Dienstag, 29. Dezember 2009

Tag 305: Ferien und was man draus macht.

Wir haben seit über zwei Wochen Ferien und somit eigentlich genügend Zeit, alles das mal zu machen, was wir schon immer hier vorhatten, wie zum Beispiel der Besuch von Museen, Theatern und sonstigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt.
Aber daraus ist bisher nichts geworden. Und das liegt zumeist an der sich eingenisteten Trägheit und dem momentanen Tagesablauf. Da steht man beispielsweise erst mittags auf, wird dann langsam fit, schleicht vor den Campus und isst erst einmal. Heute schaffen Denis und ich es zumindest mal, in die Stadt zur Fußmassage zu fahren. Für 30 Yuan. Das ganze ist aber nicht nur Fußmassage, es heißt nur so, beinhält aber auch sämtliche andere Körperteile. Bestellt man jetzt eine Körpermassage plus Füße, was ungefähr das gleiche ist, zahlt man 56 Yuan, was immer noch vollkommen günstig und unter Wert ist. Anschließend sind wir kurz bei Bambi, die eigentlich noch gar nicht geöffnet haben und dann geht es schon zurück, der normalen Alltagsbeschäftigung nach, dem Filme schauen. Das geht hier leider viel zu einfach, denn jegliche gekaufte DVD ist um ein vielfaches günstiger als eine in Deutschland geliehene. Und selbst wenn die mal aus sind, so hat sich das chinesische Internet daran gemacht, sämtliche Filme auch in DVD-Qualität als Stream anzubieten. Und so endet auch der heutige Tag desnachts mit drei Filmen und der Erkenntnis, dass man eigentlich viel zu wenig aus seiner freien Zeit macht.

Tag 304: Humor in China.

Humor ist eins meiner Hobbys, wenn ich unter Chinesen bin, kommt er leider oftmals zu kurz. Das liegt grundsätzlich an der unterschiedlichen Auffassung, was lustig ist und was nicht. Chinesisches ist meistens nicht lustig. In meinen Augen. Mein Witz ist auch unlustig. In chinesischen Augen.
Chinesische Witze handeln oft über sie selbst und ihre eigene Not, um ihr Leiden und ihre Situation erträglicher zu gestalten. Ohne dieses Hintergrundwissen bringe ich zumeist nur ein müdes Lächeln zum Ausdruck. Außerdem liebt man es, mit Einzeilern zu hantieren. Diese Einzeiler bestehen aus vier Zeichen, die den Titel oder den Inhalt eines Witzes oder einer Geschichte darstellen. Das Wissen über den Inhalt diese Geschichten sollte gegeben sein, sonst bringt das ganze nichts. Der Chinese an sich spielt beim Hören dieser Redewendungen kurz die ganze Geschichte im Kopfe ab und lacht dann.
Mit dem hiesigen Humor komme ich also nicht wirklich klar, meine Ironie und meinen Sarkasmus kann ich aber auch niemandem weiterbringen. Als Denis und ich beispielsweise vor einiger Zeit einen Frisör betraten und gefragt wurden, ob wir zum Haareschneiden da seien (für was denn sonst?), habe ich geantwortet: "Nee, wir wollen hier Bahntickets kaufen." Daraufhin wurde ein Sonderkommando von Frisören zusammengetrommelt, die nun eifrig diskutierten, wo denn die nächste Bahnticket-Verkaufsstelle sei. Es bedurfte einiger Aufklärungsarbeit, dass Haareschneiden völlig reicht, aber verstanden haben sie es wohl nie.
Da mir weitere Beispiele momentan leider nicht mehr einfallen (obwohl es derer viele gibt), beende ich vorerst diesen Beitrag mit einem Witz chinesischer Natur:
Einem Eisbären war langweilig. Also fing er an, sich die Haare rauszureißen. Irgendwann hatte er keine Haare mehr am Körper. Da war dem Eisbären kalt. (im Internet aufgegriffen)

Tag 303: Zweiter Weihnachtsfeiertag - Erster Abschied.

Es ist ein rüpelhaftes Benehmen, das sich Cathrin heute morgen um sechs Uhr erlaubt. Weckt sie dabei doch nicht nur mich, sondern auch Spätzle, der in Lukes Bett schläft. Als könnte man so früh nicht einfach mal flüstern, nein, man muss allen mitteilen, dass man schon wach ist.
Aber sie hat auch einen Grund, denn es ist wohl das letzte Mal, dass sie sich hier allen mitteilen kann. Denn Cathrin und Lukas haben heute großes vor, sie verlassen uns. Und zwar für viele endgültig, denn wenn sie in fünf Wochen von ihrer Reise durch Thailand, Indien und sonstigen asiatischen Ländern wiederkommen, werden die meisten anderen schon die Biege gemacht haben (während ich auch sie dann noch zehn Tage überlebe bis ich als letzter die Zelte abreiße).
Mit diesem Abschied ist aber nicht nur eine Dezimierung unserer Gruppe besiegelt, nein, vielmehr ist auch klar, dass ich jetzt alleine für den ganzen Haushalt verantwortlich bin. Ich muss alleine entscheiden, wann Putztag ist und ich kann mich nicht mehr entscheiden, ob ich Küche oder Bad mache, nein, ich muss nur noch festsetzen, in welcher Reihenfolge ich das gestalte. Glücklicherweise bin ich aber nicht für Lukas' Zimmer verantwortlich, denn darin türmen sich noch seine Klamotten, die von der Masse seinen großen Rucksack, mit dem er sein Gepäck später aufgeben möchte, vier mal füllen könnten.
Lukas, es war eine schöne Zeit mit dir. Ein guter, zurückhaltender Mitbewohner. Die sechs Putztage, die wir hatten, waren zwar alle allergrößte Eisenbahn, aber sie gingen schnell und reibungslos über die Bühne. Zwar war es nicht immer leicht, dir nahezubringen, das Geschirr doch wenigstens einzuweichen oder dass der Sessel im Wohnzimmer nicht Teil deines Kleiderschranks ist oder dass du das Sieb vom Abfluss während des Wäschewaschens rausnehmen sollst, damit die Flusen nicht den ganzen Fußboden bedecken, andererseits gab es aber auch nie Ansprüche wie Putzplan, Einkaufsliste, dass ich abwasche, nachdem du gekocht hast. Und nie hast du gemurrt, wenn ich etwas zu spät oder zu langsam war, denn meistens warst du noch später oder noch langsamer.
Danke, lieber Lukas.
Während du dich jetzt sonstwo rumtreibst, werde ich die Sau rauslassen, nackend durch die Wohnung tanzen, Frauen noch und nöcher anschleppen und deine Reiseberichte damit locker in den Schatten stellen.
Ich stehe heute übrigens nicht um sechs Uhr auf, um die beiden noch einmal zu verabschieden. Warum auch? Ich sehe sie ja wieder.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Tag 302: Erster Weihnachtsfeiertag - nie mehr 1+1?

