Dienstag, 3. März 2009

Die ersten Tage

Die ersten Tage in China sind rum und bisher war es eine schwere Geburt. Ich werde in Zukunft versuchen, so oft wie möglich zu berichten, kann aber nicht versprechen, dass das mit dem Netz so stabil läuft. Aber was will man für zwei Euronen im Monat auch erwarten?

Tag 1: Anreise
Nach ca. 20 Stunden Reise (Bremen-München-Peking-Xi'an) kommen wir am Freitag zu sechst am Flughafen Xi'an an. Während des Fluges sieht man nicht viel, es geht über Sibirien, die Mongolei und einen Teil Chinas, der einer Wüste gleicht. Peking ist riesig aber steht in einer großen Wolke. Am Flughafen des Zielortes warten schon sehnlichst fünf chinesische Studenten mit dem Universitätsbus auf uns. Das Kofferschleppen hat ein Ende und es geht noch ca. eine Stunde einmal quer durch die Stadt. Die ersten Eindrücke sind toll: Es herrscht weder Rechts- noch Linksverkehr, sondern Universalverkehr. Mangels Straßenmarkierung stehen dir mal eine, mal vier Spuren zur Verfügung, überholt werden darf von jeder Seite, wer blinkt ist ein Weichei. Die Straße teilen sich neben dir alte LKW, viele Taxis, ein paar Mopeds, Rikschas, abenteuerlich bepackte Fahrräder und Fußgänger. Letztere natürlich gänzlich unbeleuchtet, aber da es bei der Vehikelmenge sowieso recht langsam vorangeht, erkennt man sie trotz des dichten Staubs noch rechtzeitig. Hupen und Lichthupen passen sich hervorragend der Umwelt ihren schrill und kitschig beleuchteten Häusern an.
Das Wohnheim, bisher hoch angepriesen, da (gegen Entgelt) von den Vormietern gut ausgestattet, bremst (wahrscheinlich auch bedingt durch die Übermüdung) die Anfangseuphorie zunächst schlagartig. Neben den versprochenen Luxusgütern lagern noch viel Müll und vor allem Staub. Und das überall.
Zur Entschädigung geht's mit den Chinesen erstmal gut und günstig essen. Anschließend wird das erste Mal beim Campus-Supermarkt eingekauft. Das Bier kostet einen Viertel Euro und der Laden soll ab heute Anlaufstation für jeden folgenden Tag werden.

Tag 2: Stadterkundung mit Chinesen
Um elf werden wir von den Chinesen, Lucky und Allen (ihr gewählter westlicher Name) abgeholt. Es geht in die Innenstadt, erste Sachen anschaffen. Es geht, taktischerweise unklug, zuerst zum Walmart. Es gibt viele schöne und viele nicht so schöne Sachen zu kaufen, wir machen von ersteren Gebrauch. Mit einem viel zu schweren Rucksack geht's ins Moslem-Viertel, gute Baozi essen. Es ist hier üblich, dass immer einer die Runde übernimmt. Getrennt bezahlen, wie man es in Deutschland kennt, ist nicht gut angesehen. Also übernehme ich mal die Runde und mit umgerechnet 14 Euro bekomm ich sieben Personen gut satt. Anschließend, noch immer voll beladen, betreten wir ein Mobilfunktelefongeschäft. Ein Studentenausweis sowie 100 Yuan (Wechselkurs ca. 10:1, Betrag dient gleichzeitig als Startguthaben) reichen, um binnen weniger Minuten eine Handykarte zu besitzen und jederzeit erreichbar zu sein.
Der Abend wird damit zugebracht, Sonnenschein in die Stinkbude zu bekommen. Doch dieses Unternehmen soll noch Tage dauern.

