Heute will ich nicht aus dem Haus. Und das hat nicht den Grund, dass es mir nicht gut geht, weil es gestern zu lange ging oder so, nein, es ist meine Nase, die mich stört. Denn dort hat sich über Nacht ein Pickel gebildet. Und das, obwohl ich gestern noch in den Spiegel schaute und mir dachte: Mensch, hast du ein Glück, dass du schon lange keinen Pickel mehr auf der Nase hattest. Ich glaube, es gibt keinen hässlicheren Ort für eine Hautunreinheit, als die Nasenspitze. Dennoch spielt mein Körper mir gerne mal einen Streit, denn jedes Mal, wenn ich über mein Glück nachdachte, dass meine Knollnase lange Zeit verschont geblieben ist, durfte ich am nächsten Tag leiden. Und das ist in der Tat so.
Außerdem reagiere ich auf irgendwas allergisch, mein Gesicht ist rot und brennt. Nein, heute kann ich nicht vor die Tür. Ich bleibe im Bett liegen, muss von hier mittels Telefon unseren Captain enttäuschen, dass ich nicht kann, was aber nicht so schlimm ist, denn eigentlich bräuchte man nur Lukas, aber der will auch nicht, oder er kann nicht. Ich ernähre mich auch nur bedingt, warte bis zum Abendgrauen und bestell dann mit den anderen beim Inder. Zwar muss ich zum Abholen dieses raus, aber da ist es ja schon dunkel, man sieht mich also nicht.
Das ist aber mein einziger Ausflug, den Rest des Tages verbringe ich mit Lesen, Filmen und Helikopter-Flügen. Ein erholsamer Ferieneinstieg, vielleicht sollte ich meiner Nase letztendlich doch dankbar sein.
Sonntag, 13. Dezember 2009
Tag 288: Prüfungsende.
Wir haben es geschafft. Offiziell dürften wir jetzt unsere Lager abbrechen und in die Heimat reisen, denn heute schreiben wir unsere letzte Prüfung. Die hat es noch einmal in sich, denn trotz guter Vorbereitung oder gerade wegen dieser brauche ich über zweieinhalb der drei angedachten Stunden, obwohl ich eigentlich nicht viel überlegen oder suchen müsste, ich schreibe die Zeit über durch, selbst unsere Schnellschreibkönige Arne und Nadine sind nur knapp vor mir fertig.
Eigentlich sind für heute auch zwei Aufpasser für uns abgestellt, aber wie der Zufall es so will, müssen scheinbar beide gleichzeitig auf die Toilette. Ich habe das Gefühl, man möchte eigentlich nicht so wirklich, dass jemand von uns nicht besteht.
In den letzten Tagen haben wir uns gedacht, dass dieses Prüfungsende richtig begossen werden müsste. Wir sollten mal wieder richtig ausrasten und trinken bis zum Erbrechen. Also trinken wir anschließend ein Bier. Und dann geht's richtig los. Nach Hause und erst einmal kurz anruhen. Dann ist aber leider der Nachmittag schon verschlafen, der Schweinebraten braucht drei Stunden länger, als angedacht und als wir dann anfangen wollen, uns so richtig einen hinter die Birne zu kippen, ist die Motivation eigentlich schon verschwunden. So werden unsere Neuerwerbungen aus dem Schnapsladen, bei dem wir übrigens das erste Mal nach dem Erwerb unserer Kundenkarte wieder sind, nur bedingt angerührt, bei Bambi und im Salsa geht es auch nur halbherzig zur Sache.
Aber das ist ja egal, denn jetzt heißt es schließlich: Drei Monate Ferien. Und da gibt es wahrscheinlich genügend Zeit, unser Prüfungsende nachträglich zu begießen.
Eigentlich sind für heute auch zwei Aufpasser für uns abgestellt, aber wie der Zufall es so will, müssen scheinbar beide gleichzeitig auf die Toilette. Ich habe das Gefühl, man möchte eigentlich nicht so wirklich, dass jemand von uns nicht besteht.
In den letzten Tagen haben wir uns gedacht, dass dieses Prüfungsende richtig begossen werden müsste. Wir sollten mal wieder richtig ausrasten und trinken bis zum Erbrechen. Also trinken wir anschließend ein Bier. Und dann geht's richtig los. Nach Hause und erst einmal kurz anruhen. Dann ist aber leider der Nachmittag schon verschlafen, der Schweinebraten braucht drei Stunden länger, als angedacht und als wir dann anfangen wollen, uns so richtig einen hinter die Birne zu kippen, ist die Motivation eigentlich schon verschwunden. So werden unsere Neuerwerbungen aus dem Schnapsladen, bei dem wir übrigens das erste Mal nach dem Erwerb unserer Kundenkarte wieder sind, nur bedingt angerührt, bei Bambi und im Salsa geht es auch nur halbherzig zur Sache.
Aber das ist ja egal, denn jetzt heißt es schließlich: Drei Monate Ferien. Und da gibt es wahrscheinlich genügend Zeit, unser Prüfungsende nachträglich zu begießen.
Samstag, 12. Dezember 2009
Tag 287: Unser Weihnachtsbaum.
Zwar ist heute die Zeit knapp, der Prüfungsstress lässt nicht viel zu, dennoch möchten wir feierlich, bereits genau zwei Wochen vor Weihnachten, unseren Weihnachtsbaum einweihen.
Und an dieser Stelle sei ich ausdrücklich selbst gelobt. War ich es doch, der bereits wenige Tage nach unserer Ankunft alle dazu aufgefordert hat, Dosen weder einfach wegzuschmeißen, noch sie als Aschenbecher zu missbrauchen, noch sie zu zerstören, sondern sie zu sammeln. Und habe ich doch oft und gerne für Nachschub gesorgt und diesen kurz darauf selber vernichtet. Und oft habe ich den meiner Kommilitonen zu spüren bekommen, als die Dosen mal wieder als Sündenbock und Hauptgrund für die verdreckte Wohnung dienten und man sie einfach wegwerfen wollte. Und war ich es doch, der tagelang in der Küche stand und leere Dosen ausspülen musste, den ein oder anderen Bier-Pilz dabei in den Händen hielt, ab und an dann doch einen durchnässten Zigarettenstummel. Und war ich es doch, der nächtelang darüber gegrübelt, wie man die Dosen anordnet, einen Plan erstellt und letztendlich zur Pattex-Dose gegriffen hat, um zur Tat zu schreiten.
Und so habe ich in den letzten Wochen, wenn Zeit da war, in meinem Kämmerchen gesessen, Lösemittel geschnüffelt und 788 Dosen an ihre richtige Stelle geklebt. Unterstützung habe ich nicht selten von Denis erhalten, der mit geschickten Händen, aber auch mit kritischen Fragen zur Statik (Statik... Pah, sowas braucht man nicht. Normale Weihnachtsbäume haben auch kein Studium abgeschlossen, sondern wachsen nach Gefühl in die Höhe) an meiner Seite malochte.
788 Dosen. Das sind Füllmaterialien für 262,66 Liter Bier. Das sind 65 Koffer und 8 Dosen. Das entspricht einem Wert von 1937,5 Yuan.
Wow. Das sind Zahlen und Dimensionen, an die ich am Anfang nicht gedacht habe. Und es ist ein wenig erschreckend, dass nicht einmal alle Blech-Behältnisse aufgebraucht wurden.
Heute nun wird der nächste Schmuck angebracht und auch schon die Kerzen angezündet. Ja, wir verwenden echte Kerzen. Denn der Vorteil an einem Bierdosenweihnachtsbaum ist, dass er nicht brennen kann.
Und voilà, hier ist das Prachtexemplar:
Und an dieser Stelle sei ich ausdrücklich selbst gelobt. War ich es doch, der bereits wenige Tage nach unserer Ankunft alle dazu aufgefordert hat, Dosen weder einfach wegzuschmeißen, noch sie als Aschenbecher zu missbrauchen, noch sie zu zerstören, sondern sie zu sammeln. Und habe ich doch oft und gerne für Nachschub gesorgt und diesen kurz darauf selber vernichtet. Und oft habe ich den meiner Kommilitonen zu spüren bekommen, als die Dosen mal wieder als Sündenbock und Hauptgrund für die verdreckte Wohnung dienten und man sie einfach wegwerfen wollte. Und war ich es doch, der tagelang in der Küche stand und leere Dosen ausspülen musste, den ein oder anderen Bier-Pilz dabei in den Händen hielt, ab und an dann doch einen durchnässten Zigarettenstummel. Und war ich es doch, der nächtelang darüber gegrübelt, wie man die Dosen anordnet, einen Plan erstellt und letztendlich zur Pattex-Dose gegriffen hat, um zur Tat zu schreiten.
Und so habe ich in den letzten Wochen, wenn Zeit da war, in meinem Kämmerchen gesessen, Lösemittel geschnüffelt und 788 Dosen an ihre richtige Stelle geklebt. Unterstützung habe ich nicht selten von Denis erhalten, der mit geschickten Händen, aber auch mit kritischen Fragen zur Statik (Statik... Pah, sowas braucht man nicht. Normale Weihnachtsbäume haben auch kein Studium abgeschlossen, sondern wachsen nach Gefühl in die Höhe) an meiner Seite malochte.
788 Dosen. Das sind Füllmaterialien für 262,66 Liter Bier. Das sind 65 Koffer und 8 Dosen. Das entspricht einem Wert von 1937,5 Yuan.
Wow. Das sind Zahlen und Dimensionen, an die ich am Anfang nicht gedacht habe. Und es ist ein wenig erschreckend, dass nicht einmal alle Blech-Behältnisse aufgebraucht wurden.
Heute nun wird der nächste Schmuck angebracht und auch schon die Kerzen angezündet. Ja, wir verwenden echte Kerzen. Denn der Vorteil an einem Bierdosenweihnachtsbaum ist, dass er nicht brennen kann.
Und voilà, hier ist das Prachtexemplar:
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Tag 286: Vorweihnachtliche Bescherung.
Für Freitag erhalten wir jetzt noch täglich Nachhilfe-Stunden. Also eigentlich kramt der Prof aus seiner Erinnerung die möglichen Prüfungsfragen raus und nennt anschließend Thema, Seite und nach Möglichkeit noch Zeile der Dinge, die wir uns noch etwas genauer anschauen sollen. Hausaufgabe ist dann, diese Themen genauer anzuschauen und niederzuschreiben. Also eine normale Prüfungsvorbereitung, aber effektiver, da unter Aufsicht.
Nach der heutigen Einheit darf Hanna zur Poststelle gehen und sich ihr Paket aus der Heimat abholen, das neben einiger Spezialitäten aus der Heimat noch ein paar Gegenstände geschenklicher Natur enthält. Sie packt heute alles aus, obwohl sie erst Montag Geburtstag hat und erst in über zwei Wochen Weihnachten ist.
Wir wollen gar nicht erst Neid aufkommen lassen und so fahren Philipp, Thomas und ich in die Stadt um uns das zu besorgen, was wir schon ganz am Anfang haben wollten: einen ferngesteuerten Hubschrauber.
Am ersten Stand werden wir für teure, dumme Touristen gehalten und uns wird ein utopischer Preis von 600 Yuan genannt. Wo kommen wir denn da hin? Somit ziehen wir weiter, vergleichen die Preise und letztendlich kommen wir mit einem Viertel des Preises davon.
Der weitere Tag sieht dann so aus, dass ich immer etwas lerne, während der Hubschrauber aufgeladen wird. Dann habe ich mir eine zehnminütige Pause verdient und fliege zu Lukas rüber. Es ist gar nicht so einfach, das Gerät durch die Türen zu lenken, das dreidimensionale Denken macht mir ganz schön zu schaffen. Ich hoffe, reichlich Übung macht den Meister, denn wenn wir drei nächste Woche zum Contest antreten, möchte ich unbedingt gewinnen.
Manchmal bin ich froh, dass ich ein Mann bin und meine Vorfahren das Klischee des Kinds im Manne geprägt haben, so habe ich definitiv eine Entschuldigung dafür, geistig ein wenig zu degenerieren.
Unter der ganzen Fliegerei leidet die Prüfungsvorbereitung natürlich so gut wie überhaupt nicht.
Nach der heutigen Einheit darf Hanna zur Poststelle gehen und sich ihr Paket aus der Heimat abholen, das neben einiger Spezialitäten aus der Heimat noch ein paar Gegenstände geschenklicher Natur enthält. Sie packt heute alles aus, obwohl sie erst Montag Geburtstag hat und erst in über zwei Wochen Weihnachten ist.
Wir wollen gar nicht erst Neid aufkommen lassen und so fahren Philipp, Thomas und ich in die Stadt um uns das zu besorgen, was wir schon ganz am Anfang haben wollten: einen ferngesteuerten Hubschrauber.
Am ersten Stand werden wir für teure, dumme Touristen gehalten und uns wird ein utopischer Preis von 600 Yuan genannt. Wo kommen wir denn da hin? Somit ziehen wir weiter, vergleichen die Preise und letztendlich kommen wir mit einem Viertel des Preises davon.
Der weitere Tag sieht dann so aus, dass ich immer etwas lerne, während der Hubschrauber aufgeladen wird. Dann habe ich mir eine zehnminütige Pause verdient und fliege zu Lukas rüber. Es ist gar nicht so einfach, das Gerät durch die Türen zu lenken, das dreidimensionale Denken macht mir ganz schön zu schaffen. Ich hoffe, reichlich Übung macht den Meister, denn wenn wir drei nächste Woche zum Contest antreten, möchte ich unbedingt gewinnen.
Manchmal bin ich froh, dass ich ein Mann bin und meine Vorfahren das Klischee des Kinds im Manne geprägt haben, so habe ich definitiv eine Entschuldigung dafür, geistig ein wenig zu degenerieren.
Unter der ganzen Fliegerei leidet die Prüfungsvorbereitung natürlich so gut wie überhaupt nicht.
Tag 285: Gute Prüfungsbedingungen.
Eigentlich haben wir sturmfreie Bude, Jiang Lei ist wegen der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen unseres Studiengangs nach Deutschland geflogen (es wurden per Email eigentlich alle Studenten aufgefordert, auch zu kommen, aber unsere Anfrage, wie das wohl mit den Reisekosten aussieht und ob man das ganze als Exkursion werten könnte, kam bislang keine Antwort) und somit ist unsere Betreuerin (und die, die über uns wacht und notfalls per Telefon abmahnt) nicht da. Sie hat es aber geschickt gemacht und uns für die Woche tolle Aufgaben in Form von zwei Prüfungen hinterlassen. Somit sind wir recht eingeschränkt in unserer Freizeitgestaltung und Sachen, die anderen missfallen könnten, kommen uns gar nicht in den Sinn.
Die heutige Prüfung dürfen wir in einem Raum auf dem neuen Campus schreiben. Das trifft sich ganz gut, denn hier hat man beim Bau wohl bedacht, dass ein zu offenes Gebäude im Winter sehr ungemütlich sein kann und dass Heizungen auch laufen dürften. Somit ist der Raum, ja sogar der Flur draußen, gut beheizt, Philipps mitgebrachter Heizstrahler wird also theoretisch nicht benötigt, praktisch aber natürlich dennoch eingesetzt.
Der Prüfer ist zwar dazu angehalten, lediglich Wörterbücher und selbstgeschriebene Vokabellisten als Hilfsmittel zuzulassen, dennoch bleiben unsere iPods und Bücher zufällig mal auf dem Tisch liegen. Und auch, als sie benutzt werden, ist das kein großes Problem.
Im Raum ist es zwar warm, aber so kahl, wie er eingerichtet ist, ist es ziemlich öde für den, der nichts zu tun hat. Vielleicht hat der Prof auch nur Blasenschwäche. Also werden wir desöfteren für einige Minuten alleine gelassen und, was den Geräuschpegel sogleich um ein Vielfaches erhöht. Natürlich gleichen wir nur das ab, was wir sowieso schon wissen. Oder klären ab, was wir anschließend machen. Nach der Hälfte der Zeit sind die ersten fertig.
Gerne darf es auch am Freitag so laufen. Zumindest, was den warmen Raum betrifft.
Die heutige Prüfung dürfen wir in einem Raum auf dem neuen Campus schreiben. Das trifft sich ganz gut, denn hier hat man beim Bau wohl bedacht, dass ein zu offenes Gebäude im Winter sehr ungemütlich sein kann und dass Heizungen auch laufen dürften. Somit ist der Raum, ja sogar der Flur draußen, gut beheizt, Philipps mitgebrachter Heizstrahler wird also theoretisch nicht benötigt, praktisch aber natürlich dennoch eingesetzt.
Der Prüfer ist zwar dazu angehalten, lediglich Wörterbücher und selbstgeschriebene Vokabellisten als Hilfsmittel zuzulassen, dennoch bleiben unsere iPods und Bücher zufällig mal auf dem Tisch liegen. Und auch, als sie benutzt werden, ist das kein großes Problem.
Im Raum ist es zwar warm, aber so kahl, wie er eingerichtet ist, ist es ziemlich öde für den, der nichts zu tun hat. Vielleicht hat der Prof auch nur Blasenschwäche. Also werden wir desöfteren für einige Minuten alleine gelassen und, was den Geräuschpegel sogleich um ein Vielfaches erhöht. Natürlich gleichen wir nur das ab, was wir sowieso schon wissen. Oder klären ab, was wir anschließend machen. Nach der Hälfte der Zeit sind die ersten fertig.
Gerne darf es auch am Freitag so laufen. Zumindest, was den warmen Raum betrifft.
Dienstag, 8. Dezember 2009
Tag 284: Stühlerücken.
Ich schaffe es heute. Ich stehe früh auf. Ich schaue mir Nadines Aufschriebe an und schreibe sie ab. Dann werde ich genervt. Nicht von bestimmten Personen. Nicht direkt. Sie sind nicht anwesend. Aber irgendwer im Haus macht Krach. Das fällt jetzt, zur kalten Jahreszeit, wenn alle Fenster geschlossen sind und somit die äußeren Störquellen ausgeschlossen sind, besonders auf. Nachdem ich desnachts schon oft irgendwelche Kugeln fallen, jemanden hüpfen, lauten Bass aus Musikanlagen und Stöckelschuhe höre, diese Töne eigentlich von oben kommen müssten, maximal von der selben Etage, aber keiner meiner Kommilitonen es gewesen sein will, ist es heute jemand, der es liebt, Stühle und Tische, ohne sie anzuheben, von der einen Seite des jeweiligen Raumes in die andere zu schieben. Zwanzig Minuten am Stück. Ohne Unterlass. Das kann doch nicht wahr sein. Und auf spätere Nachfrage hin war es natürlich wieder keiner. Anscheinend haben alle noch geschlafen.
Das Haus muss also sehr hellhörig und durchlässig sein, wahrscheinlich werden die Vibrationen vom Erdgeschoss-Boden direkt in die Wände geleitet und gelangen erst an meiner Decke wieder nach außen, wo sie sich in Schallwellen wandeln und somit mein Ohr täuschen.
Mit der Durchlässigkeit von Wänden und Böden haben jetzt auch meine unteren Nachbarn zu kämpfen. Denn da jetzt meine Heizung wieder funktioniert, wird sie auch angemacht. Ein Schönheitsfehler an meinem Zimmer ist allerdings, dass die Heizung so blöd steht, dass mein Bett nicht ganz zwischen sie und Wand passt, das Kopfteil mit Lehne also an einem kleinen Ventil lehnt und dieses bei bestimmten Bewegungen scheinbar leicht öffnet. Dann tropft es langsam raus. Aber auch, wenn es langsam tropft, bildet sich eine gute Pfütze, die nun außerhalb meines Sichtfelds größer wird, sich ausbreitet und dann einen Ausweg unter der Fußleiste findet, von dort in die Wände vordringt und unten wieder austritt.
Da dies jetzt schon zweimal vorgekommen ist, bleibt mir heute nichts anderes übrig, als mein Bett zu drehen. Jetzt schlafe ich leider nicht mehr nach Fengshui ausgerichtet, aber die letzten Monate werde ich das überleben.
Nach dem Übernehmen von Nadines Aufschrieben und Arnes selbst angefertigter, nach Themen unterteilter, sehr clever angeordneter (liest man von oben nach unten, erhält man nicht selten einen vollständigen Satz, der eine Definition ergibt) Vokabelliste, dem Abgleichen dieser und der Einsicht, dass alles bekann ist, fühle ich mich letztendlich sicher und mein schlechtes Gewissen, am Wochenende wenig getan zu haben, ist im Nu verschwunden.
Das Haus muss also sehr hellhörig und durchlässig sein, wahrscheinlich werden die Vibrationen vom Erdgeschoss-Boden direkt in die Wände geleitet und gelangen erst an meiner Decke wieder nach außen, wo sie sich in Schallwellen wandeln und somit mein Ohr täuschen.
Mit der Durchlässigkeit von Wänden und Böden haben jetzt auch meine unteren Nachbarn zu kämpfen. Denn da jetzt meine Heizung wieder funktioniert, wird sie auch angemacht. Ein Schönheitsfehler an meinem Zimmer ist allerdings, dass die Heizung so blöd steht, dass mein Bett nicht ganz zwischen sie und Wand passt, das Kopfteil mit Lehne also an einem kleinen Ventil lehnt und dieses bei bestimmten Bewegungen scheinbar leicht öffnet. Dann tropft es langsam raus. Aber auch, wenn es langsam tropft, bildet sich eine gute Pfütze, die nun außerhalb meines Sichtfelds größer wird, sich ausbreitet und dann einen Ausweg unter der Fußleiste findet, von dort in die Wände vordringt und unten wieder austritt.
Da dies jetzt schon zweimal vorgekommen ist, bleibt mir heute nichts anderes übrig, als mein Bett zu drehen. Jetzt schlafe ich leider nicht mehr nach Fengshui ausgerichtet, aber die letzten Monate werde ich das überleben.
Nach dem Übernehmen von Nadines Aufschrieben und Arnes selbst angefertigter, nach Themen unterteilter, sehr clever angeordneter (liest man von oben nach unten, erhält man nicht selten einen vollständigen Satz, der eine Definition ergibt) Vokabelliste, dem Abgleichen dieser und der Einsicht, dass alles bekann ist, fühle ich mich letztendlich sicher und mein schlechtes Gewissen, am Wochenende wenig getan zu haben, ist im Nu verschwunden.
Tag 283: Wer ist der Nikolaus?
Ich kann es kaum erwarten, heute aufzustehen. Denn nicht umsonst habe ich ein Paar meiner Schuhe bereits vor einem Monat, nachdem ich aus Versehen durch viel Schlamm gelaufen bin (und es bisher nicht gepackt habe, sie zu säubern), vor der Tür stehen lassen. Denn schon damals wusste ich: Sonst vergisst du das bestimmt.
Aber als ich die Tür öffne, bin ich zunächst enttäuscht. Die Schuhe sind leer. Und auch noch dreckig. Wenigstens das hätte der Nikolaus erledigen können. Doch dann, gerade als ich wieder die Wohnung betreten möchte, fällt mir der Schoko-Nikolaus an unserer Tür auf. Mein Herz hüpft vor Freude.
Es kommt aus dem Hüpfen gar nicht mehr raus, als Lukas, dessen Schwesters Freundin und Cathrin ankündigen, zum Bäcker zu fahren. Dieser hat sich vor einigen Wochen von einem Deutschen beibringen lassen, wie man richtig Brot und Brötchen macht. Es soll ein Brunch geben. Prima.
Der Weg dorthin und zurück und die Vorbereitungen anschließend brauchen dann allerdings so ihre Zeit und letztendlich wird das Brunch zum Brinner, denn erst spät werden wir fertig mit dem Essen. Aber es schmeckt auch so gut, wenn man seit so langer Zeit kein vernünftiges Brötchen mehr zwischen den Kiefern hatte.
Abends gibt's nen Weihnachtsfilm über den Beamer bei Philipp in der Wohnung, er reicht dazu Glühwein. Ich erfahre heute aber nicht mehr, wer den Nikolaus gespielt hat.
Das Lernen fällt heute übrigens fast ganz flach. Aber es ist ja auch Feiertag und Sonntag in einem, zudem wird unsere Klugheit das schon richten. Und überhaupt: Einen Tag haben wir ja noch!
Aber als ich die Tür öffne, bin ich zunächst enttäuscht. Die Schuhe sind leer. Und auch noch dreckig. Wenigstens das hätte der Nikolaus erledigen können. Doch dann, gerade als ich wieder die Wohnung betreten möchte, fällt mir der Schoko-Nikolaus an unserer Tür auf. Mein Herz hüpft vor Freude.
Es kommt aus dem Hüpfen gar nicht mehr raus, als Lukas, dessen Schwesters Freundin und Cathrin ankündigen, zum Bäcker zu fahren. Dieser hat sich vor einigen Wochen von einem Deutschen beibringen lassen, wie man richtig Brot und Brötchen macht. Es soll ein Brunch geben. Prima.
Der Weg dorthin und zurück und die Vorbereitungen anschließend brauchen dann allerdings so ihre Zeit und letztendlich wird das Brunch zum Brinner, denn erst spät werden wir fertig mit dem Essen. Aber es schmeckt auch so gut, wenn man seit so langer Zeit kein vernünftiges Brötchen mehr zwischen den Kiefern hatte.
