Sonntag, 27. Dezember 2009

Tag 302: Erster Weihnachtsfeiertag - nie mehr 1+1?

Hanna ist der Teufel. Nicht genug, dass sie um drei Uhr an die Türe hämmert, weil es ihr nach einer sauberen Wohnung gelüstet und wir jawohl helfen könnten (wo auch nichts gegen spricht, aber noch nicht in dieser Herrgottsfrühe), nein, als ich dann halb gekleidet oben ankomme, hält sie die Krippe, an der Mini und ich sehr lange geschnibbelt haben, schon zusammengestopft in ihren Händen. "Ist nass geworden, muss ich wegschmeißen!", sagt sie mit hämischer Miene und fiesen, dichtgeschwollenen Augen. Hanna ist der Teufel.
Aus Rache trete ich ihre blöde Wand aus Bierdosen kaputt. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich sie später wieder reudig aufbaue. Meine Krippe hingegen verbleibt im Müllbeutel.
Aber auch Denis und Thomas haben etwas teuflisches an sich. Setzen sie sich doch nur hin und essen den Nudel- und Kartoffelsalat von gestern und fragen, ob es nicht schneller ginge. Ich hingegen trockne ab. Alles.
Ich bin ein Engel. Und Gott wird mich dafür bestimmt belohnen, sagt Mini.
Eigentlich könnte ich anschließend noch eine Tüte Schlaf vertragen. Die ist aber nicht drin, da wir beim Edel-Italiener einen Tisch bestellt haben. Um sieben. Mini, Denis und ich stehen um kurz vor sieben an der Straße und verzweifeln, da heute scheinbar taxifreier Tag ist. Aber als wir ankommen, hat es kaum ein anderer vor uns geschafft.
Das gute daran, zu zweit Essen zu bestellen, ist, dass man sich schnell ein Fünf-Gänge-Menu bestellen kann. So gibt es heute zunächst Bruschetta, anschließend Truthahn-Rocula-Salat mit Blauschimmel-Käse-Soße, gefolgt von Pasta mit Schinken-Pilz-Sauße, den Hauptgang stellt ein Lachs in Alufolie mit Kartoffeln, das ganze wird abgerundet mit einem Tiramisu.
Ein kleiner Tross von uns ist anschließend noch bereit, zu Bambi zu laufen. Auf den Straßen steppt der Bär, Weihnachten feiert jeder gern mit viel Blingbling, Luftballons und Straßen-Essen. Die große Südstraße hält den Menschenmassen scheinbar nicht mehr stand, denn auf dem Weg laufen wir an einem riesigen Krater vorbei. Vielleicht hat man aber auch nur etwas zu hoch gebuddelt beim U-Bahn-Bau.
Bei Bambi ist ebenfalls die Hölle los und die Luft ist nicht die beste, bald sind wir also auch hier raus und schauen nochmal zum 1+1. Das kannste eigentlich schon knicken, da die Schlange davor bedenklich groß ist. Wir kommen trotzdem rein. Mini sowieso, sie kennt da ein paar Leute und will uns dann von drinnen reinschleusen, aber wir haben wenig später auch so Glück. Zumindest bei der ersten Hürde. Die nächste Hürde bildet die rassistische Garderoben-Hexe.Sie sieht es nicht ein, unsere Mäntel anzunehmen, ist schließlich alles voll. Allerdings dürfen andere Chinesen gerne ihre Sachen abgeben. Ich verabscheue diese Frau.
Das nächste Problem besteht darin, Mini wiederzufinden. Wir warten also auf sie, etwas länger, vielleicht etwas zu lange, denn so kommt Philipp auf die blöde Idee, mal zu tanzen. Nach zwei Minuten kommt er wutentbrannt und verzweifelt wieder, denn sein Portmonnaie wurde geklaut. Aus der Vordertasche. Wahnsinn, wie fingerfertig die scheinbar sind.
In der gleichen Zeit sitzen wir aber am Tisch und es geht um die Bestellung der Getränke. Ich warte auf Philipp, dessen Meinung und vor allem dessen Geld. Aber das ist ja jetzt nicht mehr. Also müssen wir die Kellnerin kurz vertrösten.
Kurz ist ihr zu lange. Während jetzt alle in sämtlichen Ecken nach Portmonnaies suchen, Mini findet drei in den Mülleimern der Klos, aber nicht das richtige, stehen Thomas und ich mit unseren Mänteln neben dem DJ-Pult und fallen einigen Security-Männern auf, die gerade ein paar Gäste mit Herkunft aus dem indischen Raum rausschmeißen wollen. Die denken sich, so fern sie dazu fähig sind: "Oh, noch ein paar Ausländer, die fliegen gleich mit!" Und so sind wir wenig später auch vor der Tür. Nur wir beide. Und scheinbar sind wir jetzt auch die Feinde Nummer 1, da wir weiterhin da stehen und jeder andere Ausländer, der rein will, wird erst gefragt, ob er nicht ein Freund von uns ist. Philipp wird nicht fündig in der Stunde, in der wir beide draußen stehen.
Diese Tatsache, die Garderoben-Hexen, wortkarge Security-Trampel und ein Manager, der anscheinend uns raushaben will, aber nicht zu sprechen ist, sorgen dafür, dass wir mit dem Gedanken spielen, diesen Amüsier-Schuppen zu boykottieren.
Das 1+1 ist der Teufel.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen