Selten rege ich mich so auf, selten bin ich mehr in Rage als heute. Gestern noch in der Disco wollte ich die Frauen beeindrucken. Mit einer Rose. Auf der Straße laufen nämlich genug kleine Kinder mit Rosen rum, die nur auf Leute wie mich warten. Sie sagen mir, eine Rose kostet 15 Yuan, ich bekomme aber zwei für zehn und bin besonders stolz auf mein Verhandlungsgeschick, auch wenn ich im Hinterkopf natürlich weiß, dass ich mich total habe abziehen lassen, habe ich für den Preis doch schon vier oder fünf Blumen bekommen. Nun, ich sage noch extra, ich hätte gerne die schönsten und mir werden die scheinbar schönsten rausgesucht. Da es dunkel ist, kann ich dem ganzen keine Qualitätskontrolle unterziehen, ich vertraue also dem Mädel mit dem unschuldigen Blick.
Heute erwache ich und sehe eine Rose, die ich nicht verteilen konnte, auf meinem Schreibtisch. Ich packe sie behutsam aus, entferne mit größter Sorgfalt die Klarsichtfolie. Und was passiert dann? Nicht nur die Folie fällt zu Boden, nein, auch jeglichen Blätter, gar ein paar Blüten liegen zu meinen Füßen.
Und das treibt mich in Rage. So etwas gibt es doch nicht. Die Frau will doch in Zukunft auch noch an mir verdienen, da kann sie mir nicht so etwas andrehen. Ich bin drauf und dran, am Abend noch einmal zum Ort des Betrugs zu fahren um den Balg, an den Ohren ziehend, die Deviten zu lesen. Aber ich kann mich besinnen, sind die kleinen Kinder doch eher der verlängerte Arm einer höchst organisierten Rosen-Mafia. Und wenn ich das Balg jetzt vermöbel, so macht es denen, die eigentlich die kriminellen Strippen ziehen, doch überhaupt nichts aus. Viel mehr noch: Wahrscheinlich kann nichts, was ich den Verkäufern antu, so schlimm sein, wie das, was ihre Chefs machen. Und so werde ich wahrscheinlich auch in Zukunft schäbige Rosen kaufen, die den Kindern etwas Geld zum Vorweisen einbringen, damit sie die Vorgesetzten milde stimmen können.
Die Welt ist doch ungerecht.
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