Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 136: Umtausch ausgeschlossen.

Einerseits kann ich mich glücklich schätzen, wieder im Besitz eines Mobilfunktelefons zu sein. Andererseits ist es aber auch nervig, wenn man eigentlich ausschlafen will, aber schon ab halb zwölf dauernd das Telefon klingelt, weil man hierzulande ja so brav ist und abends nicht ausgeht, sodass man am Sonntag um diese Zeit schon seit vier Stunden wach ist.
LiYuan hat Hunger und lädt mich ein. Nun, das ist keine schlechte Idee, denn bis ich Luke aus seinem komatösen Schlaf geweckt habe, ist schon wieder abends und mein Magen verlangt jetzt schon was. Also geht es in eines der Restaurants vor dem Campus. Denke ich. Und hoffe ich. Denn ich bin noch ziemlich müde. LiYuan hat aber ihre eigenen Pläne und weiß, wo es viel besser schmeckt, nämlich beim alten Campus, also wird erstmal Bus gefahren. Und da schmeckt es tatsächlich gut und mein Magen dankt es mir. Allerdings esse ich, verständlich nach einer langen Nacht, langsam, um den Bauch nicht zu überfordern. Zudem fehlt noch etwas der Appetit. Zumal ihn mir auch der Typ am Nachbartisch etwas raubt. Dieser hat nämlich schon aufgegessen. Und jetzt raucht er unerlässlich. Das ist ja auch ok. Leider mag er den Rauchgeschmack aber scheinbar nicht so. Denn er macht sich den klebrigen Sirup der Cola zunutze, um das auf der Zunge und im Rachen liegende Nikotin daran zu binden. Mit einer Geräuschkulisse, die einem brüllenden Löwen ähnelt, sammelt er dann den Sirup wieder zusammen, spielt mit dem dickflüssigen Klumpen etwas auf der Zunge, um ihn, zur Kugel geformt, gekonnt vorbei an Tischkannte und beiden Beinen zu Boden fallen zu lassen. Diese Prozedur wiederholt er sieben Mal, bis sich zwischen seinen Füßen ein kleiner See, braun und glibberig, gebildet hat. Dann geht er. Mir tut etwas die Dame leid, die sich danach an den Tisch setzt und mit ihren FlipFlops immer schön durch das Speichel-Nikotin-Sirup-Gemisch gleitet.
Ich esse dennoch auf. (Und im Wohnheim dann sogar noch den BigMac, den mir die anderen aufgehoben haben. McDonald's hat hier nämlich eine Lieferfunktion. Das sollte ich mir für die nächsten Kater-Sonntage merken.)
Eigentlich habe ich schon gestern beschlossen, heute mein Handy umzutauschen. Denn das ist einfach zu langsam und funktionell recht kompliziert. Jetzt bin ich eigentlich schon ganz in der Nähe des Ladens, aber natürlich habe ich das Telefon nicht dabei, geschweige denn die Verpackung. Also wird das ganze auf den Abend verschoben. Dort angekommen erkennt man mich natürlich sofort wieder und binde gleich neun Angestellte. Man erklärt mir, dass man das nicht einfach umtauschen könnte. Ich müsste, genau wie mit der Kamera, in die Nähe des Glockenturms. Darauf habe ich aber eigentlich gar keine Lust, also versuche ich, den Verkäufern einfach privat mein Produkt zu verkaufen. Leider ohne Erfolg, sodass mir nichts übrig bleibt, als morgen nach der Arbeit dahinzufahren. Ich nehme aber trotzdem schon mal ein günstiges Gerät mit, gleichen Modells wie Lukas'. Weil ihnen die Sache mit dem Umtausch unangenehm ist, schenken sie mir noch einen Ersatz-Akku. Jetzt habe ich also schon, den vom letzten Telefon mitgezählt, drei Akkumulatoren für ein Handy. Zumindest mit dem Strom sollte ich erstmal keine Probleme mehr haben.

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