Erstaunlich fit geht es aus den Federn, reibungslos und ohne etwas vergessen zu haben zum Spiel, unkompliziert gewinnen wir das ganze 4:2 und stehen unerwartet im Viertelfinale. Dann geht es zurück, Essen wird aus der Mensa per Tüte mitgenommen, nach dem ersten Duschen verzehrt, anschließend muss kurz geruht werden. Das ist sehr wichtig, denn nur so kann man den eigenen Körper beschummeln und ihm weiß machen, dass ein neuer Tag angebrochen ist und man wieder ein Fußballspiel hat. Da fahren wir sogar mit Rad hin. Und wir gewinnen wieder. Locker, flockig 3:0. Irgendwas läuft anders, das ist alles so unkompliziert und erstaunlich pünktlich. Dann die gleiche Prozedur: Essen, duschen, schlafen.
Trotz zweier zwischendurch eingeführten Ruhephasen wollen wir am Abend noch nicht so fit werden. Zu dritt sitze ich mit Lukas und Thomas da, redend, ein wenig Flüssigkeit aufnehmend und vor allem darauf wartend, dass der erste sagt, dass das mit dem Abendprogramm heute wohl keinen Sinn hat. Aber keiner sagt es. Jeder weiß, dass der andere eigentlich viel zu müde ist, aber dennoch will keiner den ersten Schritt machen. Und dann geht es gen Mitternacht tatsächlich noch raus, Richtung 1+1. Draußen sehen wir, dass bei Fu, der illegalerweise zurzeit mit der Freundin in der leerstehenden Wohnung lebt, noch Licht brennt. Und weil es alleine schon so gut mit dem Taxi passt, rufen wir ihn kurz raus und die beiden begleiten uns tatsächlich. Ob sie wissen, auf was sie sich einlassen? Mit zwei Taxis erreichen wir den Club, er ist voller denn je, da dieses Wochenende Michael Jackson-Wochenende ist. Komischerweise läuft nicht einmal seine Musik. Ob man hier auch nur versucht, Profit aus dessen Ableben zu schlagen, wie es, laut Bild-Zeitung, alles momentan zu tun gedenken?
Ich denke eigentlich, dass es sich um zwölf Flaschen Bier handeln würde, wenn ich auf den Preis von 240 Yuan tippe (ein Bier kostet schon alleine 30 Yuan). Letztendlich kriegen wir für den Preis aber doch gleich 24 Flaschen. Ein ganzes Stück Arbeit für 3,5 Trinker, aber da muss man durch. Aber wir schaffen es nicht. Schließlich will noch getanzt werden und, ganz wichtig in einer Disco, geschlafen. Ich lass nämlich ab nach drei die Musik einfach mal Musik sein und den Tresen Kopfkissen und schlafe ungehindert über eine Stunde. Als ich erwache, sehe ich, dass Fus Freundin es mir nachgemacht hat, während sich Lukas und Thomas eine halbe Flasche Whisky ergaunern konnten. Mit den beiden komm ich heute also nicht mehr weit, und somit fahre ich mit Fu und der Dame schon mal vor.
Erwachen tu ich eine halbe Stunde nach meiner Ankunft durch einen Strahl kühlen Wassers in mein Gesicht, denn leider haben Luke und Thomas die Wasserpistole, mit der wir eigentlich nur auf andere Mitbewohner oder auf die Kinder im Hof schießen, sobald sie laut sind. Das ist aber gar nicht schlimm, denn so komme ich noch in den wunderbaren Genuss von Thomas' Nudelsalat. Zudem rufen wir noch LiuRong und LiYuan an, die sich allerdings nicht wirklich an der Idee, jetzt schwimmen zu gehen, erfreuen können. Und auch wir müssen diese Idee verfallen lassen, da in China die Uhren nun mal anders ticken und es ab fünf Uhr draußen furchtbar hell ist.
Der aufmerksame Leser wird merken, dass der Titel nichts mit dem Text zu tun zu haben scheint. Und das ist auch so.
Von Theresa bekomm ich heute übrigens zu hören, dass ich kein guter Freund bin. Schließlich komm ich sie nicht besuchen, sondern ziehe es vor, mich woanders zu amüsieren. Allerdings brauch ich da kein schlechtes Gewissen haben, denn auch sie schaut sich bestimmt nicht ausschließlich unsere Printprodukte an.
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