Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 135: Gewonnen und verloren.

Viertelfinale. Starker Gegner. Dennoch gehen wir zweimal in Führung und kommen ins Elfmeterschießen. Lukas hält, was er kann. Ich soll eigentlich den entscheidenden sechsten Elfmeter schießen, aber Schiri sagt, kann man da nicht machen, weil ich vorher schon ausgewechselt war. Ich wette, ihm würde das nie im Leben auffallen, wenn ich auch ein Chinese wäre. Letztendlich ist es aber egal, weil mein Ersatz auch trifft und wir gewinnen. Halbfinale ist angesagt, was aber auch bedeutet, dass abermals ein Freitag nicht zum Ausgehen genutzt werden kann. Aber das soll ja gesund sein.
Unsere Mannschaftskameraden feiern diesen Sieg bereits wie den Titel und hüpfen wie wild aufeinander, bis sie nur noch ein einziger Haufen Chinesen sind. Dass das nicht gut ist, zumindest nicht für alle, zeigt sich dann beim auseinanderpflücken. Unsere Nummer 9 hat wohl etwas zu weit unten gelegen, denn er hat zwischen Oberlippe und Nase eine klaffende Wunde und auch das Kinn ist aufgerissen, das Blut fließt in Schwallen. Nach etwas Untersuchung der Sachlage bilden wir einen kleinen Suchtrupp und finden tatsächlich auf dem Spielfeld seine beiden oberen Schneidezähne, einen samt Wurzel, wieder.
Glücklich wirkt er nicht, der 9er. Aber letztendlich hat er es auch nicht so eilig, den Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen, um zumindest den Cut nähen zu lassen. Oder zum Juwelier, damit er sich eine Zahn-Kette machen lassen kann. Nächste Woche werde ich sehen, was aus ihm geworden ist.
Trotzdem das Spiel um halb neun angepfiffen wurde und um halb elf beendet ist, habe ich mir das Gesicht leicht angebrannt. Der Sonne wegen, die nach zwei Tage Regen mal wieder kommt und mit ihren wärmenden Strahlen für viel Verdunstung des nicht ablaufenden Wassers in der Stadt sorgt. Klimamäßig ist es also wieder sehr schön schwül.
Mit einem kleinen Umweg über das Elektronikgeschäft, die mir zwar ein neues Handy verkaufen, aber sagen, dass ich mit dem Kamera-Blitz-Problem zu einer anderen Filiale gehen solle, geht es zurück ins Wohnheim und erstmal ins Bett.
Abends ziehen wir wiedermal einen Geburtstag vor, nämlich Nadines. Die hat morgen. Und da haben Hanna und Thomas sich sehr gut ins Zeug gelegt. Es gibt Schweinebraten mit Rotkohl und Semmelknödeln (bei denen mir vorgeworfen wird, sie zerstört zu haben, weil ich den ersten zu voreilig ungeformt ins Wasser geschmissen habe). Sehr gelungen, sehr lecker.
Es geht heute zur Abwechslung mal ins Salsa, einer Disco, deren Gäste etwas versnobter sind. Mit Ausnahme des Kellners, der uns die Getränke klaut, die uns unsere 'Freunde' (sie haben uns bei sich sitzen lassen und wir haben uns gegenseitig mit Getränken versorgt, bis sie gegangen sind) uns hinterlassen haben. Natürlich ist es auch besser, die angebrochenen Flaschen wegzukippen, als den Deutschen was zu lassen. Ich mache ihm deutlich, dass er gerne vom Tisch fernbleiben darf und einen anderen schicken darf. Zum Dank räumt er den ganzen Tisch auf, als wir noch einmal tanzen gehen.
Dann kommt es zum weiteren Highlight des Tages, bzw. der Nacht: Straßenessen. Guter Hühnerschenkel, kleingeschnibbelt in ein Brot, das vorher frittiert wird. Fantastisch. Und dann soll das nächste Highlight kommen: Schwimmen. Thomas und ich schleichen extra die ganz große Runde um den Campus herum, geben keinen Mucks von uns und am Schwimmbad ist weit und breit niemand zu sehen. Letztendlich müssen wir dann dem Mond danken, dass sein, von der Sonne reflektierendes Licht (also danke ich streng genommen doch der Sonne, oder einfach beidem) auf dem Wasser abermals reflektiert. Sofern Wasser da ist. Da aber kein Licht reflektiert, können wir leicht schlussfolgern, dass die Banausen das Wasser raus gelassen haben und werden letztendlich vor einem Sprung in Comicmanier mit Landung auf dem harten Beton bewahrt.
Und was macht man dann, wenn der Badespaß nicht befriedigt wird? Man kommt auf ganz tolle Ideen. Man ruft den Herren Papa über Skype an. Natürlich im gut angeheiterten Zustand, aber der merkt das mit Sicherheit nicht. Und die ehrenwerten Großeltern auch nicht.
Es ist wieder hell, als ich mich entschließe, endlich mal schlafen zu gehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen