Donnerstag, 2. April 2009

Tag 35: und der Rest von gestern

Zu allererst muss ich euch etwas gestehen: natürlich mussten wir nicht ausziehen. Da hier aber ein regelrechter West-Feiertag-Hype herrscht, konnten wir gar nicht anders, als den 'Foolish Day' zu fröhnen, mit Zahncrème an den Türklinken, schlechten Scherzen und allem, was dazu gehört.
Aber es wurde auch noch ernst und sogar romantisch: am Nachmittag ging's in einen Park mit Tempel unweit von hier. Selten so viele blühende Bäume auf einem Haufen gesehen, prima. Eigentlich sind wir dort schon mit Zeitdruck angekommen, da um sechs Uhr der Ausscheidungslauf für das Sportfest stattfinden sollte. Wir kommen zu spät, erfahren aber, dass einer von uns sowieso mitlaufen darf, wir dürfen jetzt unter uns ausmachen, wer der glücklich ist.
Sportlich ging's abends weiter; im kleinen Turnier unseres und des Nachbarstudiengangs (Verpackungstechnik) wurden wir auf den Basketballplatz gebeten. Blöder Sport, mag ich nicht. Dafür, dass wir gegen die Favoriten spielten und das zum zweiten Mal, seit wir hier sind, sind wir mit 56:42 (inklusive Halbzeitführung) gar nicht mal so stark wie erwartet untergegangen. Leider hat es mit unserer Wunderwaffe, Bier (der Elektrolyte wegen, an Alkohol mangelt es ihm deutlich) in der Halbzeitpause, nicht geklappt, die Menschenmassen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten, haben wir aber enttäuscht.
Das für heute angesetzte Spiel um Platz drei müssen wir aufgrund von Verletzungspech und schlechtem Wetters auf die nächste Woche verschieben. Aber man ist hier ja flexibel. Der Tag wird somit zum Ausruhen missbraucht, der Abend individuell gestaltet.

Ich muss leider jetzt ankündigen, dass sich die Beiträge für die nächsten vier Tage verschieben werden, da wir morgen nach Guilin (桂林) in den Süden fliegen (zusammen mit dem Auslandsamt). Wir nutzen also das verlängerte Wochenende (4.4. gleich zweimal Zahl des Todes -> es ist Gräber-Putztag oder so) für unsere erste weite Reise. Leider soll das Wetter dort nicht richtig mitspielen.

Weitere Information: Wer auf www.chiina.info geht, kann dort toller Bilder bestaunen. Der fleißige Sucher wird finden, wo es steht.

Mittwoch, 1. April 2009

Tag 34: Auszug

Ich melde mich nur kurz aus dem Deutschclub an unserer Uni, weil wir nur noch hier Internet haben.
Uns wurde heute mitgeteilt, dass wir aus dem Haus rausmüssen, zu alt und unsicher, rebuild soll gemacht werden.
Ein neues Domizil ist schnell gefunden; allgemeines Studentenwohnheim 300 Meter weiter, unsere Möbel sollen wir erstmal da in einem Zimmer unterstellen, bis entschieden ist, wie es mit uns weitergeht.
Mehr Infos hat Philipp auf www.chiina.info zusammengefasst.
Ich melde mich baldigst wieder, sofern es Neuigkeiten gibt.

Tag 33: Spontanität ist alles.

Auf dem Campus laufen die Vorbereitungen für das Sportfest, scheinbar das bedeutendste Uni-Fest, bereits voll auf Höchsttouren; überall muss man sich für Wettkämpfe anmelden, jeden Mittag werden auf dem Sportplatz, der dann voll bedeckt ist mit Chinesen, Tänze und Choreographien eingeprobt.
So werde ich am heutigen Montag auch während des Unterrichts angerufen und auf Chinesisch vollgelabert. Natürlich verstehe ich nicht viel, gebe den Hörer an meine Lehrerin. Alles klar, um halb eins sollen wir uns nochmal für unsere Disziplinen anmelden (obwohl das unsere Betreuerin eigentlich schon gemacht hat). Gleich darauf kommt auch vom anderen Kommilitonen die SMS mit ungefähr gleichem Inhalt.
Wir haben ne Stunde vor diesem Treffen Schluss und gehen somit essen. Hätten wir das wohl lieber gelassen. Diese 'Anmeldung' umfasst nämlich eigentlich nur die Vorausscheidungsläufe, da jeder Fachbereich nur eine bestimmt Anzahl an Läufern, Springern und so weiter stellen darf.
Vollgegessen und gesundheitlich nicht so auf der Höhe protestieren zumindest wir Langstreckenläufer (ich mach 1500 Meter, ohne Training). Erfolgreich. Denn wir dürfen morgen ran. Oder übermorgen. Das wird sich spontan entscheiden.
Lediglich Denis traut sich den 100-Meter-Sprint zu. Erwartungsgemäß kommt er nicht gerade schnell weg und ist auf der gedachten Ziellinie nur vierter. Er hat nur das Glück, dass seine Stelzen so lang sind, dass er sehr weit zum Auslaufen braucht. Denn somit ist er dann doch der erste, der die richtige Ziellinie überschreitet und somit auf dem Papier bereits jetzt der Favorit.
Eigentlich haben wir auch noch ein Fußballspiel. Jetzt, da wir im Team sind, traut man sich zu, die Champions der Uni herauszufordern. Wir ruhen uns also noch gut aus, nehmen Magentropfen und freuen uns, dass das ganze von 12 auf 16 Uhr verlegt ist.
Aber wiedermal muss man spontan und flexibel feststellen, dass der Platz nicht benutzt werden darf, da wegen der Choreographien alle zwei Meter Klebestreifen aufgebracht sind, die am besten nicht entfernt werden sollten.
So wird es zumindest heute nicht viel mit Sport, was auch ganz gut ist, denn ich habe da ein gewisses Luxusproblem: Ich nehme irgendwie ab. Bei meinem Gürtel nutze ich das erste Loch, Weihnachten war es noch das vierte. Die Hosen schlabbern, dass es sich nicht mehr gut anfühlt. Wie viel ich schon runter habe, kann ich leider nicht feststellen, da hier ja keine einzige Waage so richtig gut funktioniert, die Toleranzen liegen bei +/- 5 kg.
Naja, mit festen Daten hat man es hier ja sowieso nicht so.

Montag, 30. März 2009

Tag 32: Rebuild.

Ich erwache heute erfreulicherweise fit und pünktlich und darf mich freuen, dass das Wetter endlich wieder besser ist (zwei Tage Regen bzw. nicht zu hohe Temperaturen plus Katerstimmung können nämlich doch am Gemüt zerren). Auf dem Weg zur Uni fallen mir abermals die ganzen fleißigen Chinesen ein, die tüchtig wie Arbeiterbienen für das Wohl ihrer Königin schuften; jeder ist irgendwo beschäftigt, keiner weiß so recht, was der andere tut, aber irgendwie wird alles fertig.
Ich weiß noch nicht, für wen aufmal der Campus in Schale geworfen wird. Sämtliche Betonmauern werden mit Kacheln verkleidet, es entstehen Blumenbeete, Wege werden gepflastert, Kaputte Gebäudeverkleidung wird erneuert und im Stadion werden die Zäune neu gestrichen. Rebuild lautet hier überall die Devise.
Schon baldigst wird es hier bestimmt alles sehr gut aussehen, allerdings bleibt mir stets die Frage, wie lange das wohl halten wird. Es scheint fast so, als wär jedes Jahr ein Rebuild von Nöten, denn lediglich das Aussehen ist hui, der Qualität eher pfui. Alles, was aussieht wie solider Stein, ist lediglich eine flache, angepappte Kachel. Der Marmorboden ist Stein (bzw. auch nur eine Steinkachel), der mit einer bedruckten Folie überzogen ist. Hier und da ist die Folie abgenutzt. Zu den Blumenbeeten kann ich nichts sagen, aber wie nahrhaltiger Mutterboden kommt mir die benutzte Erde nicht vor. Zudem wird hier einfach das Wasser fehlen, schätze ich. Die Pflasterung der Wege ist ebenfalls gefaked, ebenfalls nur Kacheln, die sich leicht lösen. Wandverkleidungen hängen nur an recht wahllos zusammengeschusterten Fassaden. Die Zäune werden vor dem Streichen nicht geschliffen, aber eine ordentliche Farbschichtdicke wird das Kind schon schaukeln.
Aber gut. Warum soll man einmal etwas machen, was richtig lange hält, wenn man dadurch Gefahr läuft, dass man dann im nächsten Jahr eine Unterbeschäftigung hat?
Was passiert heute sonst noch?
Vor unserem Unieingang wird in der Pause eine ziemlich lange Stoffbahn um ein paar Säulen herum gespannt. In der nächsten Pause sehen wir dann, dass diese bemalt wird. Da wir sehr interessiert gucken und man hier uns gegenüber immer freundlich ist, werden wir glatt eingeladen, nach dem Mittagessen auch eine Stelle zu bemalen.
Also Motiv dient das übliche: Partnerschaft Deutschland / China, dargestellt durch die Umrisse beider Länder, ausgemalt mit den Farben und Mustern der Nationalflaggen. Während uns für Deutschland ein grober Umriss gelingt, bekommen wir bei China vom halben Kunstinstitut Hilfestellung geleistet und es wird kein Platz des Territoriums ausgelassen. Ich habe sogar fast schon Angst, dass man uns doch nicht mehr malen lässt, weil wir aus Versehen Taiwan vergessen haben. Und noch eine kleien Insel irgendwo, aber die ist auch bis jetzt noch nicht auf dem Banner zu finden.
Abermals gelten wir als Attraktion und haben viele Zuschauer. Und ich kann natürlich den Wünschen in den Blicken der Schaulustigen nicht wiederstehen und füge meiner Unterschrift noch meine Nummer hinzu. Dennoch dauert es bis in die Abendstunden, bis sich jemand traut zu melden. Mein SMS-Stand liegt mittlerweile bei 220 KuMiTeis.
Für Fotos werde ich morgen mal endlich wieder sorgen. Für alle, die es jetzt noch nicht erwarten können, kann ich nur unseren anderen offiziellen Blog empfehlen, auf dem neben mir auch mal ein paar andere von uns aktiv sind. Also eigentlich nur Philipp und Denis, aber den Rest wird man auch noch irgendwann dazu bewegen können.
Ich verbleibe mit einem müden Gruß.

Tag 31: Unergründliche chinesische Denkweisen.

Es ist Sonntag und ich schlafe ausnahmsweise lange, aber nicht erholsam, da es wie beschrieben am Wochenende zu viel Halliegallie kam. Hinzu kommt, dass für heute mal wieder ein Fußballtraining angesetzt ist, welches ich in leichter Katerstimmung antrete.
Ausnahmsweise ist der Trainer sehr zufrieden mit uns, stets werden Lukas und ich als Beispiel genommen. Trotz des erhaltenen Lobes kann ich nicht wirklich über seine mitunter seltsamen Denkweisen hinwegsehen.
Also in erster Linie soll alles sehr geordnet ablaufen. Wenn man einen Ball annehmen will, gibt es dafür eigentlich nur eine Methode, sobald sich der Körper anders bewegt, ist alles falsch. Es ist eigentlich verwunderlich, dass darauf wert gelegt wird, denn eigentlich ist das meiste hier improvisiert.
Geregelt wird auch alles sehr streng, wenn es um einen Wettbewerb geht. Da der Platz eigentlich belegt ist, halten wir uns zweieinhalb Stunden mit irgendwelchem Gedaddel auf, bis wir um halb sieben endlich auf den Platz können und noch ein kleines Match abhalten. Anstatt, dass man sich vorher überlegt, wie alles zu laufen hat, muss alles nochmal ganz genau geklärt werden. Dabei wird irgendwie nicht die Tatsache berücksichtigt, dass es ab sieben Uhr dunkel wird und Zeit mehr oder weniger Geld ist. Nachdem dann endlich angepfiffen ist, trifft unser Coach, der als Schiri fungiert, viele komische Entscheidungen, um den Spielfluss weiter unnötig aufzuhalten. Trotzdem hier keiner einen richtigen Einwurf werfen kann, werden nur einige abgepfiffen und korrigiert. Und da es sich um ein Spiel handelt, wird es für nötig gehalten, unabhängig von der Spielzeit noch eine Halbzeit mit Seitenwechsel einzulegen.
Die Gedanken meines Trainers sind manchmal unergründlich und ich bin recht froh, dass ich die ganzen Diskussionen, in denen es bestimmt nur um Kleinigkeiten geht, nicht richtig verstehe.
Aber gut, ich rede zu viel über Fußball, glaube ich.

Sonntag, 29. März 2009

Tag 30: Karaoke, wieder.

