Montag, 8. Februar 2010

Tag 342: Im Winter sind alle Städte grau.

Qingdao galt für mich seit meinem letzten Aufenthalt als eine chinesische Stadt, die nicht gerade chinesisch ist; die Bauten nicht so hoch, man legt Wert auf Parks und Grünflächen, Staub wird dank des angrenzenden Meeres schnell zurück ins Landesinnere getrieben.

Aber im Winter ist hier alles anders. Die Stadt hat bei Weitem nicht mehr die Ausstrahlung, die sie in warmen Tagen hat: Zunächst sind mir gestern auf dem Weg vom Flughafen zum Hostel die ganzen heruntergekommenen Wohnungskomplexe aufgefallen, oftmals Hochbauten, es liegt ziemlich viel Staub in der Luft und Parks sind bei weitem nicht mehr grün, da alle Blätter an Laub verloren haben und der Boden nicht mehr aus Gras sondern unfruchtbarem Sand besteht.

Das ganze sehen wir heute auf unserem Weg durch die Stadt, der uns erst zum Bahnhof treibt. Hier wollen wir Tickets für den morgigen Zug nach Beijing kaufen, aber allein schon der Zutritt zum Bahnhofsvorplatz erweist sich als schwierig, da dieser fast komplett eingezäunt ist und wir nach einigem Marsch entlang des Zaunes erst durch das Übersteigen dieses betreten können. Danach fahren wir zum Fernsehturm. Hier ist die Aussicht laut Hostel-Information sehr gut. Allerdings ist nicht viel los und man wappnet sich erst für die nächste Saison, somit sind auch die Scheiben noch nicht geputzt, was in Verbindung mit dem Staub in der Luft die Sicht recht kümmerlich erscheinen lässt. Und auch alles, was auf dem 3D-Stadtplan der Stadt grün eingezeichnet ist, ist von oben nur noch graubräunlich zu sehen. Als wir wieder unten sind, merken wir, dass rein gar nichts los ist, also auch keine Verkehrsanbindung an die Stadt, obwohl sich der Turm inmitten dieser, jedoch auf einen Berg, der nur über eine Serpentinen-Straße zu erreichen ist, befindet. Wir laufen also durch die Wälder, irgendwann durch den bekannten ZhongShan-Park, in dem sich Karussels aus den fünfziger Jahren befinden und irgendwann an eine Straße. Da besteigen wir ein Taxi und landen wieder in der Bierstraße. Es wundert mich, dass der Taxifahrer mich gleich fragt, ob wir zum Biermuseum wollten. Denn diesen Ausdruck habe ich damals benutzt und der blöde Fahrer von einst hat mich ans andere Ende der Stadt zur neuen Brauerei gebracht.

Es ist halb fünf und eigentlich sind schon Ketten an der Tür, man öffnet aber noch mal für uns. Natürlich könnten wir noch rein, allerdings sei ein Bereich schon geschlossen. Dieser sei nicht toll, werden wir entschuldigt, aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich mich damals in jenem am längsten aufgehalten habe.

Viel ist nicht los, man geizt auch abermals, trotzdem wir die letzten sind, mit dem Freibier und sogar mit dem bezahlten Bier, weil man gerne möglichst eine halbe Stunde früher Feierabend möchte.

Und so kommt es, dass wir abermals am frühen Abend im Hostel sitzen, die Angestellten etwas Unterhaltung liefern, uns mit Nudelsuppen warm und satthalten und früh im Bett landen.

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