchteten Büro am VIP-Eingang (kaum zu glauben, dass ich einmal mit großen Erwartungen an einem solchen anklopfen würde) wurde mir nur gesagt, dass man schon geschlossen hätte, seit eineinhalb Stunden. Weil man dann auch die Schlange abschließt und so. Blöde Erklärung. Warum hat dann bitte die Expo so lange geöffnet, wenn die beliebten Pavillons schon früher schließen?
Aber gut, das akzeptierten wir also einfach mal und fanden das Restaurant nebenan. Deutsche Spezialität wurden angepriesen, die Kellnerschaft war Deutsch, also wollte ich meiner Freundin doch mal zeigen, wie das in Deutschland zugeht, was wir essen, wie die Service-Kräfte mit dem Kunden umgehen (nämlich sehr gut und zuvorkommend, wenn auch oft nur in der Theorie) und so weiter. Ich habe regelrecht davon geschwärmt, wie gegenseitiger Respekt zwischen Gast und Personal herrscht, nicht wie in China, wo man die Kellnerin herbeischreit und diese dann ehrfurchtsvoll, wenngleich mit einiger Gleichgültigkeit, das Essen auf den Tisch knallt.
Ich wurde bitter enttäuscht und war beschämt. Es fing damit an, dass ich nicht viel Zeit hatte, die Speisen auszuwählen, ich sollte Platz nehmen und bitte schnell bestellen, wär ja auch irgendwann Feierabend. Die angebotenen Gerichte hörten sich alle gut und typisch Deutsch an, die Preise waren es ebenso (also für Chinesen und auch Studenten wie mich recht hoch). Ich bestellte eine Spezialitäten-Platte, vier Fleischsorten waren drauf, sollte reichen für zwei, die nicht viel Energie in der Balancity verschwendet haben konnten und unter denen sich eine zierliche Chinesin befand, die mit unter 1,65 m und weniger als 48 kg nicht zu den größten Esserinnen zählt. Folglich fragte ich nach einem kleinen Zusatzteller. „Nein, kann ich leider nicht anbieten, unsere Chefin sieht das nicht so gerne“, erwiderte der Kellner. Ich war auch gewillt, ihm abzukaufen, dass ihm die Hände gebunden waren. Fünf Minuten später bekam ich meine Mahlzeit. Wurde bestimmt frisch zubereitet.
Bestimmt nicht. Ich glaube nicht mal, dass es frisch für mich auf dem Teller zusammengestellt wurde. Dazu fehlte es eindeutig an Hitze in Fleisch und Sauerkraut und auch die Bratwurst hatte ihre besten Zeiten, in denen sie noch knackig frisch war, hinter sich, nun war sie leicht verschrumpelt und recht trocken. Wenn ich eh nur Reste bekommen sollte, hätte man mir auch den Gefallen des gewünschten Tellers erfüllen können.
Mitten im Essen, dem ich zugestehen muss, dass es lecker gewesen sein muss, sofern heiß und frisch, wurde ich dann jäh unterbrochen. Von der anderen Seite wurde mir die Rechnung auf einem kleinen Tablett überreicht. Über den Preis müssen wir ja nicht reden, mir war ja schon vorher klar gewesen, dass es sich um eine Summe handeln würde, von der mir in China ein Zehntel locker reichen würde, um satt zu werden von einer heißen Speise. Ich guckte kurz auf das Blatt und aß weiter, bemerkte aber aus dem Augenwinkel, dass die Kellnerin nicht wich. Ich hob kurz den Kopf und fragte ironisch: „Jetzt? Während des Essens?“ Ihr Nicken beschwur in mir weitere Wut und Scham herauf. Sollte ich das Essen also noch kälter werden lassen? Und dann auch noch währenddessen die dreckigen Yuan-Scheine aus der Hose kramen? Der gute alte Knigge verlangt doch auch von mir, während die Mahlzeit auf dem Tisch steht, nicht auf die Toilette zu verschwinden. Und auch in China zahlt man entweder vor dem Essen oder anschließend, aber nicht währenddessen.
Also pulte ich das Geld aus den Taschen und knallte es ihr aufs Tablett, schien ja wichtig zu sein. Dann wurde aufgegessen. Und dann wurde gewartet. Zehn Minuten. Ich befürchtete schon, weder Rechnung, noch Wechselgeld zu bekommen. Denn Trinkgeld wollte ich eigentlich keines dalassen nach dieser Leistung, zudem konnte ich jetzt nicht entscheiden, welcher der drei verschiedenen Kellner und Kellnerinnen sich letztendlich am wenigsten schlecht verhalten hatte. Aber es kam dann doch noch, wenngleich weniger gerne, wie die Rechnung zuvor.
Wir konnten also den Platz der Schande verlassen, nicht aber, ohne einen weiteren Tritt ins Fettnäpfchen mitzubekommen. Diesen beging dann die Chefin, zumindest nehme ich an, dass sie es war, trug sie doch als einzige ein rotes Oberteil, als sie mitten im Raum eine Kellnerin im Raum zur Sau machte, weil diese lieber zunächst einen Tisch einrichtete, als Rechnungen zu verteilen. Meine Freundin fragte mich, ob sie das nun richtig verstanden hatte. Denn in China geht so was nicht, das hat etwas mit Gesicht verlieren und bewahren zu tun. Wenn ein Chef unzufrieden ist, wird das hinter verschlossenen Türen besprochen und nicht lautstark vor Kundschaft.
Liebes Deutschland, auch ich bin es, der indirekt von den Einnahmen aus der Touristenbranche profitiert. Und ich bin auch gewillt, im Ausland einen guten Eindruck zu hinterlassen, damit potenzielle Touristen sich für Deutschland interessieren und auch entscheiden. Mit einem solchen Auftritt in einem Land, das über so viele potenzielle Neureiche verfügt, werden meine Bemühungen jedoch bedeutungslos gemacht.
Das finde ich sehr schade und ich bin sehr verärgert darüber. Vielleicht denkt man in Zukunft etwas darüber nach und schickt Service-Kräfte auf solche Veranstaltungen, die sich als solche bezeichnen dürfen und sich ihrer Rolle als Botschafter bewusst sind.
Viel Erfolg dabei!
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beschämend. hättest du der chefin mal sagen müssen.
AntwortenLöschen"eine freundin"... du bist ein schwerenöter
schick das mal an expo2010-germany@koelnmesse.de
AntwortenLöschenbitte!