Egal, wie spät ich ins Bett gehe, mein Körper will ab acht Uhr nicht mehr wirklich schlafen. Für mich ist das recht ärgerlich, für Denis und Lukas nicht. Denn fürsorglich, wie ich bin, laufe ich zum Supermarkt und kaufe lecker Frühstück. Dann koche ich Kaffee. Und was ernte ich dafür? Natürlich: "Öhh, wo isn die Milch?" Während ich einkaufe, läuft mein im Zimmer vergessenes Handy heiß. Es ist unser Captain, der möchte, dass wir uns etwas beeilen, denn der für das Auswärtsspiel an einer Uni im Südwesten der Stadt steht schon bereit. Beeilen ist bei einigen Kommilitonen aber ab und zu ein Fremdwort, wie hier schon viele mitbekommen haben. Wir schaffen es gerade mal, rechtzeitig zum ausgemachten Treffpunkt (11h30) zu erscheinen.
Der 'Bus' ist eine alte Mitsubishi-Kopie, klein, aber irgendwie passen wir zu neunt rein (Platz gibt es maximal für sieben eigentlich). Aber die Karre fährt, selbst auf unebensten mit Schlaglöchern versehenen Straßen. Uns wird erklärt, dass wir durch das ärmere Viertel fahren, bis wir halb aus der Stadt raus sind. Nach 40 Minuten erreichen wir den Zielort. Ich bin begeistert. Der gestrige Regen hat die Luft tatsächlich soweit gesäubert, dass man die Berge silhouettenförmig erkennen kann. Ein feines Alpenidyll kommt auf. Prima.
Trotz der Entfernung hat es sich einer meiner Fanclubs nicht nehmen lassen, auch zu erscheinen. Ich entwickle langsam Staralluren, denn bereits vor dem Spiel und später auch auf dem Platz bin ich ein begehrtes Fotomodell. Bei dieser Unterstützung bin ich natürlich doppelt motiviert und mache das ach so wichtige 1:0. Darauf folgt ein ausgedehnter Torjubel, den die Gegner anscheinend nicht für gut heißen können, sodass sie zu anderen Mitteln greifen müssen, um ich aufzuhalten. Zack, kurz darauf bekomm ich den Ball mit ordentlich Karacho von unten dahin geschossen, wo es Männern oftmals sehr wehtun kann. Ich lasse mir größte Schmerzen nicht anmerken, überspiele das ganze mit einer aufgesetzten Lässigkeit. Klar, was sollen die Frauen im Fanblock sonst denken?
Nach dem 10:6 (oder so), bei dem ich noch zweimal einnetze und im überschwänglichen Jubel den Menschen, geforderterweise, die Farbe meiner Unterbüchse preisgebe, geht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heim. Diese Fahrt dauert dann gleich mal 1,5 Stunden. Aber es ist ja Wochenende, man hat Zeit. Für die großen Distanzen werden übrigens nur kleine Busse eingesetzt. Diese sind auch gleich noch viel teurer, denn da die Technik hier noch nicht so fortgeschritten ist (kein Buskarten-Lesegerät), muss neben dem Fahrer noch ein Kassierer anwesend sein, klar.
Es ist schon nach sechs Uhr, als wir recht kaputt aus dem, aufgrund der Menschenmassen leicht riechenden, Bus steigen. An Ausruhen ist natürlich nicht zu denken, da die Damen von oben zum Lasagne-Essen laden. Neben uns kommen noch ein paar andere Studenten. Nach einem Power-Sittin (sehr kurze Party) verschwindet bereits um neun die erste Hälfte, da es, dieses Mal geplant, wieder zum Karaoke geht. Ich folge mit der zweiten Gruppe ein paar Schnäpschen später. Zum Zeitpunkt unseres Eintreffens ist Xuguan (in den letzten Tagen anders betitelt worden, allerdings kennt er jetzt meinen Blog und lässt ihn durch den Google-Translater laufen, was für peinliche Fragen sorgt) bereits zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Merke: Chinese und Wodka ist unter Umständen nicht die beste Mischung. Trotzdem ist es ein lustiger Abend. Und trotz Müdigkeit zeigen wir uns sehr solidarisch und bleiben, bis wir rausgeschmissen werden. Solidarisch deshalb, weil die normalen Studentenwohnheime ab halb zwölf die Pforten schließen und sie vor sieben auch nicht wieder öffnen. Und somit müssen unsere chinesischen Gäste die bequemen Sofas im Karaoke-Raum nutzen, um zu schlafen.
Gegen sechs Uhr besteige ich also mit drei der Frauen ein Taxi, schwätz ein wenig mit dem Fahrer und kann ihm klarmachen, dass er uns am Hintereingang rauslassen soll, da wir dann weniger laufen müssen. Der aufmerksame Leser wird merken, dass zu dieser Zeit die Wohnheime immer noch nicht geöffnet sind. Und so verfrachte ich die drei einfach bei uns auf der unbequemen Couch (Gästematratze und Schlafsack wollen sie nicht) und schlafe dann selber ein. Geweckt werde ich um neun zum ersten Mal, per Telefon. Es ist eine unserer Schlafgäste. Sie wollen jetzt gehen, leider hat Lukas aber die Tür von innen verschlossen. Ich nuschle irgendwas unverständliches, schließe auf und nuschle noch etwas zum Abschied.
Leider war ich im ersten Taxi, denn sonst wäre mein Abend nicht so früh zu Ende. Die anderen nutzen die ersten Sonnenstrahlen einfach mal, um noch Badminton zu spielen. Und um sieben öffnet die Mensa und die Knaben bekommen glatt noch ein Frühstück.
Ich hingegen schlafe. Hungrig.

Tag 29: Regen

Der Tag ist zum Vergessen, es regnet die ganze Zeit über. Darum machen wir auch nichts am Nachmittag. Glücklicherweise funktioniert das Handy von Denis wieder und wir können einen von der Westler-Party vor ein paar Wochen anrufen und fragen, was abends so anliegt, denn die Monotonie, mit der wir den Tag verbringen, kotzt uns an.
Jener kann uns die freudige Nachricht verkünden, dass in seiner Wohnung erst eine Party stattfindet und es anschließend zum KTV (Karaoke) gehen soll.
Zumindest zu ersterem Event soll es gehen. Wir stellen fest, dass er nur zwei Busstationen von uns entfernt wohnt, allerdings erst nachdem wir mit dem Taxi angekommen sind und mit dem Fahrer streiten, warum er schon so früh anhält. Die Wohnung betrachtend stell ich mal wieder fest, wie gut wir es doch haben. Und sicher. Denn trotzdem jedes dortige Fenster mit Gittern versehen ist, wurde in der vorherigen Nacht eingebrochen, während die beiden Herren geschlafen haben. Diese Nachricht bereitet mir Angst und ich beschließe, lieber nach Hause zu gehen, um bei uns alles sicher zu machen und dann zu schlafen.
Wie es nunmal so ist, hält dieser Beschluss nicht lange, denn schon sitze ich im Taxi in die andere Richtung, gen Karaoke-Bar. Läuft. Ist lustig. Und schon ist es wieder vier Uhr, als ich dann endlich zuhause bin. Jetzt 好好休息, gut ausruhen, denn morgen haben wir ein Auswärtsspiel.

Donnerstag, 26. März 2009

Tag 28: No somos illegales!

Die gute Nachricht vorweg: Wir laufen nicht Gefahr, uns hier illegal aufzuhalten. Unser Visum wird just heute verlängert bis zum 31.01. . Ich befürchte fast, dass wir noch einmal verlängern müssen, da bekannterweise ein edler Herr am Auslaufsdatum unseres Visums Geburtstag hat und es bereits heute ein großer Wunsch ist, dass dieser, bis dato garantiert Universitätsfeiertag, ausgiebig gefeiert wird.
Zu heute: Unterricht war endlich mal ziemlich gut, wenn man das mal zugeben darf. Anschließend deklarieren wir den Donnerstag zum Jiaozi-Tag (da wir sie sonst zu oft essen würden) und nach einer kleinen Mittagspause geht es in die Stadt. Eigentlich möchte ich dort meinen Sprachcomputer umtauschen, weil jener ein bisschen blöd programmiert ist: Wenn ich ein deutsches Wort eingebe, wird mir zwar das Zeichen angezeigt, nicht aber die Aussprache. Nachdem wir das ausgiebig erklärt haben und wir auch verstanden wurden, willigen die geduldigen Damen ein, ihn auszutauschen. Ich solle kurz mitkommen, heißt es. Also folge ich, ohne zu murren. Es geht durch den Ausgang raus. Dass ich eigentlich noch Bücher zu bezahlen habe, interessiert zunächst keinen, bis ich darauf aufmerksam mache. Auch hier wird geduldig gewartet. Anschließend geht es durch die halbe Stadt (dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass diese Angabe übertrieben ist, da die Stadt sehr groß ist und man nicht einfach so die Hälfte davon durchschreiten kann) durch dunkle Gassen (ich befürchte, überfallen zu werden, da es echt dunkel ist und die Dame den Sprachcomputer sehr fest umklammert) bishin zur 'Hauptvertriebszentrale', also einem schäbigen Schuppen in irgendeiner Gasse. Hier fällt dann letztendlich auf, dass ich das Gerät vor acht Tagen gekauft habe, die Umtauschfrist für Produkte ohne Mängel (jener entdeckte Mangel war anscheinend gewollt) aber nur sieben Tage beträgt.
Mir wird noch gezeigt, dass man, sofern man des Englischen mächtig ist und diese Wörterbuchfunktion benutzt, sehr wohl die Aussprache angezeigt bekommt.
Ich willige ein, nicht umzutauschen. Mir bleibt auch nichts anderes übrig. Mit etwas Einarbeiten läuft das schon.
Zurück am Campus treffen wir uns mit der Betreuerin, um ihr Geld zuzustecken. Nicht einfach so, sondern weil wir in gut einer Woche für vier Tage mit dem Auslandsamt in den Süden des Landes fliegen. Lediglich für die Flugkosten kommen wir auf und es soll laut Wikipedia und Reiseführer eine nett anzuschauende Stadt sein. Anschließend dürfen wir uns für das Uni-Sportfest eintragen. Die Disziplinen sagen mir nicht so zu, trotzdem wage ich mich an den 1500-Meter-Lauf. Ich bin noch unschlüssig, ob ich darauf trainieren soll, oder einfach ins kalte Wasser springe.
Da es heute ausnahmsweise regnet, gerät der Abend in die Gefahr, langweilig zu werden. Hausaufgaben sind schon erledigt, bis endlich die Mitteilung kommt, dass der u.g. 'Zuhälter' gerne noch auf einen Drink vorbeikommen würde.
Ihm wird Zutritt gewährt. Ebenso wie den hübschen Damen zwischendurch. Letztendlich kommen wir gut durch dieses trübe Wetter und hoffen, dass die Luft morgen klarer denn je sein wird.
晚安

Mittwoch, 25. März 2009

Tag 27: 乒乓球 - Tischtennis

Mir fällt pünktlich knapp vor Unterricht ein, dass eine Hausaufgabe zu erledigen war: Gedanken darüber machen, was wir als Restaurantboss machen würden (man sieht: vollkommen für uns relevanter Wortschatz und realistische Situation...). Ich suche schnell ein paar Wörter raus, mache mir Gedanken und ernte noch schleunigst ein "你说得很不错- sehr gut gesagt" von der bewunderten, nett anzuschauenden Professorin. Tränen der Freude steigen mir prompt in die Augen, der Tag ist schon jetzt gerettet.
Wir fangen endlich mal am Nachmittag an zu lernen und schaffen uns so mehr Freizeit für den Abend. Um fünf Uhr geht's auf den Sportplatz, was keine gute Idee ist, da meine prächtigen Fußballerbeine, die wohlgekrümmten Schenkel eines Stars ob der großen sportlichen Belastung der letzten Wochen nachgeben und den hilflosen Studenten zum Stehen statt zum Laufen bewegen. Kann man in diesem Fall 'bewegen' sagen?!
Also geht's rasch nach Hause, Hamburger und Nudelsuppe stehen auf dem Essensplan, noch ein bisschen lernen und dann zum Tischtennis. Hier warten bereits geduldig mehrere Parteien von Frauen und einige emsige Buben, die gerne ein Bierchen mit uns trinken würden, während des Sports.
Nach einiger Zeit wird uns einer vorgestellt, der anscheinend super toll in dieser Sportart sein soll. Gar hochgelobt wird er. Und er fordert mich heraus, bzw. die Massen fordern, dass er mich herausfordert.
Also gut. Ich hau ihm den Ball rechts und links nur so um die Ohren. Täusche Schmetterbälle an und schiebe ihm ein unerreichbares, angedrehtes Schüsschen in die Ecke. Sobald ich eine Angabe habe, ist es sofort ein Punkt für mich. Der Gegner weint bitterlich ob meines ihm angebotenen Chauffeurdienstes herunter von seiner Wolke auf den harten Boden der Realität.
Das alles nehm ich mir für den Spielverlauf vor. In Wahrheit versage ich natürlich jämmerlich. Es langt nicht mal richtig gegen eine Frau, derer es um uns herum reichlich gibt und die nur allzugerne einmal im Leben gegen eine Europäer spielen wollen.
Zum Glück erklingen immer wieder die herzlichen Worte der Fräulein Ai in meinen Ohren, sonst wäre es heute ein verkorkster Tag.