Hanna ist der Teufel. Nicht genug, dass sie um drei Uhr an die Türe hämmert, weil es ihr nach einer sauberen Wohnung gelüstet und wir jawohl helfen könnten (wo auch nichts gegen spricht, aber noch nicht in dieser Herrgottsfrühe), nein, als ich dann halb gekleidet oben ankomme, hält sie die Krippe, an der Mini und ich sehr lange geschnibbelt haben, schon zusammengestopft in ihren Händen. "Ist nass geworden, muss ich wegschmeißen!", sagt sie mit hämischer Miene und fiesen, dichtgeschwollenen Augen. Hanna ist der Teufel.
Aus Rache trete ich ihre blöde Wand aus Bierdosen kaputt. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich sie später wieder reudig aufbaue. Meine Krippe hingegen verbleibt im Müllbeutel.
Aber auch Denis und Thomas haben etwas teuflisches an sich. Setzen sie sich doch nur hin und essen den Nudel- und Kartoffelsalat von gestern und fragen, ob es nicht schneller ginge. Ich hingegen trockne ab. Alles.
Ich bin ein Engel. Und Gott wird mich dafür bestimmt belohnen, sagt Mini.
Eigentlich könnte ich anschließend noch eine Tüte Schlaf vertragen. Die ist aber nicht drin, da wir beim Edel-Italiener einen Tisch bestellt haben. Um sieben. Mini, Denis und ich stehen um kurz vor sieben an der Straße und verzweifeln, da heute scheinbar taxifreier Tag ist. Aber als wir ankommen, hat es kaum ein anderer vor uns geschafft.
Das gute daran, zu zweit Essen zu bestellen, ist, dass man sich schnell ein Fünf-Gänge-Menu bestellen kann. So gibt es heute zunächst Bruschetta, anschließend Truthahn-Rocula-Salat mit Blauschimmel-Käse-Soße, gefolgt von Pasta mit Schinken-Pilz-Sauße, den Hauptgang stellt ein Lachs in Alufolie mit Kartoffeln, das ganze wird abgerundet mit einem Tiramisu.
Ein kleiner Tross von uns ist anschließend noch bereit, zu Bambi zu laufen. Auf den Straßen steppt der Bär, Weihnachten feiert jeder gern mit viel Blingbling, Luftballons und Straßen-Essen. Die große Südstraße hält den Menschenmassen scheinbar nicht mehr stand, denn auf dem Weg laufen wir an einem riesigen Krater vorbei. Vielleicht hat man aber auch nur etwas zu hoch gebuddelt beim U-Bahn-Bau.
Bei Bambi ist ebenfalls die Hölle los und die Luft ist nicht die beste, bald sind wir also auch hier raus und schauen nochmal zum 1+1. Das kannste eigentlich schon knicken, da die Schlange davor bedenklich groß ist. Wir kommen trotzdem rein. Mini sowieso, sie kennt da ein paar Leute und will uns dann von drinnen reinschleusen, aber wir haben wenig später auch so Glück. Zumindest bei der ersten Hürde. Die nächste Hürde bildet die rassistische Garderoben-Hexe.Sie sieht es nicht ein, unsere Mäntel anzunehmen, ist schließlich alles voll. Allerdings dürfen andere Chinesen gerne ihre Sachen abgeben. Ich verabscheue diese Frau.
Das nächste Problem besteht darin, Mini wiederzufinden. Wir warten also auf sie, etwas länger, vielleicht etwas zu lange, denn so kommt Philipp auf die blöde Idee, mal zu tanzen. Nach zwei Minuten kommt er wutentbrannt und verzweifelt wieder, denn sein Portmonnaie wurde geklaut. Aus der Vordertasche. Wahnsinn, wie fingerfertig die scheinbar sind.
In der gleichen Zeit sitzen wir aber am Tisch und es geht um die Bestellung der Getränke. Ich warte auf Philipp, dessen Meinung und vor allem dessen Geld. Aber das ist ja jetzt nicht mehr. Also müssen wir die Kellnerin kurz vertrösten.
Kurz ist ihr zu lange. Während jetzt alle in sämtlichen Ecken nach Portmonnaies suchen, Mini findet drei in den Mülleimern der Klos, aber nicht das richtige, stehen Thomas und ich mit unseren Mänteln neben dem DJ-Pult und fallen einigen Security-Männern auf, die gerade ein paar Gäste mit Herkunft aus dem indischen Raum rausschmeißen wollen. Die denken sich, so fern sie dazu fähig sind: "Oh, noch ein paar Ausländer, die fliegen gleich mit!" Und so sind wir wenig später auch vor der Tür. Nur wir beide. Und scheinbar sind wir jetzt auch die Feinde Nummer 1, da wir weiterhin da stehen und jeder andere Ausländer, der rein will, wird erst gefragt, ob er nicht ein Freund von uns ist. Philipp wird nicht fündig in der Stunde, in der wir beide draußen stehen.
Diese Tatsache, die Garderoben-Hexen, wortkarge Security-Trampel und ein Manager, der anscheinend uns raushaben will, aber nicht zu sprechen ist, sorgen dafür, dass wir mit dem Gedanken spielen, diesen Amüsier-Schuppen zu boykottieren.
Das 1+1 ist der Teufel.

Tag 301: Heiligabend.

