Montag, 18. Mai 2009

Sie haben ihn

Liebe Gemeinde der Leserinnen und Leser,

Es ist soweit. Mirko fiel der chinesischen Justiz zum Opfer. Er kann seinen Blog seit heute morgen nicht mehr aufrufen.
In einem selbstlosen, mutigen und liebevollem Akt der Hilfsbereitschaft sprang ich, Torben, fuer ihn ein, und versorge euch mit seinem Neuesten.

Tag 78: Peking. Und Cocon. Und Socken.


Wir dürfen heute letztendlich doch in ein neues Hotel ziehen, eines in der Stadtmitte, in der Nähe des Platz' des Himmlischen Friedens. Dieser wird dann auch gleich als erstes besichtigt. Und spontan für hässlich und langweilig befunden. Das mag zum einen daran liegen, dass er sich farblich dem Himmel anpasst. Denn in Peking ist alles noch viel mehr Grau in Grau, als in Xi'an und man kann schätzungsweise nur halb so weit gucken. Das, in Verbindung mit ein paar Tagen Messe, stickiger Luft und menschenüberrannten (zumeist Westler) Plätzen und einem leeren Magen, da es nach dem Aufstehen mit dem Frühstück nicht mehr klappt, drückt auf's Gemüt, sodass wir uns das Innenleben der verbotenen Stadt schenken. Ist ja sowieso verboten. Auch sämtliche Statuen und Säulen machen keinen großen Eindruck, die Luft ist raus.
Stattdessen laufen wir in irgendeine Richtung, da wir meinen, dass bald das Zentrum wieder erreicht sein müsste, geben aber an einer U-Bahn-Station auf und fahren den Rest. In der Stadt täuschen wir Shopping vor, kaufen aber letztendlich nichts. Außer schönen Socken im Fünferpack, da bei uns das Sockenmonster sehr oft im Einsatz ist und einem Partner sein Pendant klaut. Gegessen wird auch gut, was allerdings nicht davon abhält, in die feine Fressgasse zu gehen. Hier kann man so ziemlich alles verzehren, was irgendwie (auch in Mengen) auf einen kleinen Shashlik-Spieß passt; Hühnerfleisch, Rinderfleisch, Schweinefleisch, Grashüpfer, Skorpione, Seesterne, Seepferdchen, Maden, Cocons, Wachteln, Hühnerherze...
Aus Mitleid, da die Viecher lebendig aufgespießt sind, gönne ich mir vier Skorpione. Für die Erfahrung sind sie toll, für den Gaumenschmaus eher eine Niete, denn sie schmecken nach nichts. Lediglich nach dem Fritösenfett, in dem schon sämtlich anderes Getier baden durfte.
Anschließend soll es für Andy und mich noch ein Spieß mit etwas sein, das wir später als Cocon definieren. Und dieser ist wirklich ekelig. Zunächst ist das knapp hühnereigroße Schalenetwas gut anzuschauen, aber sobald es heiß wird, dehnt sich das Innere, das keinen Blick wert ist, aus und platzt etwas heraus. Mit dem semigen Gemisch kommt einem auch gleich ein ganz hässlicher Geruch entgegen, der gleichzeitig der Geschmack ist. Ich muss schon vorher Würgen und mein Bauch verkrampft beim ersten Cocon. Ich will eigentlich aufgeben, aber der zweite rutscht dann ohne Probleme. Im nächsten Podcast wird mit Sicherheit das dazu gedrehte Filmchen gezeigt.
Nach dem kulinarischen Abenteuer geht es mit einer dürftigen Wegbeschreibung von Arnes Freundin in einen anderen Teil, einem ziemlich modernen, der Stadt, da hier ein großes Kaufhaus vorhanden ist, das gute Marken-Elektronik-Artikel führt und gleichzeitig das gefälschte Pendant. Man kann also gleichzeitig einen iPod für 150 und für 1500 Yuan erwerben. Leider ist neben der Wegbeschreibung auch die Öffnungszeit nicht korrekt, sodass uns nur eine Viertel Stunde im Kaufhaus bleibt. Es reicht für neue iPod-Kopfhörer, da sich meine auflösen. Und mit 100 Yuan beim Original-Zubehör-Verkäufer mache ich einen ganz guten Deal.
Auf dem Rückweg durch das wie gesagt moderne Viertel treffen wir auf das einzige, was wirklich in Peking imponiert: Es nennt sich 'The Place' und ist ein Platz mit Cafés und Bars und einer Lego-Welt, überdacht mit einem ca. 70 Meter langen Bildschirm. Da wir aber nicht auf dem Boden liegen dürfen und uns auch keine Nackenstarre einfangen wollen, bleiben wir leider nicht sehr lange, sondern setzen uns zum Mexikaner.
Es gibt ein fantastisches Steak. Und da wir draußen sitzen, bieten uns Straßenverkäufer auch noch eine Menge Spaß, da sie uns Socken andrehen wollen. Lukas hat heute Mittag nicht zugeschlagen, also bekommt er zehn Paar für 30 Yuan, wie hoch der Anfangspreis ist, weiß ich nicht mehr. Kaum ist diese aber weg, haben andere den Braten (nicht das Steak) längst gerochen und kommen zu viert bis an die imaginäre Grenze des Restaurant-Grundstücks. "Same price, same price!" lautet der allgemeine Slogan. Und nur, um es Lukas zu zeigen, schreie ich einfach mal "20!" in die Runde. Es wird sofort angenommen. Leider ist die Dame nicht wirklich dazu bereit, meine 50 Yuan in Volkswährung kleinzumachen und drückt mir stattdessen den ganzen Bestand Socken in die Hände.
Lukas und ich sind jetzt also stolze Besitzer von 35 Paar Socken. Zum größten Teil identische. Da hat das Sockenmonster eine ganze Weile dran zu knabbern.

3 Kommentare:

  1. da freut sich das sockenmonster :)

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  2. ist das krass! ich hoffe mal der andere blog fällt der zensur nicht auch noch zum Opfer...

    @Torben: immer schön mit "Tag 78" vornean bloggen - sonst wird das doch so unübersichtlich ^^

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  3. Richtig Torben, wahre doch bitte die Ordnung welche dein Bruder geschaffen hat! :)

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