Dienstag, 24. März 2009

Tag 26: Gigolo

Der heutige Tag trägt einiges mit sich: Wir entsorgen endlich die Reste vom (samstäglichen) Feste und bringen die Bude wieder auf Vordermann. Noch immer ist nicht geklärt, wie Lukas auf die Idee kam, Torte nach mir zu werfen, welche heute nicht gerade leicht von der Badezimmertür zu entfernen ist. Zudem spüle ich alle 250 Bierdosen aus, die wir seit dem Einzug hier gesammelt haben (die Dunkelziffer der geöffneten Büchsen dürfte höher sein, denn da die Mädels sich eine Wand damit ziehen wollen, werden uns öfters mal welche entwendet).
Nach dieser erfolgreichen Aktion belohnen wir uns selber mit einer Runde Fußball. Und als ob das nicht schon Bewegung genug genug wäre, so spielen wir noch nach dem Essen (Denis kocht, nach halbwegs beseitigten Integrationsproblemen zwischen Bäuchlein und chinesischer Nahrung, Spaghetti Bolognese) eine Runde Tischtennis. Also wir versuchen es. Denn recht fix kommt ein Bube (von uns jetzt liebevoll 'Der Zuhälter' genannt), mit dem wir da schon öfter Kontakt hatten, hermarschiert. Im Schlepptau: vier junge, feine, patente, schüchterne Damen. Natürlich wollen sie uns gerne kennenlernen. Natürlich sind sie alle Single. Und natürlich weiß jeder, was die Damen von uns halten.
Wir dürfen also nur noch abwechselnd mit dem Buben spielen, der andere muss sich ein Gespräch ausdenken. Leider zieht die Ausrede mit dem Schüchternsein nicht mehr.
Zurückgekommen in der Wohnung ist auch diese von Frauen belagert. Da Hanna und Nadine es mit der Technik anscheinend nicht so haben, ist jetzt nach ihrer Musikanlage auch der Fernseher kaputt (reife Leistung, in einem Monat so viel zu zerstören), aber es muss unbedingt noch Tarzan geguckt werden. Ich kann mir keinen besseren Film vorstellen und schließe mich im Zimmer ein. Und hier bin ich nun. Drauf und dran, die Äuglein zu schließen.

Tag 25: Aufschwung

Jetzt, da die warme Jahreszeit begonnen hat, sieht man sie überall: viele kleine emsig schuftende Chinesen, die in jeder Ecke des Campus am Werkeln sind! Vor einer Woche noch haben wir uns gefragt, ob der große Plan der Universitätsanlage nur das Wunschdenken des Direktos ist, oder ob es irgendwann tatsächlich so schön werden soll. Auf diesem Plan befinden sich viele kleine Parkanalgen mit Seen, Pavillons, eine zweite Sportanlage und vor allem viel grün.
Die Realität sah bislang aber noch ganz anders aus: Überall lehmige, feste Erde, die kaum zu bewegen schien, Staub, Bauruinen...
Und nun? Nun entdeckt man jeden Tag etwas neues, die neue große Mensa ist ja unlängst gebaut, nun wird auch die Fläche davor schön. Der Große Springbrunnen auf der Allee Richtung Hauptgebäude wurde halb abgerissen und es fand ein 'rebuild' statt. Die lehmige Erde weicht neuen Mauern und alte Betonmauern werden mit Mamorfliesen (zumindest sehen sie so aus, sind aber nur mit einer bedruckten Folie überzogen) bedeckt. Mit etwas Glück und viel Wasser kann das hier sogar mit der Flora funktionieren. Ich hoffe, dass der neben unserem Wohnheim geplante Park auch bald in Angriff genommen wird und die kleine inoffizielle Mülldeponie verschwindet.
Diesem positiven Wandel muss ich leider aber auch etwas Tribut zollen: Um hier so viel zu schaffen, gibt es scheinbar keinen Feierabend. Somit kann ich nachts mein Fenster nicht offen lassen, weil dauernd irgendwelcher Baulärm oder alte LKW mit schlechtem, lauten Motor zu hören sind.
Krach wird hier im Übrigen sowieso sehr geschätzt. Heute allein zähle ich vier große Feuerwerke, sodass man sich beinahe wie im Kriege fühlt. Dazu passt, dass während des Geknalls unser Internet zusammenbricht und bis zum Folgetag zusammengebrochen bleibt.
Internet wird aber sowieso vollkommen überbewertet, da ich jetzt meine Leidenschaft für ein neues Medium entdeckt habe, das sogar einen Lerneffekt mit sich trägt; Ich schreibe via schnurlosem Mobilfunktelefon kurze Mitteilungen an Einheimische in deren Landessprache. So schreibe und lese ich, lern Redewendungen und neue Wörter. Wahnsinn. Zudem sind diese Einheimischen alle weiblich. Ich lerne also nicht nur Chinesisch zu verstehen, sondern auch die Frauen. Und wer versteht schon Frauen? Und nicht nur, dass ich bislang nur als Austauschpartner ausgesucht wurde; Heute drehe ich den Spieß mal um und bitte in der Mensa (mehr oder weniger auf Lukas' Drängen hin) einfach eine junge patente Dame, mir ihre Nummer zu überreichen. Meine Flirtskills wachsen also auch noch.
Seit nun etwas weniger als einer Woche zählt mein Handtelefon knapp 90 erhaltene Kurzmitteilungen. Wahnsinn.

Sonntag, 22. März 2009

Tag 24: Fußball

Mein Körper lässt mal wieder nicht die gewünschte Menge an Schlaf zu. Gut so. Einem improvisiertem Frühstück (es gibt noch Chips und Torte von gestern) folgt der Gang zum Sportplatz, wo unser Team schon wartet. Bisher sind wir jedes Mal zu spät gekommen, reife Leistung. Allerdings heißt es ja, dass die Deutschen immer pünktlich sind und somit geht man allgemein davon aus, dass die anderen zu früh da waren.
Der Coach hat im Vergleich zum Trainingsspiel die Aufstellung mal geändert. Lukas darf aufgrund seines gestrigen Kurzeinsatzes auf jener Position und auch aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu Oliver Kahn einfach mal das ganze Spiel über ins Tor, obwohl es eigentlich zwei Torhüter gibt. Denis muss auf die ungeliebte Libero-Position, weil er so schnell ist. Und ich bin erstmal draußen. Der Star soll geschont werden.
Zu meinem Glück verletzt sich beim 1:0 unser Stürmer und ich darf ran. Zack, erster Ballkontakt, drin das Ding. Ich versemmel noch zwei Dinger, dann ist Halbzeit (beim Stande von 4:1). Übrigens eine von dreien. Eine von drei unterschiedlich langen Halbzeiten. Ohne Seitenwechsel. Wir haben also in jedem Drittel Gegenwind.
Im zweiten Drittel werden die Stars, Denis und ich, abermals geschont. Da es dann aber nur noch 5:3 steht, dürfen wir im letzten Spielabschnitt glatt beide als Stürmer fungieren. Ich mach noch zwei Buden, Denis darf auch mal ran und nach dem Endresultat von 12:4 steht fest, dass Xi'an seine neuen Helden hat.
Dem Match zollt unser Körper Tribut. Die Beine sind innerlich und äußerlich im Arsch. Kunstrasen auf Beton ausgelegt ist nunmal nicht so gut. Ausruhen gibt es aber nicht, da wir nur wenig später zur Feier des Tages zum Feuertopf-Essen (abermals) in die Stadt geladen sind. Feuertopf ist unserem Fondue recht ähnlich und nimmt somit sehr viel Zeit in Anspruch, sodass wir um zehn Uhr, zurück im Wohnheim, entscheiden, dass der, aus gegebenem Anlass eigentlich schon angebrachte, Putztag nicht dieser Sonntag sein kann.
Gut schlafen lautet jetzt die Devise.
Ich hau mich hin.

Tag 23: 很帅

Endlich darf nach zwei Wochen mal wieder ausgeschlafen werden. Eigentlich eine Wohltat, aber das mit dem langen Schlaf habe ich nicht mehr so drauf, sieben Stunden langen. Irgendwie.
Es ist noch keiner um elf Uhr wach und so bereite ich das Frühstück vor. Jenes wird etwas ausgedehnter und so stellen wir um drei fest, dass erstmal um viere Fußball-Training stattfindet und eigentlich noch die Bude geputzt werden müsste, da abends ja die Party steigt.
In Rekordzeit wird also die Küche ausgemistet, sortiert und gründlichst gesäubert, der Rest der Wohnung wird auch erledigt. Dann Fußball. Soll eigentlich nicht so lange dauern und nicht so hart sein, da morgen, am Sonntag, ja noch ein Spiel stattfinden soll.
Denkste. Nach dem einstündigen Training folgt noch ein komplettes Spiel (da der Kader 23 Köpfe groß ist, geht das ganz gut). Wir lernen dabei unseren Coach kennen. Ich glaube, dieser muss unbedingt seine Autorität unter Beweis stellen und mäkelt bei jeder Übung wegen jeder Kleinigkeit an uns Deutschen rum. Denn schlecht sind wir eigentlich nicht.
Das Training endet also gegen sieben. Dumm nur, dass wir abhängig vom Wochentag den Beginn der Feierlichkeit variierten, von 21 auf 18 auf 19 Uhr, und somit die ersten Damen schon um sechse vor verschlossenen Türen stehen, aber so schlau sind und sich denken, dass sie mal am Sportplatz nachgucken können.
Der Abend verläuft feucht fröhlich. Es kommen hauptsächlich Chinesinnen. Klar, es gibt ja auch Deutsche zum Anfassen. Gegen elf kommt mal ein Nachbar nach oben und bittet, etwas leiser zu sein. Da dies nicht unbedingt unser angestrebtes Ziel ist, nutzen wir unseren Luxus und verlagern das ganze nach oben zu Hanna und Nadine in die Wohnung. Das hat nicht nur den Vorteil, dass kein Nachbar mehr kommt, sondern auch, dass es nicht unser Bad ist, das mit Pizza-Resten aus dem Bäuchlein eines Gastes gesprenkelt wird.
Trotzdem die Wohnheime eigentlich um halb zwölf die Pforten schließen, bleiben noch erfreulich viele bis nach Mitternacht bei uns. Sie würden schon mit dem Pförtner reden können. Sagen sie. Vielleicht fahren sie auch einfach nur in eine der vielen Karaoke-Bars und mieten sich dort einen Raum, um zu schlafen. Zumindest soll das hier Gang und Gebe sein.
Gegen drei finde ich auch den Weg ins Bett, erstaunlich fit sogar.

Samstag, 21. März 2009

Tag 22: Ab zur Metro... und was auf dem Weg dorthin liegt.

In der Pause verteile ich abermals meine Nummer an die Damen 3, 4 und 5. Bis dato habe ich binnen 24 Stunden 33 Kurzmitteilungen von Nummer 1 und 2 erhalten, Tendenz: stagnierend.
Nach dem Essen in der Moslem-Mensa, in der die Küchenchefin an unseren Tisch tritt um uns zu sagen, wie 帅, handsome, wir doch sind (mein Gott, ich glaube, wir heben hier noch ab und werden ganz und gar eingebildet, schnappen wir uns ein Taxi um zur Metro zu fahren.
Da wir nicht genau wissen, wo sich diese befindet, lassen wir uns beim Messegelände absetzen. Wären wir in Eile, würde das eine schlechte Idee gewesen sein, denn mit unserem geschulten Blick erspähen wir sofort das kleine Häuschen mit der Aufschrift "Deutsches Bierhaus". Und es hat sogar, um drei Uhr am Nachmittag, geöffnet. Als wir die Lokalität betreten, werden wir von Damen in Dirndln und einem Mann auf Deutsch begrüßt und verköstigen jeweils zwei gute Weizenbiere plus eine ofenfrische Brezel. Bei dem Mann stellt es sich raus, dass er bereits in Deutschland gelebt hat, Braumeister ist und für den Vertrieb des Paulaner Bieres für ganz China zuständig ist. Ihm ist es ziemlich egal, dass die Messe nicht die reichsten Menschen anzieht und somit nicht sehr viele den Laden betreten, weil sie sich die deutschen Preise nicht leisten können. Er lebt von deutschen Firmenfeiern und die viereinhalb Tausend Euro Jahresmiete kriegt er damit locker raus.
Wir planen jetzt, eine WebCam auf das Bierhaus zu richten, um festzustellen, wann diese Partys stattfinden und sie dann einfach zu stürmen.
Einkaufen gehen wir auch noch, wenngleich die Preise gerade für Milchprodukte einen erfolgreichen Einkauf auschließen. Mein Plan, irgendwann mal Pizza zu machen, besteht nicht mehr.
Am Abend entlasten wir den Supermarkt um die ersten sechs Kartons Bier, da wir morgen in Denis Geburtstag feiern werden und einfach mal jeden, der "want to make a friend with you", eingeladen haben.
Später spielen wir mal Basketball. Blöder Sport, mag ich nicht.

