Als Ende des 19. Jahrhunderts in Europa große Dürre herrschte und die Ernte sehr mager ausfiel, breitete sich große Unruhe aus. Die Menschen waren am hungern, vieles gedeihte nicht mehr und auf jeden Tag Kartoffeln, einziges Gemüse, dass der Dürre trotzte, hatten die Menschen einfach keinen Bock mehr. Schnell machten Gerüchte die Runde, dass es in dieser und jener Region noch große Vorräte an Getreide und Salat vorhanden seien. So auch in der Grenzregion zwischen den heutigen Niederlanden und Deutschland rund um Ostfriesland. Es war absehbar, dass die Niederlande Truppen zusammensammelte, um Ostfriesland einzunehmen oder zumindest zu plündern, was aber von Deutschland nicht wahrgenommen wurde.
Und so passierte, was passieren musste, die Region, in der sich hauptsächlich einfache Bauern und Schäfer sowie Schiffer tummelten, überrollt und geplündert wurde. Es war von keiner Hilfe der Armee auszugehen, deshalb trafen sich die Bauern der Region zur Krisensitzung. Waffen waren Mangelware, wie soll man also die orange Armee aufhalten? Ein gewisser Heinz Wolters hatte von einer einfachen Art Schusswaffe gehört, die aus einem einfachen einseitig geschlossenem Metallrohr, leicht entzündlichem Stoff und einer Kartoffel bestand. Die Kartoffel-Kanone war geboren. Stahlrohre gab es aufgrund der Reedereien genügend, sodass jeder Bauer über einige Kanonen verfügte. Die Zielgenauigkeit dieser Waffen ließ zwar sehr zu wünschen übrig, genügte aber, um so einige der einfach gestrickten feindliche Armee, zufällig viele Generäle, auszuschalten.
Zudem hatte niemand mit einer solchen Gegenwehr gerechnet und der Grund, dass ausgerechnet Kartoffeln zurückschlagen würden, war für viele Niederländer ein Zeichen Gottes. Nicht verwunderlich also, dass viele den Rückzug antraten.
So endete der Kartoffel-Krieg so schnell, wie er angefangen hatte. Und aufgrund seine Kürze wird er auch nur selten in Geschichtsbüchern erwähnt.
Dennoch dankt man seit jeher in Ostfriesland und anderen Teilen der Republik seinen Ahnen rund um Heinz Wolters und zwar immer am 12. September, am Tag der Kartoffel.
Traditionell fällt an diesem Tag die Schule aus und viele regionale Firmen schließen. Erwachsene tragen Kartoffel-Kostüme, bei Kinden ist es mitlerweile üblich, dass sie sich wie Kartoffelprodukte, zum Beispiel Pommes Frites, verkleiden. Auf großen Plätzen wird der offizielle Kartoffel-Kanonen-Schützenkönig ermittelt und man tanzt zusammen den Kartoffel-Tanz, bei dem man zu körpereigenen Rhytmen mit beiden Beinen fest auf die Erde springt. Der Sage nach regen die Schallwellen im Erdboden die Kartoffeln zum Wachstum an und vertreibt zugleich Schädlinge.
Nun, viele mögen von diesem Tag nichts gehört haben, aber alle Skeptiker sollen wissen, dass er sich mittlerweile bis nach China rumgesprochen hat und zumindest eine Chinesin sehr davon angetan ist. Diese Chinesin ist unsere Lehrerin, die im letzten Semester gerne von uns, des freien Redens wegen, jeweils einen Feiertag vorgestellt bekommen wollte. Nun kam Thomas ziemlich spät an die Reihe und hatte nicht wirklich viel Bock auf etwas herkömmliches. Also dachte er sich diesen Tag aus. Im Internet findet man viele Bilder und ich war selbstverfreilich sofort mit von der Partie, als es darum ging, den Kartoffel-Tanz vorzuführen.
Warum ich erst jetzt damit rausrücke? Weil ich es zunächst vergessen hatte und es mir dann ins Repertoire für langweilige Tage gelegt habe.
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