Abends gibt's nen Weihnachtsfilm über den Beamer bei Philipp in der Wohnung, er reicht dazu Glühwein. Ich erfahre heute aber nicht mehr, wer den Nikolaus gespielt hat.
Das Lernen fällt heute übrigens fast ganz flach. Aber es ist ja auch Feiertag und Sonntag in einem, zudem wird unsere Klugheit das schon richten. Und überhaupt: Einen Tag haben wir ja noch!
Tag 282: Verlorene Zeit.
Es stehen zwei Prüfungen in der nächsten Woche an, gestern waren wir schon nicht unterwegs mit der Absicht, heute ranzuklotzen in den Skripten. Aber wer kann schon die Bitte unseres Captains ausschlagen, heute zum Spiel zu kommen, zumal es sehr wichtig ist und bei uns auf dem Campus.
Nun gut, wenn das Spiel so wichtig ist, dann ist es nur wichtig, dass wir kommen, weil Lukas dabei ist und der ist der einzige Torhüter. Eigentlich ist er angeschlagen, trotzdem stehen wir pünktlich um halb zwei, wie befohlen, auf dem Platz.
Kurz vor Anpfiff, der eine Stunde später stattfindet, als angesetzt (aber das kennen wir ja schon), wird uns aber klargemacht, dass erst unsere erste Mannschaft eine Halbzeit spielt. Nun, eigentlich waren wir immer die erste Mannschaft, auch wenn genug Spieler für zwei Teams vorhanden sind, aber da irgendein Spiel vor irgendeinem Geldgeber gewonnen wurde, haben wir jetzt einen Sponsor, der Trikots und Schiedsrichter in Zukunft bezahlt, sodass wir das nicht mehr machen müssen und wir gute Spieler in Person von Geizhälsen anwerben konnten. Derer haben wir jetzt zehn Stück plus Lukas im Tor.
Den zehn neuen hat man aber scheinbar zu viel Zucker in den Hintern geblasen, denn sie treten alle mit Starallyren auf, bewegen sich kein Stück und bescheren uns Zuschauern eine langweilige erste Halbzeit. Das soll in der zweiten besser werden, denn sie bekommen noch einen Versuch. Wird es nicht. Es ist bereits gegen vier, als wir erlöst werden und das eigentlich wichtige Match steigen kann. Nämlich wir gegen die erste. Das ist ja sehr wichtig. "Also nicht richtig wichtig, aber Prestige und so!", versucht sich der Captain zu rechtfertigen.
Wir spielen nur die erste Halbzeit, sorgen für eine 1:0 Führung gegen die lahmarschigen Stars und hauen dann ab.
Aber nach viereinhalb Stunden an der frischen Luft fehlt deutlich die Energie und Muße, noch irgendwas anzuschauen. Der Abend wird verschlafen.
Und wieder einmal fehlt uns ein Tag Lernzeit.
Nun gut, wenn das Spiel so wichtig ist, dann ist es nur wichtig, dass wir kommen, weil Lukas dabei ist und der ist der einzige Torhüter. Eigentlich ist er angeschlagen, trotzdem stehen wir pünktlich um halb zwei, wie befohlen, auf dem Platz.
Kurz vor Anpfiff, der eine Stunde später stattfindet, als angesetzt (aber das kennen wir ja schon), wird uns aber klargemacht, dass erst unsere erste Mannschaft eine Halbzeit spielt. Nun, eigentlich waren wir immer die erste Mannschaft, auch wenn genug Spieler für zwei Teams vorhanden sind, aber da irgendein Spiel vor irgendeinem Geldgeber gewonnen wurde, haben wir jetzt einen Sponsor, der Trikots und Schiedsrichter in Zukunft bezahlt, sodass wir das nicht mehr machen müssen und wir gute Spieler in Person von Geizhälsen anwerben konnten. Derer haben wir jetzt zehn Stück plus Lukas im Tor.
Den zehn neuen hat man aber scheinbar zu viel Zucker in den Hintern geblasen, denn sie treten alle mit Starallyren auf, bewegen sich kein Stück und bescheren uns Zuschauern eine langweilige erste Halbzeit. Das soll in der zweiten besser werden, denn sie bekommen noch einen Versuch. Wird es nicht. Es ist bereits gegen vier, als wir erlöst werden und das eigentlich wichtige Match steigen kann. Nämlich wir gegen die erste. Das ist ja sehr wichtig. "Also nicht richtig wichtig, aber Prestige und so!", versucht sich der Captain zu rechtfertigen.
Wir spielen nur die erste Halbzeit, sorgen für eine 1:0 Führung gegen die lahmarschigen Stars und hauen dann ab.
Aber nach viereinhalb Stunden an der frischen Luft fehlt deutlich die Energie und Muße, noch irgendwas anzuschauen. Der Abend wird verschlafen.
Und wieder einmal fehlt uns ein Tag Lernzeit.
Samstag, 5. Dezember 2009
Tag 281: Alternative Verkehrsmittel.
Ich befinde mich heute nordöstlich der Stadtmauer auf Höhe des Krankenhaus, in dem ich mich vor ein paar Wochen auf Schweinegrippe untersuchen hab lassen (und in dem mir eine Spritze so ins Gesäß gerammt wurde, dass ich rund um diese Stelle bis heute immer noch kein Gefühl wieder habe), und es ist kurz vor sechs, kurz vor Feierabend. Aber ich will eigentlich noch in die Schneiderstraße. Diese befindet sich südlich von der Stadtmauer. Taxis kann man um diese Zeit vergessen, Busse brauchen sowieso eine Ewigkeit, vor allem dann, wenn man nicht weiß, welchen man nehmen muss.
Also nehmen wir erst ein Tuff-Tuff, ein motorisiertes Gefährt mit offener Passagier-Kabine, bis zu der Stelle, an der anscheinend leichter ein Taxi zu erwischen sein sollte, nämlich zum nordöstlichen Tor der Stadtmauer. Aber auch da gibt es nichts. Stattdessen labert uns ein Motorradfahrer voll, dass alles Warten nichts bringt, zumal die Straßen alle verstopft sind. Aber er könnte uns mitnehmen. Ich habe Glück, mit Mini eine Chinesin bei mir zu haben, die kann den Preis locker drücken und er ist bereit, uns für 10 Yuan auf schnellstem Wege zum gewünschten Ort zu fahren.
Zehn Yuan ist weniger, als ein Taxi kosten würde. Und da wir, zu dritt auf dem Motorrad, sehr schmal sind, kommen wir überall gut vorbei, außerdem kennt er romantische Schleichwege entlang der Mauer und so sind wir binnen 15 Minuten da. Ich weiß nicht, wie lange wir zu dieser Zeit mit dem Taxi brauchen würden, aber es wär definitiv länger. Ich sollte also in Betracht ziehen, öfters diese privaten Chauffeure in Anspruch zu nehmen, allerdings ist es bestimmt von Vorteil, in dieser Jahreszeit Handschuhe mit sich zu führen.
Also nehmen wir erst ein Tuff-Tuff, ein motorisiertes Gefährt mit offener Passagier-Kabine, bis zu der Stelle, an der anscheinend leichter ein Taxi zu erwischen sein sollte, nämlich zum nordöstlichen Tor der Stadtmauer. Aber auch da gibt es nichts. Stattdessen labert uns ein Motorradfahrer voll, dass alles Warten nichts bringt, zumal die Straßen alle verstopft sind. Aber er könnte uns mitnehmen. Ich habe Glück, mit Mini eine Chinesin bei mir zu haben, die kann den Preis locker drücken und er ist bereit, uns für 10 Yuan auf schnellstem Wege zum gewünschten Ort zu fahren.
Zehn Yuan ist weniger, als ein Taxi kosten würde. Und da wir, zu dritt auf dem Motorrad, sehr schmal sind, kommen wir überall gut vorbei, außerdem kennt er romantische Schleichwege entlang der Mauer und so sind wir binnen 15 Minuten da. Ich weiß nicht, wie lange wir zu dieser Zeit mit dem Taxi brauchen würden, aber es wär definitiv länger. Ich sollte also in Betracht ziehen, öfters diese privaten Chauffeure in Anspruch zu nehmen, allerdings ist es bestimmt von Vorteil, in dieser Jahreszeit Handschuhe mit sich zu führen.
Tag 280: Vorlesungsende.
Eigentlich ist es kaum noch der Rede wert, da die letzten Wochen sowieso viel ausgefallen ist, aber heute ist tatsächlich unsere allerletzte Vorlesung in China. Und die hat es noch einmal in sich. Vier Stunden statt zwei, es werden gleich drei Kapitel durchgeknallt und Denis und ich verzweifeln an falsch bzw. ganz unbeschrifteten Graphen und Tabellen sowie überhaupt am Thema.
Aber unsere Hoffnung beruht auf der letzten halben Stunde, in der bestimmt gesagt wird, was wichtig ist und was vielleicht weggelassen wird in der Prüfung. Leider stirbt diese Hoffnung. Denn stattdessen wird ein Vortrag darüber gehalten, wie wichtig es doch sei, alles zu wissen, dann könnte man eine gute deutsche Firma in Shenzhen oder Shanghai finden und gutes Geld machen. Dieser Vortrag gilt natürlich nicht uns, sondern den Chinesen.
Und mit diesem Vorlesungsende haben wir endlich wieder einen Grund zu Feiern. Nicht, dass wir auch sonst fast jeden nichtigen Grund dafür nutzen, auszugehen. Aber heute haben wir es uns endlich mal wieder wirklich verdient. Es geht, na klar, ins 1+1. Das haben wir gestern der Rezeptionöse versprochen, die etwas wehleidig zugeben musste, dass sie in ihren vier Jahren hier nie dort war.
Heute will ich mich nicht ausrauben lassen. Auch nicht verarschen. Nein, heute will ich zurückschlagen. Mit voller Wucht. Also muss ein altes Skript dafür herhalten, dass ich aus dem Papier geldscheingroße Fetzen raustrenne, um auf jeden einzelnen eine Beleidigung, die sich gewaschen hat, zu schreiben oder schreiben zu lassen. Dieses Bündel Falschgeld knicke ich in der Mitte und füge einen 10 Yuan-Schein hinzu und stopfe alles in meine hintere Hosentasche.
Im 1+1 bin ich aber leider zu aufgeregt, will natürlich nicht den Blick des Taschendiebs verpassen, also drehe ich mich jedes Mal um, wenn ich mal wieder kontaktiert werde, taste zudem häufig nach dem Bündel. So wird mir heute nichts geklaut.
Aus Frust und aus Ärger über mich selbst, möchte ich mich bestrafen und esse das, was ich sonst immer ausgeschlagen habe: Hühnerfüße. Diese gibt es eingeschweißt und mit Gelee ummantelt, man könnte die zähe Haut jetzt einfach abknabbern, aber ich nehm mir einfach jeden Zehen einzeln vor. Ist ja nur Knorpel, zudem hohl von innen. Es schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber ich brauche es nicht jeden Tag.
Gesättigt und mit vollen Taschen geht's heim. Das Bündel werde ich aufbewahren, auch wenn ich Andreas mir sagt, dass es auch richtiges Falschgeld zu kaufen gebe, des Toten-Tags wegen.
Aber unsere Hoffnung beruht auf der letzten halben Stunde, in der bestimmt gesagt wird, was wichtig ist und was vielleicht weggelassen wird in der Prüfung. Leider stirbt diese Hoffnung. Denn stattdessen wird ein Vortrag darüber gehalten, wie wichtig es doch sei, alles zu wissen, dann könnte man eine gute deutsche Firma in Shenzhen oder Shanghai finden und gutes Geld machen. Dieser Vortrag gilt natürlich nicht uns, sondern den Chinesen.
Und mit diesem Vorlesungsende haben wir endlich wieder einen Grund zu Feiern. Nicht, dass wir auch sonst fast jeden nichtigen Grund dafür nutzen, auszugehen. Aber heute haben wir es uns endlich mal wieder wirklich verdient. Es geht, na klar, ins 1+1. Das haben wir gestern der Rezeptionöse versprochen, die etwas wehleidig zugeben musste, dass sie in ihren vier Jahren hier nie dort war.
Heute will ich mich nicht ausrauben lassen. Auch nicht verarschen. Nein, heute will ich zurückschlagen. Mit voller Wucht. Also muss ein altes Skript dafür herhalten, dass ich aus dem Papier geldscheingroße Fetzen raustrenne, um auf jeden einzelnen eine Beleidigung, die sich gewaschen hat, zu schreiben oder schreiben zu lassen. Dieses Bündel Falschgeld knicke ich in der Mitte und füge einen 10 Yuan-Schein hinzu und stopfe alles in meine hintere Hosentasche.
Im 1+1 bin ich aber leider zu aufgeregt, will natürlich nicht den Blick des Taschendiebs verpassen, also drehe ich mich jedes Mal um, wenn ich mal wieder kontaktiert werde, taste zudem häufig nach dem Bündel. So wird mir heute nichts geklaut.
Aus Frust und aus Ärger über mich selbst, möchte ich mich bestrafen und esse das, was ich sonst immer ausgeschlagen habe: Hühnerfüße. Diese gibt es eingeschweißt und mit Gelee ummantelt, man könnte die zähe Haut jetzt einfach abknabbern, aber ich nehm mir einfach jeden Zehen einzeln vor. Ist ja nur Knorpel, zudem hohl von innen. Es schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber ich brauche es nicht jeden Tag.
Gesättigt und mit vollen Taschen geht's heim. Das Bündel werde ich aufbewahren, auch wenn ich Andreas mir sagt, dass es auch richtiges Falschgeld zu kaufen gebe, des Toten-Tags wegen.
Donnerstag, 3. Dezember 2009
Tag 279: Klare Luft.
Das Wetter ist heute frühlingshaft: Klare Luft, kalt, es weht ein Lüftchen. Und unsere Vorlesung findet sogar statt, Privatvorlesung, der Prof erzählt uns Austauschstudenten noch einmal, worauf es in der Prüfung ankommt. Anschließend gilt es, Autogramme zu verteilen, die Weihnachtspost soll unterschrieben werden. Und dann ruft Jojo an, er bräuchte Handschuhe für ein Fußballspiel. Wir dürfte auch mitspielen.
Da sagen Denis und ich nicht nein und lassen, nach einem sehr dürftigen Frühstück, auch das Mittagessen aus. Das Spiel ist ein Gerumpel, ich liege dreimal auf dem Boden, einmal bekomm ich den Ball aus drei Metern ungebremst in meine empfindlichsten Körperteile gedroschen. Klare Tätlichkeit, aber ich kann vor den ganzen Studentinnen, die zuschauen, da sie anschließend TaiQi-Kurs haben, keine Schwäche zeigen. Wir gewinnen. Und wir haben endlich mal wieder Sport getrieben.
Auf dem Weg zum Essen, das wir uns redlich verdient haben, zeigt sich der Nachteil am schwindenen Smog: Die Luft ist klar, aber sobald die Schatten länger werden, wird es verdammt kalt.
Nach der ungewohnt vielen Bewegung heute brauchen wir einen Mittagsschlaf. Zwei Stunden. Um sieben Uhr kommt LiuSaiYan vorbei, sie hätte gerne ein paar deutsche Sätze beigebracht. Da das mit der Aussprache aber nicht so klappt, müssen chinesische Zeichen und englische Wörter als Lautsprache dienen. "hair次利he呢 哥旅客won事" ist also "Herzlichen Glückwunsch" und "飞low和 why那he10" bedeutet "Frohe Weihnachten".
Dann erinnern mich Thomas und Philipp daran, dass die Rezeptionöse vom Hostel heute ihren letzten Tag hat und dann wieder in die Heimat verschwindet. Gut, mit der hab ich jetzt eigentlich nichts am Hut, weiß nicht wirklich, wer gemeint ist, aber dieser Grund ist natürlich besser als überhaupt keiner, um heute Abend noch loszuziehen.
In der Hostelbar gibt es Pizza und Jenga und ich bin ein Meister darin, Türme hoch zu bauen und sie dann wieder einstürzen zu lassen. Was für ein Spaß. Und wie die Zeit verfliegt. Am Ende ist es halb zwei, aber wir werden noch eingeladen, Jiaozi zu essen. Klar, Einladungen kann man so leicht nicht ausschlagen und die Vorlesung von morgen findet ja, wenn überhaupt, erst am Nachmittag statt.
Der Chinese, der uns einlädt, hat zwar eigentlich schon gut gebechert, lässt es sich aber nicht nehmen, den Bentley seines Vaters zu steuern. Wir fahren mit Taxi hinterher und, na klar, nach dem Essen haben wir einen weiteren Freund für's Leben.
Auf dem Heimweg sehen wir den Mond, klar und deutlich. Und daneben, was wir fast nicht mehr kennen, sind tatsächlich Sterne und Sternenbilder zu sehen. Ist mal eine gute Alternative zur sonstigen Wolkenschicht knapp über uns.
Da sagen Denis und ich nicht nein und lassen, nach einem sehr dürftigen Frühstück, auch das Mittagessen aus. Das Spiel ist ein Gerumpel, ich liege dreimal auf dem Boden, einmal bekomm ich den Ball aus drei Metern ungebremst in meine empfindlichsten Körperteile gedroschen. Klare Tätlichkeit, aber ich kann vor den ganzen Studentinnen, die zuschauen, da sie anschließend TaiQi-Kurs haben, keine Schwäche zeigen. Wir gewinnen. Und wir haben endlich mal wieder Sport getrieben.
Auf dem Weg zum Essen, das wir uns redlich verdient haben, zeigt sich der Nachteil am schwindenen Smog: Die Luft ist klar, aber sobald die Schatten länger werden, wird es verdammt kalt.
Nach der ungewohnt vielen Bewegung heute brauchen wir einen Mittagsschlaf. Zwei Stunden. Um sieben Uhr kommt LiuSaiYan vorbei, sie hätte gerne ein paar deutsche Sätze beigebracht. Da das mit der Aussprache aber nicht so klappt, müssen chinesische Zeichen und englische Wörter als Lautsprache dienen. "hair次利he呢 哥旅客won事" ist also "Herzlichen Glückwunsch" und "飞low和 why那he10" bedeutet "Frohe Weihnachten".
Dann erinnern mich Thomas und Philipp daran, dass die Rezeptionöse vom Hostel heute ihren letzten Tag hat und dann wieder in die Heimat verschwindet. Gut, mit der hab ich jetzt eigentlich nichts am Hut, weiß nicht wirklich, wer gemeint ist, aber dieser Grund ist natürlich besser als überhaupt keiner, um heute Abend noch loszuziehen.
In der Hostelbar gibt es Pizza und Jenga und ich bin ein Meister darin, Türme hoch zu bauen und sie dann wieder einstürzen zu lassen. Was für ein Spaß. Und wie die Zeit verfliegt. Am Ende ist es halb zwei, aber wir werden noch eingeladen, Jiaozi zu essen. Klar, Einladungen kann man so leicht nicht ausschlagen und die Vorlesung von morgen findet ja, wenn überhaupt, erst am Nachmittag statt.
Der Chinese, der uns einlädt, hat zwar eigentlich schon gut gebechert, lässt es sich aber nicht nehmen, den Bentley seines Vaters zu steuern. Wir fahren mit Taxi hinterher und, na klar, nach dem Essen haben wir einen weiteren Freund für's Leben.
Auf dem Heimweg sehen wir den Mond, klar und deutlich. Und daneben, was wir fast nicht mehr kennen, sind tatsächlich Sterne und Sternenbilder zu sehen. Ist mal eine gute Alternative zur sonstigen Wolkenschicht knapp über uns.
Tag 278: Bewegungsdrang.
Wieder werde ich nicht durch meinen Wecker geweckt, sondern zwei Minuten früher per Telefon vom Prof. Der ist krank. Heute muss die Vorlesung also leider wieder ausfallen. Der fünfte Tag in Folge frei. Aber so ungeplant frei zu haben, ist furchtbar, da kommt nichts bei rum.
Dennoch nutze ich die Zeit um aufzustehen, gehe vor die Tür, sehe am Hintertor Straßen-Essen-Wagen und besorg für die ganze (wache) Bagage Frühstück.
Dann ist mal das Zimmer dran. Staub wischen, fegen (geht momentan alle paar Tage), der Schreibtisch glänzt, auf ihm befindet sich nichts mehr, jetzt kann ich arbeiten. Aber das will nicht so wirklich. Der Technik sei Dank ist mein Arbeitsgerät beweglich, den Laptop kann ich an verschiedenen Standorten einsetzen. Abends habe ich aber genug vom Wandern in der Wohnung. Ich muss raus, mal durchatmen.
Und so entschließe ich mich das zu tun, was ich eigentlich überhaupt nicht mag: Joggen. Draußen bemerke ich erst, wie nebelig ist. Ich kann auf dem Sportplatz nicht von der einen Seite auf die andere schauen, aber das muss ich ja nicht, ich laufe ja geradeaus und muss nur die nächsten paar Meter vor mir sehen. Leider ist mal wieder nicht alles Nebel, im Dorf hinter dem Campus verbrennen sie mal wieder alles mögliche; Reifen, Tiere, Kunststoffe, Papier. So ist die Luft zumindest am einen Abschnitt der Bahn mehr als dürftig. Zudem war meine Nahrung heute nicht gerade ausgewogen, das bedingt bei mir meistens Seitenstiche und so bin ich nach einer halben Stunde schon wieder unter der Dusche.
Aber wenigstens spüren meine Beine endlich mal wieder, dass sie noch gebraucht werden.
Dennoch nutze ich die Zeit um aufzustehen, gehe vor die Tür, sehe am Hintertor Straßen-Essen-Wagen und besorg für die ganze (wache) Bagage Frühstück.
Dann ist mal das Zimmer dran. Staub wischen, fegen (geht momentan alle paar Tage), der Schreibtisch glänzt, auf ihm befindet sich nichts mehr, jetzt kann ich arbeiten. Aber das will nicht so wirklich. Der Technik sei Dank ist mein Arbeitsgerät beweglich, den Laptop kann ich an verschiedenen Standorten einsetzen. Abends habe ich aber genug vom Wandern in der Wohnung. Ich muss raus, mal durchatmen.
Und so entschließe ich mich das zu tun, was ich eigentlich überhaupt nicht mag: Joggen. Draußen bemerke ich erst, wie nebelig ist. Ich kann auf dem Sportplatz nicht von der einen Seite auf die andere schauen, aber das muss ich ja nicht, ich laufe ja geradeaus und muss nur die nächsten paar Meter vor mir sehen. Leider ist mal wieder nicht alles Nebel, im Dorf hinter dem Campus verbrennen sie mal wieder alles mögliche; Reifen, Tiere, Kunststoffe, Papier. So ist die Luft zumindest am einen Abschnitt der Bahn mehr als dürftig. Zudem war meine Nahrung heute nicht gerade ausgewogen, das bedingt bei mir meistens Seitenstiche und so bin ich nach einer halben Stunde schon wieder unter der Dusche.
Aber wenigstens spüren meine Beine endlich mal wieder, dass sie noch gebraucht werden.
Dienstag, 1. Dezember 2009
Tag 277: In China essen wir Hunde.
Nachmittags steht die erste Vorlesung an. Rein theoretisch können wir lange ausschlafen, aber das interessiert Jiang Lei nicht, sie ruft mich schon um halb zehn (!) an. Die letzten Prüfungen sind am 11. und 15., heute findet keine Vorlesung statt, die morgen früh um acht auch nicht, dafür aber um zehn.
Na toll, wieder habe ich einen ganzen Tag vor mir, an dem es draußen nicht wirklich hell wird, es sehr kalt ist und die Aussichten auf große Abwechslung ausbleibt. Also tippe ich wieder fleißig Zeichen ein, bis abends Jojo und Mini vorbeikommen. Die können das viel schneller und vor allem fehlerfreier, ich glaube, ich sollte sie kurzzeitig einstellen.
Zum Dank geht es dann ins kleine Zechuan-Restaurant. Ich lese einmal laut das Plakat vor, das Hundefleisch anpreist und Jojo und Mini sind recht schnell überzeugt, dass das schmecken könnte. Denis nicht, aber dafür bestellen wir ja immer eine der Anzahl an Menschen entsprechende Menge an verschiedenen Gerichten. Der Hund wird in einer scharfen Suppe gereicht und sieht recht gut aus. Große Fleischstücke ohne Knochen oder Fett. Dennoch brauche ich einige Überwindungskraft und ~zeit, bis ich das erste Stück zwischen die Kiefer schiebe. Und die Töhle schmeckt sogar sehr gut. Eine Mischung aus Rind und Hühnchen, sogar noch zärter als letzteres.
Natürlich weiß ich, dass ich mich jetzt bei vielen unbeliebt mache, aber der Hund war ja schon tot. Und sowas nennt man dann wohl recyclen. Außerdem bekomme ich auf Anfrage gesagt, dass der Hund zu Lebzeiten keinen Namen hatte. Ein anonymes, ungeliebtes Geschöpf also. Und jetzt bin ich vollends davon überzeugt, dass der kleine Felix, wie ich ihn im Nachhinein taufe, an einem besseren Ort ist. In meinem Bauch.
Hundefleisch soll den Körper innerlich aufheizen, sagt man. Und so kommt es, dass Mini anschließend unablässlich tanzt und Jojo sich überreden lassen kann, sich von uns einen Irokesen schneiden zu lassen. Sieht gut aus, das müssen mehr sehen und so sitzen wir kurz darauf im Taxi und besuchen die einzige Disco auf, in der zur Zeit noch was los ist, das 1+1.