Donnerstag, 19. März 2009

Tag 21: 好好休息

Gut gut ausruhen lautet heute die Devise. Nach einem geschmeidigem Unterricht folgt ein gepflegtes Mahl in der Mensa, anschließend soll ein wenig das Schlafdefizit aufgeholt werden und zwar in Form eines ausdienlichen Mittagschlafs.
Letzteres praktiziert die Hanna täglich mehrmals, also sollte es eigentlich gut sein. Ist es aber nicht wirklich. Schläft man nämlich zu lange, ist der ganze Tag im Arsch. Nicht nur von der Zeit her, sondern auch von der eigenen Frische, aber mit meiner Lebenserfahrung habe ich das schon vorausgesehen und konnte mich drauf vorbereiten.
Als ich also um halb sechs wieder wach werde, geht nicht mehr viel. Wir kochen mit den Damen zusammen unsere Reste weg (natürlich schmeckt es noch vorzüglich) und dann gehen wir 乒乓球,Tischtennis, spielen. Das ganze selbstredend in kurzen Klamotten, da wir jetzt die Vergewissheit haben, dass der Frühling einfach mal übersprungen worden ist und wir gleich zum Sommer schreiten. So ist es auch um halb elf noch ziemlich warm und man schwitzt sogar beim der oben genannten Sportart.
Mein SMS-Zähler steht seit dem gestrigen Treffen mit den Damen auf 33. Und das in ca. 24 Stunden, reife Leistung. Eigentlich könnte ich das ganze langsam mal als Stalking werten, aber ich seh im Ganzen einfach den praktischen Lerneffekt, den ich durch das Lesen und gelegentliche Antworten erziele.
Jetzt sollte es schleunigst in die Heia gehen, sonst ist der Effekt des heutigen Ausruhens, ich sag's mal einfach so, für'n Arsch.

Mittwoch, 18. März 2009

Zwischendurch: Bilder


Feinste antike Vasen.



Links: Gute Freunde! Rechts: Tiere, von denen wir uns eins zulegen sollten.

Links: Glücksschwein. Rechts: mein Mannschaftsoutfit für 4 Euro. Man beachte die Nummer. Mein Kapitän, der blöde DanDan, was auf Deutsch EiEi heißt, trägt aus gegebenem Anlass schon die 00.

Tag 20: Visumsscheiße mal wieder.

Gestern erhielten wir den Anruf, dass heute mal wieder eine Visumsangelegenheit anläge. Und das tut sie. Bereithalten müssen wir mal wieder 400 Kuai sowie den Reisepass und Fotos (derer Lukas anscheinend noch welche nachmachen lassen muss, was allerdings nicht klappt und letztendlich auch egal ist. Ein Mann vom Auslandsamt begrüßt uns um 14 Uhr am Haupttor, drückt uns einen Zettel in die Hand und verfrachtet uns in drei Taxen und los geht's auf's Amt. Natürlich in der prallen Mittagssonne mit ohne Klima und viel Stau. Ne halbe Stunde lang.
Aufm Amt ist's natürlich nicht besser, wir müssen lediglich eine Unterschrift hinterlassen und per Webcam ein Foto als Beweis hinterlassen, dass wir da waren. Und für das ganze braucht man zwei Stunden.
Somit kommen wir zu spät zum verabredeten Fußballspielen, was aber irgendwie nicht schlimm ist. Während des Spiels, in dem wir natürlich voll abgehen, haben wir ein paar Zuschauer, genauergenommen Groupies am Spielfeldrand. Auf dem Rückweg bemerken wir erst kurz vor unserem Wohnheim, dass wir von jenen Groupies mit Sicherheitsabstand verfolgt werden und bleiben einfach mal stehen, um zu schauen, was passiert. Schüchtern wie kleine, scheue Rehkitze näherten sie sich uns kleinen Fußes. Nachdem wir uns genug an ihrer Unsicherheit gelabt haben, fragen wir, Denis, Lukas und ich, was so abgeht. Sie kriegen gerade noch auf Chinesisch die Frage raus, ob wir eine Handynummer haben, was wir mit Ja beantworten können. Und jetzt kommt's: Wir geben sogar unsere, also vielmehr meine, weil die anderen Halunken ja an der Frau in der Heimat hängen, her. Einfach mal so. Weil wir nette Gäste sind. Jene Nummer wird mit zitternden Händen in das sogenannte Handy getippt und die Damen entfernen sich größeren Schrittes, als sie zu uns kamen. Schnell, aber glücklich.
Nachdem wir nun geduscht sind, gehen wir drei, natürlich mit deutlicher Verspätung, zum Tor, um mit unserem Mannschaftskapitän (wie erwähnt sind wir ja in ein Freizeitteam eingetreten) und ein paar anderen essen zu gehen. Es gibt leckersten Feuertopf. Mit allem, was dazu gehört. Und Magen. Irgendwie ziemlich viel Magen. Aber gut, man muss ja alles mal ausprobieren und so verzehre ich das natürliche Kaugummi in rauen Mengen. Ich will meinem Magen schließlich auch etwas gutes tun und ihm Artgenossen senden.
Leider bekriegen sie sich später, die beiden Mägchen.
Während des Essen grummelt es sowieso sehr oft in meiner Hose. Also es vibriert vielmehr, denn bis jetzt, kurz vor Mitternacht, habe ich ca. 17 SMS bekommen, auf die ich vielleicht fünfmal geantwortet habe.
Ich habe mittlerweile etwas Angst vor den Damen.
Die Vorhänge zugezogen und in der Ecke kauernd werde ich versuchen zu schlafen.
Gute Nacht!

Edit: Ich hätte lieber SMS statt Blog schreiben sollen, jetzt bekomme ich zu hören, dass man ob des Mangels an Antworten deprimiert ist. Soll ich da etwa gut schlafen können?

Dienstag, 17. März 2009

Tag 19: Shopping

Nach dem Mittagessen, was wegen der Gemütlichekeit in letzter Zeit immer mehr aus wahlweise Mensa oder Chickenburger plus Nudelsuppe aus dem Supermarkt (in dem wir wahrscheinlich die besten Kunden sind) besteht, soll es mal wieder kurz in die Stadt gehen. Eigentlich brauchen Denis und ich nur ein Mobilfunktelefon, mit dem per SMS auch chinesische Zeichen versenden kann und wegen des anhaltenden Traumwetters und der versagenden Waschmaschine noch das ein oder andere T-Shirt. Da wir jenes während des Unterrichts bereden, bekommen die anderen Herren nur etwas von Einkaufen mit, von dem sie nicht abgeneigt sind und schwupps sind wir eine große Gruppe auf Shopping-Tour. Da wir oft schon mit dem Bus drübergefahren sind, steht das Ziel, die große Oststraße (kurze Erklärung: in Xi'ans Innenstadt gibt es eine große rechteckige Stadtmauer und aus der Mitte einer jeden Mauerkante entspringt eine große Straße, also insgesamt vier, die ein Kreuz bilden in deren Mitte sich der große Glockenturm (wer ihn nicht kennt -> nachlesen (oh weh, jetzt benutze ich eine Klammer in der Klammer in der Klammer...)) und die Straßen sind, weil man so einfallsreich ist, einfach nach der jeweiligen Himmelsrichtung benannt, in der sie vom Glockenturm aus liegen. Irgendwie ist diese Erklärung doch nicht so kurz...), bereits fest.
In dieser sammeln sich aufgrund der Lage fast ausschließlich die großen Markennamen an, so gibt es allein je fünf Adidas und Nike-Stores und ähnliches. Eigentlich recht schnell finde ich was zum Anziehen und eine Sonnenbrille, allerdings kommen Luke und Philipp auf den glorreichen Einfall, dass sie noch Schuhe gebrauchen könnten. Leider wird man mit ihrer Schuhgröße, 45 bzw. 46 hier als fehlgebildet oder so eingestuft, denn ab 44 enden die Größen. Eigentlich frage ich mich, warum erst ab da, denn die 4 steht hier eigentlich für den Tod (hört sich so ähnlich an) und zweimal das ganze... allerdings mögen sich negativ (=Tod) und negativ ja einfach aufheben. Das mit der 4 geht sogar soweit, dass man uns beim Stärkungsmal im Dico's nicht viermal das gleiche Menu geben will, aber gut, ich schweife ab.
Wir suchen also in fast jedem Laden nach geeigneter Fußbekleidung, stets ohne Erfolg. Und wenn ich jeden sage, meine ich auch jeden. Auch, wenn jedes zweite Geschäft Schuhe im Sortiment hat.
Um sieben stellen wir also fest, dass wir die Straße immer noch nicht ganz geschafft haben, geben es aber auf. Im Buchladen kaufe ich noch einen handlichen Wörterbuch-Computer und, aus schlechtem Gewissen meiner Branche gegenüber, noch ein Handwörterbuch aus bedrucktem Papier. Und ein Handy, ein recht schlichtes, finden wir auch. Und was findet der Lukas? Der Lukas findet nichts. Und läuft trotzdem die ganzen fünf Stunden mit uns mit.
Abends statten wir dem Tischtennis-Feld mit Schlägern bewaffnet einen Besuch ab. Jojo nimmt stellvertretend öfters mal das Kompliment auf, dass wir handsome und sowas sind (很帅, auf Chinesisch), aber ich bleibe schüchtern, klar. Dennoch lassen wir ein paar Damenherzen höher schlagen, indem Denis und ich Partnertausch machen. Also rein tischtennistechnisch.
Jeden Tag eine gute Tat!

Tag 18: Hauptsache weiß?

Da heute nicht viel außer dem Gewöhnlichen ansteht, versuche ich mal das hiesige Schönheitsideal auseinanderzufröbeln.
Und zwar gilt, wie wahrscheinlich bekannt, die Hautfarbe weiß als vollkommen schön. Ich befürchte, der jetzt ausbrechende Sommer wird viele Damen in Verzweiflung treiben und zu anderen Mitteln als nur dem Fernbleiben der Sonne führen. So bekamen wir am Samstag während der Stadtbesichtigung zum Beispiel eine Reissuppe zu Essen. Sie wurde als "ein bisschen süß und ein bisschen sauer" angepriesen, war im Endeffekt aber nur süß und recht unlecker. Sie glich eher einem Müsli, allerdings auch nur einem schlechten und mit Wasser statt Milch. Zum Mittagessen also für uns sehr unangebracht. Anstandshalber löffelt man aber natürlich dennoch und behauptet, dass es "ein bisschen gut schmeckt". Während des Essens stellte sich dann aber heraus, dass zwei der Damen diese Suppe auch nicht mögen, aber sie ist gut für die Gesundheit und vor allem die Haut. Aber nicht für eine reine, gesunde Haut, sondern sie lässt jene anscheinend weißen. Diese Tatsache bewegte mich dann dazu, doch den Löffel beiseite zu legen.
Auffällig ist auch, dass man auf offiziellen Passfotos die Personen oft gar nicht wirklich erkennt, da jeder ausgebildete Fotograph dazu angehalten ist, im Photoshop noch einmal die Sättigung der Hautfarbe deutlich herunterzusetzen, sodass auf vielen Bildern (auch bei unseren Damen) ein Geist zu sehen ist.
Überhaupt gelten wir hier schon als sehr schön, weil wir ja so weiß und so groß sind und so große Augen haben und unsere Haare nicht schwarz sind. Des öfteren bekommt man von fremden Leuten ein "You are handsome" entgegengeschmettert. Ich bin dabei, mir eine passende Reaktion auszudenken, denn zumeist erstarre ich ob dieser direkten Komplimente und suche das Weite. Ich bin nunmal sehr schüchtern, klar.
Weiß gilt aber anscheinend nicht überall als schön. Unsere Waschmaschine beispielsweise spuckt weiße Kleidung dreckig, zum Teil schwarz wieder aus. Ein T-Shirt und ein Pullover sind dem gefräßigen Gerät schon zum Opfer gefallen. Ist der Neid eines Konstrukteurs, der wusste, wohin die Maschine geht, Schuld daran? Umgekehrt wird schwarze Kleidung übrigens blass, also zu einem unschönen Grau. Ich sehe mich gezwungen, morgen shoppen zu gehen.
Ebenso als schön gilt, zumindest für die Damen der Schöpfung, möglichst schlank, in meinen Augen aber eher mager zu sein. Nicht unbedingt mein Geschmack, wenn vor einem nur Striche in der Landschaft umherlaufen. Freitag haben wir Jojos Freundin, auch diesem Schönheitswahn verfallen (erfolgreich, denn sie hat ja jetzt einen Mann) gefragt, ob sie Hunger hätte und warum nicht. Natürlich wollte sie Gewicht verlieren. Arme Damen, wissen ihr gutes Essen gar nicht zu würdigen!
Allerdings glaube ich auch, dass es vielleicht ein bisschen Propaganda ist, da bei der Menschenmenge hier auch mal die Nahrung ausgehen könnte. Zu dieser Vermutung treibt mich, dass vor unserem Supermarkt beispielsweise zwei Waagen stehen, die einfach mal mindestens 5 kg zum realen Gewicht hinzufügt. Eine der nächsten meiner Aufgaben wird es sein, diese Waagen zu remanipulieren.

