Heute zeigen wir uns mal wieder von unserer besten Seite. Zunächst dürfen wir dem Prof erklären, warum wir es nicht für nötig hielten, am Dienstag zu seiner Vorlesung zu erscheinen. Jetzt müssen wir uns wieder privat mit ihm treffen, am besten am Wochenende. Das wär nicht unbedingt schlimm, aber die Privatvorlesung zieht sich immer noch länger hin, als die normale Vorlesung. Er ist auch noch etwas verbittert, will deshalb nicht dieses Wochenende nutzen.
Auf dem Campus liegt noch Schnee und nichts liegt uns ferner, als diesen liegen zu lassen. Also wird er geworfen. Auf alles und jeden. Wir sind ja auch nicht die einzigen und eigentlich können alle damit gut umgehen. Nur ein Autofahrer nicht wirklich, der um seinen Wagen (der übrigens in alles andere als einem tadellosen Zustand ist) bangt. Er sollte jetzt lieber nicht anhalten. Und er sollte auch lieber nicht das Fenster runterlassen. Denn Denis hat sich bereits meinen Kopf als Ziel ausgemalt. Und ich bilde ein gutes Ziel und verlängere den Wurf gekonnt mit der Schädeldecke. Und trotzdem ich mit dem Rücken zum Autowagen stehe, treffe ich perfekt durch das Fenster in die Lüftungsschlitze. Jetzt gibt's Ärger. Aber nicht für mich. Ich bin offiziell ja auch nur Opfer. Ärger gibt es für Denis. Jetzt aber auch zurecht.
Nachmittags, wir sind unlängst zurück in unserer Wohnung (deren Gaskarte jetzt aufgebraucht ist, was bedeutet, dass zumindest für heute kein warmes Wasser und keine Heizung zur Verfügung steht), meldet sich erst Jojo bei uns und fragt, ob wir zufällig letzte Nacht noch Ruhestörung betrieben hätten. Jo. Kurz danach kommt ein Anruf von einer aufgebrachten Studentin, deren Fenster wir wohl gestern getroffen hätten. In Deutschland möge sowas gehen, in China aber nicht, sagt sie. Wir bieten ihr an, gemeinsam nach dem Stock in ihrem Hinterteil zu suchen. Sie lehnt ab. Bei nächsten Mal ist das nicht einfach mit einer Entschuldigung abgetan, sagt sie.
Dann wird bestimmt wieder gepetzt.
Ist mir egal, wir sind ja eh bald fertig hier.
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