Heute bricht eine neue Epoche an: oeRque wird poetisch.
Anlässlich meiner Burschierung in der Grafia bekam ich einen neuen Biernamen. Allerdings musste ich ihn mir verdienen und das ging so: Ich bekam im Vorfeld ein Stichwort mitgeteilt, das mit eben jenem Namen was zu tun hatte. Dazu sollte ich mir dann eine Geschichte ausdenken und mutmaßen, wie ich denn heiße.
Mein Stichwort war "Kraft der Ruhe" und mir war sofort klar, worauf das abzielt: Irgendwas mit meiner Schweigsamkeit, die ich oft an den Tag lege, vor allem in neuer Umgebung.
Gestern in einer verkaterten Stunde, als ich an einer Geschichte grübelte, fragte ich mich irgendwann, wieso ich denn so bin, bzw. so wirke. Und da mir irgendwann ein paar Reime durch den Kopf schossen, hab ich einfach aus meinen Gedanken ein Gedicht verfasst.
Es ist ein sehr sinnliches, melancholisches. Ich bitte euch, meine Gefühle, die ich erstmals so dramatisch offenbare, zu achten und nicht zu lachen, zumindest nicht in meiner Anwesenheit.
Danke!
Hier also nun mein kleines Gedicht, das zugegebenermaßen doch drei DIN A4-Seiten einnahm:
Die Kraft der Ruhe – oder: Die Offenbarung des Mirko S.
Ich bin kein Mann der vielen Worte,
dafür aber sicherlich von ganz besonderer Sorte
Klar, ich halte oft das Maul,
doch woran liegt’s? Bin ich zu faul?
Bin ich nicht neugierig, weil ich keine Fragen stelle,
oder gar uninteressiert, weil ich nicht bei jeder Diskussion was von mir belle?
Wenn ich nicht mit jedem rede, bin ich dann arrogant,
oder einfach nur dumm, weil ich wieder mal keine Worte fand?
Nein, ich sag es so, wie ich es seh;
Ich erfüll einfach das Norddeutsche Klischee.
Qualität geben wir von uns nur
Ansonsten bleiben wir stur
Wenn wir nix zu sagen haben, halten wir die Fress,
und wir machen uns bestimmt keinen Stress
Wir sind und bleiben ruhig und kühl,
ich kann euch sagen, ein tolles Gefühl.
Wir sind einfach immer gelassen,
Ich kann’s auch kaum fassen,
Dass man mit dieser Einstellung gut lebt,
Wo es doch eigentlich immer nur um Stress und Hektik geht.
Doch womit ich euch beruhigen kann;
In meinem Kopfe hab ich immer einen Plan.
Ich hör mir gerne Meinungen an, gebe meine aber nicht Preis,
bevor noch jemand denkt: Was labert denn der für’n Scheiß?!
Ich muss meine Stimme schonen,
für die wichtigen Worte, die sich lohnen.
Es ist keine Absicht, es tut mir leid,
und glaubt mir, dass ich den Denis oft beneid,
denn der kann selbst ohne Kopfeinschalten
seinen Mund so gut wie nie halten.
Und reißt ihr einen Witz, glaubt mir, ich freu mich innerlich,
denn laut Lachen, nein, das liegt mir nicht.
In den Keller geh ich dafür maximal
alles andere wär mir zu banal
Denn warum sollt ich auch noch lachen,
wenn’s doch schon die andren machen?
Zu laut wär’s mir, zu schräg, zu schrill,
nein nein, da bleibe ich lieber still.
Doch wenn ich erstmal aufgetaut,
durch wen wohl?
Na klar, Teufel Alkohol,
dann kann ich auch ganz versaut,
und wild und laut sein,
mich benehmen wie ein Schwein,
denn hinter der Fassade,
da steckt ein alberner kleiner Knabe,
den es ab und zu nach Extrovertiertheit treibt,
wobei diese wohl immer verborgen bleibt.
Warum ich noch nichts von mir gebe,
liegt vielleicht auch an der Region, in der ich momentan lebe.
Denn letztens beim Bewerbungstrainingsseminar,
machte mir die Dame klar,
Dass, wenn ich was zu sagen habe,
dies langsam tun muss, denn der Schwabe,
redet langsam, ich tu’s schnell.
Und das tu ich generell,
trotzdem ist es für mich immer ein Verdruss,
wenn ich am Telefon meinen Namen fünfmal sagen muss,
Weil ich spontan ruck zuck,
schnell mal n Buchstaben verschluck.
Nun kommen wir zum letzten Grund,
Danach halte ich wieder gepflegt meinen Mund!
Wahrscheinlich kommt es durch die Schüchternheit,
jedoch lediglich bei Nüchternheit,
dass ich nichts sage,
wobei ich mich stets frage,
Was denken die Frauen dann,
über so nen stillen Mann?
Wirke ich langweilig, humorlos, ignorant
Oder doch geheimnisvoll, interessant?
Liegt es an mir, dass ich keine hab?
bleibe ich Single bis ins Grab?
würden sich andere fragen.
Doch ich tu’s nicht
Ich hab noch Zuversicht,
denn auch später steh ich noch voll im Saft,
das sagt mir eine innere Kraft,
Eine Kraft aus meinem Herzen,
verdrängt alle Zweifel, alle Schmerzen;
Die Kraft der Ruhe.