Montag, 6. April 2009

Tag 36: Der Papa ist dann mal kurz weg.

Es ist Freitag, wie angekündigt geht es nach Guilin. Das mit der Pünktlichkeit haben wir immer noch nicht so raus, also kommen wir wegen P.E. (Ich warte auf ihn. Ich bin sehr solidarisch.) trotzdem wir eigentlich nur die Zeit totschlagen zu suchen, zehn Minuten zu spät zum Treffpunkt.
Macht nichts, wir kommen pünktlich zum Flughafen und der Flug verspätet sich sowieso.
Ich bin anfangs froh, dass wir überall im Flugzeug verstreut sitzen; endlich mal Abstand von den anderen Pappnasen und man kann sich vielleicht mit Einheimischen unterhalten oder so. Diesen Plan kann ich aber sofort verwerfen, da das Public-Sleeping eine Art Trendsport darstellt; es ist also mit einem Mal ruhig und alles schläft. Lediglich zum Einverleiben der Flugmahlzeit werden Äuglein und Münder noch einmal geöffnet, bis es zum Landeanflug geht. Dieser wird, zumindest von meinem direkten Nachbarn damit verbracht, auszutesten, wie tief die Finger ins eigene Nasenloch passen. Und zwar demonstrativ und ohne Scham. Selbst die Fotoapparate, die ab und an in meine Richtung zielen (unter dem Vorwand ein Familienmitglied auf der spannenden Sitzreihe des Flugvehikels per Bildaufnahmegerät für die Ewigkeit festzuhalten, wird rein zufällig auch das eigenartige, menschenähnliche weiße Wesen im Hintergrund aufgezeichnet) stören ihn wenig. Ich kann mich mit den Versuchen meines Nachbarn nicht anfreunden. Ich ekel mich. Demonstrativ rücke ich immer näher Richtung Flugzeugwand und gebe universell verständliche Stöhngeräusche von mir. Ich sehne mich nach meinen Pappnasen.
Nun gut, nach zwei Stunden erreichen wir das Reiseziel. Hier erwarten uns wunderschön kitschig beleuchtete Plastikpalmen und eine ebenso strahlende Reiseführerin. Eine ganz feine, reizend liebwürdige Erscheinung. Leider weist sie zunächst scheinbar einen kleinen Mangel auf, der ihr in Deutschland das Ausüben ihres Berufes einen großen Stein in den Weg legen würde; sie lispelt.
Und das, obwohl es doch in China so auf die Aussprache ankommt. Zeichen, die mit zh, ch, sh, s, c, z, q, j beginnen (das sind ziemlich viele), beginnt sie permanent (in nur leicht unterschiedlichen Varianten) mit s. Unser Prahlen, dass wir sie garantiert verstehen werden, ist somit hinfällig, aber 怎么办, was soll man machen? Wir erinnern uns zum Glück, dass wir uns in einer Region befinden, in der dieser Sprachfehler einfach zum Dialekt gehört, wir müssen uns also dran gewöhnen. Dem Verständnis hilft diese Tatsache nicht und wir lauschen jedem auswendig gelernt wirkenden Text, den sie leider nicht kürzen kann, denn mit der Flexibilität hat man es nicht so (weil man, allein schon wegen der Sprache, ganz anders lernt; nämlich hauptsächlich auswendig, ohne weiterzudenken oder sich etwas herzuleiten, zumindest bilde ich mir das ein).
Das Auslandsamt, das uns den Trip (mit Ausnahme der Flugkosten) finanziert, lässt sich nicht lumpen und so geht es in ein sehr edles Hotel in der kleinen aber feinen Innenstadt. Diese zieht voll auf Touristen ab, alles ist toll beleuchtet aber auch die Preise sind gut angeglichen (dennoch ist alles ziemlich günstig).
Der Abend bringt nicht mehr viel ein und somit endet auch schon der Eintrag für den heutigen Tag.

1 Kommentar:

  1. Hans schreibt:

    Du darfst nicht alles so eng sehen mit Deinem Flugnachbar. Sei einfach froh, dass er nicht Deine Nase genommen hat.

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