Sonntag, 16. August 2009

Mirko Tag 163: Kurze (?) Reise nach Hongkong.

Die Reise in eine neue Stadt ist bei mir momentan häufig mit der
Hoffnung auf ein Domizil mit mehr Schlaf verbunden. Ist aber auch
heute nicht wirklich drin, da ich immer nur kurz ein Verkehrsmittel
besteige, maximal eine Stunde unterwegs bin, aussteige, warte und
wieder irgendwo einsteige. Nach Shenzhen mit dem Flieger, da in den
Bus, zu Grenze nach Hongkong, Passkontrolle, nächster Bus, City.
Zwar werden mir schon am Flughafen die obligatorischen Zettel zur
Einreise und zur Schweinegrippe zum Ausfüllen gereicht, aber scheinbar
sieht man nicht ein, warum man mir sofort drei Zettel geben sollte.
Soll der Mirko doch mal schön selber rausfinden, oder nach einer
halben Stunde Schlange stehen vom Grenzbeamten aufgeklärt werden.
Herzlichen Dank. Denn so verpass ich auch den nächsten Bus und darf
noch eine halbe Stunde warten. Zudem fährt dieser dann viel zu langsam
und immer ganz rechts auf der Autobahn, allerdings fällt mir dann auf,
dass hier ja Rechtsverkehr herrscht. Der Busfahrer hält es nicht für
nötig, die Haltestellen anzusagen, also steig ich da aus, wo die
meisten aussteigen. Hab sowieso keinen Plan, wo ich hin muss. Hab ja
noch kein Hostel gebucht. Und einen Plan von der Stadt habe ich auch
nicht. Ich fahr sowieso immer ohne großen Plan und Vorbereitung los.
Dann ist die Erwartungshaltung nicht so hoch. Allerdings weiß ich
jetzt nicht, wo ich anfangen soll. Ich bräuchte Internet, um ein
Hostel zu finden. Allerdings brauch ich dafür Geld. Ich weiß
zumindest, dass man hier mit dem Hongkong-Dollar zahlt, aber was ist
der wert? Was hebt man ab? Und wo ist die nächste ATM-Bank?
In einer riesigen Mall werde ich fündig. 400 $, wird passen, ist der
mittlerste Betrag, den man abheben kann.
Vorm Starbuckscafé nutze ich meine 20 freien Internetminuten auf dem
iPod nih gerade intensiv für die Hostelsuche. Wie auch? Ich muss erst
mal wieder das unzensierte Netz genießen und ausnutzen. Aber dann im
nächsten Café werde ich fündig. Hostel in Kowloon. Da bin ich auch
gerade, finde ich heraus.
Also raus aus der Mall, mit der Adresse auf die Suche nach einem Taxi.
Dann fällt mir aber auf, dass ich schon in der richtigen Straße bin.
Hausnummer 700, ich muss zu 36. So weit kann das nicht sein. Aber ich
laufe dennoch eine halbe Stunde. Hauptsächlich, weil die Häuser so
dicht an die Straße gebaut sind, dass kaum Platz für Passanten ist.
Und dann läuft auch keiner in meinem Tempo. Und dauernd bleibt jemand
aus nichtigen Gründen unerwartet stehen. Dazu habe ich Gepäck auf dem
Rücken. Und es ist heiß. Und ich schwitze. Und ich bin mittlerweile
seit neun Stunden unterwegs. Ich muss mich selber beruhigen. Mich
bremsen, dass ich niemanden anschreie.
Mein Hostel umfasst einen Häuserblock. Im Erdgeschoss haben Inder und
Afrikaner ihren Fälschermarkt, im dritten Geschoss ist die Rezeption,
ich wohne im elften. Allerdings ist das Gebäude in sechs Blöcke
unterteilt, für jeden gibt es zwei Aufzüge, der linke fährt die
geraden, der rechte die ungeraden Zahlen an. Und das ganze in einer
Geschwindigkeit, die selbst die Bezeichnung langsam nicht verdient. Zu
Stoßzeiten kann man also auch hier vor eine halbe Stunde warten, auf
der Fahrt nach ganz oben verhungern.
Mit Andrew, meinem malaysischen Mitbewohner geh ich essen und in ein
Internetcafé, damit meine Weiterreise für übermorgen geklärt ist.
Da er Buddhistenschüler ist, fällt ein Clubbesuch flach. Kein
Problem, ich habe sowieso noch etwas Schlaf nachzuholen und morgen ist
Touristenprogramm dran. Dabei hilft mir der australische Mitbewohner
weiter, der mir einen Plan und seine Tipps überlässt.
Und schon bin ich voll und ganz über die Stadt aufgeklärt. Wär ja
nur verschenkte Zeit gewesen, hätte ich mich vorher informiert.

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