Die Weihnachtszeit ist bekanntlich immer mit Stress verbunden, zum Feste soll alles perfekt sein. So liefen auch in letzter Zeit bei uns allen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bei uns allen? Nein, nicht wirklich. Ich zum Beispiel habe meinen Beitrag in Form eines Weihnachtsbaums und einer Krippe zwar schon seit langer Zeit vollbracht, dieser Beitrag wird aber nicht wirklich anerkannt. Da aber auch seit Anfang unseres Aufenthalts das Gerücht besteht, ich könne nicht kochen, ohne dass Thomas, der es verbreitet hat, jemals in den Genuss meiner kulinarischen Küche gekommen ist (ich habe dieses Gerücht gerne mal stehen lassen, denn so kann man an einem Finger abzählen, wie oft ich in diesem Jahr gekocht habe und dennoch immer eingeladen wurde, wenn sich jemand anders die Mühe gemacht hat), wurde ich komplett aus den Koch-Vorbereitungen gestrichen. Ich soll lieber das tun, was ich anscheinend am besten kann, schreiben, möglichst in Gedichtform, für jeden meiner Mitbewohner ein paar treffende Zeilen, möglichst nett, das ganze dann noch mit dem Geschenk verbinden und später den Weihnachtsmann spielen. Aber sowas ist ja schnell geschrieben, sodass ich mir voll entspannt den Weihnachtstrubel in der Innenstadt anschauen kann und Philipp begleite um ein paar Geschenke zu kaufen, die noch nicht besorgt wurden.
Und in der Stadt drehen sie wirklich ab. Denn zwar hat man mit Weihnachten nicht viel am Hut, aber wenn so eine stille, friedliche, heilige Nacht gefeiert wird, ist jeder gerne dabei. So gibt es heute 平安果 Friedensäpfel verkauft. Das sind normale Äpfel, nur in einer glänzenden Folie eingepackt und die kosten dann je nach Größe zwischen 5 und 10 Yuan. Und man verkleidet sich gerne, es gibt sehr viele blinkende Masken, Bärte oder Engelsflügel zu erwerben.
Ich habe sogar noch Zeit, die leere Gaskarte wieder aufzuladen, damit ich morgen eine warme Dusche zu mir nehmen kann, um vier Uhr sind wir zurück, auf welchen Wege auch immer (Taxis Mangelware, also quetschen Philipp und ich uns mit unseren langen Beinen in das wohl kleinste, wackeligste und langsamste Töff-Töff), ich schreibe ein paar Zeilen und bin lange vor der vereinbarten Zeit von 19h30 fertig. Aber auch eher als einziger.
Wir essen dann später, es gibt Fondue an einer langen, schön eingerichteten Tafel. Philipp lässt sich nicht lumpen, ein Aperitif,und später Cocktails zu reichen, das Tiramisu und das Mousse au Chili-Chocolat mit aufwändig hergestellter Zuckerspirale zu versehen und uns mit Trompete bei den Weihnachtsliedern zu begleiten.
Eigentlich wären wir pünktlich fertig mit dem Essen, wenn Andy sich nicht kurzzeitig entschlossen hätte, was anderes in seine Abendplanung einzuschieben und erst dann mit dem Essen zu beginnen, als ich eigentlich schon das Geschirr einweiche (macht ja sonst keiner und morgen meckern sie wieder, dass alles so eingetrocknet ist...).
So kommen wir auch erst um halb zwölf zur Bescherung. Denis erweist sich dabei als große Hilfe, da er nachmittags bereits kurzerhand das Weihnachtsmannkostüm einem Chinesen verliehen hat. Haben wir das ganze Jahr nicht gebraucht, warum dann an Heiligabend?!
Also soll ich das Christkind spielen. Seh ich aber nicht ein. Im Namen Christkind steckt bekanntlich das Wort Kind und ich bin voll und ganz gegen Kinderarbeit. Also bin ich einfach mal ich selbst und trage meine Gedichte vor. Diese befinden sich im Anhang.
Zwar hatten wir Bambi versprochen, vorbeizukommen, aber mir war klar, dass sich das alles soweit nach hinten verziehen würde, dass wir unser Versprechen brechen müssen. Und da wir bei Hanna und Nadine, an dieser Stelle sei ihnen wahrlich gedankt, dass sie mit Organsisationstalent den weiteren Haufen so gelenkt haben, dass letztendlich alle mehr oder weniger an unserem gelungenen Fest beteiligt sind und sich beteiligt haben, feiern und die die nächsten Nachbarn zwei Stockwerke tiefer sitzen, ist es kein Problem, die Musik etwas lauter zu drehen, den Wein auszupacken und hier ein wenig abzugehen.
Ein wenig ist gut, denn als ich um fünf im Bett liege, schlafe ich zu wummernden Beats und Denis' Gegröhle ein. Dieser und die Mädels sollen noch bis halb neun weiterfeiern.
Uns am heiligen Abend begleiten tun übrigens noch Stefan (weiterer Exil-Deutscher), Jojo, Spätzle, Chenshu und Mini, sodass wir auch hier einen weiteren Beitrag zum interkulturellen Austausch leisten.

Hier nun die Gedichte (bei u.U. ausbleibendem Reim bitte die Betonung etwas verdrehen):

Die Cathrin, die mag Schuhe sehr,

Täglich müssen neue her,

Ob rot, ob gelb, ob blau, ob grün,

Cathrin findet alle schön,

Doch ich hoffe stark für dieses Jahr,

Ist dieses dann dein letztes Paar.

Denn denke nur mal an den Zoll,

Wenn der dich kriegt, das wär nicht toll.


Geschenk: Paar Schuhe (unterschrieben und gestempelt), Kosmetikprodukte


Cappys sind für Luke gemacht,

Fehlt ihm doch die nöt’ge Pracht

An Haaren.

Doch wo Verstand wächst furchtbar schnell,

Ist kein Platz für dichtes Fell.

Drum bitte teil uns mit dein Wissen

Schreib es nieder, ganz beflissen.


Geschenk: Cappy, Füller und Tinte


Unser Thomas mag gern liebkosen und auch schmusen,

große weiche Frauen-Busen.

Doch dieses Mal solltst dich lieber rasieren,

Denn sonst kann es leicht passieren,

Mit ungestutztem Drei-Tag-Bart,

durch viele Stoppeln spitz und hart,

Dir diese Frau beim Schmuse-Akt,

Einfach so in Stücke platzt.


Geschenk: Gummipuppe, nötiges Zubehör, Dessous


Naddel hat in Thailand oder Vietnam,

ihr Herz verloren an einen Mann.

Doch nach diesem Australier,

Folgte gleich ein Terrier.

Leider dieser kleine, süße Mops,

Ihr am Strand ging auch gleich hops.

Drum lieber solltest du aufpasse,

auf diese neue Hunderasse.


Geschenk: motorisierter Ersatz-Hund, Schmuck


Ein Wort verliert er kaum eines,

Sein Leben uns ein Geheimnis,

Drum wissen wir nicht, was für Krach er macht,

Ein lautes Stöhnen mitten in der Nacht.

Und dabei ist gar keine Frau im Hause,

die ihn beglückt, den alten Banause.

Andy, lass dich mal so richtig verwöhnen,

Die Masseurin stört auch nicht dein Stöhnen!


Massage-Gutschein, Hier kommt Herbie-DVD (in Anspielung auf seinen neuen Spitznamen, Erbie)


Aus Denis werde ich nicht schlau,

Alles nimmt er furchtbar genau.

Bis ins kleinste Detail, ganz peinlich,

Nach dem Duschen sehr, sehr reinlich,

Jeden Zeh macht er einzeln trocken,

Sonst passt der Fuß nicht in die Socken.