Zu heute:
Der Tag verläuft normal; Vorlesung, Essen, einen freudigen Mittag verleben, Bolzen. Dann gehen Denis und ich zu Jojos Kalligraphie-Kurs, den er einfach mal jeden Montag-Abend gibt. Es werden Steinstempel hergestellt, fein.
Anschließend gehen wir in die Mensa und bekommen Reste. Jedes Mal, wenn ich diese Lokalität betrete, frage ich mich, wie man nur so essen kann; sämtliche Tische sind verschmutzt und mit Lebensmitteln übersäht und anscheinend ist das normal. Und seit jetzt weiß ich; es geht einfach manchmal nicht anders, denn auch wir hinterlassen unseren Tisch sensationell dreckig.
Auf dem Rückweg schauen wir den anderen Deutschen auf dem beleuchteten Ping-Pong und Badminton-Platz zu und geben unsere schlauen Kommentare ab.
Um Punkt halb elf geht hier das Licht aus. Klar, die emsigen Studenten gehören ins unbequeme Bettchen (Bettdecke auf Spanholzplatte) im Sechsbettzimmer im jeweiligen, nach Geschlechtern getrennten, Wohnheim.
Auch wir gehen, gucken noch einen Film und schlafen ein. Ob unseres Luxus' verspüre ich mitunter ein schlechtes Gewissen.

Sonntag, 15. März 2009

Tag 17: Aus Winter mach Sommer.

Endlich bekomme ich eine Nacht lang mal wieder eine menschenwürdige Portion Schlaf. Von zwei bis elf. Immerhin neun Stunden, deutlich mehr als die letzten Wochen.
Trotzdem fühle ich mich ziemlich matt, raffe mich aber auf und ziehe Sportklamotten an, da ich ja den Chinesen von gestern versprochen habe, heute mit ihnen Fußball zu spielen. Lukas und Denis lassen sich noch nicht wecken, also gehe ich alleine zum Sportplatz. Ich bin positiv überrascht, dass sie es mit dem Spiel und der Mannschaft ernst meinen. Ca. zweimal 20 Chinesen je einheitlich gekleidet mit (vielleicht nicht ganz originalen) Trikots großer europäischer Teams mit einheitlicher Bepflockung heißen mich Willkommen und ich bekomm das Dress eines Auswechselspielers. Schließlich bin ich europäisch und die große heißersehnte Nachwuchshoffnung.
Einen Schiedsrichter gibt es auch und so geht es recht zügig mit der ersten Halbzeit los. Ich zolle schnell der knallenden Sonne Tribut, sowie der Tatsache, dass ich so gut wie nichts gefrühstückt und getrunken habe. Wasser habe ich auch keines mitgenommen, aber ich gebe mein Bestes.
Zur Halbzeit muss ich leider gehen, da wir abermals ein Treffen wegen unseres Projekts haben. Denis und ich machen unsere Präsentation fertig und lassen diese am Abend von unseren chinesischen Gruppenmitgliedern (drei höchstpatente junge Damen) vortragen.
War es Freitag noch ziemlich kalt (Winterjacke und Pullover waren schon angebracht), so ist es heute verdammt warm. Kurze Klamotten sind angebracht, das ist doch auch mal fein. Ich wundere mich über den Klimaaufschwung, bis ich auf's Datum gucke und feststelle, dass die Chinesen Recht hatten: Am 15.3. beginnt der Frühling, dann wird es endlich warm. Die Heizung geht ja nun auch nicht mehr.
Wir machen heute abermals die Erfahrung, dass der Sonntag ein ganz normaler Werktag zu sein scheint. Nicht nur, dass normale Vorlesungen abgehalten werden, auch der Supermarkt wird neu beliefert. Ich glaube, sie haben für diese Woche etwas mehr Bier bestellt, dieses Mitdenken ehrt sie. Wir bedanken uns.
Jenes Trinkprodukt muss jetzt noch eine Stunde lagern, solange wir Zeichen lernen. Dann begeben wir uns zu Philipp in die Wohnung und hoffen, dass Werder gegen Stuttgart übertragen wird.
Die morgen beginnende Woche düfte also wie üblich recht müde verlebt werden, aber was soll man machen?!

Samstag, 14. März 2009

Tag 16: Interkultureller Austausch.

Wie am Vortag geplant, treffen wir uns bereits um neun Uhr im Deutschclub der Uni. Dass es erst nach drei Uhr ins Bett ging, interessiert keinen.
Per Zufallsprinzip werden die Gruppen und das zu bearbeitende Thema eingeteilt; Ich habe Glück und darf mit Denis und drei reizenden Damen losziehen. Das ganze geht ins muslimische Viertel und somit auch in die große Moschee. Letztere ist schon über 1250 Jahre alt, hat 70.000 Mitglieder, besteht aus mehreren Teilen und ist nett anzuschauen. Ich könnte jetzt noch mehr Fakten auspacken, aber ich empfehle lieber den Wikipedia-Artikel oder eine eigene Besichtigung.
Beim Verlassen dieser Moschee geht es durch eine kleine Gasse mit Souvenir-Shops. Prima ist, dass gleich neben den Büchern mit Maos Reden (in vielen Sprachen) ein Kartenspiel mit Sadam Hussein als Cover zu finden ist.
Heute erkennt Denis schnell, dass sich vieles Wiederholt. Folgenden Satz mag ich sehr: "oeRque, hier muss man eigentlich mit Scheuklappen durchlaufen und darf sich nichts angu... oh guck mal, ein iPod!". Paradox erscheint, dass zwar in keinem Restaurant (von denen es in diesem Viertel viele gibt) Alkohol ausgeschenkt werden darf, man kann aber überall Flachmänner ergattern.
Mittags geht's in ein Restaurant. Wie üblich werden Ausländer lieber in den zweiten Stock verfrachtet. Ich weiß nicht, ob es verpöhnt ist, Westler zu bedienen oder was das für einen Grund mit sich trägt. Ich weiß nur, dass ich dieses Restaurant wahrscheinlich nicht mehr aufsuchen werde. Überall ist es sehr verschmutzt, die Kellnerinnen sind unfreundlich, ungepflegt und lieben es, in der Nase nach Öl zu bohren. Die Einwegstäbchen sind schmutzig, man möchte uns aber keine neuen reichen. Und das Essen ist auch nicht gerade die höchste chinsische Küche.
Da wir überpünktlich mit unserem Programm fertig sind, fahren wir noch in einen kleinen Freizeitpark, der auf dem Rückweg liegt. Hier gibt es Attraktionen für Jung und Alt und ich komme dem Wunsch einer unserer Begleiterinnen nach, mit ihr in eine Art 'TopSpin' zu gehen. Ich habe Angst, da alles sehr klein bei dieser Maschine ist und die Kopflehne ungefähr bei meinem Nackenansatz aufhört. Der Helena erschien ähnlich zu gehen, denn sie fängt schon vor der Fahrt an zu weinen. Ich würde sie gerne trösten, habe aber selber so meine Probleme, da ich meine Hosentascheninhalte drohen, sich zu verabschieden. Zudem kommt das Motto 'klein aber fein' zum Vorschein, denn die Maschine ist schon sehr heftig und am Ende ist mir etwas schlecht.
Somit geht es auch direkt danach zurück zum Campus. Jetzt müssen wir noch einen Vortrag vorbereiten und das, obwohl alle müde sind.
Gegen 18 Uhr dürfen die Damen Feierabend machen, Denis und ich versprechen, alles fertig zu machen. Allerdings nutzen wir lieber das heutige sehr sehr gute Wetter und die letzten lichtspendenden Sonnenstrahlen, um zu kicken. Wir scheinen auf Anhieb sehr fähig auszusehen, denn noch bevor wir anfangen, kommt eine Gruppe auf uns zu und möchte gerne eine halbwegs feste Mannschaft für die Wochenenden mit uns bilden. Morgen um zwölf haben wir anscheinend unser erstes 'Spiel'.
Glücklicherweise haben wir bei Jan aushandeln können, das morgige Treffen von 10 Uhr auf 13 Uhr zu verschieben. Ansonsten haben wir ja gar keine Chance, auszuschlafen.
Ich bin gespannt, was der heutige Abend noch so mit sich trägt. Fakt ist, dass es kein Bier geben wird. Naja, eins vielleicht.

Tag 15: Kalligraphie und andere Künste.

Unser Sprachkurs ist bereits nach zwei Stunden früher als sonst beendet, denn es gilt das Wochenende zu besprechen. Jan, von der Robert-Bosch-Stiftung geschickt und ein guter Kumpane unsererseits, hat den Auftrag, den interkulturellen Austausch zu fördern und will dies in Form einer Besichtigungstour in kleinen gemischten Gruppen machen. Bis zum Mittag stellen wir uns alle vor, durchforsten das Thema "Kultur", versuchen, die Gruppen einzuteilen etc. pp.. Das ganze soll dann Samstag stattfinden.
Die Mensa schmeckt wieder gut, dann geht es wie versprochen in die Kalligraphiestraße, in der Jojos Onkel einen Laden hat in dem Jojo ab und zu arbeitet. Die Straße besteht aus vielen kleinen Geschäften rund um die Kalligraphie (wer hätte es gedacht) und ab und zu mal ein paar Touristenfallen. Eigentlich ist es recht interessant, allerdings wiederholt sich alles alle paar Geschäfte und lediglich Denis findet doch überall noch was neues interessant, was mitunter anstrengend sein kann, aber die Neugierde sei ihm gegönnt und so verbringen wir geduldig mehr Zeit, als eingeplant.
Anschließend teilt sich unsere Gruppe auf; es geht entweder nach Hause oder zum Einkaufen oder zum Frisör. Denis und ich entschließen uns für letzteres und werden im nächstbesten (natürlich vorher ausgeguckt) Salon Willkommen geheißen. Natürlich das ganze ohne Wörterbuch, bzw. Fachvokabular (Worte wie 'kurz' und 'Milimeter' erscheinen recht stupide, sind im Chinesischen aber dennoch eine Herausforderung) und die Buben mit den Scheren in der Hand können auch kein Englisch. Es läuft dennoch ganz gut, wir werden fürstlich bedient. Zweimal haarewaschen plus einem Schnitt mit peinlicher Genauigkeit (bei mir war es mehr als eine halbe Stunde Milimeterarbeit) gab es für 25 Yuan. Nur mal zum Vergleich; Eine Kugel Haägen Dasz am Glockenturm, die wir uns zuvor gönnten, kostet 28 Yuan...
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, auch wenn nicht so viel abgekommen ist, wie ich versuchte klarzumachen. Und ein globales Problem habe ich festgestellt; Kein Frisör schafft es, meine Haare nach meinem Geschmack zu stylen. Zwar wird stets eine Unmenge an Pomenade-Fluid aus der Tube gepresst, jedoch erreicht nur ein Bruchteil davon meinen Schopf, der Rest geht zumeist zurück ins Handtuch. Auch dieses Mal wird die Haarspraydose einen Meter entfernt von mir entfernt gehalten und mithilfe eines Föns in meine Richtung getrieben. Das meiste dürfte mein Nachbar abbekommen haben.
Auf dem Rückweg kaufen wir nochmal das Getränkeregal des Supermarktes leer. Diese Kunde verbreitet sich leider sehr schnell, dass abends unsere Bude voll ist und ca. 50 Dosen über den imaginären Tresen gehen. Unser Kühlschrank ist jetzt wieder leer, der Dosenhaufen nimmt hingegen eine beachtliche Form an.

Donnerstag, 12. März 2009

Tag 14: Lichtblicke

Gestern Abend kam Denis auf die glorreiche Idee, heute einfach mal gleich mit dem ersten Weckerklingeln aufzuwachen um dann genug Zeit zum Frühstücken zu haben und dennoch pünktlich zu kommen.
Und es klappt auch gut. Zumindest bei Luke und mir, sodass wir Baguettes aufbacken, Kaffee machen (leider nur Instant-Gedöns -> sollte man mir ein Fresspaket schicken wollen, so bitte an normales Pulver, Käse und Nutella, bzw. auch andere Schokolade denken) und Eier im Wasserkocher kochen. Als Eierbecher fungiert eine aufgeschnittene Klopapierrolle. Hunger macht erfinderisch, selbst am frühen Morgen.
Draußen scheint zur Abwechslung mal die Sonne, zumindest ist sie etwas besser zu erkennen, da der gestrige Regen die Luft etwas gereinigt hat. Ein bisschen blöd ist, dass der so sehr herbeigesehnte Regen einfach nicht so recht abfließen kann.
Am späten Nachmittag kommt unsere Betreuerin zu Besuch, um uns abermals Kohle abzunehmen, für Zusatzversicherung, die anscheinend ein Muss ist. Jetzt habe ich meine normale Krankenversicherung, eine Zusatzversicherung aus Deutschland und eine von hier. Eigentlich kann mir jetzt nichts mehr passieren, nehme ich an.
Im Schlepptau hat die gute Dame noch Jojo, einen Studenten, der schon etwas von den Generationen vor uns geprägt ist. Er kündigt nach ein paar Sätzen an, dass es öfter mal passieren könnte, dass er zu lange da bleibt und bei uns nächtigen muss, da sein Wohnheim ab zwölf Uhr abgeschlossen wird. Er kennt die Vorzüge von abendlichen Aktivitäten in Clubs, von Bier und einer guten Dusche. Er würde unsere auch gerne ab und zu mal in Anspruch nehmen.
Cooler Typ!
Morgen gehen wir mit ihm in die Kalligraphie-Straße, in der er ab und zu auch arbeitet. Mehr dazu dann, man möge es kaum glauben, morgen.

Edit: Foto unseres Fernsehtisches samt Multimedia-Anlage. Auf dem Fernseher unsere Eierbecher.

