Montag, 22. Februar 2010

Tag 357: Erstmal ankommen.

Nach knapp einem Jahr, so dachte ich, sollte sich doch einiges verändert haben und ich müsste mich erstmal wieder einleben. Das hat sich nach zwei Minuten eigentlich erledigt. Es hat sich scheinbar nichts getan, die Pflanzen sehen nicht größer aus, der Kater ist weiterhin fett, an Möbeln wurde nichts in keinster Weise verrückt und ich meine auch, dass das Weizenbierglas neben der Spühle da steht seitdem ich das Land verlassen habe.
Auch in meinem Zimmer hat sich nichts getan, außer, dass auf dem Schreibtisch ein Stapel belangloser Post lagert.
Aber schön ist, dass sich so einiges nicht geändert hat. So bekomm ich zum Frühstück guten Latte Macchiato, frische Brötchen, guten Käse, Mett... und im Radio läuft auch wesentlich bessere Mainstream-Musik als im chinesischen.
So vergeht der Tag wenig spektakulär. Auch an den Zeitunterschied muss ich mich nach guter Vorbereitung nicht gewöhnen, ich schlafe gesunde sieben Stunden durch und bin zu normalen Zeiten wach. Abends bin ich auch nicht zu müde.
Jetzt könnte man also eigentlich was unternehmen. Und jetzt bemerke ich, dass ich mich doch wieder an etwas gewöhnen muss: Ich lebe hier aufm Dorf, habe keine Busanbindung in die Stadt und als ich mich nach draußen an die Straße stelle und auf ein Taxi warte, das mich für zwei Euro in die Stadt bringt, erfriere ich fast. Nein, die Spontanität, mit der ich in China gelebt habe, ist hier nicht mehr von Vorteil. Ab jetzt heißt es wieder: Mittags bereits überlegen, ob man abends raus will, dann Freunde anrufen (zu teuren Preisen) und einen Fahrer auserkehren.
Und eigentlich geht mir das schon auf den Geist.

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