Nur wenn es geht um abgemachte Zeiten,

Kennt er nicht Genauigkeiten,

Alle hektisch, er ganz gelassen,

Denkt sich, das wird schon passen.

Niemals lässt er sich machen verrückt,

Jedes Mal hat er letztendlich Glück.

Mit deinem Geschenk hat es nichts gemein,

Doch schau doch einfach selber rein.


Geschenk: Jacke, Schnaps


Und in der größten zeitlichen Not,

Schmiert er sich erst einmal ein Brot.

Dann geht er raus, dann rast er,

zu einer Frau, sie studiert Master.

Was sie machen, man nur raten kann,

wahrscheinlich hören sie sich Schlager an.

Oder sie gucken einen Film aus Hollywood,

die findet Arne ganz besonders gut.

Doch an die Frau selbst wagt er sich nicht ran,

treuer Arne, du bist ein Supermann.


Geschenk: Superman-Knetfigur mit seinem Kopf drauf


Philipp, wir waren scharf am Denken,

Was können wir dir bloß noch schenken,

Denn alles, was du kannst gebrauchen,

Gehst am nächsten Tag dir selber kaufen.

Meistens ist es Technologie,

für neue Filme, du führst Regie,

In Fotographie und Layout biste auch genial,

Unsere Homepage, phänomenal.

Ganz gewiss kommt die nächste Preisverleihung,

wie wär’s dann mal mit dieser Kleidung?


Geschenk: Chinesisches Hemd


Ganz allein im fernen Xi’an,

Litt zunächst unser Stefan.

Freunde zunächst Mangelware,

Die Kollegen nicht das Wahre,

Ihm packte auch das Heimweh schon,

da klingelte das Telefon.

Stefan, alter Banaus,

kommst du heute mit uns raus,

Wir wollen kräftig einen heben

Und uns feiern und das Leben.

Und an diesem Tag im Sofitel,

wussten alle ganz ganz schnell,

Der Stefan ist ein guter Mann,

Der jederzeit vorbeikommen kann.


Geschenk: Chinesisches Hemd


Hanna bereitet manchmal Sorgen,

Ist nicht sehr fit am frühen Morgen.

Die Laune ganz tief im Keller,

Sie anzusprechen – böser Fehler.

Doch dies ist nur so zu früher Stund,

Und hält man einfach mal den Mund,

Dann zaubert sich gleich ins Gesicht,

ein Lächeln, das man sich erpicht.

Doch weil das nicht jeden Morgen so sein kann,

Kriegst du, liebe Hanna, heute dies vom Weihnachtsmann.


Geschenk: Morgenmantel, Schmuck


Zu guter letzt hat Philipp mir noch auf die Schnelle gedichtet:

Der Mirko unser Strahlemann

schleppt pausenlos nur Frauen an,

Fast 20.000 Kurznachrichten,

sollten den Erfolg schon richten

Doch einmal hat er sich entschieden

und ist bei einer Frau geblieben,

Mini Mini ist doch klar

ist Mirkos Partystar


Geschenk: Weste, Schnaps

Samstag, 26. Dezember 2009

Tag 300: Abschlussessen.

Ich schlafe in der Nacht maximal eine Stunde, gehe vor dem Weckerklingeln (um sechs) duschen, die letzten Sachen packen und um halb acht sind wir am Flughafen. Wir, weil Thomas und Flo zeitgleich nach Tokio fliegen.
Mein Flug ist mit Stopover in einem Kaff. Also doppelt so lange wie mein Hinflug. Und der Shuttle-Bus zum Glockenturm braucht eine Stunde. Dann brauch ich noch eine Handykarte sowie vielleicht Bananen. Denn gegessen habe ich kaum was. Genauso wie geschlafen. Nach neun Stunden auf den Beinen komm ich zuhause an, freu mich auf mein Bett, darf aber erfahren, dass die Bettruhe nicht von langer Dauer sein wird, weil wir noch einmal mit allen Lehrern essen gehen.
Hier bin ich der einzige mit Cola im Glas, werde dafür verspottet. Ich sage, dass ich nur Schnaps trinke und habe Glück, dass unser Institutsleiter, bekannt für einen gesunden übermäßigen Schnapsdurst nicht anwesend ist. So lässt man mir meine Cola.
Wir bekommen gesagt, dass wir alle sehr gute Prüfungen geschrieben haben, ohne das in Noten auszudrücken. Also bleibt das 'sehr gut' erstmal mit Vorsicht zu genießen, denn was ist hier schon nicht 'sehr gut'?
Das Essen schmeckt zum Glück wieder etwas. Schlafen kann ich dennoch nicht, was aber nich am Magen liegt, sondern viel mehr an der Vorfreude. Denn morgen ist Weihnachten!



Von meinem iPod gesendet

Tag 299: Beijing und Magen.

Letztes Mal habe ich mich an Seidenspinnerraupencocons probiert, dieses Mal an Seafood. Das Ergebnis könnte ähnlicher kaum sein; beides führt zu Magenproblemen und Übelkeit bishin zur letztendlichen Entleerung.
Der Tag beginnt zunächst gut. Frühstück läuft, da das Restaurant noch nicht geöffnet hat, lassen wir uns mal die Nägel machen (ich weiß endlich, wozu die ganzen Werkzeuge aus meinem Maniküre-Set nützlich sind), dann gibt es Essen. Der Sevice ist seines Namens nicht würdig, aber wenn ich so komische Bömmel im Haar tragen müsste, würde ich als Kellnerin auch nicht unbedingt nur lächeln. Obwohl, ich wahrscheinlich schon.
Um fünf, wir gucken DVD, verschwinde ich dann mal im Bad. Unschöne Szenen spielen sich dort ab. Und ab da soll es auch nicht besser werden. Denn jetzt hat Kou Shushen mich zum Essen geladen. Nach zwanzig Minuten Taxifahrt sehe ich immer noch das Gebäude von Thomas, über eine Stunde später bin ich endlich in Houhai, einer netten Barstraße, die sich um einen See schlängelt. Mangels Handys kann ich ihn und Frau nicht von meiner Verspätung in Kenntnis setzen. Aber sie harren aus. Und dann halte ich mich lieber an die Suppe, viel bekomm ich nicht runter. Auch später in einer Bar resignier ich nach drei Schlücken Bier.
Ich fahr dennoch noch mit zu ihm, da er zufällig noch ein altes Handy für mich hat. Es handelt sich um ein viel besseres Modell als jenes, das ich zuvor besaß. Es ist mir unangenehm, dass ich absolut nichts dafür zahlen darf. Ich bekomm noch etwas chinesische Medizin, dann geht es zurück und in die Heia. Morgen früh geht's zurück.


Von meinem iPod gesendet

Tag 298: Billiger geht immer.

