Dienstag, 21. April 2009

Tag 51: Versagt. Fast.



Heute soll mein großer Tag werden: Ich laufe die 1500 Meter. Die von mir bis ins kleinste Detail ausgeklügelte Taktik und Vorbereitung sieht wie folgt aus:
* In der vorhergehenden Nacht wird intensiv geruht. Am besten ab Vor Mitternacht bis morgens um zehn.
* Einem leichten Frühstück folgt ca. zwei Stunden vor dem Startschuss ein ebenso leichtes Mittagessen, am besten aus Nudeln bestehend.
* Ich laufe mich ein paar Runden warm und dehne mich gut.
* Der Wasserhaushalt wird gut ausgeglichen sein.

Den ersten Fehler machte ich bereits gestern, als ich mit in die Disco ging. Wenngleich mich mein schlechtes Gewissen dort sofort gen Couch trieb, so war der dortige Schlaf nicht gerade zufriedenstellend.
Das Ende meiner langen Ruhephase ist leider schon sehr früh, um acht, besiegelt, da im Hof vor meinem Fenster zwei Kinder wahlweise vor Freude laut kreischen oder heulen wie Sirenen. Wahrscheinlich ist es die Rache der Eltern, die sich gestern um halb elf, als wir zu laut vor dem Haus standen, beschwerten. Ich döse also nur noch bis elf Uhr vor mich hin, habe Kopfschmerzen.
Mein Frühstück besteht aus etwas Schokolade. Da niemand meiner Freunde wach ist, fehlt mir die Motivation, etwas gutes vorzubereiten. Gegen eins, also schon wieder zu spät, zieht es mich mit Thomas und Andy gen Mensa. Hier halte ich meinen Plan ein und bestelle mir Nudeln, kalt angemacht. Leider mit schwerer Erdnussbuttercrème, in die eine hellblaue Flüssigkeit, Mundwasser ähnelnd, gemischt wird. Dennoch schmeckt es, ist aber eindeutig zu viel. Ich entsinne mich jedoch Spätzles gestriger Mahnung, dass man Nudeln und Reis immer aufessen sollte, da andere hungern, und somit genehmige ich mir die ganze Portion, bis mein Handy klingelt und man mir sagt, dass mein Wettbewerb auf zwei Uhr, also eine dreiviertel Stunde, vorverlegt würde.
Prima, somit bleibt mir weniger als eine Stunde zum Verdauen. Ich lege mich noch einmal auf die Couch zum Verdauungsschlaf, doch als ich erwache, scheint die Nudelteigmasse sich im Körper nicht weiter hinunterbewegt zu haben. Mag an der Schwerkraft liegen, da ich schließlich nur lag und nicht stand. Dass der Klumpen unverdaulich erscheint, wird dadurch bestätigt, dass, nachdem ich mich dessen kurzerhand durch das Nahrungsaufnahmeorgan entledigt habe, selbst das Abflussrohr Probleme hat und sich erst am Abend nach gutem Zureden des Pümpels dazu entschließt, meinem Mittagessen Durchgang zu gewehren.
Federleicht aber auch erschöpft geht es nun zur Anmeldung. Natürlich hat das mit der Vorverlegung abermals nicht geklappt, ich hätte also genug Zeit zum Verdauen gehabt. Schwamm drüber, ich laufe mich eine kurze Runde warm, kämpfe mit leichten Schwindelanfällen (ist ja nichts mehr drin im Magen, außer der Kaugummi, den ich verschlucke) und werde zurückgerufen. Man braucht verdammt lange, bis man alle Teilnehmer aufgerufen hat und wir werden in drei Gruppen eingeteilt, ich bin in der zweiten.
Der Lauf der ersten Gruppe zeigt mir wenig neues: Der ganze Haufen stürzt los wie die Berserker, wobei unter ihnen nur wenige sind, die das Tempo auch durchhalten. Aber die sind dann wirklich flink und reißen die Strecke in 4 Minuten 20 runter. Ich habe also lediglich gegen jene, die mit der Zeit einbrechen, eine Chance.
Meine letzte Hoffnung ist das Wetter: Gemeinsam bitten wir unseren neuen Gott, den Gierschlund, um gutes Fritz-Walter-, ab heute auch Mirko-Wetter genannt. Und tatsächlich: Pünktlich zum Start fängt es an zu regnen, was bei meinen Kontrahenten eine Grimasse, bei mir ein freudiges Lächeln auf das Antlitz zaubert.
Und so laufe ich dann auch erstmal fröhlich mit meiner ausgeklügelten Taktik: Ich lass sie alle erstmal vorbei, verabschiede sie mit einem "Macht's gut, ihr Trottel!" und drehe zunächst drei Ehrenrunden, alleine, in denen ich mache, was ich hier am besten kann: winken, der Kulisse Küsse zuwerfen und in erster Linie natürlich gut aussehen. Ich ernte neben den Herzen der Fans viel Mitleid und vor allem Anfeuerungsrufe. Letztere gehören sicherlich nicht zur Erfindung der Chinesen, denn ihr '加油' ('füge Öl hinzu' = anfeuern) besteht nur aus zweimal Trommeln und in hoher Tonlage gerufenen '加油'. Ich stelle mir vor, wie es in Deutschland wäre, wenn sämtliche Fans im Stadion die ganze Zeit nur "Anfeuern, Anfeuern" riefen. Aber wenigstens ihr Durchhalten imponiert mir, ebenso wie die riesigen Trommeln, die für viel Lärm sorgen.
Nach einer Runde ist der Vorletzte bereits knappe 100 Meter entfernt, nach zwei sehe ich die Spitze schon auf der anderen Seite der Bahn. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich etwas ändern muss, und so ziehe ich das Tempo einfach mal an. Ich kann's ja, bin vorher nicht gesprintet. Ich hebe mir meine Überholvorgänge für die vereinzelten Fankurven auf, winke dabei lässig gen Tribünen und das einstige Mitleid verwandelt sich spontan in Bewunderung.
In der letzten Runde pflücke ich mir sechs oder sieben Kontrahenten, und erreiche locker mein Minimalziel, nicht letzter zu werden. Der lächerliche Versuch eines anderen Läufers, mir meinen zehnten Rang (oder so) noch streitig zu machen, wird dadurch bestraft, dass er zuerst Kontakt mit meinen Beinen (nicht meine Schuld) und anschließend mit dem Boden (ebenso wenig meine Schuld) macht, nur spärlich gebremst von einer Dame, die ihn aufzufangen versucht. Er tut mir leid, denn die Tartanbahn, auf der wir laufen, ist nur ein Fake. Statt Hartgummi laufen wir auf aufgerauhtem, spitzen, rotgefärbten Beton.
Zu einer letzten Ehrenrunde mit der Fahne reicht leider meine Kraft nicht mehr, aber ich denke, die Leute werden meine Dankbarkeit ob ihrer Unterstützung auch so zur Kenntnis nehmen.
Ich gewinne heute also leider nichts, außer der Erkenntnis, dass ich noch schneller bin als im Qualifikationslauf. Eine freudige Botschaft erreicht uns dennoch: man sieht ein, dass Lukas zu Unrecht beim Kugelstoßen nichts gewonnen hat und überreicht ihm feierlich noch einen Spiegel zur Anerkennung.
Mit 0x Gold, 0x Silber, 0x Bronze aber 1x Spiegel erreichen wir somit im Medaillenspiegel einen sehr guten zweiten Platz, noch vor Supermächten wie den USA.
Deutschland, ihr könnt stolz auf eure Sportfesthelden sein.

Da der Gierschlund es zu gut mit uns meint, gießt es den ganzen weiteren Tag wie aus Kübeln, sodass wir eigentlich ruhen könnten. Aber stattdessen backen wir lieber wieder Brot und das Saubermachen der Arbeitsfläche weitet sich aus in einen Putztag. Wir unterhalten Unterstützung von 刘荣, die eigentlich nur vorbeikommt, um ins Internet zu kommen.

Abends entscheiden wir uns zu spät zum Pizzabestellen und man will uns abermals nicht beliefern. Bereits zum dritten Mal erhalten wir eine Absage. Und auch die Restaurants, die wir vorm Campus aufsuchen, sind geschlossen. Das mag daran liegen, dass man sie fast nicht erreicht, da sich die Straße in einen Fluss verwandelt hat. Wir nehmen mit ein paar weiteren Chinesen Taxis in die Stadt, wo aber auch alles geschlossen hat und somit essen wir nur gegrillten Tintenfisch von der Straße. Sehr gut.
Anschließend geht es früh ins Bett. Und das, obwohl wir nach dem Sportfest eigentlich was zu feiern hätten.

Sonntag, 19. April 2009

Tag 50: Den Medaillenspiegel fest im Visier.

Zwar finden heute keine Vorlesungen oder Projekte statt und dennoch stehen wir so früh auf, wie noch nie in unserer China-Zeit. Lukas darf sich nämlich auf dem anderen Campus im Kugelstoßen messen, Denis etwas verspätet im Sprint.
Sie machen es zunächst beide sehr gut, werden jeweils zweiter, zumindest solange, bis wir die Wettbewerbszone verlassen haben. Denis bleibt zwar zweiter, allerdings handelt es sich nur um ein Qualifikationsrennen und nur der erste kommt weiter. Bei Lukas wird erst später die Wurfweite gemessen, die Einschlaglöcher sind mit Fahnen gekennzeichnet. Zwar behauptet der Erstplatzierte auch, Lukas sei zweiter, aber irgendwie will es der Zufall so, dass der dritte einen und der zweite zwei Zentimeter mehr erreicht hat.
Somit sind wir (... olympischer Geist... das Zusammengehörigkeits-Wir...) nur vierter, müssen unser Ziel, im Medaillenspiegel mindestens vor den USA und Frankreich zu liegen, auf später verlegen.
Doch auch im Armdrücken müssen sich beide spontan geschlagen geben. Selbst die von uns ausgekührte Paradedisziplin, Tauziehen, geht voll in die Hosen. Überhaupt ist es ein kleines Phänomen, dass man tagtäglich auf schmächtige kleine Menschen trifft, allesamt mehr oder weniger Sportlegastheniker und pünktlich zum Sportfest verwandeln sie sich in Maschinen, die Meister auf ihrem Gebiet sind. Ich frage mich noch, wo die drei Bären, die unsere Gegner im Tauziehen sind, sich die letzten beiden Monate versteckt haben.
Nach dieser Schmach, in die sich auch Arne beim Weitsprung einreiht (da fliegen ein paar Deppen doch tatsächlich deutlich über sieben Meter, deklassieren alle anderen und meinen dann arroganterweise, dass das schlecht sei), sind wir vorerst nur noch Zuschauer und richten uns unseren Fanblock ein. Unser stetiger begleiter ist die Deutschlandfahne, die an zwei zusammenmontierten Schrubber-Stäben sehr professionell wirkt. Sie sorgt für Bewunderung und Beifall, aber auch für einige Unannehmlichkeiten; sie lockt stets den Schmutzfink an. Und er bringt seinen kleinen Bruder mit. Mit etwas Ignoranz und deutlichen Gesten lässt er sich zum Glück ab und zu auf Distanz halten, fragt aber dennoch ab und zu, wann wir ihn denn jetzt nach Deutschland bringen könnten.
Nachmittags kommt der Mane, Denis Kumpel aus der Heimat. Dieser bleibt bis Donnerstag und ist stetig darum bemüht, die Germanization einzuführen. So modifizieren wir zunächst am Abend den Tischtennis zum Trinksport, das ganze bei feiner deutscher Musik aus den mitgebrachten akkumulatorbetriebenen Musikboxen.
Später wollen wir eigentlich nur ein paar Bars aufsuchen, landen dann aber doch im Salsa-Club, der mit Salsa nicht viel zu tun hat. Da ich unsere einzige deutsche Medaillenhoffnung bleibe, merke ich sofort, dass es eigentlich keine gute Idee ist, lange fortzubleiben und nicht zu schlafen. Diese Erkenntnis kommt mir leider erst bei der Ankunft, zum Glück sind die Ledercouches dort aber so gemütlich, dass ein paar Runden Bubumachen drin sind. Zwischendurch vertanze ich die neu aufgeladene Energie zwar sofort wieder, aber eigentlich meine ich, morgen fit sein zu können.
Fit für Gold.

Samstag, 18. April 2009

Tag 49: Eine Runde Volksheld

Beim Projekt erfahren wir, dass die Hausinterne Druckmaschine ein Passerproblem hat und somit der ganze Druck- und Weiterverarbeitungsprozess an eine andere Firma übertragen wird. Zudem wird der englische Text gestrichen (obwohl sich das Feinsliebchen um Amerika sehr bemüht hat, ihn lesefähig zu korrigieren) wird.
Die Auslagerung ist insofern gut, dass wir jetzt nicht jeden Druckbogen selber von Hand falzen müssen (neben der Druckmaschine funktioniert die Falzmaschine nämlich auch nicht), aber was haben wir dann bitte noch zu tun? Erstmal dürfen wir also Pause machen. Drei Stunden. Weil die chinesischen Texte noch Fehler aufweisen, aber schon in Vektorgraphiken abgespeichert sind (die Textdateien sind nicht auffindbar) und somit neu geschrieben werden müssen.
Wir verbringen diese Pause bei Pizza und Kaffee und mit Shoppen. Danach sollen wir uns eine Druckerei angucken und nen Kostenvoranschlag ergattern. Danach anscheinend noch eine, aber wir haben nicht mehr so viel Lust. Wir müssen uns nämlich auch noch für die Eröffnungsfeier des Sportfests treffen und vorbereiten und so. Ein kurzer Anruf genügt und Denis darf mit einem gehässigen Lachen verkünden, dass nur die Chinesen, die uns begleiten, gehen müssen.
Beim Sportfest geht's dann richtig ab. Zwar müssen wir ziemlich lange auf unseren Einmarsch warten, werden aber mit einem prallgefüllten Stadion, bunten Lichtern, Musik und Riesenjubel (zumindest wir) empfangen. Die Runde ist leider viel zu kurz aber ein sehr feines Erlebnis. Wir lassen den Abend erst auf dem Sportplatz als Fotomodelle und später in der Wohnung mit neuen Fans ausklingen. Ich freue mich auf die Spiele. Videos dazu gibt es baldigst.

