Dienstag, 2. Juni 2009

Tag 93: Shanghai Tag 3

Auch heute wackelt mein Bett wieder bedenklich stark und so kommen wir auch relativ früh aus den Federn. Das erste Ziel für heute ist die Transrapid-Station, bei der Denis und ich den Großteil der anderen treffen. Und dieses Projekt ist wahrlich gigantisch. Wenn Sie vom U-Bahnhof in Shanghai ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am U-Bahnhof in Shanghai starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in ... in ... in Rom. Wenn Sie sich mal die Entfernungen anschauen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen, dann werden Sie feststellen, dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen, um ihr Gate zu finden. Wenn Sie vom Flug ... vom ... vom U-Bahnhof starten - Sie steigen in den U-Bahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in ... an den Internationalen Flughafen Franz Pudong. Dann starten Sie praktisch hier am U-Bahnhof in Shanghai. Das bedeutet natürlich, dass der U-Bahnhof im Grunde genommen näher an China ... an die chinesischen Städte heranwächst, weil das ja klar ist, weil auf dem U-Bahnhof viele Linien aus Shanghai zusammenlaufen.

Und das ganze kostete damals nur schlappe 1,2 Milliarden. Man hätte das Geld nicht besser anlegen können, wie zum Beispiel die Bekämpfung der Armut. Denn wo sonst hat man den Luxus, ganze sieben Minuten, von denen ganze 50 Sekunden mit Höchstgeschwindigkeiten von 430 km/h in der ersten Klasse zu sitzen? Und das für nur den doppelten Fahrpreis des zweite Klasse-Tickets (Hin- und Rückfahrt 70 Yuan)?

Die Erfahrung ist es also allemal wert, aber die Strecke hätte man besser woanders hinlegen können.

Anschließend geht's mit der verhältnismäßig langsamen U-Bahn an eine Station, von der wir meinen, dass sie in der Nähe der empfohlenen Französischen Konzession liegt (genau können wir es nicht sagen, weil der Reiseführer im Hotel ist). Ob wir zu dieser gelangen, können auch später nicht wirklich sagen, aber wir kommen an einem netten Viertel mit kleinen Gassen und kleinen Häusern an, deren Abschluss die prunkvolle Villa eines Herrn Moller bildet. Bevor in dieser eine Hochzeit stattfindet, dürfen wir im gartenansässigen Café noch einen verdammt teuren Latte Macchiato (im Espresso-Glas) bei halbwegs aufgetautem Käsekuchen verzehren. Zumindest ist das Ambiente traumhaft und alles andere als Chinesisch.

Wir liegen gut in der Zeit und dürften locker pünktlich zum Treffpunkt am Hotel erscheinen und dann kommt Philipps fataler Ausruf: 'Ohh, guck mal, da gibt es Eis.' Und das ist leider auch noch so gut, dass wir uns zum Verzehr hinsetzen.

Fazit: Wir kommen zu spät. Wie gestern schon. Ich schäme mich.

Dann geht's, der Erfahrung wegen, viel zu früh zum Bahnhof und nach einer guten Pizza locker und geschmeidig in die richtige, nicht zu überfüllte, Bahn. Zum Glück haben wir auf den iPods Filme und einen vollen Akkumulator, sodass wir uns an die vom Staat geregelten Schlafenszeiten von 22 Uhr bis 07 Uhr nicht halten müssen, zumindest was die Einschlafzeit betrifft. Denn, da die Lautsprecher sich nicht in unserer Nähe befinden, scheinen die Essensverkäuferinnen dazu angehalten zu sein, mit einer möglichst lauten und schrillen Stimme ihre Angebote pausenlos hinauszuposaunen.

Für die nächste Fahrt sind Ohrenstöpsel von Vorteil!

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