Thomas muss heute arbeiten, Flo hingegen hab Urlaub, kennt die Stadt und will einkaufen. Nach dem Mittagessen (Spieße) besteigen wir ein Taxi und verlassen es am Seidenmarkt. Dieseris gespickt mit vielen kleinen Läden, die Kleidungsstücke jeglicher Art zu scheinbar guter Qualität feil bieten. Thomas kommt zweimal im Jahr her und erhandelt sich Anzüge, wurde bisher nie enttäuscht. Neben uns sind noch viele andere Ausländer, zumeist Frauen im Pelsmantel, einen riesigen Koffer hinter sich herziehend. Ob die gar keine Angst vor einer Zollkontrolle haben?
Nun, bisweilen habe ich gedacht, ich wäre nicht so schlecht im Runterhandeln, aber gegen Flo sehe ich aus wie ein dümmlicher Anfänger. So besorgt er sich erst zwei Anzüge, runtergehandelt von je 2000 Yuan auf 250. Die Verkäuferin kennt ihn noch vom letzten Mal und ihre Anrede "My good friend" wandelt sich mit der Zeit. Mit einem zähneknirschenden "F*** you" geht der Deal über die Bühne. So geht es weiter. Einen Pullover bekommt er nicht sofort zum gedachten Preis, er verspricht aber, wiederzukommen und seine Vorstellung durchzusetzen. Anschließend bin ich dran. Ein paar Shirts und ein Pullover sollen es zunächst sein, mit etwas Hilfe bekomme ich die Teile zu gewünschten Preisen, wenngleich ich aus Mitleid zunächst zu schnell hochgehe. Wenn sie sofor annehmen, habe ich etwas falsch gemacht, wenn sich ihre Miene verschlechtert und man als 'tough' bezeichnet wird, is man in der richtigen Richtung, aber erst wenn sie beleidigend oder traurig werden, dann hat man ungefähr den Einkaufspreis erwischt. So ist Flos Leitsatz.
Als nächstes nehm ich eine Jeans in Angriff. Über 1000 Yuan ist das Angebot. Utopisch, da die Marke garantiert nicht echt ist. Allerdings kann man beim Stoff nicht meckern. Mein Anfangsangebot liegt bei 70 Yuan. Wir treffen uns nach zwanzig Minuten, viel Gemecker, gespielten Fluchtversuchen meinerseits und verzweifelten Gesichtsausdrücken seitens der Verkäuferin bei 85 Yuan, wobei ich ihrer Bitte nach 5 Yuan für ein Eis noch nachkomme. Dennoch zahl ich noch weit unte 10 % des Ausgangspreises. In meinen Taschen landen noch ein paar Shirts und ein Schal, bis wir im dritten Stock in der Seidenabteilung landen. 100 Yuan für eine Seidenkrawatte verlangen die. Wir hingegen wollen dafür fünf haben. Kriegen wir nicht im ersten und auch nicht im zweiten Laden, aber im dritten, nachdem wir erzählen, dass wir notfalls auch auf einem anderen Markt suchen. Aber ihre Auswahl an Farben ist nicht so groß oder weist Mängel auf, wir finden nur drei. "Ich such bestimmt nicht bei den anderen Ständen nach anderen Farben!" "Gut, dann kaufen wir nicht." Zwei Minuten später steht sie mit den zwei fehlenden Krawatten wieder im Laden, setzt einen ungläubigen Gesichtsausdruck auf und erklärt, sie müsse über sich selbst lachen. Unsere Verabschiedung erwidert sie mitnichten. Unten widmet Flo sich wieder dem anfangs genannten Pullover. Aber er bekommt bei bestem Willen nicht mehr viel raus. Drum will er dazu noch einen Pullover zu günstigen Konditionen erwerben. Ein ähnliches Modell gab es zuvor für 60 Yuan, er sagt aber, er hätte nur 40 bezahlt. Für den Preis würde die Verkäuferin ihn glatt abkaufen. "Läuft!"
Jetzt folgen ungläubige Blicke, Qualitätskontrollen und Rücksprache mit anderen Verkäufern, dann geht der Deal über die Bühne. Beim anderen Laden wird uns nicht gerade wohlwollend abermals der gleiche Pulli zu vorherigen Preisen verkauft, gleichzeitig heult mich die Nachbarverkäuferin voll, warum ich die Jeans nicht bei ihr gekauft habe. Sie liegt mir in den Armen und da kann ich gar nicht anders, als auch hier noch eine abzukaufen. Mit triumphierenden Schritten geht es vorbei an der 40 Yuan-Käuferin zum Ausgang in ein Taxi.
Wir wollen zu Siemens, Thomas abholen. Da wir aber nicht wissen, über welchen Ring wir fahren müssen, denkt sich der Fahrer, es nicht ganz genau nehmen zu müssen mit dem direkten Weg. Das bemerken wir aber, den Turm sieht man nämlich schon von Weitem und als wir es letztendlich anmerken, wird uns ein Sechstel erstattet.
Spät abends im Club diskutieren wir ein wenig und müssen so nicht 100 Yuan Eintritt zahlen.
Ich habe mich heute förmlich reich gespart, Dreistheit ist manchmal von Vorteil.


Von meinem iPod gesendet

Tag 297: Müdigkeit.

Gegen zwölf wird es unruhig in der Wohnung. Ich habe mich gerade dran gewöht, da öffnet sich die Tür, ich werde gepackt und lande mit einem Ruck auf dem Boden. So begrüßt mich Flo, Thomas einstiger Praktikant bei Siemens in China, gerade aus Moskau angekommen. Er kann es nicht verstehen, dass wir noch schlafen, hat er selber doch größten Hunger und einen großen Appetit auf Fleischspieße. Traumatisier wate ich in die Dusche und wenig später sitze ich beim Willkommensbier und vielen gegrillten Spießen in einem Restaurant. Das Bier ist ganz gut, es übertüncht zunächst meine Müdigkeit.
Vollgefressen machen wir einen langen Verdauungsspaziergang, ziehen um die Häuser und kaufen DVDs. Auf dem Rückweg fällt mir ein Frisör im Untergeschoss des Wohnungskomplex' auf und nachdem ich in der letzten Woche keine Gelegenheit gefunden habe, meine Haare zu kürzen, packe ich sie hier einfach gleich beim Schopfe, im wahrsten Sinne des Wortes.
Voller Magen, viel frische kalte Luft, Restmüdigkeit, ein wenig Bierfülle und eine angenehme Kopfmassage sorgen dafür, dass ich während des Waschens sofort einschlafe. Und zwar sehr tief, denn ich weiß nach dem Wecken zunächst nicht mehr, wo ich eigentlich bin. Der Meister persönlich nimmt sich dann meiner an und schnibbelt an mir rum. Ich bin ein guter Kunde, denn ich halte sehr Still, sind mir die Augen doch schon wieder zugefallen. Man kümmer sich rührend um mich, zieht mir die 80 Yuan (viermal so teuer wie in Xi'An) aus der Tasche und geleitet mich noch ein wenig.
Den Weg in die Wohnung meister ich heute ohne Probleme. Und dann darf ich fünf Stunden durchschlafen, denn auch Flo hat jetzt einen Jetlag. Zum Glück.
Als Mitternachtssnack dienen zur Abwechslung Fleischspieße. Ein Genuss.