Tag 48: Olympia ich komme

Da es sich heute bei der Prüfung nur um eine mündliche handelt, haben wir ab halb zehn schon wieder frei. Auch zum Projekt sollen wir nicht erscheinen. Fragt mich bitte nicht, wie wir die Zeit totschlagen.
Gegen Mittag erhalten wir einen Anruf, dass wir uns abends wegen des Sportfests treffen müssen. Sportfest. Da war doch was. Richtig; da Philipp schon einmal seine Zeit von 6:30 Minuten auf 1500 m gelaufen ist, müssen Andreas und ich noch nachlegen, damit wir auch wirklich den besten Deutschen ins Rennen schicken. Das haben wir bislang erfolgreich vor uns hergeschoben, aber nun müssen wir ran. Unseren Vorschlag, das ganze bei einer Runde 'Schere, Stein, Papier' auszutragen, wird von Philipp abgewunken und so wollen wir seine Schmach dann doch sportlich besiegeln.
Ich mach's kurz: Ich bin der beste. Über 20 Sekunden schneller als Philipp. Ich bin ein Teufelskerl.
Trotzdem wir 12 Stunden zwischen unseren Pflichtveranstaltungen Zeit haben, schaffen wir es abermals, zu spät zum Treffen zu erscheinen. Ich gebe es langsam auf und finde mich damit ab, dass neun Leute einfach zu viele sind.

Mittwoch, 15. April 2009

Tag 47: Projekt.

Zwar hat gestern eigentlich unser Projekt begonnen, dennoch haben wir heute frei. Bei jenem vorgeschriebenen Projekt ist es unsere Ausgabe, die Universitätsbroschüre zu erstellen, die in drei Wochen fertig sein muss, da dann die großen Feierlichkeiten zum 60jährigen Jubiläum anstehen. Klingt zunächst nicht schlecht, allerdings ist eigentlich schon alles fertig gestaltet und die Texte geschrieben, also müssen wir nur noch ausschießen, drucken und in die Weiterverarbeitung gehen. Nicht gerade viel.
Natürlich gibt es dann aber doch noch einen Haken; das Layout ist nicht wirklich schön, die Bilder sind schlecht, die chinesischen Texte sind in Vektorgraphiken gespeichert, welche das editieren nicht möglich machen und der englische Text ist noch voll mit Fehlern. Allerdings ist dieser vom Uni-Präsidenten höchst selbst verfasst. Wir haben nun keine Ahnung, ob man daran etwas ändern darf, oder ob o.g. dann sein Gesicht verlieren würde.
Nun gut, heute machen wir erstmal nichts daran, sondern schlafen aus. Und dann lernen wir, da morgen die letzte Prüfung für lange Zeit ansteht, Chinesisch mündlich.
Da es draußen stickig heiß ist, bleiben wir der Natur bis auf eine Ausnahme in Form eines Ganges zur Nahrungsmittelbeschaffung den ganzen Tag lang fern. Das wird man hoffentlich auch mal dürfen.

Tag 46: Das Dorf.

Da es den Studentenwohnheimen auf dem Campus an sanitären Anlagen ein wenig mangelt, kommt man zum Duschen entweder zu uns (sofern wir Einlass gewehren) oder man sucht 'das Dorf' auf. Bislang dachten wir nur an einen Übersetzungsfehler, da wir in einer 8 Millionen Einwohner großen Stadt leben und nun nicht unbedingt am äußerst äußersten Rand.
Die Bullenhitze und die damit verbundene Knappheit an T-Shirts, sowie die Unlust, ins Stadtzentrum zu fahren, will es nunmal so, dass Lukas und ich uns heute selber auf den Weg ins ominöse Dorf machen.
Bei knallender Sonne, die hiesige Anwohner aus Angst vor der Sommerbräune nicht davon abhält, trotzdem in langen Klamotten rumzulaufen, führt uns der Weg zunächst runter vom Campus durch eine wüstenähnliche Natur: rechts und links der geteerten Straßen türmen sich Sandwüsten, alle gepflanzten Bäume sind abgestorben. Am Horizont, der hier wegen der opaken Luft zum Greifen nahe, also nur zweihundert Meter entfernt liegt, erahnen wir schon die Häuserfassaden des Dorfes.
Wie aus dem Nichts entsteht hier wieder Vegetation, Menschen drängen sich durch die schmale Straße und sie drängen sich noch mehr aneinander, um den unheimlichen Fremden Platz zu machen. Düfte, Essensstände mit Fleisch in der prallen Sonne, Lebensmittelabfälle, selbstkonstruierte Kräne, die Häuser bauen und kranke Hunde zieren die Backsteinfassaden.
Wie aus dem Nichts entsteht hier etwas, was mich an das China erinnert, das sich im Laufe der Zeit meines jungen Lebens in meinem Kopfe aufgebaut hat.
Ich bekomm es ein wenig mit der Angst zu tun, aber ich habe mit Lukas meinen starken Bewacher dabei. Zusammen finden wir sogar, was wir suchen. Und sogar noch mehr: Am Kiosk einer angsteinflößenden Frau gibt es 'Bittergurken-Bier'. Wir genehmigen uns ein Fläschchen und stellen fest, dass es das erste ist, das richtig herb schmeckt. Wie ein gutes Bier.
Ich schätze, jenes Bier wird mich noch des öfteren in das Dorf locken.

Montag, 13. April 2009

Tag 45: Ein wenig Ostern.

Nach ausgiebigem Bubumachen bis zwei Uhr, Blogeinträge schreiben und etwas Frühstück begeben wir uns um vier (nun gut, natürlich später, weil wann sind wir schonmal pünktlich) in die neue Mensa, in der Jan mit seinen Schülern uns sehnlichst erwartet. Uns wird ein Bereich zur Verfügung gestellt, in der wir Jiaozi herstellen können. Jiaozi ähneln den schwäbischen Maultaschen, schmecken gut und hier macht man sie immer in geselliger Runde, sofern Festtage stattfinden. Oster ist hier zwar kein Fest, aber das ist ja auch egal. Es dient einfach mal wieder dem interkulturellen Austausch.
Diese sind rasch hergestellt und noch viel schneller gegessen, da von uns Deutschen so gut wie keiner ein anständiges Mahl zuvor hatte.
Weil man sonntags sowieso nie was vor hat, geht es danach in den Deutschclub, um die vorher ausgeblasenen Eier zu bemalen und zu zeigen, wie bei uns der Hase läuft, zum Osterfest. Ich mag Eier bemalen. Ich glaube, ich mache das jetzt öfters.
Da wir keinen Haselnussast haben, werden die bunten Eier an den kitschigen Weihnachtsbaum gehängt. Die reinste Wonne.
Um es meinen schwäbischen Kommilitonen rechtzumachen, erkläre ich mich später bereit, mit ihnen Bundesliga, Stuttgart zu gucken. Zumindest täusche ich es vor, denn eigentlich bin ich während des langweiligen Spiels permanent damit beschäftigt, dem SMS-Bombardement standzuhalten. Nach kurzer Ruhephase in der letzten Zeit sind es derer Verfasser glatt wieder vier. Hoch im Kurs steht mittlerweile die Frage, wann ich heiraten will. 25 als Jahreszahl ist hier die Schwelle, die man nicht unbedingt übertreten sollte, dennoch findet man, dass es nächstes Jahr noch ein wenig zu früh für mich sei.
Für mich und wen?

Sonntag, 12. April 2009

Tag 44: Disco Disco

Endlich mal wieder ein verkaterter Samstag, wie er im Buche steht:
Man steht, nein, man wacht um zwei Uhr auf, wälzt sich im Bett umher und hat keine Lust aufzustehen. Aber man muss. Einem dürftigen Frühstück folgt ein Tag auf der Couch mit DVD, ab und zu werden mal Dosen ausgespühlt und aufgeräumt, aber die körperlichen Aktivitäten halten sich in Grenzen.
Erst Abends setzt der Hunger wieder ein. Welch ein Glück, dass wir vorgestern in der Metro waren und so gute Erdäpfel und sehr gutes und verdammt günstiges Rinderfleisch unser eigen nennen können, so müssen wir nicht mal zur Mensa laufen. Die beachtliche Kochzeit der Kokosnuss großen Kartoffeln gewährt uns sogar die Möglichkeit, alles in einem nicht zu hohen Tempo ablaufen zu lassen, sodass wir das zermaterte Hirn bei der Planung der Fleischzubereitung nicht zu sehr fordern müssen.
Letztendlich gibt es gutes Steak, Spiegelei und Butterkartoffeln und mir fällt auf, dass ich verdammt lange nicht mehr chinesisch gegessen habe. Da trifft es sich gut, dass Spätzle (aka Zuhälter, Spätzle ist sein neuer von uns gegebener Name, den er auch akzeptiert) bewaffnet mit Schweineohren vorbeikommt. Ich verspreche, später, wenn ich wieder hungrig bin, zu probieren. Dazu kommt es nicht.
Wir erinnern uns, dass wir gestern abgemacht haben, das 一加一 (1+1), eine Disco aufzusuchen. Und zwar heute. Schnell trommeln wir die Leute zusammen und sind gegen elf (eigentlich schon viel zu spät; man geht hier nämlich eigentlich schon um neun oder zehn in Discos) da. Einer schmalen, sehr klein wirkenden Eingangsfassade folgt ein vierstöckiger, verwinkelter Komplex, in dem man sich leicht verlaufen kann. An jeder Ecke stehen, wie polizisten bekleidete (mit Helm und Hemd) Wachmänner und reizende Hostessen, die einem zu weitergehen animieren. Den Gästen, also uns, soll gegen unseren Willen nur das beste gegeben werden, wir werden also erstmal im vierten Stock im VIP-Raum mit eigener Bedienung verfrachtet. Hier kann man, Surprise Surprise, Karaoke machen. Es lässt sich ganz gut aushalten, aber sobald das bestellte Bier zu warm ist, suche ich auch mal die Tanzfläche auf.
Spätzle hat uns vorher schon gewarnt, dass vernünftige Frauen die Disco nicht aufsuchen würden. Nur jene, die ein bestimmtes Ziel aufsuchen. Und so ist es dann auch. Thomas ist mit seinen langen Haaren und der großen Nase schnell Objekt der Begierde und wird arg umklammert, Philipp kann sich vor Avancen auch kaum retten. Aber es geht auch umgekehrt: sobald man als Frau auf der Tanzfläche erscheinst, hast du sofort eine Traube Buben um dich herum, das ganze erscheint wie das Balzverhalten in der Brunft wilder Tiere. Und da ist es den meisten auch irgendwie egal, ob du eine Frau bist, oder nur eine Frau, offensichtlich gefangen im Körper eines Buben.
Mir bereitet das alles ein wenig Angst und ich bin froh, dass ich mir kein Ziel gesetzt habe. Ich suche lediglich den Kontakt zu anderen, um an ein Bier zu kommen, denn auf jedem Tisch, der irgendwie besetzt ist, stehen mindestens zehn Flaschen, die die Tischbesetzer unmöglich alleine trinken können.
Und dann tanze ich sogar. Oder mache sowas ähnliches. Zumindest bewegt sich der Körper, bis die Disco dann schließen möchte und wir so ziemlich die letzten sind.
Es trifft sich gut, dass wir auf dem Rückweg an einem amerikanischen Restaurant vorbeikommen, das rund um die Uhr geöffnet hat. Ich spreche einen Toast auf den international gleichbleibenden Geschmack des BigMacs aus, bevor wir um halb sieben in der Früh wieder am Wohnheim ankommen.
An diesem Wochenende sind die Nächte somit intensiver genutzt worden, als die Tage. Mir soll's recht sein.

Tag 43: Endlich wieder Party

Heute haben wir endgültig zum letzten Mal Sprachkurs bei der Aussprache-Lehrerin. Es zeigt sich wie schon die letzten Male, dass wir unseren Aufgabenzettel unlängst abgearbeitet haben, sodass wir nach einer Stunde, in der sie uns erzählt, wie die mündliche Prüfung am Mittwoch ablaufen wird, fertig sind. Und plötzlich ist der Tag verdammt lang.
Während Lukas und ich uns im Tischtennis messen, bereiten Thomas, Philipp, Hanna und Nadine uns köstliche gefüllte Pfannkuchen zu. Hierzu nachträglich mein Dankeschön.
Nachmittags steht endlich nach zwei Wochen mal wieder ein Fußballspiel an, auswärts an einer Uni im Norden. Nervigerweise kommt mal wieder die chinesische Unplanbarkeit zum Einsatz und so wird der Anpfiff von drei Uhr auf vier Uhr auf halb fünf auf fünf verlegt. Das Spiel ist auch mehr oder weniger eine Farce, alle sind ein wenig angenervt, die vom Coach gegebenen taktischen Anweisungen und Aufstellungen werden kein Stück eingehalten und so ist der Nachmittag mehr oder weniger verschwendete Zeit. Das einzig positive ist die Sonne, die mir ein wenig Farbe gibt.
Wir kommen somit erst nach sechs Stunden, um acht, wieder am Wohnheim an. Müde und hungrig. Aber es hilft ja nichts, es steht mal wieder eine Feierlichkeit im Hause der deutschen Studenten an. Als ich mit Duschen fertig bin, ist es die Party dann aber auch schon fast wieder, weil es sich die meisten schon ordentlich mit Spirituosen gegeben haben, die Stimmung empfinde ich etwas komisch. Hier eine ziemlich abwesende Chinesin, dort ein schwankender Bube und mittendrin eine genervte H. Und das um neun Uhr... Aber gut, die Zeit ist ja auch begrenzt, da bekanntlich das Wohnheim der Studenten um elfe schließt.
Da der Pizzalieferant an uns mal wieder nichts verdienen will, hauen Lukas, Denis und ich, bekanntlich hungrig vom Sport, uns 15 für Ostern gedachte Eier in die Pfanne, dazu feines Rinderfleisch und gedenken, das ganze dann auf Brot zu verspeisen. Leider verlagert sich die Festlichkeit von oben dann zunehmenst in unsere Wohnung, da alle mal von der fremden westlichen Nahrung probieren wollen. Ich gebe mich also letztendlich mit nur einem Brot zufrieden.
Anschließend öffne ich meinen aus Guilin mitgebrachten Schlangenschnaps. Dieser schmeckt leider nicht annähernd so gut wie der auf dem Schiff und so beschließe ich, Olaf seinen Lebensraum zu erhalten und mein neues Haustier im Regal stehen zu lassen.
Habe ich schon erwähnt, dass ich müde bin? Das bin ich nämlich sehr und so genehmige ich mir ab eins erstmal auf dem Sessel eine Auszeit. Und dann geh ich ins Bett. Sage ich. Ne halbe Stunde später bin ich unvernünftigerweise wieder oben, frisch und munter.
Ich finde mich letztendlich um halb sieben schlafenderweise auf dem Sofa wieder und trete nun endgültig den Weg ins Bett an. Vorher erhält Martin (auf dessen Party wir vor zwei Wochen waren), der die Gästematratze in Anspruch nimmt, von mir die Mensakarte und den Schlüssel, da er Hunger hat. Er weckt mich später klopfenderweise abermals. Nur mit T-Shirt und Boxershorts bekleidet und dem Spruch "Die Chinesen verstehen auch gar keinen Spaß..." begrüßt er mich.
Mich wundert heute nicht mehr viel.

Tag 42: Ein Stück Heimat.

