Sonntag, 7. Juni 2009

Tag 96: Selbstlosigkeit in Person

Heute ist wieder so ein schöner Tag, an dem die Zeit überhaupt nicht vergeht. Das liegt vor allem daran, dass zwei der drei Maschinen nicht laufen und somit die anderen Praktikanten (von der Schule) an unsere Maschine geschickt werden. Wir sind also sieben Leute, zuständig für vier Farben.

Da ich recht selbstlos bin, überlasse ich auch allein einfach mal die einzige Beschäftigungsmaßnahme, die man ergreifen kann, nämlich arbeiten. Die letzte Aussicht sind die Minispiele auf dem iPod, aber da Denis' Rekord beim Bomben-Antipp-Spiel unschlagbar ist, verlieren auch die schnell den Reiz. Es herrscht also viel Langeweile, weil's beim Druck auch keine Probleme gibt und irgendwann gibt es Smalltalk auf nicht wirklich hohem Niveau.

Ich höre mir also einen Monolog darüber an, dass es doch unfair sei, dass Chinesen für die gleiche, bzw. viel mehr Arbeit weniger Geld als Deutsche erhalten. Ich stimme zu. Dann erfahre ich, dass ich nicht wirklich deutsch aussehe, weil das Bild des Arias doch deutlich anders aussieht. Und wo wir gerade schon bei der Epoche sind, erfahre ich, dass Mao natürlich viel besser als Hitler ist. Ich hülle mich lieber in Schweigen, bevor die Firma abgehört wird. Und bei dem Gedanken mit dem Abhören kommt mir das Thema Kontrollstaat in den Sinn. Ich verbreite also mal schnell das Gerücht, dass die Kreuzbandnarbe am Knie daher ziert, dass mir der Staat einen Microchip eingesetzt hat, um stets zu wissen, wo ich mich aufhalte. Da Lukas eine ebensolche Narbe besitzt, kann mir auch niemand widerlegen, dass nicht jeder Deutsche kontrolliert wird. Abschließend soll ich noch alle meine Kleidungsprodukte auf ihr Herstellungsland kontrollieren und mich fragen, warum ich sie nicht gleich hier gekauft habe.

Das klingt alles ein wenig nach merkwürdigen Themen, insgesamt ist aber doch vieles Spaß und es hilft mir über den Tag hinweg.

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