Eigentlich soll es ein günstiger Abend sein, wir haben noch einen Biergutschein und wollen nicht so lange bleiben. Dennoch geben wir unsere Jacken ab und ich komme auf die Idee, mein Geld vielleicht aus den Taschen zu entfernen. In der Hose scheint es mir sicherer.
Beim Tanzen bin ich überrascht, dass so viele Herren der Schöpfung (mindestens drei) bereits gleich zu Beginn meinen Po so begehren, dass sie ihn anfassen müssen. Ich geh also weiter, aber das Gegrabsche hört nicht auf, auch das Gedrängel nicht. Und kurz darauf weiß ich auch, warum mein Schinken so begehrenswert war. Es ist nicht mein Po, nicht mein Schenkel, sondern meine Tasche, in dem noch ein Bündel Scheine steckt. Das 1+1 scheint heute ein Taschendieb-Special zu haben (nach dem Michael Jackson-, Halloween- und HipHop-Special mal was neues). Die Erkenntnis kommt mir aber zu spät. Scheiße. Und dabei passe ich doch immer auf. Nur heute habe ich die dumme Idee, etwas in der Hintertasche zu verstauen. Die ist zwar einigermaßen tief und eng, dennoch scheint das kein Problem zu sein. Und ich weiß sogar, nach etwas Nachdenken, wer es war. Ein blödes Paar, das mich angerempelt hat und als ich mich umdrehte schnell, durch ihre Initiative, in der Masse verschwand, um kurz darauf einen Freund zu schicken, der mir, scheinbar sich entschuldigend, die Hand reichte. Ich gab auch ihm die Hand. Ich habe mich also nicht einmal bestehlen, sondern auch verhöhnen lassen.
Meine Laune ist im Eimer. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen meiner eigenen Dummheit. Nach der Rosen-Mafia bin ich also auf die nächste kriminelle Organisation reingefallen.
Zwar sagt man hier, wenn man Geld verliert, so hat man schon für ein in naher Zukunft eintreffendes Unheil bezahlt und bleibt von diesem verschont, aber so kann man natürlich auch das Problem der hohen Taschendieb-Rate schönreden.
Na toll, wieder habe ich einen ganzen Tag vor mir, an dem es draußen nicht wirklich hell wird, es sehr kalt ist und die Aussichten auf große Abwechslung ausbleibt. Also tippe ich wieder fleißig Zeichen ein, bis abends Jojo und Mini vorbeikommen. Die können das viel schneller und vor allem fehlerfreier, ich glaube, ich sollte sie kurzzeitig einstellen.
Zum Dank geht es dann ins kleine Zechuan-Restaurant. Ich lese einmal laut das Plakat vor, das Hundefleisch anpreist und Jojo und Mini sind recht schnell überzeugt, dass das schmecken könnte. Denis nicht, aber dafür bestellen wir ja immer eine der Anzahl an Menschen entsprechende Menge an verschiedenen Gerichten. Der Hund wird in einer scharfen Suppe gereicht und sieht recht gut aus. Große Fleischstücke ohne Knochen oder Fett. Dennoch brauche ich einige Überwindungskraft und ~zeit, bis ich das erste Stück zwischen die Kiefer schiebe. Und die Töhle schmeckt sogar sehr gut. Eine Mischung aus Rind und Hühnchen, sogar noch zärter als letzteres.
Natürlich weiß ich, dass ich mich jetzt bei vielen unbeliebt mache, aber der Hund war ja schon tot. Und sowas nennt man dann wohl recyclen. Außerdem bekomme ich auf Anfrage gesagt, dass der Hund zu Lebzeiten keinen Namen hatte. Ein anonymes, ungeliebtes Geschöpf also. Und jetzt bin ich vollends davon überzeugt, dass der kleine Felix, wie ich ihn im Nachhinein taufe, an einem besseren Ort ist. In meinem Bauch.
Hundefleisch soll den Körper innerlich aufheizen, sagt man. Und so kommt es, dass Mini anschließend unablässlich tanzt und Jojo sich überreden lassen kann, sich von uns einen Irokesen schneiden zu lassen. Sieht gut aus, das müssen mehr sehen und so sitzen wir kurz darauf im Taxi und besuchen die einzige Disco auf, in der zur Zeit noch was los ist, das 1+1.
Eigentlich soll es ein günstiger Abend sein, wir haben noch einen Biergutschein und wollen nicht so lange bleiben. Dennoch geben wir unsere Jacken ab und ich komme auf die Idee, mein Geld vielleicht aus den Taschen zu entfernen. In der Hose scheint es mir sicherer.
Beim Tanzen bin ich überrascht, dass so viele Herren der Schöpfung (mindestens drei) bereits gleich zu Beginn meinen Po so begehren, dass sie ihn anfassen müssen. Ich geh also weiter, aber das Gegrabsche hört nicht auf, auch das Gedrängel nicht. Und kurz darauf weiß ich auch, warum mein Schinken so begehrenswert war. Es ist nicht mein Po, nicht mein Schenkel, sondern meine Tasche, in dem noch ein Bündel Scheine steckt. Das 1+1 scheint heute ein Taschendieb-Special zu haben (nach dem Michael Jackson-, Halloween- und HipHop-Special mal was neues). Die Erkenntnis kommt mir aber zu spät. Scheiße. Und dabei passe ich doch immer auf. Nur heute habe ich die dumme Idee, etwas in der Hintertasche zu verstauen. Die ist zwar einigermaßen tief und eng, dennoch scheint das kein Problem zu sein. Und ich weiß sogar, nach etwas Nachdenken, wer es war. Ein blödes Paar, das mich angerempelt hat und als ich mich umdrehte schnell, durch ihre Initiative, in der Masse verschwand, um kurz darauf einen Freund zu schicken, der mir, scheinbar sich entschuldigend, die Hand reichte. Ich gab auch ihm die Hand. Ich habe mich also nicht einmal bestehlen, sondern auch verhöhnen lassen.
Meine Laune ist im Eimer. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen meiner eigenen Dummheit. Nach der Rosen-Mafia bin ich also auf die nächste kriminelle Organisation reingefallen.
Zwar sagt man hier, wenn man Geld verliert, so hat man schon für ein in naher Zukunft eintreffendes Unheil bezahlt und bleibt von diesem verschont, aber so kann man natürlich auch das Problem der hohen Taschendieb-Rate schönreden.
Tag 276: Abschreiben ist blöd.
Sonntag. Schon wieder. Eigentlich momentan ein Tag wie jeder andere, da wir ja ständig frei haben. Ich stehe erst spät auf, da ich mich letzte Nacht um zwei noch selber zu einen Film (Inglourious Basterds) überreden konnte und so erst um fünfe in der Heia lag. Dann geht wieder das Gegammel los, Kleinigkeit essen, frisch machen, bequeme Hose anziehen und dann an den Laptop, um die Hausaufgaben von Diana abzutippen. Denn der Prof hat gesagt, wer die Hausaufgaben kann, hat auch keine Probleme bei der Prüfung.
Und da ich um das Wohl der Allgemeinheit bemüht bin, tippe ich es in den Computer, dann lässt es sich leichter übersetzen und verbreiten, auch an Leute wie Jojo, der nächstes Semester mit diesen Hausaufgaben konfrontiert wird.
Und normalerweise kann ich schnell schreiben, aber beim Chinesischen ist es was anderes, da ich erst wissen muss, wie das Zeichen ausgesprochen wird, damit ich es schreiben kann. Viel mehr noch: Ich muss erst Dianas Zeichen entziffern können, dann male ich es in den iPod, der spuckt dann die Aussprache aus und dann gebe ich die Silbe in den Computer ein, habe aber weiterhin eine Auswahl von 20 und mehr Zeichen, sodass ich abermals das richtige raussuchen muss.
Somit brauche ich für die Hausaufgabe von einer Woche einen ganzen Nachmittag.
Zur Belohnung geht's abends ins Colabo, einem Italiener mit bester Pizza und noch besserem Tiramisu. Dennis und ich fassen eigentlich ins Auge, noch das 1+1 aufzusuchen, da ein Bier-Gutschein dort bald verfällt. Aber unsere Bäuche sind zu sehr gefüllt, sodass wir es nur noch nach Hause auf's Sofa schaffen und abermals den gleichen Film (Dauer: 2,5 Stunden) wie letzte Nacht schauen.
Und da ich um das Wohl der Allgemeinheit bemüht bin, tippe ich es in den Computer, dann lässt es sich leichter übersetzen und verbreiten, auch an Leute wie Jojo, der nächstes Semester mit diesen Hausaufgaben konfrontiert wird.
Und normalerweise kann ich schnell schreiben, aber beim Chinesischen ist es was anderes, da ich erst wissen muss, wie das Zeichen ausgesprochen wird, damit ich es schreiben kann. Viel mehr noch: Ich muss erst Dianas Zeichen entziffern können, dann male ich es in den iPod, der spuckt dann die Aussprache aus und dann gebe ich die Silbe in den Computer ein, habe aber weiterhin eine Auswahl von 20 und mehr Zeichen, sodass ich abermals das richtige raussuchen muss.
Somit brauche ich für die Hausaufgabe von einer Woche einen ganzen Nachmittag.
Zur Belohnung geht's abends ins Colabo, einem Italiener mit bester Pizza und noch besserem Tiramisu. Dennis und ich fassen eigentlich ins Auge, noch das 1+1 aufzusuchen, da ein Bier-Gutschein dort bald verfällt. Aber unsere Bäuche sind zu sehr gefüllt, sodass wir es nur noch nach Hause auf's Sofa schaffen und abermals den gleichen Film (Dauer: 2,5 Stunden) wie letzte Nacht schauen.
Sonntag, 29. November 2009
Podcast.
Unter www.chiina.info kann übrigens unser Podcast begutachtet werden. Nur für die, die es noch nicht mitbekommen haben.
Tag 275: Rosen-Mafia.
Selten rege ich mich so auf, selten bin ich mehr in Rage als heute. Gestern noch in der Disco wollte ich die Frauen beeindrucken. Mit einer Rose. Auf der Straße laufen nämlich genug kleine Kinder mit Rosen rum, die nur auf Leute wie mich warten. Sie sagen mir, eine Rose kostet 15 Yuan, ich bekomme aber zwei für zehn und bin besonders stolz auf mein Verhandlungsgeschick, auch wenn ich im Hinterkopf natürlich weiß, dass ich mich total habe abziehen lassen, habe ich für den Preis doch schon vier oder fünf Blumen bekommen. Nun, ich sage noch extra, ich hätte gerne die schönsten und mir werden die scheinbar schönsten rausgesucht. Da es dunkel ist, kann ich dem ganzen keine Qualitätskontrolle unterziehen, ich vertraue also dem Mädel mit dem unschuldigen Blick.
Heute erwache ich und sehe eine Rose, die ich nicht verteilen konnte, auf meinem Schreibtisch. Ich packe sie behutsam aus, entferne mit größter Sorgfalt die Klarsichtfolie. Und was passiert dann? Nicht nur die Folie fällt zu Boden, nein, auch jeglichen Blätter, gar ein paar Blüten liegen zu meinen Füßen.
Und das treibt mich in Rage. So etwas gibt es doch nicht. Die Frau will doch in Zukunft auch noch an mir verdienen, da kann sie mir nicht so etwas andrehen. Ich bin drauf und dran, am Abend noch einmal zum Ort des Betrugs zu fahren um den Balg, an den Ohren ziehend, die Deviten zu lesen. Aber ich kann mich besinnen, sind die kleinen Kinder doch eher der verlängerte Arm einer höchst organisierten Rosen-Mafia. Und wenn ich das Balg jetzt vermöbel, so macht es denen, die eigentlich die kriminellen Strippen ziehen, doch überhaupt nichts aus. Viel mehr noch: Wahrscheinlich kann nichts, was ich den Verkäufern antu, so schlimm sein, wie das, was ihre Chefs machen. Und so werde ich wahrscheinlich auch in Zukunft schäbige Rosen kaufen, die den Kindern etwas Geld zum Vorweisen einbringen, damit sie die Vorgesetzten milde stimmen können.
Die Welt ist doch ungerecht.
Heute erwache ich und sehe eine Rose, die ich nicht verteilen konnte, auf meinem Schreibtisch. Ich packe sie behutsam aus, entferne mit größter Sorgfalt die Klarsichtfolie. Und was passiert dann? Nicht nur die Folie fällt zu Boden, nein, auch jeglichen Blätter, gar ein paar Blüten liegen zu meinen Füßen.
Und das treibt mich in Rage. So etwas gibt es doch nicht. Die Frau will doch in Zukunft auch noch an mir verdienen, da kann sie mir nicht so etwas andrehen. Ich bin drauf und dran, am Abend noch einmal zum Ort des Betrugs zu fahren um den Balg, an den Ohren ziehend, die Deviten zu lesen. Aber ich kann mich besinnen, sind die kleinen Kinder doch eher der verlängerte Arm einer höchst organisierten Rosen-Mafia. Und wenn ich das Balg jetzt vermöbel, so macht es denen, die eigentlich die kriminellen Strippen ziehen, doch überhaupt nichts aus. Viel mehr noch: Wahrscheinlich kann nichts, was ich den Verkäufern antu, so schlimm sein, wie das, was ihre Chefs machen. Und so werde ich wahrscheinlich auch in Zukunft schäbige Rosen kaufen, die den Kindern etwas Geld zum Vorweisen einbringen, damit sie die Vorgesetzten milde stimmen können.
Die Welt ist doch ungerecht.
Tag 274: Fliegen. Und Hunde. Und Schnaps.
Im Hause ist es seit einigen Tagen kaum auszuhalten, haben sich doch ein paar penetrante Fliegen gedacht, uns desöfteren auf die Nerven zu gehen. Sie fliegen lautstark summend durch die Gegend, lassen sich auf sämtlichen Körperteilen nieder, krabbeln rum, kitzeln einen dabei, sind aber bei der kleinsten Bewegung wieder verschwunden. Philipp hat bereits 30 um die sogenannte Ecke gebracht. Und das ist auch der einzige Spaß, den uns die Parasiten bereiten, denn mit der elektrischen Fliegenklatsche und den dicken Brummern lässt sich ein wunderbares Feuerwerk mit Funkenschlag und lauten Knalleffekten veranstalten.
Warum wir momentan eine solche Fliegenplage haben, ist rätselhaft. Am Müll kann es nicht liegen, den haben wir runtergebracht. Und die Temperaturen sind seit Wochen gleich, also ist es kaum vorstellbar, dass das Wetter sie reintreibt. Und überhaupt: Wie kommen sie rein, sind doch die Fenster immer geschlossen oder mindestens mit einem Fliegengitter versehen.
Vielleicht liegt es daran, dass wir stinken. Das ist gut möglich, denn wir vegetieren mehr oder weniger vor uns hin, die Luft ist momentan raus.
So kommen Denis und ich auch heute erst verhältnismäßig spät, um halb zehn abends, vor die Tür zum Abendessen. Aber im kleinen Zechuan-Restaurant neben dem Campus haben wir einen guten Status, da wird der Herd auch um diese Zeit noch einmal für uns angeworfen. Wir bestellen das Übliche, da uns die Plakate an den Wänden zu spät auffallen. Denn heute gibt es ein besonderes Special: Hundefleisch in drei Variationen. Aber nur heute. Da der Hund, wahrscheinlich einer dieser drei Streuner, die immer vor der Tür rumschleichen, ab und an den Geschlechtsakt vollführen und doch sehr hässlich aussehen, schon tot ist und nicht umsonst einem Bolzenschuss zum Opfer gefallen worden sein soll, hätte ich kein Problem damit, ihn zu probieren. Aber unter uns bin ich scheinbar der einzige, der so denkt, haben alle anderen doch irgendwie eine Beziehung zu diesen Tieren. Ich nicht. Aber gut, für heute wird es nichts mit dieser Delikatesse, vielleicht überzeuge ich noch jemanden bis morgen.
Der Chef gibt uns heute einen Schnaps aus. Einen ekeligen, chinesischen Schnaps. In diesen hat er komische, rote Früchte eingelegt, was das ganze noch süßer und den Abgang etwas angenehmer macht, dennoch bleibt der Grundgeschmack erhalten. Und er verschwindet auch nicht. Ein Glas alleine reicht, und für die nächste halbe Stunde sind die Geschmacksnerven der Zunge belagert.
Zudem scheint dieses Getränk den Magen abzuschließen, denn ich esse noch ein paar Gurken und Fleisch, bis uns gesagt wird, man wolle Feierabend machen und wir könnten doch so schnell Bier trinken, das sollten wir nochmal unter Beweis stellen. Nach Runterstülpen der Gerstenkaltschale ist es um mich dann geschehen. Einem Gemisch von Bier, Fleisch und Gurken wird vom Schnaps kein Durchlass gewehrt und das ganze lagert sich bedenklich in der Solarplexus-Region. Jede falsche Bewegung könnte jetzt übel enden, also überlass ich Denis das Bezahlen und geh schon einmal vor die Türe, wo mir auffällt, dass mein Schnürsenkel offen ist. Und da es regnet und der Boden nass ist, sollte ich ihn lieber binden. Und das ist diese falsche Bewegung, vor der ich mich kurz vorher gewarnt habe. Denn ich bekomme gerade noch so den Schuh gebunden, da macht der Schnaps Krawall und jagt Bier, Fleisch und Gurken zurück auf die Straße. Einfach so. Nach einer Flasche Bier.
Aber zumindest geht es mir anschließend besser. Und ich fühle mich noch nicht einmal schlecht dabei, ist Erbrechen doch Nationalsport, zumindest vergeht kaum ein Tag, an dem ich keinen Bogen um einen Kotzflecken machen muss.
Das ganze beflügelt mich und ich bin der einzige, der heute Abend noch steil gehen möchte. Und das tu ich. Ich fahre zum SongSong, wo Mini mit ihren Freunden bereits feiert. Die Freunde machen mich zwar schnell als Opfer aus, das abgefüllt werden soll, reichen mir abwechselnd Gläser mit Mischgetränken, später werden aus den Gläsern Karaffen, aber das macht mir nichts, am Ende liegen sie in der Ecke und ich geh zwar steil, aber ich falle nicht.
Zum Glück probieren sie es auch nur mit konventionellen Getränken, dass ich keinen chinesischen Schnaps vertrage, bleibt vorerst mein Geheimnis.
Warum wir momentan eine solche Fliegenplage haben, ist rätselhaft. Am Müll kann es nicht liegen, den haben wir runtergebracht. Und die Temperaturen sind seit Wochen gleich, also ist es kaum vorstellbar, dass das Wetter sie reintreibt. Und überhaupt: Wie kommen sie rein, sind doch die Fenster immer geschlossen oder mindestens mit einem Fliegengitter versehen.
Vielleicht liegt es daran, dass wir stinken. Das ist gut möglich, denn wir vegetieren mehr oder weniger vor uns hin, die Luft ist momentan raus.
So kommen Denis und ich auch heute erst verhältnismäßig spät, um halb zehn abends, vor die Tür zum Abendessen. Aber im kleinen Zechuan-Restaurant neben dem Campus haben wir einen guten Status, da wird der Herd auch um diese Zeit noch einmal für uns angeworfen. Wir bestellen das Übliche, da uns die Plakate an den Wänden zu spät auffallen. Denn heute gibt es ein besonderes Special: Hundefleisch in drei Variationen. Aber nur heute. Da der Hund, wahrscheinlich einer dieser drei Streuner, die immer vor der Tür rumschleichen, ab und an den Geschlechtsakt vollführen und doch sehr hässlich aussehen, schon tot ist und nicht umsonst einem Bolzenschuss zum Opfer gefallen worden sein soll, hätte ich kein Problem damit, ihn zu probieren. Aber unter uns bin ich scheinbar der einzige, der so denkt, haben alle anderen doch irgendwie eine Beziehung zu diesen Tieren. Ich nicht. Aber gut, für heute wird es nichts mit dieser Delikatesse, vielleicht überzeuge ich noch jemanden bis morgen.
Der Chef gibt uns heute einen Schnaps aus. Einen ekeligen, chinesischen Schnaps. In diesen hat er komische, rote Früchte eingelegt, was das ganze noch süßer und den Abgang etwas angenehmer macht, dennoch bleibt der Grundgeschmack erhalten. Und er verschwindet auch nicht. Ein Glas alleine reicht, und für die nächste halbe Stunde sind die Geschmacksnerven der Zunge belagert.
Zudem scheint dieses Getränk den Magen abzuschließen, denn ich esse noch ein paar Gurken und Fleisch, bis uns gesagt wird, man wolle Feierabend machen und wir könnten doch so schnell Bier trinken, das sollten wir nochmal unter Beweis stellen. Nach Runterstülpen der Gerstenkaltschale ist es um mich dann geschehen. Einem Gemisch von Bier, Fleisch und Gurken wird vom Schnaps kein Durchlass gewehrt und das ganze lagert sich bedenklich in der Solarplexus-Region. Jede falsche Bewegung könnte jetzt übel enden, also überlass ich Denis das Bezahlen und geh schon einmal vor die Türe, wo mir auffällt, dass mein Schnürsenkel offen ist. Und da es regnet und der Boden nass ist, sollte ich ihn lieber binden. Und das ist diese falsche Bewegung, vor der ich mich kurz vorher gewarnt habe. Denn ich bekomme gerade noch so den Schuh gebunden, da macht der Schnaps Krawall und jagt Bier, Fleisch und Gurken zurück auf die Straße. Einfach so. Nach einer Flasche Bier.
Aber zumindest geht es mir anschließend besser. Und ich fühle mich noch nicht einmal schlecht dabei, ist Erbrechen doch Nationalsport, zumindest vergeht kaum ein Tag, an dem ich keinen Bogen um einen Kotzflecken machen muss.
Das ganze beflügelt mich und ich bin der einzige, der heute Abend noch steil gehen möchte. Und das tu ich. Ich fahre zum SongSong, wo Mini mit ihren Freunden bereits feiert. Die Freunde machen mich zwar schnell als Opfer aus, das abgefüllt werden soll, reichen mir abwechselnd Gläser mit Mischgetränken, später werden aus den Gläsern Karaffen, aber das macht mir nichts, am Ende liegen sie in der Ecke und ich geh zwar steil, aber ich falle nicht.
Zum Glück probieren sie es auch nur mit konventionellen Getränken, dass ich keinen chinesischen Schnaps vertrage, bleibt vorerst mein Geheimnis.
Freitag, 27. November 2009
Tag 273: Kino.
Es wurde gestern etwas länger, erst bei Bambi, dann noch mit Telefonaten mit der Heimat, aber mein Gespür für Zeit weckt mich um halb eins. Es ist kein schöner Tag. Draußen ist es nasskalt, die Wohnung ist auch nicht so wirklich warm und wird es wohl auch nicht, denn wir haben Stromausfall. Da ich so lange schlafe, weiß ich nicht, warum. Die Vorlesung plätschert auch so vor sich hin und nach der Rückkehr ist der Strom immer noch weg, was soll man also machen? Und was hat Nadine die ganze Zeit gemacht? Sie ist unsere Vorzeige-Studentin (neben mir, versteht sich), wenn es um die Anwesenheit in den Vorlesungen geht. Und immer dann, wenn sie sich entscheidet, nicht hinzugehen, ist es blöd. Beim letzten Mal hatten wir Labor, also Anwesenheitspflicht, heute keinen Strom und da es draußen nicht wirklich hell wird, ist auch das Licht zum Lesen sehr bescheiden.
Es trifft sich für mich also gut, dass ich mich nicht mehr lange im Wohnheim aufhalte, sondern zum Kino verabredet bin. Hinter der großen Wildganspagode ist ein neues errichtet worden und donnerstags sollen Filme auf Englisch laufen. So um sechs Uhr rum, laut Andys Aussage ohne Gewehr. Aber da läuft nicht wirklich was, also müssen Mini und ich uns noch etwas gedulden, zum Glück gibt es aber noch eine Art Bücherladen im Foyer, sodass sie sich einen dicken Wälzer über irgendeine Dynastie reinzieht, während ich vorsichtig frage, wo denn die Kinderbücher sind. Ich lese drei Stück. Und eins zum Teil, aber das ist doof.
Da die Filmauswahl nicht die größte ist, kaufen wir Tickets für Twilight. Und das zu Preisen, die eher mit Deutschland vergleichbar sind. 55 Yuan kostet ein Ticket. Eigentlich. Aber da wir Studenten sind, nur die Hälfte. Der Kino-Saal ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl ziemlich klein. Aber wenn man sämtliche Kino-Filme schon kurz nach Erscheinen an jeder Straßenecke legal, wenn auch in schlechter Qualität, zu einem Siebtel des Preises kaufen kann, dann ist das wohl kein Wunder. Und ich wundere mich, dass ich bei einem englischen Film der einzige Ausländer bin. Des Rätsels Lösung ist, dass der Film letztendlich doch auf Chinesisch ist. Aber das macht nichts. Ich verstehe das meiste und außerdem ist Edward soooo schnuckelig!