Gut gerüstet erscheinen wir heute mal fast alle pünktlich im Deutschclub, es steht nämlich die Prüfung an. Ein wenig Wissen, gute Gruppenarbeit und ein bisschen Raten sollen locker für das Bestehen und noch mehr gereicht haben.
Die Erkenntnis, die ich aus dieser Prüfung ziehe, bestätigt meine früheren Gedankengänge: Es dreht sich hier alles nur um das Auswendiglernen. Denn sämtliche Prüfungsaufgaben sind aus dem Übungsbuch übernommen oder aus der HSK-Prüfung, die wir Dienstag machen sollten. Bei dieser hat zwar keiner wirklich was verstanden, aber sofern man sich aus den Sätzen eins, zwei Zeichen gemerkt hat und dazu die Antwortmöglichkeit A, B, C oder D, so kann man locker sämtliche Punkte einsacken.
Diese Methode zu lernen erschien mir leider zu einfach. Oder ich war zu faul. Aber gut. Schwamm drüber.
Während der Prüfung stattet uns Schmutzfink mal wieder einen Besuch ab, wird aber von der Dozentin höflichst gebeten, zu gehen. Ich danke ihr dafür.
Gegen halb elf sind wir dann schon alle fertig und belohnen uns für die sechs Wochen höchste körperliche Anstrengung, Schlafdefizit und geistige Ausbeutung mit einem Trip in ein Stück Heimat, die Metro. Aber was wäre ein Einkaufserlebnis bei der Metro ohne das Paulaner Brauhaus auf dem Messegelände? Endlich landet mal wieder richtig gute Kost ohne Geschmacksverstärker, Essig, Lemongras und Bierfisch auf dem Teller, denn es gibt Leberkäs mit Bratkartoffeln. Wenngleich letzte noch nicht ganz durch sind und man stark mit dem Salz gegeizt hat, so ist es doch ein Gaumenschmaus. Und mit eins, zwei Weizenbieren verfeinert... da geht nichts drüber.
Der Einkauf zieht sich dann auch mal glatt bis halb sechs. Anschließend gehe ich natürlich nur zum Aufbessern der Sprachkenntnisse mit einer Dame essen, erzähle leichtsinnigerweise, dass ich Mathe-Leistungskurs hatte und bin somit zum Hausaufgaben helfen (Kopieren der Lösungen aus dem Lösungsbuch) eingeplant. Es scheitert letztendlich aber doch an meiner Handschrift.
Die vom Sandmann geschickten Sandstürme haben Wirkung; ich bin noch vor zwölf Uhr im Bett.

Donnerstag, 9. April 2009

Tag 41: Lernen und was man stattdessen macht.

Letzter Tag vor der Prüfung, heute haben wir allerdings die zweite Professorin, die für die Aussprache zuständig ist. Wir müssen diesmal nicht nur Vokabeln und Texte aus dem Buch ablesen, sondern dürfen mal selber erzählen, wie unser Ausflug so war. Das mag aber vielleicht nur daran liegen, dass wir unseren Soll für den diessemestrigen Sprachkurs erfüllt haben und man nicht mehr viel mit uns anzufangen weiß, denn die Pause artet mal wieder aus und somit verbringen wir 40 Minuten mit nichts.
Pünktlich zum Pausenende findet uns gestern beschriebener penetranter Schmutzfink. Er will jetzt auch Deutsch lernen, setzt sich also auf einen von uns eigentlich belegten Platz. Als er von Philipp aufgefordert wird, dessen Platz zu verlassen, setzt er sich auf Jans Platz. Anschließend hockt er am Ende des Tischs und steht, hippelig wie er ist, dauernd auf, rennt zum Bücherregal und holt sich ein Buch. Zehn Stück sollten dann für ihn reichen, anschließend kann er wohl mit uns reden. Wir machen ihm klar, dass wir ihm die Bücher nicht verleihen können.
Anschließend müssen wir den Raum verlassen, da wegen Malerarbeiten (weiterhin Rebuild, man hat in der letzten Nacht auch die ganzen Risse, die unsere Wände zieren, neu verspachtelt) unser Strom abgeschaltet ist. Es geht zur Professorin ins Büro, wo sie uns wie letzte Woche eine Reportage über 'Wild China' gezeigt wird.
Schmutzfink folgt unaufgefordert, belegt einen für uns reservierten Plätze und pennt nach zwei Minuten ein. Leider wird er pünktlich zum Ende geweckt und möchte mit uns Essen gehen. Wir möchten nicht essen. Wir wollen schlafen. Sagen wir. Mit dieser Lüge kann ich leben.
Lukas und Denis bekommen das ganze nicht mit. Sie verpassen den Unterricht zugunsten der Prüfungsvorbereitung.
Hanna verpasst es ebenso. Sie erscheint zwar erst, steht aber nach zwei Minuten auf und verschwindet, ohne ihre Sachen. Sparzieren ging sie. Sagt sie später. Mit dieser Lüge kann ich auch leben.
Draußen ist es warm. Sehr warm. Zum Glück beginnen die großen Stürme, die einen stetig Sand in die Äuglein pusten. Somit nutzen wir den Tag lieber in der Wohnung und lernen. Oder täuschen vor, es zu tun. Mir fällt, meine Kleidung betrachtend, auf, dass mir etliche Knöpfe an Hose und Hemd fehlen. Also gehe ich mit Denis und Thomas zu dem Besitzer des 1 m²-Ladens 20 Meter von unserem Haus entfernt, der darauf spezialisiert ist, irgendwas zu flicken. Die Knöpfe halten also wieder tadellos. Und auch, wenn er den Riss in meinem Hemd wie ein Berserker vernäht, so kann ich für 1,50 Yuan (0,15 Euro) auf ein gutes Schnäppchen zurückschauen. Wenngleich ich, mir die Frage stellend, wie der so überleben kann, ihm das doppelte zahle.

Tag 40: Unelegant penetrant.

Heute werden wir im Sprachkurs das erste Mal, pünktlich zwei Tage vor der Prüfung, richtig gefordert. Die Professorin legt uns einen höheren HSK-Test (offizielle Prüfung für's Sprachzeugnis) vor und meint, dass wir das neben den anderen Übungen auch noch für die Prüfung können müssen. Wir verstehen nur Chinesisch.
Das mag aber auch daran liegen, dass uns das Wochenende in Guilin gut geschlaucht hat. Somit wird am Nachmittag erstmal gut geruht.
Abends werden wir seit Tagen sehnlichst auf dem Tischtennisfeld erwartet. Und dass wir beliebt sind, wissen wir mittlerweile, aber so penetrant, wie heute, wurden wir noch nicht belagert. Aufgrund seines ungepflegten Auftretens heißt er fortan nur noch Schmutzfink. Schmutzfink hält es nicht wirklich für nötig, sich vorzustellen, er guckt erst nur beim Tischtennis zu, belabert uns auf Englisch und hockt stetig zwischen uns. Sobald jemand sein Handy zückt, wird es kurzerhand entwendet und seine Telefonnummer erscheint im Display. Man kann vom Glück sprechen, dass die Verbindung heute sehr schlecht ist und somit nicht aufgebaut werden kann.
Wir wünschen uns, trotz unseres guten Wesens, Schmutzfink in naher Zukunft nicht unbedingt wiedersehen zu müssen.

Dienstag, 7. April 2009

Tag 39: Freizeit.

Im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen dürfen wir unseren Schlafverbrauch selber bestimmen, da wir erst um halb zwölf aus dem Hotel auschecken müssen. Es wäre vielleicht wünschenswert gewesen, hätten wir uns dennoch etwas über unsere Pläne abgesprochen. Mein Plan ist es eigentlich, ein gesundes Mittelmaß an ausreichend Schlaf und genügend Freizeit, um noch in die Stadt zu gehen, zu finden. Ich peile halb neun an. Thomas, mein Zimmergenosse will lieber früh sein Frühstück einverleiben und dann wieder schlafen. Also klingeln unsere Wecker abwechselnd. Ich setze mich mit neun Uhr durch und fühle mich gerüstet für einen aufregenden Tag.
Die Stadt ist etwas ernüchternd, lediglich Eierkuchen und guter Kaffee bessern die Stimmung auf. Und sie sorgen bei mir dafür, dass ich zum Mittag nicht allzuviel Hunger habe und somit auch nicht viel von dem Essen verzehren muss, das es schon die letzten Tage dauernd gab. Zum Mittag fahren wir übrigens, da es im Preis mitinbegriffen ist, mit dem Bus. Klar, für den ist es auch ein bisschen Fahrzeit, weil man etwas außen rum fahren muss und die Straßen in der verhältnismäßig kleinen Stadt immer voll sind. Zu Fuß wären es vielleicht dreihundert Meter Luftlinie. Im Endeffekt dauert das Beladen der Fahrgäste wahrscheinlich länger als wenn man gelaufen wäre, aber was soll's. Vielleicht wurde auch schon vorher an den Rückweg gedacht, denn der dauert mit dem Bus nochmal länger, weil wir einen anderen Bogen fahren müssen, da es noch in einen Park geht, um den Elefantenrüsselberg zu begutachten. Dieser befindet sich aber auch nur 300 Meter von unserem Hotel auf der anderen Seite entfernt.
Der 'Park' ist ein wenig ernüchternd. Der Elefantenrüsselfelsen ist einfach ein Berg, der in der Mitte ein Loch hat und deshalb, wenn man aus dem richtigen Winkel ein Foto schießt, aussieht, wie ein trinkender Elefant.
Und mit betrachten dieses Felsens endet auch schon das Programm für den heutigen Tag. Offiziell. Wir schreiten selber zur Tat, klauen der Führerin ihre Guide-Fahne und machen unsere eigene kleine Gruppe, die den Felsen besteigt. Es ist nämlich noch Zeit bis fünf Uhr. Doch auch die anschließende ausführliche Erkundung des weiteren Geländes kann es nicht verhindern, dass wir noch zwei Stunden Zeit haben und gehen wir wieder in die Stadt und entsinnen uns, dass wir gestern auf dem Heimweg (so gegen ein Uhr in der Nacht) das Massage-Angebot ausgeschlagen haben, aber versprachen, morgen, also heute, wiederzukommen. Und so kehren Thomas, Denis und ich in jenem Massagesalon ein und gönnen unseren vom vielen Maschieren lädierten und wohlriechenden (für Käseliebhaber) Füßchen mitsamt den daranhängenden Schenkeln eine Massage.
Mit den Damen kann man sich gut unterhalten, auch wenn sie den gleichen Sprachfehler wie unsere Reiseleiterin aufweisen. Sie bedanken sich noch für unsere gestrige Aufforderung, den Laden einfach dicht zu machen und schlafen zu gehen und schreiten zur Tat. Ein prima Gefühl. Mit wohlklingendem, schmerzhaft-lustvollem Gestöhne animieren wir sie, voll zuzupacken. Nur, als sie an meinen Stampfern zugange ist und sich mit ihrem Geklopfe langsam einer gefährlichen Zone nähert, bekomm ich es ein wenig mit der Angst zu tun, was ich Denis sogleich mitteile. Ihr übersetze ich meine Gedanken allerdings mit einem "好听得很", das Geklopfe hört sich gut an, und so beklopft sie weiterhin meine Schenkel, als wär es eine Buschtrommel.
Nach einer Stunde verlassen wir auf federleichten Füßchen den Laden, ich kaufe noch eine Flasche Schlangenschnaps, selbstverfreilich mit Schlange (mit weißen, komischen Augen, aber derer immerhin zwei) drin, und schon kann es gen Flughafen gehen.
Die Straße dahin ist, sagen wir mal so, ausbaufähig. Man bekommt es mit der Angst um den eigenen Kopf zu tun, wenn man nach jeder Schwelle von seinem Sitz abhebt, aber wir überstehen alles unbeschadet.
Aus Zeitgründen fällt das Essen am Flughafen aus. Schade. Mein Magen knurrt und Bierfisch bekommen wir so schnell nicht wieder.

Montag, 6. April 2009

Tag 38: Reisfelder und Augen.

Tag drei der Reise, es geht wieder früh los. Und es geht mal wieder auf ein Schiffchen, nachdem wir in der Schlange davor den anderen Gästen aufgrund unserer Größe und dem Talent zum Fotomodell die Wartezeit ein wenig versüßen.
Wir befinden uns in einem Indianer-Ressort ähnlichen Park, in dem gezeigt wird, wie man hier früher so lebte und so, bzw. wie manche vielleicht immer noch leben müssen.
Es war recht interessant, die Darsteller tanzen für jedes der alle 15 Minuten vorbeifahrende Schiff, sind trotz nicht gerade hoher Temperaturen nur leicht bekleidet und werden nicht müde, jedem mit einem Lächeln zuzuwinken (wir im Übrigen auch nicht).
Anschließend gibt's schon Mittag in einer lieblos eingerichteten, kalten, weiträumigen Reisegruppen-Absteige. Klar, es gibt Bierfisch und die gleichen anderen Gerichte wie gestern. Aber was rein muss, muss rein.
Gesättigt besteigen wir wieder den Reisebus (der für meine Stelzen nicht wirklich gemacht ist, sitzen gleicht hoher Akrobatik), es geht zu den von Bildern bekannten Reisterrassen. Das liegt leider irgendwo in der Pampa, die Fahr beträgt zwei Stunden hin.
Am Fuße des Berges angekommen, werden wir von den traditionellen Frauen belagert, wir sollen ihren Familien helfen und irgendwas abkaufen. Eigentlich eine normale Prozedur, aber da gibt es etwas, das anders ist; einer der Frauen fehlt ein Auge, ich kann scheinbar ganz tief in ihre Seele schauen. Sie tut mir leid und gleichzeitig macht sie mir Angst. Ich will weg. Schnell.
Also geht es in den nächsten Bus, der uns den Berg zur Hälfte hochbringen soll. Und dieses Gefährt hat auch endlich mal etwas Kraft unter der Haube. Auch der Fahrer ist ein sehr geübter und zeigt uns eindrucksvoll, dass auch er Michael Schuhmacher kennt und lenkt gekonnt den Bus in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit um jede noch so scharfe Kurve, egal, wie eng die Straße auch ist und wie tief es an den Seiten bergab geht. Die richtige Antwort darauf gibt uns der Sohn von Jianglei, unserer Betreuerin. Er kotzt einfach mal auf's Polster.
Vor Angst zitternd ausgestiegen haben wir es dann immer noch nicht geschafft. Über steile Treppen geht es durch das Dorf der Einheimischen vorbei an Schnickschnack-Ständen und Essensverkäufern (hier gibt es geräucherte Ratte) bis auf den Gipfel. Es gibt das Angebot, dass uns zwei Buben hochtragen, das nehmen wir aber nicht an. Hätte die Neuseeländerin, die etwas korpulenter ist, aber mal machen sollen, denn sie schafft es nicht hoch. Und der arme Denis, der trotz immer guten Willens öfter mal ein Fettnäpfchen mitnimmt, verärgert sie zudem noch unabsichtlich, indem er ihr anbietet, einen 'carrier' zu besorgen. Laut Wörterbuch eigentlich eine mögliche Übersetzung, aber scheinbar versteht sie darunter einen Flugzeugträger oder sonstig großes Transportmittel. Statt eines "No, thank you" erntet der arme Fratz also nur ein "Oh how mean is that."
Armer Denis.
Auf dem Gipfel gibt's ne gute Aussicht, diese dürfen wir zehn Minuten genießen. Dann wird die Zeit scheinbar wieder knapp und wir werden wieder runtergescheucht. In erster Linie zählt nämlich nur, dass man mal da war und das Event per Foto festgehalten hat.
Es geht wieder binnen zwei Stunden zurück nach Guilin. Drei mal darf man raten, wie das Essen aussieht. Richtig. Der einzige Unterschied ist, dass der Service sehr mies ist, ansonsten ist alles gleich.
Philipp, Lukas und mich überkommt am Abend noch das Gefühl, dass unser Haar mal wieder einen Feinschliff bekommen könnte, somit geht's um halb elf abends (!) in den nächsten Frisörsalon. Hier gibt es noch genug freie Angestellte, die sofort zur Tat schreiten. Nachdem unsere Haare mindestens zehn Minuten einshampooniert werden (ein Waschbecken wird hierzu übrigens lediglich zum finalen Auswaschen gebraucht, der Schaum wird einfach abgeschöpft und kommt in den Mülleimer. Oder daneben.), wird frei nach Schnauze mit der Schere hier und da was weggenommen. Ich habe erst etwas Angst, bin jetzt aber doch zufrieden.
Anlässlich Thomas' morgigen 25. Geburtstags gehen wir noch in die Paulaner-Kneipe und feiern bei geschätztem europäischen Bier rein. Leider schließt die Kneipe dann recht schnell, allerdings ist bei uns auch die Luft raus.
Morgen geht es erst ab zwölf Uhr los, fantastisch.

