Donnerstag, 18. Februar 2010

Tag 352: Es liegt was in der Luft.

Und zwar viel Schwarzpulver. Den ganzen Tag ballern die heute schon rum. Und das mit Feuerwerkskörpern, die Sprengladungen gleichen, von denen jeder leiseste lauter ist, als alles, was in Deutschland zulässig ist. Oft schau ich aus dem Fenster, da ich annehme, dass jemand im Hof was starten lässt, stelle dann aber fest, dass das Geknalle von sehr weit weg kommt.
Mini sagt, wir sollten lieber nicht rausgehen. Ist gefährlich. Wir können abfackeln. Aber wir müssen ja auch nicht raus. Stattdessen machen wir einen auf chinesische Familie, essen die vorgekochten Spezialitäten (die auch sehr gut schmecken), ein paar Hühnerfüße und das ganze vorm Fernseher, wo mal wieder eine der typischen chinesischen Shows läuft: Einer tollen Tanzeinlage folgt ein Lied, dann kommt ein Sketch, bevor ein paar Armee-Leute auftreten und in Gesangsform erklären, wie toll das Land doch ist, anschließend folgt eine Gesangs- und Tanzkombo, in der sich alle Minderheiten einmal vorstellen dürfen. Sehr patriotistisch angehaucht, das ganze und zum Teil langweilig, aber das ist nunmal Tradition. Da die Show um Mitternacht noch nicht vorbei ist, aber anscheinend auch keiner auf die Uhr guckt, ist das neue chinesische Jahr auf einmal unbemerkt da. Letztendlich doch recht unspektakulär, denn draußen wird es zwar für ein paar Minuten noch einmal richtig laut, dann geht man aber traditionell ins Haus und macht Jiaozi oder spielt Mahjiong. Wir haben weder das eine, noch das andere da, gehen also mal vor die Tür, wollen ins 1+1.
Die Torwächter scheinen richtig Spaß an diesem Fest zu haben. Sie sitzen wie üblich in ihrer schlecht isolierten Kajüte, in ihre Jacken gehüllt, schlafen auf dem Tisch. Der Heizstrahler kämpft vergebens. Einer ist dazu abkommandiert, das Polizei-Mobil, ein Golf-Wagen, vom Schnee zu befreien. Ich misch mich nicht ein, finde aber, dass es nicht die beste Idee ist, das ganze mit einem Wasserschlauch zu machen, wo es doch am frieren ist.
Wir wünschen ein frohes neues Jahr, hoffen dabei, nicht sarkastisch zu klingen, und gehen weiter. Das 1+1 ist ziemlich voll, Tische gibt es kaum noch und wenn doch, dann zu viel überteuerten Preisen. Es wird einem auch nicht das zweite Packen Bier geschenkt, wenn man das erste kauft. Ist Feiertag. Außerdem habe ich stark damit zu tun, die ganzen Hände der Anwerber von Minis gefragtem Hinterteil fernzuhalten, sodass wir nach zehn Minuten schon die Flucht ergreifen und bei Bambi landen.
Hier bemitleidet man sich selbst, dass man nicht bei der Familie sein kann, sondern arbeiten muss. Ausgelassene Stimmung ist anders.
Das ist es dann also, das chinesische Silvester. Da kenn ich bessere.

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