Während des Films ist es nicht unüblich, dass die Zuschauer eines ihrer Hobbys nachgehen, nämlich dem Telefonieren. Zum Glück erklärt jeder nur, wo er gerade ist, mit wem und was er hier tut, sodass die Gespräche nicht sonderlich lang werden.
Es bleibt aber festzuhalten, dass das Kino ton- (selbst bei der Synchronisierung hat man sich mal Mühe gegeben) und bildtechnisch qualitativ sehr gut ist und auch die Möblierung sehr bequem, man kann hier also öfters hingehen.
Es trifft sich für mich also gut, dass ich mich nicht mehr lange im Wohnheim aufhalte, sondern zum Kino verabredet bin. Hinter der großen Wildganspagode ist ein neues errichtet worden und donnerstags sollen Filme auf Englisch laufen. So um sechs Uhr rum, laut Andys Aussage ohne Gewehr. Aber da läuft nicht wirklich was, also müssen Mini und ich uns noch etwas gedulden, zum Glück gibt es aber noch eine Art Bücherladen im Foyer, sodass sie sich einen dicken Wälzer über irgendeine Dynastie reinzieht, während ich vorsichtig frage, wo denn die Kinderbücher sind. Ich lese drei Stück. Und eins zum Teil, aber das ist doof.
Da die Filmauswahl nicht die größte ist, kaufen wir Tickets für Twilight. Und das zu Preisen, die eher mit Deutschland vergleichbar sind. 55 Yuan kostet ein Ticket. Eigentlich. Aber da wir Studenten sind, nur die Hälfte. Der Kino-Saal ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl ziemlich klein. Aber wenn man sämtliche Kino-Filme schon kurz nach Erscheinen an jeder Straßenecke legal, wenn auch in schlechter Qualität, zu einem Siebtel des Preises kaufen kann, dann ist das wohl kein Wunder. Und ich wundere mich, dass ich bei einem englischen Film der einzige Ausländer bin. Des Rätsels Lösung ist, dass der Film letztendlich doch auf Chinesisch ist. Aber das macht nichts. Ich verstehe das meiste und außerdem ist Edward soooo schnuckelig!
Während des Films ist es nicht unüblich, dass die Zuschauer eines ihrer Hobbys nachgehen, nämlich dem Telefonieren. Zum Glück erklärt jeder nur, wo er gerade ist, mit wem und was er hier tut, sodass die Gespräche nicht sonderlich lang werden.
Es bleibt aber festzuhalten, dass das Kino ton- (selbst bei der Synchronisierung hat man sich mal Mühe gegeben) und bildtechnisch qualitativ sehr gut ist und auch die Möblierung sehr bequem, man kann hier also öfters hingehen.
Tag 272: Die Chinesischprüfung nimmt ein schnelles Ende.
Ich erwache um halb neun, pfeif mir noch ein paar Grammatik-Übungen rein und gehe mit den anderen zum Deutschclub. Um 9:31 Uhr sind die Prüfungsblätter ausgeteilt und der Name eingetragen, es kann losgehen mit der bedeutsamsten Prüfung dieses Jahr. Es ist 9:52 Uhr, als ich mein letztes Zeichen geschrieben habe. 21 Minuten für drei Blätter. Da hat es sich gelohnt, dass ich sämtliche Übungen aus dem Buch angeschaut habe, denn der Großteil der Aufgaben ist identisch. Aber jetzt gehen kann ich nicht einfach so. Schließlich besitze ich die Schlüssel für den Raum. Und da wir schön nebeneinander sitzen, kann ich mein Wissen ja noch mit dem der anderen vergleichen und es weitergeben. Da hilft es auch nichts, dass es zwei Versionen der Prüfung gibt, die verschiedene Reihenfolgen der Aufgaben vorweisen.
Ich bleibe also weitere 40 Minuten und als ich mich erhebe, stehen dann zufällig alle anderen mit auf und wir geben zeitgleich unsere Blätter ab. Recht unauffällig, das ganze. Jetzt kann man nur gespannt sein auf das Prüfungsergebnis.
Den Nachmittag verbringen wir alle sehr kreativ und abends haben wir uns einen Ausflug zu Bambi redlich verdient. Morgen ist schließlich erst nachmittags Vorlesung.
Ich bleibe also weitere 40 Minuten und als ich mich erhebe, stehen dann zufällig alle anderen mit auf und wir geben zeitgleich unsere Blätter ab. Recht unauffällig, das ganze. Jetzt kann man nur gespannt sein auf das Prüfungsergebnis.
Den Nachmittag verbringen wir alle sehr kreativ und abends haben wir uns einen Ausflug zu Bambi redlich verdient. Morgen ist schließlich erst nachmittags Vorlesung.
Tag 271: Fehlender Alltagsrhytmus.
Konnte ich gestern noch lange ausschlafen und war deshalb erst sehr spät müde, also erst lange nach Mitternacht, so heißt es heute schon wieder früh aufstehen, vor sieben, da es zu kalt zum Radfahren ist und der Bus vor acht zum Bersten voll, wie auch die Straße, sodass man eine halbe Ewigkeit zum alten Campus braucht.
Kein Wunder also, dass wir zwar alle in der Vorlesung hocken, aber keiner wirklich fit ist. Zudem spricht der Prof sehr langsam, zugleich aber leise und undeutlich und drei Viertel der Zeit bespricht er die Hausaufgaben der Chinesen, sodass sich das Aufstehen heute eigentlich nicht gelohnt hat, da es alles nicht viel bringt.
Es hätte wahrscheinlich mehr gebracht, wären wir bis neun oder zehn im Bett geblieben, dann aufgestanden, fit geworden und hätten uns dann an den Schreibtisch gesetzt. Denn morgen steht die Chinesisch-Prüfung an, die genauso viele ECTS-Punkte bringt, wie unsere spätere Bachelor-Arbeit. Man sollte also hier Prioriäten setzen und auf eine gute Note hinarbeiten, schon verschönert man seine Abschlussnote. Aber das geht heute nicht so schnell. Nach der Vorlesung besteht erst einmal Schlafnachholbedarf, eine Stunde, vielleicht zwei will ich noch abschnorcheln, der Rest tut es mir gleich. Das Mittagessen wird somit verpennt, in der Mensa gibt es ab halb zwei nichts mehr, also wird notdürftig ein Chicken-Burger und eine Nudelsuppe vom Laden zwischen die Kiemen geschoben und dann, endlich, sitze ich am Schreibtisch und gehe zu wiederholten Male diese Tage sämtliche Übungen im Buch durch. Selbst alle Vokabeln habe ich mir mehr oder weniger freiwillig die letzte Woche schon reingezogen. Wir haben hier einfach zu viel Zeit, so viel Zeit, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie noch weiter sinnfrei vergeuden könnte, drum saß ich in letzter Zeit tatsächlich freiwillig da und habe gebüffelt. Oder chinesische Bücher gelesen.
Und trotz all dieser freien Zeit habe ich immer etwas wichtiges vor mir hergeschoben, nämlich meine Personenbeschreibung. Diese soll auf Chinesisch verfasst sein, so 300 Zeichen umfassen und morgen mit zur Prüfung gebracht werden, ist nämlich ein Teil davon. Aber wen beschreibt man da? Ich habe keine Lust, irgendeinen bekannten Heini zu recherchieren, also nehme ich das naheliegendste und beschreibe einfach mal mich. Zunächst befürchte ich, alle mich positiv beschreibenden Adjektive würden den Rahmen von 300 Zeichen schon sprengen, bzw. die zwei Zeichen, die 'perfekt' bedeuten, wären zu wenig, aber letztendlich schreibe ich den Wisch binnen zehn Minuten runter, die Überschrift lautet 'Mystery-Man'.
Abends schicke ich das Ding zu Spätzle, der ihn mittels stilistischer Mittel zur Perfektion treibt, Mini korrigiert ihn mir aber wieder zurück, mein Flair soll schließlich noch zwischen den Zeilen hervorkommen und meine Version hätte auch so bis auf ein paar Zeichen so bleiben können.
Das Abendessen in der Mensa verpassen wir heute übrigens auch, nach dem Mittagessen gegen vier Uhr ist um sechs noch nicht wieder so viel Appetit, aber wir haben Glück, dass die Lehrer-Mensa auch später noch Nahrung für uns liefert.
Heute geht es dann etwas früher ins Bett, schließlich steht morgen diese sehr wichtige Prüfung an, um halb zehn bereits.
Kein Wunder also, dass wir zwar alle in der Vorlesung hocken, aber keiner wirklich fit ist. Zudem spricht der Prof sehr langsam, zugleich aber leise und undeutlich und drei Viertel der Zeit bespricht er die Hausaufgaben der Chinesen, sodass sich das Aufstehen heute eigentlich nicht gelohnt hat, da es alles nicht viel bringt.
Es hätte wahrscheinlich mehr gebracht, wären wir bis neun oder zehn im Bett geblieben, dann aufgestanden, fit geworden und hätten uns dann an den Schreibtisch gesetzt. Denn morgen steht die Chinesisch-Prüfung an, die genauso viele ECTS-Punkte bringt, wie unsere spätere Bachelor-Arbeit. Man sollte also hier Prioriäten setzen und auf eine gute Note hinarbeiten, schon verschönert man seine Abschlussnote. Aber das geht heute nicht so schnell. Nach der Vorlesung besteht erst einmal Schlafnachholbedarf, eine Stunde, vielleicht zwei will ich noch abschnorcheln, der Rest tut es mir gleich. Das Mittagessen wird somit verpennt, in der Mensa gibt es ab halb zwei nichts mehr, also wird notdürftig ein Chicken-Burger und eine Nudelsuppe vom Laden zwischen die Kiemen geschoben und dann, endlich, sitze ich am Schreibtisch und gehe zu wiederholten Male diese Tage sämtliche Übungen im Buch durch. Selbst alle Vokabeln habe ich mir mehr oder weniger freiwillig die letzte Woche schon reingezogen. Wir haben hier einfach zu viel Zeit, so viel Zeit, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie noch weiter sinnfrei vergeuden könnte, drum saß ich in letzter Zeit tatsächlich freiwillig da und habe gebüffelt. Oder chinesische Bücher gelesen.
Und trotz all dieser freien Zeit habe ich immer etwas wichtiges vor mir hergeschoben, nämlich meine Personenbeschreibung. Diese soll auf Chinesisch verfasst sein, so 300 Zeichen umfassen und morgen mit zur Prüfung gebracht werden, ist nämlich ein Teil davon. Aber wen beschreibt man da? Ich habe keine Lust, irgendeinen bekannten Heini zu recherchieren, also nehme ich das naheliegendste und beschreibe einfach mal mich. Zunächst befürchte ich, alle mich positiv beschreibenden Adjektive würden den Rahmen von 300 Zeichen schon sprengen, bzw. die zwei Zeichen, die 'perfekt' bedeuten, wären zu wenig, aber letztendlich schreibe ich den Wisch binnen zehn Minuten runter, die Überschrift lautet 'Mystery-Man'.
Abends schicke ich das Ding zu Spätzle, der ihn mittels stilistischer Mittel zur Perfektion treibt, Mini korrigiert ihn mir aber wieder zurück, mein Flair soll schließlich noch zwischen den Zeilen hervorkommen und meine Version hätte auch so bis auf ein paar Zeichen so bleiben können.
Das Abendessen in der Mensa verpassen wir heute übrigens auch, nach dem Mittagessen gegen vier Uhr ist um sechs noch nicht wieder so viel Appetit, aber wir haben Glück, dass die Lehrer-Mensa auch später noch Nahrung für uns liefert.
Heute geht es dann etwas früher ins Bett, schließlich steht morgen diese sehr wichtige Prüfung an, um halb zehn bereits.
Dienstag, 24. November 2009
Tag 270: Toten-Feiertag.
Habe ich mich letzte Woche doch über die ganzen Lagerfeuer an den Straßen gewundert, zur Aufklärung meiner Fragen Frau Ai eine Nachricht geschickt und versprochen, danach auch die hiesigen Leser aufzuklären, bin ich heute recht erschrocken, ja ganz und gar selbst von mir enttäuscht, dass ich dieses Versprechen nicht eingehalten habe. Ich habe also den Bedarf, dies nachzuholen.
Letzte Woche war also Feiertag zur Ehrung der Toten, die einem nahestanden. Die erdlichen Menschen verbrennen also für jene im Jenseits, die noch als Geister hier herumschwirren, Geld in Form von Spielgeld (oder in Form von auf Papier geschriebene Summen) und Kleidung (oder auf Papier geschriebene Kleidungsstücke) und auf Papier geschriebene Wünsche und Sorgen. Dadurch haben diese dann ein herrliches, sorgenfreies Leben im Jenseits.
Da aber auch die Geister Schelme und Kriminelle sind, sollte man um jedes Feuer einen Kreidekreis ziehen, sonst kann es passieren, dass all das, was man dort verbrennt, von jedem Hans und Franz gestohlen wird.
Zurück bleiben also ein eingekreideter Aschehaufen, ein gewissensberuhigter Angehöriger und ein reicher Toter.
Letzte Woche war also Feiertag zur Ehrung der Toten, die einem nahestanden. Die erdlichen Menschen verbrennen also für jene im Jenseits, die noch als Geister hier herumschwirren, Geld in Form von Spielgeld (oder in Form von auf Papier geschriebene Summen) und Kleidung (oder auf Papier geschriebene Kleidungsstücke) und auf Papier geschriebene Wünsche und Sorgen. Dadurch haben diese dann ein herrliches, sorgenfreies Leben im Jenseits.
Da aber auch die Geister Schelme und Kriminelle sind, sollte man um jedes Feuer einen Kreidekreis ziehen, sonst kann es passieren, dass all das, was man dort verbrennt, von jedem Hans und Franz gestohlen wird.
Zurück bleiben also ein eingekreideter Aschehaufen, ein gewissensberuhigter Angehöriger und ein reicher Toter.
Tag 269: Frierende Chinesen.
Gestern waren wir nicht unterwegs. Also ist es auch nicht so schlimm, dass gegen acht Uhr der Wecker klingelt und wir zum Fußball fahren. Natürlich ist es auch heute nicht unbedingt warm und der Platz noch ein wenig gefroren, dennoch habe ich als Kicker einer Dorfmannschaft gelernt, dass man auch unter diesen Umständen mit kurzen Hosen spielen kann. Ja sogar ein T-Shirt ist nicht unbedingt schlimm, solange man sich bewegt wird einem schließlich warm und anschließend kann man sich ja warm anziehen.
Nun, das habe ich scheinbar als einziger so gelernt, denn ich bin der einzige, der so auf dem Platz steht. Gut, im Gegensatz zu hiesigen Männern habe ich auch ein eigenes kleines Winterfell um meine Schenkel angelegt, dennoch werde ich als verrückt abgestempelt, stehen doch alle zitternd um mich herum.
Unter diesen Umständen kann das Spiel natürlich nichts werden und es wird auch nichts. Aber zumindest das Essen anschließend ist ziemlich gut.
Auf dem Rückweg, es ist halb eins, rechne ich aus, wie der Nachmittag wohl verlaufen wird: Duschen, kurzen Mittagsschlaf und kurz gucken, was sich im weltweiten Netzwerk so getan hat, dann dürfte es halb fünf sein, wenn ich anfange zu lernen.
Und so ist es. Da bin ich Realist. Ich habe auch gestern nicht behauptet, dass wir dann nach dem Fußball den ganzen Tag dazu zur Verfügung hätten. Aber zumindest kann der Abend genutzt werden, morgen können wir schließlich wieder ausschlafen.
Nun, das habe ich scheinbar als einziger so gelernt, denn ich bin der einzige, der so auf dem Platz steht. Gut, im Gegensatz zu hiesigen Männern habe ich auch ein eigenes kleines Winterfell um meine Schenkel angelegt, dennoch werde ich als verrückt abgestempelt, stehen doch alle zitternd um mich herum.
Unter diesen Umständen kann das Spiel natürlich nichts werden und es wird auch nichts. Aber zumindest das Essen anschließend ist ziemlich gut.
Auf dem Rückweg, es ist halb eins, rechne ich aus, wie der Nachmittag wohl verlaufen wird: Duschen, kurzen Mittagsschlaf und kurz gucken, was sich im weltweiten Netzwerk so getan hat, dann dürfte es halb fünf sein, wenn ich anfange zu lernen.
Und so ist es. Da bin ich Realist. Ich habe auch gestern nicht behauptet, dass wir dann nach dem Fußball den ganzen Tag dazu zur Verfügung hätten. Aber zumindest kann der Abend genutzt werden, morgen können wir schließlich wieder ausschlafen.
Tag 268: Lagerkoller?
So langsam schleicht er sich ein. Langeweile, bedingt durch schlechtes Wetter, das nicht zum Rausgehen einlädt und dauernd ausfallende Vorlesungen, Heimweh, ein ständiges Aufeinanderhocken (teils vergnügliches, teils nicht vergnügliches), das Wörtchen 'Dreck', kalte Wohnungen, etc. sorgen dafür, dass sich so langsam ein Lagerkoller breit macht. Es geht jetzt oft darum, wer mit wem, aber vor allem wer gegen wen wie handelt, bewusst oder unbewusst, und viele kleine Fehler werden groß angekreidet.
Der Autor ist selbstverfreilich freizusprechen von diesem Verhalten, er betrachtet diese Entwicklung bislang noch vergnügt, wenngleich auch mit etwas Sorge behaftet und rät jedem, der sich angesprochen fühlen mag, einfach mal locker durch die Hose zu atmen, vor die Türe zu gehen, sich bewusst zu machen, dass es hier doch eigentlich gar nicht alles so schlimm ist und sich mit der Tatsache, dass es bald nach Hause geht, beruhigen.
Es gibt auch positives zu heute zu berichten, beispielsweise, dass der Gasmann mittags anruft und mich bittet, im Hause zu bleiben. Abends um sieben hocke ich immer noch in der Wohnung, aber es tut sich nichts, also wähle ich selber noch einmal seine Nummer. Mir wird gesagt, mein Anliegen würde weitergeleitet werden und kaum ist das Telefonat beendet, klopft es auch schon an der Türe. Nach einer Minute ist das Problem behoben, es soll anscheinend an einem kleinen roten Schalter gelegen haben. Daran glaube ich aber nicht, haben wir doch selber alle möglichen Varianten ausprobiert, ohne Ergebnis.
Zumindest haben wir jetzt eine warme Wohnung, die hoffentlich ein wenig die Entwicklung zum befürchteten Lagerkoller eindämmen kann.
An die beunruhigten Leser in der Ferne sei gesagt: Keine Panik, der Papa wird das Schiff schon schaukeln.
Der Autor ist selbstverfreilich freizusprechen von diesem Verhalten, er betrachtet diese Entwicklung bislang noch vergnügt, wenngleich auch mit etwas Sorge behaftet und rät jedem, der sich angesprochen fühlen mag, einfach mal locker durch die Hose zu atmen, vor die Türe zu gehen, sich bewusst zu machen, dass es hier doch eigentlich gar nicht alles so schlimm ist und sich mit der Tatsache, dass es bald nach Hause geht, beruhigen.
Es gibt auch positives zu heute zu berichten, beispielsweise, dass der Gasmann mittags anruft und mich bittet, im Hause zu bleiben. Abends um sieben hocke ich immer noch in der Wohnung, aber es tut sich nichts, also wähle ich selber noch einmal seine Nummer. Mir wird gesagt, mein Anliegen würde weitergeleitet werden und kaum ist das Telefonat beendet, klopft es auch schon an der Türe. Nach einer Minute ist das Problem behoben, es soll anscheinend an einem kleinen roten Schalter gelegen haben. Daran glaube ich aber nicht, haben wir doch selber alle möglichen Varianten ausprobiert, ohne Ergebnis.
Zumindest haben wir jetzt eine warme Wohnung, die hoffentlich ein wenig die Entwicklung zum befürchteten Lagerkoller eindämmen kann.
An die beunruhigten Leser in der Ferne sei gesagt: Keine Panik, der Papa wird das Schiff schon schaukeln.
Samstag, 21. November 2009
Tag 267: Putztag?

Eigentlich steht mal wieder ein Putztag an, denn nein, schön ist das nicht, was unsere Wohnung vorzuweisen hat. Neben der Tür stapeln sich improvisierte Müllbeutel, aus denen es zum Teil süfft, Cola-Flecken sind auf dem Boden festgetrocknet und kleben schon lange nicht mehr, da sich genug Staub darauf gefangen hat, Staub generell ist ein großes Problem und gespült werden könnte auch mal wieder.
Könnte. Aber warum das alles noch nicht geregelt wurde, hat einen einfachen Grund: Seit einer Woche haben wir schon kein Gas mehr, dadurch kein warmes Wasser und keine Heizung. Mit lausig kaltem Wasser spült es sich bekanntlich schlecht und auch einen Boden möchte man damit nicht wischen. Und da die Heizung nicht funktioniert, die Wände aber schlecht isoliert sind und es draußen verdammt kalt ist, heizen wir mit der Klimaanlage. Diese pumpt aber neben viel in warme umgewandelte kalte Außenluft auch viel Staub in die Bude, sodass man gar nicht dagegen anfegen kann. Klar, natürlich hatten wir diese Woche eigentlich viel Zeit, das zu regeln. Aber der Fachmann lässt ja dauernd auf sich warten und schiebt dann das Problem auf unsere Gaskarte. Und damit hat er nichts am Hut, er macht nur die Heizungen.
Mit dieser gehen wir also heute erstmal zur Gasfirma. Nö, an der Karte liegt es nicht, ich solle doch bitte diese und jene Nummer anrufen, da würde dann jemand kommen.
Anrufen kann ich, auch wenn die Dame am anderen Ende nur schwer verständlich ist und ich ihr somit nur fünfmal hintereinander unsere (ziemlich lange) Adresse einhämmer und öfter wiederhole, dass Gas kaputt ist und kein warmes Wasser vorhanden und dass das alles andere als angenehm sei. Sie schickt jemanden vorbei, sagt sie.
Jetzt könnte ich warten und Däumchen drehen, aber irgendwie will ich keinen fremden in unser Drecksloch lassen. Ich sortiere also schonmal den Müll. Und fege. Und kippe Wasser auf die eingetrockneten Flecken, damit diese einweichen könnten. Denn Einweichen ist schon die halbe Arbeit, obwohl man aktiv gar nichts macht. Und so muddel ich vor mich hin, bis Lukas kommt und Denis und die haben Mitleid und helfen mir und auf einmal ist die Bude doch wieder in einem tadellosen Zustand, der Boden glänzt, selbst das Bad ist geschrubbt und das alles mit kaltem Wasser und wir sind fertig, bevor der Heizungsmann kommt. Das ist aber auch nicht schwer, denn der Heizungsmann kommt nicht mehr. Es bleibt also kalt. Und da alles sauber ist, hallt es jetzt in unseren vier Wänden, was das ganze noch kälter erscheinen lässt. Aber die Klimaanlage lass ich erstmal aus, ist schließlich gerade so schön sauber. Und außerdem ist Freitag, wir könnten ausgehen.
Das machen wir auch, aber heute ist es blöd. Bei Bambi ist es zu voll, im Sunny 88, dem wir gerne mal eine Chance geben wollen, ist es viel zu warm, aber nicht gerade gut bevölkert, außerdem wird bereits um Mitternacht Rauswerf-Musik gesungen, schöne Schnulzen, auf die Chinesen eigentlich stehen, aber nicht heute. Zudem möchte ein Gast dem Thomas grundlos eins auf die Nase hauen. Auf die schöne, große Nase. Wollen wir nicht zulassen, also fahren wir weiter zum Salsa. Wir kommen ausnahmsweise rein, weil wir drei Asiatinnen dabei haben, die mit der ersten Gruppe reingehen und anschließend die zweite beim Eingang abholen. Das Salsa hat sich aber scheinbar keinen großen Gefallen damit getan, Ausländer zu schikanieren, denn voll ist der Laden nicht und es wird schon etwas an Beleuchtung gespart.
Und so ist es nicht schwer, dass ich der letzte auf der Tanzfläche bin. Mal wieder. Wird aber nach der heutigen schlechten Erfahrung nicht mehr so häufig vorkommen. Scheinbar kann man nur noch ins 1+1 gehen. Oder einfach mal zuhause bleiben.
Tag 266: Frisör-Sterben?
Heute finden mit Vorlesung Nummer 2 und 3 gleichzeitig unsere letzten Pflichtveranstaltungen diese Woche statt, da wir den Prof von morgen treffen und dieser meint, wir könnten auch mal ausruhen und würden das alles auf Montag verschieben.
Und Vorlesung Nummer 3 ist auch nur halb so lang, wie angedacht, also ist anschließend Zeit, mal wieder meinem Hobby nachzukommen, nämlich dem Frisör-Besuch. Eigentlich gestaltet sich dies als einfach, da in der Straße vorm Campus vor kurzem Frisör Nummer 6 eröffnet hat (auf 400 Metern, also müsste sich alle 66,66 Meter ein Frisör befinden). Allerdings laufe ich an Frisör Nummer 1 vorbei, dieser hat geschlossen. Genau wie Nummer 2 und Nummer 3 auch. Komplett. Licht aus, Gitter vor der Tür, leblos. Ich frage mich, ob der plötzliche Winter daran Schuld ist, der bekanntlich viele Menschen dazu zwingt, Mützen zu tragen, und somit es niemand für nötig hält, sich die Haare schön machen zu lassen. Oder vielleicht belebt hier die Konkurrenz doch nicht mehr das Geschäft, sondern zerstört es.