Tag 37: Eine Bootsfahrt.

Da wir das Wochenende in 桂林 (Guilin) voll ausnutzen wollen, machen wir das komplette Touristen-Programm à la China mit; möglichst viel in möglichst kurzer Zeit durchlaufen.
Somit geht's nach dem Frühstück (das zum Leidwesen der Damen der Vorfreude auf westliche Kost nicht nachkommen kann) auf den eines der vielen Touri-Schiffe auf dem Li-Fluss, der sich durch die Region schlängelt. Dieser ist für vier Stunden angesetzt, Ziel ist 阳朔, Yangshuo. Zunächst wird die Befürchtung, dass der Wetterbericht stimmen könnte, (jene Befürchtung hat in unserer Gruppe die letzten Tage einen großen, zum Teil nicht ertragbaren Pessimismus auf den Ausflug bezogen hervorgerufen) bestätigt, denn pünktlich mit dem Ablegen fängt es mächtig an zu regnen (was eigentlich nicht verwunderlich ist, denn in der Region regnet es nur 250 Tage im Jahr). Philipp und ich halten dennoch an unserer Vorhersage, dass der Wetterbericht lediglich vom Staat manipuliert wurde, um die Region nicht mit Touristen zu überfluten, fest. Und wir dürfen uns Propheten nennen, denn die es wird alsbald heiter und soll auch in Zukunft nicht mehr regnen.
Die Region ist wirklich einen Ausflug wert, überall stehen sattgrün bewaldete kleine steile Hügel, umhüllt von Nebel, nur wenig Verkehr (hauptsächlich Boote und Wasserbüffel) und überhaupt ist die Luft im Vergleich zu Xi'an fantastisch. Aber gut, vier Stunden Fahrt mit immerzu der gleichen Landschaft wird dann doch irgendwann etwas langweilig. Da trifft es sich ganz gut, dass auf einmal eine junge Frau vor mir steht und ein mit Getränkedosen bestücktes Tablett hält. Natürlich will ich das Angebot, ein gut gekühltes Bierchen zu kaufen, aus erziehungstechnischen Gründen (kein Bier vor vier) ablehnen, entsinne mich aber sofort meines T-Shirts, das auf chinesisch den Spruch "因为我是德国人,所以我喜欢喝啤酒" (weil ich Deutscher bin, trinke ich gerne Bier) und was habe ich da noch für Argumente?
Positiv ist auch, dass das Schiff ab und an von Einheimischen mit frischgefangenen Flussgetieren versorgt wird, welche wenig später auf dem Buffet zu finden sind. Ich stelle hier mit zunehmender Begeisterung fest, dass sich mein Ekel vor fremden Speisen immer mehr verflüchtigt und so frittierte Garnelen und Krebse, Schnecken und sonstige komische Sachen im Ganzen in den Magen. Und natürlich lass ich mich nicht lange bitten, auch die einheimische Spezialität, Schlangenschnaps, zu probieren.
Letzterer, der volle Bauch und die viel zu frische Luft veranlassen mich armen Buben danach, den Rest der Fahr zu schlafen.
In Yangshuo angekommen erschlägt mich zudem noch die feuchte Hitze, die auf einmal aufkommt, also dürfen wir noch ein wenig im Hotel ruhen, bevor es in eine Tropfsteinhöhle geht. Diese weist zu europäischen Artgenossen die Besonderheit auf, dass auch sie in bunten Farben beleuchtet ist. Das sieht gut aus, bedingt aber auch die Algenbildung, sodass ich ihr nicht mehr so viele Jahre gebe, bis sie recht grün ist. Aber gut, für heute haben wir ja unsere schöne Höhle, sollen sich zukünftige Generationen einfach eine eigene suchen. Oder man macht ein Rebuild.
Am Abend gibt es Bierfisch zu essen, soll ganz besonders sein, war es aber nicht. Normaler Fisch. Und der war auch nur eine von zwölf Komponenten (die kommen alle auf die runde Drehscheibe auf dem großen Tisch, sodass sich jeder nehmen kann, was er will). Wahrscheinlich haben wir einmal zu oft gesagt, dass es wirklich gut schmeckt, denn für die folgenden drei großen Mahlzeiten soll sich das Gedeck nicht wirklich unterscheiden. Oder vielleicht kennen die auch nicht mehr Gerichte? Diese Einöde nimmt also etwas den Spaß am Essen, tut dem gesamten Ausflug aber natürlich keinen Abbruch.
Den weiteren Abend verbringen wir in einer Bar, in der Jans Kumpel, ein Franzose, zufällig am selben Abend Musik macht. Nachdem alle einsehen müssen, dass ich einfach eine unschlagbare Macht im Tischkickern bin, geht's auch schon (für Wochenenden) verhältnismäßig früh ins Bett und Tag zwei der Tour endet. Wie dieser Eintrag.

Tag 36: Der Papa ist dann mal kurz weg.

Es ist Freitag, wie angekündigt geht es nach Guilin. Das mit der Pünktlichkeit haben wir immer noch nicht so raus, also kommen wir wegen P.E. (Ich warte auf ihn. Ich bin sehr solidarisch.) trotzdem wir eigentlich nur die Zeit totschlagen zu suchen, zehn Minuten zu spät zum Treffpunkt.
Macht nichts, wir kommen pünktlich zum Flughafen und der Flug verspätet sich sowieso.
Ich bin anfangs froh, dass wir überall im Flugzeug verstreut sitzen; endlich mal Abstand von den anderen Pappnasen und man kann sich vielleicht mit Einheimischen unterhalten oder so. Diesen Plan kann ich aber sofort verwerfen, da das Public-Sleeping eine Art Trendsport darstellt; es ist also mit einem Mal ruhig und alles schläft. Lediglich zum Einverleiben der Flugmahlzeit werden Äuglein und Münder noch einmal geöffnet, bis es zum Landeanflug geht. Dieser wird, zumindest von meinem direkten Nachbarn damit verbracht, auszutesten, wie tief die Finger ins eigene Nasenloch passen. Und zwar demonstrativ und ohne Scham. Selbst die Fotoapparate, die ab und an in meine Richtung zielen (unter dem Vorwand ein Familienmitglied auf der spannenden Sitzreihe des Flugvehikels per Bildaufnahmegerät für die Ewigkeit festzuhalten, wird rein zufällig auch das eigenartige, menschenähnliche weiße Wesen im Hintergrund aufgezeichnet) stören ihn wenig. Ich kann mich mit den Versuchen meines Nachbarn nicht anfreunden. Ich ekel mich. Demonstrativ rücke ich immer näher Richtung Flugzeugwand und gebe universell verständliche Stöhngeräusche von mir. Ich sehne mich nach meinen Pappnasen.
Nun gut, nach zwei Stunden erreichen wir das Reiseziel. Hier erwarten uns wunderschön kitschig beleuchtete Plastikpalmen und eine ebenso strahlende Reiseführerin. Eine ganz feine, reizend liebwürdige Erscheinung. Leider weist sie zunächst scheinbar einen kleinen Mangel auf, der ihr in Deutschland das Ausüben ihres Berufes einen großen Stein in den Weg legen würde; sie lispelt.
Und das, obwohl es doch in China so auf die Aussprache ankommt. Zeichen, die mit zh, ch, sh, s, c, z, q, j beginnen (das sind ziemlich viele), beginnt sie permanent (in nur leicht unterschiedlichen Varianten) mit s. Unser Prahlen, dass wir sie garantiert verstehen werden, ist somit hinfällig, aber 怎么办, was soll man machen? Wir erinnern uns zum Glück, dass wir uns in einer Region befinden, in der dieser Sprachfehler einfach zum Dialekt gehört, wir müssen uns also dran gewöhnen. Dem Verständnis hilft diese Tatsache nicht und wir lauschen jedem auswendig gelernt wirkenden Text, den sie leider nicht kürzen kann, denn mit der Flexibilität hat man es nicht so (weil man, allein schon wegen der Sprache, ganz anders lernt; nämlich hauptsächlich auswendig, ohne weiterzudenken oder sich etwas herzuleiten, zumindest bilde ich mir das ein).
Das Auslandsamt, das uns den Trip (mit Ausnahme der Flugkosten) finanziert, lässt sich nicht lumpen und so geht es in ein sehr edles Hotel in der kleinen aber feinen Innenstadt. Diese zieht voll auf Touristen ab, alles ist toll beleuchtet aber auch die Preise sind gut angeglichen (dennoch ist alles ziemlich günstig).
Der Abend bringt nicht mehr viel ein und somit endet auch schon der Eintrag für den heutigen Tag.

Donnerstag, 2. April 2009

Tag 35: und der Rest von gestern

Zu allererst muss ich euch etwas gestehen: natürlich mussten wir nicht ausziehen. Da hier aber ein regelrechter West-Feiertag-Hype herrscht, konnten wir gar nicht anders, als den 'Foolish Day' zu fröhnen, mit Zahncrème an den Türklinken, schlechten Scherzen und allem, was dazu gehört.
Aber es wurde auch noch ernst und sogar romantisch: am Nachmittag ging's in einen Park mit Tempel unweit von hier. Selten so viele blühende Bäume auf einem Haufen gesehen, prima. Eigentlich sind wir dort schon mit Zeitdruck angekommen, da um sechs Uhr der Ausscheidungslauf für das Sportfest stattfinden sollte. Wir kommen zu spät, erfahren aber, dass einer von uns sowieso mitlaufen darf, wir dürfen jetzt unter uns ausmachen, wer der glücklich ist.
Sportlich ging's abends weiter; im kleinen Turnier unseres und des Nachbarstudiengangs (Verpackungstechnik) wurden wir auf den Basketballplatz gebeten. Blöder Sport, mag ich nicht. Dafür, dass wir gegen die Favoriten spielten und das zum zweiten Mal, seit wir hier sind, sind wir mit 56:42 (inklusive Halbzeitführung) gar nicht mal so stark wie erwartet untergegangen. Leider hat es mit unserer Wunderwaffe, Bier (der Elektrolyte wegen, an Alkohol mangelt es ihm deutlich) in der Halbzeitpause, nicht geklappt, die Menschenmassen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten, haben wir aber enttäuscht.
Das für heute angesetzte Spiel um Platz drei müssen wir aufgrund von Verletzungspech und schlechtem Wetters auf die nächste Woche verschieben. Aber man ist hier ja flexibel. Der Tag wird somit zum Ausruhen missbraucht, der Abend individuell gestaltet.

Ich muss leider jetzt ankündigen, dass sich die Beiträge für die nächsten vier Tage verschieben werden, da wir morgen nach Guilin (桂林) in den Süden fliegen (zusammen mit dem Auslandsamt). Wir nutzen also das verlängerte Wochenende (4.4. gleich zweimal Zahl des Todes -> es ist Gräber-Putztag oder so) für unsere erste weite Reise. Leider soll das Wetter dort nicht richtig mitspielen.

Weitere Information: Wer auf www.chiina.info geht, kann dort toller Bilder bestaunen. Der fleißige Sucher wird finden, wo es steht.

Mittwoch, 1. April 2009

Tag 34: Auszug

Ich melde mich nur kurz aus dem Deutschclub an unserer Uni, weil wir nur noch hier Internet haben.
Uns wurde heute mitgeteilt, dass wir aus dem Haus rausmüssen, zu alt und unsicher, rebuild soll gemacht werden.
Ein neues Domizil ist schnell gefunden; allgemeines Studentenwohnheim 300 Meter weiter, unsere Möbel sollen wir erstmal da in einem Zimmer unterstellen, bis entschieden ist, wie es mit uns weitergeht.
Mehr Infos hat Philipp auf www.chiina.info zusammengefasst.
Ich melde mich baldigst wieder, sofern es Neuigkeiten gibt.

Tag 33: Spontanität ist alles.