Mittwoch, 11. März 2009

Tag 13: günstig²³

Heute Nachmittag wird mal nicht Bubu gemacht, sondern es verschlägt uns mal wieder in die Stadt. Denis Gaskarte wird aufgeladen, ich besorge für unsere Wohnung noch ein Lautsprecher-System und weil ich schonmal da bin noch einen DVD-Player (bei alten ist die Fernbedienung kaputt, was die Spracheinstellungen unmöglich macht) und das ganze für etwas mehr als 30 Euro. Das ganze geht durch zwei und somit habe ich das gezahlt, was in der guten Heimat für eine DVD über den Tresen geht. Und die Qualität lässt sich echt sehen, bzw. hören.
À propos DVD: Weil Shopping so schön ist, fahren wir noch zu einem anderen Markt, an der sich, jeweils in Garagengröße, Elektronik-Shop und Edelboutique (den Modemarken nach zu urteilen) abwechseln. Im ersten gibt es günstig DVDs. Maximal einen Euro blättert man pro Film hin. Ich wundere mich über diesen Preis, schiebe es aber mal darauf, dass sich alles nur in einer Plastik-Hülle zu finden ist, wobei die Papp-Verkleidung mit vorhanden ist, die nötige Plastikhülle aber nicht. Diese, so schätze ich, kann man für den fehlenden Restbetrag (also acht bis 14 Euro, wenn ich nach deutschem Standard-DVD-Preis ausgehe), zusätzlich erwerben. Aber diesen Luxus schenke ich mir.
Philipp kommt auf die Idee, dass das alles vielleicht nur Kopien sind, aber ich glaube ihm nicht. Ich glaube, die haben was gegen Fälschungen, zumindest werden unsere Geldscheine kleinlichst genau auf deren Eigenschaften überprüft.
Zuhause muss ich leider feststellen, dass meine DVD-Sammlung der ersten drei Staffeln meiner Lieblingsserie 'How I met your Mother', die immerhin das vierfache der oben genannten Summe kosteten, lediglich die Aufnahmen aus dem amerikanischen TV enthalten, aber bestimmt ist das auch in echt so.
Die restlichen 15 Filme, die wir uns zulegen, scheinen voll und ganz in Ordnung zu sein.
Auf dem Rückweg mit dem Taxi sehen wir ein Möbelcenter, nur maximal einen Kilometer von uns entfernt. Und es ist noch größer als das vom dritten Tag. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir uns damals einen langen Trip quer durch die Stadt gespart und unsere Möbel (Fotos hierzu gibt es morgen) wahrscheinlich schon früher erhalten.
Zudem stellen wir fest, dass es das erste Mal hier regnet. Und nicht nur das erste Mal, seit wir hier sind, sondern das erste Mal im gesamten Winter.
Mit etwas Glück ist morgen die Luft gereinigt. Darauf hoffend gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schlafsack, dafür mit eigenem Kopfkissen. Jenes ist übrigens so teuer, wie unser DVD-Player.

Links: Blick aus meinem Fenster. Rechts: Blick über Xi'an. Halbwegs. Weit kommt man nicht.
Insgesamt: Hoffend auf gesättigtere Farben nach dem luftsäubernden Regen.

Dienstag, 10. März 2009

Tag 12: Lieber mal ne zweite Meinung bilden.

Es kehrt langsam Alltag ein und somit habe ich für heute nicht viel zu berichten. Außer, dass ich das erste Mal in der eigenen Bude heiß duschen konnte (am ersten Tag hielt ich es, verschwitzt von der Reise, nicht aus und nutzte das eiskalte Wasser).
Und wir probieren, entgegen den Warnungen unserer chinesischen Kommilitonen mal die Mensa aus. Also nicht die Mensa, sondern eine von vier großen, die an die Stuttgarter Mensa locker heranreichen. Das Essen sei dort schlecht und niemand würde hingehen. Dafür ist es dann aber doch recht voll und es schmeckt vorzüglich. Man bekommt an verschiedenen Schaltern nahezu jede traditionelle chinesische Speise und das alles verdammt günstig. Für neun Yuan erhalte ich mein Mittagessen und, weil ich aus Versehen was falsches bestellt hatte, ein Abendbrot für drei Leute zusammen.
Am Nachmittag sind Lukas und ich fleißig, also zumindest tun wir so. Wir lernen Vokabeln und schauen nach möglichen Praktikumsplätzen. Zwar wurde uns in Deutschland gesagt, es wäre zu viel Stress, wenn man für nur drei Monate noch einmal hier umziehen würde und man wäre enttäuscht, wenn man die von der Uni rausgesuchten Plätze in Xi'an nicht annehmen würde, aber wie der Titel erwähnt, sollte man auch hier lieber eine zweite Meinung anhören. Und diese besagt, dass es hier nicht viel spannendes gäbe und man sollte, wenn möglich, doch was anderes finden.
Am Abend schließen wir zu viert unsere Computer zusammen und spielen schöne alte Ballerspiele.
Anschließend kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir morgen wieder neues Bier kaufen sollten. Glücklicherweise haben wir im Supermarkt schon den Platz gefunden, wo sie die 12er-Träger lagern.

Montag, 9. März 2009

Tag 11: Gesundheitszeugnis. Abermals.

Als ob wir nicht schon genug Nerven und vor allem Geld in Deutschland beim Basteln unseres Gesundheitszeugnis, das Bluttests, Lungenröntgen und andere Untersuchungen bedurfte, liegen lassen, so bekamen wir bereits letzte Woche die Hiobsbotschaft, dass man uns hier die Richtigkeit jener Unterlagen nicht direkt abkauft. Es fehlen vor allem ein roter, runder Stempel mit einem Stern drin (den man hier überall findet; selbst auf Werbeplakaten muss er backen), auf sämtlichen Papieren und Fotos und da das ganze nicht von einem staatlichen Doktor gemacht wurde, sei das meiste sowieso nichts wert.
Also geht es heute in aller Herrgottsfrühe um halb acht Richtung staatlichen Doktor, der letzte Woche schon unsere Unterlagen einsehen durfte. Die Fahrt dahin ist bereits ein Abenteuer, da wegen des Berufsverkehr deutlich mehr fahrbare Untersätze unterwegs sind und das Chaos noch viel größer erscheint. Aber: Alles hat irgendwie sein System und es passiert mal wieder nichts.
Schön anzusehen sind die Menschen, die im Park TaiQi machen oder einfach mal im (mehrspurigen) Kreisverkehr um die begrünte Verkehrsinsel joggen. Sind ja Pflanzen, die geben Sauerstoff und der verdrängt mit Sicherheit sämtliche Abgase.
Beim staatlichen Arzt wartet bereits eine große Menschenmenge, bislang noch ordentlich in Reih und Glied in zwei Schlangen, eine führt zur Rezeption, die andere zur Dateneinlesung und gleichzeitigen Kasse. Die Eingangstür verfügt über keine Schlösser (wahrscheinlich werden nachts Ketten davorgelegt) und es zieht kalt rein. Aus der Rezeption kommt ab und zu jemand mit einer Wanne Wasser gelaufen, die er auf den Hof kippt. Im Eingangsbereich lagern staubige große Boxen, deren Inhalt mir nicht bekannt ist. Steril ist was anderes, aber wenn es hier so viele Einwohner gibt, kann das alles ja nicht so verkehrt sein. Ich ärgere mich, dass ich meine Kamera nicht dabei habe.
Leider wird zuerst gedacht, dass das Ende der Schlange hinter dem letzten Chinesen zu finden ist. Somit geht es für uns nicht direkt vorwärts. Irgendwann kommt der Herr Doktor und sorgt dafür, dass wir nur noch die Blutuntersuchung nachholen müssen und somit können wir alle schnell an der Schlange vorbei in den ersten Raum. Er wimmelt vor Menschen (die, wie es häufig beim Arzt ist, bestimmt nicht ganz gesund sind) und es riecht. Und das nicht gerade angenehm.
Wir werden unsere 23 Euro los, nachdem nochmal ein Foto von uns gemacht wurde. Wie war das mit dem Big Brother...? Anschließend geht es ein Stockwerk höher, wo ein ziemlich gelangweilter Doktor in Akkordarbeit mit einem Gummischlauch einen Arm nach dem anderen abbindet und die Nadel in eben jenes Körperglied rammt. Viele schreien auf oder fallen in Ohnmacht. Ich nicht, denn ich bin cool.
Und das ist's dann auch schon. Sogar Lukas, der das ganze Programm nochmal machen muss (weil der Horst in Frankfurt sein Original abgeben lassen hat, ohne ein Duplikat zu basteln), ist fertig. Man sah ihn zuvor nur von Raum zu Raum huschen, nur einmal hakt es, als er beim Röntgen nach einem berechtigten Lendenschurz bittet. Gibt es nicht, ist aber ja auch egal. Ist ja nur unsichtbare Energie.
Die obligatorische Vorlesung wird heute also verschoben und geht über die Mittagspause hinaus. Wir wollen nicht schon wieder einen im Supermarkt erworbenen Chickenburger plus eine Instant-Nudelsuppe essen, also gönnen wir uns für 20 Cent ein gutes, reichhaltiges Essen von der Straße. Natürlich, um Krankheiten zu vermeiden, 素的,also fleischlos. Es schmeckt prima.
Viel spannendes gibt es über den heutigen Tag nicht zu sagen. Und krank, trotz des Arztes, fühlt sich auch noch niemand.

Sonntag, 8. März 2009

Tag 10: Sonntag = Putztag?

Kurze Antwort: Nein. Zwar wird es mal wieder Zeit, dass in unserer Wohnung aufgeräumt wird, aber letztendlich raffen wir uns doch nicht auf. Wir gehen lieber mal wieder Fußball spielen. Oder gucken eine DVD (da unsere Vorgänger uns einen guten Haufen davon hinterlassen haben.
Fußball war wieder sehr gut, wir durften sogar auf Anhieb bei einer reinen Chinesen-Gruppe mitspielen. Technisch sind sie recht in Ordnung, aber im Zusammenspiel haben sie ihre Probleme. Und in der Länge ihrer Beinchen auch. Lukas, Denis und ich sind dagegen richtige Kampfmaschinen mit langen Gliedmaßen, mit denen sie noch an jeden Ball kommen und Tempo aufnehmen können. Aber dafür kann ja niemand was.
Nach dem erfolgreichen Kick gehen wir verschwitzt und mit komischen, da ungemachten Frisuren in den Campus-Supermarkt und ernten seltsam viele Blicke. Es fällt auf, dass heute Weltfrauentag ist; selten habe ich bisher so viele weibliche Geschöpfe hier erspähen können.
Abends treffen wir uns mit Jan, der von der Robert-Bosch-Stiftung geschickt wurde, um hier Deutsch zu unterrichten, und seinen Schülern zum gegenseitigem Beschnuppern. Auf unsere Frage, was sie am Wochenende stets zu tun gedenken, erhalten wir die ernüchternden drei Worte 'lernen, schlafen, essen'. Vielleicht noch etwas Sport, aber das ist scheinbar das höchste der Gefühle.
Ich sehe mich beauftragt, eine gewisse europäische Feierkultur zu importieren und zu vermarkten.
Hierfür sollte ich mich jetzt ausruhen und schlafen gehen, denn morgen geht es früher raus, als sonst; um halb acht werden wir abgeholt und zum Arzt chauffiert, da man unser in Deutschland für viel Geld erworbenes Gesundheitszeugnis mangels runden, roten Stempels (mit Stern in der Mitte), anzweifelt. Zudem muss anscheinend sämtliches in einer staatlichen Einrichtung überprüft worden sein. Wie das ganze dann ausgeht und ob wir es zumindest schaffen, dann nachmittags mal pünktlich beim Unterricht zu erscheinen, lest ihr morgen.

Tag 9: Einfach mal nix tun.

Die Party des Vorabends oder viel mehr das Bier, das nicht unbedingt dem Reinheitsgebot entspricht, zeichnen sich heute, am Samstag, deutlich in unserem Gemüt ab. Man möchte den ganzen Tag am liebsten nur schlafen, um das leichte Schädelbrummen (trotz nicht zu hoher Gerstensaftmenge) zu unterdrücken.
Das geht leider nicht. Denn bereits gegen elf klingelt es und unsere Möbel sind da. Und nicht nur, dass Lukas und ich unsere beiden Matratzen und den schweren Fernsehtisch bis in den vierten Stock tragen müssen, nein, die Damen stellen sich auch noch so dumm mit ihren beiden noch viel schwereren Sofas an, sodass wir uns gezwungen sehen, auch diese in den fünften Stock zu hieven. Und das alles in so einer Herrgottsfrühe!
Dieses kurzzeitige Aufbäumen des Körpers verkraftet der Kreislauf noch nicht so richtig, so dass man danach bis zum Nachmittag weiterschläft und den ganzen Tag müde bleibt.
Viel geht an diesem Samstag dann auch nicht mehr. Wir versuchen, Pizza zu bestellen. Nachdem bestellt und auch die Adresse geklärt ist, fällt dem Lieferdienst auf, dass es 不太舒服, zu ungemütlich, da zu weit zu uns ist. Es gibt also Spaghetti mit Tomatensoße, die wir mit zehn Chili-Schoten verfeinern. Ich mache meinen Laptop platt, weil er durch das recht unsichere Internet sehr mitgenommen zu sein scheint. Gegen halb elf geht es zu Philipp in die Wohnung, wo als einziges mehr als drei Fernsehprogramme gezeigt werden. Ich habe Glück und auf dem Sportkanal wird das ganze Werder-Spiel live gezeigt. Ich habe Pech, denn ich sehe keine Tore.
Anschließend rüste ich meinen Laptop wieder und es ist abermals erst vier Uhr, als ich mich auf meine neue Matratze lege und einschlafe.