Bei Frisör Nummer 2 kann es einen fast freuen, schließlich war es dieser, der Cathrins Haare statt blond grau-blau gemacht hat.
Frisör Nummer 4 hat aber noch geöffnet, am anderen Ende der Straße. Aber viel los ist auch dort nicht. Und gesprächig ist auch niemand, also bekomm ich nicht raus, was in der Straße passiert ist. Aber eine Frisur bekomme ich. Mein Blond ist jetzt vollständig rausgewachsen und weggeschnitten.
Es wären also perfekte Bedingungen, heute mal wieder rauszugehen (war ich ja erst Freitag, Samstag, Sonntag und Dienstag), auch, weil Spätzle Geburtstag hat und bei uns hockt, als ich zurückkomme, da die anderen ihm diesmal keine Spätzle, sondern Schupfnudeln mit Sauerkraut zubereitet haben (und komischerweise schmeckt auch das ihm). Wir gehen aber nicht raus. Muss ja auch nicht. Man kann ja auch mal früher ins Bett und morgen früh lernen. Aber auch das machen wir irgendwie nicht. Schließlich besteht kein Zwang dazu.
Und Vorlesung Nummer 3 ist auch nur halb so lang, wie angedacht, also ist anschließend Zeit, mal wieder meinem Hobby nachzukommen, nämlich dem Frisör-Besuch. Eigentlich gestaltet sich dies als einfach, da in der Straße vorm Campus vor kurzem Frisör Nummer 6 eröffnet hat (auf 400 Metern, also müsste sich alle 66,66 Meter ein Frisör befinden). Allerdings laufe ich an Frisör Nummer 1 vorbei, dieser hat geschlossen. Genau wie Nummer 2 und Nummer 3 auch. Komplett. Licht aus, Gitter vor der Tür, leblos. Ich frage mich, ob der plötzliche Winter daran Schuld ist, der bekanntlich viele Menschen dazu zwingt, Mützen zu tragen, und somit es niemand für nötig hält, sich die Haare schön machen zu lassen. Oder vielleicht belebt hier die Konkurrenz doch nicht mehr das Geschäft, sondern zerstört es.
Bei Frisör Nummer 2 kann es einen fast freuen, schließlich war es dieser, der Cathrins Haare statt blond grau-blau gemacht hat.
Frisör Nummer 4 hat aber noch geöffnet, am anderen Ende der Straße. Aber viel los ist auch dort nicht. Und gesprächig ist auch niemand, also bekomm ich nicht raus, was in der Straße passiert ist. Aber eine Frisur bekomme ich. Mein Blond ist jetzt vollständig rausgewachsen und weggeschnitten.
Es wären also perfekte Bedingungen, heute mal wieder rauszugehen (war ich ja erst Freitag, Samstag, Sonntag und Dienstag), auch, weil Spätzle Geburtstag hat und bei uns hockt, als ich zurückkomme, da die anderen ihm diesmal keine Spätzle, sondern Schupfnudeln mit Sauerkraut zubereitet haben (und komischerweise schmeckt auch das ihm). Wir gehen aber nicht raus. Muss ja auch nicht. Man kann ja auch mal früher ins Bett und morgen früh lernen. Aber auch das machen wir irgendwie nicht. Schließlich besteht kein Zwang dazu.
Tag 265: Öfter mal was essen.
Diese Woche ist ganz schlimm. Ich vegetiere nur so vor mich hin, schleppe mich von Essen zu Essen. Denn Vorlesungen sind Mangelware, Montag hatten wir schon frei, gestern eine einzige und heute ist auch frei. Und heute wollen wir Pizza machen.
Zunächst aber sind wir noch gefordert, sollen beim Tauzieh-Wettbewerb unser Institut unterstützen. Dies ist eigentlich nach zehn Minuten abgetan. Wir vier werden aufgeteilt, Lukas und Denis gehen zu den Druckern, Thomas und ich zu den Verpackern. Bei den Druckern wirkt aber einer mit, der zwei Köpfe größer ist, als Lukas und doppelt so breit. Der zieht uns auch alleine weg und somit verliert mein Team ohne große Anstrengung. Aber was heißt verlieren, schließlich bin ich ja Drucker.
Wie gesagt, eigentlich können wir dann zurück und Pizza machen. Aber auf dem Weg liegt noch so viel Schnee und die Gruppe derer, die sich zum Anfeuern um das Seil versammelt haben, ist groß, ein perfekter Landepunkt für Schneebälle also. Und bald sehen wir uns einer Schlacht ausgesetzt, vier Deutsche gegen hundert Chinesen. Am Ende gehen wir nach einer Stunde deutlich als Sieger nach Treffern vom Platz. Allerdings sind wir gespannt, ob nicht doch ein spießiger Kommilitone etwas dagegen hatte und petzen geht. Dann bekomm ich garantiert wieder einen Anruf, der da sagt, kann man da nicht machen.
Dann aber Pizza, es ist schon zwei. Und der Magen hat noch nichts gesehen. Aber so ein Teig will geknetet werden. Und aufgehen. Und ausgerollt. Und belegt. Und in den Ofen geschoben.
Als wir essen, ist es fünf. Also schon fast Abendbrot-Zeit. Dennoch zählt es weiter als Mittagessen, denn das Abendessen findet später beim Japaner statt. Um kurz vor zehn betreten wir den Laden und wissen die Gastfreundschaft zu schätzen, denn eigentlich ist kurz später Feierabend, dennoch gewehrt man uns Einlass und stellt uns die schnellste Köchin zur Verfügung, die Sushi, gebratenen Fisch, Steak, Omelett und Gemüse zubereitet.
An vielfältiger Ernährung hapert es diese Tage zumindest nicht.
Zunächst aber sind wir noch gefordert, sollen beim Tauzieh-Wettbewerb unser Institut unterstützen. Dies ist eigentlich nach zehn Minuten abgetan. Wir vier werden aufgeteilt, Lukas und Denis gehen zu den Druckern, Thomas und ich zu den Verpackern. Bei den Druckern wirkt aber einer mit, der zwei Köpfe größer ist, als Lukas und doppelt so breit. Der zieht uns auch alleine weg und somit verliert mein Team ohne große Anstrengung. Aber was heißt verlieren, schließlich bin ich ja Drucker.
Wie gesagt, eigentlich können wir dann zurück und Pizza machen. Aber auf dem Weg liegt noch so viel Schnee und die Gruppe derer, die sich zum Anfeuern um das Seil versammelt haben, ist groß, ein perfekter Landepunkt für Schneebälle also. Und bald sehen wir uns einer Schlacht ausgesetzt, vier Deutsche gegen hundert Chinesen. Am Ende gehen wir nach einer Stunde deutlich als Sieger nach Treffern vom Platz. Allerdings sind wir gespannt, ob nicht doch ein spießiger Kommilitone etwas dagegen hatte und petzen geht. Dann bekomm ich garantiert wieder einen Anruf, der da sagt, kann man da nicht machen.
Dann aber Pizza, es ist schon zwei. Und der Magen hat noch nichts gesehen. Aber so ein Teig will geknetet werden. Und aufgehen. Und ausgerollt. Und belegt. Und in den Ofen geschoben.
Als wir essen, ist es fünf. Also schon fast Abendbrot-Zeit. Dennoch zählt es weiter als Mittagessen, denn das Abendessen findet später beim Japaner statt. Um kurz vor zehn betreten wir den Laden und wissen die Gastfreundschaft zu schätzen, denn eigentlich ist kurz später Feierabend, dennoch gewehrt man uns Einlass und stellt uns die schnellste Köchin zur Verfügung, die Sushi, gebratenen Fisch, Steak, Omelett und Gemüse zubereitet.
An vielfältiger Ernährung hapert es diese Tage zumindest nicht.
Tag 264: Koreanischer Schönheitswahn.
Da es Js letzte Woche ist, gehen wir heute mit ihr essen. Koreanisch. Dort erzählt sie uns, dass Schönheitschirurgie in Südkorea Gang und Gebe ist, ca. 90 % aller jungen Frauen im paarungswilligen Alter hätten schon hier oder da einen Eingriff unternommen, auch viele ihrer Freundinnen, sie aber nicht, sagt sie. Aber sie hätte bald eine OP am Auge. Sie kann uns aber beruhigen, dass sie nicht vorhat, ihre Augenlider zu verkürzen, damit die Augen größer erscheinen, sondern lediglich ihre Sehfähigkeit mittels Laser aufbessern möchte.
Später lese ich, dass neben größeren und dünneren Nasen, größeren Augen und Brüsten auch Schamhaar-Transplantationen wohl vollkommen am Boomen sind. Und zwar besonders unter Saunagängerinnen, weil schütteres Schamhaar scheinbar auf mangelnde Fruchtbarkeit hindeutet. Dann wird ein Fetzen Kopfhaut samt Haare rausgeschnitten, in kleine Mikro-Haarinseln mit je zwei bis drei Haaren zerschnibbelt und anschließend weiter unten wieder eingepflanzt. Bei örtlicher Betäubung. Das find ich abgefahren.
Sollte ich J also im Januar vielleicht besuchen, werde ich mir das mal anschauen. Vielleicht lass ich auch einen Eingriff über mich ergehen. Allerdings wüsste ich jetzt spontan nicht, wo noch etwas zu verbessern sein.
Später lese ich, dass neben größeren und dünneren Nasen, größeren Augen und Brüsten auch Schamhaar-Transplantationen wohl vollkommen am Boomen sind. Und zwar besonders unter Saunagängerinnen, weil schütteres Schamhaar scheinbar auf mangelnde Fruchtbarkeit hindeutet. Dann wird ein Fetzen Kopfhaut samt Haare rausgeschnitten, in kleine Mikro-Haarinseln mit je zwei bis drei Haaren zerschnibbelt und anschließend weiter unten wieder eingepflanzt. Bei örtlicher Betäubung. Das find ich abgefahren.
Sollte ich J also im Januar vielleicht besuchen, werde ich mir das mal anschauen. Vielleicht lass ich auch einen Eingriff über mich ergehen. Allerdings wüsste ich jetzt spontan nicht, wo noch etwas zu verbessern sein.
Montag, 16. November 2009
Tag 263: Versnobt?
Klingt es eigentlich versnobt, wenn ich in meinem Tagesablauf beschreibe, dass ich bis mittags schlafe, dann ein Taxi besteige, meinen maßgeschneiderten Anzug abhole, um vom Schneidermeister in den nächsten Massage-Salon zu fahren, in dem ich zwei Stunden lang durchgeknetet werde? Und das ganze nicht aus einem speziellen Grund, sondern einzig und allein aus Spaß an der Freude und weil heute Montag ist?
Ja, das mag versnobt klingen, aber es ist einfach möglich in diesem Land. Und da bin ich Egoist genug, alsdass ich mich dagegen wehren würde.
Was passiert sonst noch? J trifft sich mit ihrem DJ und stellt nach einer Stunde Gespräch fest, dass er doch nicht der ultimative Typ ist, sie kann also beruhigt am Samstag zurück in ihr Heimatland fliegen. Draußen ist es noch immer schweinekalt und es fängt langsam an zu frieren. Die Leute scheinen dagegen etwas tun zu wollen und zünden überall auf den Gehwegen Papiere an. Diese Tatsache hat aber ihren Grund in einem morgigen Feiertag, den uns der Taxi-Fahrer leider nicht verständlich erklären kann. Also frage ich die Meisterin in Sachen chinesischer Kultur, nämlich Frau Ai. Frau Ai schläft aber scheinbar schon um kurz nach elf, weshalb ich und wir alle bis morgen auf die Aufklärung warten müssen.
Ja, das mag versnobt klingen, aber es ist einfach möglich in diesem Land. Und da bin ich Egoist genug, alsdass ich mich dagegen wehren würde.
Was passiert sonst noch? J trifft sich mit ihrem DJ und stellt nach einer Stunde Gespräch fest, dass er doch nicht der ultimative Typ ist, sie kann also beruhigt am Samstag zurück in ihr Heimatland fliegen. Draußen ist es noch immer schweinekalt und es fängt langsam an zu frieren. Die Leute scheinen dagegen etwas tun zu wollen und zünden überall auf den Gehwegen Papiere an. Diese Tatsache hat aber ihren Grund in einem morgigen Feiertag, den uns der Taxi-Fahrer leider nicht verständlich erklären kann. Also frage ich die Meisterin in Sachen chinesischer Kultur, nämlich Frau Ai. Frau Ai schläft aber scheinbar schon um kurz nach elf, weshalb ich und wir alle bis morgen auf die Aufklärung warten müssen.
Tag 262: Js Herzschmerzen.
J, unsere Koreanerin, verlässt uns nächste Woche bereits wieder. Da trifft es sich ganz und gar nicht gut, dass sie sich ein wenig in den DJ aus dem 1+1 verguckt hat. Dennoch, oder gerade deshalb, möchte sie die letzte noch einmal nutzen, um ihm näher zu kommen.
Ich habe ihr gestern bereits geholfen, etwas Kontakt aufzunehmen, aber da war sie noch sehr verschüchtert, hat es gerade einmal zur Handy-Nummer geschafft.
Heute bittet er sie dann, doch bitte wieder herzukommen. Aber J traut sich noch nicht so wirklich. Also muss der Papa wieder herhalten und die gute begleiten. Am Sonntag! Aber da wir ab dieser Woche nur noch pro Tag maximal eine Vorlesung haben und die morgige erst nachmittags stattfindet, kann man das mal machen.
In der Disco wartet bereits Mini, die auch meinen Gutschein über ein paar Flaschen Bier, die gestern nicht vertrunken wurden, schon eingelöst hat, sodass für mich ein Tisch bereitsteht, während die beiden Damen ab und zu zum DJ-Pult rübermarschieren.
Während meine Begleitungen aber abwesend sind, wittern andere Gäste ihre Chance. Und so kommt es nicht nur einmal vor, dass ich von Damen heimgesucht werde. Die erste nennt sich DJ Anna, hat mit Musik aber nichts am Hut, das DJ steht nur für die Initialien des chinesischen Namens. In unserem zehnminütigen Gespräch, währenddessen sie mir wahrscheinlich 15 Mal die Hand schüttelt, lässt sie mich wissen, dass sie heute Geburtstag hat. Ich gratuliere und frage denn, der wievielte es wohl sein möge. Der 15.. Ich denke kurz nach. Ich bin acht Jahre älter. Also mehr als 1,5 Mal älter. DJ Anna sagt, sie müsse nicht zur Schule. Sie sei dort sowieso die beste und werde deshalb gemobbt. Außerdem erbt sie wohl noch ein Hotel am Glockenturm. Also wär sie doch eigentlich eine gute Partie... Aber nein, heute nicht. J und Mini kommen zum Glück zurück und DJ Anna muss dann doch schon kurz nach Mitternacht nach Hause. Wird auch Zeit. Die Gute ist rotzevoll.
Die zweite Dame stellt sich mir gar nicht vor. Sie lallt nur irgendwas auf Englisch, während ich auf Chinesisch antworte. Von ihren Reaktionen her weiß ich, dass sie mich versteht. Dennoch fragt sie mich etwas später, ob ich Chinesisch sprechen könnte. Aber das ist eigentlich auch nur nebensächlich, eigentlich ginge es um ihre Freundin, die mich schon die ganze Zeit anschaut. Die Dame will sie holen gehen, fliegt aber aus der Kurve und ist erst einmal ausgeknockt. Ich bin nicht sonderlich böse drum, ja ganz und gar froh, dass J irgendwann sagt, dass wir nicht mehr bis drei Uhr warten müssen, weil der DJ dann erst Feierabend hat.
Für die Zukunft weiß ich, dass ich an einem Sonntag nicht mehr unbedingt diesen Amüsierschuppen aufsuchen muss. Denn es kommt alles noch viel schlimmer: Auf der Rückfahrt vergesse ich im Taxi meinen Hut! Und warum? Weil Mini sagt, ich solle ihn mit in die Tüte zu ihren Sachen stecken. Und J vergisst beim Bezahlen nach der Rechnung zu fragen, obwohl jeder Taxomat einen darauf hinweist.
Ich trauere um meinen Hut, da er mich schon sehr oft und sehr weit begleitet hat. Nun ist er in den Händen eines schmierigen Taxifahrers, der das edle Schmuckstück bestimmt nicht zu schätzen weiß.
Ich habe ihr gestern bereits geholfen, etwas Kontakt aufzunehmen, aber da war sie noch sehr verschüchtert, hat es gerade einmal zur Handy-Nummer geschafft.
Heute bittet er sie dann, doch bitte wieder herzukommen. Aber J traut sich noch nicht so wirklich. Also muss der Papa wieder herhalten und die gute begleiten. Am Sonntag! Aber da wir ab dieser Woche nur noch pro Tag maximal eine Vorlesung haben und die morgige erst nachmittags stattfindet, kann man das mal machen.
In der Disco wartet bereits Mini, die auch meinen Gutschein über ein paar Flaschen Bier, die gestern nicht vertrunken wurden, schon eingelöst hat, sodass für mich ein Tisch bereitsteht, während die beiden Damen ab und zu zum DJ-Pult rübermarschieren.
Während meine Begleitungen aber abwesend sind, wittern andere Gäste ihre Chance. Und so kommt es nicht nur einmal vor, dass ich von Damen heimgesucht werde. Die erste nennt sich DJ Anna, hat mit Musik aber nichts am Hut, das DJ steht nur für die Initialien des chinesischen Namens. In unserem zehnminütigen Gespräch, währenddessen sie mir wahrscheinlich 15 Mal die Hand schüttelt, lässt sie mich wissen, dass sie heute Geburtstag hat. Ich gratuliere und frage denn, der wievielte es wohl sein möge. Der 15.. Ich denke kurz nach. Ich bin acht Jahre älter. Also mehr als 1,5 Mal älter. DJ Anna sagt, sie müsse nicht zur Schule. Sie sei dort sowieso die beste und werde deshalb gemobbt. Außerdem erbt sie wohl noch ein Hotel am Glockenturm. Also wär sie doch eigentlich eine gute Partie... Aber nein, heute nicht. J und Mini kommen zum Glück zurück und DJ Anna muss dann doch schon kurz nach Mitternacht nach Hause. Wird auch Zeit. Die Gute ist rotzevoll.
Die zweite Dame stellt sich mir gar nicht vor. Sie lallt nur irgendwas auf Englisch, während ich auf Chinesisch antworte. Von ihren Reaktionen her weiß ich, dass sie mich versteht. Dennoch fragt sie mich etwas später, ob ich Chinesisch sprechen könnte. Aber das ist eigentlich auch nur nebensächlich, eigentlich ginge es um ihre Freundin, die mich schon die ganze Zeit anschaut. Die Dame will sie holen gehen, fliegt aber aus der Kurve und ist erst einmal ausgeknockt. Ich bin nicht sonderlich böse drum, ja ganz und gar froh, dass J irgendwann sagt, dass wir nicht mehr bis drei Uhr warten müssen, weil der DJ dann erst Feierabend hat.
Für die Zukunft weiß ich, dass ich an einem Sonntag nicht mehr unbedingt diesen Amüsierschuppen aufsuchen muss. Denn es kommt alles noch viel schlimmer: Auf der Rückfahrt vergesse ich im Taxi meinen Hut! Und warum? Weil Mini sagt, ich solle ihn mit in die Tüte zu ihren Sachen stecken. Und J vergisst beim Bezahlen nach der Rechnung zu fragen, obwohl jeder Taxomat einen darauf hinweist.
Ich trauere um meinen Hut, da er mich schon sehr oft und sehr weit begleitet hat. Nun ist er in den Händen eines schmierigen Taxifahrers, der das edle Schmuckstück bestimmt nicht zu schätzen weiß.
Sonntag, 15. November 2009
Tag 261: Touristenführer in Xi'an.
Thomas, ein deutscher Freund von Shushen, den ich in Tianjin auf der Hochzeit kennengelernt habe, hat sich letzte Woche für dieses Wochenende angekündigt. Er macht mit seiner Frau etwas das Touristenprogramm (ich werde auch eingeladen, lehne aber ab, mit zur Terrakotta-Armee zu kommen, war schließlich schonmal da und irgendwann sind die Soldaten auch ausgelutscht) und so bin ich heute Nachmittag um vier mit den beiden verabredet.
Ich komme deutlich verspätet, was aber nicht an mir liegt. Die Eiseskälte da draußen jagt alle Menschen in ihre Autos, auch die, die es nicht können. Und so brauche ich zwanzig Minuten für den Weg vom Campus-Tor bis zur nächsten Kreuzung, den ich mit dem Rad in weniger als zwei Minuten hinter mich bringe, weil sich ein paar Fahrer denken, man könnte die zwei Spuren auf vier ausweiten. Dass unten an der Kreuzung dann aber welche eigentlich wiederum andere diese Spur auch nutzen wollen, steht dann da alles, bis sich endlich ein Brummifahrer entschließt, doch mal wieder etwas nach rechts zu fahren, dabei aber ein anderes Auto übersieht und beide Fahrer dann erstmal lautstark klären müssen, wer denn jetzt der dümmere sei. Dass beide auf der falschen Spur sind, ist nebensächlich.
Aber mir soll's egal sein, die wärmsten Plätze in der ganzen Stadt sind die Taxis. Und das Hotel der beiden geht auch noch. Dieses befindet sich eigentlich in bester Lage zwischen den ganzen Touristenattraktionen, da aber auch den beiden sehr kalt ist, führe ich sie nur zu einer, die uns allen entgegen kommt, nämlich der Barstraße.
Danach wollen wir typisches Essen aus Xi'an zu uns nehmen, nämlich gute, heiße Brotsuppe. Im Moslemviertel soll sie gut sein, denn da ist sie teuer und alles was teuer ist, muss gut sein. Ist es aber nicht. Da kann die aus der Mensa viel mehr und das ganze zu einem Viertel des Preises. Und dann ist es in dem Laden auch noch verdammt ausgekühlt, nicht gerade schön. Also essen wir nur das nötigste, gehen dann gegenüber in ein anderes, besser eingerichtetes Restaurant. Warm ist es sogar, aber wir verscherzen es uns gleich, als wir zu dritt am Zwölfertisch Platz nehmen (weit weg von den einfachverglasten Fenstern), obwohl das Restaurant leer ist und die Hauptstoßzeit schon längst vergangen. Und wie zeigt man uns, dass man nicht damit zufrieden ist? Man öffnet auf der einen Seite ein Fenster und auf der anderen und schwupps gibt es auch hier einen feinen Durchzug und die Wärme ist verflogen.
Der Geheimtipp mit den warmen Taxis hat sich schnell rumgesprochen, denn es dauert, bis wir eins bekommen, um zum Green Molly zu fahren. Dieses ist eine neue Bar, schön eingerichtet, reich an Qualitätsgetränken, warm, aber leider in einer beschissenen Lage, nämlich im neu angelegten Business-District, der erst langsam ins Rollen kommt. Wir landen auch nur hier, weil wir die Gutscheine von Bambi einlösen müssen.
Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man den Durst von fünf Menschen mehr als nur löschen kann und anschließend nur noch 15 Yuan zur Begleichung der Rechnung zücken muss. Ich sollte öfter Kostümwettbewerbe gewinnen.
Ich komme deutlich verspätet, was aber nicht an mir liegt. Die Eiseskälte da draußen jagt alle Menschen in ihre Autos, auch die, die es nicht können. Und so brauche ich zwanzig Minuten für den Weg vom Campus-Tor bis zur nächsten Kreuzung, den ich mit dem Rad in weniger als zwei Minuten hinter mich bringe, weil sich ein paar Fahrer denken, man könnte die zwei Spuren auf vier ausweiten. Dass unten an der Kreuzung dann aber welche eigentlich wiederum andere diese Spur auch nutzen wollen, steht dann da alles, bis sich endlich ein Brummifahrer entschließt, doch mal wieder etwas nach rechts zu fahren, dabei aber ein anderes Auto übersieht und beide Fahrer dann erstmal lautstark klären müssen, wer denn jetzt der dümmere sei. Dass beide auf der falschen Spur sind, ist nebensächlich.
Aber mir soll's egal sein, die wärmsten Plätze in der ganzen Stadt sind die Taxis. Und das Hotel der beiden geht auch noch. Dieses befindet sich eigentlich in bester Lage zwischen den ganzen Touristenattraktionen, da aber auch den beiden sehr kalt ist, führe ich sie nur zu einer, die uns allen entgegen kommt, nämlich der Barstraße.
Danach wollen wir typisches Essen aus Xi'an zu uns nehmen, nämlich gute, heiße Brotsuppe. Im Moslemviertel soll sie gut sein, denn da ist sie teuer und alles was teuer ist, muss gut sein. Ist es aber nicht. Da kann die aus der Mensa viel mehr und das ganze zu einem Viertel des Preises. Und dann ist es in dem Laden auch noch verdammt ausgekühlt, nicht gerade schön. Also essen wir nur das nötigste, gehen dann gegenüber in ein anderes, besser eingerichtetes Restaurant. Warm ist es sogar, aber wir verscherzen es uns gleich, als wir zu dritt am Zwölfertisch Platz nehmen (weit weg von den einfachverglasten Fenstern), obwohl das Restaurant leer ist und die Hauptstoßzeit schon längst vergangen. Und wie zeigt man uns, dass man nicht damit zufrieden ist? Man öffnet auf der einen Seite ein Fenster und auf der anderen und schwupps gibt es auch hier einen feinen Durchzug und die Wärme ist verflogen.
