Donnerstag, 18. Juni 2009

Tag 108: Bullenhitze

Nachdem ich immer wieder samstags am Stock gehe, muss der Sonntag in erster Linie für Entspannung herhalten. Diese beschränkt sich zunehmend auf Tätigkeiten in den eigenen vier Wänden, da es hier noch einigermaßen erträglich ist, was nicht zuletzt an zwei funktionierenden Klimaanlagen liegt.

Draußen haben wir nämlich mal wieder 37 °C, trocken und stickig, schon kurze Wege stimulieren die Schweißdrüsen auf's Äußerste und die diffus streuenden Lichtstrahlen der senkrecht über uns stehenden Sonne reizen die Augen so sehr, dass sie die Klischee-Form der Inländer annehmen, zwangsweise.

Und dann les ich auf der Homepage der allseits beliebten BILD-Zeitung, dass Mallorca-Urlauber gewarnt werden, da auch bei ihnen bis zu 37 °C erreicht werden kann. Sie sollen sich nicht zu viel draußen aufhalten und viel trinken. Wurden wir gewarnt? Wurde uns das Fußballspielen untersagt? Wurde uns gesagt, dass Flüssigkeitsaufnahme gut ist, aber nicht unbedingt die von Bier?

Nein, uns vergisst man hier draußen ganz einfach. Und die Vögel von Mallorca haben wenigstens überall ein Meer zum Abkühlen, wir nur einen Swimmingpool, der eingezäunt ist und nur desnachts, wenn dieser Zaun abgekühlt ist, überstiegen werden kann.

Stinkwütend ob dieser Nachrichten will ich das Netz verlassen und da kommt LiuRongs, also Bierchens Bitte, sie für zehn Minuten zum Arzt zu begleiten, weil sie Angst vor Spritzen hat, genau richtig. Dieser befindet sich 30 Meter neben dem Wohnheim und das ganze soll doch eigentlich kein Problem sein, aber es entwickelt sich dann doch zu einer Odyssee.

Zuerst muss ich bemängeln, dass dieser Arzt nicht gerade krankengerecht ist, zumal die meisten wahrscheinlich Sportunfälle als Grund für ein Erscheinen haben. Denn um zu den zwei Doktorinnen zu gelangen, geht es erstmal eine lange Treppe hinauf und dann steht man vor einer Tür, die nur mit sehr viel Kraft zu öffnen ist und durch die ich gerade so passe. Einige kleine Damen können froh sein, dass ich also über eine Stunde da sitze und ihnen die Türen öffne, während Bierchen und die Ärzte auf der Suche nach ihrer Krankenakte ist (hier haben schließlich so viele den gleichen Namen und dann kommt noch hinzu, dass eine Freundin die Spritzenmedizin von der Apotheke mitgebracht hat, natürlich auf ihren Namen und selbst hier ist das dann wohl kompliziert, als Arzt sowas anzuerkennen).

Irgendwann ist das dann auch zu Ende und ich darf mich zu unseren guten Seelen des Austauschs, den Damen nach oben begeben, da sie Lasagne gemacht haben. Und hier funktionieren beide Klimaanlagen recht bescheiden, weshalb das Essen sich zur anstrengendsten und schweißtreibendsten Aktion des Tages entwickelt.

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