Montag, 4. Mai 2009

Tag 67: Drucken auf Chinesisch.

Bevor ich Worte über mich verlier, möchte ich meinem treuen Leser und Freund Bünyamin rechtherzlich zum heutigen Ehrentage gratulieren. Auf dass ihm dieser Tag viel Freude und Liebe beschert.

Mein Tag ist heute recht stressig. Bzw. das weniger, dafür aber anstrengend aufgrund hoher Langeweile und vielerlei Probleme. Und da es heute stickig heiß ist und noch Pollen fliegen, die mir die Rotze und den Verstand in die Nase locken, kommt es zu einem Novum: Ich schreibe mal nicht selber, sondern bediene mich uneigennützig an Philipps Niederschriften. Dieser hat seine Aufgabe nämlich sehr gut gemacht und besser hätte ich den Verlauf unseres heutigen Projekttages auch nicht ausdrücken können.

Heute war es soweit, endlich wollten wir unser mühsam erstelltes Projekt in eine gedruckte Form bringen. Geplant hatte ich dafür nach deutschen Maßstäben (mal 3) und dachte, dass wir hiermit in einem Tag fertig werden können. Pünktlich eine viertel Stunde zu spät, die wir vorsichtshalber dem Druckprofesor schon mitgeteilt hatten, stand unser Team mit Druckplatten an der Maschine. Schon jetzt kündigte sich die erste Terminverschiebung an. Die Druckplatten waren noch nicht gestanzt und der Hüter über den Schlüssel zur Schatzkammer mit der Stanze war noch nicht eingetroffen. Während noch diskutiert wurde ob wir den Druck jetzt auf den Nachmittag oder gleich auf den nächsten Tag verschieben sollen, traf der Held der Stunde zum Glück doch noch ein und wir konnten durch auf dem Boden fließende Wassermassen uns einen Weg zur Stanze bahnen.

Nachdem das Problem gelöst war schon die nächste Schockmeldung. Das gutgläubig von einer Chinesin gemessene Papierformat stimmte nicht ganz mit der Realität überein und unsere überschwinglich beendete Diskussion mit dem Prof für die Druckplatten rächte sich. Die Überschrift lag entgegen unseren genialen Berechnungen doch außerhalb des Papierrandes.

Nach einer kleinen Kriesensitzung entschieden wir uns aus einem fast 4 mal so großen Papier ein Filetstück herauszuschneiden. Auch wenn der Planschneider selbster eine digitale Messeinrichtung hatte entschied der Professor viel lieber mit seinem Metalllinial nachzumessen und jedes Mal das Papier wieder einen tausenstel Millimeter zu verschieben. Wie auch immer Papier und Druckplatten waren bereit und wurden in die Maschine verfrachtet. Vorher noch die Farbe von 1992 wegputzen, die ist bestimmt schon abgelaufen und muss raus bevor wir neue einfüllen.

Eigentlich stand der saubesten Maschine der ganzen Hochschule jetzt nix mehr im Wege aber ab hier ging eine Odysee sondergleichen los. Davon mal abgesehen das es mich immernoch wundert, dass der Professor nicht selbster merkte, dass wir mit den hellgrauen statt scharzen Flächen nicht so ganz zufrieden waren hatte er entweder mit seinem Geiz beim Thema Papier zu kämpfen oder mit dem Unverständnis des Druckprinzips. Das unsere Wunderdruckmaschine die normalerweise 10.000 Bogen pro Stunde druckt und aus schätzungsweise 25-30 Walzen konstruiert ist nicht nach dem ersten Bogen eine respektable Farbdeckung produziert ist sehr verwunderlich. Auch der Prof konnte sich das nicht erklären, lies sich aber nur schwer dazu überreden den Dingen ihre Lauf zu lassen und sich erst den 5. Bogen anzuschauen der wundersamer weise viel besser ausssah. Nach 2 Stunden Try und Error lief dann der erste anständige Druck aus der Maschine.

Mit viel Euphorie teiltem wir dem Professor mit, so könnten wir gerne weiter machen. Dummerweise hatte sich durch den Stop der Maschine wieder Farbflecken auf Platte und Gummituch abgesetzt und das ganze musste geputzt werden. Um es kurz zu machen, das Ganze wiederholte sich noch 12-15 mal, jedes mal wenn wir dachten jetzt kann es losgehen hatte entweder der Professor die Maschine angehalten oder sie hatte es selber getan weil der Bogenlauf fehlerhaft war. Danach galt es wieder zu putzen und das ganze nochmal zu probieren. Machmal schmissen wir danach die Maschine auch selber in Gang da wir die 4 Knöpfe inzwischen kannten, und waren damit sogar mittelmäßig erfolgreich, kamen damit zwar zu mehr als einem gedrucktem Bogen aber zu keinem ansehnlichen Ergebnis. Stattdessen gab es neue Ideen seitens des Professors. Warum nicht einfach mal ein paar Walzen des Feuchtwerkes wechseln, was für ein Zufall, dass die Maschine daneben vom gleichen Modell ist und gerade seit ein paar Jahren nicht gebraucht wird.

Noch mehr Tick 17 und der Werkzeugkasten konnten leider auch nicht helfen und nach 7 Stunden hatten wir ganze 8 perfekte Drucke in der Hand und geschätze 120 Blatt Abfall. Aufgrund der hohen Verlustrate empfahl uns unsere Betreuerin nochmal über das Druckverfahren nachzudenken, und überhaupt kam der Fehler ja nur deßhalb weil wir die Dumme Idee hatten vom Standartformat um 2 cm abzuweichen, damals vor 12 Jahren lief die Maschine das letzte mal damit noch super und ohne Probleme.

Wie auch immer wir geben auf, morgen läuft das Projekt auf dem Farbkopierer oder wenn das auch Probleme macht darf sich ein lokaler Copyshop über eine neue Einnahmequelle freuen. Immerhin habe ich jetzt die Gewissheit mit genug Zeit und Abstrichen bei der Qualität sogar einem chinesischen Maschinenmodell ein paar Drucke entlocken zu können, ich würde sagen das is als sogenannter Softskill bei einer Bewerbung doch nicht zu verachten.

3 Kommentare:

  1. Danke dir mein Liebster ;)

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  2. Ich hab hier noch einen alten HP Deskjet 710c Tintenstrahldrucker im Regal.
    Den würde ich den Chinesen zukommen lassen zur Erneuerung des Technologieparks. Vielleicht können sie euch à la reverse engineering den drucker in groß nachbauen.
    toi toi toi!

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  3. Ich hab hier noch einen alten HP Deskjet 710c Tintenstrahldrucker im Regal.
    Den würde ich den Chinesen zukommen lassen zur Erneuerung des Technologieparks. Vielleicht können sie euch à la reverse engineering den drucker in groß nachbauen.
    toi toi toi!

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