Der Geheimtipp mit den warmen Taxis hat sich schnell rumgesprochen, denn es dauert, bis wir eins bekommen, um zum Green Molly zu fahren. Dieses ist eine neue Bar, schön eingerichtet, reich an Qualitätsgetränken, warm, aber leider in einer beschissenen Lage, nämlich im neu angelegten Business-District, der erst langsam ins Rollen kommt. Wir landen auch nur hier, weil wir die Gutscheine von Bambi einlösen müssen.
Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man den Durst von fünf Menschen mehr als nur löschen kann und anschließend nur noch 15 Yuan zur Begleichung der Rechnung zücken muss. Ich sollte öfter Kostümwettbewerbe gewinnen.
Tag 260: Das Nono ist auch nicht mehr das, was es einmal war.
Dämliche Scheiße. Zwar können wir heute unsere Gaskarte wieder aufladen (gestern waren die Ladegeräte in den Läden zufällig alle kaputt), aber jetzt spinnt unsere Anlage, akzeptiert das ganze nicht so wirklich, wir sitzen weiterhin im kalten, können lediglich die Klimaanlage nutzen um zu heizen, aber die frisst Strom noch und nöcher.
Kein Grund also, heute Abend hier zu bleiben. Die erste Anlaufstation ist seit langem mal wieder das Nono. Aber seit Theresa hier nicht mehr die Fäden in der Hand hat, kann man den Laden vergessen. Die Musik ist nicht sonderlich die beste und irgendjemand hat sich gedacht, es sei besonders cool, das DJ-Pult auf das kleine Tanzpodest mit Tanzstange zu platzieren. Zudem hängen große Bilder vom Mao rum, nicht unbedingt stimmungsfördernd, rief er doch mit "Good, good study, day, day up!" zum braven Büffeln auf, nicht zum Fortgehen.
Und der Laden hat immer noch keinen Ersatz für Theresa, die Ausländer-Abgeordnete, aufgetrieben. Hier hält uns nicht viel. Wir gehen zum neuen Lieblingsclub, das AiShang, wo eine kurze SMS genügt, um uns einen Tisch in bester Lage mit einigen Getränken für lau zu ergattern. Zudem werden die besten Ballermann-Hits gespielt, die Deutschland zu bieten hat.
Dennoch treibt uns der Hunger schnell wieder nach draußen zum Straßenessen und anschließend nach Hause.
Kein Grund also, heute Abend hier zu bleiben. Die erste Anlaufstation ist seit langem mal wieder das Nono. Aber seit Theresa hier nicht mehr die Fäden in der Hand hat, kann man den Laden vergessen. Die Musik ist nicht sonderlich die beste und irgendjemand hat sich gedacht, es sei besonders cool, das DJ-Pult auf das kleine Tanzpodest mit Tanzstange zu platzieren. Zudem hängen große Bilder vom Mao rum, nicht unbedingt stimmungsfördernd, rief er doch mit "Good, good study, day, day up!" zum braven Büffeln auf, nicht zum Fortgehen.
Und der Laden hat immer noch keinen Ersatz für Theresa, die Ausländer-Abgeordnete, aufgetrieben. Hier hält uns nicht viel. Wir gehen zum neuen Lieblingsclub, das AiShang, wo eine kurze SMS genügt, um uns einen Tisch in bester Lage mit einigen Getränken für lau zu ergattern. Zudem werden die besten Ballermann-Hits gespielt, die Deutschland zu bieten hat.
Dennoch treibt uns der Hunger schnell wieder nach draußen zum Straßenessen und anschließend nach Hause.
Tag 259: Böse Deutsche.
Heute zeigen wir uns mal wieder von unserer besten Seite. Zunächst dürfen wir dem Prof erklären, warum wir es nicht für nötig hielten, am Dienstag zu seiner Vorlesung zu erscheinen. Jetzt müssen wir uns wieder privat mit ihm treffen, am besten am Wochenende. Das wär nicht unbedingt schlimm, aber die Privatvorlesung zieht sich immer noch länger hin, als die normale Vorlesung. Er ist auch noch etwas verbittert, will deshalb nicht dieses Wochenende nutzen.
Auf dem Campus liegt noch Schnee und nichts liegt uns ferner, als diesen liegen zu lassen. Also wird er geworfen. Auf alles und jeden. Wir sind ja auch nicht die einzigen und eigentlich können alle damit gut umgehen. Nur ein Autofahrer nicht wirklich, der um seinen Wagen (der übrigens in alles andere als einem tadellosen Zustand ist) bangt. Er sollte jetzt lieber nicht anhalten. Und er sollte auch lieber nicht das Fenster runterlassen. Denn Denis hat sich bereits meinen Kopf als Ziel ausgemalt. Und ich bilde ein gutes Ziel und verlängere den Wurf gekonnt mit der Schädeldecke. Und trotzdem ich mit dem Rücken zum Autowagen stehe, treffe ich perfekt durch das Fenster in die Lüftungsschlitze. Jetzt gibt's Ärger. Aber nicht für mich. Ich bin offiziell ja auch nur Opfer. Ärger gibt es für Denis. Jetzt aber auch zurecht.
Nachmittags, wir sind unlängst zurück in unserer Wohnung (deren Gaskarte jetzt aufgebraucht ist, was bedeutet, dass zumindest für heute kein warmes Wasser und keine Heizung zur Verfügung steht), meldet sich erst Jojo bei uns und fragt, ob wir zufällig letzte Nacht noch Ruhestörung betrieben hätten. Jo. Kurz danach kommt ein Anruf von einer aufgebrachten Studentin, deren Fenster wir wohl gestern getroffen hätten. In Deutschland möge sowas gehen, in China aber nicht, sagt sie. Wir bieten ihr an, gemeinsam nach dem Stock in ihrem Hinterteil zu suchen. Sie lehnt ab. Bei nächsten Mal ist das nicht einfach mit einer Entschuldigung abgetan, sagt sie.
Dann wird bestimmt wieder gepetzt.
Ist mir egal, wir sind ja eh bald fertig hier.
Auf dem Campus liegt noch Schnee und nichts liegt uns ferner, als diesen liegen zu lassen. Also wird er geworfen. Auf alles und jeden. Wir sind ja auch nicht die einzigen und eigentlich können alle damit gut umgehen. Nur ein Autofahrer nicht wirklich, der um seinen Wagen (der übrigens in alles andere als einem tadellosen Zustand ist) bangt. Er sollte jetzt lieber nicht anhalten. Und er sollte auch lieber nicht das Fenster runterlassen. Denn Denis hat sich bereits meinen Kopf als Ziel ausgemalt. Und ich bilde ein gutes Ziel und verlängere den Wurf gekonnt mit der Schädeldecke. Und trotzdem ich mit dem Rücken zum Autowagen stehe, treffe ich perfekt durch das Fenster in die Lüftungsschlitze. Jetzt gibt's Ärger. Aber nicht für mich. Ich bin offiziell ja auch nur Opfer. Ärger gibt es für Denis. Jetzt aber auch zurecht.
Nachmittags, wir sind unlängst zurück in unserer Wohnung (deren Gaskarte jetzt aufgebraucht ist, was bedeutet, dass zumindest für heute kein warmes Wasser und keine Heizung zur Verfügung steht), meldet sich erst Jojo bei uns und fragt, ob wir zufällig letzte Nacht noch Ruhestörung betrieben hätten. Jo. Kurz danach kommt ein Anruf von einer aufgebrachten Studentin, deren Fenster wir wohl gestern getroffen hätten. In Deutschland möge sowas gehen, in China aber nicht, sagt sie. Wir bieten ihr an, gemeinsam nach dem Stock in ihrem Hinterteil zu suchen. Sie lehnt ab. Bei nächsten Mal ist das nicht einfach mit einer Entschuldigung abgetan, sagt sie.
Dann wird bestimmt wieder gepetzt.
Ist mir egal, wir sind ja eh bald fertig hier.
Samstag, 14. November 2009
Tag 258: Schnee!
Letzte Chinesisch-Vorlesung überhaupt in unserem Leben. Wahrscheinlicherweise zumindest. Ein schwerer Gang ist es, den wir da antreten. Und ein gefährlicher. Da es nämlich heute schweinekalt ist, der fallende Regen sich zu Hagel wandelt und man beim Bau des Campus gedacht hat, mittels glatter Folie auf normalen Steinen Marmor zu imitieren sei cool, ist es verdammt rutschig. Diese Erkenntnis kommt Hanna zu spät und zack liegt sie auf dem Boden, alle Viere von sich gestreckt.
Sie hat aber alle Zeit, sich umzuziehen, denn heute bleibt leider ein Vokabeltest aus. Dabei war ich verdammt gut vorbereitet!
Am Nachmittag steht die Prüfung in Sachen lichtbempfindlicher Materialien an. Kein schönes Fach. Und keine schönen Bedingungen, eine Prüfung zu schreiben. Denn sie findet im Deutschclub auf dem alten Campus statt. Und dieser rühmt sich damit, total verstaubt zu sein (wie eigentlich auch viele Professoren-Büros... da scheint jeder für seinen eigenen Raum zuständig zu sein) und eine schöne Front einfach verglaster Fenster zu besitzen. Zudem funktioniert die Heizung nicht.
Zunächst ist das kein Problem, die Temperaturen gehen noch und zur Not kann man sich ja eine Jacke anziehen. Zudem lass ich meine Mütze gleich auf dem Kopf und denke, dass sich meine mitgebrachten schweren Wanderstiefel zum ersten Mal bewehrt machen.
Aber während wir da so versuchen, in unseren Skripten die Antworten auf die Fragen zu finden, was zu 50 % auch gelingt (zum Bestehen braucht man aber 60 %), ergreift so langsam eine Eiseskälte unsere sich nicht bewegenden Körper. Und da soll man sich konzentrieren? Mit voller Absicht trinke ich mehr als gewöhnlich, da ich dann auf's Klo gehen kann. Die Bewegung hilft ein wenig und vor allem die Tatsache, dass aufm Klo alle Fenster voll offen stehen, sodass es dort noch viel kälter ist und einem anschließend das Gefühl vermittelt, dass der Deutschclub eine Sauna ist.
Es hilft alles bedingt. Die normalen Fragen habe ich ausgefüllt, bei den Lückentexten und Multiple-Choice-Aufgaben habe ich aber keinen Bock mehr. Hier gibt jede kleine Lücke nämlich nur minimale Punktzahl, sodass sich das Übersetzen nicht zu lohnen scheint. Zudem sind meine Zeichen wegen des Zitterns der Hand unleserlich. Und ich seh es nicht ein, unter diesen Bedingungen auch noch die letzte Energie aus meinem schwachen Körper zu holen und in diese Lücken zu stecken. Außerdem will Jojo das eigentlich machen und per SMS rüberschicken. Es kommt aber nichts.
Also fülle ich sie zwar aus, aber nur mit den Zeichen für Bier oder Kälte. Und ich schreibe meine Klagen auf. Vielleicht erhalte ich Mitleidspunkte.
Und dann sind drei Stunden Martyrium auch schon vorbei. Eigentlich sollten wir uns freuen, aus dem kalten Raum zu kommen, aber draußen ist es noch kälter, es regnet und der Deutschclub ist in der hintersten Ecke des Campus, wir müssen ihn erst ganz überqueren. Und dann in den Bus? Nö, es geht ins S.i.T.-Café zu Pasta und heißen Tee. Hier hellt sich nicht nur unsere Laune auf, sondern wir beobachten, dass auch das Wetter schöner wird. Der Regen besteht jetzt aus dicken Schneeflocken und als wir zwei Stunden später rausgehen, ist alles in ein schönes Weiß getaucht. Und der Schnee bappt. Herrlich.
Und trotzdem auf den Straßen jetzt das Chaos tobt, da viele Autos nicht mal Sommerreifen besitzen, sondern einfach nur einen profilarmen Gummiüberzug an den Reifen haben und eigentlich schon ein Regenfall reicht, um für viele Unfälle zu sorgen, setzen wir uns in ein Taxi und fahren zu Bambi, auf die bestandene Prüfung anstoßen.
Wir bringen Bambi ein Geschenk mit, einen selbstgebauten Schneemann. Dieser erhält einen Ehrenplatz auf den Theke. Bambi ist auch sehr erfreut und überreicht uns Gutscheine im Wert von 200 Yuan für eine andere Bar. Drei Stück an der Zahl. Und wofür das ganze? Für unsere Halloween-Kostüme. Thomas, Cathrin und ich haben (scheinbar in Abwesenheit) die vordersten Plätze belegt. Die 50 Yuan Ausleihgebühr für das Kostüm machen sich immer mehr bewehrt, haben wir doch schon 96 Flaschen Freibier erhalten und jetzt noch einmal welches (ich nehme an, dass wir darein investieren) im Wert von 600 Yuan.
Der Heimweg dauert länger als sonst. Das liegt zum einen daran, dass der Taxi-Fahrer Slalom fallen muss, da neben viel Schnee auch viele Äste und Bäume runtergekommen sind und hier und da ein Autowrack liegt, dass den kleinsten Hügel nicht mehr hochrutschen konnte und zum anderen daran, dass Männer gerne mit Schnee spielen. Männer formen ihn gerne zu Bällen und bewerfen damit andere Menschen. Und wenn um drei Uhr desnachts keine anderen Menschen auf dem Campus sind, dann wirft man auf das nächstliegende, nämlich die Fenster der Frauenwohnheime. Mit Erfolg. Eines öffnet sich und wir werden angemeckert. Die Kommilitonin macht aber leider den Fehler und öffnet auch das Fliegengitter, während sich noch Bälle im Anflug befinden. Ihr Gemecker verstummt durch den Schnee in ihrem Gesicht nicht wirklich.
Schnee ist schon was schönes!
Sie hat aber alle Zeit, sich umzuziehen, denn heute bleibt leider ein Vokabeltest aus. Dabei war ich verdammt gut vorbereitet!
Am Nachmittag steht die Prüfung in Sachen lichtbempfindlicher Materialien an. Kein schönes Fach. Und keine schönen Bedingungen, eine Prüfung zu schreiben. Denn sie findet im Deutschclub auf dem alten Campus statt. Und dieser rühmt sich damit, total verstaubt zu sein (wie eigentlich auch viele Professoren-Büros... da scheint jeder für seinen eigenen Raum zuständig zu sein) und eine schöne Front einfach verglaster Fenster zu besitzen. Zudem funktioniert die Heizung nicht.
Zunächst ist das kein Problem, die Temperaturen gehen noch und zur Not kann man sich ja eine Jacke anziehen. Zudem lass ich meine Mütze gleich auf dem Kopf und denke, dass sich meine mitgebrachten schweren Wanderstiefel zum ersten Mal bewehrt machen.
Aber während wir da so versuchen, in unseren Skripten die Antworten auf die Fragen zu finden, was zu 50 % auch gelingt (zum Bestehen braucht man aber 60 %), ergreift so langsam eine Eiseskälte unsere sich nicht bewegenden Körper. Und da soll man sich konzentrieren? Mit voller Absicht trinke ich mehr als gewöhnlich, da ich dann auf's Klo gehen kann. Die Bewegung hilft ein wenig und vor allem die Tatsache, dass aufm Klo alle Fenster voll offen stehen, sodass es dort noch viel kälter ist und einem anschließend das Gefühl vermittelt, dass der Deutschclub eine Sauna ist.
Es hilft alles bedingt. Die normalen Fragen habe ich ausgefüllt, bei den Lückentexten und Multiple-Choice-Aufgaben habe ich aber keinen Bock mehr. Hier gibt jede kleine Lücke nämlich nur minimale Punktzahl, sodass sich das Übersetzen nicht zu lohnen scheint. Zudem sind meine Zeichen wegen des Zitterns der Hand unleserlich. Und ich seh es nicht ein, unter diesen Bedingungen auch noch die letzte Energie aus meinem schwachen Körper zu holen und in diese Lücken zu stecken. Außerdem will Jojo das eigentlich machen und per SMS rüberschicken. Es kommt aber nichts.
Also fülle ich sie zwar aus, aber nur mit den Zeichen für Bier oder Kälte. Und ich schreibe meine Klagen auf. Vielleicht erhalte ich Mitleidspunkte.
Und dann sind drei Stunden Martyrium auch schon vorbei. Eigentlich sollten wir uns freuen, aus dem kalten Raum zu kommen, aber draußen ist es noch kälter, es regnet und der Deutschclub ist in der hintersten Ecke des Campus, wir müssen ihn erst ganz überqueren. Und dann in den Bus? Nö, es geht ins S.i.T.-Café zu Pasta und heißen Tee. Hier hellt sich nicht nur unsere Laune auf, sondern wir beobachten, dass auch das Wetter schöner wird. Der Regen besteht jetzt aus dicken Schneeflocken und als wir zwei Stunden später rausgehen, ist alles in ein schönes Weiß getaucht. Und der Schnee bappt. Herrlich.
Und trotzdem auf den Straßen jetzt das Chaos tobt, da viele Autos nicht mal Sommerreifen besitzen, sondern einfach nur einen profilarmen Gummiüberzug an den Reifen haben und eigentlich schon ein Regenfall reicht, um für viele Unfälle zu sorgen, setzen wir uns in ein Taxi und fahren zu Bambi, auf die bestandene Prüfung anstoßen.
Wir bringen Bambi ein Geschenk mit, einen selbstgebauten Schneemann. Dieser erhält einen Ehrenplatz auf den Theke. Bambi ist auch sehr erfreut und überreicht uns Gutscheine im Wert von 200 Yuan für eine andere Bar. Drei Stück an der Zahl. Und wofür das ganze? Für unsere Halloween-Kostüme. Thomas, Cathrin und ich haben (scheinbar in Abwesenheit) die vordersten Plätze belegt. Die 50 Yuan Ausleihgebühr für das Kostüm machen sich immer mehr bewehrt, haben wir doch schon 96 Flaschen Freibier erhalten und jetzt noch einmal welches (ich nehme an, dass wir darein investieren) im Wert von 600 Yuan.
Der Heimweg dauert länger als sonst. Das liegt zum einen daran, dass der Taxi-Fahrer Slalom fallen muss, da neben viel Schnee auch viele Äste und Bäume runtergekommen sind und hier und da ein Autowrack liegt, dass den kleinsten Hügel nicht mehr hochrutschen konnte und zum anderen daran, dass Männer gerne mit Schnee spielen. Männer formen ihn gerne zu Bällen und bewerfen damit andere Menschen. Und wenn um drei Uhr desnachts keine anderen Menschen auf dem Campus sind, dann wirft man auf das nächstliegende, nämlich die Fenster der Frauenwohnheime. Mit Erfolg. Eines öffnet sich und wir werden angemeckert. Die Kommilitonin macht aber leider den Fehler und öffnet auch das Fliegengitter, während sich noch Bälle im Anflug befinden. Ihr Gemecker verstummt durch den Schnee in ihrem Gesicht nicht wirklich.
Schnee ist schon was schönes!
Tag 257: Späte Entdeckungen.
Nadine sitzt als einzige in der einzigen Vorlesung, die wir heute haben. Tapfere kleine Nadine. Der Rest nimmt die Aussage "Ich muss lernen!" als Vorwand, etwas länger im Bett zu bleiben. Und ich bin natürlich immer noch krank.
Dadurch ist mir ein wenig die Motivation genommen, etwas in meinem Kopf zu bewegen, also bewege ich erstmal was in meinem Zimmer und zwar den Blätterhaufen unserer Vorgänger im Regal, bedeckt unter einer Staubschicht, da noch nie wirklich angerührt (und auf Papier kann man ja nicht mit einem feuchten Lappen Staub wischen). Und was finde ich da? Den Fragen-Katalog, der dem unseren gleicht. Beantwortet und übersetzt. Langsam machen die ganzen Zeichen, die wir sonst Vorlesung für Vorlesung abgepinselt haben (ja, der Professor ging davon aus, dass wir alles lernen, indem wir es kopieren), einen Sinn und der ganze Aufwand, den ich mir vorher im Kopfe ausgemalt habe, bleibt aus, das müsste theoretisch reichen, da wir auch morgen wieder alles mit in die Prüfung mitnehmen dürfen.
Und dieses Skript und mein neu erworbenes Wissen sollten da reichen.
Dadurch ist mir ein wenig die Motivation genommen, etwas in meinem Kopf zu bewegen, also bewege ich erstmal was in meinem Zimmer und zwar den Blätterhaufen unserer Vorgänger im Regal, bedeckt unter einer Staubschicht, da noch nie wirklich angerührt (und auf Papier kann man ja nicht mit einem feuchten Lappen Staub wischen). Und was finde ich da? Den Fragen-Katalog, der dem unseren gleicht. Beantwortet und übersetzt. Langsam machen die ganzen Zeichen, die wir sonst Vorlesung für Vorlesung abgepinselt haben (ja, der Professor ging davon aus, dass wir alles lernen, indem wir es kopieren), einen Sinn und der ganze Aufwand, den ich mir vorher im Kopfe ausgemalt habe, bleibt aus, das müsste theoretisch reichen, da wir auch morgen wieder alles mit in die Prüfung mitnehmen dürfen.
Und dieses Skript und mein neu erworbenes Wissen sollten da reichen.
Dienstag, 10. November 2009
Tag 256: Denis und sein Computer.
Eigentlich wollen wir wegen der übermorgigen Lichtempfindliche Materialien-Prüfung eine Lernsession einlegen. Jojo ist da, Jojo hat Ahnung vom Thema, Jojo weiß, was wichtig sein wird. Also fangen wir an.
Da wir aber ein Haufen undisziplinierter Jünglinge sind, kommen viele von uns schnell auf andere Gedanken: dem einen erscheint dieses oder jenes iPod-Spiel gerade interessant, der andere hat Hunger und Denis sucht seit Wochen Ersatz für seinen kaputtgegangenen Laptop.
Nur leider hat Denis ein Problem: Er sucht den ultimativen Computer mit ultimativer Leistung, ultimativem Design zu einem ultimativen Preis. Und den sucht er schon ewig. Und vorrangig im Internet. Selbstverständlich an meinem Laptop, da seiner ja kaputt ist.
Es keimt oft Hoffnung bei uns, bei ihm und vor allem bei mir auf, wenn er erwähnt: Dieser Computer ist perfekt, den kauf ich. Aber ich ich bin Realist genug um zu wissen, dass er das noch immer nicht ist. Oder dass er noch nicht auf dem Markt ist. Oder dass der Preis doch ein wenig zu hoch ist. Oder dass das Design doch ein wenig zu feminin scheint. Oder dass er 600 MHz zu wenig Speicher hat. Oder Denis hat doch wieder eine andere Idee. Aber dann müsste er warten, bis er wieder in Deutschland ist.
Und so weiß ich, dass heute nicht der letzte Abend sein wird, an dem er wieder bis halb eins meinen Laptop belagert und mich bittet, die tausend Tabs, die er geöffnet hat, nicht zu schließen. Des Vergleichens wegen.
Da wir aber ein Haufen undisziplinierter Jünglinge sind, kommen viele von uns schnell auf andere Gedanken: dem einen erscheint dieses oder jenes iPod-Spiel gerade interessant, der andere hat Hunger und Denis sucht seit Wochen Ersatz für seinen kaputtgegangenen Laptop.
Nur leider hat Denis ein Problem: Er sucht den ultimativen Computer mit ultimativer Leistung, ultimativem Design zu einem ultimativen Preis. Und den sucht er schon ewig. Und vorrangig im Internet. Selbstverständlich an meinem Laptop, da seiner ja kaputt ist.
Es keimt oft Hoffnung bei uns, bei ihm und vor allem bei mir auf, wenn er erwähnt: Dieser Computer ist perfekt, den kauf ich. Aber ich ich bin Realist genug um zu wissen, dass er das noch immer nicht ist. Oder dass er noch nicht auf dem Markt ist. Oder dass der Preis doch ein wenig zu hoch ist. Oder dass das Design doch ein wenig zu feminin scheint. Oder dass er 600 MHz zu wenig Speicher hat. Oder Denis hat doch wieder eine andere Idee. Aber dann müsste er warten, bis er wieder in Deutschland ist.
Und so weiß ich, dass heute nicht der letzte Abend sein wird, an dem er wieder bis halb eins meinen Laptop belagert und mich bittet, die tausend Tabs, die er geöffnet hat, nicht zu schließen. Des Vergleichens wegen.
Tag 255: Chinesisches Krankenhaus.
Heute Abend sind wir eigentlich mit sämtlichen Leitern des China-Projekts zum Essen verabredet, weil Frau Diao, für das China-Projekt an der HdM verantwortlich, uns besuchen kommt.
Ich weiß schon beim aufstehen, dass ich nicht teilnehmen werde. Denn das Fieber ist wieder da, stärker als gestern. Mein Thermometer zeigt 38,5 °C an, am Nachmittag beim Campus-Arzt sind es glatte 39 °C. Ja, ich gehe heute tatsächlich zum Arzt. Eigentlich finde ich, man kann ein wenig Fieber auch gerne mal so durchstehen, aber da auch hier so viel Panik mit der Schweinegrippe gemacht wird, man an jedem Tag Fieber messen soll und bei Temperaturen jenseits der 37,5 °C doch bitte umgehend einen Arzt aufsuchen soll.
