Samstag, 21. August 2010

China #2.7 Beton anrühren.

Die erste Packung Tabletten ist irgendwo in den unendlichen Weiten meines Körpers oder letztendlich doch in Kabine 3 verschwunden. Was neues muss her. Was stärkeres. Denn so ist das ja kein Leben. Heute ist der dritte Tag in Folge, an dem ich schwach und matt ans Klo gefesselt bin. Man möge sich mal ausmalen, ich bliebe nur eine oder zwei Wochen und nicht sechs. Das wäre wahrlich Gift.
Den Weg zur Apotheke schaffe ich ohne Zwischenfälle. Ich krieg es sogar auf die Reihe, Bananen zu kaufen. Und es scheint auch zu klappen. Mein Darm verschließt vorerst, im Magen wird Beton angerührt. Prima.
Dann meldet sich der gute alte Jie Hu, den ich vor einem Jahr schon mal in Hangzhou besucht habe. Er ist bei Kunden in Shanghai. Kunden, die ich auch nächste Woche besuchen werde. Und heute Abend hat er frei. Es wäre Zeit, einer gewissen Tradition zu frönen, nämlich der des Bieres. Ich erkläre ihm meinen jämmerlichen Zustand. Dann erstmal frische Luft. Spaziergang. Sagt er. Machen wir dann auch. Ich kriege etwas Essen, dann weiter Spaziergang. Und irgendwann sind wir dann so weit gelaufen, dass wir auch eigentlich gleich irgendwo einkehren könnten. Aber ich will nicht.
Wir sitzen kurz darauf in der Windows Sportsbar-Disko. Mein ehrenwerter Bruder und Toni G. werden sich wohl noch an diese Lokalität erinnern, habe ich sie doch damals an unserem zweiten gemeinsamen Abend einfach dort alleine zurückgelassen, ohne dass sie genau wussten, wie sie unser Hotel finden sollten.
Aber ich trinke nichts.
Kurz darauf stehen zwei Einbecker Dunkel vor uns. Kalt. Und mit Kohlensäure. Wie sich das ein geschundener Magen so wünscht. Dieser geschundene Magen ist aber kein Magen mehr sondern mutiert immer mehr zum Betonmischer. So sehr rotiert er und wirbelt sein Inneres hin und her. Luft ist eingeschlossen und findet keinen Ausweg. Es sind wahre Qualen, die ich durchlebe.
Aber nur am Anfang des Bieres. Es wird besser und mit dem letzten Tropfen ist es dann ganz gut. Aber noch eins trink ich nicht.
Trink ich doch. Und das Dilemma nimmt wieder Fahrt auf. Das ändert sich auch nicht beim letzten Absacker-Cocktail. Früh geht es heim. Mit Taxi. Denn Schritte kann ich kaum noch tun ohne mich zu krümmen.
In Kabine 3 stell ich mit Erleichterung und Verzweiflung fest, dass ich tatsächlich Beton angerüht zu haben schein. Da hilft jetzt nur noch Beten, dass die Nacht was bringt.

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