Dienstag, 29. September 2009

Tag 212: Wehrdienst.

Heute läuft den ganzen Tag das Campus-Radio, aber bei einem Blick aus dem Fenster scheint das Uni-Gelände wie leergefegt. Aber nur scheinbar. Denn bei genauerer Betrachtung sieht man sie doch, die ganzen Erstsemestler, alle in einen Tarnanzug gestopft.
Heute beginnt ihr 14-tägiger Wehrdienst. Dieser ist Pflicht, wenn man studieren will. Auch ist es wohl von Vorteil, in der Partei zu sein. So sichert man die politische Zukunft. Also kreucht und fleucht es heute auf dem Campus nur so umher, bisher noch recht ungeordnet, aber das kann man entschuldigen am ersten Tag.
Nachdem wir mittags über zwei Stunden auf das bestellte Essen vom Inder warten und dann nach anstrengendem Verzehr nochmal das Bett aufsuchen, gehen wir abends mal raus und schauen uns das ganze an. Auf sämtlichen Sportplätzen haben sich die kleinen Trupps, angeführt von einem Zweitsemestler, versammelt, um stramm zu stehen, den Gleichschritt zu üben oder auch mal die ein oder andere Militärparole zu gröhlen. Bei unserer Ehrenrunde über den Sportplatz können sich die noch jungen Soldaten nicht beherrschen und brechen zum Teil in frenetischen Jubel aus. Ist klar, die Erstsemestler kennen uns ja auch noch nicht.
Dann finden wir Spätzle, der auch einen Trupp leitet. Mit dem Handy in der Hand steht er da und lauscht der darauf gespeicherten Musik, stoppt sie kurz und singt sie nach, bzw. vor, da seine Gruppe anschließend auch nachsingt. So geht es am Abend in jedem Bataillon zu. Ich weiß nicht, ob man mit Gesang Kriege gewinnen kann, aber es wäre sicherlich interessant, es rauszufinden.
So ernst nimmt das heute also noch keiner, deshalb wird auch schnell mit dem Gesang aufgehört und wir bringen etwas Deutsch bei, da uns gerade kein schönes Lied einfällt, das wir beibringen könnten. Wir versprechen aber, für morgen eins vorzubereiten und geben Spätzle frei.
Abschließend versammeln sich nochmal alle Trupps und bekommen von irgendeinem hohen Tier etwas mitgeteilt. Wir stehen unter ihnen, fallen mit farbenfrohem T-Shirt und weißem Hut, sowie einer recht hohen Statur zwar auf, werden aber geduldet.
Wir gehen heute Abend nicht aus. Das liegt nicht daran, dass wir schwächeln, weil wir die letzten drei Abende schon steil gegangen sind, sondern einzig und allein an unserer Vernunft und unserer Reife.

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