Und das mach ich also. Dort werde ich nach Symptomen befragt, die ich aber schon alleine wegen der undeutlichen Worte, die die blöden Mundschutzmasken bedingen, nicht wirklich verstehe und nach dem Zufallsprinzip mit Ja und Nein beantworte. Dann heißt es: Jetzt gehen sie mal zum Krankenhaus. Drei Stationen mit dem Bus. Wie, Bus? Ich dachte, ich bin vielleicht schweinegrippe-verdächtig. Und da soll ich in einen möglicherweise überfüllten Bus steigen und meine Viren verbreiten? Wo ist denn bitte Tatütata der Rettungswagen? Denke ich.
Ich steige also brav in den Bus, fahre zum empfohlenen Krankenhaus, die auch schon mit einem großen rot-weißen Banner für H1N1 werben. An der Tür zeige ich den Zettel von der Frau Doktoren, der meine Symptome beschreibt. Nö, wir sind ein Militär-Krankenhaus, nicht für sie zuständig, fahren sie doch bitte weiter ins nächste Krankenhaus. Da ich den Namen jenes Hospitals aber nicht ganz verstehe (des Mundschutzes wegen) erfrage ich lieber die Bus-Nummer und suche mir auf dem Plan selber das Krankenhaus raus.
Dort angekommen habe ich schon keine Lust mehr, mich untersuchen zu lassen. Gleich nach der Eingangstür stehen viele Menschen in mehreren Schlangen. Viele nicht sehr glücklich und vor allem nicht sehr gesund aussehende Menschen.
Ich sage einem Herren in Uniform im Eingangsbereich, dass ich Fieber habe, leicht erhöhtes, und frage, ob ich mich auch anstellen muss. Nö, ohne diesen und jenen Zettel muss ich nicht anstehen. Bringt nämlich nichts. Aber er weiß auch nicht, wohin ich dann soll. Also frage ich eine Krankenschwester. Die weist mich in gen Westen in einen Gang. Und da stehen dann auch Ärzte und Schwestern und Rezeptionistinnen, lesen am Tresen meinen Zettel und fragen ungläubig, für wen das denn sein soll. Jo, für mich. Sie sind falsch, das hier ist die Kinderabteilung. Hätte mir auch auffallen können. Aber ich soll in den zweiten Stock gehen. Der zweite Stock hier liegt aber brach. Alles ist recht heruntergekommen, Gitterstäbe verweigern mir zumeist den Durchgang.
Also geh ich mal wieder raus und rufe Jiang Lei an. Ich sage ihr, ich sei im 西北 Xibei-Krankenhaus, hier hat keiner ne Ahnung, also sagt sie, ich solle bitte ins 西京 Xijing-Krankenhaus fahren. Ich habe das Taxi gerade herbeigewinkt, da drehe ich mich noch einmal um und sehe, dass ich das zweite Zeichen einfach nur falsch gelesen habe und eigentlich schon richtig bin. Also gebe ich dem Laden noch eine zweite Chance und gehe zum selben Sicherheitsbeamten, diesmal mit den Worten: H1N1-Zentrum. Wo? Und jetzt versteht er. Bitte gen Osten gehen in den zweiten Stock. Ich gehe ins Treppenhaus in den zweiten Stock. Da ist zunächst nichts, aber hinter einer verschlossenen Tür kann ich reges Treiben erkennen. Also geht's die Treppen wieder runter, unten entlang weiter gen Westen und dann finde ich auch endlich den Anmeldeschalter. Ich fülle ein Formular aus, erhalte dafür ein Heftchen, einige Zettel und eine Magnetkarte und darf von außen den zweiten Stock betreten. Dieser ist also Quarantänezone.
Und wer denkt, mein bisheriger Aufenthalt hier war chaotisch, der darf sich eines besseren belehren lassen. Zunächst darf ich Schlange stehen, um im Voraus meine Untersuchung zu bezahlen (86 Yuan). Da ich während des Wartens bemerke, dass viele Menschen wie wild von einem Raum in den nächsten wandern und das ganze ein wenig kompliziert scheint, merke ich mir einfach das Jacket des Herren vor mir, um ihm später einfach zu folgen.
Die erste Station ist die Probenentnahme. Dazu wird einem ein ziemlich langer Wattestab in die Nase gerammt um Proben vom Gehirn zu nehmen. So fühlt es sich zumindest an. Nein, so fühlt es sich nicht nur an, so sehr schmerzt es auch. Aber wenn ich als Arzt im Akkord kranken Menschen Schnotten aus der Nase ziehen müsste, würde ich wohl auch nicht mehr viel Wert auf Vorsicht nehmen. Die einzigen Worte, die ich hier vernehme, sind: Drei Stunden! Drei Stunden muss ich also auf diese blöden Laborergebnisse warten. Ich dachte eigentlich, das ginge hier schnell.
Das Jacket habe ich aus den Augen verloren, gehe aber auf gut Glück in den nächsten Raum, stehe brav in der Schlange, vor dem Schreibtisch eines Arztes, nur um zu bemerken, dass jeder Hans und Franz nich gerade der Schlangen-Steh-Typ ist. Also donner auch ich dem Herren im Kittel nach gefühlter Ewigkeit mein Heftchen nur noch auf den Tisch und komme dann auch bald dran. Er erwähnt die 39 °C und fragt im selben Atemzug irgendwas. Verstehe ich natürlich nicht, weil es verdammt laut ist bei so vielen Menschen, der Arzt ne Maske trägt und kurz vor seinem Feierabend sehr genervt ist. Nein, habe ich noch nicht, sage ich einfach mal auf gut Glück, da ich denke, dass es sich um irgendetwas fiebersenkendes handelt. Na dann gehen sie mal zurück.
Aber zurück wohin? Kann er mir nicht erklären. Nein, will er nicht. Er ist ziemlich gereizt. Also geh ich auch nicht zurück. Zumindest zunächst nicht, denn ich habe Zeit. Ich hocke mich also auf einen Stuhl und penn eine Stunde. In dieser Zeit ist Arztwechsel und die Menschenansammlung wird etwas kleiner. Die nächste Ärztin fragt mich das gleiche, ich verneine abermals, sie erklärt mir aber, dass es sich um die Probenentnahme handelt. Die habe ich natürlich hinter mir, sollten die Torfköpfe auch an dem Stempel sehen, der mir dort gegeben wurde. Aber der ist schwach und nicht auf der ersten Seite platziert, also übersieht man ihn schnell. Ich bekomme also ein Rezept aufgeschrieben und den Hinweis erster Stock, also Erdgeschoss. Dass dieses groß ist, schein aber auch nur ich zu wissen.
Hier stehe ich dann erstmal überall dort an, wo sich Menschen mit Mundschutz anstellen. Und ich stehe ziemlich lange, bis mich das zuständige Personal darauf hinweist: Hier nicht! Bitte weiter gen Westen gehen. Das ergeht mir an ein paar Schaltern so, bis ich endlich bei der Medizinausgabe lande. Die bringt mir aber nichts, solange ich das Rezept noch nicht bezahlt habe. Das macht man an der Stelle, wo die Schlange am längsten ist. Aber hier werde ich dann tatsächlich meine zwei Yuan los und weiß zumindest, wohin ich anschließend mit dem Beleg muss.
Zwei Röhrchen Medizin werden mir gereicht und da gerade sonst niemand da ist, frage ich nochmal in Ruhe nach, ob sie wüssten, wo ich jetzt hin müsste. Jo, da wo die roten Stühle sind. Ich schaue nach links. Ich schaue nach rechts. Ich schaue hinter mich. Rote Stühle. Aha. Die gibt es hier nicht. Zumindest sind mir noch keine aufgefallen. Also überlegen sie etwas weiter. Ach ja, dritter Stock.
Dort angekommen frage ich oberhalb der Quarantänezone mal nach. Nein, dritter Stock sei richtig, aber eher oberhalb der Medizinausgabestation. Und nachdem ich ganz am Anfang in der Kinderabteilung gelandet bin, kommt nun zum Yin auch noch das Yang und ich lande in der Altenstation. Und da kenn die Chinesen nichts, die konfrontieren einen gleich mit der ganzen Realität: Die ganze Flurwand ist tapeziert mit abschreckenden Beispielen von Dekubiti, also wundgelegenen Stellen. Bis auf die Knochen kann man da schauen.
Nein, auch hier bin ich nicht richtig. Natürlich muss ich wieder in den zweiten Stock, in die Quarantänezone. Fantastisch. Meine Atmung ist heut heute sowieso schon ziemlich kurz und mit dieser Maske noch eingeschrenkter, da laufe ich gerne die Treppen rauf und runter.
Nach ziemlich langem Warten dort drücke ich irgendwann einer Schwester mein Tütchen mit den Röhrchen in die Hand, deren Inhalt sie gekonnt in eine Spritze zieht und diese dann in das Prachtexemplar meines Allerwertesten rammt. Was auch immer es ist, was sie dort reinrammt.
Danach schau ich auf die Uhr, es ist achte. Genau drei Stunden ist es her, dass mir etwas aus der Nase gezogen wurde. Also gehe ich zum Labor und lege sämtliche Zettel vor, die ich besitze. Ich hoffe, dass sie nicht die Magnet-Karte brauchen, denn die habe ich unlängst verloren. Nö, hier nicht. Dritter Stock.
Pff, dritter Stock. Da war ich. Da haben die mit Schweinegrippe nicht viel am Hut. Dennoch warten im Treppenhaus ziemlich viele Menschen. Ich brauche ein wenig bei dem schummrigen Licht, um zu realisieren, dass diese unter sich immer Stapel Papier hin- und herreichen und diese nach etwas suchend durchblättern.
Das müssen also die Probeergebnisse sein, die vertraulich im Gespräch unter tausend Augen mitgeteilt werden. Ich gesell mich einfach mal dazu und blätter diesen und jenen Stapel durch, wahrscheinlich ein paar auch doppelt und dreifach, bis ich irgendwann meinen Namen erspähe.
Die Zeichen darauf sagen mir nicht sonderlich viel, also frage ich mal bei einem Patienten nach und mir scheint, als hätte das erste Mal jemand hier eine richtige Ahnung: Mein Ergebnis ist negativ.
Ich darf endlich gehen. Glaube ich. Hoffe ich. Denn ich will nicht noch einmal einen Arzt aufsuchen. Also entferne ich mich, so schnell es geht, esse noch etwas und nehme dann ein Taxi, weil ich Menschenmengen heute nicht mehr sehen kann.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Spritze hilft, und dass mich der Stress und all diese Menschen, unter denen bestimmt jemand nicht ganz gesund war, letztendlich nicht doch noch krank gemacht haben.
Denn ich habe nicht vor, jemals wieder ein solches Krankenhaus betreten zu müssen.
Ich weiß schon beim aufstehen, dass ich nicht teilnehmen werde. Denn das Fieber ist wieder da, stärker als gestern. Mein Thermometer zeigt 38,5 °C an, am Nachmittag beim Campus-Arzt sind es glatte 39 °C. Ja, ich gehe heute tatsächlich zum Arzt. Eigentlich finde ich, man kann ein wenig Fieber auch gerne mal so durchstehen, aber da auch hier so viel Panik mit der Schweinegrippe gemacht wird, man an jedem Tag Fieber messen soll und bei Temperaturen jenseits der 37,5 °C doch bitte umgehend einen Arzt aufsuchen soll.
Und das mach ich also. Dort werde ich nach Symptomen befragt, die ich aber schon alleine wegen der undeutlichen Worte, die die blöden Mundschutzmasken bedingen, nicht wirklich verstehe und nach dem Zufallsprinzip mit Ja und Nein beantworte. Dann heißt es: Jetzt gehen sie mal zum Krankenhaus. Drei Stationen mit dem Bus. Wie, Bus? Ich dachte, ich bin vielleicht schweinegrippe-verdächtig. Und da soll ich in einen möglicherweise überfüllten Bus steigen und meine Viren verbreiten? Wo ist denn bitte Tatütata der Rettungswagen? Denke ich.
Ich steige also brav in den Bus, fahre zum empfohlenen Krankenhaus, die auch schon mit einem großen rot-weißen Banner für H1N1 werben. An der Tür zeige ich den Zettel von der Frau Doktoren, der meine Symptome beschreibt. Nö, wir sind ein Militär-Krankenhaus, nicht für sie zuständig, fahren sie doch bitte weiter ins nächste Krankenhaus. Da ich den Namen jenes Hospitals aber nicht ganz verstehe (des Mundschutzes wegen) erfrage ich lieber die Bus-Nummer und suche mir auf dem Plan selber das Krankenhaus raus.
Dort angekommen habe ich schon keine Lust mehr, mich untersuchen zu lassen. Gleich nach der Eingangstür stehen viele Menschen in mehreren Schlangen. Viele nicht sehr glücklich und vor allem nicht sehr gesund aussehende Menschen.
Ich sage einem Herren in Uniform im Eingangsbereich, dass ich Fieber habe, leicht erhöhtes, und frage, ob ich mich auch anstellen muss. Nö, ohne diesen und jenen Zettel muss ich nicht anstehen. Bringt nämlich nichts. Aber er weiß auch nicht, wohin ich dann soll. Also frage ich eine Krankenschwester. Die weist mich in gen Westen in einen Gang. Und da stehen dann auch Ärzte und Schwestern und Rezeptionistinnen, lesen am Tresen meinen Zettel und fragen ungläubig, für wen das denn sein soll. Jo, für mich. Sie sind falsch, das hier ist die Kinderabteilung. Hätte mir auch auffallen können. Aber ich soll in den zweiten Stock gehen. Der zweite Stock hier liegt aber brach. Alles ist recht heruntergekommen, Gitterstäbe verweigern mir zumeist den Durchgang.
Also geh ich mal wieder raus und rufe Jiang Lei an. Ich sage ihr, ich sei im 西北 Xibei-Krankenhaus, hier hat keiner ne Ahnung, also sagt sie, ich solle bitte ins 西京 Xijing-Krankenhaus fahren. Ich habe das Taxi gerade herbeigewinkt, da drehe ich mich noch einmal um und sehe, dass ich das zweite Zeichen einfach nur falsch gelesen habe und eigentlich schon richtig bin. Also gebe ich dem Laden noch eine zweite Chance und gehe zum selben Sicherheitsbeamten, diesmal mit den Worten: H1N1-Zentrum. Wo? Und jetzt versteht er. Bitte gen Osten gehen in den zweiten Stock. Ich gehe ins Treppenhaus in den zweiten Stock. Da ist zunächst nichts, aber hinter einer verschlossenen Tür kann ich reges Treiben erkennen. Also geht's die Treppen wieder runter, unten entlang weiter gen Westen und dann finde ich auch endlich den Anmeldeschalter. Ich fülle ein Formular aus, erhalte dafür ein Heftchen, einige Zettel und eine Magnetkarte und darf von außen den zweiten Stock betreten. Dieser ist also Quarantänezone.
Und wer denkt, mein bisheriger Aufenthalt hier war chaotisch, der darf sich eines besseren belehren lassen. Zunächst darf ich Schlange stehen, um im Voraus meine Untersuchung zu bezahlen (86 Yuan). Da ich während des Wartens bemerke, dass viele Menschen wie wild von einem Raum in den nächsten wandern und das ganze ein wenig kompliziert scheint, merke ich mir einfach das Jacket des Herren vor mir, um ihm später einfach zu folgen.
Die erste Station ist die Probenentnahme. Dazu wird einem ein ziemlich langer Wattestab in die Nase gerammt um Proben vom Gehirn zu nehmen. So fühlt es sich zumindest an. Nein, so fühlt es sich nicht nur an, so sehr schmerzt es auch. Aber wenn ich als Arzt im Akkord kranken Menschen Schnotten aus der Nase ziehen müsste, würde ich wohl auch nicht mehr viel Wert auf Vorsicht nehmen. Die einzigen Worte, die ich hier vernehme, sind: Drei Stunden! Drei Stunden muss ich also auf diese blöden Laborergebnisse warten. Ich dachte eigentlich, das ginge hier schnell.
Das Jacket habe ich aus den Augen verloren, gehe aber auf gut Glück in den nächsten Raum, stehe brav in der Schlange, vor dem Schreibtisch eines Arztes, nur um zu bemerken, dass jeder Hans und Franz nich gerade der Schlangen-Steh-Typ ist. Also donner auch ich dem Herren im Kittel nach gefühlter Ewigkeit mein Heftchen nur noch auf den Tisch und komme dann auch bald dran. Er erwähnt die 39 °C und fragt im selben Atemzug irgendwas. Verstehe ich natürlich nicht, weil es verdammt laut ist bei so vielen Menschen, der Arzt ne Maske trägt und kurz vor seinem Feierabend sehr genervt ist. Nein, habe ich noch nicht, sage ich einfach mal auf gut Glück, da ich denke, dass es sich um irgendetwas fiebersenkendes handelt. Na dann gehen sie mal zurück.
Aber zurück wohin? Kann er mir nicht erklären. Nein, will er nicht. Er ist ziemlich gereizt. Also geh ich auch nicht zurück. Zumindest zunächst nicht, denn ich habe Zeit. Ich hocke mich also auf einen Stuhl und penn eine Stunde. In dieser Zeit ist Arztwechsel und die Menschenansammlung wird etwas kleiner. Die nächste Ärztin fragt mich das gleiche, ich verneine abermals, sie erklärt mir aber, dass es sich um die Probenentnahme handelt. Die habe ich natürlich hinter mir, sollten die Torfköpfe auch an dem Stempel sehen, der mir dort gegeben wurde. Aber der ist schwach und nicht auf der ersten Seite platziert, also übersieht man ihn schnell. Ich bekomme also ein Rezept aufgeschrieben und den Hinweis erster Stock, also Erdgeschoss. Dass dieses groß ist, schein aber auch nur ich zu wissen.
Hier stehe ich dann erstmal überall dort an, wo sich Menschen mit Mundschutz anstellen. Und ich stehe ziemlich lange, bis mich das zuständige Personal darauf hinweist: Hier nicht! Bitte weiter gen Westen gehen. Das ergeht mir an ein paar Schaltern so, bis ich endlich bei der Medizinausgabe lande. Die bringt mir aber nichts, solange ich das Rezept noch nicht bezahlt habe. Das macht man an der Stelle, wo die Schlange am längsten ist. Aber hier werde ich dann tatsächlich meine zwei Yuan los und weiß zumindest, wohin ich anschließend mit dem Beleg muss.
Zwei Röhrchen Medizin werden mir gereicht und da gerade sonst niemand da ist, frage ich nochmal in Ruhe nach, ob sie wüssten, wo ich jetzt hin müsste. Jo, da wo die roten Stühle sind. Ich schaue nach links. Ich schaue nach rechts. Ich schaue hinter mich. Rote Stühle. Aha. Die gibt es hier nicht. Zumindest sind mir noch keine aufgefallen. Also überlegen sie etwas weiter. Ach ja, dritter Stock.
Dort angekommen frage ich oberhalb der Quarantänezone mal nach. Nein, dritter Stock sei richtig, aber eher oberhalb der Medizinausgabestation. Und nachdem ich ganz am Anfang in der Kinderabteilung gelandet bin, kommt nun zum Yin auch noch das Yang und ich lande in der Altenstation. Und da kenn die Chinesen nichts, die konfrontieren einen gleich mit der ganzen Realität: Die ganze Flurwand ist tapeziert mit abschreckenden Beispielen von Dekubiti, also wundgelegenen Stellen. Bis auf die Knochen kann man da schauen.
Nein, auch hier bin ich nicht richtig. Natürlich muss ich wieder in den zweiten Stock, in die Quarantänezone. Fantastisch. Meine Atmung ist heut heute sowieso schon ziemlich kurz und mit dieser Maske noch eingeschrenkter, da laufe ich gerne die Treppen rauf und runter.
Nach ziemlich langem Warten dort drücke ich irgendwann einer Schwester mein Tütchen mit den Röhrchen in die Hand, deren Inhalt sie gekonnt in eine Spritze zieht und diese dann in das Prachtexemplar meines Allerwertesten rammt. Was auch immer es ist, was sie dort reinrammt.
Danach schau ich auf die Uhr, es ist achte. Genau drei Stunden ist es her, dass mir etwas aus der Nase gezogen wurde. Also gehe ich zum Labor und lege sämtliche Zettel vor, die ich besitze. Ich hoffe, dass sie nicht die Magnet-Karte brauchen, denn die habe ich unlängst verloren. Nö, hier nicht. Dritter Stock.
Pff, dritter Stock. Da war ich. Da haben die mit Schweinegrippe nicht viel am Hut. Dennoch warten im Treppenhaus ziemlich viele Menschen. Ich brauche ein wenig bei dem schummrigen Licht, um zu realisieren, dass diese unter sich immer Stapel Papier hin- und herreichen und diese nach etwas suchend durchblättern.
Das müssen also die Probeergebnisse sein, die vertraulich im Gespräch unter tausend Augen mitgeteilt werden. Ich gesell mich einfach mal dazu und blätter diesen und jenen Stapel durch, wahrscheinlich ein paar auch doppelt und dreifach, bis ich irgendwann meinen Namen erspähe.
Die Zeichen darauf sagen mir nicht sonderlich viel, also frage ich mal bei einem Patienten nach und mir scheint, als hätte das erste Mal jemand hier eine richtige Ahnung: Mein Ergebnis ist negativ.
Ich darf endlich gehen. Glaube ich. Hoffe ich. Denn ich will nicht noch einmal einen Arzt aufsuchen. Also entferne ich mich, so schnell es geht, esse noch etwas und nehme dann ein Taxi, weil ich Menschenmengen heute nicht mehr sehen kann.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Spritze hilft, und dass mich der Stress und all diese Menschen, unter denen bestimmt jemand nicht ganz gesund war, letztendlich nicht doch noch krank gemacht haben.
Denn ich habe nicht vor, jemals wieder ein solches Krankenhaus betreten zu müssen.
Montag, 9. November 2009
Tag 254: Fieber.
Ich erwache. Aber nicht allein. Unter anderem erwache ich mit Fieber. Fieber hat mich schon lange nicht mehr heimgesucht, aber irgendwie muss ich es letzte Nacht aus der Disco mitgenommen haben. Fieber im nüchternen Zustand ist scheiße. Es ist penetrant und nervtötend und hält mich von jeglicher Arbeit ab. Es kommt mit zum Essen und zwingt mich dazu, nicht zu viel zu dir zu nehmen. Zudem verdirbt es mir den Geschmack. Es kommt mit auf das Klo und macht das ganze deutlich unangenehmer. Es belagert meinen ganzen Körper und macht sämtliche Bewegungen zur Qual.
Ich habe versucht, Fieber loszuwerden. Ich geselle mich zu den anderen und schaue mit 'Lost in Translation' einen der wohl langweiligsten Filme, die ich mir vorstellen kann. Fieber hingegen ist ganz fasziniert davon und will nun länger bleiben. Lege ich mich schlafen, ist Fieber schon vor mir im Bett.
Es scheint fast aussichtslos, Fieber heute loszuwerden. Doch dann komme ich auf eine glorreiche Idee: Ich biete ihm und mir ein in der Mikrowelle erhitztes Bier an. Dieses betäubt meine Zunge und es betäubt Fieber. Zunächst trete ich den Weg ins Bett alleine an. Ohne Fieber. Ich schlafe schnell ein, in der Hoffnung, viele Stunden zu verbringen, bis Fieber aus seiner Ohnamcht wieder erwacht.
Ich habe versucht, Fieber loszuwerden. Ich geselle mich zu den anderen und schaue mit 'Lost in Translation' einen der wohl langweiligsten Filme, die ich mir vorstellen kann. Fieber hingegen ist ganz fasziniert davon und will nun länger bleiben. Lege ich mich schlafen, ist Fieber schon vor mir im Bett.
Es scheint fast aussichtslos, Fieber heute loszuwerden. Doch dann komme ich auf eine glorreiche Idee: Ich biete ihm und mir ein in der Mikrowelle erhitztes Bier an. Dieses betäubt meine Zunge und es betäubt Fieber. Zunächst trete ich den Weg ins Bett alleine an. Ohne Fieber. Ich schlafe schnell ein, in der Hoffnung, viele Stunden zu verbringen, bis Fieber aus seiner Ohnamcht wieder erwacht.
Tag 253: Ais Prüfung.
Wie angekündigt findet heute die Prüfung von Frau Ai statt. Eigentlich hat sie angekündigt, dass diese recht leicht werden sollte, pro Hauptthema dürften wir uns ein Unterthema selber aussuchen und sollten darüber schreiben, unsere Niederschriften dürften wir mitnehmen, wenn auch gewünscht sei, dass wir nicht schon ganze Texte vorfertigten.
Hab ich auch nicht gemacht. Ich habe mich auf meinen Menschensachverstand und die Lehr-Fähigkeiten unserer Lieblingsprofessorin verlassen.
Frau Ai enttäuscht uns dann heute das erste Mal, da sie doch spezifischere Fragen stellt und man sich ganz und gar nicht ein Unterthema aussuchen darf. Ist mir egal. Ich habe einfach das richtige gelernt und sehe somit keine Probleme darin. Klingt ein wenig auffällig, aber ich habe zuvor wirklich keinen Kontakt zu ihr aufgenommen und mit Hinweise erspitzelt, um meine Mitstreiter auszustechen.
