Eigentlich stecke ich heute meine Kamera ein, um vom Maschinenpark der Firma ein paar Fotos zu machen, die letztendlich meinen Praktikumsbericht stopfen sollen. Dieser soll nämlich zehn Seiten umfassen. Auf Chinesisch. Das ist doch bekloppt.
Glücklicherweise ist der Akku gut geladen und die Speicherkarte ist leer, denn sobald die fotosüchtigen Chinesen das Bildaufnahme-Gerät aus Japan erblicken, ist eine regelrechte Hysterie ausgelöst. Die Arbeit wird spontan niedergelegt und jeder möchte sein eigenes Bild mit den tollen Hechten aus dem Ausland machen. Zudem werden die Maschinen abgestellt, damit wir besser auf ihnen posieren können.
Zwischendurch werde ich stets um die Speicherkarte gebeten, damit die ersten Bilder auf die Firmen-PCs gezogen werden können. Dafür muss der Abteilungsleiter der Weiterverarbeitung sogar sein Strategie-Spiel unterbrechen, das er gerne und häufig zum Arbeitszeitvertreib spielt.
Die Zeit bis zum Mittag ist damit wie im Flug vergangen und auch danach geht es gut weiter. In der Vorstufe überlässt eine Kollegin einer Kundin ihren Computer, die jetzt die ganze Arbeit macht. Somit langweilt sie sich auch nur und ist sehr daran interessiert, mit uns viel Mist zu reden und Quatsch zu machen. Beim Anschauen der Kamera fällt ihr dann ein Hawaii-Hemd auf, das wir Sonntag fotografiert haben, da wir uns momentan nichts sehnlicher wünschen, als ein kitschig buntes, bequemes Sommerhemd. Sie bietet uns an, am Sonntag mit uns auf die Suche nach einem solchen edlen Stoff zu machen. Nach drei Stunden dort ist mal wieder etwas Fotosession angesagt, dann sollen wir uns noch auf den Sesseln ausruhen und dann ist es auch schon sechs Uhr. Feierabend.
Schneller vergingen die neun Stunden in der Firma bislang an keinem Tag. Morgen sollte ich auf keinen Fall die Kamera vergessen.
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