Von meinem iPod gesendet

Tag 296: Odyssee durch Beijing.

Heute folge ich Thomas' (nicht unser Thomas, auch nicht Denis' Kumpel, sondern der Thomas, den ich auf Kou Shushens Hochzeit in Tianjin kennengelernt habe) Einladung, ihn in Beijing zu besuchen, da er mir zeigen will, dass die Stadt weit mehr zu bieten hat, als mein Eindruck sagt, der mir beim ersten Besuch im Mai vermittelt wurde.
Er bezieht mit seiner Frau Kircy eine sehr ansehnliche Wohnung irgendwo in der Stadt nicht zu weit von der deutschen Botschaft. In diesem Viertel gibt es wohl mehrere Deutsche, somit auch ein sehr gutes deutsches Restaurant. Bei unserem Abendessen handhaben wir es wie die Chinesene und stellen alle Gerichte in die Mitte des Tisches, damit sich jeder bedienen kann. Ich komme so in den Genuss, während nur einer Mahlzeit Leberkäse, Curry-Wurst, Schnitzel, Schweinebraten, Schweinshaxe, Steak und Lasagne, gereicht zu Bratkartoffeln, Salzkartoffeln, Ei, Spätzle, Rotkohl und Sauerkraut zu essen. Fantastisch.
Anschließend lassen wir uns in das Sanlintuo fahren, einem Bar-Viertel mit Unmengen an Klubs. Und diese Unmengen sollen noch für mein späteres Dilemma verantwortlich sein. Denn zu späterer Stunde tätige ich noch einen Anruf, natürlich auf der Straße, da es dort ruhiger ist. Kurz darauf werde ich von Unbekannt gebeten, ihm zu helfen, indem ich mein Handy kurz für ein Telefonat verleihe. Und ich Trottel bin zu gutgläubig und das wird umgehend in einem unachtsamen Augenblick meinerseits bestraft, denn Unbekannt und mein Mobilfunktelefon sind in den Massen verschwunden.
Ich suche beide noch eine Weile, was abermals bestraft wird, denn nun weiß ich nicht mehr, in welche Bar ich gehöre. Auch hier grase ich ein paar ab, finde aber keinen Thomas. Der sucht mich bestimmt auch schon. Also bleibe ich lieber an einem Ort und setze mich in einer Bar auf ein Sofa. Und da dieses so gemütlich ist und die Zeit schon etwas vorangeschritten, halte ich ein kleines Nickerchen.
Um vier stößt mir etwas rhytmisch gegen den Fuß und zwar der Besen vom Service-Personal. Man macht Feierabend, genau wie die anderen Clubs. Thomas hat mich also nicht gefunden.
Und jetzt erst wird mir bewusst, dass ich nicht nur seine Nummer nicht mehr habe, nein, auch seine Adresse ist nur in einer SMS verankert. Ich frag also ein paar Leute, ob sie vielleicht wüssten, wo ich hingehöre, eine befriedigende Antwort erhalte ich aber nicht, stattdessen viel Mitleid und das Angebot, einfach mitzukommen zu ihr. Aber ich bin nicht auf der Balz. Heute nicht. Für die Zukunft kann man sich die Nummer vom verlorenen Buben aber sicher merken.
Letztendlich fällt mir der Name eines Einkaufszentrums in der Nähe von meinem Schlaf-Asyl wieder ein und der Taxi-Fahrer meint, dieses zu kennen. Ich vertrau ihm. Natürlich kennt er eins dieser Malls, aber nicht das meine. Nach etwas Informationseinholung mittels Telefon hat er dann doch eine Ahnung und die zweite Anlaufstelle ist es dann. Ich bleche dreimal mehr als auf der Hinfahrt.
Nun heißt das aber noch lange nicht, dass ich angekommen bin. Nein, ich muss erst einmal zur Haustür, welche sich im Innenhof des Gebäudekomplexes befindet und durch eine Tür verschlossen. Ich habe Glück, dass zufällig etwas später ein Pärchen kommt, dass die Magnetkarte für diese Tür verloren hat. Die machen nun Radau, bis ein Wachmann herbeieilt.
An der Haustür klingel die Wohnung 1903 an, die Nummer habe ich mir gemerkt. Keine Antwort. Und es ist saukalt da draußen. Das Pärchen kommt wieder vorbei. Ich soll warten, sie holen wieder den Meister. Der schließt uns abermals auf und fährt mit uns Aufzug. Zufällig müssen die beiden auch in Stock 19. Da erst merke ich, dass ich im falschen Gebäude sein muss, denn an der Wohnungstür klebt nicht der schiefe Weihnachtsmann. Auch das Pärchen ist im falschen Gebäude. Der Wachmann begleitet uns weiter ins Nachbargebäude und ich bin richtig. Die beiden ebenso. Nur mit dem Unterschied, dass sie sofort den Schlüssel ins Schloss stecken können, während ih eine Viertel Stunde klopfe, bevor ich erhört werde. Und dann klemmt das Schloss. Zehn Minuten vergehen, bis ih nach unten gehe um den Schlüssel zu erhalten um mal von außen mein Glück zu versuchen. "Häng was großes mit dran!" Rufe ich noch, aber da klirrt es schon irgendwo neben mir. Ein Bund mit drei Schlüsseln muss ich nun finden und es ist noch Nacht. Aber in der Not habe ich Adleraugen.
Als ich oben ankomme, hat sich das Schlossproblem scheinbar von selbst gelöst.
Thomas und ich trinken noch ein Bier auf meine Odyssee und um halb acht trete ich dann auch endlich den Weg ins Land der Träume an.



Von meinem iPod gesendet

Tag 295: Weihnachtsvorfreude in Xi'an.

