Letzter Tag Familienbesuch und deshalb ist es die letzte Chance, die obersten Stockwerke des Shanghai World Financial Centers zu besuchen. Es ist leider zu bewölkt, sonderlich viel sieht man nicht, fotografieren lohnt sich also nicht, aber dafür ist dann das Internert verantwortlich.
Das ist dann auch schon das ganze Tagesprogramm, abends spendet der Japaner von nebenan die Henkersmahlzeit und dann bin ich auch schon wieder ganz alleine in der Metropole. Schade, war eine sehr schöne Woche.
Was mach ich also jetzt den weiteren Abend über? Erstmal Fußmassage. Li ist ganz aufgeregt und kichert verlegen, als sie mit ihrem zarten Körper den kleinen Massagesalon betritt. So zart die Pfötlein auch sein mögen, so kräftig kann sie zupacken. Ich wähle die Deluxe-Version von zwei Stunden Massage und Tee und Obst so viel mir beliebt. Li versteht ihr Hanswerk und gibt sich zudem viel Mühe, deutlich Chinesisch zu sprechen, damit ich alles verstehe. Sie denkt auch gar nicht daran, sich in Englisch abzumühen. Gut so. Überhaupt bin ich erfreut, auch wenn es mich wundert, dass ich in einer internationalen Großstadt wie Shanghai hauptsächlich im guten und klaren Chinesisch angesprochen werde.
Gegen Ende der zwei Stunden werden mir noch einmal Tomaten gebracht. Und eine Nudelsuppe steht noch auf dem Tablett. Leider steht sie dort nicht lange genug sondern schickt sich an vom leicht schräg gehaltenen Tablett zu rutschen. Der Kellner, hat gerade neu angefangen im Salon, versucht noch gegenzusteuern, was sich auf die Schale mit der heißen Brühe aber eher wie eine Springschanze auswirkt, sodass sogleich meine Beine mit ihrem Inhalt besudelt sind. Es brennt nur kurz. Die Gedanken an den armen neuen Kellner, der jetzt bestimmt gefeuert wird, vertreiben den Schmerz.
Die Beine werden noch einmal gewaschen und dann sind auch schon mehr als zwei Stunden vergangen. Mit neuer Energie in den Beinen will ich mich auf die Suche nach einer Bar oder einem Club machen. Soll es hier geben. Sagt das Internet. Und das Internet hat immer recht. Bars finde ich nicht. Clubs dagegen finde ich so einige, allerdings komme ich mir an keinem wirklich willkommen vor. An jeder Tür berinde sich ein Augenschlitz für Schlitzaugen (was für ein schlechtes Wortspiel...) und es dröhnt keine Musik heraus. Auch Kunden seh ich kaum welche. Vielleicht ist freitags Ruhetag. Oder es handelt sich um ganz exklusive Clubs. Gegen ein Uhr, ich irre schon eine ganze Zeitlang umher, öffnen sich dann doch bei sämtlichen Clubs die Augenschlitztüren. Feierabend. Und heraus kommen nur Frauen. Eine schöner als die andere. Wär ich mal bloß nicht so feige gewesen und reingegangen. Aus Frust trinke ich noch ein Bier in Binbins Laden. Dann geh ich die Straße weiter runter. Man findet hier alles: Straßenessen, Schnickshnack-Stände, Kleidung, DVD, Haustiere, Restaurants, Shops und sogar Frisöre werden noch besucht. Um halb drei nachts. Man findet alles. Nur keine vernünftigen Bars.
Und noch was fehlt heute: mein Lieblingszuhälter, den ich sonst immer vorm Hotel vertrösten muss, warum ich seine Damen schon wieder nicht in Anspruch nehmen will. Schade, mit dem ließ sich immer gut reden. Und vielleicht kennt er noch eine Bar.
Von meinem iPod gesendet
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