Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 120: Ich werde Theresa wohl nicht heiraten.

Letzter Tag in der Druckvorstufe, nächste Woche sind Lukas und ich zusammen in der Weiterverarbeitung. Diese wird mir heute von den Damen, mit denen ich mich in der letzten Woche dauernd unterhalten hab und deren Namen ich irgendwie noch immer nicht kenne, nicht gerade schmackhaft gemacht. Nur gucken, sehr laut, im zweiten Stock, also verdammt warm, heißt es. Ich sollte maximal eine Woche bleiben und dann bitte dafür plädieren, wieder in der Vorstufe sitzen zu dürfen.
Ich denke, hier habe ich nicht nur einen Platz zwischen ihnen an den Computern sondern auch in ihrem Herzen reserviert.
Wenn ich mich nicht gerade unterhalte, so ist ab dem späten Nachmittag dann SMS-Action rund um Theresa angesagt. Heute würde sie erst um zehn mit der Arbeit beginnen, vorher lädt sie zum Essen. Und das kann man ja mal mitnehmen. Sie müsste also eigentlich wissen, dass ich um sechs Uhr Feierabend habe, dann mit dem Rad entweder nach Hause oder in die Stadt fahre. Sie soll mir lediglich einen Zeitpunkt und den Ort nennen, aber das lässt auf sich warten, bis ich dann auf dem Fahrrad sitze und mal anrufe. Ich versteh sie nicht (Telefonieren ist zwar billig, aber ebenso billig ist oft die Netzqualität) und warte auf ihre SMS. In dieser fragt sie aber nur, wo ich denn gerade sei. Ich erkläre ihr nochmal die Not der Lage, dass es heute 40 °C war und die Luft in den Straßen bestimmt, da gestaut, nochmal heißer ist, sie soll nicht solche Lappalien erfragen sondern sagen, wo es hinginge. Acht Uhr Kentucky Fried Chicken (also richtig gutes Essen...), ist gebongt. Ich kann also erst nach Hause und duschen.
Ich komm trotz angekündigter leichter Verspätung pünktlich und ruf dann nach einer viertel Stunde mal an. Es geht aber keiner ran, stattdessen erhalte die die SMS, dass Madame gerade duscht. Ich solle im Nono-Club warten. Klar, wo sonst.
Dort warte ich dann bei zwei (kostenlosen) Wässerchen und unterhalte mich mit dem Personal. Gute Leute. Diese klären Theresa dann auch auf, dass ich eine Stunde da sitze, was sie gar nicht fassen kann, da es doch erst halb zehn ist, als sie den Laden betritt.
Beim Essen erfahre ich, dass Sonntag ihr Geburtstag sei. Diesmal wirklich. Chinesen hätten anscheinen zwei Geburtstage und der 28.6. sei von ihrer Mutter jetzt bestätigt worden. Wenn Chinesen aber nun zwei Geburtstage haben und sie mir schon vier Daten genannt hat... ist sie dann zwei Personen, also schizophren? Und da stell ich mir das erste Mal die Frage: Handelt es sich im Falle einer (um den Club zu übernehmen angestrebten) Hochzeit um Polygamie und ist somit illegal? Mir kommen nicht zum ersten Mal Zweifel, ob es das ganze wert ist.
Immerhin wird meine vorangegangene Wartezeit damit wettgemacht, dass mir anschließend im Club eine ganze Karaffe Whiskey-Eistee vor die Nase gesetzt wird und ich tatsächlich nichts zahlen muss. Diese hat eigentlich einen stolzen Preis von 300 Yuan, so viel habe ich hier insgesamt noch gar nicht verzehrt, glaube ich. Das Würfelspiel wird wieder ausgepackt, damit schneller getrunken wird. Erst mit ihr, dann mit ihr und ihren Freunden, dann nur noch mit ihren Freunden, da sie für eine Weile weg ist. Ich verstehe mich gerade prächtig mit den zwei Herren, als mein Arm grob angepackt wird und ich von einer wütenden Theresa zum Gehen aufgefordert werde. Ich denke zunächst, der Grund sei, dass ich sie anscheinend nicht ausreichend beachtet hab, aber irgendwie war was mit einer anderen Dame, die nicht ganz freundlicherweise mit einem umgangssprachlichen Wort für 'Prostituierte' betitelt wird. Geschlagen hätte man sich. Oder so. Ich bekomm aber irgendwie keine klare Antwort, wir müssten nur auf irgendwas warten. Klar, gewartet habe ich heute ja auch noch nicht genug.
Nach knapp einer halben Stunde habe ich immer noch keine Aufklärung erhalten und das Warten hat noch immer kein Ende, also zieh ich mal die Notbremse und gehe.
Das ist auch besser so, denn morgen haben wir um halb neun ein Spiel. Um halb neun morgens.
Die sind doch verrückt, die Chinesen.

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