In Kyoto war ich vor drei Jahren schon, dass ich nun keine Kosten gescheut habe, wiederzukommen, sollte zeigen, dass die Stadt wirklich schön ist. In ihr gibt es neben einigen hundert Schreinen noch mehr als tausend Tempel. Die Buddhisten mussten früher echt Langeweile gehabt haben. Wir nehmen uns vor, alle zu besuchen. Heute. Um sie zu finden, soll eine Busroutenkarte dienen. Der erste ist der goldene Tempel, gleichzeitig der schönste und wichtigste. Wissen wir natürlich erst dort, als wir heimlich hei einer Touristengruppe lauschen, denn vorbereitet haben wir uns nicht so wirklich. Nun haben wir also schon das Highlight gesehen, wozu sich noch die Füße wundlaufen? Wir ziehen trotzdem weiter, haben ja auch ne Tageskarte für den Bus. Kaiserpalast. Klingt gut. Aber hier geht man das ganze ruhiger an, es ist zwölf, Mittagspause. Auch für uns der ideale Zeitpunkt, mal zu frühstücken. Haben wir nämlich vor lauter Tatendrang vergessen. Wir werden in einer kleinen Nebenstraße fündig. Das Restaurant ist klein und traditionell, soll heißen: Schuhe aus, im Schneidersitz am niedrigen Tisch sitzen und sehr gutes Sashimi (verschiedene Fischsorten roh in Streifen geschnitten) essen. Das leckerste Essen bislang und überhaupt, in Fernost.
Kaiserpalast ist in Ordnung. Viele Tore. In die Gebäude darf man nicht. Allerdings seien die auch sehr sperrlich eingerichtet, versöhnt man uns. Und man darf nichts anfassen oder den Weg verlassen. Der Kaiser muss da ein sehr ödes Leben geführt haben, kein Wunder, dass er jetzt lieber in Tokyo lebt. Ein Highlight bleibt die Alarmanlage, die anspringt, sobald man sich der Mauer zu sehr nähert. Von uns wird sie schamlos ausgenutzt, damit mal etwas Stimmung in die sehr stillen Höfe kommt. Nichtsdestotrotz ist der Palast natürlich sehr beeindruckend.
Unser Schild mit der Nummer 8, das wir uns bei Dico's in Xi'an "ausgeliehen" haben, damit es min uns auf große Reise geh. Und unsere Fotos ziert, wähnen wir schon verloren, da es nicht mehr auf dem Baum liegt, auf dem wir es vor der Mittagspause platziert haben. Glücklicherweise finden wir es im Schubkarren des Müllsammlers wieder. Manchmal haben wir sehr viel Glück.
Nach ein paar weiteren Tempelanlagen besuchen wir abends die City, trinken Bier im Pub, lernen von einem Franzosen Anmachtipps für Japanerinnen und machen tolle Fotos mit einer Dame in einer schön bunten Fotobox, die hier an vielen Straßenecken stehen. Zwar sagt sie, falls ihr Chef (sie hat gerade eigentlich Dienst) sie sieht, "I will fire!", aber das Risiko geht sie gerne ein.
Dann geht eine kleine Odyssee los. Da der Busverkehr größtenteils ab zehn Uhr eingestellt wird, nehmen wir einen letzten, der zumindest in die richtige Richtung fährt. Nach zwei Stationen ist dann schon Feierabend, wir werden rausgeworfen. Also Taxi. Teuer, aber was ist hier nicht teuer. Nach einiger Zeit ist aber auch hier Feierabend. Schluss. Geht nicht weiter. Ist nicht seine Region. Also raus. An einer Kreuzung mit sechs Straßen. Welche wir nehmen müssen, weiß der Fahrer auch nicht. Aber wir nehmen die richtige und müssen auch nur noch 15 Minuten laufen.
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