Das Wetter zur Zeit in der Region von Shanghai, Hangzhou und Ningbo
gehört nicht gerade zum angenehmsten. Gerade scheint noch die Sonne,
schon zieht eine große Regenwolke auf und regnet sich aus, nur um
danach gleich wieder der Sonne Platz zu machen. Und die lässt den
Regen dann wieder verdampfen. Dadurch ist die Luft so gesättigt, dass
die vom Regen nasse Kleidung gar keine Gelegenheit bekommt, um zu
trocknen. Ich weiß insgesamt gar nicht, ob ich gerade schwitze oder ob
es nur die Wasserpartikel der Luft sind, die sich an mir ablagern. Und
dann kommt man in ein Geschäft und wird von der Klimaanlage
kaltgepustet. Kein Wunder, dass sämtliche Rezeptionsdamen des Hostels
um die Wette husten.
Dennoch muss ih vor die Tür, wenigstens etwas von Ningbo sehen. Diese
Stadt soll Shanghai etwas ähneln, durch einen Fluss geteilte Stadt mit
einer farbenfroh beleuchteten Skyline. Aber der großen Metropole auf
der anderen Seite der Meereseinschneise kann Ningbo keine Konkurrenz
machen, viel zu klein sind die Gebäude.
Ich besuche noch ein altes Anwesen, das Tianyige, das die älteste
Bibliothek Chinas beherbergen soll und auch die einzige
Mahjongausstellung der Welt. Wow. Dafür zahlt man dann auch 30 Yuan
Eintritt. Nicht wenig für China. Die Bibliothek verfügt über eine
nicht sehr große Auswahl an Kopien von Kopien der aus dem 9.
Jahrhundert stammenden Bücher und aus den Schildern wird klar, dass
sie erst 1980 neu aufgebaut wurde. Ganz schön alt also. Die
Mahjongausstellung ist jetzt auch nicht die größte, allerdings für
mich auch nicht so Interesse. Viel spektakulärer ist der sprechende
Vogel, der einen auf drei Sprachen begrüßt.
Für eine kleine Besucherin hat sich das Kommen dennoch gelohnt. Stolz
erzählt sie ihren Eltern, dass ich der erste Ausländer bin, den sie
je gesehen hat. Auch ich bin zu Tränen gerührt. Sie darf auch mal
anfassen.
Auf dem Rückweg laufe ich über eine lange Brücke. Eine Passantin ist
mir sympatisch, denn auch zeigt deutlich, wie genervt sie von den
Mofafahrern ist, die den Gehweg als ihren Weg deklarieren und uns nur
ungern Platz machen. Ich hätte nicht auf die Frage, wo ich herkomme,
reagieren sollen, denn nun wird mir ein halbstündiger Monolog über
die Ungerechtigkeit auf der Welt und die Ausbeutung Chinas
vorgetragen. Das alles auf Chinesisch, sodass ich oft nur erahnen
kann, was sie gerade sagt. Aber ich bekomme am Ende nochmal eine
Zusammenfassung in gutem Englisch. Sie scheint nicht ungebildet zu
sein und deutet an, dass sie wohl ein paar mal zu oft ihre Meinung
gesagt zu haben, denn Arbeit habe sie wohl seit kurzem keine mehr und
bei genauerer Betrachtung trägt sie auch ihren ganzen Hausrat mit sich
rum. Natürlich würde ich ihr gerne weiter lauschen, aber leider
leider ziehen schon seit einiger Zeit Gewitterwolken auf. Und Mama
sagt, was auch das Fernsehen bestätigt, dass man bei Gewitter alles
ander als auf einer Brücke stehen sollte.
Ich lasse mich noch eine Stunde im Hostel trocknen, dann geht es zum
Flughafen. Da will ich einen Gürtel oder zumindest ein Band kaufen,
damit nichts durch den kaputten Reißverschluss rutschen kann. Aber
Gürtel wir genauso ausgesprochen, wie Tragetasche, und irgendwie
erschwert das die ganze Suche. Zum Glück werde ich beim Samsonite-
Laden selber fündig, leide hat die Marke auch wieder ihren Preis. Aber
sicher ist sicher, denn ich will bis nach Xiamen im Süden nicht das
halbe Gepäck verloren haben.
Ich könnte übrigens auch mit dem Zug dorthin fahren, allerdings gilt
es abzuwägen, ob 300 Yuan für 24 Stunden Fahrt oder 500 Yuan für
eine Stunde Flug günstiger sind. Denn Ferienzeit ist eine kostbare
Zeit.
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