Tag 3: Stadterkundung ohne Chinesen
Es ist Sonntag. Der Tag des Herren und der ruhenden Arbeit. Denkt man. Aber in China ticken die Uhren anders und so ist dies ein Wochentag wie jeder andere. Gut für uns. Denn einige WG sind noch so gut wie unmöbliert, was nunmal scheiße ist. Also folgen suchen wir auf dem großen Stadtplan und finden tatsächlich ein "Furniture-Center". Wir hocken im Südosten, jenes Center im Nordosten der Stadt, die knapp 8 Millionen Einwohner fasst. Trotzdem erreicht schaffen wir es mit einmal Umsteigen auf Anhieb. Einfach nur mal, um unser Chinesisch zu testen, fragen wir dennoch hunder Meter davor nach dem Weg. Es klappt.
Nun darf man sich ein hiesiges Möbelcenter nicht wie ein IKEA vorstellen. Vielmehr ist es eine Aneinanderreihung baureifer Behausungen, in denen sich auf kleinem Raum möglichst viele Möbelstücke tummeln. Vor diesen Bauten sitzt zumeist eine Frau, die des Englischen nicht mächtig ist. In der Gruppe sind wir aber stark und so schaffen wir es tatsächlich, zwei Sofas, einen tollen Fernsehtisch und zwei Matratzen (Gesamtmenge) für nur 2000 Yuan zu ergattern.
Zur Belohnung wird nochmal gegessen. Diesmal allerdings mehr schlecht als recht. Dann verirren wir und auf dem Weg zum (anderen) Walmart doch in einen Baumarkt, eigentlich auf der Suche nach Teppichen. Die gibt es nicht, also suchen wir die Toilette. Diese war auch ausgeschildert, die Schilder führen uns aber nur nach draußen und in das luxuriöse Hotel nebenan möchten wir uns nicht wagen. Bis dahin gehen uns die Mitarbeiter (von denen es dort zig mal so viele gibt, wie in einem deutschen Baumarkt) fein säuberlich aus dem Weg. Da Lukas und ich aber die Idee haben, unsere Drecksbehausung wohnlich zu machen indem wir die Wände streichen, suchen wir nochmal besagten Markt auf und gucken nach Farbe. Auf einmal waren wir die große Attraktion und zehn Damen kümmern sich um uns, inklusive einer am Telefon, die als Einzige des Englischen mächtig war, um mögliche Unklarheiten zu klären. Allerdings sind vielleicht auch nicht wir die Attraktion, sondern vielmehr die neue Farbmischanlage, die uns ein herrliches Rot und Grün zaubert.
Natürlich geht der Abend für's Putzen und Streichen drauf. Und einen Gang zum Supermarkt, in dem wir als Exoten nunmehr sehr bekannt sind. Man entschuldigt sich dafür, dass die Stelle, wo sonst unser Lieblingsbier (also das einzig trinkbare) lagert, aufgrund von Lieferschwierigkeiten leer ist. Zum Glück haben wir Reserven.

Tag 4: Gas, Wasser, Heizung, Telefon, Internet, Fotos
Wir haben noch immer kein Internet und Heißwasser und Gas. Dafür ist die Behausung halbwegs sauber, es fehlt noch der Feinschliff und eine Wand. Morgens geht es also mit dem Unibus und unserer Betreuerin nach einem obligatorischen Polizeibesuch in die Stadt. Die Hälfte von uns hat schon Passfotos für alle möglichen Behördengänge, der Rest noch nicht. Diese werden ohne Komplikationen schnell geschossen. Zweite besagte Hälfte hat ebenso noch keine Mobilfunktelefonkarte. Nach vielen Erklärungen und Feilschen um die Nummer fällt der Verkäuferin allerdings auf, dass nur zwei der vier benötigten SIM-Karten auf Vorrat liegen. Somit geht's zwecks Internet unvollrichteter Dinge auf den Campus. Allerdings auch umsonst, da uns erklärt wird, dass der Anschluss schon einst bestellt wird, man wüsste aber nicht wann und von wem und somit könnte man es nicht raussuchen. Zuhause würden sicherlich unsere Identifikationsnummern liegen. Na klar, in dem Chaos.
Damit diese Reise für mich also noch einen Sinn macht, wird kurzerhand noch die Uni besichtigt, in der wir in einem halben Jahr Vorlesungen haben. Und es gibt wieder hervorragendes Essen, da wir Jia, Arnes Freundin, dabei haben, die im Restaurant wieder das beste raussucht.
Nachmittags ist erstmals Sprachkurs, der ab heute vier Stunden täglich angesagt ist. Sechs Wochen lang. Es kann nicht schaden.
Abends: Letzte Streicharbeiten, Feinschliff bei den Säuberungsaktionen. Die Bude glänzt, riecht aber noch nach Farbe. Nach einem Gang (voller Scharm ob des Bedürfnisses nach Bier) zum Supermarkt wird noch ein Film geschaut, dann ab in die Heia.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen