Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 123: Hoher Besuch.

Heute steht uns ein sehr kurzer Arbeitstag bevor, mittags bekommen wir schon Feierabend. Der Grund dafür liegt im Besucht eines deutschen Botschafters aus Peking und zwei Mitarbeitern des Goethe-Instituts (ebenfalls Peking bzw. Xi'an). Wir konnten uns lange darauf vorbereiten, da uns ihr erscheinen gestern Abend angekündigt wurde. Es lebe also weiterhin die chinesische Spontanität.
Also gilt es, uns drei Stunden in der neuen Abteilung, der Druckweiterverarbeitung (da sind Lukas und ich jetzt zusammen) zu akklimatisieren. Dort werde ich (ich bin zentrale Anrufstation, wenn unsere Betreuerin etwas zu verkünden hat) angerufen. Die Frage, ob wir bei der Arbeit sind, ist eher als Floskel gedacht, denn es soll doch bitte noch jemand eine Rede vorbereiten. Leben und Studieren in China und vielleicht noch ein paar kulturelle Unterschiede. Ich leite die Bitte per SMS an die anderen weiter, von denen wir uns abends immer anhören dürfen, wie langweilig es doch den ganzen Tag sei. Sie müssten eigentlich Zeit haben. Dennoch weigern sie sich. Durchweg alle. Durch die Bank durch. Diese Antwort ignoriere ich aber erstmal.
Dann geht es auch schon in der prallen Mittagshitze zurück. Die Zeit zwischen Ankunft und Anwesenheitspflicht im Deutschclub lässt eine Dusche, jedoch kein Mittagessen zu. Dort angekommen werde ich abermals angerufen. In unserer Wohnung sei noch eine Gitarre, die würde noch gebraucht. Der Weg zurück ist zwar nicht der weiteste, aber es ist verdammt heiß. Aber gut, sie wird geholt.
Und dann dauert es doch fast noch eine Stunde, bis der hohe Besuch ankommt. Es werden ein paar Filme, bzw. Power-Point-Präsentationen abgespielt, dann sollen wir doch noch was sagen. Und natürlich ist es die Schuld der zentralen Ansprechstation, wenn sich keiner meldet. Allerdings hasse ich Reden. Und ich bin kein Mann der vielen Worte. Und ich spreche sehr schnell. So fällt meine 'Rede', in der ich eigentlich nur kurz vorstelle, was wir hier so machen, sehr kurz aus.
Allerdings habe ich auch großen Kohldampf, nur haben leider alle Mensen ab spätestens zwei Uhr nichts mehr zu essen. Also wird der eigentlich als frei angedachte Nachmittag zum Kochen verwendet. Und das ist immer ein Teufelskreis: Unser Geschirr wird nur sauber, wenn wir wieder kochen, da wir es brauchen. Der Aufgabe des Spülens komme ich meistens nach, da Thomas und Luke schon mit Messer und Brett bewaffnet sind. Dann spül ich fein säuberlich alles (was verdammt lange dauert, weil Lukas das mit dem Einweichen noch immer nicht so richtig verstanden hat und sich somit oft eine harte Kruste bildet) und schon ist es wieder dreckig. Und nach dem Essen bleibt das dann auch erstmal so. Bis zum nächsten Essen.
Anschließend wird Fußball gespielt und dann ist es wieder so spät, dass es in den Mensen auch kein Abendessen mehr gibt. Der Magen wird nur mäßig gestopft, sodass er zum Einschlafen nicht murrt. Meinem geplanten Stopp des Gewichtsverlusts (bislang ca. 5 kg in) kommt das nicht gerade zugute.

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