"Lukas, wie fahren wir heute zur Uni?". "Ja mit Fahrrad, oder?!". "Weiß ich jetzt nicht. Guck mal raus, Alta!". "Ja, regnet doch nicht."
Damit hat Lukas recht. Aber hat er jemals gelernt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen? Gut, streng genommen tut er das gerne mal zu oft, aber heute anscheinend nicht. Und ich bin auch zu schwach, jetzt Widerworte zu finden, will auch nicht als faules Stück darstehen, also sitzen wir wenig später auf dem Drahtesel und kommen trockenend Fußes am alten Campus an. Und sogar mit Luft im Reifen, denn bei den letzten drei Fahrten habe ich zweimal das letzte Stück schieben müssen um dann den kaputten Vorderreifen dort für zwei Yuan flicken zu lassen. Zwei Yuan sind vier Busfahrten.
Natürlich fängt es schon während der ersten Vorlesung an zu regnen. Das ist klar. Denn seit wir aus dem Urlaub zurück sind, fängt es jeden Freitag irgendwann an zu regnen. Und es hört dann sonntags oder montags wieder auf. Aber auf diese Erfahrungswerte legte Lukas heute morgen ja keinen Wert. Und er hat noch immer die Hoffnung, dass sich das bis vier Uhr, also Feierabend, gelegt hat.
Hat es nicht. Stattdessen gleichen die Straßen mal wieder Flüssen (die Bodenversiegelung, hier noch schlimmer, als in Deutschland, wo pro Tag eine Fläche von 100 Fußballfeldern versiegelt wird) und wenn man dann ein Fahrrad ohne Schutzblech besitzt, ist die Fahrt eine Wonne. Man ist also nach wenigen Metern komplett durchnässt, wobei sich in das normale Regenwasser noch viel Staub und kleine Steinchen gemischt haben, was die Kleidung aussehen lässt, wie Sau und in den Haaren ein Gefühl hinterlässt, als hätte man gerade nach einem Peeling-Duschgel anstelle des Shampoos gegriffen.
Zum Shampoo greifen darf dann auch, trotz seiner fatalen Fehleinschätzung des Tages am heutigen morgen, zunächst Lukas. Und das macht er wahrscheinlich einmal öfter, denn solange, wie er das Bad blockiert, kann ich mir sicher sein, eine Erkältung davonzutragen.
Und dabei war es vor drei Wochen noch so heiß.
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