Auf dem Campus laufen die Vorbereitungen für das Sportfest, scheinbar das bedeutendste Uni-Fest, bereits voll auf Höchsttouren; überall muss man sich für Wettkämpfe anmelden, jeden Mittag werden auf dem Sportplatz, der dann voll bedeckt ist mit Chinesen, Tänze und Choreographien eingeprobt.
So werde ich am heutigen Montag auch während des Unterrichts angerufen und auf Chinesisch vollgelabert. Natürlich verstehe ich nicht viel, gebe den Hörer an meine Lehrerin. Alles klar, um halb eins sollen wir uns nochmal für unsere Disziplinen anmelden (obwohl das unsere Betreuerin eigentlich schon gemacht hat). Gleich darauf kommt auch vom anderen Kommilitonen die SMS mit ungefähr gleichem Inhalt.
Wir haben ne Stunde vor diesem Treffen Schluss und gehen somit essen. Hätten wir das wohl lieber gelassen. Diese 'Anmeldung' umfasst nämlich eigentlich nur die Vorausscheidungsläufe, da jeder Fachbereich nur eine bestimmt Anzahl an Läufern, Springern und so weiter stellen darf.
Vollgegessen und gesundheitlich nicht so auf der Höhe protestieren zumindest wir Langstreckenläufer (ich mach 1500 Meter, ohne Training). Erfolgreich. Denn wir dürfen morgen ran. Oder übermorgen. Das wird sich spontan entscheiden.
Lediglich Denis traut sich den 100-Meter-Sprint zu. Erwartungsgemäß kommt er nicht gerade schnell weg und ist auf der gedachten Ziellinie nur vierter. Er hat nur das Glück, dass seine Stelzen so lang sind, dass er sehr weit zum Auslaufen braucht. Denn somit ist er dann doch der erste, der die richtige Ziellinie überschreitet und somit auf dem Papier bereits jetzt der Favorit.
Eigentlich haben wir auch noch ein Fußballspiel. Jetzt, da wir im Team sind, traut man sich zu, die Champions der Uni herauszufordern. Wir ruhen uns also noch gut aus, nehmen Magentropfen und freuen uns, dass das ganze von 12 auf 16 Uhr verlegt ist.
Aber wiedermal muss man spontan und flexibel feststellen, dass der Platz nicht benutzt werden darf, da wegen der Choreographien alle zwei Meter Klebestreifen aufgebracht sind, die am besten nicht entfernt werden sollten.
So wird es zumindest heute nicht viel mit Sport, was auch ganz gut ist, denn ich habe da ein gewisses Luxusproblem: Ich nehme irgendwie ab. Bei meinem Gürtel nutze ich das erste Loch, Weihnachten war es noch das vierte. Die Hosen schlabbern, dass es sich nicht mehr gut anfühlt. Wie viel ich schon runter habe, kann ich leider nicht feststellen, da hier ja keine einzige Waage so richtig gut funktioniert, die Toleranzen liegen bei +/- 5 kg.
Naja, mit festen Daten hat man es hier ja sowieso nicht so.

Montag, 30. März 2009

Tag 32: Rebuild.

Ich erwache heute erfreulicherweise fit und pünktlich und darf mich freuen, dass das Wetter endlich wieder besser ist (zwei Tage Regen bzw. nicht zu hohe Temperaturen plus Katerstimmung können nämlich doch am Gemüt zerren). Auf dem Weg zur Uni fallen mir abermals die ganzen fleißigen Chinesen ein, die tüchtig wie Arbeiterbienen für das Wohl ihrer Königin schuften; jeder ist irgendwo beschäftigt, keiner weiß so recht, was der andere tut, aber irgendwie wird alles fertig.
Ich weiß noch nicht, für wen aufmal der Campus in Schale geworfen wird. Sämtliche Betonmauern werden mit Kacheln verkleidet, es entstehen Blumenbeete, Wege werden gepflastert, Kaputte Gebäudeverkleidung wird erneuert und im Stadion werden die Zäune neu gestrichen. Rebuild lautet hier überall die Devise.
Schon baldigst wird es hier bestimmt alles sehr gut aussehen, allerdings bleibt mir stets die Frage, wie lange das wohl halten wird. Es scheint fast so, als wär jedes Jahr ein Rebuild von Nöten, denn lediglich das Aussehen ist hui, der Qualität eher pfui. Alles, was aussieht wie solider Stein, ist lediglich eine flache, angepappte Kachel. Der Marmorboden ist Stein (bzw. auch nur eine Steinkachel), der mit einer bedruckten Folie überzogen ist. Hier und da ist die Folie abgenutzt. Zu den Blumenbeeten kann ich nichts sagen, aber wie nahrhaltiger Mutterboden kommt mir die benutzte Erde nicht vor. Zudem wird hier einfach das Wasser fehlen, schätze ich. Die Pflasterung der Wege ist ebenfalls gefaked, ebenfalls nur Kacheln, die sich leicht lösen. Wandverkleidungen hängen nur an recht wahllos zusammengeschusterten Fassaden. Die Zäune werden vor dem Streichen nicht geschliffen, aber eine ordentliche Farbschichtdicke wird das Kind schon schaukeln.
Aber gut. Warum soll man einmal etwas machen, was richtig lange hält, wenn man dadurch Gefahr läuft, dass man dann im nächsten Jahr eine Unterbeschäftigung hat?
Was passiert heute sonst noch?
Vor unserem Unieingang wird in der Pause eine ziemlich lange Stoffbahn um ein paar Säulen herum gespannt. In der nächsten Pause sehen wir dann, dass diese bemalt wird. Da wir sehr interessiert gucken und man hier uns gegenüber immer freundlich ist, werden wir glatt eingeladen, nach dem Mittagessen auch eine Stelle zu bemalen.
Also Motiv dient das übliche: Partnerschaft Deutschland / China, dargestellt durch die Umrisse beider Länder, ausgemalt mit den Farben und Mustern der Nationalflaggen. Während uns für Deutschland ein grober Umriss gelingt, bekommen wir bei China vom halben Kunstinstitut Hilfestellung geleistet und es wird kein Platz des Territoriums ausgelassen. Ich habe sogar fast schon Angst, dass man uns doch nicht mehr malen lässt, weil wir aus Versehen Taiwan vergessen haben. Und noch eine kleien Insel irgendwo, aber die ist auch bis jetzt noch nicht auf dem Banner zu finden.
Abermals gelten wir als Attraktion und haben viele Zuschauer. Und ich kann natürlich den Wünschen in den Blicken der Schaulustigen nicht wiederstehen und füge meiner Unterschrift noch meine Nummer hinzu. Dennoch dauert es bis in die Abendstunden, bis sich jemand traut zu melden. Mein SMS-Stand liegt mittlerweile bei 220 KuMiTeis.
Für Fotos werde ich morgen mal endlich wieder sorgen. Für alle, die es jetzt noch nicht erwarten können, kann ich nur unseren anderen offiziellen Blog empfehlen, auf dem neben mir auch mal ein paar andere von uns aktiv sind. Also eigentlich nur Philipp und Denis, aber den Rest wird man auch noch irgendwann dazu bewegen können.
Ich verbleibe mit einem müden Gruß.

Tag 31: Unergründliche chinesische Denkweisen.

Es ist Sonntag und ich schlafe ausnahmsweise lange, aber nicht erholsam, da es wie beschrieben am Wochenende zu viel Halliegallie kam. Hinzu kommt, dass für heute mal wieder ein Fußballtraining angesetzt ist, welches ich in leichter Katerstimmung antrete.
Ausnahmsweise ist der Trainer sehr zufrieden mit uns, stets werden Lukas und ich als Beispiel genommen. Trotz des erhaltenen Lobes kann ich nicht wirklich über seine mitunter seltsamen Denkweisen hinwegsehen.
Also in erster Linie soll alles sehr geordnet ablaufen. Wenn man einen Ball annehmen will, gibt es dafür eigentlich nur eine Methode, sobald sich der Körper anders bewegt, ist alles falsch. Es ist eigentlich verwunderlich, dass darauf wert gelegt wird, denn eigentlich ist das meiste hier improvisiert.
Geregelt wird auch alles sehr streng, wenn es um einen Wettbewerb geht. Da der Platz eigentlich belegt ist, halten wir uns zweieinhalb Stunden mit irgendwelchem Gedaddel auf, bis wir um halb sieben endlich auf den Platz können und noch ein kleines Match abhalten. Anstatt, dass man sich vorher überlegt, wie alles zu laufen hat, muss alles nochmal ganz genau geklärt werden. Dabei wird irgendwie nicht die Tatsache berücksichtigt, dass es ab sieben Uhr dunkel wird und Zeit mehr oder weniger Geld ist. Nachdem dann endlich angepfiffen ist, trifft unser Coach, der als Schiri fungiert, viele komische Entscheidungen, um den Spielfluss weiter unnötig aufzuhalten. Trotzdem hier keiner einen richtigen Einwurf werfen kann, werden nur einige abgepfiffen und korrigiert. Und da es sich um ein Spiel handelt, wird es für nötig gehalten, unabhängig von der Spielzeit noch eine Halbzeit mit Seitenwechsel einzulegen.
Die Gedanken meines Trainers sind manchmal unergründlich und ich bin recht froh, dass ich die ganzen Diskussionen, in denen es bestimmt nur um Kleinigkeiten geht, nicht richtig verstehe.
Aber gut, ich rede zu viel über Fußball, glaube ich.

Sonntag, 29. März 2009

Tag 30: Karaoke, wieder.

Egal, wie spät ich ins Bett gehe, mein Körper will ab acht Uhr nicht mehr wirklich schlafen. Für mich ist das recht ärgerlich, für Denis und Lukas nicht. Denn fürsorglich, wie ich bin, laufe ich zum Supermarkt und kaufe lecker Frühstück. Dann koche ich Kaffee. Und was ernte ich dafür? Natürlich: "Öhh, wo isn die Milch?" Während ich einkaufe, läuft mein im Zimmer vergessenes Handy heiß. Es ist unser Captain, der möchte, dass wir uns etwas beeilen, denn der für das Auswärtsspiel an einer Uni im Südwesten der Stadt steht schon bereit. Beeilen ist bei einigen Kommilitonen aber ab und zu ein Fremdwort, wie hier schon viele mitbekommen haben. Wir schaffen es gerade mal, rechtzeitig zum ausgemachten Treffpunkt (11h30) zu erscheinen.
Der 'Bus' ist eine alte Mitsubishi-Kopie, klein, aber irgendwie passen wir zu neunt rein (Platz gibt es maximal für sieben eigentlich). Aber die Karre fährt, selbst auf unebensten mit Schlaglöchern versehenen Straßen. Uns wird erklärt, dass wir durch das ärmere Viertel fahren, bis wir halb aus der Stadt raus sind. Nach 40 Minuten erreichen wir den Zielort. Ich bin begeistert. Der gestrige Regen hat die Luft tatsächlich soweit gesäubert, dass man die Berge silhouettenförmig erkennen kann. Ein feines Alpenidyll kommt auf. Prima.
Trotz der Entfernung hat es sich einer meiner Fanclubs nicht nehmen lassen, auch zu erscheinen. Ich entwickle langsam Staralluren, denn bereits vor dem Spiel und später auch auf dem Platz bin ich ein begehrtes Fotomodell. Bei dieser Unterstützung bin ich natürlich doppelt motiviert und mache das ach so wichtige 1:0. Darauf folgt ein ausgedehnter Torjubel, den die Gegner anscheinend nicht für gut heißen können, sodass sie zu anderen Mitteln greifen müssen, um ich aufzuhalten. Zack, kurz darauf bekomm ich den Ball mit ordentlich Karacho von unten dahin geschossen, wo es Männern oftmals sehr wehtun kann. Ich lasse mir größte Schmerzen nicht anmerken, überspiele das ganze mit einer aufgesetzten Lässigkeit. Klar, was sollen die Frauen im Fanblock sonst denken?
Nach dem 10:6 (oder so), bei dem ich noch zweimal einnetze und im überschwänglichen Jubel den Menschen, geforderterweise, die Farbe meiner Unterbüchse preisgebe, geht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heim. Diese Fahrt dauert dann gleich mal 1,5 Stunden. Aber es ist ja Wochenende, man hat Zeit. Für die großen Distanzen werden übrigens nur kleine Busse eingesetzt. Diese sind auch gleich noch viel teurer, denn da die Technik hier noch nicht so fortgeschritten ist (kein Buskarten-Lesegerät), muss neben dem Fahrer noch ein Kassierer anwesend sein, klar.
Es ist schon nach sechs Uhr, als wir recht kaputt aus dem, aufgrund der Menschenmassen leicht riechenden, Bus steigen. An Ausruhen ist natürlich nicht zu denken, da die Damen von oben zum Lasagne-Essen laden. Neben uns kommen noch ein paar andere Studenten. Nach einem Power-Sittin (sehr kurze Party) verschwindet bereits um neun die erste Hälfte, da es, dieses Mal geplant, wieder zum Karaoke geht. Ich folge mit der zweiten Gruppe ein paar Schnäpschen später. Zum Zeitpunkt unseres Eintreffens ist Xuguan (in den letzten Tagen anders betitelt worden, allerdings kennt er jetzt meinen Blog und lässt ihn durch den Google-Translater laufen, was für peinliche Fragen sorgt) bereits zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Merke: Chinese und Wodka ist unter Umständen nicht die beste Mischung. Trotzdem ist es ein lustiger Abend. Und trotz Müdigkeit zeigen wir uns sehr solidarisch und bleiben, bis wir rausgeschmissen werden. Solidarisch deshalb, weil die normalen Studentenwohnheime ab halb zwölf die Pforten schließen und sie vor sieben auch nicht wieder öffnen. Und somit müssen unsere chinesischen Gäste die bequemen Sofas im Karaoke-Raum nutzen, um zu schlafen.
Gegen sechs Uhr besteige ich also mit drei der Frauen ein Taxi, schwätz ein wenig mit dem Fahrer und kann ihm klarmachen, dass er uns am Hintereingang rauslassen soll, da wir dann weniger laufen müssen. Der aufmerksame Leser wird merken, dass zu dieser Zeit die Wohnheime immer noch nicht geöffnet sind. Und so verfrachte ich die drei einfach bei uns auf der unbequemen Couch (Gästematratze und Schlafsack wollen sie nicht) und schlafe dann selber ein. Geweckt werde ich um neun zum ersten Mal, per Telefon. Es ist eine unserer Schlafgäste. Sie wollen jetzt gehen, leider hat Lukas aber die Tür von innen verschlossen. Ich nuschle irgendwas unverständliches, schließe auf und nuschle noch etwas zum Abschied.
Leider war ich im ersten Taxi, denn sonst wäre mein Abend nicht so früh zu Ende. Die anderen nutzen die ersten Sonnenstrahlen einfach mal, um noch Badminton zu spielen. Und um sieben öffnet die Mensa und die Knaben bekommen glatt noch ein Frühstück.
Ich hingegen schlafe. Hungrig.

Tag 29: Regen

Der Tag ist zum Vergessen, es regnet die ganze Zeit über. Darum machen wir auch nichts am Nachmittag. Glücklicherweise funktioniert das Handy von Denis wieder und wir können einen von der Westler-Party vor ein paar Wochen anrufen und fragen, was abends so anliegt, denn die Monotonie, mit der wir den Tag verbringen, kotzt uns an.
Jener kann uns die freudige Nachricht verkünden, dass in seiner Wohnung erst eine Party stattfindet und es anschließend zum KTV (Karaoke) gehen soll.
Zumindest zu ersterem Event soll es gehen. Wir stellen fest, dass er nur zwei Busstationen von uns entfernt wohnt, allerdings erst nachdem wir mit dem Taxi angekommen sind und mit dem Fahrer streiten, warum er schon so früh anhält. Die Wohnung betrachtend stell ich mal wieder fest, wie gut wir es doch haben. Und sicher. Denn trotzdem jedes dortige Fenster mit Gittern versehen ist, wurde in der vorherigen Nacht eingebrochen, während die beiden Herren geschlafen haben. Diese Nachricht bereitet mir Angst und ich beschließe, lieber nach Hause zu gehen, um bei uns alles sicher zu machen und dann zu schlafen.
Wie es nunmal so ist, hält dieser Beschluss nicht lange, denn schon sitze ich im Taxi in die andere Richtung, gen Karaoke-Bar. Läuft. Ist lustig. Und schon ist es wieder vier Uhr, als ich dann endlich zuhause bin. Jetzt 好好休息, gut ausruhen, denn morgen haben wir ein Auswärtsspiel.