Tag 8: Wir haben Wasser. Überall.

Wir sind das erste mal überpünktlich beim Chinesisch-Unterricht, die Bitte hat also gefruchtet. Leider liegt unser Raum direkt gegenüber den Toiletten, die unglücklicherweise anscheinend nur selten gereinigt werden, oder, was vielleicht wahrscheinlicher ist, die Putzkräfte gegen die Masse von Menschen, die dort ein und ausgehen, einfach nicht ankommen. Blöd ist zudem, dass die Türen stets geöffnet sind. Dadurch kann man nicht nur direkt vom Gang direkt auf die Pissoirs und deren Benutzer starren, nein, auch ein penetranter Autobahnraststättenentledigungshäuschengeruch flutet den Flur und gelangt bisweilen auch in unseren Unterrichtsraum. Zum Glück wird im ganzen Unigebäude nicht geheizt. Man möge sich einmal vorstellen, wie sich das ganze bei warmen Temperaturen verteilt. Bisher sitzen wir stets in Jacke bei gefühlten 15 °C.
À propos Wärme: Uns wird stets beteuert, dass wir nur noch bis zum 15. März warten müssen. Denn an diesem Tag werden die Heizungen alle abgestellt und der Frühling beginnt. Dies sei so sicher wie das Amen in der Kirche. Nun frage ich mich, ob vielleicht der Staat für das Wetter verantwortlich ist.
Das Mittagessen bringt abermals eine Instant-Nudelsuppe mit sich. Diese wird vor der DVD 'Spiderman 3' verputzt. Da unsere Fernbedienung nicht funktioniert, lässt sich die Sprachauswahl leider nicht ändern und der Spannungsfaktor des Films wird durch das Chinesisch heruntergesetzt. Das Gehirn fährt runter und öffnet lediglich den Sinneskanal für bewegte Bilder. Dies ist recht anspruchslos und so kommt es unter den Zuschauern, Lukas, Denis und mir zum gemeinsamen Bubumachen.
Um drei klingelt der Gasmann. Mal wieder. Er findet heraus, dass alle unsere Heizungen aufgedreht sein müssen, sonst kann es keinen Druck geben. Nach nur wenigen Minuten haben wir also einen funktionierenden Boiler und heißes Wasser. Während nun aber die Quittung geschrieben wird, fällt unter dem Sofa eine große Wasserlarche auf. Natürlich stammt sie von einer undichten Heizung. Sofort wird diese also zugedreht und das mit dem warmen Wasser hat sich abermals erledigt. In den nächsten Tagen kommt ein Klempner.
Mithilfe von Frank, einem anderen Chinesen, bestellen wir Fässer mit zum Verzehr geeignetem Wasser. Er guckt uns ungläubig an, als wir gleich zwei der 19-Liter-Behältnisse haben wollen, aber er stimmt zu. Unsere Bestellmenge wird dadurch bestätigt, das bereits zwei Tage später das erste Fass fast leer ist. Man muss uns also für große Trinker halten.
Abends sind wir von einem unbekannten Amerikaner eingeladen. Er studiert hier Chinesisch und hat es sich zur Aufgabe gemacht, fast jede Woche einen anderen Club in der Stadt anzumieten, zu der dann hauptsächlich Amis und Europäer eingeladen sind. Dieses Mal findet sie im 28. Stock in einer, wie soll man es nennen, Bar statt. Diese verfügt über Playstation, Billiard, einen professionellen Mahjong-Tisch und sämtlichen Boxuntensilien samt Ring. Zudem gibt es für drei Euro den ganzen Abend freies Bier. Das lob ich mir doch. Dieses Angebot kommt leider Heinrich, dem Mongolen, nicht zugute, da er in den Ring steigt und zum Kampf auffordert. Schnell ist ein Gegner gefunden und Heinrich läuft wie ein Berserker auf sein vermeintliches Opfer zu. Er holt aus und schlägt zu. Sein Gegner macht einen Schritt zur Seite und Heinrich knockt sich selber aus und fliegt mit viel Schwung gegen die Wand an der einen Seite. Dennoch steht er wieder auf. Nachdem sich diese Prozedur dreimal wiederholt, gibt sein Genger auf. Es ist besser so. Für Heinrich.
Auf dem Rückweg bescheißt uns der Taxifahrer, indem er so tut, als kenne er den Weg nicht. Statt 15 bezahlen wir 35 Yuan. Dennoch ist er so nett und kehrt nach unserer Ablieferung nochmal um und gibt Denis sein Handy wieder, das er auf dem Beifahrersitz vergaß.
Guter Mann von Welt!

Donnerstag, 5. März 2009

Tag 7: Deutsche Tugend?

Wir kommen heute, zumindest teilweise, zum dritten von vier Malen halbwegs verspätet zum Chinesisch-Kurs. Es ist ungewollt, aber die zu kurze Entfernung zwischen Wohnheim und Deutschclub-Raum scheint die Pünktlichkeit, eine geschätzte deutsche Tugend, wohl oder übel zu verhindern. Und da Deutschland auf Chinesisch 德国, also Land der Tugend, heißt, befürchte ich, dass bei weiteren Verstößen ein neuer Name für das geliebte Vaterland gefunden werden muss.
Darum werden wir auch am Nachmittag angehalten, in Zukunft etwas mehr auf die Zeit zu achten. Und wir sollen uns 中国好朋友, gute chinesische Freunde suchen.
Denis Lukas und ich gehen hier mit gutem Beispiel voran. Wir fahren zuerst in die Stadt und kaufen uns, rein auf chinesisch, Fußballschuhe (für den Kunstrasenplatz im Stadion, 200 m von unserer Butze entfernt). Und als wären 25 Euro nicht schon zu wenig verlangt, so wird uns klar gemacht, dass beim Kauf eines Paares das zweite dazu geschenkt wird.
Wir sagen dazu nicht nein und frönen unseren Lieblingssport. Da die anderen Studenten nicht wirklich mit uns spielen wollen, kicken wir erst nur zu dritt, bis irgendwann die Scheu überwunden ist und eine achtköpfige Horde gesellt sich dazu. Wir lernen schnell die wichtigsten Fußballbegriffe, sie beweisen uns mit 'Heidelberger, Heidelberger'-Rufen, dass sie auch des Deutschen mächtig sind und am Ende sind wir richtig gute 中国好朋友。Leider sind diese Knaben erst acht Jahre alt.
Weitere Erkenntnisse des Tages: Der dritte Klempner sieht ein, dass unser Boiler kaputt ist. Er kommt morgen oder an einem anderen Tag wieder. Dies ist aber nicht schlimm, da, obacht, erstmals die Sonne rauskam und sich ganz zeigte (ansonsten ist durch die diffuse Lichtstreuung der Fremdkörper in der Luft der ganze Himmel grell und man muss die Sonne, trotzdem keine Wolken da sind, lange suchen) und es wird warm.

Hier nun noch einige Bilder.



Eingangsbereich und Hinterlassenschaften der Vormieter (hinter meinem Bett)


Links: Unschöne Wohnung. Rechts: Gegenmaßnahme (Ratespiel: Wo ist Luke?)


Es lässt sich aushalten.


Links: oeRque ist ein Riese. Rechts: Logistik pur!

Mittwoch, 4. März 2009

Tag 6: Trautes Heim, Glück allein

Zum heutigen Tag gibt es nicht viel zu erzählen. Um sieben Uhr klingelt der Wecker nicht, da die flasche Funktion eingestellt ist. Glücklicherweise ertönt aus den Lautsprechern aus dem Campus immer ein unverständliches Gedudel, laut und fremd, sodass man dennoch mit nur einer Viertel Stunde Verspätung erwacht.
Der Blick aus dem Fenster zeigt nicht viel; Grau über Schwarz. Der Himmel zeigt noch immer keine Sonne, da es seit mehr als einem Monat nicht mehr geregnet hat, wie wir erfahren. Somit ist er grau und die sonst farbgleiche Straße ist schwarz, voller chinesischer Haarpracht. Der Strom der wissbegierigen Studenten droht über den ganzen Tag hinweg nicht abzubrechen. Sollte mein Wecker morgen funktionieren, nutze ich die Viertel Stunde, die ich heute irgendwie noch raushole, um ein dieses Bild festzuhalten.
Um acht Uhr haben wir Sprachkurs, dieses Mal (immer Mittwochs und Freitags) geht's um Aussprache, den Rest der Woche um Grammatik. Es ist ein Lichtblick, denn da die Professorin gut und nicht zu schnell spricht, versteht man fast alles. Mindestens im Zusammenhang. Trotzdem hängen wir durch. Der Jetlag.
Um zwölf Uhr haben wir schon Feierabend. Es geht in die Wohnungen und der Hauptteil schläft. Lediglich Arne, Philipp und Thomas wagen sich in das Möbelcenter, das der Rest bereits Sonntag aufsuchte. Im Gegensatz zu uns können Ihre Möbel sofort geliefert werden. Und im Gegensatz zu mir bekommt der Fahrer 10 Yuan für seine Dienste als Schlepper.
Der Abend ist nicht der Rede wert.
Was wir noch erfahren: Ein hiesiger Student ist mit dem aus der Heimat nicht zu vergleichen. Mein Studentenleben bestand bisher aus 60 - 70 % Spaß und dem Rest aus Lernen (Zahlen schwanken je nach Phase des Semesters). Hier ist man am Anfang des Semesters und man besucht Vorlesungen von 8 bis 21 Uhr. Anschließend schleppt man sich in die Bibliothek und resümiert das Gelernte.
Zum Glück bin ich so ein Brain und habe ab mittags Feierabend.

Dienstag, 3. März 2009

Tag 5: Internet? Internet!

Heute gelingt der Durchbruch. Zum Einen erwachen wir in einer sauberen, wenn auch kalten Wohnung, zum Anderen erfahren wir nach dem Chinesisch-Kurs (der wegen Jetlag-Erscheinungen abermals verkürzt wird), dass unser Internet endlich funktioniert. Freudentaumel, Jubelgeschrei, Heiterkeit.
Der Luxus kann zunächst nur kurz genutzt werden, da eigentlich der Uni-Bus bestellt ist, um zur Metro zu fahren (neben der noch ein Möbelmarkt steht, die Teppiche...). Bus kommt nicht. Zudem haben wir zunächst keine Metro-Karte dabei, nachdem diese geholt ist, fällt auch der Mangel an Stadtplänen auf. Auf dem Rückweg fällt zum wiederholten Male die plätschernde Regenrinne auf (dabei hat es hier noch nie geregnet, seit wir da sind). Vor der Tür steht schon ein Chinese, der mir irgendwas erzählen will. Aber ich verstehe nur Chinesisch. Ich öffne die Tür und er erzählt mir irgendwas von Heizung und Wasser. Muss also unser Techniker sein, aber wir haben ja keine Zeit. In dem Gespräch werden mir seine Gesiken klar; er zeigt mir den Verlauf des Wassers an, rauf und runter. Es macht Klick und ich kapiere, dass wir wohl einen falschen Hahn geöffnet haben bei dem Versuch, Druck auf unseren Boiler zu bekommen. Somit geht das Wasser von unten zu unserer Wohnung von dort auf's Dach und in die Regenrinne, durch die es wiederum den Weg nach unten findet und in einer großen, den Abhang Richtung Campus runterlaufenden Pfütze mündet. Ich hoffe, Wasser ist hier nicht teuer. Zudem explodiert Lukas vor des Handwerkers Augen noch der Boiler, da auf einmal doch ein Überdruck herrscht und das heiße Wasser einen Ausweg sucht. "Ni bu hui blabla" ("Das kannst / darfst du nicht") flucht der Fremde. Er hinterlässt uns seine Nummer mit der Bitte, jetzt alles auszulassen und wir sollen ihn morgen anrufen, wenn wir Zeit haben.
Anschließend fährt nur die eine Hälfte zur Metro, unsere Hälfte nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel (die immer noch abenteuerlich sind), um 'nur mal kurz' zum Walmart zu kommen. Hier verbringen wir knapp vier Stunden. Wir kaufen einen großen Biervorrat (durch welchen ich heute die Zeit finde, zu schreiben, da ich ja nicht zum Supermarkt muss) und ich überlege, eine der Wasserschildkröten zu kaufen. Sie dienen eigentlich zum Verzehr, allerdings könnte sie auch in unserem Bad überleben, da dieses mangels Duschkabine sowieso (sobald wir warmes Wasser haben) häufig unter Wasser steht. Diesen Gedanken hebe ich mir für später auf. Und dann bringen Lukas und ich ihr Kunststücke bei, gehen damit auf die Straße und verdienen eine Menge Schotter.
Zwischen Walmart und Pizzaessen will ich mir schnell im Elektroshop nebenan eine Digitalkamera kaufen. Diese sind leider im Gegensatz zu den Vorstellungen leicht teurer, als in Deutschland, aber ich brauche ja sowieso eine. Leider kann man in China nicht schnell eine Kamera kaufen, da die Belegschaft hier überfreundlich ist. Nach dem Bezahlen nehme ich das teure Gut entgegen und darf kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Mir wird gezeigt, wie alles funktioniert. Und weil ich so toll aussehe und ihre Sprache ein wenig spreche, wird mir einfach so noch ein Ersatzakku, eine Speicherkarte und eine Kameratasche geschenkt. Zudem fädeln sie zu dritt das Band (ihr wisst schon, was für eins) in die kleine Öse. Toller Service. Allerdings warten ja auch die anderen.
Der Abend geht für's Bloggen drauf.
Lukas und ich verständigen uns nur noch über ICQ, obwohl wir überlegen, dass telefonieren ja fast genauso günstig, aber viel persönlicher ist. Nun wollen wir aber erstmal die neuere Technologie nutzen und prosten uns gerne in schriftlicher Form zu.
Ich mache jetzt noch ein paar Bilder von der Wohnung und sage "Gute Nacht!". Denn hier ist es schon spät und morgen zählt die Ausrede mit dem Jetlag nicht mehr.