Mit dem Christentum hat der gemeine Chinese an sich nicht viel am Hut, drum sollte man meinen, dass auch das Weihnachtsfest ihm eigentlich am Allerwertesten vorbeigehen. Und so ist es auch im Grunde genommen: über die Hintergründe, die Geschichte, Bräuche und Rhiten ist er nur mangelhaft aufgeklärt, was auch nicht verwerflich ist, denn ein offizieller Feiertag ist es hier nicht, man geht der Arbeit nach (aber das tut man sowieso fast jeden Tag), Studenten gehen zur Vorlesung und auch Vorgänger unsererseits mussten vor ein paar Jahren am heiligen Abend zu später Stund noch zwei Prüfungen hinter sich bringen.
Ja, all das zeigt, dass Weihnachten nichts besonderes ist, wäre da nicht die Tatsache, dass die Zeit davor so kitschig ist. Denn, so sehr man auch eine Abneigung gegen einen großen Staat aus Nordamerika hegt, so gerne kopiert man dann doch alles was blinkt und glitzert und anmutig erscheint.
So ist es kein Wunder, das noch mehr blinkende Leuchtreklame in den Straßen steht, überall Weihnachtsbäume aufgestellt sind, zumeist nicht in grün sondern in Silbermetallik, in sämtlichen Schaufenster übertrieben viele Weihnachtsmänner kleben, die Service-Kräfte dazu angehalten sind, Weihnachtsmützen oder Engelsflügel zu tragen und alleausgelutschten Festtagslieder laut rauf und runter gespielt werden.
Es ist bisweilen kaum auszuhalten und ich sehne mich bereits jetzt nach dem 27. Dezember, wobei nicht auszuschließen ist, dass der ganze Kitsch ein Ende nimmt, hat man doch eigentlich mit Weihnachten nicht viel am Hut und weiß bestimmt keine zeitlichen Grenzen.
Nun, ich bleibe somit lieber in meiner Wohnung, höre die Weihnachts-CD vom Crazy Frog, stresse die Nachbarn mit der in der Küche immfort blinkenden bunten Lichterkette, bastel meinen Weihnachtsbaum und schneide Figuren für die Krippe aus dem Buch aus, dass meine Mama mir geschickt hat (Bastel-Krippe zum Ausschneiden und Kleben für Kinder ab 5 Jahren).


Von meinem iPod gesendet

Tag 294: Sonne tanken.

Mein Wecker klingelt. Ich habe ihn gestellt, weil ich heute großes vorhabe; ich will meinen Praktikumsbericht, seit Monaten unter 'eigene Dateien' mit eine Fertigstellung von 98 % abgespeichert, zum Abschluss kriegen.
Nach zehn harten Minuten habe ich das letzte Stück, das Inhaltsverzeichnis (brauchte etwas Zeit um die Funktion 'automatisches Verzeichnis' zu finden) eingebaut und die PDF geschrieben. Der Versand braucht wegen des schlechten Internets noch einmal so lange.
Nadine ist auch fertig. Und sie will mal raus. Sonne tanken. Denn die scheint heute bei klarer Luft. Und wo könnte man besser Sonne tanken als auf dem Messegelände im Paulaner Biergarten. Denn da kann man neben Sonnenstrahlen auch noch gutes deftiges Essen und das ein oder andere Glas Cola (wer's glaubt...) aufnehmen.
Nach drei Stunden ist es dann doch nicht mehr so warm, aber vertreiben lassen wir uns davon nicht. Wir sitzen noch drinnen und brechen nach insgesamt fünf Stunden auf Richtung Südtor. Hier essen wir im Lele, einem dreigeschössigen, sehr guten Zechuan-Restaurant, wobei wir zuvor 20 Minuten auf einen Tisch warten. Aber die Wartezeit lohnt sich. Wir befinden uns nun auf der Hinterseite der Hostelbar und denken eigentlich, dass wir durch den Eingang des Hostels hineingelangen. Tun wir aber nicht direkt, da es sich um ein Konkurrenzhostel handelt und man uns nur zähneknirschend das Gebäude durchqueren lässt.
Bei Bambi ist Quiztime, ein paar Ausländer haben es sich zur Aufgabe gemacht, jede Woche in einer anderen Bar den Quizmaster zu spielen und Teams gegeneinander antreten zu lassen. Zwar ha Cathrin gesagt, es sei nicht schwer und uns schon ein paar Fragen, die sie beim letzten Mal aufgeschnappt hat, verraten, aber wir melden uns trotzdem nicht an. Und das ist auch gut so, letztendlich kenn ich nur die Antworten dieser drei Fragen, die anderen 27 sind mir spontan zu amerikalastig. Dafür will der Quizmaster Bambi und Co dazu veanlassen, mich rauszuschmeißen, weil ich mich erdreiste, die Antworten laut auszurufen. Ich erfahre erst später, dass die Teams die Antworten aufschreiben müssen, hatte ja eigentlich nur Mitleid mit ihm, dass keiner auf seine Fragen reagiert.
Um elf Uhr besteigen wir schon ein Taxi. Waren nun auch schon eine gute Zeit nicht mehr im Wohnheim und da macht man sich schon Sorgen.
Für alle, die es interessiert: Die Vergangenheitsform von winken ist: gewinkt!


Von meinem iPod gesendet

Tag 293: Lukas Zaubermaus.

Aufwachen, duschen, rausgehen, Chicken-Burger besorgen und frisch genährt den weiteren Tag planen, das ist mein erstes Vorhaben. Ich komme gerade wieder im Wohnheim an, da verklickert mir Denis, dass wir jetzt ein Fußballspiel haben, kurzfristig angesetzt. Mein Frühstück muss also aus Angst vor Seitenstichen verschoben werden auf unbestimmte Zeit.
Beim Spiel dürfen wir alle ran, auch Lukas, und zwar nicht im Tor, sondern im Sturm darf er wirbeln. Und wie er da wirbelt. Ich hätte nicht gedacht, dass der alte Mann noch einmal so flitzen und seine Gegenspieler schwindelig spielen kann. Die Konsequenz ist ein 4:0 zur Halbzeit. Wegen der Taiqi-Prüfung auf dem Platz wird Hälfte zwei nicht mehr angepfiffen.
Eigentlich dürfte dem Frühstück nichts mehr im Wege stehen. Aber dann laden Philipp und Arne zum Chili-Essen am Abend ein. Und wenn ich mir jetzt was reinschieb... Egal, ich krieg letztendlich alles unter.
Und dann, weil es in der Weihnachtszeit dazugehört, schauen wir noch Kevin allein zuhaus. Und so vergeht wieder ein Tag ohne spektakuläre Ereignisse.


Von meinem iPod gesendet

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohe Festtage!

Es tut mir leid, dass es hier momentan etwas hakt. Die Einträge sind geschrieben, müssen aber noch übertragen werden.
Ich bitte um Entschuldigung und wünsche allen frohe Festtage!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Podcast Nummer 5.

Was? So schnell schon wieder ein Podcast?
Jo, denn in unseren Archiven lagert noch verdammt viel Material.