Donnerstag, 26. März 2009

Tag 28: No somos illegales!

Die gute Nachricht vorweg: Wir laufen nicht Gefahr, uns hier illegal aufzuhalten. Unser Visum wird just heute verlängert bis zum 31.01. . Ich befürchte fast, dass wir noch einmal verlängern müssen, da bekannterweise ein edler Herr am Auslaufsdatum unseres Visums Geburtstag hat und es bereits heute ein großer Wunsch ist, dass dieser, bis dato garantiert Universitätsfeiertag, ausgiebig gefeiert wird.
Zu heute: Unterricht war endlich mal ziemlich gut, wenn man das mal zugeben darf. Anschließend deklarieren wir den Donnerstag zum Jiaozi-Tag (da wir sie sonst zu oft essen würden) und nach einer kleinen Mittagspause geht es in die Stadt. Eigentlich möchte ich dort meinen Sprachcomputer umtauschen, weil jener ein bisschen blöd programmiert ist: Wenn ich ein deutsches Wort eingebe, wird mir zwar das Zeichen angezeigt, nicht aber die Aussprache. Nachdem wir das ausgiebig erklärt haben und wir auch verstanden wurden, willigen die geduldigen Damen ein, ihn auszutauschen. Ich solle kurz mitkommen, heißt es. Also folge ich, ohne zu murren. Es geht durch den Ausgang raus. Dass ich eigentlich noch Bücher zu bezahlen habe, interessiert zunächst keinen, bis ich darauf aufmerksam mache. Auch hier wird geduldig gewartet. Anschließend geht es durch die halbe Stadt (dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass diese Angabe übertrieben ist, da die Stadt sehr groß ist und man nicht einfach so die Hälfte davon durchschreiten kann) durch dunkle Gassen (ich befürchte, überfallen zu werden, da es echt dunkel ist und die Dame den Sprachcomputer sehr fest umklammert) bishin zur 'Hauptvertriebszentrale', also einem schäbigen Schuppen in irgendeiner Gasse. Hier fällt dann letztendlich auf, dass ich das Gerät vor acht Tagen gekauft habe, die Umtauschfrist für Produkte ohne Mängel (jener entdeckte Mangel war anscheinend gewollt) aber nur sieben Tage beträgt.
Mir wird noch gezeigt, dass man, sofern man des Englischen mächtig ist und diese Wörterbuchfunktion benutzt, sehr wohl die Aussprache angezeigt bekommt.
Ich willige ein, nicht umzutauschen. Mir bleibt auch nichts anderes übrig. Mit etwas Einarbeiten läuft das schon.
Zurück am Campus treffen wir uns mit der Betreuerin, um ihr Geld zuzustecken. Nicht einfach so, sondern weil wir in gut einer Woche für vier Tage mit dem Auslandsamt in den Süden des Landes fliegen. Lediglich für die Flugkosten kommen wir auf und es soll laut Wikipedia und Reiseführer eine nett anzuschauende Stadt sein. Anschließend dürfen wir uns für das Uni-Sportfest eintragen. Die Disziplinen sagen mir nicht so zu, trotzdem wage ich mich an den 1500-Meter-Lauf. Ich bin noch unschlüssig, ob ich darauf trainieren soll, oder einfach ins kalte Wasser springe.
Da es heute ausnahmsweise regnet, gerät der Abend in die Gefahr, langweilig zu werden. Hausaufgaben sind schon erledigt, bis endlich die Mitteilung kommt, dass der u.g. 'Zuhälter' gerne noch auf einen Drink vorbeikommen würde.
Ihm wird Zutritt gewährt. Ebenso wie den hübschen Damen zwischendurch. Letztendlich kommen wir gut durch dieses trübe Wetter und hoffen, dass die Luft morgen klarer denn je sein wird.
晚安

Mittwoch, 25. März 2009

Tag 27: 乒乓球 - Tischtennis

Mir fällt pünktlich knapp vor Unterricht ein, dass eine Hausaufgabe zu erledigen war: Gedanken darüber machen, was wir als Restaurantboss machen würden (man sieht: vollkommen für uns relevanter Wortschatz und realistische Situation...). Ich suche schnell ein paar Wörter raus, mache mir Gedanken und ernte noch schleunigst ein "你说得很不错- sehr gut gesagt" von der bewunderten, nett anzuschauenden Professorin. Tränen der Freude steigen mir prompt in die Augen, der Tag ist schon jetzt gerettet.
Wir fangen endlich mal am Nachmittag an zu lernen und schaffen uns so mehr Freizeit für den Abend. Um fünf Uhr geht's auf den Sportplatz, was keine gute Idee ist, da meine prächtigen Fußballerbeine, die wohlgekrümmten Schenkel eines Stars ob der großen sportlichen Belastung der letzten Wochen nachgeben und den hilflosen Studenten zum Stehen statt zum Laufen bewegen. Kann man in diesem Fall 'bewegen' sagen?!
Also geht's rasch nach Hause, Hamburger und Nudelsuppe stehen auf dem Essensplan, noch ein bisschen lernen und dann zum Tischtennis. Hier warten bereits geduldig mehrere Parteien von Frauen und einige emsige Buben, die gerne ein Bierchen mit uns trinken würden, während des Sports.
Nach einiger Zeit wird uns einer vorgestellt, der anscheinend super toll in dieser Sportart sein soll. Gar hochgelobt wird er. Und er fordert mich heraus, bzw. die Massen fordern, dass er mich herausfordert.
Also gut. Ich hau ihm den Ball rechts und links nur so um die Ohren. Täusche Schmetterbälle an und schiebe ihm ein unerreichbares, angedrehtes Schüsschen in die Ecke. Sobald ich eine Angabe habe, ist es sofort ein Punkt für mich. Der Gegner weint bitterlich ob meines ihm angebotenen Chauffeurdienstes herunter von seiner Wolke auf den harten Boden der Realität.
Das alles nehm ich mir für den Spielverlauf vor. In Wahrheit versage ich natürlich jämmerlich. Es langt nicht mal richtig gegen eine Frau, derer es um uns herum reichlich gibt und die nur allzugerne einmal im Leben gegen eine Europäer spielen wollen.
Zum Glück erklingen immer wieder die herzlichen Worte der Fräulein Ai in meinen Ohren, sonst wäre es heute ein verkorkster Tag.

Dienstag, 24. März 2009

Tag 26: Gigolo

Der heutige Tag trägt einiges mit sich: Wir entsorgen endlich die Reste vom (samstäglichen) Feste und bringen die Bude wieder auf Vordermann. Noch immer ist nicht geklärt, wie Lukas auf die Idee kam, Torte nach mir zu werfen, welche heute nicht gerade leicht von der Badezimmertür zu entfernen ist. Zudem spüle ich alle 250 Bierdosen aus, die wir seit dem Einzug hier gesammelt haben (die Dunkelziffer der geöffneten Büchsen dürfte höher sein, denn da die Mädels sich eine Wand damit ziehen wollen, werden uns öfters mal welche entwendet).
Nach dieser erfolgreichen Aktion belohnen wir uns selber mit einer Runde Fußball. Und als ob das nicht schon Bewegung genug genug wäre, so spielen wir noch nach dem Essen (Denis kocht, nach halbwegs beseitigten Integrationsproblemen zwischen Bäuchlein und chinesischer Nahrung, Spaghetti Bolognese) eine Runde Tischtennis. Also wir versuchen es. Denn recht fix kommt ein Bube (von uns jetzt liebevoll 'Der Zuhälter' genannt), mit dem wir da schon öfter Kontakt hatten, hermarschiert. Im Schlepptau: vier junge, feine, patente, schüchterne Damen. Natürlich wollen sie uns gerne kennenlernen. Natürlich sind sie alle Single. Und natürlich weiß jeder, was die Damen von uns halten.
Wir dürfen also nur noch abwechselnd mit dem Buben spielen, der andere muss sich ein Gespräch ausdenken. Leider zieht die Ausrede mit dem Schüchternsein nicht mehr.
Zurückgekommen in der Wohnung ist auch diese von Frauen belagert. Da Hanna und Nadine es mit der Technik anscheinend nicht so haben, ist jetzt nach ihrer Musikanlage auch der Fernseher kaputt (reife Leistung, in einem Monat so viel zu zerstören), aber es muss unbedingt noch Tarzan geguckt werden. Ich kann mir keinen besseren Film vorstellen und schließe mich im Zimmer ein. Und hier bin ich nun. Drauf und dran, die Äuglein zu schließen.

Tag 25: Aufschwung

Jetzt, da die warme Jahreszeit begonnen hat, sieht man sie überall: viele kleine emsig schuftende Chinesen, die in jeder Ecke des Campus am Werkeln sind! Vor einer Woche noch haben wir uns gefragt, ob der große Plan der Universitätsanlage nur das Wunschdenken des Direktos ist, oder ob es irgendwann tatsächlich so schön werden soll. Auf diesem Plan befinden sich viele kleine Parkanalgen mit Seen, Pavillons, eine zweite Sportanlage und vor allem viel grün.
Die Realität sah bislang aber noch ganz anders aus: Überall lehmige, feste Erde, die kaum zu bewegen schien, Staub, Bauruinen...
Und nun? Nun entdeckt man jeden Tag etwas neues, die neue große Mensa ist ja unlängst gebaut, nun wird auch die Fläche davor schön. Der Große Springbrunnen auf der Allee Richtung Hauptgebäude wurde halb abgerissen und es fand ein 'rebuild' statt. Die lehmige Erde weicht neuen Mauern und alte Betonmauern werden mit Mamorfliesen (zumindest sehen sie so aus, sind aber nur mit einer bedruckten Folie überzogen) bedeckt. Mit etwas Glück und viel Wasser kann das hier sogar mit der Flora funktionieren. Ich hoffe, dass der neben unserem Wohnheim geplante Park auch bald in Angriff genommen wird und die kleine inoffizielle Mülldeponie verschwindet.
Diesem positiven Wandel muss ich leider aber auch etwas Tribut zollen: Um hier so viel zu schaffen, gibt es scheinbar keinen Feierabend. Somit kann ich nachts mein Fenster nicht offen lassen, weil dauernd irgendwelcher Baulärm oder alte LKW mit schlechtem, lauten Motor zu hören sind.
Krach wird hier im Übrigen sowieso sehr geschätzt. Heute allein zähle ich vier große Feuerwerke, sodass man sich beinahe wie im Kriege fühlt. Dazu passt, dass während des Geknalls unser Internet zusammenbricht und bis zum Folgetag zusammengebrochen bleibt.
Internet wird aber sowieso vollkommen überbewertet, da ich jetzt meine Leidenschaft für ein neues Medium entdeckt habe, das sogar einen Lerneffekt mit sich trägt; Ich schreibe via schnurlosem Mobilfunktelefon kurze Mitteilungen an Einheimische in deren Landessprache. So schreibe und lese ich, lern Redewendungen und neue Wörter. Wahnsinn. Zudem sind diese Einheimischen alle weiblich. Ich lerne also nicht nur Chinesisch zu verstehen, sondern auch die Frauen. Und wer versteht schon Frauen? Und nicht nur, dass ich bislang nur als Austauschpartner ausgesucht wurde; Heute drehe ich den Spieß mal um und bitte in der Mensa (mehr oder weniger auf Lukas' Drängen hin) einfach eine junge patente Dame, mir ihre Nummer zu überreichen. Meine Flirtskills wachsen also auch noch.
Seit nun etwas weniger als einer Woche zählt mein Handtelefon knapp 90 erhaltene Kurzmitteilungen. Wahnsinn.

Sonntag, 22. März 2009

Tag 24: Fußball

Mein Körper lässt mal wieder nicht die gewünschte Menge an Schlaf zu. Gut so. Einem improvisiertem Frühstück (es gibt noch Chips und Torte von gestern) folgt der Gang zum Sportplatz, wo unser Team schon wartet. Bisher sind wir jedes Mal zu spät gekommen, reife Leistung. Allerdings heißt es ja, dass die Deutschen immer pünktlich sind und somit geht man allgemein davon aus, dass die anderen zu früh da waren.
Der Coach hat im Vergleich zum Trainingsspiel die Aufstellung mal geändert. Lukas darf aufgrund seines gestrigen Kurzeinsatzes auf jener Position und auch aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu Oliver Kahn einfach mal das ganze Spiel über ins Tor, obwohl es eigentlich zwei Torhüter gibt. Denis muss auf die ungeliebte Libero-Position, weil er so schnell ist. Und ich bin erstmal draußen. Der Star soll geschont werden.
Zu meinem Glück verletzt sich beim 1:0 unser Stürmer und ich darf ran. Zack, erster Ballkontakt, drin das Ding. Ich versemmel noch zwei Dinger, dann ist Halbzeit (beim Stande von 4:1). Übrigens eine von dreien. Eine von drei unterschiedlich langen Halbzeiten. Ohne Seitenwechsel. Wir haben also in jedem Drittel Gegenwind.
Im zweiten Drittel werden die Stars, Denis und ich, abermals geschont. Da es dann aber nur noch 5:3 steht, dürfen wir im letzten Spielabschnitt glatt beide als Stürmer fungieren. Ich mach noch zwei Buden, Denis darf auch mal ran und nach dem Endresultat von 12:4 steht fest, dass Xi'an seine neuen Helden hat.
Dem Match zollt unser Körper Tribut. Die Beine sind innerlich und äußerlich im Arsch. Kunstrasen auf Beton ausgelegt ist nunmal nicht so gut. Ausruhen gibt es aber nicht, da wir nur wenig später zur Feier des Tages zum Feuertopf-Essen (abermals) in die Stadt geladen sind. Feuertopf ist unserem Fondue recht ähnlich und nimmt somit sehr viel Zeit in Anspruch, sodass wir um zehn Uhr, zurück im Wohnheim, entscheiden, dass der, aus gegebenem Anlass eigentlich schon angebrachte, Putztag nicht dieser Sonntag sein kann.
Gut schlafen lautet jetzt die Devise.
Ich hau mich hin.