Kontakt nehme ich erst nach der Prüfung auf. Und zwar recht regen Kontakt. Per SMS. Womit sonst. Ich sage ihr, dass sie mir ruhig 100 Punkte geben darf. Und Rongo auch (in einem anderen Fach). Sie sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Prima. Zum Dank bekommt sie meine QQ-Nummer (chinesisches Chat-Programm) und sie verspricht, mich als guten Freund hinzuzufügen. Meine Einladung, uns heute ins 1+1 zu folgen, muss sie leider abschlagen, morgen hat sie Überstunden. Dennoch denke ich, bei ihr einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
Abends landen wir tatsächlich im 1+1, weil die HipHop-Open Aftershow-Party stattfindet mit dem DJ der Black Eyed Peas. Außerdem sind ein paar andere Freaks da. Die Musik ist okay. Der Laden leider zu voll, hauptsächlich von Ausländern, die scheinbar Vorrang bei der Ticket-Vergabe hatten (wie auch wir...). Ob das 1+1 sich einen großen Gefallen damit gemacht hat, die Tanzfläche aus Profitgründen mit Tischen vollzustopfen (man muss sich einen Tisch anmieten), bleibt zu bezweifeln.
Hab ich auch nicht gemacht. Ich habe mich auf meinen Menschensachverstand und die Lehr-Fähigkeiten unserer Lieblingsprofessorin verlassen.
Frau Ai enttäuscht uns dann heute das erste Mal, da sie doch spezifischere Fragen stellt und man sich ganz und gar nicht ein Unterthema aussuchen darf. Ist mir egal. Ich habe einfach das richtige gelernt und sehe somit keine Probleme darin. Klingt ein wenig auffällig, aber ich habe zuvor wirklich keinen Kontakt zu ihr aufgenommen und mit Hinweise erspitzelt, um meine Mitstreiter auszustechen.
Kontakt nehme ich erst nach der Prüfung auf. Und zwar recht regen Kontakt. Per SMS. Womit sonst. Ich sage ihr, dass sie mir ruhig 100 Punkte geben darf. Und Rongo auch (in einem anderen Fach). Sie sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Prima. Zum Dank bekommt sie meine QQ-Nummer (chinesisches Chat-Programm) und sie verspricht, mich als guten Freund hinzuzufügen. Meine Einladung, uns heute ins 1+1 zu folgen, muss sie leider abschlagen, morgen hat sie Überstunden. Dennoch denke ich, bei ihr einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
Abends landen wir tatsächlich im 1+1, weil die HipHop-Open Aftershow-Party stattfindet mit dem DJ der Black Eyed Peas. Außerdem sind ein paar andere Freaks da. Die Musik ist okay. Der Laden leider zu voll, hauptsächlich von Ausländern, die scheinbar Vorrang bei der Ticket-Vergabe hatten (wie auch wir...). Ob das 1+1 sich einen großen Gefallen damit gemacht hat, die Tanzfläche aus Profitgründen mit Tischen vollzustopfen (man muss sich einen Tisch anmieten), bleibt zu bezweifeln.
Freitag, 6. November 2009
Tag 252: Naturkatastrophen.
Helle Aufregung beim heutigen Gang zur Vorlesung. "Habt ihr das Erdbeben auch mitbekommen?" Nö, hab ich nicht. Aber scheinbar alle anderen. Und es soll wohl auch nicht ganz ohne gewesen sein. Und selbst Chinesen bestätigen mir später, dass da wohl eine architektonische Plattenverschiebung stattgefunden haben muss. Nun, so schlimm kann es nicht gewesen sein, sonst wär ich ja aufgewacht. Und die Risse in der Decke über mir, die sich durch das ganze Haus ziehen, dürften auch nur minimal größer geworden sein.
Jetzt bleibt zu hinterfragen, ob die Erde selber für das Beben verantwortlich ist, oder ob die Regierung, bzw. irgendein Wissenschaftler dahinter steckt. Denn in Peking haben sie ja schon zu Olympias Zeiten und auch zum Jahrestag der Volksrepublik die Wolken gemolken. Und heute denken sie sich wohl, wenn sie schon Regen machen können, dann schaffen die bestimmt auch Schnee. Jo. Schaffen sie. Und wie. 16.000.000 Tonnen Schnee kommt über Peking und seine Umgebung runter. Ein Meilenstein in der Wissenschaft. Und gleichzeitig doch eine abschreckendes Beispiel und unüberlegtes Handeln. Denn dass in Peking (wie überall in China üblich) am 15. November erst die Heizperiode beginnt (und am 15.3. endet, denn dann kommt der Sommer, bestimmt, das haben wir schon selber erfahren), hat niemand bedacht. So bibbern die armen Pekinger heute ganz schön. Und Staus gibt es wohl massig. Aber die gibt es in Peking sowieso zuhauft. Diesmal kommen aber noch Unfälle hinzu. Und Stromausfälle. Und wer für die 200 ausgefallenen Flüge aufkommt, bleibt auch noch zu klären.
Nun, liebe Wissenschaftler, weiter so. Ich frage mich, was ihr noch so hinbekommt: Künstliche, Tennisball große Hagelkörner? Gewitter über Spielplätzen? Tsunamis Richtung ungemochtes Land im Osten?
Wir werden's erfahren.
Jetzt bleibt zu hinterfragen, ob die Erde selber für das Beben verantwortlich ist, oder ob die Regierung, bzw. irgendein Wissenschaftler dahinter steckt. Denn in Peking haben sie ja schon zu Olympias Zeiten und auch zum Jahrestag der Volksrepublik die Wolken gemolken. Und heute denken sie sich wohl, wenn sie schon Regen machen können, dann schaffen die bestimmt auch Schnee. Jo. Schaffen sie. Und wie. 16.000.000 Tonnen Schnee kommt über Peking und seine Umgebung runter. Ein Meilenstein in der Wissenschaft. Und gleichzeitig doch eine abschreckendes Beispiel und unüberlegtes Handeln. Denn dass in Peking (wie überall in China üblich) am 15. November erst die Heizperiode beginnt (und am 15.3. endet, denn dann kommt der Sommer, bestimmt, das haben wir schon selber erfahren), hat niemand bedacht. So bibbern die armen Pekinger heute ganz schön. Und Staus gibt es wohl massig. Aber die gibt es in Peking sowieso zuhauft. Diesmal kommen aber noch Unfälle hinzu. Und Stromausfälle. Und wer für die 200 ausgefallenen Flüge aufkommt, bleibt auch noch zu klären.
Nun, liebe Wissenschaftler, weiter so. Ich frage mich, was ihr noch so hinbekommt: Künstliche, Tennisball große Hagelkörner? Gewitter über Spielplätzen? Tsunamis Richtung ungemochtes Land im Osten?
Wir werden's erfahren.
Tag 251: Schneiderstraße.
Schon lange hatten wir es vor, heute setzen wir es in die Tat um und fahren direkt nach dem Mittagessen zum Schneidermeister. Also zu einem von vielen. Schneidern soll hier günstig sein und einen maßgeschneiderten Anzug oder Mantel besitzt nicht jeder. Der Schneidermeister sitzt, wie könnte es hier anders möglich sein, in der Schneidermeisterstraße, die gleichzeitig auch die Stoffstraße ist. In China ist es nämlich üblich, dass man nicht unbedingt Nischen sucht, sondern sich zusammenrottet, um ein Geschäft zu eröffnen. So gibt es schon eine Fahrrad-Straße, eine Klimaanlagen- und Ventilatorenstraße, eine Rohr- und Schläuchestraße... und eben diese Stoff- und Schneidermeisterstraße.
Für das Geschäft muss es nicht unbedingt so gut sein, für uns Kunden aber umso mehr, denn wie könnte man sonst leichter die Preise vergleichen und sich das beste Angebot rauspicken, ohne kreuz und quer durch die Stadt zu reisen?
Wir kommen also an und schauen uns erst einmal die Läden an. Ziemlich zurückhaltend, keiner möchte so richtig den ersten Schritt wagen. Irgendwann teilen wir uns dann auf, da Thomas, Philipp und Nadine gerne einen Mantel hätten, Denis ein chinesisches Hemd, ich einen Anzug und bei Andreas wissen wir es zunächst gar nicht so genau. Ich gehe also in einen Laden, schaue mir die Stoffe an, stelle fest, dass mir eigentlich nur der schwarze gefällt (oder ich mir die anderen Farben und Muster noch nicht so recht vorstellen kann), werde vermessen, jo, der Mantel soll nicht zu eng und nicht zu weit sein, vom Schnitt her wie vom Meister da drüben, alles klar, 700 Yuan, Bitte schön, Danke schön und Tschüss. Nach fünf Minuten bin ich fertig. Andreas macht es mir gleich. In 15 Tagen dürfen wir das Stück abholen.
Die anderen treffe ich dann in verschiedenen Läden wieder. Sie haben alle entweder das Problem, dass sie keine schönen Stoffe finden, oder dass der Schneider keinen Katalog mit Mustern besitzt. Es könnte eigentlich einfach sein, wenn man sich im Stoffmarkt etwas vom großen Sortiment aussucht und dann zum Meister bringt, aber das wollen die Meister nicht. Ich frage mich, wer dann die Stoffe kauft.
Letztendlich werden dann doch alle, zumindest in unserer jeweiligen Fantasie (wie der Schneider es umsetzt, bleibt abzuwarten), zufrieden gestellt. Wenn der Meister seine Sache gut macht, kann er davon ausgehen, dass ich ihn abermals besuche. Es ist ja bald Weihnachten.
Abends gehen Lukas und ich endlich mal wieder zum Taekwondo (ist vor zwei Wochen ausgefallen, letzte Woche war Prüfung und Labor). Und wozu das ganze? Dazu, dass ich mir zweieinhalb Stunden lang demonstrieren lassen kann, dass ich vollkommen ungelenkig bin und vielleicht genauso lange Bänder habe, wie die anderen Kursteilnehmer, dafür aber viel längere Knochen und Gliedmaßen. Und mir wird beigebracht, was es heißt, Schmerzen zu haben. Und das ganze dann auch noch draußen in der Kälte, schwitzend, was der Gesundheit nicht gerade gut tut, aber daran denkt man hier nicht, da Chinesen nicht schwitzen können, glaube ich.
Allerdings mag es auch gut angehen, dass es nur so scheint, dass ich meine Beine nicht soweit auseinander bekomme, wie andere, dabei ist der Winkel bei den Oberschenkeln wahrscheinlich gleich, aber die Spanne bei den Füßen wirkt kleiner, weil ich O-Beine besitze und Chinesen traditionell X-Beine. Also wird mein Winkel ab den Knien wieder kleiner, der der Chinesen aber größer. Ja, das dürfte des Rätsels Lösung sein. Jetzt habe ich also während des Schreibens all meine Selbstzweifel wegtherapiert. Ich bin auch schon wieder ganz glücklich und werde meine Theorie nächste Woche dem Trainer klarmachen.
Für das Geschäft muss es nicht unbedingt so gut sein, für uns Kunden aber umso mehr, denn wie könnte man sonst leichter die Preise vergleichen und sich das beste Angebot rauspicken, ohne kreuz und quer durch die Stadt zu reisen?
Wir kommen also an und schauen uns erst einmal die Läden an. Ziemlich zurückhaltend, keiner möchte so richtig den ersten Schritt wagen. Irgendwann teilen wir uns dann auf, da Thomas, Philipp und Nadine gerne einen Mantel hätten, Denis ein chinesisches Hemd, ich einen Anzug und bei Andreas wissen wir es zunächst gar nicht so genau. Ich gehe also in einen Laden, schaue mir die Stoffe an, stelle fest, dass mir eigentlich nur der schwarze gefällt (oder ich mir die anderen Farben und Muster noch nicht so recht vorstellen kann), werde vermessen, jo, der Mantel soll nicht zu eng und nicht zu weit sein, vom Schnitt her wie vom Meister da drüben, alles klar, 700 Yuan, Bitte schön, Danke schön und Tschüss. Nach fünf Minuten bin ich fertig. Andreas macht es mir gleich. In 15 Tagen dürfen wir das Stück abholen.
Die anderen treffe ich dann in verschiedenen Läden wieder. Sie haben alle entweder das Problem, dass sie keine schönen Stoffe finden, oder dass der Schneider keinen Katalog mit Mustern besitzt. Es könnte eigentlich einfach sein, wenn man sich im Stoffmarkt etwas vom großen Sortiment aussucht und dann zum Meister bringt, aber das wollen die Meister nicht. Ich frage mich, wer dann die Stoffe kauft.
Letztendlich werden dann doch alle, zumindest in unserer jeweiligen Fantasie (wie der Schneider es umsetzt, bleibt abzuwarten), zufrieden gestellt. Wenn der Meister seine Sache gut macht, kann er davon ausgehen, dass ich ihn abermals besuche. Es ist ja bald Weihnachten.
Abends gehen Lukas und ich endlich mal wieder zum Taekwondo (ist vor zwei Wochen ausgefallen, letzte Woche war Prüfung und Labor). Und wozu das ganze? Dazu, dass ich mir zweieinhalb Stunden lang demonstrieren lassen kann, dass ich vollkommen ungelenkig bin und vielleicht genauso lange Bänder habe, wie die anderen Kursteilnehmer, dafür aber viel längere Knochen und Gliedmaßen. Und mir wird beigebracht, was es heißt, Schmerzen zu haben. Und das ganze dann auch noch draußen in der Kälte, schwitzend, was der Gesundheit nicht gerade gut tut, aber daran denkt man hier nicht, da Chinesen nicht schwitzen können, glaube ich.
Allerdings mag es auch gut angehen, dass es nur so scheint, dass ich meine Beine nicht soweit auseinander bekomme, wie andere, dabei ist der Winkel bei den Oberschenkeln wahrscheinlich gleich, aber die Spanne bei den Füßen wirkt kleiner, weil ich O-Beine besitze und Chinesen traditionell X-Beine. Also wird mein Winkel ab den Knien wieder kleiner, der der Chinesen aber größer. Ja, das dürfte des Rätsels Lösung sein. Jetzt habe ich also während des Schreibens all meine Selbstzweifel wegtherapiert. Ich bin auch schon wieder ganz glücklich und werde meine Theorie nächste Woche dem Trainer klarmachen.
Tag 250: Bleiche.
Im Bad entdecken wir Bleiche, die wir irgendwann mal gekauft haben. Was macht man denn mal damit? Fieberhaft sind wir auf der Suche nach irgendetwas, was man dem Chlor zum Opfer fallen lassen könnte. Letztendlich finden wir unsere Couch, die eigentlich orange sein soll, aber schon seit wir hier sind eher unschön wirkt, da die Sitzfläche total dreckig und verschmoddert ist. Zu allem Überfluss hat sich Hanna letztens noch darauf gesetzt und erst kurz nach dem Hinsetzen gemerkt, dass sich zwei Kakis zwischen Hinterteil und Stoff befanden. Die konnte man dann natürlich nicht mehr essen.
Nun, die Couch werden unsere Nachfolger wahrscheinlich sowieso austauschen müssen, also ziehen wir den Stoff ab und hauen ihn mal in die Waschmaschine. Da wir nicht wissen, wie viel Bleiche dazu gehört, hauen wir einfach mal die ganze Flasche hinterher. Sicher ist sicher. Eine Stunde Einwirkzeit steht drauf. Wir haben aber keine Stunde, da Vorlesung stattfindet. Drei Stunden lang. Und anschließend lassen wir es noch einmal eine Stunde drin. Dann finden drei Waschvorgänge statt, damit der Schwimmbadgeruch verschwindet.
Spät abends ist der Bezug getrocknet, aber immer noch orange. Viel mehr noch: Selbst die Sitzfläche ist wieder ziemlich orange. Der Dreck und Schmodder ist verschwunden. Sieht super aus.
Einziges Manko an der ganzen Sache: Der Grip, den die Sitzfläche vorher durch alle Fremdkörper hatte, ist verschwunden, man rutscht jetzt ziemlich leicht runter. Aber ich gebe dem ganzen noch ein paar Wochen, dann ist auch der wieder vorhanden.
Nun, die Couch werden unsere Nachfolger wahrscheinlich sowieso austauschen müssen, also ziehen wir den Stoff ab und hauen ihn mal in die Waschmaschine. Da wir nicht wissen, wie viel Bleiche dazu gehört, hauen wir einfach mal die ganze Flasche hinterher. Sicher ist sicher. Eine Stunde Einwirkzeit steht drauf. Wir haben aber keine Stunde, da Vorlesung stattfindet. Drei Stunden lang. Und anschließend lassen wir es noch einmal eine Stunde drin. Dann finden drei Waschvorgänge statt, damit der Schwimmbadgeruch verschwindet.
Spät abends ist der Bezug getrocknet, aber immer noch orange. Viel mehr noch: Selbst die Sitzfläche ist wieder ziemlich orange. Der Dreck und Schmodder ist verschwunden. Sieht super aus.
Einziges Manko an der ganzen Sache: Der Grip, den die Sitzfläche vorher durch alle Fremdkörper hatte, ist verschwunden, man rutscht jetzt ziemlich leicht runter. Aber ich gebe dem ganzen noch ein paar Wochen, dann ist auch der wieder vorhanden.
Tag 249: Wintereinbruch.
Chinesisch fällt heute morgen aus. Das ist super. Da kann man sich noch mal voll und ganz vom Wochenende erholen und muss erst um halb zwei vor die Tür. Draußen strahlt die Sonne und die Luft ist kühl und frisch, zumindest vom Fenster her feststellbar.
Draußen auf dem Fahrrad dann allerdings wirkt das ganze doch kühler, als angedacht. Letzte Woche ging es noch mit kurzer Hose und T-Shirt raus, heute aber reicht meine Jacke kaum aus.
Auf dem alten Campus sitzen wir dann im zunächst wohlgeheizten Vorlesungsraum, der aber immer weiter auskühlt, was kein Wunder ist, wenn der Flur zu vier Treppenhäusern führt, die sich jeweils im Freien befinden und somit die Klassenräume von zwei Seiten (mindestens) Außentemperaturen zu spüren bekommen und nur aus Beton bestehen.
Bei Frau Ais Vorlesung wird es dann noch einmal viel kälter, da unser Raum, für über 100 Studenten ausgelegt, nur von zehn einsamen Menschen bevölkert wird. Aber die frostige Stimmung passt zur Vorlesung, denn wir alle sind etwas betrübt, es ist die letzte vor der Prüfung, also auch die letzte Vorlesung von Frau Ai in unserem Leben!
Ich werde sie vermissen, die Professorin, die immer gut gelaunt ist, die immer klar und deutlich spricht, die ihr Haar immer auf eine ganz besondere Art und Weise nach hinten wirbelt, wenn sie sich von der Tafel zurück zu uns dreht, die englische Begriffe immer so aushaucht, dass einem ganz anders wird, die es in jeder Stunde geschafft hat, mich so an ihre Lippen zu fesseln, dass ich alles andere um mich herum vergaß.
Jetzt ist es vorbei. Draußen ist es auch dunkel und frostig und ich sehe mich gezwungen, im Outdoor-Laden neben dem Campus Handschuhe und etwas für den Hals zu kaufen.
Traurig und frierend fahren wir zurück.
Draußen auf dem Fahrrad dann allerdings wirkt das ganze doch kühler, als angedacht. Letzte Woche ging es noch mit kurzer Hose und T-Shirt raus, heute aber reicht meine Jacke kaum aus.
Auf dem alten Campus sitzen wir dann im zunächst wohlgeheizten Vorlesungsraum, der aber immer weiter auskühlt, was kein Wunder ist, wenn der Flur zu vier Treppenhäusern führt, die sich jeweils im Freien befinden und somit die Klassenräume von zwei Seiten (mindestens) Außentemperaturen zu spüren bekommen und nur aus Beton bestehen.
Bei Frau Ais Vorlesung wird es dann noch einmal viel kälter, da unser Raum, für über 100 Studenten ausgelegt, nur von zehn einsamen Menschen bevölkert wird. Aber die frostige Stimmung passt zur Vorlesung, denn wir alle sind etwas betrübt, es ist die letzte vor der Prüfung, also auch die letzte Vorlesung von Frau Ai in unserem Leben!
Ich werde sie vermissen, die Professorin, die immer gut gelaunt ist, die immer klar und deutlich spricht, die ihr Haar immer auf eine ganz besondere Art und Weise nach hinten wirbelt, wenn sie sich von der Tafel zurück zu uns dreht, die englische Begriffe immer so aushaucht, dass einem ganz anders wird, die es in jeder Stunde geschafft hat, mich so an ihre Lippen zu fesseln, dass ich alles andere um mich herum vergaß.
Jetzt ist es vorbei. Draußen ist es auch dunkel und frostig und ich sehe mich gezwungen, im Outdoor-Laden neben dem Campus Handschuhe und etwas für den Hals zu kaufen.
Traurig und frierend fahren wir zurück.
Tag 248: Dein Chinesisch ist echt spitze!
Halloween ist anstrengend, mich bekommt heute nichts so schnell aus dem Bett, zumal es draußen alles andere als schön ist. Aber dann fällt mir mein Kostüm auf, das heute zurück muss. Bis um sieben. Da ist es um 18:05 Uhr also tatsächlich Zeit, mal aufzubrechen.
Es ist Sonntag, ich könnte mal den Bus nehmen. Des Gewissens wegen. Und des Umweltschutzes wegen. Auch wenn die Taxis natürlich auch dann fahren, wenn ich nicht ihr Passagier bin. Aber auch am Sonntag ist Feierabendverkehr. Eine halbe Stunde später habe ich gerade mal eine Station hinter mich gebracht. Zu wenig, denn wenn das in dem Tempo so weitergeht, brauche ich fünf Stunden bis zur Ankunft. Zudem plärrt neben mir die ganze Zeit ein Balg, das viele besondere Wünsche hat: Es will sitzen, etwas trinken, sein Spielzeug, etwas essen... und der Mutter ist es egal. Lass das Kind mal heulen und schreien, zumindest sie hat sich dran gewöhnt.
Nä, das mach ich nicht mit. Ich steig aus und nenne dem Taxifahrer den Straßennamen. Und diese Aussage reicht ihm schon, um zur Erkenntnis zu kommen, dass mein Chinesisch "echt spitze" (很棒) sei. Vielen Chinesen reichen schon wenige Worte aus meinem Munde, um mich in höchsten Tönen wegen meiner Sprachkenntnisse zu loben. Schleimer. Ich frage danach meistens, wie sie zu der Erkenntnis kommen, nachdem ich nichtmal einen ganzen Satz gesagt habe. Irgendwie weichen sie dann immer aus.
Nun, auch diese Taxifahrt hat dann ein Ende und ich komme pünktlich eine Minute vor Ladenschluss beim Kostümverleih an. Die Frau ist schon etwas verärgert und die Tatsache, dass die Spitze vom Helm abgebrochen ist und von mir nur halbherzig geklebt wurde, lässt ihre Stimmung nicht aufhellen. Ist mir egal, ich sacke mein Geld ein, laufe etwas die Weststraße gen Osten, ernähre mich vollkommen ungesund und besteige einen Bus, der jetzt flüssig fährt und keine schreienden Kinder befördert.
Es ist Sonntag, ich könnte mal den Bus nehmen. Des Gewissens wegen. Und des Umweltschutzes wegen. Auch wenn die Taxis natürlich auch dann fahren, wenn ich nicht ihr Passagier bin. Aber auch am Sonntag ist Feierabendverkehr. Eine halbe Stunde später habe ich gerade mal eine Station hinter mich gebracht. Zu wenig, denn wenn das in dem Tempo so weitergeht, brauche ich fünf Stunden bis zur Ankunft. Zudem plärrt neben mir die ganze Zeit ein Balg, das viele besondere Wünsche hat: Es will sitzen, etwas trinken, sein Spielzeug, etwas essen... und der Mutter ist es egal. Lass das Kind mal heulen und schreien, zumindest sie hat sich dran gewöhnt.
Nä, das mach ich nicht mit. Ich steig aus und nenne dem Taxifahrer den Straßennamen. Und diese Aussage reicht ihm schon, um zur Erkenntnis zu kommen, dass mein Chinesisch "echt spitze" (很棒) sei. Vielen Chinesen reichen schon wenige Worte aus meinem Munde, um mich in höchsten Tönen wegen meiner Sprachkenntnisse zu loben. Schleimer. Ich frage danach meistens, wie sie zu der Erkenntnis kommen, nachdem ich nichtmal einen ganzen Satz gesagt habe. Irgendwie weichen sie dann immer aus.
Nun, auch diese Taxifahrt hat dann ein Ende und ich komme pünktlich eine Minute vor Ladenschluss beim Kostümverleih an. Die Frau ist schon etwas verärgert und die Tatsache, dass die Spitze vom Helm abgebrochen ist und von mir nur halbherzig geklebt wurde, lässt ihre Stimmung nicht aufhellen. Ist mir egal, ich sacke mein Geld ein, laufe etwas die Weststraße gen Osten, ernähre mich vollkommen ungesund und besteige einen Bus, der jetzt flüssig fährt und keine schreienden Kinder befördert.
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