Also ratzfatz

>>>>>hier klicken<<<<<

und miterleben, was uns bewegt.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Tag 292: Gerädert.

14h37. Mein Handy klingelt. Es ist Denis. Er war letzte Nacht eigentlich genauso lange weg, wie ich, labert aber irgendwas von Frühstück. Ja gut, man kann ja mal aufstehen, sich duschen, frisch machen, das weltweite Netz begutachten. Das geht in einem recht langsamen Tempo, sodass ich eineinhalb Stunden später mal bei Denis klopfe. Es dauert etwas, bis er mir schlaftrunken öffnet. Der Penner. Er weckt mich und schläft selber weiter.
Ich stelle ihm eine Deadline, er hat eine Dreiviertel Stunde, dann treff ich mich mit ihm am Tor, ich muss nämlich noch zur Post und die machen bald Feierabend. Danach landen wir, zusammen mit Thomas, im kleinen Zechuan-Restaurant um die Ecke und bestellen glatt fünf Gerichte für uns drei. Normalerweise reichen pro Person eins, heute gönnen wir uns aber mal richtig was. Wird auch Zeit, seit 19 Stunden nimmt mein Körper maximal Flüssigkeiten auf.
Wir essen glatt eine Stunde lang, da heute alles langsamer läuft, der Kopf ist noch müde und will nicht wirklich arbeiten.
Sonderlich produktiv werden wir auch später nicht mehr. Zum Glück haben wir Sonntag DVDs gekauft, die kommen für den restlichen Abend zum Einsatz.

Tag 291: Längerer Montag.

Das Reinfeiern gestern war eigentlich spontan, Denis hat angekündigt, heute an Hannas Ehrentag zu kochen. Ente, Rotkohl und Knödel. Glücklicherweise fällt ihm um vier Uhr sein Versprechen wieder ein und er geht rechtzeitig einkaufen. Nachdem Thomas zwei halbe Enten schon in essbares Fleisch in Form der Brust (nicht sehr viel) und Fett (sehr viel) separiert hat, darf ich mich auch einmal versuchen und in diesem halben Schwimmvogel rummetzeln. Ich gehe voll darin auf, bin in meinem Element, am Ende aber sehr geknickt bei Betrachtung der Ausbeutung. Drei kleine Brüste für zehn Personen, da muss gut geteilt werden. Zum Glück gibt es noch stopfende Knödel. Verzehrt werden diese dann um halb zehn. Aufgegessen ist dann um zehn. Eigentlich viel zu spät, um jetzt durchzustarten und richtig steil zu gehen, zumal es Hannas Wunsch ist, mal wieder ins KTV zu gehen und zu singen.
Letztendlich landen wir doch in minimierter Zahl dort und vergnügen uns auch widererwarten recht gut. Und recht lange. Ich schlafe zwischendurch mal ein, was auf den weichen Sofas nicht schwer ist und wache irgendwann wieder auf. Da mein Handy keinen Strom mehr hat, weiß ich nicht, wie lange ich weg war, aber anscheinend nicht so lange, denn wir bleiben noch einige Stunden.
Als wir letztendlich den Laden verlassen und ein Taxi nehmen, stehen wir im Stau. Es ist Werktag und da ist das morgens um halb acht so. Am Campus schwimmen wir dann mit einem Strom von Studenten mit, die zur Vorlesung gehen. Die armen.
Nach einigen Telefonaten schließe ich um neun Uhr die Augen.

Tag 290: Langer Sonntag.

Nach einem ruhigen gestrigen Tag kann man heute früh aufstehen, um halb neun, um's genauer zu sagen. Für einen Sonntag nicht schlecht. Aber was fängt man mit so einem Tag an?
Zunächst gehen Denis und ich Bilder drucken. Ein Foto in Standardgröße kostet 1 Yuan, das etwas größere soll aber gleich 3,50 kosten. Also nein, das wollen wir nicht. "Der niedrigste Preis ist 2,50," wird uns dann schnell mitgeteilt, ohne dass wir überhaupt erst angefangen haben zu handeln. Wir kriegen sie auf glatte 2 Yuan runter.
Essen darf sein und eigentlich bräuchten wir mal wieder Schuhe, drum sitzen wir wenig später in einem fahrbaren Untersatz zum Garagenverkauf, in der ein Fälscherschuppen nach dem anderen sitzt und Markenware mit richtigen oder falschen Schriftzügen verkauft, aber keinen Hehl darum macht, dass sämtliches, was man hier erwerben kann, garantiert nicht echt ist. Und so haben sie auch gar kein Argument dafür, warum ich für ein Paar Schuhe 230 Yuan ausgeben soll, wenn sie letztendlich doch auch für 150 Yuan über den Tresen gehen können. Ich gebe dem Paar ein paar Wochen und werde dann wohl feststellen, abermals, dass sich Markenware qualitativ doch bewehrt. Zu den Schuhen gesellen sich noch Socken, Stifte und DVDs in unserem Beutel.
Abends treffen wir uns beim Inder. Öfter mal was neues. Anschließend reagiere ich wieder allergisch, kann aber immer noch nicht ausfindig machen, ob das an bestimmten Gewürzen liegt oder am Bier. Ich hoffe stark auf ersteres.
Der Inder befindet sich bei der großen Wildganspagode in einer Barstraße, sodass es fahrlässig wär, nach Nahrungsaufnahme gleich den Heimweg anzutreten. Zwar werben vor fast jeder Bar Leute mit den Worten "You want bar?" für ihre jeweilige Lokalität, letztendlich betreten wir aber mit der Sunset-Bar die einzige ohne Marktschreier.
Leider gibt es das gute Satobacher-Bier nicht mehr, aber dafür anderes, zu sehr guten Preisen. Es lässt sich theoretisch auf den Sofas lange aushalten, aber dann fängt man an, Musik aufzulegen. Zunächst sehr laut, was sich bei schlechteren Boxen nicht gerade gut anhört, anschließend steigt man schnell auf Schnulzen um. Chinesische Männer sind davon begeistert, weil sie zum Mikro greifen und mitsingen und so ihre ganzen Gefühle zum Ausdruck bringen können, aber für uns ist das nichts.
In Hannas Geburtstag feiern wir also daheim rein, neben einigen Kleinigkeiten bekommt sie von Cathrin und Lukas ihren Traummann in Form eines Kuchens gebacken. Es ist von Vorteil, wenn man mit Cathrin eine Verpackungstechnikerin zur Verfügung hat, die aus einfachsten Dingen Kuchenformen basteln kann.
Es ist recht spät, als ich im Bett lande. Viel gab's heute zu tun und das alles am zweiten Tag der Ferien.