Tag 23: 很帅

Endlich darf nach zwei Wochen mal wieder ausgeschlafen werden. Eigentlich eine Wohltat, aber das mit dem langen Schlaf habe ich nicht mehr so drauf, sieben Stunden langen. Irgendwie.
Es ist noch keiner um elf Uhr wach und so bereite ich das Frühstück vor. Jenes wird etwas ausgedehnter und so stellen wir um drei fest, dass erstmal um viere Fußball-Training stattfindet und eigentlich noch die Bude geputzt werden müsste, da abends ja die Party steigt.
In Rekordzeit wird also die Küche ausgemistet, sortiert und gründlichst gesäubert, der Rest der Wohnung wird auch erledigt. Dann Fußball. Soll eigentlich nicht so lange dauern und nicht so hart sein, da morgen, am Sonntag, ja noch ein Spiel stattfinden soll.
Denkste. Nach dem einstündigen Training folgt noch ein komplettes Spiel (da der Kader 23 Köpfe groß ist, geht das ganz gut). Wir lernen dabei unseren Coach kennen. Ich glaube, dieser muss unbedingt seine Autorität unter Beweis stellen und mäkelt bei jeder Übung wegen jeder Kleinigkeit an uns Deutschen rum. Denn schlecht sind wir eigentlich nicht.
Das Training endet also gegen sieben. Dumm nur, dass wir abhängig vom Wochentag den Beginn der Feierlichkeit variierten, von 21 auf 18 auf 19 Uhr, und somit die ersten Damen schon um sechse vor verschlossenen Türen stehen, aber so schlau sind und sich denken, dass sie mal am Sportplatz nachgucken können.
Der Abend verläuft feucht fröhlich. Es kommen hauptsächlich Chinesinnen. Klar, es gibt ja auch Deutsche zum Anfassen. Gegen elf kommt mal ein Nachbar nach oben und bittet, etwas leiser zu sein. Da dies nicht unbedingt unser angestrebtes Ziel ist, nutzen wir unseren Luxus und verlagern das ganze nach oben zu Hanna und Nadine in die Wohnung. Das hat nicht nur den Vorteil, dass kein Nachbar mehr kommt, sondern auch, dass es nicht unser Bad ist, das mit Pizza-Resten aus dem Bäuchlein eines Gastes gesprenkelt wird.
Trotzdem die Wohnheime eigentlich um halb zwölf die Pforten schließen, bleiben noch erfreulich viele bis nach Mitternacht bei uns. Sie würden schon mit dem Pförtner reden können. Sagen sie. Vielleicht fahren sie auch einfach nur in eine der vielen Karaoke-Bars und mieten sich dort einen Raum, um zu schlafen. Zumindest soll das hier Gang und Gebe sein.
Gegen drei finde ich auch den Weg ins Bett, erstaunlich fit sogar.

Samstag, 21. März 2009

Tag 22: Ab zur Metro... und was auf dem Weg dorthin liegt.

In der Pause verteile ich abermals meine Nummer an die Damen 3, 4 und 5. Bis dato habe ich binnen 24 Stunden 33 Kurzmitteilungen von Nummer 1 und 2 erhalten, Tendenz: stagnierend.
Nach dem Essen in der Moslem-Mensa, in der die Küchenchefin an unseren Tisch tritt um uns zu sagen, wie 帅, handsome, wir doch sind (mein Gott, ich glaube, wir heben hier noch ab und werden ganz und gar eingebildet, schnappen wir uns ein Taxi um zur Metro zu fahren.
Da wir nicht genau wissen, wo sich diese befindet, lassen wir uns beim Messegelände absetzen. Wären wir in Eile, würde das eine schlechte Idee gewesen sein, denn mit unserem geschulten Blick erspähen wir sofort das kleine Häuschen mit der Aufschrift "Deutsches Bierhaus". Und es hat sogar, um drei Uhr am Nachmittag, geöffnet. Als wir die Lokalität betreten, werden wir von Damen in Dirndln und einem Mann auf Deutsch begrüßt und verköstigen jeweils zwei gute Weizenbiere plus eine ofenfrische Brezel. Bei dem Mann stellt es sich raus, dass er bereits in Deutschland gelebt hat, Braumeister ist und für den Vertrieb des Paulaner Bieres für ganz China zuständig ist. Ihm ist es ziemlich egal, dass die Messe nicht die reichsten Menschen anzieht und somit nicht sehr viele den Laden betreten, weil sie sich die deutschen Preise nicht leisten können. Er lebt von deutschen Firmenfeiern und die viereinhalb Tausend Euro Jahresmiete kriegt er damit locker raus.
Wir planen jetzt, eine WebCam auf das Bierhaus zu richten, um festzustellen, wann diese Partys stattfinden und sie dann einfach zu stürmen.
Einkaufen gehen wir auch noch, wenngleich die Preise gerade für Milchprodukte einen erfolgreichen Einkauf auschließen. Mein Plan, irgendwann mal Pizza zu machen, besteht nicht mehr.
Am Abend entlasten wir den Supermarkt um die ersten sechs Kartons Bier, da wir morgen in Denis Geburtstag feiern werden und einfach mal jeden, der "want to make a friend with you", eingeladen haben.
Später spielen wir mal Basketball. Blöder Sport, mag ich nicht.

Donnerstag, 19. März 2009

Tag 21: 好好休息

Gut gut ausruhen lautet heute die Devise. Nach einem geschmeidigem Unterricht folgt ein gepflegtes Mahl in der Mensa, anschließend soll ein wenig das Schlafdefizit aufgeholt werden und zwar in Form eines ausdienlichen Mittagschlafs.
Letzteres praktiziert die Hanna täglich mehrmals, also sollte es eigentlich gut sein. Ist es aber nicht wirklich. Schläft man nämlich zu lange, ist der ganze Tag im Arsch. Nicht nur von der Zeit her, sondern auch von der eigenen Frische, aber mit meiner Lebenserfahrung habe ich das schon vorausgesehen und konnte mich drauf vorbereiten.
Als ich also um halb sechs wieder wach werde, geht nicht mehr viel. Wir kochen mit den Damen zusammen unsere Reste weg (natürlich schmeckt es noch vorzüglich) und dann gehen wir 乒乓球,Tischtennis, spielen. Das ganze selbstredend in kurzen Klamotten, da wir jetzt die Vergewissheit haben, dass der Frühling einfach mal übersprungen worden ist und wir gleich zum Sommer schreiten. So ist es auch um halb elf noch ziemlich warm und man schwitzt sogar beim der oben genannten Sportart.
Mein SMS-Zähler steht seit dem gestrigen Treffen mit den Damen auf 33. Und das in ca. 24 Stunden, reife Leistung. Eigentlich könnte ich das ganze langsam mal als Stalking werten, aber ich seh im Ganzen einfach den praktischen Lerneffekt, den ich durch das Lesen und gelegentliche Antworten erziele.
Jetzt sollte es schleunigst in die Heia gehen, sonst ist der Effekt des heutigen Ausruhens, ich sag's mal einfach so, für'n Arsch.

Mittwoch, 18. März 2009

Zwischendurch: Bilder


Feinste antike Vasen.



Links: Gute Freunde! Rechts: Tiere, von denen wir uns eins zulegen sollten.

Links: Glücksschwein. Rechts: mein Mannschaftsoutfit für 4 Euro. Man beachte die Nummer. Mein Kapitän, der blöde DanDan, was auf Deutsch EiEi heißt, trägt aus gegebenem Anlass schon die 00.

Tag 20: Visumsscheiße mal wieder.

Gestern erhielten wir den Anruf, dass heute mal wieder eine Visumsangelegenheit anläge. Und das tut sie. Bereithalten müssen wir mal wieder 400 Kuai sowie den Reisepass und Fotos (derer Lukas anscheinend noch welche nachmachen lassen muss, was allerdings nicht klappt und letztendlich auch egal ist. Ein Mann vom Auslandsamt begrüßt uns um 14 Uhr am Haupttor, drückt uns einen Zettel in die Hand und verfrachtet uns in drei Taxen und los geht's auf's Amt. Natürlich in der prallen Mittagssonne mit ohne Klima und viel Stau. Ne halbe Stunde lang.
Aufm Amt ist's natürlich nicht besser, wir müssen lediglich eine Unterschrift hinterlassen und per Webcam ein Foto als Beweis hinterlassen, dass wir da waren. Und für das ganze braucht man zwei Stunden.
Somit kommen wir zu spät zum verabredeten Fußballspielen, was aber irgendwie nicht schlimm ist. Während des Spiels, in dem wir natürlich voll abgehen, haben wir ein paar Zuschauer, genauergenommen Groupies am Spielfeldrand. Auf dem Rückweg bemerken wir erst kurz vor unserem Wohnheim, dass wir von jenen Groupies mit Sicherheitsabstand verfolgt werden und bleiben einfach mal stehen, um zu schauen, was passiert. Schüchtern wie kleine, scheue Rehkitze näherten sie sich uns kleinen Fußes. Nachdem wir uns genug an ihrer Unsicherheit gelabt haben, fragen wir, Denis, Lukas und ich, was so abgeht. Sie kriegen gerade noch auf Chinesisch die Frage raus, ob wir eine Handynummer haben, was wir mit Ja beantworten können. Und jetzt kommt's: Wir geben sogar unsere, also vielmehr meine, weil die anderen Halunken ja an der Frau in der Heimat hängen, her. Einfach mal so. Weil wir nette Gäste sind. Jene Nummer wird mit zitternden Händen in das sogenannte Handy getippt und die Damen entfernen sich größeren Schrittes, als sie zu uns kamen. Schnell, aber glücklich.
Nachdem wir nun geduscht sind, gehen wir drei, natürlich mit deutlicher Verspätung, zum Tor, um mit unserem Mannschaftskapitän (wie erwähnt sind wir ja in ein Freizeitteam eingetreten) und ein paar anderen essen zu gehen. Es gibt leckersten Feuertopf. Mit allem, was dazu gehört. Und Magen. Irgendwie ziemlich viel Magen. Aber gut, man muss ja alles mal ausprobieren und so verzehre ich das natürliche Kaugummi in rauen Mengen. Ich will meinem Magen schließlich auch etwas gutes tun und ihm Artgenossen senden.
Leider bekriegen sie sich später, die beiden Mägchen.
Während des Essen grummelt es sowieso sehr oft in meiner Hose. Also es vibriert vielmehr, denn bis jetzt, kurz vor Mitternacht, habe ich ca. 17 SMS bekommen, auf die ich vielleicht fünfmal geantwortet habe.
Ich habe mittlerweile etwas Angst vor den Damen.
Die Vorhänge zugezogen und in der Ecke kauernd werde ich versuchen zu schlafen.
Gute Nacht!

Edit: Ich hätte lieber SMS statt Blog schreiben sollen, jetzt bekomme ich zu hören, dass man ob des Mangels an Antworten deprimiert ist. Soll ich da etwa gut schlafen können?

Dienstag, 17. März 2009

Tag 19: Shopping

Nach dem Mittagessen, was wegen der Gemütlichekeit in letzter Zeit immer mehr aus wahlweise Mensa oder Chickenburger plus Nudelsuppe aus dem Supermarkt (in dem wir wahrscheinlich die besten Kunden sind) besteht, soll es mal wieder kurz in die Stadt gehen. Eigentlich brauchen Denis und ich nur ein Mobilfunktelefon, mit dem per SMS auch chinesische Zeichen versenden kann und wegen des anhaltenden Traumwetters und der versagenden Waschmaschine noch das ein oder andere T-Shirt. Da wir jenes während des Unterrichts bereden, bekommen die anderen Herren nur etwas von Einkaufen mit, von dem sie nicht abgeneigt sind und schwupps sind wir eine große Gruppe auf Shopping-Tour. Da wir oft schon mit dem Bus drübergefahren sind, steht das Ziel, die große Oststraße (kurze Erklärung: in Xi'ans Innenstadt gibt es eine große rechteckige Stadtmauer und aus der Mitte einer jeden Mauerkante entspringt eine große Straße, also insgesamt vier, die ein Kreuz bilden in deren Mitte sich der große Glockenturm (wer ihn nicht kennt -> nachlesen (oh weh, jetzt benutze ich eine Klammer in der Klammer in der Klammer...)) und die Straßen sind, weil man so einfallsreich ist, einfach nach der jeweiligen Himmelsrichtung benannt, in der sie vom Glockenturm aus liegen. Irgendwie ist diese Erklärung doch nicht so kurz...), bereits fest.
In dieser sammeln sich aufgrund der Lage fast ausschließlich die großen Markennamen an, so gibt es allein je fünf Adidas und Nike-Stores und ähnliches. Eigentlich recht schnell finde ich was zum Anziehen und eine Sonnenbrille, allerdings kommen Luke und Philipp auf den glorreichen Einfall, dass sie noch Schuhe gebrauchen könnten. Leider wird man mit ihrer Schuhgröße, 45 bzw. 46 hier als fehlgebildet oder so eingestuft, denn ab 44 enden die Größen. Eigentlich frage ich mich, warum erst ab da, denn die 4 steht hier eigentlich für den Tod (hört sich so ähnlich an) und zweimal das ganze... allerdings mögen sich negativ (=Tod) und negativ ja einfach aufheben. Das mit der 4 geht sogar soweit, dass man uns beim Stärkungsmal im Dico's nicht viermal das gleiche Menu geben will, aber gut, ich schweife ab.
Wir suchen also in fast jedem Laden nach geeigneter Fußbekleidung, stets ohne Erfolg. Und wenn ich jeden sage, meine ich auch jeden. Auch, wenn jedes zweite Geschäft Schuhe im Sortiment hat.
Um sieben stellen wir also fest, dass wir die Straße immer noch nicht ganz geschafft haben, geben es aber auf. Im Buchladen kaufe ich noch einen handlichen Wörterbuch-Computer und, aus schlechtem Gewissen meiner Branche gegenüber, noch ein Handwörterbuch aus bedrucktem Papier. Und ein Handy, ein recht schlichtes, finden wir auch. Und was findet der Lukas? Der Lukas findet nichts. Und läuft trotzdem die ganzen fünf Stunden mit uns mit.
Abends statten wir dem Tischtennis-Feld mit Schlägern bewaffnet einen Besuch ab. Jojo nimmt stellvertretend öfters mal das Kompliment auf, dass wir handsome und sowas sind (很帅, auf Chinesisch), aber ich bleibe schüchtern, klar. Dennoch lassen wir ein paar Damenherzen höher schlagen, indem Denis und ich Partnertausch machen. Also rein tischtennistechnisch.
Jeden Tag eine gute Tat!

Tag 18: Hauptsache weiß?

