Es ist ein rüpelhaftes Benehmen, das sich Cathrin heute morgen um sechs Uhr erlaubt. Weckt sie dabei doch nicht nur mich, sondern auch Spätzle, der in Lukes Bett schläft. Als könnte man so früh nicht einfach mal flüstern, nein, man muss allen mitteilen, dass man schon wach ist.
Aber sie hat auch einen Grund, denn es ist wohl das letzte Mal, dass sie sich hier allen mitteilen kann. Denn Cathrin und Lukas haben heute großes vor, sie verlassen uns. Und zwar für viele endgültig, denn wenn sie in fünf Wochen von ihrer Reise durch Thailand, Indien und sonstigen asiatischen Ländern wiederkommen, werden die meisten anderen schon die Biege gemacht haben (während ich auch sie dann noch zehn Tage überlebe bis ich als letzter die Zelte abreiße).
Mit diesem Abschied ist aber nicht nur eine Dezimierung unserer Gruppe besiegelt, nein, vielmehr ist auch klar, dass ich jetzt alleine für den ganzen Haushalt verantwortlich bin. Ich muss alleine entscheiden, wann Putztag ist und ich kann mich nicht mehr entscheiden, ob ich Küche oder Bad mache, nein, ich muss nur noch festsetzen, in welcher Reihenfolge ich das gestalte. Glücklicherweise bin ich aber nicht für Lukas' Zimmer verantwortlich, denn darin türmen sich noch seine Klamotten, die von der Masse seinen großen Rucksack, mit dem er sein Gepäck später aufgeben möchte, vier mal füllen könnten.
Lukas, es war eine schöne Zeit mit dir. Ein guter, zurückhaltender Mitbewohner. Die sechs Putztage, die wir hatten, waren zwar alle allergrößte Eisenbahn, aber sie gingen schnell und reibungslos über die Bühne. Zwar war es nicht immer leicht, dir nahezubringen, das Geschirr doch wenigstens einzuweichen oder dass der Sessel im Wohnzimmer nicht Teil deines Kleiderschranks ist oder dass du das Sieb vom Abfluss während des Wäschewaschens rausnehmen sollst, damit die Flusen nicht den ganzen Fußboden bedecken, andererseits gab es aber auch nie Ansprüche wie Putzplan, Einkaufsliste, dass ich abwasche, nachdem du gekocht hast. Und nie hast du gemurrt, wenn ich etwas zu spät oder zu langsam war, denn meistens warst du noch später oder noch langsamer.
Danke, lieber Lukas.
Während du dich jetzt sonstwo rumtreibst, werde ich die Sau rauslassen, nackend durch die Wohnung tanzen, Frauen noch und nöcher anschleppen und deine Reiseberichte damit locker in den Schatten stellen.
Ich stehe heute übrigens nicht um sechs Uhr auf, um die beiden noch einmal zu verabschieden. Warum auch? Ich sehe sie ja wieder.
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