Es wurde gestern etwas länger, erst bei Bambi, dann noch mit Telefonaten mit der Heimat, aber mein Gespür für Zeit weckt mich um halb eins. Es ist kein schöner Tag. Draußen ist es nasskalt, die Wohnung ist auch nicht so wirklich warm und wird es wohl auch nicht, denn wir haben Stromausfall. Da ich so lange schlafe, weiß ich nicht, warum. Die Vorlesung plätschert auch so vor sich hin und nach der Rückkehr ist der Strom immer noch weg, was soll man also machen? Und was hat Nadine die ganze Zeit gemacht? Sie ist unsere Vorzeige-Studentin (neben mir, versteht sich), wenn es um die Anwesenheit in den Vorlesungen geht. Und immer dann, wenn sie sich entscheidet, nicht hinzugehen, ist es blöd. Beim letzten Mal hatten wir Labor, also Anwesenheitspflicht, heute keinen Strom und da es draußen nicht wirklich hell wird, ist auch das Licht zum Lesen sehr bescheiden.
Es trifft sich für mich also gut, dass ich mich nicht mehr lange im Wohnheim aufhalte, sondern zum Kino verabredet bin. Hinter der großen Wildganspagode ist ein neues errichtet worden und donnerstags sollen Filme auf Englisch laufen. So um sechs Uhr rum, laut Andys Aussage ohne Gewehr. Aber da läuft nicht wirklich was, also müssen Mini und ich uns noch etwas gedulden, zum Glück gibt es aber noch eine Art Bücherladen im Foyer, sodass sie sich einen dicken Wälzer über irgendeine Dynastie reinzieht, während ich vorsichtig frage, wo denn die Kinderbücher sind. Ich lese drei Stück. Und eins zum Teil, aber das ist doof.
Da die Filmauswahl nicht die größte ist, kaufen wir Tickets für Twilight. Und das zu Preisen, die eher mit Deutschland vergleichbar sind. 55 Yuan kostet ein Ticket. Eigentlich. Aber da wir Studenten sind, nur die Hälfte. Der Kino-Saal ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl ziemlich klein. Aber wenn man sämtliche Kino-Filme schon kurz nach Erscheinen an jeder Straßenecke legal, wenn auch in schlechter Qualität, zu einem Siebtel des Preises kaufen kann, dann ist das wohl kein Wunder. Und ich wundere mich, dass ich bei einem englischen Film der einzige Ausländer bin. Des Rätsels Lösung ist, dass der Film letztendlich doch auf Chinesisch ist. Aber das macht nichts. Ich verstehe das meiste und außerdem ist Edward soooo schnuckelig!
Während des Films ist es nicht unüblich, dass die Zuschauer eines ihrer Hobbys nachgehen, nämlich dem Telefonieren. Zum Glück erklärt jeder nur, wo er gerade ist, mit wem und was er hier tut, sodass die Gespräche nicht sonderlich lang werden.
Es bleibt aber festzuhalten, dass das Kino ton- (selbst bei der Synchronisierung hat man sich mal Mühe gegeben) und bildtechnisch qualitativ sehr gut ist und auch die Möblierung sehr bequem, man kann hier also öfters hingehen.
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