Da heute nicht viel außer dem Gewöhnlichen ansteht, versuche ich mal das hiesige Schönheitsideal auseinanderzufröbeln.
Und zwar gilt, wie wahrscheinlich bekannt, die Hautfarbe weiß als vollkommen schön. Ich befürchte, der jetzt ausbrechende Sommer wird viele Damen in Verzweiflung treiben und zu anderen Mitteln als nur dem Fernbleiben der Sonne führen. So bekamen wir am Samstag während der Stadtbesichtigung zum Beispiel eine Reissuppe zu Essen. Sie wurde als "ein bisschen süß und ein bisschen sauer" angepriesen, war im Endeffekt aber nur süß und recht unlecker. Sie glich eher einem Müsli, allerdings auch nur einem schlechten und mit Wasser statt Milch. Zum Mittagessen also für uns sehr unangebracht. Anstandshalber löffelt man aber natürlich dennoch und behauptet, dass es "ein bisschen gut schmeckt". Während des Essens stellte sich dann aber heraus, dass zwei der Damen diese Suppe auch nicht mögen, aber sie ist gut für die Gesundheit und vor allem die Haut. Aber nicht für eine reine, gesunde Haut, sondern sie lässt jene anscheinend weißen. Diese Tatsache bewegte mich dann dazu, doch den Löffel beiseite zu legen.
Auffällig ist auch, dass man auf offiziellen Passfotos die Personen oft gar nicht wirklich erkennt, da jeder ausgebildete Fotograph dazu angehalten ist, im Photoshop noch einmal die Sättigung der Hautfarbe deutlich herunterzusetzen, sodass auf vielen Bildern (auch bei unseren Damen) ein Geist zu sehen ist.
Überhaupt gelten wir hier schon als sehr schön, weil wir ja so weiß und so groß sind und so große Augen haben und unsere Haare nicht schwarz sind. Des öfteren bekommt man von fremden Leuten ein "You are handsome" entgegengeschmettert. Ich bin dabei, mir eine passende Reaktion auszudenken, denn zumeist erstarre ich ob dieser direkten Komplimente und suche das Weite. Ich bin nunmal sehr schüchtern, klar.
Weiß gilt aber anscheinend nicht überall als schön. Unsere Waschmaschine beispielsweise spuckt weiße Kleidung dreckig, zum Teil schwarz wieder aus. Ein T-Shirt und ein Pullover sind dem gefräßigen Gerät schon zum Opfer gefallen. Ist der Neid eines Konstrukteurs, der wusste, wohin die Maschine geht, Schuld daran? Umgekehrt wird schwarze Kleidung übrigens blass, also zu einem unschönen Grau. Ich sehe mich gezwungen, morgen shoppen zu gehen.
Ebenso als schön gilt, zumindest für die Damen der Schöpfung, möglichst schlank, in meinen Augen aber eher mager zu sein. Nicht unbedingt mein Geschmack, wenn vor einem nur Striche in der Landschaft umherlaufen. Freitag haben wir Jojos Freundin, auch diesem Schönheitswahn verfallen (erfolgreich, denn sie hat ja jetzt einen Mann) gefragt, ob sie Hunger hätte und warum nicht. Natürlich wollte sie Gewicht verlieren. Arme Damen, wissen ihr gutes Essen gar nicht zu würdigen!
Allerdings glaube ich auch, dass es vielleicht ein bisschen Propaganda ist, da bei der Menschenmenge hier auch mal die Nahrung ausgehen könnte. Zu dieser Vermutung treibt mich, dass vor unserem Supermarkt beispielsweise zwei Waagen stehen, die einfach mal mindestens 5 kg zum realen Gewicht hinzufügt. Eine der nächsten meiner Aufgaben wird es sein, diese Waagen zu remanipulieren.

Zu heute:
Der Tag verläuft normal; Vorlesung, Essen, einen freudigen Mittag verleben, Bolzen. Dann gehen Denis und ich zu Jojos Kalligraphie-Kurs, den er einfach mal jeden Montag-Abend gibt. Es werden Steinstempel hergestellt, fein.
Anschließend gehen wir in die Mensa und bekommen Reste. Jedes Mal, wenn ich diese Lokalität betrete, frage ich mich, wie man nur so essen kann; sämtliche Tische sind verschmutzt und mit Lebensmitteln übersäht und anscheinend ist das normal. Und seit jetzt weiß ich; es geht einfach manchmal nicht anders, denn auch wir hinterlassen unseren Tisch sensationell dreckig.
Auf dem Rückweg schauen wir den anderen Deutschen auf dem beleuchteten Ping-Pong und Badminton-Platz zu und geben unsere schlauen Kommentare ab.
Um Punkt halb elf geht hier das Licht aus. Klar, die emsigen Studenten gehören ins unbequeme Bettchen (Bettdecke auf Spanholzplatte) im Sechsbettzimmer im jeweiligen, nach Geschlechtern getrennten, Wohnheim.
Auch wir gehen, gucken noch einen Film und schlafen ein. Ob unseres Luxus' verspüre ich mitunter ein schlechtes Gewissen.

Sonntag, 15. März 2009

Tag 17: Aus Winter mach Sommer.

Endlich bekomme ich eine Nacht lang mal wieder eine menschenwürdige Portion Schlaf. Von zwei bis elf. Immerhin neun Stunden, deutlich mehr als die letzten Wochen.
Trotzdem fühle ich mich ziemlich matt, raffe mich aber auf und ziehe Sportklamotten an, da ich ja den Chinesen von gestern versprochen habe, heute mit ihnen Fußball zu spielen. Lukas und Denis lassen sich noch nicht wecken, also gehe ich alleine zum Sportplatz. Ich bin positiv überrascht, dass sie es mit dem Spiel und der Mannschaft ernst meinen. Ca. zweimal 20 Chinesen je einheitlich gekleidet mit (vielleicht nicht ganz originalen) Trikots großer europäischer Teams mit einheitlicher Bepflockung heißen mich Willkommen und ich bekomm das Dress eines Auswechselspielers. Schließlich bin ich europäisch und die große heißersehnte Nachwuchshoffnung.
Einen Schiedsrichter gibt es auch und so geht es recht zügig mit der ersten Halbzeit los. Ich zolle schnell der knallenden Sonne Tribut, sowie der Tatsache, dass ich so gut wie nichts gefrühstückt und getrunken habe. Wasser habe ich auch keines mitgenommen, aber ich gebe mein Bestes.
Zur Halbzeit muss ich leider gehen, da wir abermals ein Treffen wegen unseres Projekts haben. Denis und ich machen unsere Präsentation fertig und lassen diese am Abend von unseren chinesischen Gruppenmitgliedern (drei höchstpatente junge Damen) vortragen.
War es Freitag noch ziemlich kalt (Winterjacke und Pullover waren schon angebracht), so ist es heute verdammt warm. Kurze Klamotten sind angebracht, das ist doch auch mal fein. Ich wundere mich über den Klimaaufschwung, bis ich auf's Datum gucke und feststelle, dass die Chinesen Recht hatten: Am 15.3. beginnt der Frühling, dann wird es endlich warm. Die Heizung geht ja nun auch nicht mehr.
Wir machen heute abermals die Erfahrung, dass der Sonntag ein ganz normaler Werktag zu sein scheint. Nicht nur, dass normale Vorlesungen abgehalten werden, auch der Supermarkt wird neu beliefert. Ich glaube, sie haben für diese Woche etwas mehr Bier bestellt, dieses Mitdenken ehrt sie. Wir bedanken uns.
Jenes Trinkprodukt muss jetzt noch eine Stunde lagern, solange wir Zeichen lernen. Dann begeben wir uns zu Philipp in die Wohnung und hoffen, dass Werder gegen Stuttgart übertragen wird.
Die morgen beginnende Woche düfte also wie üblich recht müde verlebt werden, aber was soll man machen?!

Samstag, 14. März 2009

Tag 16: Interkultureller Austausch.

Wie am Vortag geplant, treffen wir uns bereits um neun Uhr im Deutschclub der Uni. Dass es erst nach drei Uhr ins Bett ging, interessiert keinen.
Per Zufallsprinzip werden die Gruppen und das zu bearbeitende Thema eingeteilt; Ich habe Glück und darf mit Denis und drei reizenden Damen losziehen. Das ganze geht ins muslimische Viertel und somit auch in die große Moschee. Letztere ist schon über 1250 Jahre alt, hat 70.000 Mitglieder, besteht aus mehreren Teilen und ist nett anzuschauen. Ich könnte jetzt noch mehr Fakten auspacken, aber ich empfehle lieber den Wikipedia-Artikel oder eine eigene Besichtigung.
Beim Verlassen dieser Moschee geht es durch eine kleine Gasse mit Souvenir-Shops. Prima ist, dass gleich neben den Büchern mit Maos Reden (in vielen Sprachen) ein Kartenspiel mit Sadam Hussein als Cover zu finden ist.
Heute erkennt Denis schnell, dass sich vieles Wiederholt. Folgenden Satz mag ich sehr: "oeRque, hier muss man eigentlich mit Scheuklappen durchlaufen und darf sich nichts angu... oh guck mal, ein iPod!". Paradox erscheint, dass zwar in keinem Restaurant (von denen es in diesem Viertel viele gibt) Alkohol ausgeschenkt werden darf, man kann aber überall Flachmänner ergattern.
Mittags geht's in ein Restaurant. Wie üblich werden Ausländer lieber in den zweiten Stock verfrachtet. Ich weiß nicht, ob es verpöhnt ist, Westler zu bedienen oder was das für einen Grund mit sich trägt. Ich weiß nur, dass ich dieses Restaurant wahrscheinlich nicht mehr aufsuchen werde. Überall ist es sehr verschmutzt, die Kellnerinnen sind unfreundlich, ungepflegt und lieben es, in der Nase nach Öl zu bohren. Die Einwegstäbchen sind schmutzig, man möchte uns aber keine neuen reichen. Und das Essen ist auch nicht gerade die höchste chinsische Küche.
Da wir überpünktlich mit unserem Programm fertig sind, fahren wir noch in einen kleinen Freizeitpark, der auf dem Rückweg liegt. Hier gibt es Attraktionen für Jung und Alt und ich komme dem Wunsch einer unserer Begleiterinnen nach, mit ihr in eine Art 'TopSpin' zu gehen. Ich habe Angst, da alles sehr klein bei dieser Maschine ist und die Kopflehne ungefähr bei meinem Nackenansatz aufhört. Der Helena erschien ähnlich zu gehen, denn sie fängt schon vor der Fahrt an zu weinen. Ich würde sie gerne trösten, habe aber selber so meine Probleme, da ich meine Hosentascheninhalte drohen, sich zu verabschieden. Zudem kommt das Motto 'klein aber fein' zum Vorschein, denn die Maschine ist schon sehr heftig und am Ende ist mir etwas schlecht.
Somit geht es auch direkt danach zurück zum Campus. Jetzt müssen wir noch einen Vortrag vorbereiten und das, obwohl alle müde sind.
Gegen 18 Uhr dürfen die Damen Feierabend machen, Denis und ich versprechen, alles fertig zu machen. Allerdings nutzen wir lieber das heutige sehr sehr gute Wetter und die letzten lichtspendenden Sonnenstrahlen, um zu kicken. Wir scheinen auf Anhieb sehr fähig auszusehen, denn noch bevor wir anfangen, kommt eine Gruppe auf uns zu und möchte gerne eine halbwegs feste Mannschaft für die Wochenenden mit uns bilden. Morgen um zwölf haben wir anscheinend unser erstes 'Spiel'.
Glücklicherweise haben wir bei Jan aushandeln können, das morgige Treffen von 10 Uhr auf 13 Uhr zu verschieben. Ansonsten haben wir ja gar keine Chance, auszuschlafen.
Ich bin gespannt, was der heutige Abend noch so mit sich trägt. Fakt ist, dass es kein Bier geben wird. Naja, eins vielleicht.

Tag 15: Kalligraphie und andere Künste.

Unser Sprachkurs ist bereits nach zwei Stunden früher als sonst beendet, denn es gilt das Wochenende zu besprechen. Jan, von der Robert-Bosch-Stiftung geschickt und ein guter Kumpane unsererseits, hat den Auftrag, den interkulturellen Austausch zu fördern und will dies in Form einer Besichtigungstour in kleinen gemischten Gruppen machen. Bis zum Mittag stellen wir uns alle vor, durchforsten das Thema "Kultur", versuchen, die Gruppen einzuteilen etc. pp.. Das ganze soll dann Samstag stattfinden.
Die Mensa schmeckt wieder gut, dann geht es wie versprochen in die Kalligraphiestraße, in der Jojos Onkel einen Laden hat in dem Jojo ab und zu arbeitet. Die Straße besteht aus vielen kleinen Geschäften rund um die Kalligraphie (wer hätte es gedacht) und ab und zu mal ein paar Touristenfallen. Eigentlich ist es recht interessant, allerdings wiederholt sich alles alle paar Geschäfte und lediglich Denis findet doch überall noch was neues interessant, was mitunter anstrengend sein kann, aber die Neugierde sei ihm gegönnt und so verbringen wir geduldig mehr Zeit, als eingeplant.
Anschließend teilt sich unsere Gruppe auf; es geht entweder nach Hause oder zum Einkaufen oder zum Frisör. Denis und ich entschließen uns für letzteres und werden im nächstbesten (natürlich vorher ausgeguckt) Salon Willkommen geheißen. Natürlich das ganze ohne Wörterbuch, bzw. Fachvokabular (Worte wie 'kurz' und 'Milimeter' erscheinen recht stupide, sind im Chinesischen aber dennoch eine Herausforderung) und die Buben mit den Scheren in der Hand können auch kein Englisch. Es läuft dennoch ganz gut, wir werden fürstlich bedient. Zweimal haarewaschen plus einem Schnitt mit peinlicher Genauigkeit (bei mir war es mehr als eine halbe Stunde Milimeterarbeit) gab es für 25 Yuan. Nur mal zum Vergleich; Eine Kugel Haägen Dasz am Glockenturm, die wir uns zuvor gönnten, kostet 28 Yuan...
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, auch wenn nicht so viel abgekommen ist, wie ich versuchte klarzumachen. Und ein globales Problem habe ich festgestellt; Kein Frisör schafft es, meine Haare nach meinem Geschmack zu stylen. Zwar wird stets eine Unmenge an Pomenade-Fluid aus der Tube gepresst, jedoch erreicht nur ein Bruchteil davon meinen Schopf, der Rest geht zumeist zurück ins Handtuch. Auch dieses Mal wird die Haarspraydose einen Meter entfernt von mir entfernt gehalten und mithilfe eines Föns in meine Richtung getrieben. Das meiste dürfte mein Nachbar abbekommen haben.
Auf dem Rückweg kaufen wir nochmal das Getränkeregal des Supermarktes leer. Diese Kunde verbreitet sich leider sehr schnell, dass abends unsere Bude voll ist und ca. 50 Dosen über den imaginären Tresen gehen. Unser Kühlschrank ist jetzt wieder leer, der Dosenhaufen nimmt hingegen eine beachtliche Form an.