Sonntag, 3. Mai 2009

Tag 63: Die Deutschen sind da.

Anlässlich der Ankunft der deutschen Delegation werden wir heute ab neun Uhr in den Bibliotheks-Hörsaal am alten Campus gebeten, um an einem Symposium über die Entwicklung der Druck-Branche teilzunehmen. Die ersten Redner sind unser Rektor und unser Studiengangsleiter, danach sollen bis fünf Uhr nur Chinesen folgen, eine Übersetzung ist nicht angedacht.
Da ich in den ersten Vorträgen nicht viel Neues erfahre, bin ich umso erfreuter, dass wir schon um elf anstelle unverständlicher Reden eine Campus-Führung bekommen. Jetzt weiß ich zum Glück auch, wo wir im nächsten Semester hin müssen. Danach bekommen wir im Gasthaus der Uni, einem recht guten Hotel, ein Essen und freuen uns anschließend über den unerwartet freien Nachmittag, da wir, die wir schon länger hier sind, nicht mit zur Stadtführung fahren.
Für den Abend verabreden wir uns wieder auf dem alten Campus, um von dort mit denen, die Lust haben, die Nachtclubs aufzusuchen. Wir landen wieder im 1+1 und hier kann ich leider nur darüber berichten, was ich gemacht habe, da ich die anderen nur selten sehe.
Zu allererst bestellen wir (noch zu dritt) ein Bier und eins für die Reserve. Bis das kommt, laden uns allerdings gleich ein paar Inländer auf eins und noch auf ein zweites ein, bei denen wir mit den Worten 干杯 (ganbei -> Becher leer -> Prost und dann sofort weg) zum Exen des Edelgetränks aufgefordert werden, wenngleich es auch nicht so gut schmeckt.
Ich stelle also mal wieder schnell fest, dass es die pure Geldverschwendung ist, den unverschämt hohen Preis von 30 Yuan (3 Euro) pro Flasche zu bezahlen, da ich sowieso hier und da eingeladen werde und später auf jedem Tisch noch ein großes Lager vorhanden ist, da man für die Sitzgelegenheiten einen Grundverzehrpreis entrichten muss, der so hoch ist, dass man für den Abend locker ausgesorgt hat.
Die beiden sind also die ersten Freunde, die ich heute mache, auch wenn ich ihre Namen und Telefonnummern gar nicht erst hinterfrage, da ein junger Sprössling, angetan von meinem Antlitz und meiner Statur sich meiner annimmt, um mein emsiger Gehilfe für den Rest des Abends zu werden scheint. Auch wenn er nicht immer anwesend ist, so ist er doch stets da und taucht hier und dort mal wieder auf.
Er sorgt auch dafür, dass mein Durst stets gestillt ist, da ich durch ihn von Tisch zu Tisch geleitet werde, damit jeder mal den großen trinkfesten Westler einladen kann. Bei einem Tisch bleibe ich etwas länger hängen, da mir ein gnädiges Fräulein sehr anmutet.
Von ihr entreißt mich allerdings wenig später mein kleiner, treuer Gehilfe, da er sehr aufgebracht mitzuteilen versucht, dass er etwas sehr seltenes und interessantes entdeckt hat: andere Weiße. Sie sind Amis und versuchen auch, etwas zu bestellen. Das gute Benehmen und das gleiche Schicksal, das wir teilen, verlangen es von mir, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Sie sind auf der Suche nach Flüssignahrung, die Kellner scheinen sie aber nicht zu verstehen. Ich will ihnen cool meinen Trick mit den Tischen zeigen, scheiter aber gleich beim ersten, da dessen Besitzer noch gewillt ist, selber alles zu trinken. Nach etwas Hin- und Her kaufen die beiden Buben aus noch viel weiter westlich zwei Flaschen zum Originalpreis ab und danken mir trotzdem höflich für meine Hilfe.
Zurück bei der Dame bin ich etwas überrascht und erschrocken, wie sie mich vermisst zu haben scheint, da ihre Hände stets überall, zumeist in der Gesäß-Gegend zu sein scheinen und das, obwohl diese Stelle eigentlich aufgrund der Distanz zwischen mir und ihr schier unerreichbar ist. Fast zu spät merke ich, dass es sich auch nicht um ihre kleinen Patschepfoten handelt, sondern um die großen Pranken des einen Amerikaners, dem ich nun anscheinend sehr anmute.
Mir gelingt es nur mit Müh' und Not, ihm aufzuzeigen, dass ich nicht an ihm interessiert bin. Und überhaupt: Wo ist mein kleiner Padawan, der kleine Sprössling, der doch sonst immer da war?
Nach der Diskussion mit ihm ist leider das Weibchen verschwunden, was dem Abend für mich aber keinen Abbruch tut. Ich führe meinen Gang von Tisch zu Tisch fort, tanze ein wenig und fahr viel zu spät in der Früh mit den letzten unserer Gruppe heim.
Jetzt ist ein dreistündiges Power-Bubu angesagt, denn es ist der erste Mai und um neun Uhr sind wir auf dem Sportplatz zwecks Lauschen langweiliger Reden gefordert. Und da wir VIP-Karten haben, sollte man da schon erscheinen. In welchem Zustand auch immer.

4 Kommentare:

  1. Der erste mehr oder wenige große Rückschlag für den Helden in Fernost.

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  2. Papperlapapp. Ich habe doch die Nummer.

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  3. Meister... wie viele Adressbuch Einträge fast dein wahnsinns Taschentelefon denn?? Erleg die Beute!

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  4. 41.
    Wobei ich nicht mit jedem kommuniziere.

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