Montag, 4. Mai 2009

Tag 65: Tourismus.

Da der Papa so schlau war, und gestern relativ früh im Bett verschwunden ist, ist das Aufstehen, um sieben Uhr, am Samstag, nicht das größte Problem. Um acht müssen wir wieder auf dem alten Campus sein (zum Glück fahren so früh schon Taxis dahin), um mit den anderen Deutschen zur Terrakotta-Armee zu fahren. Zumindest wissen wir nur von dieser.
Aber zunächst halten wir in einem, ich sage einmal, nicht sooo interessanten Park, der anscheinend für seine 'warmen Quellen' bekannt ist. Von diesen seh ich aber nichts, anscheinend hätte man dafür noch einen Berg hochfahren sollen. Auch den einheimischen Touris, derer es dieses Wochenende wegen des gestrigen Feiertages besonders viele sind, scheinen nicht so angetan zu sein und finden mit zunehmender Begeisterung ihre preferierten Fotomotive in uns. Zuerst sehr schüchtern, indem sie einen von sich zufällig vor unsere Gruppe stellen, später aber, als sie merken, dass wir uns hinzgesellen, immer mehr. "再来一个" ("noch eins") lautet die Parole und sobald einer die Erlaubnis hat, strömen die Massen auf dich zu und du hast aus sämtllichen Generationen Leute im Arm. So kann es sein, dass einige Minuten vergehen, die man grinsend verbringt, bis man sich loseisen kann.
Ich wäre ein Schelm, wenn ich behauptete, es nicht zu genießen. Und so drehe ich jetzt auch gerne mal den Spieß um und fordere Fotos mit skurrilen einheimischen Gestalten.
Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen einem Mann und einem ganzen Volk.
Nach dem Essen in einer Touristengruppen-Absteige à la Guilin (große Halle mit vielen großen runden Tischen, lieblos eingerichtet, Standard-Essen) geht's dann auch schon zum neuen Wahrzeichen Xi'ans, der Terrakotta-Armee. Alle, die mich in den ersten Tagen meiner Ankunft gefragt haben, warum ich noch nicht da war, können sich jetzt beruhigen, denn ich bin es tatsächlich. Spektakulär ist das ganze allerdings nicht so, da ich das meiste schon auf Bildern gesehen habe. Spektakulär ist nur der Menschenandrang und unsere Gruppe, wobei sich hier auch erstaunlich viele Westler tummeln.
Die Zeit auf dem großen Areal vergeht recht schnell, sodass wir mal wieder viel zu spät auf dem Campus abgesetzt werden und zur 10-Jahr-Feier des Studiengangs eine halbe Stunde (allerdings gerade noch rechtzeitig) erscheinen.
Das Essen steht zwar schon lange auf dem Tisch, dennoch müssen wir erst noch das Abendprogramm (moderiert von Nadine) anhören, welches neben einer kleinen musikalischen Einlage aus vielen (Lob-)Reden besteht. Während dieser tut man, was man hier während Reden am besten kann: Selber reden. Ist für uns recht unverschämt, aber hier Gang und Gebe, solange man nicht in der Vorlesung sitzt.
Das Essen hätte besser sein können, ist aber auch egal, da man animiert wird, viel Flüssignahrung zu sich zu nehmen: Der Institutsleiter lässt es sich nicht nehmen, mit einem Glas und einer Flasche (und einer zweiten... und einer dritten...) des lokalen Schnapses von Tisch zu Tisch zu wandern und einmal (und auch zweimal... und auch dreimal...) anzustoßen. Und das mit ziemlich hoher Schlagzahl. Über den Geschmack des Gesöffs lässt sich streiten, aber es erfüllt seinen Zweck: Rektoren und Professoren geht es gut.
Und zwar so gut, dass unser Rektor uns seine Sekretärin (gestern erwähnt) es sich nicht nehmen lassen, noch mit uns in eine Disco, dieses Mal das Salsa 莎莎, zu gehen. Und da bleibt man dann auch gerne mal bis vier Uhr, auch wenn sie morgen um acht ihr Hotel verlassen müssen.
Guter Mann!
In diesem Club funktioniert mein Trick mit dem günstigen Trinken leider nicht soo gut, wobei ich fast umsonst davon komme. Das ist aber auch nicht schlimm, da die Musik (gut, da DJ europäisch) mich die meiste Zeit auf der Tanzfläche hält. Hier wird man gerne mal angesprungen von kleinen Buben (diese schubst man weg) und feinen Deerns (diese lässt man gewähren), man trifft auf Europäer (bzw. viele Russen) und Chinesen, die Deutsch können, weil sie in Bochum oder Holland studieren.
Am Ende des Abends kann ich mal wieder sagen: Mirko, du hast es geschafft und deine Energie ist unglaublich; du verlässt die Tanzfläche mal wieder als letzter.

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