Die ersten Tage

Die ersten Tage in China sind rum und bisher war es eine schwere Geburt. Ich werde in Zukunft versuchen, so oft wie möglich zu berichten, kann aber nicht versprechen, dass das mit dem Netz so stabil läuft. Aber was will man für zwei Euronen im Monat auch erwarten?

Tag 1: Anreise
Nach ca. 20 Stunden Reise (Bremen-München-Peking-Xi'an) kommen wir am Freitag zu sechst am Flughafen Xi'an an. Während des Fluges sieht man nicht viel, es geht über Sibirien, die Mongolei und einen Teil Chinas, der einer Wüste gleicht. Peking ist riesig aber steht in einer großen Wolke. Am Flughafen des Zielortes warten schon sehnlichst fünf chinesische Studenten mit dem Universitätsbus auf uns. Das Kofferschleppen hat ein Ende und es geht noch ca. eine Stunde einmal quer durch die Stadt. Die ersten Eindrücke sind toll: Es herrscht weder Rechts- noch Linksverkehr, sondern Universalverkehr. Mangels Straßenmarkierung stehen dir mal eine, mal vier Spuren zur Verfügung, überholt werden darf von jeder Seite, wer blinkt ist ein Weichei. Die Straße teilen sich neben dir alte LKW, viele Taxis, ein paar Mopeds, Rikschas, abenteuerlich bepackte Fahrräder und Fußgänger. Letztere natürlich gänzlich unbeleuchtet, aber da es bei der Vehikelmenge sowieso recht langsam vorangeht, erkennt man sie trotz des dichten Staubs noch rechtzeitig. Hupen und Lichthupen passen sich hervorragend der Umwelt ihren schrill und kitschig beleuchteten Häusern an.
Das Wohnheim, bisher hoch angepriesen, da (gegen Entgelt) von den Vormietern gut ausgestattet, bremst (wahrscheinlich auch bedingt durch die Übermüdung) die Anfangseuphorie zunächst schlagartig. Neben den versprochenen Luxusgütern lagern noch viel Müll und vor allem Staub. Und das überall.
Zur Entschädigung geht's mit den Chinesen erstmal gut und günstig essen. Anschließend wird das erste Mal beim Campus-Supermarkt eingekauft. Das Bier kostet einen Viertel Euro und der Laden soll ab heute Anlaufstation für jeden folgenden Tag werden.

Tag 2: Stadterkundung mit Chinesen
Um elf werden wir von den Chinesen, Lucky und Allen (ihr gewählter westlicher Name) abgeholt. Es geht in die Innenstadt, erste Sachen anschaffen. Es geht, taktischerweise unklug, zuerst zum Walmart. Es gibt viele schöne und viele nicht so schöne Sachen zu kaufen, wir machen von ersteren Gebrauch. Mit einem viel zu schweren Rucksack geht's ins Moslem-Viertel, gute Baozi essen. Es ist hier üblich, dass immer einer die Runde übernimmt. Getrennt bezahlen, wie man es in Deutschland kennt, ist nicht gut angesehen. Also übernehme ich mal die Runde und mit umgerechnet 14 Euro bekomm ich sieben Personen gut satt. Anschließend, noch immer voll beladen, betreten wir ein Mobilfunktelefongeschäft. Ein Studentenausweis sowie 100 Yuan (Wechselkurs ca. 10:1, Betrag dient gleichzeitig als Startguthaben) reichen, um binnen weniger Minuten eine Handykarte zu besitzen und jederzeit erreichbar zu sein.
Der Abend wird damit zugebracht, Sonnenschein in die Stinkbude zu bekommen. Doch dieses Unternehmen soll noch Tage dauern.

Tag 3: Stadterkundung ohne Chinesen
Es ist Sonntag. Der Tag des Herren und der ruhenden Arbeit. Denkt man. Aber in China ticken die Uhren anders und so ist dies ein Wochentag wie jeder andere. Gut für uns. Denn einige WG sind noch so gut wie unmöbliert, was nunmal scheiße ist. Also folgen suchen wir auf dem großen Stadtplan und finden tatsächlich ein "Furniture-Center". Wir hocken im Südosten, jenes Center im Nordosten der Stadt, die knapp 8 Millionen Einwohner fasst. Trotzdem erreicht schaffen wir es mit einmal Umsteigen auf Anhieb. Einfach nur mal, um unser Chinesisch zu testen, fragen wir dennoch hunder Meter davor nach dem Weg. Es klappt.
Nun darf man sich ein hiesiges Möbelcenter nicht wie ein IKEA vorstellen. Vielmehr ist es eine Aneinanderreihung baureifer Behausungen, in denen sich auf kleinem Raum möglichst viele Möbelstücke tummeln. Vor diesen Bauten sitzt zumeist eine Frau, die des Englischen nicht mächtig ist. In der Gruppe sind wir aber stark und so schaffen wir es tatsächlich, zwei Sofas, einen tollen Fernsehtisch und zwei Matratzen (Gesamtmenge) für nur 2000 Yuan zu ergattern.
Zur Belohnung wird nochmal gegessen. Diesmal allerdings mehr schlecht als recht. Dann verirren wir und auf dem Weg zum (anderen) Walmart doch in einen Baumarkt, eigentlich auf der Suche nach Teppichen. Die gibt es nicht, also suchen wir die Toilette. Diese war auch ausgeschildert, die Schilder führen uns aber nur nach draußen und in das luxuriöse Hotel nebenan möchten wir uns nicht wagen. Bis dahin gehen uns die Mitarbeiter (von denen es dort zig mal so viele gibt, wie in einem deutschen Baumarkt) fein säuberlich aus dem Weg. Da Lukas und ich aber die Idee haben, unsere Drecksbehausung wohnlich zu machen indem wir die Wände streichen, suchen wir nochmal besagten Markt auf und gucken nach Farbe. Auf einmal waren wir die große Attraktion und zehn Damen kümmern sich um uns, inklusive einer am Telefon, die als Einzige des Englischen mächtig war, um mögliche Unklarheiten zu klären. Allerdings sind vielleicht auch nicht wir die Attraktion, sondern vielmehr die neue Farbmischanlage, die uns ein herrliches Rot und Grün zaubert.
Natürlich geht der Abend für's Putzen und Streichen drauf. Und einen Gang zum Supermarkt, in dem wir als Exoten nunmehr sehr bekannt sind. Man entschuldigt sich dafür, dass die Stelle, wo sonst unser Lieblingsbier (also das einzig trinkbare) lagert, aufgrund von Lieferschwierigkeiten leer ist. Zum Glück haben wir Reserven.

Tag 4: Gas, Wasser, Heizung, Telefon, Internet, Fotos
Wir haben noch immer kein Internet und Heißwasser und Gas. Dafür ist die Behausung halbwegs sauber, es fehlt noch der Feinschliff und eine Wand. Morgens geht es also mit dem Unibus und unserer Betreuerin nach einem obligatorischen Polizeibesuch in die Stadt. Die Hälfte von uns hat schon Passfotos für alle möglichen Behördengänge, der Rest noch nicht. Diese werden ohne Komplikationen schnell geschossen. Zweite besagte Hälfte hat ebenso noch keine Mobilfunktelefonkarte. Nach vielen Erklärungen und Feilschen um die Nummer fällt der Verkäuferin allerdings auf, dass nur zwei der vier benötigten SIM-Karten auf Vorrat liegen. Somit geht's zwecks Internet unvollrichteter Dinge auf den Campus. Allerdings auch umsonst, da uns erklärt wird, dass der Anschluss schon einst bestellt wird, man wüsste aber nicht wann und von wem und somit könnte man es nicht raussuchen. Zuhause würden sicherlich unsere Identifikationsnummern liegen. Na klar, in dem Chaos.
Damit diese Reise für mich also noch einen Sinn macht, wird kurzerhand noch die Uni besichtigt, in der wir in einem halben Jahr Vorlesungen haben. Und es gibt wieder hervorragendes Essen, da wir Jia, Arnes Freundin, dabei haben, die im Restaurant wieder das beste raussucht.
Nachmittags ist erstmals Sprachkurs, der ab heute vier Stunden täglich angesagt ist. Sechs Wochen lang. Es kann nicht schaden.
Abends: Letzte Streicharbeiten, Feinschliff bei den Säuberungsaktionen. Die Bude glänzt, riecht aber noch nach Farbe. Nach einem Gang (voller Scharm ob des Bedürfnisses nach Bier) zum Supermarkt wird noch ein Film geschaut, dann ab in die Heia.

Angekommen!

Ich bin in China. Endlich. Und nach vier Tagen konnten wir auch glücklicherweise eine Internetverbindung herstellen. Warmes Wasser und ne Heizung lässt allerdings noch auf sich warten.
Ich werde später mehr berichten, dies ist somit nur ein erstes Lebenszeichen.
Aber das hat ja auch was.

Dienstag, 24. Februar 2009

Abschied

Um es auch der Heimat gerecht zu machen, ist heute der gemeine Pöbel aufgefordert, sich in oeRques Geburtshaus einzufinden und eine gehörige Menge an Gerstensaft zu verköstigen.

Dienstag, 17. Februar 2009

Wehleidig

Mit ein wenig Wehmut bin ich gerade dabei, meine Sachen in meiner Studentenbutze zu packen. Sie werden zwar erst am Donnerstag abtransportiert, aber ich brauche die nächsten beiden Tage noch voll zum Lernen, damit in dieser Prüfungsphase wenigstens eine Wissensabfrage ein Lächeln auf mein gestresstes Gesicht zaubert. Denn irgendwas schienen die Profs dieses Semester an uns nicht gemocht zu haben, zumindest waren die Klausuren fast durchweg schwerer zu bearbeiten, als die der letzten Semester.
Aber natürlich sind nicht nur die Lehrkörper Schuld, auch ich habe momentan andere Dinge im Kopf, als mich mit Skripten hinzusetzen. Visum, Arztthermine, Erasmus-Parties (da jetzt jeder Erasmus-Student sich gezwungen sieht, eine eigene Abschiedsparty, selbst am Sonntag, zu zelebrieren) ... Und dafür läuft es dann eigentlich doch ganz gut.
Machen Sie es gut!

Dienstag, 10. Februar 2009

Weil ich's mir einfach nicht merken kann....

.... nutze ich diese Plattform mal kurz, um mir folgendes zu notieren:

Qualitätssicherung heißt auf Chinesisch: 质量保证

An den Brotdieb!

Du gehässiges, gemeines Wesen. Du undankbarer, krimineller Flegel. Du Naseweis, du Schelmenpack. Du erbarmungsloser Mensch ohne Herz!
Gib uns unser Brot zurück.
Es kann nicht sein, dass gutmütige Menschen, wie Jody, Max, Dirk und ich, Desnachts, derweil wir uns an unseren süßen Träumen laben, bestohlen werden von einem Bösewicht wie dir! Du nahmst uns nicht irgendeine belanglose Sache, sondern die wichtigste: Das Brot des Lebens!
Kannst du dir vorstellen, wie es ist, morgens hungrig aufzustehen, mit Schlaf in den Augen langsam unter die Dusche zu trotten, sich auf eine gesunde Mahlzeit zu freuen, die als Grundlage für einen harten Arbeitstag dient?
Natürlich kannst du dir das vorstellen.
Aber kannst du dir auch vorstellen, wie es dann ist, in die Küche zu marschieren, den Tee aufzusetzen, den Tisch liebevoll einzurichten und dann mit Entsetzen, das das Herz in die Hose sacken lässt, festzustellen, dass das von dir für gutes Geld gekaufte Energiepaket namens Brot aus deinem Schrank entwendet wurde? Und nicht nur aus deinem, sondern aus denen deiner Freunde ebenso? Freunde, die dir wichtig sind? Freunde, für die du nun größeres Mitleid als eigenen Hunger empfindest?
Nein, das kannst du nicht. Sonst wärst du zu dieser Wahnsinnstat nicht bereit.
Brotdieb, sofern du das liest:
Nimm es dir zu Herzen!