Mittwoch, 19. August 2009

Mirko Tag 167: Deutsches Reinheitsgebot?

Trotz einer überschaubaren Menge an Bier und einem frühen Bettgang
brummt mein Schädel heute morgen gewaltig. Muss am unfiltrierten, dass
zu viele Giftstoffe vom Brauprozess enthält. Da hat man sich bei der
Einführung des deutschen Reinheitsgebots also schon was gedacht, nehme
ich an.
Shushen geht es ähnlich. Antriebslos. Appetitlos. Planlos. Der Strand,
wo wir eigentlich den ganzen Tag verbringen wollen, muss warten. Das
Bett hat momentan eine größere Anziehungskraft. Zwei Stunden Schlaf
gewähre ich ihm ab elf Uhr. Um fün wecke ich ihn dann tatsächlich.
Frühstück. Und dann Strand, aber nur gucken.
Und was gibt es da zu gucken? Eine Menschenmasse sondergleichen. War
ich in Xiamen der einzige weit und breit im Wasser, so schwimmt man
hier die ersten 50 Meter durch ein Meer von Menschen. Unter ihnen
tragen viele Männer Schwimmflügel, Frauen tragen Neoprenanzug plus
zurechtgeschnittener Neopren-Maske, damit sie schön weiß bleiben.
Angst haben muss man hier nicht, da die Bucht mit einem Hainetz
versehen ist. Ob es in dieser Region wirklich Haie gibt, bleibt zu
bezweifeln. Und so bleibt eher die Mutmaßung, dass es eher gespannt
wurde, um die Menschen im Land zu halten.
Nach zwei Stunden geht es zurück ins Hostel. Shushen ist müde, geht
um acht schlafen. Ich finde heraus, dass man auf der Dachterrasse in
der Lounge essen kann. Und das gut und günstig bei chilliger Musik und
Billiard und vielen Gleichgesinnten. Westler, allein auf der Reise und
auf der Suche nach Abenteuern. Deshalb bietet es sich an, zusammen
loszuziehen. Ich habe ja den Tag genügend geruht, sodass ich jetzt gar
nicht müde sein kann.
Zwei Amis, drei Franzosen, ein Guatemateco, ich Deutscher sind am
Start, als wir die erste Disco betreten. Allerdings sind die Service-
Kräfte da immer etwas lästig und drängen einen förmlich dazu, sich
zu setzen und etwas zu trinken zu bestellen. Aber wir wollen wirklich
nicht an der Theke sitzen, auf der gerade ein Mann in Frauenkleidung
tanzt, also gehen wir wieder raus und finden in der Nebenstraße eine
Bar mit Tiachkicker und noch mehr Westlern. Briten, Australier, Russen
schließen sich uns an und es gleicht einer weißen Imvasion, als wir
(mittlerweile mehr als 20 Leute) uns vor einem Restaurant
niederzulassen. Wieder Seafood, wieder sehr gut und verdammt günstig.
Wir bleiben zwei Stunden.
In der Disco machen wir den letzten Tanz mit, dann müssen wir gehen.
Man will schließen. Von einem öffentlichen Platz werden wir auch
verscheucht, der Polizist traut uns nicht.
Und man sollte meinen, dass wir die einzigen Dummen sind, die jetzt,
um halb fünf in der Nacht, zum Strand gehen. Aber weit gefehlt. Es ist
eine Pilgerwanderung von hauptsächlich älteren Chinesen, die es sehr
eilig haben, das Wasser zu erreichen. Und somi ist der Strand fast so
voll, wie vor zwölf Stunden, als ich das letzte Mal hier war. Das ist
doch nicht normal! Aber gut für den Körper und den Geist, sagt man
uns.
Als wir zurückkommen, steht Shushen gerade auf. Es ist halb sechs.
Seine Freundin zwingt ihn dazu, einen Berg hier in der Nähe zu
besteigen. Dabei will er doch heute eigentlich nur am Strand liegen.
Armer Bub!
Ich lehne das Angebot, sie zu begleiten, dankend ab.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen