In China ist man gerne darauf getrimmt, das zu tun, was einem befohlen wird. Und zwar nur das. Selten darf man weiterdenken und erst recht nicht weiterhandeln. Natürlich darf man das nicht pauschalisieren, aber oftmals fällt es schon bei den leichtesten Dingen auf.
Ich will dies an ein paar Beispielen festmachen.
Beispiel Apotheke:
Torben wollte vorgestern eine Packung Aspirin kaufen. In der Apotheke ist zu der Zeit nur eine Dame anwesend, was sehr verwunderlich ist, kommen auf einen Kunden doch sonst ein Vielfaches von Angestellten. Nun steht die Dame gerade hinter der Kasse am Eingang der Apotheke. Torben möchte bestellen, doch er wird darauf hingewiesen, dass er nach hinten gehen soll. Als er da ankommt, folgt ihm die Dame und ist nun bereit, seine Bestellung aufzunehmen. Dass das dauert, ist natürlich klar, da Torben kein Chinesisch kann und lediglich eine leere Packung Aspirin dabei hat, eine deutsche Packung. Aber sie werden gemeinsam fündig. Die Dame schreibt ihm ein paar Zettel, drückt ihm die in die Hand, jedoch noch nicht die Medizin. Sie deutet ihm an, zur Kasse zu gehen. Während er wieder rüberwandert, flitzt die Dame hinter den Tresen ebenso dorthin, schaut sich seine Quittungen an, rechnet den Preis aus, kassiert das Geld ein und stempelt die Quittungen ab. Torben bekommt Restgeld und Quittungen und wird gebeten, wieder nach hinten zu gehen. Hier drückt er derselben Dame wieder die eben ausgestellten Quittungen in die Hand. Sie begutachtet diese, greift ins Regal und holt die Aspirin hervor. Jetzt stempelt sie abermals die Quittungen ab und drückt ihm alles in die Hand. Jetzt darf Torben gehen.
Beispiel Reinigungsfachkräfte im Mehrfamilienhaus:
Ich darf heute erfahren, wie Reinigungsfachkräfte so ticken. Nachdem ich gestern bei Thomas angekommen bin, war mein Koffer vom Schnee und Straßenschmutz recht dreckig und die Rollen und der Schnee taute jetzt im 19. Stock seines Hauses. Um nichts schmutzig zu machen, öffne ich vor der Tür diesen Koffer und hole den kleinen mit meinen Klamotten raus. Den großen will ich für ein paar Stunden trocknen lassen und ggf. vorm Schlafengehen reinholen, allerdings erwarte ich bei den Sicherheitsvorkehrungen (Eingang zum Innenhof, Magnetkarte erforderlich, genau wie für das Haus selber) nicht, dass desnachts jemand jeden Stock nach Wertgegenständen absucht, zumal auch genügend Fahrräder da stehen, die nicht angeschlossen sind. Heute Mittag will ich mit Kou etwas essen gehen und auf dem Rückweg fällt mir auf, dass etwas fehlt. Richtig. Mein Koffer. Und mit ihm mein großer Rucksack plus mein Sack mit Socken. Fahrräder oder sonstwas stehen aber noch an Ort und Stelle. Ich bitte Kircy, Thomas' Frau, doch mal bitte bei der Wohnungsgesellschaft anzurufen. Kurze Zeit später drückt mir eine Reinigungsfachkraft meinen Koffer wieder in die Hand. Scheinbar sind sie dazu angehalten, alles, was auf dem Flur steht und keinem Fahrrad gleicht, als Müll zu identifizieren und wegzuräumen. Nun, streng genommen hat mein Koffer aber auch zwei Rollen. Und nach Müll sieht der nicht aus, ist ja fast neu. Und in gutem Zustand.
Beispiel Mauerfeger:
Gestern auf der Mauer waren einige Menschen am Werkeln, um den Weg für die Touristen sicherer zu gestalten. Von oben machen es zwei richtig, der erste räumt den Schnee zumindest am Rand, wo das Geländer zum Festhalten ist, mit einer Schaufel weg, der zweite streut Kies. Von unten kommt aber nun ein reiner Feger, der mit seinem Besen nur darauf bedacht ist, die Mitte der Stufen freizufegen, sodass nun am Rand ein großer Haufen entsteht. Aber ihm wurde nur befohlen: Fegen. Dass es besser ist, von oben nach unten zu fegen, da man andersrum die gerade gefegten Stufen wieder mit Schnee von oben bestreut, das weiß er nicht. Und ich hätte gerne gesehen, was passiert, als sich beide Einheiten irgendwann treffen. Dann fegt der Feger von unten wieder den Schnee von der Mitte auf die gerade gestreute Stelle und der Streuer und Schipper machen wieder die Mitten dicht.
Mir fallen bestimmt noch mehr Beispiele ein, aber nicht für den Moment.
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