Freitag, 11. September 2009

Tag 196: Die Küken sind da.

Es ist eigentlich eine Frechheit. Unser einer studiert schon seit über drei Wochen, kam dazu wegen des Praktikums zwei Wochen später in die Ferien und die ganzen neuen Erstsemestler haben bis diese Tage einen faulen Lenz geschoben. Denn sie beginnen erst in dieser Woche. Das aber auch nicht richtig, denn scheinbar gibt es so viel zu klären; zunächst muss sich jeder einer Gesundheitskontrolle via Wärmebild-Kamera unterziehen, dann sich irgendwo melden, den Pavillon seines Instituts suchen, dann wird dort der Studentenausweis rausgesucht (was, sofern sie nach Passbildern suchen, sich als sehr schwierig darstellen dürfte, da Passbilder von Menschen eben diesen Menschen in lebender Form gar nicht mehr gleichen, so blass sind die Antlitze) und ganz wichtig ist natürlich auch der Einzug ins Wohnheim. Es herrscht also ein reges Treiben auf dem Campus und um das alles "angenehmer" zu gestalten, läuft den ganzen Tag durch die Lautsprecher alte Militär-Musik und immer wieder irgendwelche motivierenden Ansagen.
Da die Studenten aber alle gerade mal 18 oder 19 sind, also noch viel zu klein für die große, weite Welt, hängt an jedem Studenten noch ein Elternpaar dran, was die Masse an Menschen, vor allem zu den Stoßzeiten in der Mensa, noch größer macht. Wenn ich da zurückdenke; Meine Begleitung ins neue Heim reichte gerade Mal bis zum Bremer Bahnhof. Da wurde die Türe geöffnet, man sagte mir: "Nun geh!". Ich ging. Den ersten Zug verpasste ich. Den zweiten bestieg ich mit zwei sperrigen, schweren Koffern. Niemand half mir. In Stuttgart kam ich am Bahnhof an. Die S-Bahn. Die Verbindung hatte ich mir zuvor selber rausgesucht. Auf dem Campus irrte ich ein wenig umher, bis ich den Hausmeister fand. Den Weg vom Hausmeister zur Wohnung lief ich alleine. Ich schloss alleine auf. Ich entleerte alleine meinen Koffer. Meine erste Mahlzeit bereitete ich mir selber zu. Ich aß alleine.
Ein paar Tage später wurden mir meine restlichen Sachen gebracht. Vom Bruder. Und der erklärte sich auch nur bereit, weil ich Bier und einen abgefahrenen Road-Trip versprach.
Die chinesischen Studenten hier haben es hingegen gewiss gut.
Was gut an dem Massenaufkommen ist, ist das steigende Sortiment im Supermarkt. Die verkaufen jetzt sämtlichen Schnickschnack für den Einzug, sodass auch unsere Wohnung weiter veredelt wird. Wir haben jetzt endlich wieder ein Licht im Badezimmer, nachdem wir die Ursache für den Ausfall der normalen Lampe noch immer nicht erforscht haben. Und einen Spiegel, einen richtigen. Und Pärchen-Tassen. Eine pinke und eine blaue mit Bärchen drauf für den Kaffee am Morgen. Wir werden uns bei den Farben abwechseln.
Außerdem gehe ich davon aus, dass meine SMS-Box (Stand: 3900 Nachrichten) in den nächsten Wochen und Monaten weiter stark gefüllt wird, sobald die ersten neuen, die uns schließlich noch nicht kennen, ihre Schüchternheit überwunden haben und uns zum Englisch-Lernen nutzen wollen.

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